Kirchenkritik aus der Sicht eines Christen und Sozialisten

Interview mit Peter Franz aus: FREIDENKER 1-08
Ich halte es für einen der gefährlichsten und folgenreichsten Irrtümer der Religionswissenschaft des 19. und 20. Jahrhunderts, wenn sie von einer angeblichen „Höherentwicklung“ der Religion spricht: einer Entwicklung weg von einer Vielzahl niederer Erdgeister und Dämonen über verschiedene Zwischenstufen, etwa das griechische Pantheon oder den römischen Götterhimmel bis hin zu dem Einen Gott, der angeblich alles beherrscht und umfasst. Gott der Allmächtige, Allwissende und Alleslenkende, wie er leider auch heute weithin im Judentum, Christentum und im Islam geglaubt wird, halte ich für eine Projektion des Irrglaubens.

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Einfluss der Religionen auf die Führung imperialistischer Kriege

Beitrag von Ernst Woit aus: FREIDENKER 1-08
Im Zusammenhang mit dem offenkundigen Scheitern der USA-Strategie zur neokolonialistischen Beherrschung des Nahen und Mittleren Ostens wird von Strategen des USA-Imperialismus stärker die Bedeutung der Religionen als ideologischer Faktor des politischen und insbesondere auch militärischen Kräfteverhältnisses hervorgehoben. Sie wird dabei zunehmend auch als Reflex epochaler gesellschaftlicher Veränderungen beurteilt.

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Christentum und Sozialismus

Eine religiöse Polemik zwischen Herrn Kaplan Hohoff in Hüffe und August Bebel (1873/74).
[August Bebel:] Was ist denn das Christentum? … Wie jede andere Religion Menschenwerk. Der Mensch, der auf seiner niedrigen Bildungsstufe keine klare Vorstellung von der Natur und den Naturereignissen, die ihm bald nützten, bald ihn schädigten, besitzen konnte, der keinen Begriff von seiner eignen Stellung als Mensch besaß, schrieb alles Unverstandene, das um ihn vorging, übersinnlichen Wesen zu, welche die für ihn unbegreiflichen Erscheinungen nach Laune und Willkür hervorriefen und deren Gunst er folglich, um sie sich geneigt und freundlich gesinnt zu erhalten, durch Bitten, Gebete, Zeremonien und Opfer zu erlangen suchte.

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Juan Cole: Papst zum Islam sachlich falsch

Beitrag von Juan Cole
Die Rede Papst Benedikts in der Universität Regensburg, in der er von Islam und Djihad spricht, hat einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Die Ansprache ist komplexer und feinsinniger, als in der Presse dargestellt. Aber am meisten irritiert, dass der Papst einiges am Islam sachlich falsch auffasst. Er stellt fest, dass in dem von ihm angeführten Text, der Polemik eines byzantinischen Kaisers gegen den Islam, der Koran [2:256] mit der Aussage zitiert wird: „Es gibt keinen Zwang in Glaubenssachen“. Benedikt behauptet, dass dies ein früher Vers aus der Zeit sei, als Mohammed noch machtlos war. Seine Behauptung ist nicht korrekt.

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„West“- und „Ost“-Freidenker – Gemeinsamkeiten, Unterschiede

Beitrag des Bundesvorsitzenden Klaus Hartmann für eine Broschüre der „Zentralstelle für Weltanschauungsfragen“ der Evangelischen Kirche.
Der Titel dieses Beitrags entspricht nicht der freien Wahl des Autors, sondern gehorcht der Vorgabe des Herausgebers. Trotzdem soll er nicht das Folklore-Genre „Dein Ossi – das unbekannte Wesen“ resp. „Der Wessi, das bekannte Unwesen“ anreichern. Obwohl es auch bezüglich „Nord“- und „Süd“-Freidenkern ein weites Forschungsfeld gäbe, interessiert das kaum jemanden. Mit „West“ und „Ost“ scheint landläufig gemeint zu sein, wie sich die aus dem „totalitär geprägten“ Osten Gekommenen inzwischen in der „westlichen Demokratie“ eingelebt haben.

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„Ein besseres Leben – nicht glauben, sondern schaffen!“

Buchveröffentlichung im Eigenverlag des Deutschen Freidenker-Verbandes e.V.
Materialien des Symposiums aus Anlass des 200. Geburtstages am 24. Juli 2004 in Nürnberg

Im einleitenden Beitrag unterstreicht der Bundesvorsitzende des DFV, Klaus Hartmann (Offenbach), die Verpflichtung des Deutschen Freidenker-Verbandes, als Weltanschauungsgemeinschaft das vernünftige, humanistische und materialistische Denken als sein ureigenstes Erbe zu pflegen. Auch darum ist die Beschäftigung mit Feuerbachs Philosophie nicht etwa nur eine Angelegenheit für „Spezialisten“. Sie korrespondiert vielmehr mit dem Ziel der Freidenkerbewegung, die Menschen nicht auf ein besseres „Jenseits“ zu vertrösten, sondern die Menschenwürde in den Mittelpunkt ihrer Arbeit zu stellen, für ein menschenwürdiges Leben zu kämpfen und für solche sozialen und politischen Verhältnisse, die dies ermöglichen.

