Zweifel und Kritik an Fortschritt, Wissenschaft und Technik

Einladung zur wissenschaftlichen Konferenz des Deutschen Freidenker-Verbands am 8. Oktober 2011 in Dresden
Die Wirtschaftskrise macht die Krisenhaftigkeit des Kapitalismus unübersehbar, umso gefragter sind Ideologien, die die Systemursachen in Abrede stellen. Klassenneutral sollen die Übel und ihre Verursacher erscheinen: „der Mensch“, „das Wachstum“ etc.; und wer die Gesetzmäßigkeit des gesellschaftlichen Fortschritts negiert oder nicht akzeptiert, kann umso besser den „Fortschrittsglauben“ verhöhnen. Aber Wissenschaft und Technik finden nun mal nicht außerhalb der Gesellschaft statt, und die ist in Klassen gespalten, und dies bestimmt maßgeblich Erkenntnisinteressen, ethische Grundlagen und den Charakter der Ergebnisse.

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Was Freidenker an der Hirnforschung interessieren sollte

Beitrag von Klaus Hartmann aus FREIDENKER 1-11
Was ist der Grund für die gesteigerte Attraktivität der Hirnforschung? Dass die Hirnforschung oder ihre neueren Erkenntnisse eng mit der These verknüpft werden, dass es den ,freien Willen‘ überhaupt nicht gibt, dass Willensfreiheit eine Illusion sei. Und Freidenker wenden sich gegen diese These, weil sie fürchten, dass ihr Name unhaltbar wird? Nein, das Problem liegt tiefer. Es geht um eine zentrale Frage der Erkenntnistheorie, nämlich die Frage der Erkennbarkeit der Welt. Das ist zugleich eine sehr praktische Frage, denn aus der Antwort folgen Konsequenzen für die Möglichkeit der Veränderbarkeit der Welt. Damit sind wir als Weltanschauungsgemeinschaft wie als Kulturorganisation gleichermaßen angesprochen.

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Freiheit und Kommunismus sind ein- und dasselbe

Beitrag von Dr. Wolf Dieter Gudopp-von Behm, thematisch gehörend zu FREIDENKER 4-10
Unser Jubilar, er ist der wahre Friedrich der Große, lebte in der Zeit einer Epochenschwelle. Das ist ein Zufall. Daß er – dieser Friedrich Engels – aus dem gespannten und daher spannenden und Möglichkeits-prallen Sachverhalt für den Fortschritt der Geschichte und zugleich für sich etwas gemacht hat, das ist kein Zufall: es ist das Ergebnis vernünftiger Bewußtheit und bewußten Tuns, ist Arbeit und Bildung, Begreifen und Eingreifen.

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Die Strenge des Begriffs

Beitrag von Prof. Dr. Hans Heinz Holz, thematisch gehörend zu FREIDENKER 4-10
Warum nennen wir Engels in einem Atemzuge mit Marx den Begründer der neuen Denkhaltung und Wissenschaftseinstellung, die abgelöst von den Namen ihrer Gestalter als dialektischer und historischer Materialismus bezeichnet wird? Gewiß, die Theorie wurde in einem lebenslangen Gedankenaustausch, in Gesprächen und einem intensiven Briefwechsel, entwickelt, und Engels, der über ein enzyklopädisches Wissen verfügte, war dabei durchaus der gebende Teil; Marx hat unzählige wissenschaftliche Informationen von ihm bekommen, Erkenntnisse der historischen Zusammenhänge und der naturwissenschaftlichen Forschung, sprachwissenschaftliche Querverweise und vieles mehr.

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Strategien der Wissenschaftszerstörung

Beitrag von Werner Seppmann
Auch wenn konkrete Vorstellungen über gesellschaftliche Alternativen weitgehend verlorengegangen sind, ist eine Ahnung über die Notwendigkeit einer anderen Gesellschaft dennoch weit verbreitet. Obwohl der krisengeschüttelte Kapitalismus noch in der Lage ist, den Eindruck seiner Alternativlosigkeit zu vermitteln, haben die Weltwirtschaftskrise und der drohende Zusammenbruch des Finanzsystems die Skepzis über seine Zukunftsfähigkeit weiter verstärkt. Nach einer Emnid-Umfrage im Sommer 2010 wünschte sich eine deutliche Mehrheit der BRD-Bevölkerung eine »neue Wirtschaftsordnung«

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Canforas „kurze Geschichte der Demokratie“

Beitrag aus FREIDENKER 2-10
Luciano Canfora, Professor für klassische Philologie an der Universität Bari, versucht aus der Besichtigung europäischer Geschichte vom antiken Griechenland bis zur aktuellen EU einen Begriff von Demokratie zu gewinnen. Dabei betet er nicht die zum Überdruss bekannten wohlfeilen Lehrsätze nach, sondern konfrontiert diese mit einem radikalen Begriff von Demokratie, der als Anspruch unterdrückter Gesellschaftsklassen auf realen Einfluss und Gleichheit noch nicht eingelöst ist. Bei der herrschenden Rede über die Demokratie stellt Canfora eine heillose Begriffsverwirrung fest, die nicht zuletzt den Zweck erfüllt, Demokratie lediglich formal zu definieren bzw. als Fassade oligarchischer Herrschaft zu nutzen.

