Tag der Befreiung vom Faschismus und Tag des Sieges 2026
Zum Tag des Sieges / Tag der Befreiung fanden auch in diesem Jahr zahlreiche Veranstaltungen statt, an denen vielerorts auch Freidenker beteiligt waren. Wir berichten hier von den Veranstaltungen in Frankfurt am Main am 03. und 09. Mai, Potsdam am 07. Mai, Offenbach am 08. Mai und Berlin am 09. Mai 2026.
Am 3. Mai 2026 nahm der Freidenkerverband wieder am Gedenkmarsch „Unsterbliches Regiment“ in Frankfurt am Main teil. Dabei hielt Sebastian Bahlo, Bundesvorsitzender des Deutschen Freidenker-Verbandes, eine Rede, die wir wiedergeben.
Am 09.05.2026 – fand eine Gedenkstunde zum Tag des Sieges am Mahnmal für die sowjetischen Kriegsopfer auf dem Hauptfriedhof Frankfurt am Main statt. Hier hielt Klaus Hartmann, stellvertretender Bundesvorsitzender des Deutschen Freidenker-Verbandes, eine Rede, die wir ebenfalls im Wortlaut wiedergeben. Desweiteren enthält dieser Artikel mehrere Videos und Bildergalerien zu den Feierlichkeiten.
Webredaktion
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- 03. Mai 2026 – Unsterbliches Regiment in Frankfurt am Main
- 07. Mai 2026 – Umbettungszeremonie in Potsdam
- 07. Mai 2026 – Kranzniederlegung in Potsdam
- 08. Mai 2026 – Gedenkkundgebung in Offenbach
- 09. Mai 2026 – Gedenkstunde zum Tag des Sieges in Frankfurt am Main
- Rede von Klaus Hartmann
- Videos (Rede Klaus Hartmann, Lied Ernesto Schwarz)
- Bildergalerie
- 09. Mai 05.2026 Kranzniederlegung in Berlin – Treptow
03. Mai 2026 – Unsterbliches Regiment in Frankfurt am Main
Seit 2012 Jahren findet auf der ganzen Welt, auch in mehreren deutschen Städten alljährlich vor dem 9. Mai der Gedenkmarsch „Unsterbliches Regiment“ statt, bei dem der Gefallenen der Roten Armee im Großen Vaterländischen Krieg durch ihre Nachfahren gedacht wird. So auch am 03.05.2026 in Frankfurt am Main. Der Vorsitzende des Deutschen Freidenker-Verbandes, Sebastian Bahlo, hielt eine kurze Ansprache:
Das Volk sollte die Regierung dringend zur Vernunft bringen.
Ansprache von Sebastian Bahlo
gehalten beim Gedenkmarsch „Unsterbliches Regiment“ am 03. Mai 2026 in Frankfurt am Main
Sehr geehrte Organisatoren, sehr geehrte Teilnehmer am Gedenkmarsch „Unsterbliches Regiment“, sehr geehrte Frankfurter Bürger, liebe Freunde,
wie in den vergangenen Jahren bin ich dankbar für die Gelegenheit, als Vorsitzender des Deutschen Freidenker-Verbandes einige Worte an Sie zu richten. Es ist eine Ehre, als Vertreter einer deutschen Organisation zum Gedenken an die sowjetischen Helden eingeladen zu sein. Ich möchte heute auch an die tausenden deutschen Antifaschisten erinnern, die ihr Leben dem Sieg über den Faschismus geopfert haben, darunter der Freidenker-Vorsitzende Max Sievers.
Während wir uns an die Opfer aller Völker der Sowjetunion erinnern, muß dies insbesondere ein Fest der deutsch-russischen Freundschaft sein. Auf staatlicher Ebene sind die deutsch-russischen Beziehungen auf einem Tiefpunkt. Deutschland hat sich im russisch-ukrainischen Konflikt blind auf eine Seite geschlagen und wirft dem Kiewer Pseudopräsidenten, dessen Amtszeit seit zwei Jahren abgelaufen ist, Milliarden über Milliarden in den Rachen, um die Kriegsmaschine am Laufen zu halten, damit sie Rußland maximal schadet — natürlich auch zum Schaden der einfachen Ukrainer. Deutschland unterstützt die beispiellosen Sanktionen gegen Rußland, russische Diplomaten werden zunehmend gemieden.
