Das Klima und die Spur des Geldes

Aus: FREIDENKER Nr. 4-19, Dezember 2019, 78. Jahrgang, S. 14-16

von William F. Engdahl

Das Klima. Wer hätte das gedacht. Genau jene Mega-Konzerne und Mega-Milliardäre, die seit den letzten Jahrzehnten hinter der Globalisierung der Weltwirtschaft stecken, die nach Shareholder Value und Kostenreduzierung streben, die unserer Umwelt so viel Schaden zugefügt haben, sowohl in der industrialisierten Welt als auch in den Entwicklungsländern in Afrika, Asien und Lateinamerika, genau sie sind die führenden Unterstützer der CO2-„Graswurzel“-Bewe­gung von Schweden über Deutschland bis in die USA und darüber hinaus. Ist es ein Anfall von schlechtem Gewissen oder könnte hinter der Finanzialisierung der Luft, die wir atmen, eine tiefere Agenda stecken?

Was immer man auch von der Gefahr durch CO2 und dem Risiko einer globalen Erwärmung halten mag, die eine globale Katastrophe mit einer durchschnittlichen Erwärmung von 1,5 bis 2 Grad Celsius in den nächsten 12 Jahren verursachen soll, so ist es doch wert, sich anzusehen, wer den gegenwärtigen Strom aus Propaganda und Klima-Aktivismus befördert.

Grünes Geld

Etliche Jahre bevor Al Gore und andere sich dazu entschieden haben, ein junges schwedisches Schulmädchen als Poster-Girl für dringende Aktionen zum Klima zu benutzen, oder in den USA den Ruf von Alexandria Ocasio-Cortez nach einer völligen Reorganisation der Wirtschaft rund um einen Green New Deal, da haben die Finanzgiganten begonnen, hunderte von Milliarden an zukünftigen Investmentfonds in oft wertlose „Klima“-Firmen zu stecken.

2013 hat nach Jahren sorgfältiger Vorbereitung eine schwedische Immobilienfirma, Vasakronan, die erste „grüne Konzernanleihe“ aufgelegt. Es folgten weitere, darunter Apple, SNCF und die große französische Bank Credit Agricole. Im Novemer 2013 hat Elon Musks problembeladene Tesla Energy die ersten forderungsbesicherten Wertpapiere für Solar herausgebracht. Heute stehen nach Angaben der sogenannten Climate Bonds Initiative mehr als $ 500 Milliarden an solchen grünen Anleihen aus. Die Schöpfer dieser Anleihen-Idee sagen, ihr Ziel sei es, die Mehrheit der $ 45 Billionen an global gemanagten Anleihen zu gewinnen, die sich symbolisch dazu verpflichtet haben, in „Klima-freundliche“ Projekte zu investieren.

Der hübsche Prinz Charles, zukünftiger britischer Monarch, hat zusammen mit der Bank of England und der City of London „grüne Finanzinstrumente“ beworben, angeführt von Green Bonds, um Pensionspläne und Anlagefonds auf grüne Projekte auszurichten. Eine Schlüsselfigur bei der Verknüpfung von weltweiten Finanzinstitutionen mit der Grünen Agenda ist der scheidende Chef der Bank of England, Mark Carney. Im Dezember 2015 schuf das Financial Stabilty Board (FSB) der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) unter dem Vorsitz von Carney die Task Force on Climate-related Financial Disclosure (TCFD), um „Investoren, Kreditgeber und Versicherungen über Klima-bezogene Risiken“ zu beraten. Das war mit Sicherheit ein bizarrer Schwerpunkt für die zentralen Weltbanker.

2016 hat die TCFD zusammen mit der City of London Corporation und der britischen Regierung die Green Finance Initiative ins Leben gerufen.

Damit sollen Billionen Dollar in „grüne“ Investments kanalisiert werden. Die Zentralbanker des FSB haben 31 Personen nominiert um die TCFD zu bilden. Unter dem Vorsitz von Michael Bloomberg (der mit der Finanzwebseite) finden sich Schlüsselfiguren von JP MorganChase, von BlackRock (mit fast $ 7 Billionen einer der größten Vermögensmanager der Welt), Barclays Bank, HSBC (die London-Hongkong-Bank, die für die Geldwäsche von Drogengeldern und anderen schwarzen Kassen wiederholt bestraft wurde), Swiss Re (der zweitgrößte Rückversicherer der Welt), die chinesische ICBC Bank, Tata Steel, ENI oil, Dow Chemical, der Minengigant BHP Billington und David Blood von Al Gores Generation Investment LLC. Im Grunde scheint es, als würden die Füchse die Regeln für das neue Grüne Hühnerhaus aufstellen.

Mark Carney von der Bank of England war auch eine Schlüsselfigur bei den Bemühungen, die City of London zum globalen Zentrum von Green Finance zu machen. Der scheidende britische Finanzminister Philip Hammond hat im Juli 2019 ein Weißbuch herausgegeben: „Grüne Finanzstrategie: Die Transformation der Finanzen hin zu einer Grünen Zukunft“. In dem Papier heißt es: „Eine der einflussreichsten Initiativen dabei ist die Private Task Force on Climate-related Financial Disclosure (TCFD) des Financial Stability Board, unterstützt von Mark Carney und unter Vorsitz von Michael Bloomberg. Dies wurde von Institutionen empfohlen, die $ 118 Billionen an Vermögen weltweit repräsentieren.“

Es scheint da einen Plan zu geben. Der Plan ist die Finanzialisierung der gesamten Weltwirtschaft unter Einsatz der Furcht vor einem Weltuntergangs-Szenario, um willkürliche Ziele wie „klimaneutrale Treibhausgas-Emissionen“ zu erreichen.