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Rechter Glaube, rechte Politik

Beitrag von Klaus Hartmann aus FREIDENKER 2-06
Die USA, die selbsternannte „Nation unter Gott“ hat eine lange Tradition rechter und ultrarechter Kräfte, die unter dem Banner christlichen Glaubens eine reaktionäre Politik nach innen und außen propagieren und durchsetzen wollen. Nicht ohne Wirkung in Deutschland. Der Name „Fundamentalisten“ wurde zunächst für jene Kräfte geprägt, die den Schöpfungsglauben wörtlich nahmen und in den 1920er Jahren einen Kreuzzug gegen die Verbreitung der von Charles Darwin begründeten Evolutionslehre unternahmen.

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Religiöser Fundamentalismus

Beitrag von Helmut Steuerwald aus FREIDENKER 2-06
Heute versteht man meistens unter „religiösem Fundamentalismus“ – und so möchte ich ihn auch verstanden wissen – eine Anschauung, die nicht hinterfragt werden darf, da die vertretenen Aussagen angeblich göttlicher Natur sind. So ist zum Beispiel für islamische Fundamentalisten der Koran im Auftrag Gottes unmittelbar Mohammed mitgeteilt worden; auslegen können ihn nur ausgewählte Gelehrte, falls doch noch Unklarheiten für das praktische Leben bestehen. Für christliche Fundamentalisten ist es die Unumstößlichkeit biblischer Aussagen, für Katholiken nach wie vor die Unfehlbarkeit des Papstes, für die Juden die Thora, das Alte Testament.

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Fundamentalismus – oder: Warum suchen so viele Menschen einfache Antworten auf komplexe Fragen?

Beitrag von Martin Mittwede aus FREIDENKER 2-06
Fundamentalismus ist heutzutage zu einem allseitig verwendeten Begriff geworden, der unterschiedlichste Phänomene beschreibt und häufig auch mit negativen Konnotationen versehen ist. Nicht selten wird der Vorwurf des Fundamentalismus benutzt, um Diskurse mit Andersdenkenden abzubrechen und diese zu diskreditieren. Im Fundamentalismusvorwurf ist also selbst ein Fundamentalismus verborgen. Fundamentalismus im weiteren Sinne kann man als eine Gegenbewegung gegen die Moderne bezeichnen, die religiös oder ideologisch gefärbt ist. Hierbei werden traditionell überlieferte oder diesen Anschein erweckende Werte und Normen mit vehementer Überzeugung als Rettung präsentiert, die dem aktuellen Niedergang der Kultur entgegenwirken sollen.

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„Dies ist der Wille Gottes: eure Heiligung!“- Das Opus Dei in Selbstzeugnissen

Beitrag von Wencke Strauß aus FREIDENKER 2-06
Mit Dan Browns Roman „Sakrileg“ (orig. „Da Vinci Code“) und dessen Hollywood-Verfilmung „The Da Vinci Code“, die zurzeit in den europäischen Kinos zu sehen ist, wird das Opus Dei erneut ins Licht der Öffentlichkeit gerückt und gleichzeitig, so die unbedarfte Rezeption, „als finstere Macht beschuldigt[…]“. Diese naive Kommentierung der Romanintention durch die Presse geht einher mit einer scharfen Polemik seitens der sich angegriffen Wähnenden: Für das Opus Dei bzw. seinen Vertreter John Wauck ist Browns Roman nicht einmal richtige Literatur, geschweige denn eine stimmige Darstellung des ‚Werkes’ oder der katholischen Kirche überhaupt.

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Jan Bretschneider: Der Kreationismus – eine Form des christlichen Fundamentalismus

Beitrag von Jan Bretschneider aus FREIDENKER 2-06
Eine Form des christlichen Fundamentalismus ist der Kreationismus (lat. creatio – Schöpfung, Erschaffung, engl. creation science – „Schöpfungswissenschaft“). Dabei handelt es sich um eine weltanschauliche Auffassung, welche die Entstehung der Welt, insbesondere die der Lebewesen, mit wissenschaftlichen Argumenten auf einen Schöpfungsakt zurückführen möchte und dabei zum großen Teil die naturgesetzliche Evolution negiert. Seit Jahrzehnten besteht hierzu besonders in den USA eine bedeutende weltanschauliche Kontroverse zwischen den „Evolutionisten“ und den „Kreationisten“.

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