Aber die massive antirussische Propaganda, die seit 2022 aus allen Rohren feuert, zieht nicht mehr so gut. Immer mehr Menschen beginnen wieder, selbst zu denken. Die israelisch-US-amerikanische Aggression gegen den Iran, die ein Lehrbuchbeispiel eines unprovozierten Angriffskriegs darstellt und mit der gezielten Bombardierung einer Grundschule begann, hat ihr übriges getan, um das Mantra: Hier die Guten mit ihren hohen Werten und ihrer „regelbasierten Ordnung“ — dort die unberechenbaren Barbaren, zu zerstören.
Vor allem wird das Dilemma, in dem sich die deutsche Regierungspolitik verfangen hat, offensichtlich: Man will auf Öl und Gas aus Rußland verzichten, angeblich um sich von Rußland unabhängig zu machen, macht sich aber dadurch in Wirklichkeit von den USA abhängig; man bereitet sich offen auf einen direkten Krieg mit der Russischen Föderation vor, 2029 soll’s so weit sein, kann aber nicht mehr auf die Unterstützung der USA bei diesem Vorhaben zählen, also plant man jetzt, bis 2039 — wer hat sich diese Jahreszahl ausgedacht? — die stärkste Armee Europas aufzubauen. Und das, obwohl der Krieg mit Rußland dann schon zehn Jahre läuft?
Das Volk sollte die Regierung dringend zur Vernunft bringen. Krieg gegen Rußland ist der sichere Weg in den Untergang. Freundschaft zwischen Deutschland und Rußland heißt Frieden und Wohlstand für alle.
Sebastian Bahlo ist Vorsitzender des Deutschen Freidenker-Verbandes
Video: Ernesto Schwarz singt mit einer russischen Sängerin das Lied „Schurawli“ („Kraniche“)
07. Mai 2026 – Umbettungszeremonie in Potsdam
Bei Erschließungsarbeiten für ein Wohnungsprojekt auf einem früheren Kasernengelände im Potsdamer Stadtteil Krampnitz war man auf die sterbliche Überreste von 80 Soldaten der Roten Armee gestoßen und hatte den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. informiert und seine Experten mit Exhumierung und Einbettung beauftragt.
Nun, am Vorabend der Feierlichkeiten zum 81. Tag der Befreiung / Tag des Sieges wurden die Gebeine auf dem sowjetischen Garnisonsfriedhof an der Michendorfer Chaussee in Potsdam beigesetzt. Hier ruhen mehr als 5.000 Kriegstote.
Es sollte eine stille Zeremonie ohne geladene Gäste sein – und doch waren mehr als 60 Menschen gekommen, um der Toten zu gedenken. Unter ihnen: der russische Botschafter Sergej Netschajew und auch eine kleine Delegation der Freidenker.
Tweet der Russischen Botschaft auf X
Bildergalerie
alle Fotos: Ralf Lux (außer gesondert gekennzeichnete)
07. Mai 2026 – Kranzniederlegung in Potsdam
Direkt im Anschluss an die Umbettungszeremonie fand eine weitere Kranzniederlegung auf dem sowjetischen Ehrenfriedhof am Potsdamer Bassinplatz statt. Dort legten der Botschafter der Russischen Föderation in der Bundesrepublik Deutschland Sergej Netschajew, und der Geschäftsträger der Botschaft der Republik Belarus in Deutschland, Konstantin Tschischik, weitere Kränze nieder
Tweet der Russischen Botschaft auf X
Bildergalerie
Auch auf dem Ehrenfriedhof am Potsdamer Bassinplatz legten die Potsdamer Freidenker einen Grabstrauß nieder. (Leider hatten sie sich etwas verspätet und trafen erst ein, als der Russische Botschafter den Ehrenfriedhof schon wieder verließ und ihnen entgegenkam. Dadurch hatten Liane Blank und Ralf Lux die Gelegenheit, dem Botschafter die Hand zu geben, was leider nicht im Bild festgehalten ist.)
alle Fotos: Ralf Lux
08. Mai 2026 – Gedenkkundgebung zum Tag der Befreiung in Offenbach
Am 8. Mai 2026 fand an dem Mahnmal „Flamme“ vor dem Offenbacher Rathaus wieder die Gedenkkundgebung statt, zu der die Freigeister, die Offenbacher Freidenker sowie die Partei dieBasis gemeinsam aufgerufen hatten.

