Demokratie – Medien – Aufklärung

NATO und EU müssen in Zukunft mit mehr Russland leben

Die defätistischen Botschaften in den Mainstream-Medien des Kollektiven Westens nehmen rasant zu. Bei den Eliten der USA, NATO und EU wächst die Einsicht, dass sie mit ihrem Krieg gegen Russland etwas angefangen haben, das sie nicht mehr kontrollieren können. Das angerichtete Chaos könnte sie selbst hinwegschwemmen, denn sie haben keinen Plan B.

Von Rainer Rupp

Erstveröffentlichung am 07. und 08.01.2024 auf RT DE (Teil I, Teil II)

Teil I

Resigniert räumte am zweiten Tag des neuen Jahres 2024 die litauische Premierministerin Ingrida Šimonytė in einem Interview mit LRT, dem ersten Fernsehkanal des Landes, ein:

„Die Ukraine hat nicht das Ergebnis erreicht, das sich der Westen erhofft hatte. Man kann ohne Zweifel sagen, dass wir während des Krieges in der Ukraine auf einen völlig anderen Ausgang gehofft haben als heute. Und das bedeutet leider, dass wir damit rechnen müssen, dass sich das Szenario nicht so entwickeln wird, wie wir uns das zum Beginn [des Krieges] und vor der Offensive Kiews vorgestellt hatten.“

„Was ist, wenn Putin gewinnt?“, fragte besorgt das US-Portal für Finanznachrichten Bloomberg kurz vor Jahresende. Aber die Frage kann man nur noch rhetorisch verstehen, denn in der realen Welt hat die Faktenlage sie längst beantwortet. Allerdings müssen die westlichen Medien behutsam vorgehen, denn sie könnten nach all den militärischen Expertisen à la „Die Ukraine wird gewinnen“ ihre zahlenden Kunden urplötzlich mit der Alarmstufe Rot schockieren. In solch einem Fall würden sie mit dem Rest ihrer Glaubwürdigkeit auch noch ihre zahlenden Kunden und infolgedessen ebenfalls ihre Werbeeinnahmen verlieren.

Deshalb muss die unerbittliche Realität von dem nicht mehr abzuwendenden Sieg der russischen Streitkräfte über die Ukraine sowie implizit über die USA und NATO dem Volk behutsam serviert werden ‒ erst einmal als eine spekulative Übung. Der Bloomberg-Titel „Was ist, wenn Putin gewinnt?“ ist dafür ein Musterbeispiel. Im Text des Artikels tröstet dann Bloomberg im Verein mit anderen Westmedien den eingefleischten Transatlantiker damit, dass, selbst wenn es der Ukraine nicht mehr gelingen sollte, Russland aus dem Donbass und der Ukraine zu vertreiben, Russland doch bereits verloren habe. Denn statt weniger NATO an seiner Westgrenze habe Russland durch den Beitritt Finnlands und bald auch Schwedens jetzt bereits mehr NATO an seinen Grenzen als vor dem Krieg.

Zurzeit kann man Dinge lesen wie „Wenn Putin die NATO vor der russischen Militäroperation nicht an seinen Grenzen haben wollte, so hat er jetzt das Gegenteil von dem bekommen, was er immer wollte“. Für die westliche Propaganda ist der Zirkus längst nicht vorbei. Aber von der anfänglichen Siegessicherheit und dem militaristischen Enthusiasmus, der sich in Äußerungen widerspiegelte wie „Die NATO wird gewinnen. Wir alle können sicher sein, dass das atlantische Bündnis so stark und kraftvoll wie eh und je ist. Putin wird mit Sicherheit fallen, denn die ‚Sanktionen aus der Hölle‘ würde er niemals überleben“ ‒ von all dem ist nichts mehr geblieben.

Wenn die Kämpfe im ersten Jahr der militärischen Sonderoperation beendet gewesen wären, hätte es oberflächlich so ausgesehen, als ob es für Russland tatsächlich nicht gut gelaufen wäre. Hinzu kam der dogmatische Glaube der westlichen Eliten und Medien, dass „die Ukraine mit der NATO im Rücken gar nichts anderes tun könnte, als den Krieg zu gewinnen“, dass die russischen Streitkräfte barfuß herumliefen, dass ihre Waffen nicht funktionierten, sie mit Spaten kämpfen müssten, dass sie nicht einmal Treibstoff für ihre veralteten Fahrzeuge hätten und so weiter.

