Eine Unverwertliche
Am 22. Juli wird die große Brecht-Interpretin Gina Pietsch 80 Jahre alt. Eine Verneigung
Beitrag von Arnold Schölzel
Am 11. Juni stellte die Sängerin und Schauspielerin Gina Pietsch in der Berliner Maigalerie der „jungen Welt“ ihr neues (ihr sechunddreißigstes!) Brecht-Programm vor. Es trägt den Titel „Von den Leben die hellen, von den Toden die schnellen“. Der Vers ist der letzte im Gedicht „Orges Wunschliste“, in dem sich der Dichter 1956 illusionslos, also ironisch, mit menschlichem Leben und Tod befasste. Die Liste enthält die Verse: „Von den Künsten, die unverwertlichen. Von den Lehrern, die beerdlichen.“ Gemeint war offenbar: Kein schweres Gepäck aufladen, vielmehr Sinnlichkeit und Heiterkeit des Daseins auskosten, soweit möglich, aber nicht verantwortungslos. „Unverwertliche Künste“, sei hier interpretiert, entziehen sich allem möglichen Zugriff – dem der Ökonomie zuerst, aber auch Kunstverwertern politischer oder sonstiger Art.
