Frieden - Antifaschismus - Solidarität

Torgau: Friedensdemonstration & Kundgebung am 22. April 2023

Zum Tag der Begegnung der sowjetischen und US-amerikanischen Truppen, der sich dieses Jahr zum 78. Mal jährte, fand in Torgau wieder die traditionelle Demonstration statt, zu der auch der Deutsche Freidenker-Verband aufgerufen hatte. Die Forderungen nach Frieden mit Russland und einem NATO-Austritt Deutschlands beherrschten die Veranstaltung. Zur Überraschung vieler Teilnehmer gab es in diesem Jahr gleich zwei Demonstrationen zu diesem Anlass, sodass die örtliche Presse 750 Demonstranten zählte und feststellte: „inhaltlich waren sie nicht weit voneinander entfernt“. Positiv ist zumindest festzuhalten, dass sich die Demonstrationen nicht „ins Gehege“ kamen, es keine Distanzierungen voneinander gab, aber sich zahlreiche Teilnehmer bemühten, auch an der „anderen“ Demontration zumindest zeitweise teilzunehmen.
Auf dem Marktplatz war wieder ein Freidenker-Infostand aufgebaut und unsere Präsenz dank Fahne gut sichtbar. Freidenker trugen auch mit Text- und Kulturbeiträgen zum Gelingen des Gedenktages bei.

Wir dokumentieren hier die Reden bzw. Grußworte von Mitgliedern des Freidenker-Verbandes sowie einen Bericht des Russischen Fernsehens von dieser Veranstaltung.

Webredaktion


Rede von Liane Kilinc

Auf dem Marktplatz wurde die Rede von Liane Kilinc verlesen, die wir bereits veröffentlicht haben, siehe: https://www.freidenker.org/?p=15854

Für weltnetz.tv hat Liane Kilinc ihre Rede auch vor dem Ernst-Thälmann-Denkmal in Telmanowe (Donezk), gehalten:

Direktlink zum Video von weltnetz.tv auf YouTube: https://www.youtube.com/watch?v=1xpqVrKxM2Y

Liane Kilinc ist Vorsitzende des Vereins „Friedensbrücke-Kriegsopferhilfe e.V.“ und Mitglied des Deutschen Freidenker-Verbandes


Rede von Diether Dehm sowie musikalischer Beitrag  (mit Michael Letz)

Direktlink zum Video von antikriegTV auf YouTube: https://www.youtube.com/watch?v=WHc6MSLSJpE

Dr. Diether Dehm ist Mitglied des Deutschen Freidenker-Verbandes und seines Beirats


Grußwort des Deutschen Freidenker-Verbandes

Das Grußwort wurde von von Witold Fischer, Vorsitzender des Landesverbandes Sachsen-Anhalt, verlesen und wird hier im Wortlaut wiedergegeben. 

Denkmal der Begegnung: Witold Fischer überbringt das Grußwort des Deutschen Freidenker-Verbandes. Die Freidenker-Fahne trägt Heike Cienskowski, Vorsitzende des Landesverbandes Thüringen. (Foto: Andreas Cienskowski)

 

Bürgerinnen und Bürger, liebe Freunde und Genossen.

Wie schon im vergangenen Jahr liegt über diesem Jahrestag der Schatten des Krieges in der Ukraine. Der Gedanke der Versöhnung und der Völkerfreundschaft, für den dieser Tag symbolhaft steht, soll von einer wahnhaften Kriegshetze und Russophobie verdrängt und erschlagen werden.

Der ukrainische Kriegsminister Resnikow bezeichnet die Ukraine als ein „De-facto-Mitglied der NATO“. Am gestrigen Freitag tagte auf der pfälzischen US-Luftwaffenbasis in Ramstein das Vereinte Oberkommando des Westens. Die Air Base Ramstein ist das Logistikzentrum für die US-amerikanische Kriegsunterstützung der Ukraine und Kommandozentrale für die gegen Russland gerichteten Atomraketen-Abschusssysteme in Rumänien und Polen.

