Gegen Tischgebete in den kommunalen Kindergärten

Offener Brief von Reinhard John
Mit Sorge verfolgen wir Freidenker die Entwicklung, die die Auseinandersetzung um das obligatorische Tischgebet in den kommunalen Kindergärten ihrer Gemeinde nimmt. Leider entsteht hier allmählich eine Polarisierung, die der sachlichen Auseinandersetzung gewiss nicht dienlich ist. Die Freidenker sind die älteste deutsche Vereinigung von Konfessionsfreien, und ein wichtiges Motiv für die Gründung des Deutschen Freidenkerbunds im Jahr 1881 war die Notwendigkeit, eine starke Interessenvertretung zu schaffen, um dem Einzelnen bei der Durchsetzung seiner Rechte zu helfen. Die Verfassung der Religionsfreiheit wurde seither entscheidend verbessert, in der Praxis ist es aber bedauerlicherweise für Konfessionsfreie immer noch notwendig, sich ihre Rechte vor Gericht erkämpfen zu müssen.

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Was ist Fundamentalismus?

Beitrag von Dr. Berthold Häßlin
Die Anschläge vom 11. September werden im allgemeinen fundamentalistischen islamischen Kreisen zugeschrieben. Bin Laden und die Taliban sollen hierfür verantwortlich sein. Ich möchte hier nur eines eingangs feststellen: die Taliban haben in Afghanistan nicht gerade ein typisches fundamentalistisches Regime geschaffen. Dass nämlich Mädchen keine Schulausbildung erhalten können, ist alles andere als eine übliche fundamentalistische islamische Praxis. Auch die Fundamentalisten vertreten dies für gewöhnlich nicht. Damit will ich sagen: Die Taliban sind keine typischen islamischen Fundamentalisten. Und wenn sie für die Anschläge des 11. September verantwortlich sein sollen, so sollte man sich davor hüten gleichzeitig den gesamten islamischen Fundamentalismus mit in die Haftung für diese Anschläge zu nehmen. Wie scharf bzw. unscharf die Grenze zwischen diesen beiden Bewegungen ist, darum soll es hier u.a. gehen.

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Mea Culpa? Gegen die Missverständnisse päpstlicher „Schuldbekenntnisse“

Rede von Klaus Hartmann auf einer Mitgliederversammlung
Am 12. März 2000 wurden die Augen der Weltfernsehgemeinde auf einen Gottesdienst in Rom gerichtet. Nach wochenlangen Ankündigungen, Spekulationen und häppchenweisen Vorveröffentlichungen wurden die Papst-Worte mit Spannung erwartet, mit denen er sich zur Schuld der Kirche äußern und um Vergebung bitten wollte. Das Medienspektakel war perfekt inszeniert, bloß zum dürftigen Inhalt des „Schuldbekenntnisses“ stand es im umgekehrt proportionalen Verhältnis. Insofern geht die Kirche offenbar mit der Zeit – im Zeitalter der Event-„Kultur“ bedeutet die Show alles, der Inhalt nichts.

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Endlich – Staatskirche in Schweden abgeschafft!

Beitrag von Reinhard John
Von der Presse fast unbeachtet, ging in Schweden ein dunkles Kapitel zuende: Die seit 473 Jahren bestehende Einheit von Staat und Kirche. Ein weiteres europäisches Land hat endlich diese mittelalterliche Machtstellung einer Kirche beendet. König Gustav Wasa schloss diese „Zwangsehe von Thron und Altar“ im Jahre 1527. Und beide Seiten profitierten von dieser Allianz: Der schwedische Staat „benutzte die Kirche als effektives Machtinstrument und bestrafte die Abtrünnigen“, wie selbst die konservative Zeitung Göteborgs-Posten heute feststellt. … Als Gegenleistung durfte die schwedische Staatskirche (Svenska kyrkan) viele Jahrhunderte lang ihren Konkurrenten vor allem Katholiken und Freikirchlern, sowie allen Freidenkern das Leben schwer machen.

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50 Jahre Verfilzung von Staat und Kirche

Beitrag von Klaus Hartmann aus FREIDENKER 3-99
Es vergeht kaum eine Woche, in der nicht neue Meldungen ein Schlaglicht auf das prekäre Verhältnis von Staat und Kirchen in der Bundesrepublik Deutschland werden. … Dies alles findet seine Grundlage in einem Grundgesetz, dessen „Väter“ (und Mütter) sich nicht entschließen konnten, klare Verhältnisse zu schaffen. Sie drückten sich überhaupt um jede eigene Formulierung, und übernahmen schließlich wörtlich die Bestimmungen der Weimarer Reichsverfassung in das Grundgesetz. Der entscheidenende Satz „Es besteht keine Staatskirche“ muß man sich erst von einem Juristen übersetzen lassen: „Staat und Kirchen sind getrennt“, soll das nämlich heißen. Wenn man hingegen die Wirklichkeit betrachtet, ahnt man, dass jenes Papier, auf dem Verfassungen gedruckt stehen, besonders geduldig sein muß.

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Trennung von Staat und Kirche

Beschluß des DFV-Verbandsvorstandes, Erfurt, 24. Januar 1999
Der Verbandsvorstand ruft alle Gliederungen des Deutschen Freidenker-Verbandes auf, mit vielfältigen Aktionen und Initiativen das zentrale Anliegen des Verbandes in die Öffentlichkeit zu tragen. Die Aktion verfolgt das Ziel, den Forderungen nach Trennung von Staat und Kirche mehr Resonanz zu verschaffen und damit den Verband als Interessenvertretung konfessionsfreier Menschen stärker zu profilieren. Entscheidend ist, daß dies keine „Vorstands-Aktivität“ ist, sondern alle Gliederungen des Verbandes aktiv werden. Der Verband muß insbesondere „vor Ort“ als eine Kraft erlebbar sein, die sich für die Rechte und Interessen konfessionsfreier Menschen einsetzt.

