Demütigung für Trump am Golf
Die US-Army verliert Überflugrechte über Saudi Arabien und Kuwait
Trump erhielt die Rechnung dafür, dass sich die militärische Präsenz der USA in der Region nicht als Schutz erwiesen hat, sondern als zerstörerische Gefahr für ihre wirtschaftliche Zukunft.
von Dr. Sabine Kebir
Veröffentlicht am 10.05.2026 auf weltnetz.tv
Erstveröffentlichung am 08.05.2026 auf Freitag online
Wenn der amerikanische Präsident bereits das Ende des Krieges gegen den Iran verkündet hat, den er gemeinsam mit Benjamin Netanjahu vom Zaum brach, hatte das wahrscheinlich vor allem den Grund, dass er ihn ohne Befragung des Kongresses nicht länger als 60 Tage führen kann. Damit hat er sich formal den Weg freigeschaufelt, den Krieg als neuen Krieg fortzusetzen. Sein Plan: die Straße von Hormus für iranische Schiffe zu sperren, sie aber für den freien Welthandel frei zu kämpfen. Dass das ein äußerst kostenaufwändiges Unternehmen wäre, das selbst die USA nicht lange durchhalten könnten, war allerdings ein weiteres Zeichen für die gigantische Fehlkalkulation, die seinem und Netanjahus Krieg zugrunde liegt. Und er leistete sich auch noch den Fehler, seine ohnehin vom Kriegsgeschehen bereits übermäßig geschädigten Bündnispartner am Golf von dem Vorhaben nicht ins Bild zu setzen. Darauf trat bislang Unvorstellbares ein: Kronprinz Mohammed Bin Salman von Saudi Arabien entzog den US-Truppen die Überflugrechte und schaltete damit die Nutzung ihrer Militärbasen auf seinem Territorium aus. Denselben Schritt vollzog das Emirat Kuwait. Denn es war ja offensichtlich, dass Iran nicht nur mit relativ geringen Mitteln seine Souveränitätsrechte über die Straße von Hormus sichern, sondern auf Luftangriffe auch mit Gegenschlägen auf die Golfstaaten antworten würde. Trump erhielt also die Rechnung dafür, dass sich die militärische Präsenz der USA in der Region nicht als Schutz erwiesen hat, sondern als zerstörerische Gefahr für ihr wirtschaftliche Zukunft.
Abgesehen von diesem Patzer, dessen Folgen noch gar nicht abzusehen sind, steht Trump auch aus verschiedenen Gründen unter Zeitdruck. Seine in der kommenden Woche anstehende Reise nach Peking, das ein enger Verbündeter des Iran ist, kann er nur zu einer halbwegs nützlichen Propagandashow machen, wenn er dort als Friedensengel auftritt. Das erklärt wohl auch seine Äußerungen, wonach er der von der Internationalen Atombehörde bestätigten Versicherung des Iran, keine Atomwaffen herstellen zu wollen, nun plötzlich Glauben schenken will. Auch hat er sich zur Abschaffung von Sanktionen bereit erklärt. Sollte er es damit ernst meinen, wäre der Frieden im Golf tatsächlich in greifbarer Nähe. Die vom Iran künftig geforderte Maut für die Durchfahrt der Straße von Hormus, die realiter eine Art Reparationszahlung darstellt, wäre für die Betroffenen wirtschaftlich weitaus eher zu verkraften als die Eskalation des Krieges.
Einen wie auch immer verbrämten Friedensschluss benötigt Trump auch, um die im Herbst anstehenden Mid-Terms-Wahlen noch einigermaßen zu bestehen. Dass er sich von Israel in diesen Krieg treiben ließ, beschwört allerdings auch Verwerfungen innerhalb der USA herauf, die ihm erheblichen Schaden zufügen können.
Auch die Träume der rechten Regierungskoalition Benjamin Netanjahus von einem durch Abraham-Verträge enorm vergrößerten Einflussgebiet im Nahen Osten erfüllen sich nicht. Daher verfolgt sie um so unbeirrter ihr Ziel, zumindest den Libanon unter ihre Kontrolle zu bringen.
Dr. Sabine Kebir ist Redakteurin bei weltnetz.tv
Der Artikel wurde erstmals am 8. Mai 2026 unter dem Titel: ´Überflugrechte entzogen: Saudi Arabien lässt Donald Trump auflaufen` in Freitag online publiziert
Ein bei weltnetz.tv eingebundenes Nachrichtenvideo zum Thema (englisch):
Direktlink zum Video von Breaking Points auf YouTube: https://www.youtube.com/watch?v=FS7reVQLd_o
Bild oben: Symbolische Karte, übernommen von weltnetz.tv
