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Kapitalismus, Umweltzerstörung und Klimastreit

Aus: FREIDENKER Nr. 4-19, Dezember 2019, 78. Jahrgang, S. 3-13

von Klaus Hartmann

In dieser Zeit zu Umweltthemen Position zu beziehen, ist ein riskantes Unterfangen. Die Diskussionskultur, wenn man noch von Kultur sprechen will, ist häufig durch Rechthaberei, Unduldsamkeit und Diffamierung des Gegenübers geprägt. Alles scheint auf eine einzige Frage hinauszulaufen: „Dafür oder dagegen?“ Gemeint ist: Unterstützung oder Ablehnung der These vom „menschengemachten Klimawandel“. Wie Fanclubs gegnerischer Mannschaften zum Fußballspiel anreisen, werden Texte, Vorträge, Sendungen vorrangig im Sinne einer Rasterfahndung danach durchsucht: Unterstützen sie „meine Meinung“ oder nicht?

„Klima-Leugner“ gegen „Klima-Hysteri­ker“, „Klimakiller-Lobbyisten“ gegen „Gläu­bige der CO2-Sekte“ – Sebastian Bahlo hat unlängst dazu in einer Mail-Diskussion geschrieben:

„Ich weiß aus Erfahrung, daß die Debatte rund ums ‚Klima‘ die Form eines scharfen antagonistischen Kampfes zweier bis aufs Blut verfeindeter Lager anzunehmen pflegt. Ich will diese schädliche Form der Auseinandersetzung tatsächlich nicht im Freidenkerverband. Ich wünsche mir eine erkenntnisfördernde Art der Auseinandersetzung.

Solange Menschen glauben, sie wären verpflichtet, sich einem der verfeindeten Lager anzuschließen, auf deren Kriegsfahnen die unwissenschaftlichen und irrationalen Losungen stehen: ‚Der Weltuntergang durch anthropogene Treibhausgaszunahme steht unmittelbar bevor!‘ und: ‚Es gibt keinen menschlichen Einfluß auf das Klima, oder er kann uns jedenfalls egal sein!‘, und jubeln, wenn jemand vom eigenen Lager „einen Punkt macht“, und fluchen, wenn jemand vom anderen Lager ‚das Tor trifft‘, (wobei zu oft wissenschaftlich und logisch gefoult wird), und sich beide Lager gegenseitig vorwerfen, gekauft zu sein, ohne sich auf die Komplexität der naturwissenschaftlichen Frage selbst und ihrer ökonomischen und (geo-)politischen Zusammenhänge einlassen zu wollen, solange bewirkt diese Diskussion tatsächlich nur die Spaltung und Dezimierung der fortschrittlichen Kräfte. Erquicklicher wäre eine Diskussion mit Menschen, die nicht schon vorher genau wissen, was rauskommen muß.“

Bedrohung der Ökosphäre

Die Formen der Zerstörung und Verwüstung der Umwelt sind vielfältig und ebenso die betroffenen Umweltmedien. Kennzeichnend sind Raubbau und destruktive Nutzung von natürlichen Ressourcen und Ökosystemen. Die aktuelle „Klima-Debatte“ birgt mit der Fokussierung auf dieses Thema die Gefahr, den notwendigen Blick auf die Gesamtheit der Ökosphäre zu verstellen und damit eine inhaltliche Verengung zu fördern. Es ist notwendig, den umfassenden Charakter der ökologischen Krise zu begreifen, und anstelle kapitalismuskompatibler Stückwerkstechnologie umfassende Lösungsansätze zu erarbeiten.

Wiederholt haben wir schon in früheren Beiträgen den sowjetischen Historiker und Zukunftsforscher Bestushew-Lada aus seinem 1984 erschienenen Buch „Die Welt im Jahr 2000“ zitiert: „Die Menschheit befindet sich nicht zum ersten Mal in einer ernsten Problemsituation. Doch bisher waren die Probleme regionaler Natur, die nicht die ganze Menschheit betrafen oder doch bei allem Ernst der Situation nicht die Existenz der Menschheit selber in Frage stellte.“[1]

Der Zugang zur Natur und ihre Aneignung sowie die Kontrolle der natürlichen Ressourcen werden durch die Macht- und Herrschaftsverhältnisse bestimmt. Das gilt nicht zuletzt mit Blick auf das „Nord-Süd-Verhältnis“ und die spezifischen Ausbeutungsstrukturen im globalen Süden.

Intakte Ökosysteme sind für die Menschheit überlebenswichtig. Damit ist der Schutz der Ökosphäre ein Menschheitsproblem, aber nicht eines, das „keine Klassen mehr kennt“, sondern im Gegenteil: der Zusammenhang zwischen Ressourcen(über)nut­zung, kapitalistischer Produktionsweise und Umweltzerstörung muss erkannt werden und Ausgangspunkt einer ökologischen Strategie sein. Denn es ist der Widerspruch zwischen den Produktivkräften und den Produktionsverhältnissen, der zu „Überproduktion“ und in der Folge zu Krisen führt.

Die Umweltzerstörung als Ergebnis kapitalistischer Produktionsweise verweist darauf, dass der Kapitalismus das Problem ist und auf den Müllhaufen gehört (ökologisch entsorgt, selbstverständlich).

