{"id":8325,"date":"2020-06-25T23:58:34","date_gmt":"2020-06-25T21:58:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=8325"},"modified":"2020-08-01T23:46:50","modified_gmt":"2020-08-01T21:46:50","slug":"gemeinsame-verantwortung-vor-geschichte-und-zukunft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=8325","title":{"rendered":"Gemeinsame Verantwortung vor Geschichte und Zukunft"},"content":{"rendered":"<p><em>Als \u201eVersuch, die Geschichte umzuschreiben\u201c und \u201ePutins Geschichtsklitterung\u201c kommentieren die Medien des \u201eWertewestens\u201c einen Aufsatz des Pr\u00e4sidenten der Russl\u00e4ndischen F\u00f6deration, Wladimir W. Putin, zur Vorgeschichte des Zweiten Weltkrieges.<\/em><\/p>\n<p><em>Es sind genau jene Kommentatoren, \u201eHistoriker\u201c und Medien, die den <a href=\"http:\/\/www.europarl.europa.eu\/doceo\/document\/TA-9-2019-0021_DE.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Beschluss<\/a> des EU-Scheinparlaments vom September 2019 \u00fcber \u201edie Bedeutung der Erinnerung an die europ\u00e4ische Vergangenheit f\u00fcr die Zukunft Europas\u201c bejubeln. Nach diesem Dokument des Geschichtsrevisionismus trage die Sowjetunion \u201edieselbe Schuld am Kriegsbeginn wie Deutschland\u201c. Damit stehen ihre Autoren und Unterst\u00fctzer in Widerspruch zu den Ergebnissen der N\u00fcrnberger Prozesse gegen die Hauptkriegsverbrecher und Internationalem Recht, das Medien-Echo auf Putins Beitrag folgt also dem klassischen Muster: \u201eHaltet den Dieb!\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>Da man hierzulande (au\u00dfer bei RT deutsch und Sputnik sowie der Website der Russischen Botschaft) wenig Chancen hat, den \u201eO-Ton Putin\u201c zur Kenntnis zu nehmen, dokumentieren wir den vollst\u00e4ndigen Text.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Webredaktion<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<h5>75. Jahrestag des Gro\u00dfen Sieges:<\/h5>\n<h3>Gemeinsame Verantwortung vor Geschichte und Zukunft<\/h3>\n<p><em>Aufsatz von <strong>Wladimir Putin <\/strong>vom 19. Juni 2020<strong><br \/>\n<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Es sind 75 Jahre vergangen, seit der Gro\u00dfe Vaterl\u00e4ndische Krieg beendet wurde. In diesen Jahren sind mehrere Generationen aufgewachsen. Die politische Karte des Planeten hat sich ge\u00e4ndert. Es gibt die Sowjetunion nicht mehr, die einen grandiosen, vernichtenden Sieg \u00fcber den Nazismus errungen und die ganze Welt gerettet hatte. Und die Ereignisse des Krieges selbst sind sogar f\u00fcr seine Teilnehmer eine ferne Vergangenheit geworden. Warum wird der 9. Mai in Russland als der wichtigste Feiertag begangen, und scheint das Leben am 22. Juni\u00a0f\u00fcr einen Moment still zu stehen und man h\u00e4lt den Atem an, als h\u00e4tte man einen Klo\u00df im Hals?<\/p>\n<p>Man pflegt zu sagen: Der Krieg hat eine tiefe Spur in der Geschichte jeder Familie hinterlassen. Hinter diesen Worten stehen das Schicksal von Millionen Menschen, ihr Leiden und der Schmerz des Verlustes. Stolz, Wahrheit und Erinnerung.<\/p>\n<p>F\u00fcr meine Eltern ist der Krieg die schrecklichen Qualen des belagerten Leningrads, wo mein zweij\u00e4hriger Bruder Witja starb, wo meine Mutter durch ein Wunder am Leben blieb. Mein Vater, der unabk\u00f6mmlich gestellt war, ging\u00a0freiwillig an die Front, um die Heimatstadt zu verteidigen \u2013 handelte ebenso wie Millionen sowjetische B\u00fcrger. Er k\u00e4mpfte am Br\u00fcckenkopf \u201eNewski Pjatatschok\u201c und wurde schwer verletzt. Und je weiter diese Jahre vergangen sind, desto gr\u00f6\u00dfer ist das Bed\u00fcrfnis, mit den Eltern zu sprechen, um mehr von ihrem Leben w\u00e4hrend des Krieges zu erfahren. Es ist aber unm\u00f6glich, etwas zu fragen; deswegen bewahre ich die Gespr\u00e4che mit meinem Vater und meiner Mutter zu diesem Thema, ihre kargen Emotionen heilig im Herzen.