Der Deutsche Freidenker-Verband hatte ein Blumengebinde niedergelegt mit der Mahnung: „Friedensfähig statt kriegstüchtig!“
Die Freigeister steuerten die Installation eines schauerlichen Gerippes bei, das bekannte: „Ich war kriegstüchtig“.
Wolfgang Schürer, Kreisvorsitzender des Offenbacher Freidenkerverbandes, schilderte die Stationen des barbarischen Vernichtungskrieges der deutschen Faschisten und ihrer europäischen Verbündeten bis zum Sieg der Antihitlerkoalition.
Andreas Fischer von den Freigeistern berichtete über die Betroffenheit der eigenen Familie in den Kriegsjahren, insbesondere das tragische Schicksal des Großvaters, der im Krieg blieb und seinen Sohn nicht kennenlernen durfte.

Klaus Hartmann wies auf den Skandal hin, dass der Jahrestag des faschistischen Überfalls auf die Sowjetunion, der sich am 22. Juni zum 85. Mal jährt, in Deutschland kein Gedenktag ist. Während Bundesregierung und EU das Ziel „Russland ruinieren“ ausgegeben haben, propagierten die Nazis damals die „Vernichtung der Lebenskraft Rußlands“.
Die Kundgebung wurde von Sänger Ernesto Schwarz mit Liedern zur Gitarre eröffnet und begleitet – aber nicht nur „solo“: Besonders beeindruckte der gemeinsame „Freigeister-Freidenker-Chor“ mit seinem Auftritt:

Beeindruckend waren auch die beiden großformatigen Fotos, die vor der „Flamme“ aufgestellt wurden, und die Bombenzerstörung der Stadt vor Augen führten.
Jochen Zietlow von den Offenbacher Freidenkern erläuterte anhand der Bilddokumente die Zerstörung und ihre Folgen für die Bevölkerung, und mahnte eindrücklich, alles dafür zu tun, dass dieser Wahnsinn nicht wiederkehrt.
Wir dokumentieren nachfolgend seine Rede:
Nicht kriegstüchtig, sondern friedensfähig müssen wir werden.
Rede von Jochen Zietlow
gehalten am 08. Mai 2026 zur Gedenkfeier an der „Flamme“ in Offenbach

Zu unserem heutigen Gedenken anlässlich der Befreiung von Krieg und Faschismus vor 81 Jahren, haben wir hier exemplarisch zwei Fotos an der „Flamme“, der Gedenkstätte der Offenbacher, aufgestellt.
Diese beiden Fotos zeigen die verbliebenen Ruinen des Offenbacher Büsing-Palais (Hofansicht und Parkansicht) nach dem schweren Luftangriff der Englischen Luftwaffe am 20. Dezember 1943.
Allein in dieser Nacht starben 78 Menschen, über 15 000 Menschen wurden obdachlos.
Ich zitiere hierzu die Autoren Lothar Braun und Hans-Georg Ruppel aus ihrem sehr lesenswerten Buch mit dem Titel: „Überall Flammen! Offenbach im Bombenkrieg 1940 bis 1945“. (S. 22)
Dieses Buch stellt eine Chronik der Luftangriffe auf Offenbach dar.
„In den frühen Abendstunden des 20. Dezember 1943 erlebte Offenbach den bis dahin schwersten Luftangriff des Zweiten Weltkrieges. Vor allem die Stadtmitte zwischen Bahnlinie und Main wurde schwer getroffen. Neben einer Vielzahl von Wohnhäusern wurde auch eine ganze Reihe von öffentlichen Gebäuden schwer getroffen oder zerstört, darunter das Stadtkrankenhaus, das Isenburger Schloss, das Büsing-Palais (damals Rathaus), die Schlosskirche und das Landratsamt. Der Angriff forderte 78 Tote und über 15 000 Menschen wurden obdachlos.“
Wir befinden uns hier an diesem Ort der „Flamme“ also im Zentrum des Infernos des 20. Dezembers 1943 und gleich, wenn es etwas dunkel wird, wird die Hölle über uns hereinbrechen. Hier hätten wir damals nicht überlebt!