Goldman Sachs, der Schlüsselakteur

Die omnipräsente Wall Street-Bank Goldman Sachs, die unter anderem den scheidenden EZB-Präsidenten Mario Draghi und den Chef der Bank of England, Mark Carney, hervorgebracht hat, stellte kürzlich den ersten globalen Index der am höchsten rangierenden Umwelt-Aktien vor, zusammen mit der in London ansässigen CDP, früher Carbon Disclosure Project. Interessant ist, dass CDP von Investoren wie HSBC, JP MorganChase, Bank of America, Merrill Lynch, Goldman Sachs, American International Group und der State Street Corp. finanziert wird.

Der neue Index, CDP Environment EW und CDP Eurozone EW genannt, zielt darauf ab, Investmentfonds, staatliche Pensionssysteme wie CalPERS (das kalifornische Rentensystem für staatliche Angestellte) und CalSTRS (das kalifornische Rentensystem für Lehrer) anzulocken, mit insgesamt mehr als $ 600 Milliarden an Vermögen, um in ihre sorgfältig ausgewählten Ziele zu investieren. Zu den am höchsten bewerteten Firmen in dem Index gehören Alphabet (der Besitzer von Google), Microsoft, ING Group, Diageo, Philips, Danone und – wie passend – Goldman Sachs.

Auftritt Greta, AOC und Co.

An diesem Punkt nehmen die Ereignisse eine zynische Wendung, da wir mit irre populären, heftig beworbenen Klimaaktivistinnen wie Schwedens Greta Thunberg konfrontiert werden, oder der 29-jährigen New Yorkerin Alexandria Ocasio-Cortez mit dem Green New Deal. Wie ernsthaft diese Aktivistinnen auch sein mögen, dahinter steht eine gut geölte Finanzmaschine, die sie fördern, um etwas zu erreichen.

Greta Thunberg ist Teil eines gut verknüpften Netzwerks, verbunden mit der Organisation von Al Gore. Sie wird zynisch und professionell vermarktet und von solchen Agenturen wie der UN, der EU-Kommission und den finanziellen Interessen hinter der momentanen Klima-Agenda benutzt. Wie der kanadische Forscher und Klima-Aktivist Cory Morningstar in einer Reihe ausgezeichneter Posts dokumentiert, arbeitet die junge Greta mit einem gut geknüpften Netzwerk, das mit dem US Klima-Investor und enorm reichen Klima-Profiteur Al Gore, Vorsitzender von Generation Investment Management, verbunden ist.

Gores Partner, der Ex-Goldman Sachs Mitarbeiter David Blood, ist, wie bereits erwähnt, Mitglied des von der BIZ gegründeten TCFD. Greta Thunberg wird zusammen mit ihrem 17-jährigen Klima-Freund Jamie Margolin als „special youth advisor and trustee“ der schwedischen NGO We Don’t Have Time aufgeführt, Gründer dieser NGO ist Ingmar Rentzhog. Rentzhog ist ein Mitglied von Al Gores Climate Reality Organization Leaders und Teil der European Climate Policy Task Force. Er wurde im März 2017 von Al Gore in Denver trainiert und im Juni 2018 nochmal in Berlin. Al Gores Climate Reality Project ist Partner von We Don’t Have Time.

Die Kongressabgeordnete Alexandria Oca­sio-Cortez (AOC), die in ihren ersten Tagen im US-Kongress mit ihrem Green New Deal für riesiges Interesse gesorgt hat, der die US-Wirtschaft mit Kosten von womöglich $ 100 Billionen reorganisieren soll, ist auch nicht ohne sachkundige Anleitung. AOC hat öffentlich zugegeben, dass sie sich auf Drängen einer Gruppe für den Kongress beworben hat, die sich Justice Democrats nennt. Einem Interviewer sagte sie: „Ich würde nicht kandidieren, wenn da nicht die Unterstützung von Justice Democrats und Brand New Congress wäre. Ähm, in Wahrheit waren es diese Organisationen, es war JD und es war auch Brand New Congress, diese beiden, die mich als erstes wegen einer Kandidatur gefragt haben. Sie sind es, die mich vor eineinhalb Jahren angerufen haben…“ Jetzt, als Kongressabgeordnete, gehört zu AOCs Beratern der Justice Democrats Gründer Zack Exley. Eyley war ein Open Society Fellow und bekam unter anderem Gelder von Open Society Foundations und der Ford Foundation, um einen Vorgänger von Justice Democrats zu gründen, die ausgewählte Kandidaten für ein Amt rekrutieren sollten.

William F. Engdahl ist Autor und u.a. Gastprofessor an der Universität Peking,
Mitarbeiter des Forschungsinstituts Global Research von Prof. Michel Chossudovski in Kanada sowie Dozent an der Fachhochschule Wiesbaden

Dieser Text erschien zunächst auf der Website https://www.theblogcat.de,
in deutscher Übersetzung im September 2019 bei der Linken Zeitung –
https://linkezeitung.de/2019/09/28/das-klima-und-die-spur-des-geldes/


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