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De-Emanzipation – Domenico Losurdos ‚Gegengeschichte‘ des Liberalismus

Beitrag von Arnold Schölzel aus FREIDENKER 2-10
Die Geschichte des Liberalismus in der westlichen Welt ist von Heiligenlegenden durchwoben. Die Gründungsmythen Hollands, Großbritanniens, der USA und Frankreichs besagen, dass in ihnen eine Gemeinschaft von freien Bürgern historisch erstmalig den Individualismus zur Norm von Gesellschaft und Wirtschaft machte. Von Eroberung oder Unterdrückung ist selten die Rede. Wo heute von westlicher Demokratie gesprochen wird, wird vom Krieg geschwiegen.

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Aristoteles zur Staatsform

Beitrag von Wolf-Dieter Gudopp-von Behm aus FREIDENKER 2-10
Wer über die Ursprünge der Demokratie spricht, kommt auf Griechenland zu sprechen. Dort habe die „Wiege der Demokratie“ gestanden, und nicht zuletzt komme der Begriff dorther: vom „demos“, dem Volk, und von „kratos“, der Herrschaft. Doch über diese zwei kurzen Sätze gehen die Kenntnisse selten hinaus, insbesondere ist in der Regel unbekannt, dass und wie die Demokratie Gegenstand zeitgenössischer philosophischer Erörterung, Definition und Reflexion der „alten“ Griechen war. Diesem Mangel kann abgeholfen werden. Dr. Wolf-Dieter Gudopp-von Behm hat uns dazu auf einige Zitate aus dem 3. und 4. Buch der „Politik“ des Aristoteles hingewiesen.

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Noch einmal zu „Der halbe oder der ganze Darwin?“

Beitrag von Sebastian Bahlo aus FREIDENKER 1-10
Zunächst möchte ich daran erinnern, dass es mir im Kern darum ging, aufzuzeigen, dass die heutige Genetik sich zu Unrecht auf Darwins Evolutionslehre bezieht, weil sie nur die Rolle der natürlichen Selektion herausgegriffen hat, die erst nach einer erfolgten Änderung der Erbanlagen stattfindet, wobei es sich bei diesen Änderungen ausschließlich um „zufällige“, d. h. in keinem gesetzmäßigen Zusammenhang mit der Umwelt stehende, Veränderungen des „genetischen Codes“ handeln soll. Der ganze Reichtum des Werkes Darwins liegt dagegen in seiner Erforschung der Bedingungen, unter denen Umwelteinflüsse direkt auf die erbliche Veränderung der Organismen wirken.

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Wissenschaft und Glaube – der Neoatheismus und seine Grenzen

Beitrag von Horst Pickert und Horst Schild aus FREIDENKER 1-09
In den letzten Jahren hat sich nun ein „neuer“ Atheismus mit viel Kämpfertum und teilweise auch aggressiver Wortwahl zurück gemeldet. Seine Vertreter sind vorwiegend Neurowissenschaftler und Evolutionsbiologen … aber auch Philosophen. Dieser Neoatheismus beansprucht und verficht, gestützt auf den Erkenntnisfortschritt der letzten Jahrzehnte, die Deutungshoheit über das (moderne) Menschenbild ebenso wie über die Welt generell. Dabei geht er in der Auseinandersetzung mit dem religiösen Glauben meist nicht zimperlich um. Religionen seien nicht nur irrational und destruktiv, als Erklärungsmodell antiquiert, gar untauglich und stünden dem Fortschritt der Menschheit diametral entgegen.

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Der halbe oder der ganze Darwin?

Beitrag von Sebastian Bahlo aus: FREIDENKER 1-09
Der 200. Geburtstag Charles Robert Darwins am 12. Februar fand auffallend breite Beachtung. Nach wie vor wird der Begründer der wissenschaftlichen Evolutionstheorie von den Vertretern des wissenschaftlichen und intellektuellen Establishments als überragender Denker, ja, als der bedeutendste Biologe aller Zeiten gefeiert. Das ist in unserer Zeit nicht selbstverständlich, in der sich seit dem einstweiligen Triumph des Imperialismus über den Sozialismus eine Welle des ideologischen Revisionismus, die ihren Ursprung auf dem Gebiet der Geschichts- und Gesellschaftsphilosophie nahm, mit wachsender Schnelligkeit auf alle Gebiete der Erkenntnis ausbreitet und selbst sicher geglaubte Stellungen der Aufklärung wieder bedroht.

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