Über die Kriegsjahre gab es viele Luftangriffe der Engländer und US-Amerikaner auf Frankfurt und auf Offenbach. Diese erfolgten mit Sprengbomben, die die Gebäude in Schutt und Asche legten, Flüssigkeitsbrandbomben, welche ganze Straßenzüge in Brand setzten und auch die Schutzsuchenden in den Kellern erreichen konnten und Luftminen, die durch Stahlsplitter töteten und die Lungen der Menschen zerfetzten. Die Offenbacher erlebten die schlimmsten Auswirkungen des Krieges. Krieg als absoluten Terror gegen die Zivilbevölkerung.
Bei den Luftangriffen kamen in den Kriegsjahren 467 Menschen elend zu Tode, der größte Teil der Wohnungen war zerstört und unbewohnbar.
Das sind nur ein paar Hinweise darauf, was sich hier in unserer Stadt an Kriegselend abgespielt hat, vor 81 Jahren.
Diese beiden Fotos sind uns Mahnung, was Offenbach erneut widerfahren könnte, wenn der Weg zum Krieg weiter beschritten wird. Krieg war und ist stets der schlimmste Wahnsinn, den sich Menschen ausdenken können.
Zusätzlich stellt sich heute noch die Frage: Wird in einem kommenden Krieg möglicherweise die Menschheit insgesamt vernichtet werden bzw. ist die Welt danach für die Überlebenden noch bewohnbar?
Wir müssen erreichen, dass Krieg in den Köpfen aller Menschen undenkbar wird! Nur eine Zukunft ohne Krieg, ohne Rüstung, mit sozialer Sicherheit, Gerechtigkeit und Solidarität überall auf der Welt und die universelle Geltung der Menschenrechte werden dazu führen, dass sich die Völker gleichberechtigt und in Freundschaft begegnen.
Nur ohne die jährlichen Rüstungsbillionen können wir die vielen Probleme der Völker und unseres Planeten lösen!
Kein Land der Welt kann sich seine Rüstung leisten!
Und machen wir uns bewusst: Rüstung tötet bereits im Frieden!
Willy Brandt, nach dem dieser Platz benannt ist, sagte bei der Entgegennahme des Friedensnobelpreises 1971 in Oslo
„Der Krieg darf kein Mittel der Politik sein. Es geht darum, Kriege abzuschaffen, nicht sie zu begrenzen….Krieg ist nicht die ultima ratio, sondern die ultima irratio.“
Und der deutsche Philosoph Immanuel Kant, (1724 – 1804) formulierte 250 Jahre früher:
„Friede ist das Meisterstück der Vernunft.“
Und meinte damit bereits das Gebot der Stunde:
„Nicht kriegstüchtig, sondern friedensfähig müssen wir werden.“
Leisten wir unseren Beitrag, jeder an seinem Platz und mit seinen Möglichkeiten, damit der Wahnsinn des Krieges nach 81 Jahren Frieden in unserem Land, nicht zurückkehrt!!
Ich danke euch!
Jochen Zietlow ist Lehrer im Ruhestand und Mitglied im Deutschen Freidenker-Verband
09.05.2026 – Gedenkstunde zum Tag des Sieges am Mahnmal für die sowjetischen Kriegsopfer auf dem Hauptfriedhof Frankfurt am Main
Zum Tag des Sieges am 9. Main 2026 trafen sich an den Gräbern der sowjetischen Opfer auf dem Hauptfriedhof von Frankfurt am Main wieder rund 300 Russen mit deutschen Antifaschisten. Frau Larisa Yurchenko, Vorsitzende von Istok e.V., dem Russischen Sozial-, Kultur- und Bildungszentrum, eröffnete die Gedenkveranstaltung. Nach einer russisch-orthodoxen Liturgie sprachen der Vizekonsul Ilja Ageev vom Russischen Generalkonsulat in Bonn, der Generalkonsul der Republik Kasachstan in Frankfurt, Taubaldy Umbetbayev sowie Vertreter des Konsulats von Kirgisistan und des Generalkonsulats der Republik Usbekistan in Frankfurt am Main. Ihnen folgte die Rede von Klaus Hartmann, die wir hier dokumentieren. Kulturelle Beiträge lieferten Schüler einer russischen Schule in Frankfurt und der Sänger Ernesto Schwarz vom Freidenker-Verband.
