Winnetous zweiter Tod

Beitrag von Tom J. Wellbrock
Als Winnetou gemeinsam mit Old Shatterhand und Sam Hawkens gegen Banditen kämpfte, schlich sich unbemerkt der Bösewicht Rollins von hinten heran. Der Schuss von Rollins galt Old Shatterhand, aber Winnetou warf sich mutig in die Schusslinie. Und so traf die Kugel ihn selbst anstatt seinen Blutsbruder. Bei dieser Filmszene hoffte damals die an den Nägeln knabbernde Fan-Gemeinde, dass der netteste Kerl mit Stirnband, den die Welt bis dahin gesehen hatte, vielleicht überleben würde. Doch Winnetou starb. Die Gefahr, die Winnetou heute bedroht, ist keine einzelne Patrone, sondern ein regelrechter Kugelhagel, dem auszuweichen schier unmöglich ist. Und während der Filmtod der freundlichen Rothaut diese Figur zumindest in den Gedanken der Fans weiterleben ließ, läuft es jetzt auf die vollständige Auslöschung des Häuptlings hinaus.

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Blicke aus dem vierten Stock

Beitrag von Karin Leukefeld
Es regnet in Strömen. Die Straßen in Aleppo haben sich in kleine Sturzbäche verwandelt. Die alte Kanalisation der Stadt ist lange nicht gewartet worden und schafft es nicht, das Wasser aufzunehmen. Strom ist knapp, und es ist dunkel, als wir versuchen, die Galerie Le Pont von Issa Touma zu finden. Er dirigiert uns per Handy, und schließlich kommt der Wagen in einem dunklen Hof zum Stehen. Aus einer Tür fällt ein blasser Lichtstrahl. Ein Schatten winkt herüber: »Willkommen, hier sind Sie richtig.« Der Eingang der Galerie ist mit Plakaten früherer Ausstellungen und Festivals gepflastert. In den Regalen liegen Werbekarten etwas verstaubt und durcheinander. »Bitte nehmen Sie mit, was Sie interessiert«, bietet Touma an.

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Wa(h)re Filmkunst, Falsche Fälschung

Beitrag von Hans-Günther Dicks aus: FREIDENKER 2-13
„Der Film ist für uns die wichtigste der Künste.“ So stand es in den 1970er und frühen 1980er Jahren auf großen Bannern neben der Leinwand bei den internationalen Filmfestivals in Moskau oder Taschkent, … Die darunter genannte Quelle: Wladimir Iljitsch Lenin. Heute, beim Nachdenken über die Rolle der Filmkunst in 21. Jahrhundert, scheint mir klar: Der Satz auf den Bannern stimmt längst nicht mehr, er war schon in den 1980er Jahren nicht mehr aktuell. Das Filmschaffen der sozialistischen Länder, das zwischen den Bannern präsentiert wurde, schien nur wenig noch mit Lenins Ausspruch zu tun zu haben, dafür umso mehr mit dem Versuch, mit Hollywood-Imitationen den Weltmarkt zu erobern.

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