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Das Recht auf Entwicklung und der Aufstieg Chinas und Indiens im Human Development Index (HDI)

Ein historischer Überblick von Wolfgang Schürer

Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen:

Am 22. November 1965 wurde das United Nations Development Programme (UNDP) gegründet. Das UNDP ist ein Ausschuss der Generalversammlung (GEV). Sein Hauptsitz befindet sich in New York City, im dortigen exterritorialen Gebiet.

Die Vereinigten Staaten waren gegen die Bildung des UNDP, da sie es als Konkurrenz zu den von ihnen dominierten UNO-Sonderorganisationen, der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds, betrachteten.

Die Bildung der G-7-Gruppe:

Am 25. März 1973, in Washington, DC, bildeten die Vereinigten Staaten, das Vereinigte Königreich, Frankreich und die BRD die G-4-Gruppe.

Im September 1973 entstand, in Washington, D.C., durch die Aufnahme von Japan, die G-5-Gruppe.

Auf einer Konferenz, auf Schloss Rambouillet, vom 15.-17. November 1975, wurde, durch die Aufnahme von Italien, die G-6-Gruppe gebildet.

Auf einer Konferenz, in Dorado, Puerto Rico, vom 27.-28. Juni 1976, entstand, durch die Aufnahme von Kanada, die G-7-Gruppe.

Die G-7-Staaten definierten den Entwicklungsstand eines Staates materiell, über den Quotienten aus dem Bruttonationaleinkommen (BNE) und der der Bevölkerung. Das BNE des Staates wird zunächst in der Landeswährung angegeben.

Nimmt man den Umrechnungskurs der Landeswährung zum US-Dollar (USD), dann erhält man das nominale BNE.

Nimmt man die Kaufkraft des USD (Purchasing Power Parity, PPP) in dem betreffenden Staat, dann erhält man das reale BNE.

(In den Vereinigten Staaten sind das nominale und das reale BNE gleich. In den meisten Ländern der Erde ist das reale BNE jedoch größer als das nominale.)

Die G-7-Gruppe bezeichnete ihre Treffen als „Weltwirtschaftsgipfel“.

Die Erklärung des Rechtes auf Entwicklung der Vereinten Nationen:

Am 04. Dezember 1986, in der Resolution 0178/2110246, erklärte die GEV das Recht auf Entwicklung zu einem „unveräußerlichen Menschenrecht, kraft dessen alle Menschen und Völker Anspruch darauf haben, an einer wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und politischen Entwicklung, in der alle Menschenrechte und Grundfreiheiten voll verwirklicht werden können, teilzuhaben, dazu beizutragen und daraus Nutzen zu ziehen.“

Quelle: UN 1986: Erklärung über das Recht auf Entwicklung, PDF, 16. Mai 2014;

((Am 18. Dezember 1974, mit der Resolution 3355 (XXIX), hatte die GEV die Bildung eines deutschsprachigen Übersetzungsdienstes beschlossen. Er wurde von Vertretern der BRD, der DDR und Österreichs (UNO seit 1955) finanziert. Er übersetzt, seit dem 01. Juli 1975, ausgewählte UNO-Dokumente, aus den 6 offiziellen UNO-Sprachen (Englisch, Französisch, Spanisch, Russisch, Chinesisch und Arabisch), ins Deutsche. Am 03. Oktober 1990 endete die UNO-Mitgliedschaft der DDR. Liechtenstein wurde 1990 in die UNO aufgenommen, die Schweiz 2002. Beide Staaten beteiligen sich, seit ihrer Aufnahme, an der Finanzierung des Übersetzungsdienstes.))

(Luxemburg gehört zu den 51 Gründungsmitgliedern der UNO. In Luxemburg ist Französisch die Hauptsprache für Dokumente. Luxemburg beteiligt sich nicht am deutschsprachigen Übersetzungsdienst der UNO.)

Die 159 stimmberechtigten UNO-Mitglieder stimmten wie folgt:

146 Staaten stimmten mit JA, darunter die Sowjetunion, China und die DDR (UNO-Mitglied seit dem 18. September 1973).

Die Vereinigten Staaten stimmten, als einziger Staat, mit Nein.

8 Staaten enthielten sich der Stimme: Vereinigtes Königreich, BRD (UNO-Mitglied seit dem 18. September 1973), Japan, Israel, Schweden, Dänemark, Finnland, Island,

4 Staaten (Albanien, Tansania, Vanuatu, Dominica) beteiligten sich nicht an der Abstimmung.

(Die Mitgliedschaft von Südafrika in der UNO war, durch Beschluss der GEV, vom 12. November 1974, suspendiert worden.)

Das Abstimmungsverhalten der G-7-Gruppe war:

  • Die Vereinigten Staaten stimmten gegen das Recht auf Entwicklung.
  • Das Vereinigte Königreich, die BRD und Japan enthielten sich der Stimme.
  • Frankreich, Italien und Kanada stimmten für das Recht auf Entwicklung.
Die Idee des Human-Development-Index:

Sie stammt von dem Pakistaner Mahbub Ul-Haq (1934-1998), der eng mit dem Inder Amartya Sen (geboren 1933) und dem indischstämmigen Briten Meghnad Desai (1940-2025) zusammenarbeitete:

Der Entwicklungsstand eines Staates sollte, jeweils zu einem Drittel, aus der Kombination von drei Faktoren ermittelt werden:

  • Der Faktor „Durchschnittliche Lebenserwartung eines Neugeborenen“ ist der Indikator für Ernährung, Hygiene und Gesundheitsfürsorge.
  • Der Faktor „Bildungsniveau“ steht für erworbene Kenntnisse und die Teilhabe am öffentlichen und politischen Leben.
  • Der Faktor „Reales Pro-Kopf-BNE in USD“ steht für einen angemessenen Lebensstandard.