Das Vermächtnis der Befreier verteidigen!
Rede von Klaus Hartmann,
gehalten auf dem Frankfurter Hauptfriedhof am 9. Mai 2026 (vollständige Fassung)
Geehrte Vertreter der Konsularischen Corps, Vertreter der Geistlichkeit, liebe russische und deutsche Freunde und Genossen!
Alljährlich vereint uns der Tag des Sieges zur Ehrung der Opfer und der Befreier vom Faschismus. Wir Freidenker und andere deutsche, wahrhaftige Antifaschisten begehen dieses Gedenken gemeinsam und in brüderlicher Verbundenheit mit den hier lebenden Menschen Russlands und der anderen Nationalitäten und Republiken, die den Überfall auf die UdSSR zurückgeschlagen haben.
Am 9. Mai wurden auch wir von der faschistischen Diktatur befreit, stellvertretend für die Opfer nenne ich Max Sievers, Vorsitzender des Deutschen Freidenker-Verbandes. Er gehörte im Sommer 1933 zu den ersten, die von den Faschisten aus Deutschland ausgebürgert wurden, zehn Jahre lang hat er mit Flugblättern, Zeitschriften und Büchern vom Ausland aus zum Widerstand gegen das Nazi-Regime aufgerufen, 1943 wurde er im besetzten Belgien von der SS verhaftet und vom „Volksgerichtshof“ wegen „Hochverrats“ zum Tode verurteilt, und dann im Januar 1944 im Zuchthaus Brandenburg-Görden mit dem Fallbeil ermordet.
Unsere Dankbarkeit für die Befreiungstat gilt der Roten Armee und der Sowjetunion, die mit 27 Millionen Toten die Hauptlast der Befreiung trug. Diese Dankbarkeit und unser ehrendes Gedenken verpflichten uns, allen Versuchen entgegenzutreten, die Geschichte umzuschreiben, die Befreiungstat herabzuwürdigen oder zu negieren. Aktuell findet dieser in Deutschland grassierende Geschichtsrevisionismus seinen Ausdruck in den Bemühungen, Repräsentanten der Russischen Föderation und aus Belarus von Gedenkfeiern auszuschließen. Deshalb ist es für uns eine Ehre und große Freude, dass neben anderen konsularischen Vertretern Herr Ilja Ageev vom Generalkonsulat der Russischen Föderation in Bonn mit uns heute in Frankfurt a.M. zusammen ist.
Und wir widersetzen wir uns aktiv der Diskriminierung. So haben die Freidenker in Thüringen zum 81. Jahrestag der Selbstbefreiung des KZ Buchenwald am 12. April die Vertreter der Russischen Botschaft zu einer eigenen Gedenkkundgebung am Glockenturm eingeladen, gegen den Widerstand der Gedenkstättenleitung eine gemeinsame Kranzniederlegung auf dem KZ-Gelände durchgesetzt, und sind auf Bitten der russischen Diplomaten anschließend zum KZ-Außenlager Mittelbau – Dora in Nordhausen gefahren, wo ebenfalls gemeinsam Blumen und Kränze zum Gedenken an die sowjetischen Häftlinge am Krematorium niedergelegt wurden. Die Freidenker in Sachsen haben zum Jahrestag der Begegnung an der Elbe am 25. April den Botschafter der Russischen Föderation Sergej Netschajew herzlich in Torgau begrüßt. Und am heutigen Tag nehmen die Freidenker in Berlin an der Gedenkzeremonie am sowjetischen Ehrenmal im Treptower Park teil.
Ein Beleg für den regierungsamtlichen Geschichtsrevisionismus: Der diesjährige 85. Jahrestag des Überfalls auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941, nachdem die Faschisten zweieinhalb Monate zuvor Jugoslawien überfallen hatten, ist kein offizieller Gedenktag in Deutschland. Die Nazi-Planer des Eroberungs- und Vernichtungskrieges zielten auf die „Vernichtung der Lebenskraft Rußlands“ und schrieben, dass „die gesamte Wehrmacht im 3. Kriegsjahr aus Russland ernährt wird“ und dass „zweifellos zig Millionen Menschen verhungern, wenn von uns das für uns Notwendige aus dem Lande herausgeholt wird.“ Trotzdem weigert sich die Bundesregierung bis heute, dieses Verbrechen als Völkermord anzuerkennen, ebenso wie die Hungerblockade gegen Leningrad.