Verschwendungswirtschaft

Die Verschwendung ist der Produktion und kapitalistischen Bedingungen eingeboren. Die Systembedingtheit wird aber eher selten mitgedacht, wenn man das gebräuchliche Wort von der „Wegwerfgesellschaft“ vernimmt. Nur drei Beispiele:

Während die Näherinnen in Bangladesch unter menschenunwürdigen Bedingungen schuften, landen in Deutschland Abermillionen fabrikneuer Kleidungsstücke auf dem Müll. Auch 2019 sollen voraussichtlich 230 Millionen Kleidungsstücke unverkauft bleiben und in Müllverbrennungsanlagen vernichtet oder als Ramschware außerhalb der EU verkauft werden.[2]

Für Supermärkte ist es mit bürokratischem Aufwand, Haftungsrisiken und mit zusätzlichen Kosten verbunden, wenn sie „überflüssige“ Lebensmittel spenden, Vernichten ist also einfacher und billiger. Dabei geht es in Deutschland um ca. 20 Millionen Tonnen Lebensmittel jährlich.[3] Hingegen setzt sich einem Strafverfolgungsrisiko wegen Diebstahls aus, wer Lebensmittel aus Abfallcontainern vor der Vernichtung bewahren will, da jene bis zur Abholung Eigentum des Supermarkts bleiben.

Die Lebensdauer technischer Geräte wird häufig durch die „geplante Obsoleszenz“ ver­kürzt, indem die Haltbarkeit vieler Produkte künstlich reduziert wird: Es werden billige Bauteile eingebaut, die als sogenannte Sollbruchstellen Geräte in der Regel nach Ende der Garantiezeit vorzeitig verschleißen lassen.

Für Werbung und Marketing werden jährlich allein in Deutschland rd. 27 Milliarden Euro ausgegeben, 2015 waren hier rd. 898.000 Menschen beschäftigt – vom Callcenter über die „Marktforschung“ bis zur Werbeagentur.[4] Sie arbeiten dafür, den Konsum anzufachen und dem Konsumenten Dinge anzudrehen, die er mehr oder weniger braucht. Sicher hat jeder auch schon intelligente und witzige Werbung gesehen, und bedauert, dass man solch einfallsreiche Menschen eher weniger in Politik oder Medien antrifft – doch was könnten sie erst bei sinnvoller Arbeit leisten! Alle Beispiele stehen für ungeheure Schäden für die Volkswirtschaft wie für die Umwelt.

Drängende Probleme

Plastikmüll wurde bisher in solchen Mengen in die Natur eingebracht, dass Mikroplastik bereits im Essen nachweisbar ist. Dieses in den letzten Jahren mit großer Publizität begleitete Problem ist nur ein besonders markantes Beispiel des zunehmenden Schadstoffeintrags, der Vermüllung und Vergiftung der Umwelt.

Nitrate verunreinigen das Trinkwasser, sie sind eine Folge von Überdüngung sowie der Massentierhaltung, die uns darüber hinaus Antibiotika in unserem Essen beschert; so entstehen resistente Krankheitserreger und vormals beherrschbare Erkrankungen können wieder zu tödlichen Epidemien führen, wenn sie nicht mehr mit Antibiotika behandelt werden können.

Entwaldung, nichtnachhaltiger Holzein­schlag und landwirtschaftliche Intensivwirtschaft führen zur Degradation der Böden, zum Verlust von Fruchtbarkeit und Artenvielfalt, zur Freisetzung von gebundenem CO2. Der Verlust von Feuchtgebieten und Wäldern fördert die Versteppung, die Bodenerosion, Dürren und den Verlust von Biodiversität.

Ungezügelter Landschaftsverbrauch und Versiegelung, Ressourcenausbeutung, giftige Abwässer und Schadstoffemissionen, nichtnachhaltige Jagd und die Überfischung der Weltmeere sind weitere Beispiele des Drucks auf die Ökosysteme. Dieser achtlose, rücksichtslose Umgang mit der Umwelt schadet nicht nur der Ökosphäre, er ist nicht menschheitsverträglich und bedroht das Überleben.

Das Hauptproblem heißt Kapitalismus

Die genannten Probleme resultieren aus der Profitwirtschaft und dem ihr innewohnenden Zwang zur Kapitalverwertung. Sie macht sich die „Erde untertan“, aber nicht im Sinne einer gemeinsamen, planvollen, verträglichen und nachhaltigen Bewirtschaftung, sondern in Form der privaten Aneignung zur ungehemmten Ausbeutung und Profitsteigerung.

Dem ist ohne marxistisches Verständnis schwer beizukommen. Einen Zugang zur Problemlösung findet man weder, wenn man einen Gegensatz zwischen Natur und Gesellschaft konstruiert noch eine ökologisch determinierte Einheit von beiden suggeriert. Anders als viele apolitische oder naturalistische Ansätze in den Umweltwissenschaften haben Marx und Engels die materielle Grundlage von Gesellschaft untersucht und die Interaktion zwischen Mensch und Natur – vermittelt durch die Arbeit – betont.

Gesellschaften und ihre Geschichte lassen sich nur verstehen, wenn mitgedacht wird, in welchen Verhältnissen sie zur Natur stehen.

