AktuellesDemokratie – Medien – Aufklärung

Wie planmäßig die EU in den Krieg mit Russland getrieben wird

Im Rückblick wird deutlich, wie planmäßig die EU in einen Krieg mit Russland getrieben wurde. Wenn man die Entwicklungen rückblickend betrachtet, wirkt es fast schon wie ein von langer Hand vorbereiteter Plan, denn alle Entwicklungen greifen wie Zahnräder ineinander.

von Anti-Spiegel (d.i. Thomas Röper)

Erstveröffentlichung am 06.05.2026 auf anti-spiegel.ru

Vor einigen Tagen habe ich bereits einen Artikel des Brüssel-Korrespondenten der TASS (siehe hier) übersetzt, der im Original den Titel „EU 3.0, oder wird die Vorbereitung auf einen Krieg mit Russland zum neuen Kern des europäischen Projekts?“ trug. Am Ende des Artikels schrieb er:

„Wie und auf wessen Kosten Brüssel sein neues Militärbündnis finanzieren will und was der EU-Kommission noch fehlt, um ihre Kriegspläne endgültig zu konkretisieren, werde ich im nächsten Artikel ausführlich erzählen.“

Nun ist dieser nächste Artikel erschienen und ich finde ihn so wichtig und interessant, dass ich wirklich nur jedem raten kann, ihn im Freundes- und Bekanntenkreis zu verbreiten. Natürlich habe ich ihn übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

1,3 Billionen Euro für Kriegskredite: Steuert die EU in die Schuldenfalle?

Denis Dubrowin, Leiter des TASS-Büros in Belgien, erklärt, wie Europa die finanzielle Zukunft kommender Generationen „verpfändet“.

Die Idee, die EU zu militarisieren und alle Ressourcen für den Kampf gegen Russland zu mobilisieren, ist bereits zum Kern des neuen europäischen Projekts, der Europäischen Militärunion oder EU 3.0, geworden. Brüssel träumt davon, ein gesamteuropäisches Imperium zu formen. Doch mit welchen Mitteln will man all das erreichen? Zumal Europa heute weit vom Höhepunkt seines Wohlstands entfernt ist.

Die umfassende Militarisierung der EU erfolgt vor dem Hintergrund einer Energiekrise, einer schrumpfenden zivilen Produktion und der Versuche, den Krieg in der Ukraine gegen Russland mit Schulden zu finanzieren. Daher werden alle militärischen Anstrengungen ausschließlich auf Kredit finanziert. Mit anderen Worten: Europa steuert stur in die Schuldenfalle.

Warum tut es das, und hat es vor, da wieder rauszukommen?

Es gibt drei Antworten. Erstens: Krieg macht alles vergessen. Zweitens: Der Sieger bekommt alles. Drittens: „Nach uns kommt die Sintflut.“

Einige Zahlen

Das neue 90-Milliarden-Euro-Programm zur Finanzierung des Militärs des ukrainischen Regimes wird in Europa ständig als Kredit bezeichnet, doch es gibt einen Haken: Es ist kein Kredit an Kiew. Es ist ein Kredit, den die EU-Länder selbst aufnehmen, um den Krieg in der Ukraine in den Jahren 2026 und 2027 weiter zu finanzieren.

Und die Kosten dieses von den europäischen Eliten erdachten zukünftigen Krieges wachsen in Europa wie Pilze nach dem Regen. Dazu kommt noch das Versprechen der NATO-Staaten, ihre Ausgaben bis 2035 auf 5 Prozent des BIP zu erhöhen, sowie eine Verzehnfachung der Militärausgaben im EU-Haushalt. Die EU-Kommission hat ihren Mitgliedstaaten, mit dem Ziel der Militarisierung der EU, faktisch erlaubt, die Obergrenze für ihre Haushaltsdefizite (3 Prozent des BIP gemäß dem Stabilitäts- und Wachstumspakt der EU) zu überschreiten. Allerdings gilt das unter der Bedingung, dass die zusätzlichen Ausgaben militärischen Zwecken dienen. So will die EU-Kommission in den nächsten drei Jahren fast 850 Milliarden Euro mobilisieren.

Doch was bedeutet es, wenn dieses Geld aus einem Haushaltsdefizit stammt? Natürlich Kredite.