In dieser Linie steht auch das wiederholte Verbot durch Berliner Behörden, am 8. und 9. Mai russische und belarussische Flaggen, rote Banner des Sieges, Flaggen und Wappen der Sowjetunion, St.-Georgs-Bänder oder historische Militäruniformen zu tragen, sowjetische Lieder und Märsche aus den Kriegsjahren zu spielen oder das Foto des Sowjetsoldaten mit Fahne auf dem Reichstags-Gebäude zu zeigen. Das Täterland will bestimmen, wie wir und Sie unserer Opfer gedenken dürfen. Das ist absurd und ein Gipfel des Zynismus. Wir unterstützen die Forderung der Botschaft der Russischen Föderation für das Recht, den Jahrestag der Zerschlagung des Nazismus würdig zu begehen, das Verbot der Verwendung von Symbolen des Sieges aufzuheben und die Verbrechen des Dritten Reiches und seiner Helfershelfer während des Großen Vaterländischen Krieges offiziell als Völkermord an den Völkern der Sowjetunion anzuerkennen.
2022 wurde in Berlin das Deutsch-Russische Museum in Museum Karlshorst umbenannt, die russische Fahne vor dem Museum entfernt und die ukrainische Fahne aufgezogen. Dort finden Geheimtagungen mit „ukrainischen Experten“ statt, wie man sowjetische Denkmäler, die für „fremdes Gedenken“ stünden, „zeitgemäß umwidmen“, „mit künstlerischen Mitteln entweihen“, sprich: schänden könne. Um die Monumente als Waffen gegen die verhassten Russen gebrauchen zu können, müssten sie „entkommunisiert“ und „entkolonialisiert“ werden. „Entkolonialisierung“ ist das aktuelle Codewort für die Zerschlagung Russlands –in der Tradition des Nazi-Plans, die UdSSR in Satellitenstaaten aufzuteilen.
Die regierungsamtlichen Aussagen und Maßnahmen sind nicht etwa Ausdruck von Geschichtsvergessenheit, sondern von Revanchismus: Man dankt den Befreiern nicht, sondern kann ihnen die Befreiungstat nicht verzeihen. All diese Manöver sollen die Russophobie anheizen, der noch unwilligen Bevölkerung in Deutschland und der EU das Feindbild Russland einimpfen, um sie mental „kriegstüchtig“ machen.
Bei der geschichtspolitischen Mobilmachung wirkt auch der britische König Charles mit, er verlangte in seiner Rede vor dem US-Kongress am 28.04.2026 den gleichen gemeinsamen militärischen Schulterschluss wie in den Weltkriegen „für die Verteidigung der Ukraine“. Der französische Generalstabschef Mandon fordert die Franzosen auf, sich vorzubereiten, im Konflikt mit Russland „ihre Kinder zu verlieren“. Die EU-Spitzenkraft Kallas verkündet: „Eine Rückkehr zu den früheren Beziehungen mit Russland ist nicht möglich – selbst nach dem Ende dieses Krieges in der Ukraine“, und nach Außenminister Wadephul ist „Russland Feind für immer“.
Die Kriegsertüchtigung beschränkt sich nicht auf die ideologisch-propagandistische Ebene. Bundeskanzler Merz hat beim jüngsten Besuch des abgelaufenen Präsidenten Selenskij am 14. April 2026 Deutschland als „wichtigsten bilateralen Partner der Ukraine“ bezeichnet und mit „unserer starken militärischen Unterstützung“ begründet. Neben Waffenlieferungen und Geldgeschenken, 2026 allein über 11,55 Milliarden Euro, wurde auch die gemeinsame Produktion von Drohnen vereinbart, die weit in russisches Territorium fliegen. Merz sieht darin eine „strategische Partnerschaft“, wohlgemerkt mit einem Land im Krieg. Dies markiert den Schritt vom bisherigen Stellvertreterkrieg gegen Russland zur direkten Kriegsbeteiligung. Die Schweizer Weltwoche bescheinigt der EU eine „Brandgefährliche Außenpolitik“ und kommentiert „Merz rückt Deutschland ins Visier Russlands“.