An dieser Stelle habe ich schon wiederholt darauf hingewiesen, „wie diese gesamte Problematik bereits von Karl Marx und Friedrich Engels erkannt, aufgegriffen und analysiert wurde. Auch wenn Friedrich Engels durch seine Prioritätensetzung, Marx‘ Kapital zu vollenden, daran gehindert war, seine ‚Dialektik der Natur‘ fertigzustellen, sind diese Themen in ihrem Werk präsent“ – wir zitierten:[5] [6]

Marxismus und Ökologie

Karl Marx, Kapital I:

„Die Arbeit ist zunächst ein Prozeß zwischen Mensch und Natur, ein Prozeß, worin der Mensch seinen Stoffwechsel mit der Natur durch seine eigne Tat vermittelt, regelt und kontrolliert. …

Und jeder Fortschritt der kapitalistischen Agrikultur ist nicht nur ein Fortschritt in der Kunst, den Arbeiter, sondern zugleich in der Kunst, den Boden zu berauben, jeder Fortschritt in Steigerung seiner Fruchtbarkeit für eine gegebene Zeitfrist ist zugleich ein Fortschritt im Ruin der dauernden Quellen dieser Fruchtbarkeit. …

Die kapitalistische Produktion entwickelt daher nur die Technik und Kombination des gesellschaftlichen Produktionsprozesses, indem sie zugleich die Springquellen alles Reichtums untergräbt: die Erde und den Arbeiter.“[7]

Karl Marx, Britische Herrschaft in Indien:

„Erst wenn eine große soziale Revolution die Ergebnisse der bürgerlichen Epoche, den Weltmarkt und die modernen Produktivkräfte, gemeistert und sie der gemeinsamen Kontrolle der am weitesten fortgeschrittenen Völker unterworfen hat, erst dann wird der menschliche Fortschritt nicht mehr jenem scheußlichen heidnischen Götzen gleichen, der den Nektar nur aus den Schädeln Erschlagener trinken wollte.“[8]

Friedrich Engels, Dialektik der Natur:

„Schmeicheln wir uns indes nicht zu sehr mit unseren menschlichen Siegen über die Natur. Für jeden solchen Sieg rächt sie sich an uns. Jeder hat in erster Linie zwar die Folgen, auf die wir gerechnet, aber in zweiter und dritter Linie hat er ganz andere, unvorhergesehene Wirkungen, die nur zu oft jene ersten Folgen wieder aufheben. Und so werden wir bei jedem Schritt daran erinnert, daß wir keineswegs die Natur beherrschen, wie ein Eroberer ein fremdes Volk beherrscht, wie jemand, der außer der Natur steht – sondern daß wir mit Fleisch und Blut und Hirn ihr angehören und mitten in ihr stehn, und daß unsre ganze Herrschaft über sie darin besteht, im Vorzug vor allen andern Geschöpfen ihre Gesetze erkennen und richtig anwenden zu können.“ [9]

Friedrich Engels, Anti-Dühring:

„Mit der Besitzergreifung der Produktionsmittel durch die Gesellschaft ist die Warenproduktion beseitigt und damit die Herrschaft des Produkts über die Produzenten …

Der Kampf ums Einzeldasein hört auf. Damit erst scheidet der Mensch, in gewissem Sinn, endgültig aus dem Tierreich, tritt aus tierischen Daseinsbedingungen in wirklich menschliche. Der Umkreis der die Menschen umgebenden Lebensbedingungen, der die Menschen bis jetzt beherrschte, tritt jetzt unter die Herrschaft und Kontrolle der Menschen, die nun zum ersten Male bewusste, wirkliche Herren der Natur, weil und indem sie Herren ihrer eigenen Vergesellschaftung werden.

Die Gesetze ihres eigenen gesellschaftlichen Tuns, die ihnen bisher als fremde, sie beherrschende Naturgesetze gegenüberstanden, werden dann von den Menschen mit voller Sachkenntnis angewandt und damit beherrscht. Die eigene Vergesellschaftung der Menschen, die ihnen bisher als von Natur und Geschichte aufgezwungen gegenüberstand, wird jetzt ihre eigene freie Tat. Die objektiven, fremden Mächte, die bisher die Geschichte beherrschten, treten unter die Kontrolle der Menschen selbst.

Erst von da an werden die Menschen ihre Geschichte mit vollem Bewusstsein selbst machen, erst von da an werden die von ihnen in Bewegung gesetzten gesellschaftlichen Ursachen vorwiegend und in stets steigendem Maße auch die von ihnen gewollten Wirkungen haben.

Es ist der Sprung der Menschheit aus dem Reiche der Notwendigkeit in das Reich der Freiheit.“[10]

Die von Marx und Engels gemeinsam formulierte Prognose mündet in der Feststellung, dass in der von Ausbeutung freien Gesellschaft die Produzenten ihren Stoffwechsel mit der Natur rationell regeln, ihn unter ihre gemeinschaftliche Kontrolle bringen, ihn mit dem geringsten Kraftaufwand und unter den ihrer menschlichen Natur würdigsten Bedingungen ohne Vergeudung von Produkten und Produktionsmitteln realisieren werden.[11]

Marx und Engels haben das theoretische und methodische Fundament gelegt, von dem aus wir die Lösung der aktuellen Probleme im Verhältnis von Gesellschaft und Natur angehen können. Dazu ist es notwendig, die Abgrenzung von Natur und Gesellschaft zu überwinden und ihre wechselseitigen Verknüpfungen zu analysieren.

„Investitionen in Klimaschutz“?

Gesellschaft und Natur sind keine getrennten Entitäten – woraus oftmals eine gesellschaftsblinde Bearbeitung ökologischer Probleme resultiert –, sondern müssen in ihrem dialektischen Verhältnis gedacht werden.