Die NATO-Staaten haben in Ramstein über die Fortsetzung des Krieges gegen Russland beraten und mit ihrem Kriegsrat nochmals unter Beweis gestellt, dass sie Kriegsparteien sind. Dass die NATO unter dem Kommando Washingtons mit hunderttausenden Ukrainern als Kanonenfutter einen Stellvertreterkrieg führt, wird von den kriegsgeilen Medien gerne als „russische Propaganda“ abgetan. Den Medienkonsumenten wird das regelmäßig mit der verlogenen Formel einer vorgeblichen Hilfe für die Ukraine verkauft.

Es war aber der ukrainischen UK-Botschafter Vadym Prystaiko, der in aller Offenheit erklärte, dass die Ukraine einen Stellvertreterkrieg führt (in einem Interview mit Newsweek, publiziert am 7. Januar 2023):

„Der Westen hat eine einzigartige Chance. Auf der Welt gibt es nicht so viele Nationen, die es sich leisten könnten, so viele Leben, Gebiete und Jahrzehnte der Entwicklung für einen Sieg über den Erzfeind zu opfern.“

Es geht also gegen den „Erzfeind“. Für die Freidenker steht fest: Der Krieg in der Ukraine begann nicht im Februar 2022 durch Russland. Er begann im April 2014, als die Putschisten in Kiew Armee und Nazi-Einheiten zu einer „antiterroristischen Aktion“ gegen die Bevölkerung im Südosten der Ukraine in Marsch setzten, die gegen eine Machergreifung der Putschisten auf ihrem Territorium Widerstand leisteten.

Hand in Hand mit dem immer aggressiveren Kriegs- und Konfrontationskurs gegen Russland geht der Abbau demokratischer Rechte. In der „Corona-Politik“ wurde geübt, alle Zweifler an irren Ministeraussagen als „Covidioten“ zu ächten und medial zu jagen– damals sprach man noch sachte von einer „Verengung des Meinungskorridors“. Im Krieg gegen Russland kümmert man sich jetzt verschärft um die Heimatfront.

Die Nazis stellten das Hören von Feindsendern unter Strafe, die EU verbietet russische Medien wegen „Desinformation“. Der „Volksempfänger“ war vergleichsweise primitiv gegenüber der transatlantischen Gleichschaltung im fadenscheinigen Gewand des Pluralismus.

Seit Monaten versucht man, „prorussische Demonstranten“ strafrechtlich zu belangen. In Berlin wurde Friedenskämpfer Heinrich Bücker wegen „Billigung einer Straftat“ verurteilt. In mitternächtlicher Abstimmung hat der Bundestag, zur Tarnung angehängt an ein anderes Gesetz, den „Volksverhetzungs“-Strafparagraf verschärft. Die Anti-Russenhetze bleibt erlaubt, aber Widerspruch und jede Abweichung vom NATO-Kurs kann bestraft werden.

Alle, die nicht der Propaganda der Regierung und ihrer Medien glauben, alle die nicht der NATO-Linie folgen, werden niedergemacht, in die Nähe von Landesverrätern gerückt, als „Rechte“, gar „Nazis“ diffamiert. Zu diesem Zweck wird eine eigens installierte „System-Antifa“ eingesetzt. Mit dem staatsoffiziellen „Kampf gegen rechts“ soll verdeckt werden, dass man nicht nur den realen wiederentstanden Neonazismus in der Ukraine negiert, sondern offen mit dem faschistischen Regime des blutigen Clowns Selenskij paktiert. Ukrainische Nazis sind gute Nazis, scheint ihr Leitmotiv.