Zu allem Überfluss hat Ursula von der Leyen, die Chefin der Europäischen Kommission – die von den USA benutzt wird, um ihre Interessen in Europa durchzusetzen –, sogar argumentiert, dass „das russische Militär digitale Chips aus Geschirrspülern und Kühlschränken“ nehme, um seine militärische Ausrüstung zu reparieren, weil ihm die Halbleiter ausgegangen seien. Und die deutsche Außenministerin Baerbock war dumm genug, dies landauf, landab zu wiederholen, um zu beweisen, dass die russische Industrie in Trümmern liege.

Inzwischen hatte sich Russland aus Cherson und dem Gebiet Charkow zurückgezogen, um seine Verteidigungslinie immer weiter zu festigen. In der Fantasiewelt der westlichen Medien wurde diese Umgruppierungsoperation als „verheerende Niederlage“ der Russen angesehen, die ihnen von den heroischen Kriegern des Kiewer Regimes zugefügt worden war. Diese Kiewer Truppen, inklusive der neonazistischen Freiwilligenbataillone, wurden im Westen als ultimatives Beispiel für Tapferkeit und militärische Fähigkeiten in den Himmel gehoben.

Beobachter der Entwicklung des bewaffneten Konflikts in der Ukraine, die nicht die Propaganda-Version der West-Eliten schluckten, sondern ihre Analyse auf die konkrete Realität stützten, lebten in einer erstickenden Isolation. Die Propagandisten des Regimes konnten sich nicht zurückhalten und verunglimpften brutal jeden, der versuchte, sie in die reale Welt zurückzubringen. Das war nicht nur in Deutschland so. Selbst im fernen Portugal forderten Unterstützer des Regimes in Kiew in einer Sendung des CNN-Nachrichtenportals sogar die Ausweisung von Kollegen, die mit ihnen nicht einverstanden waren. Journalisten, Generäle und Analysten, die nicht dem vorgegebenen Narrativ folgten, wurden als „Putin-Propagandisten“ gebrandmarkt.

So paradox es auch klingen mag, es sind dieselben Konzernmedien und Politiker, die zuvor vergessen hatten, dass die Ukraine nach dem Maidan-Putsch zu einem Zufluchtsort für extreme Rechte, Faschisten und Neonazis aus dem Kollektiven Westen geworden war. Es sind dieselben „Qualitätsmedien“, die noch kürzlich überschwänglich Stepan Banderas faschistischen Gruß „Slava Ukraini“ gefeiert und Asow-Nazis auf Heldentourneen durch die USA und Europa begleitet hatten. Es sind dieselben Medien und Politiker, die heute tief besorgt verkünden, dass es „ohne US-Hilfe“ keine Hoffnung mehr für die Ukraine gebe, denn EU-Europa allein könnte die Anforderungen niemals stemmen. Solche Paradoxien können auf politischer und strategischer Ebene letztlich nur zu tragischen Fehlentscheidungen und katastrophalen Ergebnissen führen.

Nach und nach beginnt dieselbe verwöhnte, arrogante und vom gewöhnlichen Leben abgekoppelte Elite des Kollektiven Westens, uns darauf vorzubereiten, dass die Ukraine gegen Russland „sicher scheitern“ wird, wenn wir alle nicht mehr Hilfe leisten und dafür Opfer bringen.

Aber das ist noch nicht alles! Bloomberg berichtete auch, dass „mehr und mehr Ukrainer zu territorialen Zugeständnissen an Russland bereit sind“. Mit anderen Worten: Die defätistischen Botschaften in den Mainstream-Medien vervielfachen sich allmählich, was bedeutet, dass jemand von ganz oben im Kollektiven Westen „empfohlen“ hat, die Öffentlichkeit auf das Schlimmste vorzubereiten. Der US-General Pat Ryder räumte in einer Pressekonferenz im Pentagon ein, dass im Fall einer Fortdauer der Meinungsunterschiede im US-Kongress über weitere finanzielle und militärische Unterstützung der Ukraine „die Vereinigten Staaten letztendlich zwischen ihrer eigenen Kampfbereitschaft und der Lieferung von Waffen an die Ukraine wählen müssten“, da die US-Reserven zur Unterstützung Kiews erschöpft seien.