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich und meine Altersgenossen ist es wichtig, dass unsere Kinder, Enkel und Urenkel begreifen, welchen Pr\u00fcfungen und Qualen ihre Vorv\u00e4ter standgehalten haben. Wie, warum konnten sie standhalten und siegen? Woher kam ihre wahrlich eiserne Geisteskraft, die die ganze Welt erstaunte und verwunderte? Ja, sie haben ihr Haus, ihre Kinder, ihre Angeh\u00f6rigen, ihre Familie verteidigt. Die Liebe zur Heimat, zum Vaterland hat aber alle vereint. Dieses tiefe, pers\u00f6nliche Gef\u00fchl spiegelt sich in seiner ganzen F\u00fclle im Wesen unseres Volkes wider und wurde zu einem der entscheidenden in seinem heldenhaften, opferreichen Kampf gegen die Nazis.<\/p>\n<p>Oft fragt man: Wie w\u00fcrde sich die jetzige Generation in einer kritischen Situation benehmen und handeln? Vor meinen Augen sind junge \u00c4rzte, Krankenschwestern, manchmal gestrige Studenten, die heute in die \u201erote Zone\u201c gehen, um Menschen zu retten. Unsere Milit\u00e4rangeh\u00f6rigen, die w\u00e4hrend des Kampfes gegen den internationalen Terrorismus im Nordkaukasus, in Syrien um Leben und Tod k\u00e4mpfen \u2013 ganz junge Menschen! Viele Soldaten der legend\u00e4ren, unsterblichen sechsten Fallschirmj\u00e4gerkompanie waren 19 bis 20 Jahre alt. Sie haben aber gezeigt, dass sie der Heldentat der Soldaten unserer Heimat, die sie im Gro\u00dfen Vaterl\u00e4ndischen Krieg verteidigten, w\u00fcrdig sind.<\/p>\n<p>Daher bin ich mir sicher, dass es im Charakter der V\u00f6lker Russlands liegt \u2013 ihre Pflicht zu erf\u00fcllen, sich selbst nicht zu schonen, wenn die Umst\u00e4nde dies erfordern. Selbstlosigkeit, Patriotismus, Liebe zur Heimat, zur Familie, zum Vaterland \u2013 diese Werte sind auch heute f\u00fcr die russische Gesellschaft fundamental. Grunds\u00e4tzlich darauf beruht unsere Souver\u00e4nit\u00e4t.<\/p>\n<p>Mittlerweile hat unser Volk neue Traditionen, in etwa das \u201eUntersterbliche Regiment\u201c, ins Leben gerufen. Es ist ein Marsch unseres dankbaren Andenkens, unserer leiblichen, lebendigen Verbindung zwischen den Generationen. Millionen Menschen gehen mit Fotos ihrer Verwandten, die das Vaterland verteidigt und den Nazismus besiegt haben, zur Teilnahme an Umz\u00fcgen auf die Stra\u00dfen. Das bedeutet, dass ihr Leben, ihre Pr\u00fcfungen und Opfer, ihr Sieg, den sie uns \u00fcbergeben haben, niemals vergessen werden.<\/p>\n<p>Unsere Verantwortung gegen\u00fcber der Vergangenheit und Zukunft ist es, alles zu tun, um eine Wiederholung der schrecklichen Trag\u00f6dien zu verhindern. Deshalb habe ich es f\u00fcr meine Pflicht gehalten, mit dem Artikel \u00fcber den Zweiten Weltkrieg und den Gro\u00dfen Vaterl\u00e4ndischen Krieg aufzutreten. Ich habe diese Idee mehrmals bei Gespr\u00e4chen mit Staats-und Regierungschefs diskutiert und bei ihnen Verst\u00e4ndnis gefunden. Ende vorigen Jahres, beim Gipfel der Spitzenpolitiker der GUS- Staaten waren wir alle darin einig, dass es wichtig ist, das Andenken daran, dass der Sieg \u00fcber den Nazismus vor allem vom sowjetischen Volk erreicht wurde, dass in diesem heldenhaften Kampf \u2013 an der Front und im Hinterland, Schulter an Schulter \u2013 Vertreter aller Republiken der Sowjetunion gestanden haben, den Nachkommen zu \u00fcberliefern. Damals habe ich mit meinen Kollegen auch \u00fcber die schwierige Vorkriegszeit gesprochen.<\/p>\n<p>Dieses Gespr\u00e4ch l\u00f6ste eine gro\u00dfe Resonanz in Europa und in der Welt aus. Dies bedeutet, dass der Zugriff auf die Lehren der Vergangenheit wirklich notwendig und aktuell ist. Zugleich gab es auch viele Emotionen, schlecht versteckte Komplexe, laute Anklagen. Eine Reihe von Politikern beeilte sich aus Gewohnheit zu erkl\u00e4ren, dass Russland versucht, die Geschichte neu zu schreiben. Jedoch konnten sie dabei keinen einzigen Fakt, kein angef\u00fchrtes Argument widerlegen. Nat\u00fcrlich ist es schwierig und unm\u00f6glich, mit Originaldokumenten zu streiten, die \u00fcbrigens nicht nur in russischen, sondern auch in ausl\u00e4ndischen Archiven aufbewahrt werden.