Notwendig ist die Überwindung postfordistischer Naturverhältnisse, in der ökologische Fragen (Klimawandel, Ressourcenausbeutung, Bodendegradierung etc.) zunehmend in die kapitalistische Restrukturierung und damit in den Akkumulationsprozess integriert werden. Für die ökologische Krise werden (Schein-) Lösungen angeboten, die der kapitalistischen Akkumulationslogik an­gepasst sind.

Beim sogenannten Emissionshandel findet die Inwertsetzung von Verschmutzungsrechten statt. „Meldungen über ‚Billionen Euro für Klimaneutralität‘ machen deutlich, dass hier vermeintliche Schutzmaßnahmen entsprechend der kapitalistischen Verwertungslogik geplant sind. ‚Umweltschutz‘ im Kapitalismus findet vorrangig in Form von Reparaturmaßnahmen statt, die zusätzlichen Pro­fit abwerfen.“[12]

Die vielfältigen sozial-ökologischen Probleme müssen in ihrer Komplexität erfasst werden, um auf technische Probleme verengte Scheinlösungen zu vermeiden. Den Herrschaftsverhältnissen muss ein demokratisches Konzept des Verhältnisses von Natur und Gesellschaft entgegengesetzt werden.

Klimastreit

Im März 2010 erschien ein Freidenker mit „Klima“ als Themenschwerpunkt. Dort stellten wir fest:

„Auch beim Klima toben die Glaubenskämpfe – im Internet, in Magazinsendungen von Funk und Fernsehen, auf den Wissenschaftsseiten der Zeitungen und dem Sachbuchmarkt. Während die Einen eine Klimakatastrophe vorhersagen, sprechen Andere von Klimaschwindel und von Hysterie. (…) Die Gutachten und Gegengutachten sind nicht zu zählen. Der Nichtwissenschaftler ist angesichts der Kontroversen verwirrt und kann sich mangels eigener Fachkenntnisse kaum ein eigenes begründetes Urteil bilden. Aus diesem Dilemma kann auch dieser Beitrag nicht heraushelfen, er soll aber einen Überblick über die Widersprüche und besonders die Einwände der Zweifler geben.“[13]

In jenem Heft überwogen Beiträge, die Argumente „pro menschengemachten Klimawandel“ vortrugen und unterstützten.

Rund zehn Jahre später hat sich die öffentliche Debatte fast vollständig auf diese Seite geschlagen, wer am „menschengemachten Klimawandel“ zweifelt, gilt nicht mehr als „Skeptiker“, sondern als „Klima-Leugner“. Damit wird ein Begriff in die Debatte geworfen, den Atheisten gut kennen, weil Religionsvertreter ihnen seit eh und je vorwerfen, sie würden „Gott verleugnen“. Damit (und auch mit Gegenangriffen auf „CO2-Päpste“) wird der Klimawandel auf eine pseudoreligiöse Ebene gebeamt und der Eindruck von Glaubensstreitigkeiten vermittelt. (Ob auch eine Assoziation mit „Holocaust-Leugnern“ beabsichtigt ist, muss dahingestellt bleiben.)

Wir sollten jedenfalls skeptisch werden, wenn plötzlich Regierungen und Mainstream-Medien, die für konsequenten Umweltschutz bisher nicht viel übrighatten, nun wie aus einem Munde das Hohelied der „Klimarettung“ anstimmen. Welche ökonomischen und politischen Interessen liegen dahinter verborgen?

Und wie ist es gelungen, dass wer in den Einstimmigkeit gebietenden Gesang nicht einstimmt, umstandslos zu einem / einer „Rechten“ erklärt wird? Und wieso fühlen sich bisherige „Linke“ so wohl und ausgesprochen „links“, wenn sie das Merkel/von der Leyen-Mantra über das „klimaneutrale Deutschland / Europa“ bejubeln?

Zweifeln verboten?

Wenn wer zweifelt zum „Leugner“ erklärt und aus der Gemeinschaft der „Anständigen“ oder „Ernstzunehmenden“ ausgestoßen werden soll, war das zu allen Zeiten ein intellektueller und zivilisatorischer Tiefpunkt.

Erinnern wir uns daran, dass Bert Brecht das Gedicht „Lob des Zweifels“ verfasste? Vor ihm wusste schon Descartes „De omnibus dubitandum est“ – an Allem muss gezweifelt werden. Und vor Gericht galt der Grundsatz „In dubio pro reo iudicandum est“ – im Zweifel ist für den Angeklagten zu entscheiden.

In unserer „Berliner Erklärung“ formulieren wir: Freies Denken heißt auch… Fragen, Zweifel und Kritik als Mittel zur Erkenntnis zu nutzen. Es liegt zwingend im Interesse des Erkennens der Wirklichkeit, Behauptungen, Daten und Erkennnisse abzuwägen, zu evaluieren, Argumente „pro und contra“ zu suchen. Zweifeln ist also eine Tugend, die dem Erkenntnisinteresse entspringt und dient.

Gemäß unserer „Berliner Erklärung“ verstehen wir unter Freiem Denken u.a. die Befreiung von Dogmen und Tabus, ohne Irrationalismus sowie eine Welt- und Selbsterkenntnis auf dem Niveau der Wissenschaft unserer Zeit. Aber was ist dieses Niveau bei unserem Thema?