In der Zwischenzeit veröffentlichte die New York Times einen Artikel, in dem sie einräumte, dass die Mehrheit der ausländischen Unternehmen in Russland bleibt, weil sie ihre lukrativen Investitionen dort nicht verlieren wollen. Die Unternehmen, die bisher verkauft wurden, werden nun „gespiegelt“. Das heißt, sie wurden von anderen übernommen, von Russen oder von Chinesen, Indern und anderen, die aus denselben Branchen kommen, sodass die russische Wirtschaftsstruktur und die russischen Märkte aufgrund des Rückzugs westlicher Investoren kaum einen Unterschied gespürt haben. Die russische Regierung sei auf den Abzug westlicher Unternehmen vorbereitet gewesen, da die Kapitalflüsse streng kontrolliert wurden. Russland hat die Krise überwunden, die Wirtschaft hat sich 2022 stabilisiert und wächst wieder stark. Westliche Unternehmen hingegen verloren durch den Austritt aus der Russischen Föderation insgesamt mehr als 103 Milliarden Dollar.

Zu den finanziellen Verlusten der Unternehmen aus dem Kollektiven Westen durch ihren Rückzug vom russischen Territorium kommt noch die relative Schwächung Westeuropas im Verhältnis zur Russischen Föderation. Die Verluste, die die europäische Industrie durch die Explosion von Nord Stream, die irrationalen 12 Sanktionspakete und eine ganze Reihe von internen wirtschaftlichen Aktionen der Selbstverstümmelung erlitten hat, indem sie auf Energie, Rohstoffe und Komponenten aus Russland verzichteten oder diese zu erhöhten Preisen aus zweiter Hand über Länder wie Indien erwarben, sind enorm. Sie haben die europäischen Volkswirtschaften geschwächt und vor allem Deutschland weniger wettbewerbsfähig gemacht. Während Russlands Wirtschaft im Jahr 2023 bereits um 3,5 Prozent gewachsen ist, betrug das Wachstum in der EU nur 0,5 Prozent. Im dritten Quartal 2023 wuchs die russische Wirtschaft sogar real um 5,5 Prozent und die Löhne um 5,1 Prozent.

Nun, man könnte die Frage, wer sich mit dem Ukraine-Krieg selbst ins Knie geschossen hat, mathematisch beantworten anhand einer Punktesummierung der jeweiligen Teilergebnisse. Aber die Fakten sind so offensichtlich, dass jeder mit seiner eigenen „Pi-mal-Daumen-Methode“ zum richtigen Schluss kommt. Dazu mehr in Teil II.


Teil II

Das Ziel des von Washington angeführten Kollektiven Westens war gewesen, Russland wirtschaftlich und militärisch in seinen Grundfesten so stark zu erschüttern, dass es geschwächt und unter Verlust seines Großmachtstatus aus dem Ukraine-Krieg hervorgehen würde. Danach könnte sich NATO-Europa gemeinsam mit der Ukraine weitgehend allein um Restrussland kümmern, was den USA erlauben würde, ihre ganze Aufmerksamkeit China zu widmen, das sie bereits seit Jahren zu ihrem Hauptgegner erklärt haben. Tatsächlich ist als Ergebnis des Ukraine-Kriegs bereits jetzt das komplette Gegenteil der Zielvorstellungen der West-Eliten herausgekommen. Das hat unter anderem folgende Gründe:

  • Russland hat (vorerst) vier neue Industrieregionen mit einer knapp 4 Millionen zählenden, gut ausgebildeten Bevölkerung, in der Regel ethnische Russen, in sein Territorium integriert und seine Grenze geografisch in Richtung der NATO-Länder verschoben.
  • Die Rest-Ukraine wird als Agrarstaat erheblich kleiner und kaum lebensfähiger sein oder gar nicht mehr existieren und von Polen, Ungarn und Rumänien übernommen. Alle drei Länder erheben Ansprüche auf Teile des westukrainischen Territoriums wegen der jeweils dort lebenden eigenen ethnischen Minderheit. Es ist zu erwarten, dass die hauptsächlich in der Westukraine beheimateten, schwer bewaffneten ukrainischen Nationalisten und Nazi-Bataillone dies nicht tatenlos hinnehmen. Damit wird die Ostgrenze der NATO nicht ruhiger, sondern erheblich instabiler. Die NATO und die EU werden höchstwahrscheinlich ein großes Problem in diesen Regionen bekommen, die aktuell noch zur Westukraine gehören.
  • Die Niederlage des ukrainischen Projekts des Westens hat der Welt nicht nur vor Augen geführt, dass die NATO obsolet ist, sondern auch innerhalb der NATO wird den Verbündeten in Europa klar, dass die Allianz inzwischen unfähig geworden ist, ihre eigene Verteidigung zu garantieren. Dagegen ist Russland bereits jetzt aus dem Konflikt in eine Position der Stärke und größeren Glaubwürdigkeit in politisch-militärischen Angelegenheiten hervorgegangen.
  • Aus diesem Krieg wird Russland als militärische, wirtschaftliche und politische Macht einfach besser vorbereitet hervorgehen und eine führende Rolle bei der globalen Entscheidungsfindung spielen. Das vor Jahren auch in Westeuropa geschätzte Diktum, dass „es ohne Russland in Europa keine Sicherheit geben kann und gegen Russland erst recht nicht“, hat sich erneut bestätigt und scheint aufgrund von Russlands enorm gewachsenem Prestige zunehmend globale Dimensionen anzunehmen.
  • Die NATO hingegen wird auf dem absterbenden Ast sitzen, insbesondere die EU-Länder ‒ mit dahinsiechenden Wirtschaften, mit leeren militärischen Arsenalen und diskreditierten „Wunderwaffen“.
  • Mit der militärischen Überlegenheit Russlands, die sich auf dem Schlachtfeld und nicht in der Propaganda gezeigt hat, ist auch der Versuch, Russland durch den Beitritt Finnlands und Schwedens noch enger einzugrenzen, zu einer größeren Gefahr für die beiden Länder geworden. Beide Staaten hatten seit Jahrzehnten gute Beziehungen zu Moskau, erst zur Sowjetunion und dann zu Russland. Jetzt haben die transatlantischen Eliten dieser Länder, ohne Volksbefragung, die Sicherheit ihrer Neutralität gegen die Unsicherheit einer Mitgliedschaft in einer abgehalfterten, aber aggressiven, US-dominierten NATO eingewechselt. Dadurch sind Finnland und Schweden in die Schusslinie der Waffen Russlands gekommen, die sich als überlegen erwiesen haben, ohne von der von der NATO versprochenen Verteidigungsfähigkeit profitieren zu können – sie haben Neutralität und Frieden gegen Unsicherheit eingetauscht.
  • Angesichts der wirtschaftlichen Erstarkung Russlands und der gleichzeitigen Schwächung der EU und der Veränderung des Kräfteverhältnisses zwischen dem Kollektiven Westen und dem Globalen Süden werden es die Russische Föderation und der Globale Süden sein, die aus dieser Entwicklung als klare Sieger hervorgehen werden. Vor allem Russland hat als Gesellschaft bewiesen, dass es in der Lage ist, sich weitgehend auf sich allein gestellt gegen den westlichen Druck zu behaupten und seine Souveränität zu bewahren, ohne sich im Geringsten dem Diktat der USA/EU/NATO zu unterwerfen.
  • Der Kollektive Westen wird, wenn er in Zukunft überleben will, lernen müssen, in einer gemeinsamen Welt, in der Russland ein wichtiger Akteur ist, auf Augenhöhe mit anderen Ländern zu leben, statt zu versuchen, mit Drohungen und Gewalt den anderen seine „regelbasierte Ordnung“ aufzuzwingen, die keine Ordnung ist, sondern immer nur Chaos, Krieg und Verwüstung zum Profit der US-Eliten und deren Vasallen gesät hat.
  • Angesichts des Sieges Russlands – der von Anfang an zu erwarten war – hat sich in vollem Umfang gezeigt, dass die militärische Überlegenheit der NATO nicht existiert. Die USA und NATO hinken nicht nur in der konventionellen Kriegsführung, wie sie derzeit in der Ukraine stattfindet, in ihren dazu nötigen industriellen und technischen Fähigkeiten um 10 bis 15 Jahre hinterher, um Russland ernsthaft Paroli zu bieten. Noch mehr gilt dies für viele elementare Schlüsselbereiche der modernen Kriegsführung: die Beherrschung der elektronischen Kriegsführung in Angriff und Abwehr, bei der Flugabwehr sowie bei der Raketentechnik, wobei nicht nur die Hyperschall-Systeme gemeint sind, sondern auch deren Manövrierbarkeit. All das macht aus der NATO ein Bündnis ohne Zukunft, das niemanden schützen kann.Es wird noch eine Weile dauern, bis diese neue Realität in der Korrelation der Kräfte bei den abgehobenen, wirklichkeitsfremden West-Eliten richtig angekommen ist. Aber jetzt schon kann man mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass zuerst die EU und dann die USA ihre Aura als Beschützer der neokolonialen „freien Welt“ schon bald gänzlich verlieren werden, auch wenn sie derzeit geradezu hysterisch versuchen, sich dieser Entwicklung zu widersetzen.
  • Das Prestige, das Russland in diesem Prozess gewinnt, wird ihm zahlreiche Verhandlungsvorteile bringen, sowohl mit dem Rest der Welt als auch mit der EU, die wahrscheinlich diese Krise in ihrer jetzigen Form nicht überdauern wird. Egal ob mit oder ohne EU, wenn die Länder in Westeuropa sich wirtschaftlich erholen und für die Zukunft Sicherheit und Stabilität haben wollen, dann kann das ohne Russland als Partner nicht gehen. Es ist also die EU, die in Zukunft mit „mehr Russland“ leben muss, und auch die USA werden lernen müssen, mit einer Welt mit „mehr Russland“ umzugehen ‒ im Gegensatz zu dem, was sie am Anfang so lautstark als ihr Ziel propagiert haben!