Alles deutet darauf hin, dass die EU tatsächlich einen Krieg gegen Russland will, oder wie Russlands Außenminister Sergej Lawrow betonte, die EU bereite sich auf eine direkte militärische Konfrontation mit Russland vor. Die ständig wiederholte Jahreszahl, 2029 sei Russland in der Lage, die NATO bzw. Westeuropa anzugreifen, verrät etwas ganz anderes: 2029 sehen sie sich in der Lage, Russland anzugreifen. Dies wird auch in Russland so verstanden und zu Diskussionen darüber führen, welche Maßnahme nötig sind, um einen solchen Angriff nicht zuzulassen.
In dieser brandgefährlichen Situation müssen wir alles tun, um den Kriegstreibern das Handwerk zu legen. Wir unterstützen dazu vielfältige Initiativen und Aktionen der Friedenskräfte. Am heutigen 9. Mai wird in vielen Städten der EU-Staaten, auch hier in Frankfurt a.M., das Manifest des von Ulrike Guerot lancierten „European Peace Project“ öffentlich zu verlesen, in dem unterstützenswerte Sätze stehen wie: „Gemeinsam mit den BRICS-Staaten muss Europa das Völkerrecht und die UN-Charta stärken und eine Brücke zwischen Ost und West bilden! Wir treten für eine neue Europäische Sicherheitsarchitektur mit Russland ein. Wir werden nicht zusehen, wie unsere Zukunft und die unserer Kinder auf dem Altar der Machtpolitik geopfert werden und das schöne Europa sich selbst stranguliert! Europa muss einstehen für: Nie wieder Krieg!“. Wir unterstützen Demonstrationen gegen die Stationierung von Mittelstreckenraketen in Wiesbaden und Grafenwöhr sowie für die Schließung der Air Base Ramstein, wir beteiligen uns an den Aktionen zum Hambacher Fest in Neustadt a.d.W. an Pfingsten, wo ein Freiheitslauf zum Berliner Reichstag startet, und wir unterstützen die Initiative von Publizistin Christiane Reymann „Frieden! Russland ist nicht unser Feind!“ mit der Kundgebung am 20. Juni 2026 am Brandenburger Tor.
Die Freidenker bekräftigen: Nichts kann unsere Verbundenheit und Freundschaft mit dem brüderlichen russländischen Volk zerstören. Wir verteidigen das Vermächtnis der Befreier vom Faschismus, wir danken den Befreiern vom Faschismus gestern und heute.
Klaus Hartmann ist Präsident der Weltunion der Freidenker und stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Freidenker-Verbandes
Videos
Die Rede von Klaus Hartmann
Direktlink zum Video des Deutschen Freidenker-Verbandes auf YouTube: https://youtu.be/Q2JMV8gU18Y
Ernesto Schwarz: „Unsterbliche Opfer“
Direktlink zum Video des Deutschen Freidenker-Verbandes auf YouTube: https://youtu.be/CfNl6Pv2fzk
Bildergalerie
09.05.2026 Kranzniederlegung in Berlin-Treptow
In Berlin fanden an allen großen Denkmälern zur Befreiung vom Faschismus Gedenkveranstaltungen statt, so in Berlin-Schönholz, Berlin-Tiergarten und Berlin-Treptow. Die Berliner Polizei hatte dazu eine Verfügung erlassen, wonach das Tragen von militärischen Uniformen, Uniformteilen und militärischen Abzeichen, sowie das Zeigen von St.-Georgs-Bändern, Fahnen und Flaggen mit russischem Bezug sowie Symbolen der ehemaligen Sowjetunion, Belarus oder Tschetschenien untersagt sind. Das Zeigen ukrainischer Symbole war hingegen erlaubt.
An allen Gedenkveranstaltungen nahmen auch Freidenker teil. Wir dokumentieren hier ein Video und eine Bildergalerie von den Feierlichkeiten in Berlin Treptow.
Tweet der russischen Botschaft
Video: Kranzniederlegung durch den russischen Botschafter
Direktlink zum Video des Deutschen Freidenker-Verbandes auf YouTube: https://youtu.be/9lT_hE9Ac48
Bildergalerie
Alle Fotos: Frank Becker, (außer gesondert gekennzeichnete)
Bild ganz oben: Berliner Freidenker präsentieren ihren Gedenk-Kranz; rechts daneben derselbe vergrößert
Collage aus zwei Fotos von Frank Becker