Ende 2025 wurde die durchschnittliche Staatsverschuldung der Länder der Eurozone auf 88,5 Prozent des BIP geschätzt, obwohl der Stabilitäts- und Wachstumspakt eine Obergrenze für die Staatsverschuldung von 60 Prozent des BIP festlegt. Die Aufnahme neuer Schulden kann diese Obergrenze in den nächsten Jahren auf 100 Prozent treiben.

Sollte es vor diesem Hintergrund zu einer auch nur geringfügigen Herabstufung der Kreditwürdigkeit der EU-Länder und steigenden Kosten für den Schuldendienst kommen, wäre das der finanzielle Kollaps. Und externe oder internen Ressource, um den zu bekämpfen (wie etwa während der globalen Finanzkrise 2008/09 und der darauffolgenden Euro-Staatsschuldenkrise 2010–2013) hätte Europa keine mehr.

Dafür würde es viele Waffen und Arbeitslose geben, die zur Armee gehen können – zur Infanterie.

Geld regiert die Welt

Der neue Siebenjahres-Haushaltsplan der EU für 2028–2034, über den bereits verhandelt wird, sieht 131 Milliarden Euro für militärische Zwecke vor. Die Finanzplanung der EU erfolgt in Siebenjahreszyklen, um sie so weit wie möglich von den politischen und Wahlzyklen in der EU und ihren Mitgliedstaaten (sowie den USA) zu entkoppeln, die üblicherweise vier oder fünf Jahre dauern.

Im laufenden Siebenjahresplan für 2021–2027 betragen die Militärausgaben der EU mit 13 Milliarden Euro nur ein Zehntel davon. Der Großteil davon floss in den berüchtigten Europäischen Friedensfonds, den Fonds, aus dem die Europäer 2022 Waffen für die Ukraine gekauft und den sie in dem Jahr faktisch geleert haben.

Dennoch scheinen 131 Milliarden Euro über sieben Jahre hinweg nicht viel zu sein, verglichen mit dem jährlichen Gesamt-Militärbudget aller europäischen Länder, das 500 Milliarden Euro beträgt. Aber wir sprechen hier von der EU, einer Organisation, die nicht nur keine Armee (und damit auch keine Ausgaben für Gehälter und Pensionen von Soldaten, Beschaffung, Wartung und Betrieb von Waffen und Ausrüstung) hat, die nicht einmal eine vollständige Stabsstruktur hat, sondern deren gesamte militärische Führung an den litauischen Verteidigungskommissar Andrius Kubilius gebunden ist.

Wohin fließt das Geld? In die Militärforschung sowie in Garantien für Kredite für Rüstungsaufträge bei Ländern der EU. Und die europäischen Garantien für wirtschaftliche Kredite können das um ein Zehnfaches erhöhen. Das bedeutet, dass eine Bank bereit ist, einem Rüstungsunternehmen für jeden Euro an EU-Garantien zehn Euro Kredit zu gewähren. Dieser Vervielfachungsfaktor ermöglicht es der EU-Kommission, die Vergabe von 1,3 Billionen Euro an Krediten praktisch im Alleingang zu steuern.

Mit anderen Worten: Brüssel wird enormen Einfluss auf die Steuerung des europäischen Rüstungsindustrie gewinnen.

Woher kommt das Geld?

Ja, aber woher sollen die 131 Milliarden Euro im EU-Haushalt kommen? Das ist die große europäische „Überraschung“. Denn egal, welche Kredite man aufnimmt oder welche Multiplikatoren man einsetzt, weder die Regierungen der EU-Länder, noch die supranationalen Gremien der EU verfügen über andere reale Geldquellen als die europäischen Steuerzahler.

Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder erhöhen die Mitgliedstaaten ihre Beiträge zum EU-Haushalt oder sie geben der EU-Kommission „eigene Finanzierungsquellen“. Anders ausgedrückt: die Einführung direkter „europäischer Steuern und Abgaben“.

Beide Optionen sind äußerst schmerzhaft. Erhöhte Zahlungen an den EU-Haushalt zwingen die Regierungen vor dem Hintergrund des starken Anstiegs der Militärausgaben, weiter Sozialleistungen zu kürzen und Steuern zu erhöhen, was dem politischen Kapital sehr schadet. Die Übertragung des Rechts zur Erhebung individueller Steuern und Abgaben an die EU-Kommission bedeutet für die europäischen Regierungen jedoch eine Einschränkung ihrer Kontrollmöglichkeiten über Brüssel.