Das von uns finanzierte ZDF zeigt kommentarlos den Helm eines Kämpfers des nazistischen Azow-Bataillons mit SS-Runen. Ohne Beanstandung werden ukrainische Soldaten gezeigt, die Abzeichen der SS-Division Totenkopf tragen. Keine Kritik gab es, als Selenskij auf die Idee kam, eine ukrainische Brigade „Edelweiß“ zu nennen, nach der massenmordenden Gebirgsjägerdivison der Wehrmacht im 2. Weltkrieg. In einem weiteren Interview nannte Kiews Botschafter in Großbritannien Pristaiko die russischen Streitkräfte „die Rote Armee“. Damit bezeugen sie selbst, dass sie sich in der Tradition der Gegner der Befreier vom Faschismus sehen.

Sind das alles Gründe für die ständig wiederholte Behauptung, dass die Ukraine für „unsere Werte“ kämpft? Welche Werte genau? Die Ersetzung der Rechte von Gewerkschaften und des Arbeitsrechts durch das Kriegsrecht? Das Verbot aller oppositionellen Parteien? Das Verbot der russischen Sprache, der russischen Medien und inzwischen auch aller nicht regierungsgehorsamen Medien? Die Erklärung von Nazis zu Nationalhelden? Der Abriss der Denkmäler für die Befreier vom Faschismus? Die Tilgung von 7.600 mit der Sowjetunion und Russland verbundenen Ortsnamen? Die Demontage von bisher 28 Denkmälern für Alexander Puschkin und neun für Maxim Gorki? Die Sperrung des Sitzes der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche und Inhaftierung ihres Oberhaupts? Die Entfernung von 20 Millionen russischsprachigen Büchern aus den Bibliotheken?

Wenn das alles die „westlichen Werte“ sein sollen, wissen wir ja, was uns noch blühen kann. Unsere „seltsam talentierte“ Außenministerin Baerbock will „Russland ruinieren“ und plappert ungeniert: „Wir führen Krieg gegen Russland“, der Kinderbuchautor Habeck bettelt bei US-Präsident Biden um eine „dienende Führungsrolle“ für Deutschland und dreht der Raffinerie Schwedt den Hahn ab. Kanzler Scholz schweigt zu dem Kriegsakt des „Freundes“ USA, die Nordstream-Pipelines zu sprengen. Auf Geheiß der USA und zu ihrem Nutzen führt Deutschland einen beispiellosen Wirtschaftskrieg gegen Russland. Mit Habecks Verelendungs-Verordnungen kann die Parole „Russland ruinieren“ bald gegen „Deutschland ruinieren“ ausgetauscht werden.

Deshalb bekräftigen Freidenker: Wir danken den Sowjetsoldaten – doch die Aufgabe „Nie wieder Faschismus“ gilt auch heute. Deshalb fordern wir:

Keinen Euro für den Krieg!
Energiepreise und Inflation stoppen!
Schluss mit dem Wirtschaftskrieg und allen Sanktionen gegen Russland!
Nord Stream 2 und Drushba ans Netz!

Frieden mit Russland und China!

Witold Fischer ist Vorsitzender des Landesverbandes Sachsen-Anhalt des Deutschen Freidenker-Verbandes


Bericht des russischen Fernsehens von der Demonstration in Torgau

Sollte das Video bei Dir nicht in dem Fenster laufen, versuche es bitte mit diesem Direktlink zu rutube.ru:
https://rutube.ru/video/e0c6f7368c664d4b39c553996a0c63ea

Kommentar von Wolfram Fischer (DFV Sachsen): Ein Hoch auf das russische Fernsehen! Ihm ist gelungen, zwei unnötigerweise getrennte Demonstrationen zu vereinen. „Von der SU lernen, heißt Siegen lernen“, hätte man früher gesagt.


Bild oben: Vor Beginn der Demonstration – Andreas Cienskowski zwischen zwei Landesvorsitzenden: Links Birgit Ludwig (Bayern), rechts Heike Cienskowski (Thüringen)
Foto: n.n.