„Die Wissenschaft“

„97 Prozent der Wissenschaftler stimmen überein: Klimawandel ist eine Tatsache, menschengemacht und gefährlich.“ (Barack Obama, auch er twitterte schon) [14] Die Bundesregierung kam unlängst gar auf über 99%. [15]

Über diese Zahlen wird heftig gestritten: Wer hat gezählt, und wer zählt falsch? Gibt es einen „Konsens der Wissenschaft“ – oder gibt es ihn nicht? Und was bedeutet überhaupt „Konsens“ der Wissenschaft? Welche Bedeutung hat es, ob 500 oder 3000 Wissenschaftler für oder gegen etwas Stellung nehmen oder Briefe an Regierungen schreiben?

Offensichtlich liegt hier ein großes Missverständnis über das Wesen von Wissenschaft vor. Wenn 1000 Wissenschaftler der These zustimmen, dass alle Schwäne weiß sind, und dann ausschwärmen, um weiße Schwäne aufzutreiben, führt das nicht zu einem wissenschaftlichen Beweis. Nach der Falsifizierungsmethode genügt ein schwarzer Schwan, um die Aussage zu widerlegen.

Al Gores „unbequeme Wahrheit“ oder „bequeme Unwahrheit“?

Der Al Gore-Film „Die unbequeme Wahrheit“ hat im Januar 2020 vierzehnjähriges Jubiläum. Damals, am 26. Januar 2006, verkündete er in der Washington Post, dass „die Menschheit nur noch zehn Jahre Zeit hat, um den Planeten vor einer Verwandlung in eine totale Bratpfanne (‚a total frying pan‘) zu retten.”

In London musste ein Höchstgericht auf Antrag eines Vaters entscheiden, ob der Film, da er „einseitig indoktriniere“, überhaupt im Unterricht gezeigt werden dürfe.

Das dürfe er weiterhin, da lt. Gericht die Hypothesen des Films „mit den jüngsten Schlussfolgerungen des IPCC übereinstimmen“. Doch auch die Klägerseite sah sich als Sieger, da das Gericht neun wissenschaftliche Irrtümer feststellte, auf die bei Vorführung in Schulen hingewiesen werden muss, darunter:

Das Abschmelzen von arktischen Gletschern werde den Meeresspiegel nicht „in naher Zukunft“ um mehr als sechs Meter steigen lassen, sondern allenfalls in einigen Jahrtausenden.

Eine Evakuierung niedrig liegender pazifischer Atolle gab es nicht, auch Eisbären müssten nicht „ertrinken“.

Dass die Erwärmung die Ozean-Ströme zum Erliegen brächte, der Golfstrom also kein warmes Wasser mehr nach Europa führen würde, wird inzwischen sogar vom UN-IPCC als „sehr unwahrscheinlich“ betrachtet.[16]

Zweifel und Widersprüche

Die Klimatologin Judith A. Curry, Professorin für Geo- und Atmosphärenwissenschaften am Georgia Institute of Technology, wirft der etablierten Klimatologie vor, politische Ideologie zu bedienen und Fördergelder über wissenschaftliche Ethik zu stellen. [17]

Der Großteil der Erwärmung des 20. Jahrhunderts sei in der ersten Hälfte zwischen 1910 und 1940 aufgetreten und deckt sich fast auf das Grad genau mit der heutigen, doch diese Erwärmung kann nicht der Industrie zugeschrieben werden, da die Kohlenstoffemissionen durch Verbrennung fossiler Energieträger damals deutlich geringer waren.

Die Computermodelle institutionalisierter Klimaforscher oder der UNO könnten dieses Phänomen nicht erklären, ebenso wenig für die vorübergehende Abkühlungsphase zwischen 1950 und 1970, die in den Medien Warnungen vor einer angeblich drohenden neuen Eiszeit zur Folge hatten. Der Anstieg des Meeresspiegels ist ein kontinuierlicher Prozess, der seit 1860 zu beobachten ist, eine signifikante Beschleunigung in unserer Zeit ist nicht feststellbar. Deshalb ist es auch hier denkbar, dass es teilweise oder sogar hauptsächlich natürliche Gründe seien, die dafür verantwortlich zeichneten.

Klimawandel sei ein komplexes und wenig verstandenes Phänomen mit zahlreichen Prozessen, die eine Rolle spielen. Ihn einseitig auf Kohlendioxid zurückzuführen, sei möglicherweise unwissenschaftlich – aber es halten sich dennoch viele an dieser monokausalen Erklärung fest, weil sie das Gefühl vermittelt, das Thema erfasst zu haben.

Judith Curry fordert alle auf, die Bedenken hinsichtlich der Validität von Argumenten für vermeintlich anthropogen verursachten Klimawandel hegen, diese ihre Bedenken laut zur Sprache bringen.

„Fossil-Gelder“ für EIKE

In Jena residiert „EIKE“, das Europäische Institut für Klima und Energie. Es nimmt in der Debatte eine Außenseiterposition ein und hält einen vom Menschen gemachten Klimawandel für einen Schwindel gegenüber der Bevölkerung. Damit zieht EIKE natürlich viele Kritikerr an, die das Institut als „rechts“ bezeichnen und als „Arm der AfD“. Das ist insofern praktisch, als man sich mit den dort vorgetragenen Argumenten gar nicht mehr auseinandersetzen zu müssen glaubt.