Das heißt, die EU-Mitgliedstaaten finanzieren die erhebliche Ausweitung der Befugnisse der EU-Kommission zur Kontrolle der Rüstungsindustrie in jedem Fall auf eigene Kosten. Und das bedeutet, dass sie auch das wichtigste souveräne Recht eines Staates – Entscheidungen über Fragen von Krieg und Frieden – an Brüssel abgeben.

Macht der Krieg alles vergessen?

Es ist paradox, aber selbst der Anstieg der Staatsverschuldung der EU-Länder auf über 100 Prozent des BIP (was in Europa früher undenkbar war, nun aber schon praktisch normal ist) schreckt die Brüsseler Elite nicht sonderlich ab, wenn es zur Bezahlung höherer Militärausgaben ist.

Die Brüsseler Bürokraten werden es zwar nie öffentlich zugeben, aber die These „Krieg macht alles vergessen“ ist hier kein Tabu mehr. Kriege haben in Europa traditionell zur Beseitigung alter wirtschaftlicher Probleme und zu einem Neuanfang geführt. Zwar mit enormen Verlusten und Entbehrungen, doch die Elite des Siegerlandes konnte ihre Position sichern und ihre mittelfristigen Möglichkeiten durch die Aneignung neuer Ressourcen erhöhen. Das war das ideale Kriegsszenario der letzten tausend Jahre europäischer Geschichte, und so ist es bis heute.

Die letzte Hürde

In der EU ist das Vetorecht im Rat der EU (der alle Beschlüsse der EU-Kommission billigt) der wichtigste Faktor zur Kontrolle von Brüssels Handeln. Jedoch gilt diese Befugnis nicht mehr in allen Bereichen, denn bei Binnenmarkt und Außenhandel wurde sie abgeschafft und es gilt das Prinzip der qualifizierten Mehrheit. Das bedeutet, dass 55 Prozent der EU-Mitgliedstaaten, die mindestens 65 Prozent der EU-Bevölkerung repräsentieren, für eine Entscheidung stimmen müssen. Gerade durch die Ausnutzung des fehlenden Vetorechts im Außenhandel konnte die EU-Kommission Anfang 2026 – trotz heftigen Widerstands aus Ungarn und der Slowakei – im Rat das vollständige und dauerhafte Verbot des Kaufs von russischem Gas ab 2027 durchsetzen.

Im Bereich der Außen- und Sicherheitspolitik gilt das Vetorecht jedoch noch.

Aber was hören wir? Unmittelbar nach Viktor Orbáns Niederlage bei den ungarischen Wahlen am 12. April erklärte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen überraschend, es sei an der Zeit, das Vetorecht im EU-Rat abzuschaffen. Damit das wirksam wird, müssen alle EU-Länder einstimmig dafür stimmen.

Und jetzt nutzt von der Leyen den Machtwechsel in Ungarn und die Möglichkeit, finanziellen Druck auszuüben (die Aussicht auf die Freigabe von 17 Milliarden Euro an EU-Geldern, die als Strafe für Orbáns in seiner Amtszeit blockiert wurden), um den Widerstand gegen die Abschaffung des Vetorechts zu unterdrücken.

Genau damit wird der Übergangsprozess zu EU 3.0 abgeschlossen. Die grundlegenden Mechanismen des neuen europäischen Imperiums sind gelegt, und dann muss man sie nur noch vollständig aufbauen und perfektionieren.

Natürlich nur, wenn es auch gelingt.

Dem Verfall der EU sei dank

Dabei beunruhigen der wirtschaftliche Zusammenbruch und die Aushöhlung der sozialen Stabilität in den EU-Ländern die EU-Kommission nicht sonderlich, denn je schwächer die nationalen Eliten sind, desto eher sind sie bereit, der Brüsseler Bürokratie zu gehorchen. Tatsächlich wollen die heutigen europäischen Atlantiker „nur“ Washington durch Brüssel als ihren Oberherrn ersetzen.

Das ist auch aus einem anderen Blickwinkel vorteilhaft. Bei ihren Bemühungen, die Waffenproduktion massiv auszuweiten, ist Brüssel auf eine unangenehme Realität gestoßen – einen Mangel an ausreichend Fachkräften. Und die Migration hilft dabei nicht. Es ist unglaublich, aber wahr, Spezialisten aus Asien ziehen Amerika normalerweise gegenüber Europa vor.