Jeder der 3 Faktoren wird durch einen Bruch berechnet, dessen Zähler kleiner als der Nenner ist.

Dann wird die Kubikwurzel aus dem Produkt der 3 Brüche gezogen.

Das Ergebnis ist eine Zahl, die maximal 0,999 sein kann.

(Die Berechnungsmethode „Bildungsniveau“ wurde 2010 deutlich geändert: Vorher wurde die Alphabeten-Quote der Erwachsenen zu zwei Dritteln, die BruttoSchuleinschreibungs-Rate zu einem Drittel gewichtet. Seither werden die erfolgte Schulbildungszeit und die erwartete Ausbildungszeit kombiniert.)

(Eine ausführliche Darstellung der Berechnung des HDI findet sich in: Deutschsprachige Wikipedia, Index der menschlichen Entwicklung.)

Der HDI wurde in das UNDP aufgenommen.

Der erste Human Development Index, 1990;

Erfasst wurden 147 Länder (38 in Afrika, 37 in Europa, 36 in Asien, 29 in Amerika, 7 in Ozeanien), außerdem Hongkong.

China erhielt 0,482. China stand auf Platz 110.

8 Länder lagen zwischen China und Indien: 6 in Subsahara-Afrika, Marokko in Nordafrika, Haiti in Lateinamerika.

Indien erhielt 0,434. Indien stand auf Platz 119.

29 Länder lagen unter Indien: Bangladesch, Nepal und Pakistan in Südasien; Laos, Kambodscha und Myanmar in Südostasien; Jemen und Afghanistan in Westasien; Papua-Neuguinea in Ozeanien; 20 Staaten in Subsahara-Afrika.

Auf den 3 letzten Plätzen lagen Mosambik (0,239), Mali (0,236) und Niger (0,212).

Die Gründung der G-20-Gruppe:

Sie erfolgte, auf einer Konferenz in Berlin, am 15.-16. Dezember 1999. Zu den G-7-Staaten traten 12 weitere: Russland in Europa; Mexiko, Brasilien und Argentinien in Lateinamerika. China und Südkorea in Ostasien. Indien in Südasien. Indonesien in Südostasien. Saudi-Arabien und Türkei in Westasien; Australien in Ozeanien; Südafrika in Subsahara-Afrika;

Spanien wurde Dauergast bei den G-20-Treffen.

Die EU wurde das 20. Mitglied. (Von den 27 EU-Staaten werden 23 kollektiv durch die EU vertreten.)

Am 09. September 2023 wurde die Afrikanische Union das 21. Mitglied. Zu ihr gehören die 5 UNO-Mitglieder in Nordafrika und die 49 UNO-Mitglieder in Subsahara-Afrika.

Die G-20-Gruppe hat die Themenbereiche „Gesundheit“ und „Bildung“ als feste Bestandteile ihrer Agenda aufgenommen:

Auf einer Konferenz, in Berlin, vom 28. Februar bis zum 02. März 2017, wurde die G-20-Heath-Working-Group (G-20-HWG) gegründet.

Auf einer Konferenz, in Buenos Aires, vom 30. November bis zum 01. Dezember 2018, 2017 wurde die G-20-Education-Working-Group (G-20-EWG) gegründet.

Der Human Development Index 2023:

Erfasst wurden 191 UNO-Mitglieder (54 in Afrika, 45 in Asien, 43 in Europa, 35 in Amerika, 14 in Ozeanien), außerdem Hongkong und Palästina.

China erhielt 0,797. Sein Anstieg betrug 65,3 %. China stand auf Platz 78.

51 UNO-Mitglieder lagen zwischen China und Indien (18 in Amerika, 15 in Asien, 9 in Afrika, 2 in Europa, 7 in Ozeanien).

Hierzu gehörten Mexiko (0,789, Platz 81a), Brasilien (0,786, Platz 84a), Südafrika (0,741, Platz 106) und Indonesien (0,728, Platz 113).

Indien erhielt 0,685. Sein Anstieg betrug 57,8 %. Indien stand auf Platz 130a.

Bangladesch erhielt ebenfalls 0,685 und stand auf Platz 130b.

61 UNO-Mitglieder (43 in Afrika, 9 in Asien, 4 in Amerika, 5 in Ozeanien) und Palästina lagen unter Indien. Hierzu gehörten Nigeria (0,560, Platz 164), Pakistan (0,544, Platz 168), Äthiopien (0,497, Platz 180) und Südsudan (0,388, Platz 193).

Schlussbetrachtungen:

Der United Nations Populaton Fund (UNPF) schätzte, für den 01. Juli 2025, die Weltbevölkerung auf 8,232 Milliarden.

Für Indien ergab eine amtliche Schätzung, für das gleiche Datum, 1,417 Milliarden. Das wären 17,2 % der Weltbevölkerung.

Eine offizielle Schätzung für China, ohne Hongkong und Macao, für den 31. Dezember 2025, ergab 1,405 Milliarden. Das wären 17,0 % der Weltbevölkerung.

Zahlenquelle: Englischsprachige Wikipedia, List of Countries and Dependencies by Population;

Wolfgang Schürer ist Vorsitzender des Kreisverbandes Offenbach a. M. der Freidenker


Bild oben: Symbolbild (die Werte im Diagramm entsprechen nicht der tatsächlichen Situation)
KI-generiert mit ChatGPT