Dafür gibt es allerdings noch einen weiteren Grund: EIKE soll auch Geld von der US-Öl- und Gasindustrie beziehen, die seit Jahren Gegner der These vom menschengemachten Klimawandel unterstützt. US-Milliardär Robert Mercer und Exxon Mobil gehören zu den großen Geldgebern des Heartland-Instituts, das maßgeblich Präsident Trump zur Klimapolitik berät. Mit diesem Institut hat EIKE gemeinsame Konferenzen veranstaltet.[18]

Zum konzernfinanzierten CFACT (Committee for a Constructive Tomorrow) in den USA sollen enge Verbindungen bestehen, und CFACT Europe ist EIKE-Grün­dungsmitglied. CFACT erhält einen großen Teil seiner Finanzierung durch den Donors Trust, der möglichst anonym klimaskeptische Organisationen in der ganzen Welt unterstützen soll. Der Donors Trust wird unter anderem von Koch Industries finanziert.

Der Lobbyismus jener, die mit Förderung und Verkauf fossiler Energie ihr Geschäft machen, ist eine Binsenweisheit, teilweise treten sie als „industrienahe“ Umweltverbände auf. Doch dass hinter den „Klimarettern“ keine Wirtschaftsinteressen stünden, können vermutlich nur die Naiven unter ihrem Anhang glauben. „Ein guter Geheimdienst arbeitet immer auf beiden Seiten“, so eine bekannte Weisheit, und kluge Kapitalisten scheinen sie sich zu eigen zu machen.

Wundersamer Klima-Meinungswandel

Koch Industries ist das zweitgrößte nicht börsennotierte Unternehmen in den USA, engagiert unter anderem in den Produktionsbereichen Erdöl, Erdgas, Chemie, Energie, Asphalt, Kunstdünger, Nahrungsmittel und Kunststoff. Die Inhaber Charles und David Koch sind Unterstützer der Tea-Party-Bewegung und von Präsident Trump.

Die Koch-Familie finanziert auch die Reason Foundation, und auf dem Blog von Reason.com erschien am 5. März 2019 ein Artikel, in dem die Realität des Klimawandels akzeptiert wurde. Ein Wunder? Nein: Für die Koch-Brüder gilt, dass der „Markt das effizienteste und genaueste Mittel sei, um Informationen zu bewerten und Fakten zu überprüfen. Also müssen die Gebrüder Koch den Klimawandel akzeptieren, falls der Markt feststellt, dass er Realität ist.“[19]

Daher in besagtem Blog: „Der Markt sagt, es gibt den Klimawandel …Wenn Geld auf dem Spiel steht, ist es schwer, Akteure zu finden, die bereit sind, gegen den wissenschaftlichen Konsens zum Klimawandel zu wetten.“ Denn eine wissenschaftliche Arbeit mit dem Titel „Die Einschätzungen des Marktes zum Klimawandel“ kommt zu dem Schluss, dass die Einschätzungen zum Klimawandel den Handel mit Finanztermingeschäften an der Chicagoer Options- und die größte Terminbörse beeinflussen.[20]

Daniel G. Jennings (Colorado) vermutet, dass Marktradikale die „Klimawandel-Leugner“ als Gefahr sehen können: „Insbesondere die Kochs könnten die Klimawandel-Leugner als ignorante Anti-Markt-Fanatiker und eine Bedrohung für den Kapitalismus betrachten. Darüber hinaus muss man davon ausgehen, dass Big Business und die Wirtschaftselite sich von den Klimawandel-Leugnern abwenden werden, weil der Markt sich für die Realität der globalen Erwärmung entschieden hat. Bemerkenswerterweise werden in Zukunft wohl viele der superreichen ehemaligen Klimawandel-Leugner zu den schärfsten Anwälten der Unterdrückung der ärmeren Klimawandel-Leugner werden.“[21]

Eine Geschäftsidee

„Nicht lange nach Al Gore`s Abgang aus dem Weißen Haus 2001 hatte er seinen eigenen Umwelt Hedgefonds gegründet und zusammen mit anderen Prominenten wie z.B. mit dem berüchtigten Hedgefonds-Spekulanten George Soros in CO2-Zertifikate investiert, um dann an den neuen Klimabörsen zu zocken und um mit der ‚Rettung des Klimas‘ Millionen zu scheffeln.

Dazu zitierte Das Handelsblatt vom 5.9.2010 den Großinvestor Soros, der sich „nicht zufällig den Emissionshandel als Spekulationsziel ausgesucht‘ habe. Denn dieser Markt, so schwärmte Soros, sei wenig transparent und anfällig für Manipulationen‘. Wörtlich sagte der Großspekulant: ‚Deshalb ist er (der CO2 Emissionshandel) so beliebt bei Finanztypen wie mir.‘

Weiter führt das Handelsblatt aus, dass Top-Klimaretter Gore Mitgründer der Vermögensverwaltungsfirma ‚Generation Investment Management“ war, für die er damals allein mit einem Fonds fünf Milliarden Dollar eingesammelt habe. ‚Er investiert nicht nur in Windräder, Solarzellen und CO2-Zertifikate, sondern auch in Allerweltsunternehmen wie Nestlé oder den Autozulieferer Johnson Controls, die besonders nachhaltig wirtschaften sollen. Bei Fonds mit grünem Label ein durchaus gängiges Verfahren‘, so das Handelsblatt.

