Werbeverbot für dialektischen Materialismus

Die Verantwortlichen der Technischen Universität Hamburg (TU HH) haben dem »Gesprächskreis Dialektik und Materialismus« die Werbung zu einem wissenschaftlichen Kolloquium mit der Fragestellung »Selbstorganisation der Materie« untersagt. Das Kolloquium am 17. November 2018 zur „Selbstorganisation der Materie“ mit dem Göttinger Wissenschaftler Prof. Christian Jooß beschäftigt sich u.a. mit der Herausbildung einer materialistischen Entwicklungstheorie. Der Präsident der TU HH, Professor Dr. Hendrik Brinksma, führt zur Begründung des Werbeverbots die „Verpflichtung zur politischen Neutralität“ an.

Gegen diesen miserabel getarnten Versuch, den Marxismus aus dem wissenschaftlichen Diskurs auszuschließen, hat auch der Deutsche Freidenker-Verband protestiert.

 

An den Präsidenten der TUHH
Herrn Prof. Dr. Hendrik „Ed“ Brinksma

9.11.2018

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Brinksma,

wenn man die Homepage der Technischen Universität Hamburg im Internet öffnet, wird man von Aussagen wie „Dialog für ein Gutes Miteinander“ oder „Querdenker erwünscht“ empfangen.

In Anbetracht Ihres Verbots der Werbung für die Veranstaltung „Selbstorganisation der Materie“ des Göttinger Wissenschaftlers Prof. Christian Jooß drängt sich die Frage auf, ob die Losungen im Internet als Scherz bzw. ironisch gemeint sind, oder aber die Leserschaft in die Irre führen sollen.

Nach diversen, inzwischen offenbar eingestampften, abenteuerlichen Begründungen für das Verbot soll nun noch die „Verpflichtung zur politischen Neutralität“ maßgeblich sein.

Ich kann nur hoffen, dass Ihnen zumindest nachträglich der ganze Widersinn dieser Begründung aufgegangen ist. Wäre „politische Zurückhaltung“ tatsächlich „Grundsatz der Hochschule“, hätte jede administrative Behinderung der Veranstaltung unterbleiben müssen. So hingegen erweckt es den Anschein, dass im Gegenteil dem KPD-Verbot von 1956 mit seiner Klassifizierung des Marxismus- Leninismus (mitsamt seinem Bestandteil Dialektischer Materialismus) als „verfassungswidrig“ im Jahr 2018 Geltung verschafft werden soll. Das ist nach dem offiziell beendeten „Kalten Krieg“ und den diesjährigen Würdigungen von Karl Marx anlässlich seines 200. Geburtstags eine „reife“ Leistung.

Die Behinderung der Veranstaltung und die Verteidigung dieser Behinderung Ihrerseits ist eine der schlechteren, kleingeistigen „Geschichten aus der Provinz“ und spricht der stolzen Behauptung im Leitbild Ihrer Einrichtung Hohn, „eine dem Humboldt’schen Bildungsideal verpflichtete, international orientierte Hochschule“ zu sein.

Heute vor 51 Jahren, am 9. November 1967, haben Studenten an der Hamburger Universität das Transparent „Unter den Talaren – Muff von 1000 Jahren“ entrollt, was ein Leitmotiv der „68er“ Studentenproteste wurde. Offenbar ist es Zeit für eine Neuauflage.

Hochachtungsvoll und mit dem Wunsch auf Besserung,

 

Klaus Hartmann,

Bundesvorsitzender – zugleich im Auftrag des durch Sie angeregten Netzwerks gegen betreutes Denken i.G.


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Einladungsplakat zur Veranstaltung “Selbstorganisation der Materie” am 17.11.2018 in Hamburg

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Bild oben: Motiv des Einladungsplakates zur Veranstaltung