Für Moral im Hochschulwesen

……aber bitte als universelles Prinzip. Es ist nicht ohne die Verteidigung des Völkerrechts gegen Angriffskriege und Siegerjustiz zu haben.

Während in diesen Tagen deutsche Akademiker die strikte Einhaltung der Standards wissenschaftlichen Arbeitens einfordern, und ein zu Guttenberg, der mit geklauten Textstellen in seiner Doktorarbeit gegen die akademische Moral verstoßen hat, als Chef der deutschen Interventionsarmee unhaltbar geworden ist, muss in diesem Zusammenhang auf Fragen von Moral und Recht in ganz anderer Größenordnung hingewiesen werden.

Die Charta von Gent ruft zur Verteidigung des irakischen Hochschulwesens auf. Darin geht es um die bisher geflissentlich in einen Mantel des Schweigens gehüllte Zerstörung des gesamten Hochschul- und Bildungssystems des Irak. Dieses gehörte vor dem Aggressionskrieg zu einem der besten der Region. Bisher wurden über 84% der weiterführenden Bildungseinrichtungen des Landes unter der Besatzung zerstört. Die gebildete Mittelschicht eines Landes ist weitgehend der Aggression westlicher Länder, einschließlich Deutschlands, zum Opfer gefallen. Die Initiatoren und Unterstützer der Genter Charta appellieren an Akademiker in aller Welt, ihren Beitrag zur Rettung des irakischen Hochschulwesens und der kulturellen Identität des Irak zu leisten. Mit diesen und anderen Fragen befasst sich vom 8. bis 11. März ein internationales Seminar an der Universität Gent. Man kann die Charta von Gent hier unterzeichnen.

Und während dieselben westlichen Mächte in diesen Tagen eine Invasion in Libyen planen und dafür mit Hilfe des Internationalen Strafgerichtshofs Stimmung zu machen suchen, erinnern wir uns: Vor fünf Jahren, am 11. März 2006 ist Slobodan Miloševic unter bis heute ungeklärten Umständen in der ‚Obhut‘ des „Internationalen Tribunals für das ehemalige Jugoslawien“ ums Leben gekommen. Dieser Jahrestag ist für eine internationale Gruppe von Juristen und Aktivisten Anlass, die umgehende Abschaffung des ‚Tribunals‘ und die Freilassung aller seiner Gefangenen zu fordern! Sie weisen darauf hin dass die ‚Sondergerichte‘, so auch jene zu Ruanda und dem Libanon, dem Grundsatz der Rechtsgleichheit Hohn sprechen. Sie dienen dazu, die Besetzung des Balkan zu verewigen, dem Westen freien Zugang zu den Rohstoffen im Kongo zu garantieren bzw. die israelische Apartheid-Politik zu verteidigen.
Unter dem Motto „Gegen NATO-Aggression und Siegerjustiz durch Sondertribunale: Das Völkerrecht verteidigen!“ findet am Freitag, den 11. März 2011 in Wien auf dem Stephansplatz ab 16:30 Uhr eine Protestkundgebung statt. Und am Samstag, den 12. März 2011, 18:00 – 21:00 Uhr gibt es zu diesem Thema eine Podiumsdiskussion im Arabischen Kulturzentrum Wien (OKAZ) Gusshausstraße 14/3, Wien.

Klaus Hartmann
Vorsitzender des Deutschen Freidenker-Verbands


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