Aber das war 2010; inzwischen hat Gore die CO2-Masche für sich zu einer wahren Gelddruckmaschine ausgebaut. Für US-Politiker kam Al Gore aus relativ bescheidenen Vermögensverhältnissen von nur einigen Millionen Dollar als Eigenkapital im Jahr 1992. Dank seines CO2-Geschäftsmodells war sein Eigenkapital im Jahr 2010 bereits auf über 100 Millionen gestiegen, und laut Business Financial Post hatte es sich drei Jahre später, also 2013, auf weit über 200 Millionen Dollar mehr als verdoppelt. Wer mehr darüber lesen will, braucht nur (Al Gore, CO2, financial) bei Google einzugeben“.[22]

Wahnsinns-Denkfabrik: Club of Rome

Der Club ist gemeinnützig, versteht sich als Netzwerk und vereint Ökonomen, Industrielle, Wissenschaftler. Seine Themen sind „die wichtigsten Zukunftsprobleme der Menschheit und des Planeten“, seine Vorschläge richten sich an Entscheidungsträger, die Öffentlichkeit – und: „die junge Generation“. Präsident der deutschen Filiale ist der Klimaforscher Mojib Latif

1968 in Rom gegründet, veröffentlichte der Club 1972 den ersten, weltweit beachteten Bericht „Die Grenzen des Wachstums“ – damals wurde das apokalyptische Szenario entworfen, dass sich die fossilen Brennstoffe erschöpfen. Obwohl nicht eingetreten, legte der Club 2012 mit einer Vorausschau bis ins Jahr 2052 nach.

Eine weitgehend zutreffende Kritik daran übte Dr. Marcel Fratzscher, Professor für Makroökonomie und Finanzen an der Humboldt-Universität und Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin: „Der Club of Rome ist sich seit seinem berühmten Bericht über ‚Die Grenzen des Wachstums‘ im Jahr 1972 in seinem pessimistischen und menschenfeindlichen Ausblick treu geblieben. Der neue Bericht folgt der gleichen Logik, es gäbe zu viele Menschen auf unserem Planeten, dies überfordere die natürlichen Ressourcen und müsse unweigerlich sehr bald zu Armut und zum Zusammenbrechen der Zivilisation führen.

Seit 44 Jahren werden die Thesen des Club of Rome widerlegt. Denn der Mensch hat sich als äußerst kreativ und innovativ erwiesen, um Probleme zu lösen, neue Ressourcen zu erschließen oder diese besser zu nutzen. Kurzum, fast allen Ländern der Welt geht es heute ungleich besser als in den 1970er Jahren. Die Armutsquote in Ländern wie China ist massiv gesunken, weniger Menschen leiden unter Hunger und sterben an ansteckenden Krankheiten, der Wohlstand auch fast aller Industrieländer ist gestiegen und wir leben in einer deutlich friedlicheren Welt als noch vor 40 Jahren.

Amartya Sen erhielt seinen Nobelpreis in Ökonomie auch für seine Arbeit, dass der Hunger in der Welt nicht das Resultat fehlender Ressourcen oder einer zu geringen Nahrungsmittelproduktion ist, sondern lediglich eine Frage der Verteilung. So könnte die Welt heute bereits mehr als 10 Milliarden Menschen ernähren, wenn sie es wollte und müsste.

Die Lösung für den Klimawandel scheint für den Club of Rome in der Abschaffung der Menschheit zu liegen. So lautet einer der „radikalen Vorschläge“, Frauen in Industrieländern eine Prämie von 80.000 US-Dollar zu zahlen, damit sie keine oder nur ein Kind bekommen. Es ist nicht schwer, sich auszumalen, was passieren würde. Es würde zu einem elitären Selektionsmechanismus führen, Familien mit geringen Einkommen würden dazu gedrängt, weniger oder keine Kinder zu bekommen.“[23]

Spätbürgerliches Denken und Kul­turpessimismus attestierten Marxisten dem Club of Rome in den 1970er Jahren. Heute huldigt der Club einer Anti-Produktivkraft-Ideologie und einem Antihumanismus, der den Menschen als das eigentliche Übel des Planeten identifiziert.

Geschäftsideen – auf allen Seiten

Während einige „alte“ Kapitalfraktionen weiter ihr Geschäft mit Kohle, Öl und Gas machen wollen, ist Margaret Thatcher schon in den 1980er Jahren auf die Idee gekommen, zwecks Förderung von Kernenergie die CO2-Problematik anzuprangern. [24]

Doch dass auch jene, die angeblich den „Planeten retten“ wollen, vom Ziel der Kapitalverwertung angetrieben sind, muss sich offenbar erst noch herumsprechen.

Der im übernächsten Beitrag auszugsweise dokumentierten Untersuchung von Cory Morningstar stellt die Autorin den Kommentar der Künstlerin Hiroyuki Hamada voran:

„Was die Manipulationen durch den Non-Profit-Industriekomplex ärgerlich macht, ist, dass sie den guten Willen des Volkes, insbesondere der Jugendlichen, ausnutzen. Sie richten sich an diejenigen, denen keine Fähigkeiten und Kenntnisse vermittelt wurden, um wirklich für sich selbst zu denken, und zwar von Institutionen, die dazu bestimmt sind, der herrschenden Klasse zu dienen. Der Kapitalismus funktioniert systematisch und strukturell wie ein Käfig zur Aufzucht von Haustieren. Die Organisationen und ihre Projekte, die unter falschen humanistischen Slogans operieren, um die Hierarchie von Geld und Gewalt zu stützen, werden immer mehr zu einigen der wichtigsten Elemente des unsichtbaren Käfigs von Korporatismus, Kolonialismus und Militarismus.“

Für effektiven Umweltschutz

Kein Zweifel: Die Gefahr, das Ökosystem des Planeten irreparabel zu beschädigen, ist real. Die Gefahr geht weniger vom CO2 als vom kapitalistischen Wirtschaften, vom Imperialismus und seinen Kriegen aus.