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Die Kirchenvertreter im Südwestrundfunk (SWR)

In den Aufsichtsgremien der Rundfunkanstalten haben „gesellschaftlich relevante Gruppen und Institutionen“ das Recht auf Sitz und Stimme. Neben staatlichen Stellen wie Landtag oder Landesregierung sind dies Berufsverbände, Bildungseinrichtungen und verschiedene andere Interessensvertretungen. Immer dabei sind die evangelische und die katholische Religionsgemeinschaft, sowie andere religiöse Organisationen.
Seit dem 1. Oktober 1998 sind die beiden Landessender Süddeutscher Rundfunk (SDR) und Südwestfunk (SWF) aufgegangen im neugegründeten Südwestrundfunk (SWR). Am Beispiel dieses Senders soll einmal genauer untersucht werden, wie die kirchliche Interessensvertretung im Rundfunk in der Realität aussieht.

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Die Trennung von Staat und Kirche – Herausforderung für die Freidenker

Beitrag von Prof. Dr. Hans-Günter Eschke
Am Ende des XX. Jahrhunderts gewinnt die traditionelle Forderung der Freidenker nach der Trennung von Staat und Kirche zunehmend an Aktualität. Kürzlich stellte der einstige Leiter des vatikanischen Sekretariats für die Nichtglaubenden, der Kardinal Franz König, mit dem Blick auf die wachsende Säkularisierung fest: „Immer weniger Menschen bekennen sich zu einer religiösen Überzeugung, beachten religiöse Gebote und beteiligen sich an religiösen Tätigkeiten. Diese Tendenz spiegelt weniger eine Feindschaft gegen die Religion wider als vielmehr eine vollkommene Gleichgültigkeit.“ Das heißt aber, daß eine zunehmende Zahl Menschen das Vertrauen zumindest zu den christlichen Kirchen als einst gültig erscheinenden Mittlern menschlicher Werte und weltanschaulicher Perspektiven verloren hat.

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Die Pius-Lüge – Der Vatikan erklärt sich zum Holocaust

Beitrag von Emil Carlebach
Deine Rede sei Ja, Ja und Nein, Nein – was darüber ist, ist vom Übel. Dieses biblische Gebot kann den Kardinälen nicht vor Augen gestanden haben, als sie im März 1998 ihre Erklärung zum Holocaust veröffentlichten, die den Vatikan und insbesondere den Papst Pius XII von der schweren Mitschuld an dem millionenfachen Judenmord zu entlasten suchte. Eher dachten sie wohl an den Satz, daß der Zweck die Mittel heilige. Aber es gelang ihnen nicht: Erfindungen (man könnte auch sagen: Lügen) auf der einen, Weglassungen (man könnte auch sagen: Unterschlagungen) sind hier so eindeutig vermischt, daß sie zumindest eine Frage beantworten – was die Herren Kardinäle in den 11 (elf!) Jahren getrieben haben, die sie an diesem Elaborat getüftelt haben.

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§ 218: Keinen Schein von den Scheinheiligen!

Beitrag von Klaus Hartmann
In Sorge gebeugt und mit einem Denken, das seinem Krummstab immer ähnlicher wird, hat sich der „Nachfolger Petri“(?) an seine deutschen „Brüder“ gewandt. Zur Sorge hat Karol Wojtyla alias Papst Gründe genug. Am 12. Januar 1998 erst verlor er, der den Geschlechtsakt nur zum Zwecke der Fortpflanzung gelten lassen will, seinen Kammerherrn Enrico Sini Luzi – mit einem Kerzenständer erschlagen während Sado-Maso-Spielen. Aber mehr noch sorgt sich der heilige Vater um das ungeborene (und ungezeugte!) „Leben“ – denn künstliche Geburtenkontrolle und Abtreibung seien „abscheuliche Verbrechen“, so „ER“ zuletzt am 22. Januar 1998 in Santa Clara auf Cuba. Daß den Papst nur edle Motive umtreiben, bestätigte er bei seiner Rückkehr nach Rom: Er äußerte die Hoffnung, daß seine Cuba-Reise ähnlich wirken werde, wie seine „Pilgerreise“ nach Polen 1979, die die „Wende“ einleitete.

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Schwerpunktthema Religionskritik

Die Voraussetzung aller Kritik ist die Religionskritik nach Meinung von Karl Marx. Diesen Teil des Satzes aus der Einleitung Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie unterschlagen des öfteren Diskussionspartner aus Kirchenkreisen: Sie zitieren nur den ersten Teil (unvollständig), die Kritik der Religion ist beendet, habe der Herr Marx schließlich verlautbart. Komplett heißt der Satz aber: „In Deutschland ist die Kritik der Religion im wesentlichen beendigt, und die Kritik der Religion ist die Voraussetzung aller Kritik.“ Wir haben keinerlei Anlaß, künftig auf die Kritik der Religion zu verzichten. Wir denken, Marx in der Weise richtig zu verstehen, daß die Religion kein Geheimnis mehr hat, daß sie vom wissenschaftlichen Standpunkt endgültig kritisiert ist, nichts mehr Neues kommen kann.

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