Bahnreform sorgt für Proteste in Frankreich
Beitrag von Pierre Lévy
Am 10. Juni wurden die französischen Bahnmitarbeiter von den vier großen Gewerkschaften der SNCF (der französischen DB) zum Streik aufgerufen. Eine solche Einigkeit hatte es seit zwei Jahren nicht mehr gegeben. Das Ausmaß dieser Bewegung überraschte viele Beobachter. Zudem könnte sie durch weitere Mobilisierungen anhalten. Die großen Medien konzentrierten sich vor allem auf die Unannehmlichkeiten für die Reisenden. Über die Gründe für den Streik berichteten sie seltener. Tatsächlich reichen die Ursachen für die wachsende Unzufriedenheit unter den Beschäftigten bis zur Liberalisierung des Schienenverkehrs zurück, die Brüssel seit den 2000er Jahren schrittweise vorangetrieben hat. In Frankreich führte insbesondere die Umsetzung der europäischen Richtlinien im Jahr 2018 zur Reform des Eisenbahnsektors, zu Beginn der ersten fünfjährigen Amtszeit von Emmanuel Macron. Damals gab es massive Proteste, doch sie konnten nicht verhindern, dass das Vorhaben durchgesetzt wurde.