Wie bei allem, was mit dem Kollektiven Westen zu tun hat, führten Illusionen letztlich zu Ernüchterung und Versprechen schnell zu Schulden, die immer schwieriger zu begleichen waren. Die Eliten waren und sind immer noch gefangen in einer kurzfristigen Vision, die auf der Logik ihres persönlichen politischen Überlebens um jeden Preis beruht, und für die politische Macht nur dazu dient, um ihren eigenen gesellschaftlichen Status zu behaupten. Dies scheint heute symptomatisch für die Eliten im gesamten Kollektiven Westen. Aber früher oder später setzt sich dann doch die Realität durch und zerstört das Fundament des Narrativs, auf dem bisher ihre Macht geruht hat. Dann beginnt das Heulen und Zähneknirschen. Diese Phase scheint auch in Europa bereits begonnen zu haben. Zunehmend gibt es unter den West-Eliten gegenseitige Schuldzuschreibungen für das angerichtete Chaos, und mit etwas Glück werden sie sich bald gegenseitig politisch zerfleischen.

Dagegen will ein Teil der neokonservativen Kriegstreiber in den USA sogar noch mehr Kriege, an noch mehr Stellen, rund um die Welt. Nach deren Vorstellungen kann das aktuelle Chaos nur durch noch mehr Chaos, durch eine gigantische Katharsis in einem Weltenbrand geordnet werden, aus dem die USA als alleiniger Sieger und Hegemon für das nächste Jahrhundert hervorgehen. Sie gehören dem „Tiefen Staat“ an und ihnen ist die Wählergunst egal. Sie wollen ihren großen Krieg, um Iran zu vernichten, Russland aufzuteilen und China zu schwächen.

Die andere Fraktion der US-Falken, die aus dem politischen Establishment kommt, sieht in einer Fortsetzung des Krieges in der Ukraine oder einer Ausweitung des Konfliktes im Nahen Osten die Gefahr ihres eigenen politischen Untergangs. Beide Fraktionen der Kriegstreiber sind derzeit in Washington gleich stark. Der Trend bei den US-Wählern favorisiert jedoch zunehmend die Fraktion, die nicht auf den „totalen Krieg“ setzt.

Rainer Rupp ist Mitglied des Beirats des Deutschen Freidenker-Verbandes


Plakat des Verteidigungsministeriums der Russischen Föderation
Herausgeber: Mil.ru, CC BY 4.0
Quelle: https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=124864454