Das heißt, die Zerstörung beispielsweise der europäischen Autoindustrie, „die ohnehin überflüssig war“, setzt Personal, Kapital und Produktionskapazitäten für Panzer, Drohnen und Raketen frei. Viele Automobilwerke können mit minimalen Umstrukturierungen direkt auf Waffenproduktion umstellen.

Die Militarisierung der Wirtschaft sichert einerseits staatliche Subventionen und kann sie vorübergehend wiederbeleben, andererseits macht sie die Wirtschaft deutlich besser steuerbar, schließlich kommen Rüstungsaufträge nur von Staaten oder von Staaten mit Unterstützung Brüssels.

Ohne sozialen Umbruch

Der Abbau sozialer Systeme hat ebenfalls einen doppelten Effekt: Er spart Geld für militärische Zwecke und stellt Menschen im geeigneten Alter, die in der neuen Realität keine wirtschaftlichen Perspektiven haben, für den Ausbau der Armee bereit.

Gleichzeitig kann eine intensive Kriegspropaganda, gepaart mit einem schleichenden Rückgang des Lebensstandards, potenzielle soziale Proteste über lange Zeit erfolgreich unterdrücken. Dies gilt insbesondere dann, wenn keine politische Kraft das Risiko eingeht, solche Proteste anzuführen. Und innerhalb der Elite herrscht die klare Auffassung, dass sie ihre Privilegien nur wahren kann, indem sie keine Wellen schlägt.

Ohne soziale Explosion

Der Abbau der Sozialsysteme hat einen doppelten Effekt: Er spart Geld für militärische Zwecke und stellt Menschen im geeigneten Alter, die in der neuen Realität keine wirtschaftlichen Perspektiven haben, für den Ausbau der Armee bereit.

Dabei kann eine intensive Kriegspropaganda, gepaart mit einem schleichenden Rückgang des Lebensstandards, mögliche soziale Proteste über lange Zeit erfolgreich unterdrücken. Das gilt insbesondere dann, wenn keine politische Kraft es riskiert, solche Proteste anzuführen. Und unter den Eliten herrscht die klare Erkenntnis, dass sie ihre Privilegien nur wahren können, indem sie „keine Wellen schlagen“.

Ein explosives Ergebnis

Und das ist Bild, das in Europa schon in wenigen Jahre entstehen könnte: wirtschaftliche Schwächung, wachsende Armut, soziale Spannungen und Kriminalität vor dem Hintergrund immer intensiverer Propaganda und eines rasanten Ausbaus der Rüstungsproduktion, wachsender Armeen und Waffendepots. Hinzu kommen der Rachedurst der Eliten gegenüber Russland, anhaltende Ressourcenknappheit und ein rapider Verfall des Finanzsystems.

Anders gesagt, es gibt keine Zurückhaltung mehr und die notwendigen Ressourcen für einen neuen Vorstoß nach Osten sind gesammelt. Und man muss sie sofort einsetzen, weil so ein System schlicht nicht lange existieren kann.

Diese Situation könnte in Europa in wenigen Jahren entstehen.

Falls jemand es vergessen hat: Die deutsche Wehrmacht überrannte Europa im letzten Jahrhundert mühelos. Doch 1941 war sie nicht ausreichend auf einen Krieg gegen die UdSSR vorbereitet. Es fehlte an frostbeständigem Treibstoff und Schmierstoffen für ihre Panzer und an Winterkleidung für ihre Soldaten…

Gegenwärtig mangelt es Europa sowohl an den nötigen Kapazitäten als auch am wirklichen Willen, gegen Russland zu kämpfen. Doch was geschieht, wenn zumindest ein Teil des oben beschriebenen pessimistischen Szenarios eintritt? Und werden die europäischen Staats- und Regierungschefs von angesichts solcher Umstände morgen genügend Selbsterhaltungstrieb besitzen, um einen neuen großen Krieg zu verhindern?

Schließlich ist ein kleiner oder Stellvertreterkrieg bereits in vollem Gange. Der Westen hat ihn im Grunde initiiert, bezahlt ihn, produziert Waffen dafür, bildet Personal aus und so weiter. Ganz zu schweigen vom umfassenden Wirtschafts- und Informationskrieg gegen unser Land, der noch vor Beginn der Militäroperation entfesselt wurde.

Ende der Übersetzung

Thomas Röper, geboren 1971, lebt seit über 15 Jahren in Russland. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.


Bild oben: Symbolbild, erstellt mit KI