Jugendweihe 2005 in Dresden

aus FREIDENKER Nr. 2-05 Juni 2005, 64. Jahrgang, S. 38-39

von Heinz Nikoloaus

Im Sinne der mehr als 100-jährigen Freidenkertradition in Deutschland wurden nach dem .Anschluss‘ der DDR an die Bundesrepublik Deutschland bei uns in Sachsen viel Kraft und viele Ideen entwickelt, um nach wie vor jungen Menschen ein bleibendes Erlebnis ihrer Jugendweihe zu ermöglichen, diese mit ihnen zusammen vorzubereiten und zu feiern. Noch immer, im 16. Jahr nach der ,Wende‘, haben die Jugendweihefestlichkeiten auch in der gesellschaftlichen Öffentlichkeit zumindest des deutschen Ostens ihren beachteten Platz.

In Sachsen sind es der Landesverband des DFY und der Sächsische Verband für Jugendarbeit und Jugendweihe e.V. mit 14 Regionalbüros und zahlreichen ehrenamtlichen Helfern, die im Vorfeld des eigentlichen Festaktes vielseitige und interessante Aktivitäten für die Jugendlichen gestalten und al> Plattform

wie Ansprechpartner für diese und ihre Eltern fungieren. Das umfasst Debatten zu naturwissenschaftlichen, geschichtlichen und selbst philosophischen, aber auch ganz ,alltäglichen‘ Themen mit jeweils kompetenten Gesprächspartnern ebenso wie Exkursionen zu historischen und kulturellen Stätten. Der Landesvorstand Sachsen des DFV und seine Mitgliedergruppen in Dresden, Chemnitz, Leipzig und Bretnig/Kamenz sind seit Beginn der mittlerweile bewährten Zusammenarbeit zwischen beiden Vereinen trotz bescheidener Mittel bei der Organisation von Vorbereitungsstunden und Gesprächsrunden wie auch der festlichen Durchführung der Jugendweihe aktive Helfer und zuverlässige Partner, die Atmosphäre ist vertrauensvoll.

Unter Federführung der kooperativen Partner DFV Sachsen und Sächsischer Verband für Jugendarbeit und Jugendweihe haben im Jahr 2005 bei 393 Feiern 21.564 Jugendliche ihre Weihe entgegengenommen. Die zunehmende Resonanz der sächsischen Medien und mittlerweile selbst des öffentlich-rechtlichen Fernsehens zeigt, dass sich in Sachsen nach einer anfänglich abschreckenden Diskreditierung der Jugendweihe als ..Diktat des DDR-Staates“ diese wieder durchsetzt, mehr noch: lebt und immer neue Generationen von Jugendlichen anzieht.

Die langjährige Rufmordkampagne gegen die Jugendweihe fand ihre Ergänzung auf politischer Ebene in dem vom CDU-Bundestagsabgeordneten Nooke initiierten „Maiglockenfest“: 2004 begrüßte Nooke ein Dutzend Jugendlicher, „für die eine kirchliche Feier nicht in Betracht kam, die religiöse Werte aber nicht ablehnen“, zu seinem Fest. Es verstand sich als Alternative zur „ehemals sozialistischen, ursprünglich freidenkerischen Jugendweihe“. Waffenungleichheit ergibt sich auch aus der Tatsache, dass Kindern und Jugendlichen laut Sächsischer Schulordnung bei kirchlicher Firmung, Erstkommunion oder Konfirmation eine Schulbefreiung bis zu mehreren Tagen eingeräumt wird, nicht aber den Jugendgeweihten.

Dagegen protestieren wir und wollen gleichzeitig mit unseren Freunden im Sächsischen Verband für Jugendarbeit und Jugendweihe unsere Bemühungen für die Jugendweihe fortsetzen. Veranstalter, Saalvermieter, Kulturschaffende, der Handel und die Gastronomie – sie alle erweisen sich als .Sympathisanten‘ der Jugendweihe. Im Mittelpunkt stehen jedoch immer die Jugendlichen, denen das Fest natürlich auch Geschenke bringt, vor allem aber das Gefühl, nun in die Reihen der Erwachsenen aufgenommen zu sein.


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