In unserer Berliner Erklärung fordern wir die „Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen – eine andere Weise, zu produzieren und zu wirtschaften, Schonung und Erneuerung von Ressourcen sowie abfallarme, geschlossene Produktionskreisläufe.“ Weiterhin „eine neue Mensch-Natur-Beziehung, in der nicht der Mensch die Natur ausbeutet, sondern durch Kenntnis der Naturgesetze in Übereinstimmung mit ihnen handelt und nur solche Ziele der Umweltgestaltung anstrebt, die die natürlichen Existenzgrundlagen künftiger Generationen nicht gefährdet.“

Die schädliche Folge der „Klimadebatte“ ist das Ausblenden der anderen und umfassenden Dimensionen der Umweltschädigung. Unabhängig von der Einschätzung, ob das industriell produzierte CO2 einen Anteil an der Klimaveränderung hat, müssten wir gemeinsam für wirksame Umwelt- und Naturschutzmaßnahmen eintreten: Natur-, Landschafts- und Bodenschutz, ökologisch nachhaltiges Wirtschaften zur Ressourcenschonung, emissionsarme, möglichst abfallfreie, geschlossene Produktionskreisläufe.

Insbesondere muss den wichtigsten Umweltkillern Hochrüstung und Krieg ein Ende gesetzt werden, wenn wir das Überleben sichern und eine Zukunft haben wollen.

Jenseits des CO2-Streits müssten sich alle gegen die Strategie der Herrschenden zusammenfinden, die das „Klima“ und die Debatten darüber für weiteren Sozial- und Demokratieabbau missbrauchen und instrumentalisieren.

Klaus Hartmann, Amtsrat a.D., war bis zu seiner Ruhestandsversetzung im September 2019
Referent für Umweltrecht und Naturschutz
in Offenbach am Main

Quellen

[1] Igor Bestushew-Lada, Die Welt im Jahr 2000, Freiburg 1984, S. 18

[2] Sputnik News, 11.11.2019

[3] Die Welt, 18.02.2011

[4] https://de.statista.com/themen/93/werbung/

[5] Klaus Hartmann: Zweifel, Kritik, Anklage: Fortschritt, Wissenschaft, Technik, in „Freidenker“ 3-1988

[6] Klaus Hartmann: Zweifel, Kritik, Anklage: Fortschritt, Wissenschaft, Technik, in „Freidenker“ 2-2015

[7] K. Marx/F. Engels, Werke, Band 23/192f.

[8] K. Marx/F. Engels, Werke, Band 9/226

[9] K. Marx/F. Engels, Werke, Band 20/453

[10] K. Marx/F. Engels, Werke, Band 20/264

[11] Anneliese Griese, Karl Marx und Friedrich Engels über das Verhältnis von Gesellschaft und Natur, Vortrag bei der 24. Linzer Konferenz (Internationale Tagung der Historiker der Arbeiterbewegung) vom 13.-17. Sept. 1988

[12] Jana Flemming / Melanie Pichler / Christina Plank: Alle knechtenden Verhältnisse umwerfen – und doch ein paar Bäume stehen lassen Zum Verhältnis von marxistischer Theorie und sozial-ökologischen Fragen
In Demirović / Klauke / Schneider (Hrsg.), Was ist der „Stand des Marxismus“?, Münster 2015, Verlag Westfälisches Dampfboot

[13] Klaus Hartmann, Der Streit um das Klima, „Freidenker“ Nr. 1-10 März 2010, S. 8-16

[14] Der Spiegel, 23.09.2014

[15] Deutscher Bundestag, Drucksache 19/12631, 23.08.2019

[16] https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/streit-um-unterrichtsmaterial-gericht-zaehlt-fehler-in-gores-klimafilm-auf-a-510794.html

[17] https://www.city-journal.org/global-warming

[18] https://de.wikipedia.org/wiki/Europ%C3%A4isches_Institut_f%C3%BCr_Klima_%26_Energie

[19] http://www.free21.org/die-gebrueder-koch-glauben-an-den-klimawandel-weil-der-markt-seine-realitaet-anerkennt/

[20] Market Expectations about Climate Change, CEEP Working Paper no. 2 von Wolfram Schlenker und Charles Taylor auf Ceep.Columbia.edu im Februar 2019 unter der URL
https://ceep.columbia.edu/sites/default/files/content/papers/n2.pdf

[21] Free21, a.a.O.

[22] Rainer Rupp, https://kenfm.de/tagesdosis-9-8-2019-geschaeftsmodell-klima-podcast/

[23] https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/club-of-rome-zukunftsbericht-was-fuer-ein-unsinn-kommentar-a-1112295.html

[24] https://www.margaretthatcher.org/document/107346


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Klaus Hartmann: Kapitalismus, Umweltzerstörung und Klimastreit (Auszug aus FREIDENKER 4-19, ca. 653 KB)


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