<\/p>\n<p>Daher besteht die Notwendigkeit, die Analyse der Ursachen, die zum Weltkrieg gef\u00fchrt hatten, \u00dcberlegungen \u00fcber seine komplizierten Ereignisse, Trag\u00f6dien und Siege, \u00fcber seine Lehren \u2013 f\u00fcr unser Land und die ganze Welt \u2013 fortzusetzen. Und hier, ich wiederhole, ist es grunds\u00e4tzlich wichtig, sich nur auf Archivakten, Zeugnisse von Zeitgenossen zu verlassen, jegliche ideologischen und politisierten Spekulationen auszuschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Ich erinnere noch einmal an offensichtliche Dinge: Die eigentlichen Ursachen des Zweiten Weltkriegs ergeben sich in vieler Hinsicht aus den Entscheidungen, die zu den Ergebnissen des Ersten Weltkrieges getroffen wurden. Der Vertrag von Versailles wurde f\u00fcr Deutschland zu einem Symbol tiefer Ungerechtigkeit. Tats\u00e4chlich ging es um die Beraubung des Landes, das den westlichen Verb\u00fcndeten riesige Reparationen zahlen musste, die seine Wirtschaft ersch\u00f6pften. Der Oberbefehlshaber der alliierten Armeen, Marschall von Frankreich, Ferdinand Foch, gab dem Versailler Vertrag eine prophetische Bezeichnung: \u201eDas ist kein Frieden. Das ist ein Waffenstillstand auf 20 Jahre\u201c.<\/p>\n<p>Gerade die nationale Dem\u00fctigung bildete den N\u00e4hrboden f\u00fcr radikale und revanchistische Stimmungen in Deutschland. Die Nazis spielten geschickt mit diesen Gef\u00fchlen, bauten ihre Propaganda darauf auf und versprachen, Deutschland vom \u201eErbe von Versailles\u201c zu befreien, seine ehemalige St\u00e4rke wiederherzustellen und dr\u00e4ngten das deutsche Volk eigentlich zu einem neuen Krieg. Paradoxerweise trugen westliche Staaten, vor allem Gro\u00dfbritannien und die USA, direkt oder indirekt dazu bei. Ihre Finanz- und Industriekreise investierten durchaus aktiv in deutsche Fabriken und Werke, die R\u00fcstungserzeugnisse produzierten. Und unter der Aristokratie und dem politischen Establishment gab es viele Anh\u00e4nger radikaler, rechtsextremer, nationalistischer Bewegungen, die sowohl in Deutschland als auch in Europa an St\u00e4rke gewannen.<\/p>\n<p>Die Versailler \u201eWeltordnung\u201c brachte zahlreiche latente Widerspr\u00fcche und offensichtliche Konflikte hervor. Ihnen liegen die von den Siegern im Ersten Weltkrieg willk\u00fcrlich gestalteten Grenzen der neuen europ\u00e4ischen Staaten zugrunde. Fast sofort nach ihrem Erscheinen auf der Karte begannen Gebietsstreite und gegenseitige Anspr\u00fcche, die sich in Zeitminen verwandelten.<\/p>\n<p>Eines der wichtigsten Ergebnisse des Ersten Weltkrieges war die Gr\u00fcndung des V\u00f6lkerbundes. Auf diese internationale Organisation wurden gro\u00dfe Hoffnungen zur Gew\u00e4hrleistung eines dauerhaften Friedens, der kollektiven Sicherheit gesetzt. Es war eine progressive Idee, deren konsequente Umsetzung ohne \u00dcbertreibung eine Wiederholung der Schrecken des globalen Krieges h\u00e4tte verhindern k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Der V\u00f6lkerbund, in dem die Siegerm\u00e4chte \u2013\u00a0Gro\u00dfbritannien und Frankreich \u2013 dominierten, zeigte jedoch ihre Ineffizienz und ertrank einfach in leeren Gespr\u00e4chen. Im V\u00f6lkerbund, ja auf dem europ\u00e4ischen Kontinent wurden die mehrmaligen Aufforderungen der Sowjetunion, ein gleichberechtigtes System der kollektiven Sicherheit zu gestalten, nicht geh\u00f6rt. Unter anderem ging es darum, einen osteurop\u00e4ischen und pazifischen Pakt zu schlie\u00dfen, die der Aggression im Wege h\u00e4tten stehen k\u00f6nnen. Diese Vorschl\u00e4ge wurden ignoriert.<\/p>\n<p>Der V\u00f6lkerbund konnte auch Konflikte in verschiedenen Teilen der Welt nicht verhindern, wie den Angriff Italiens auf \u00c4thiopien, den B\u00fcrgerkrieg in Spanien, die Aggression Japans gegen China oder den Anschluss \u00d6sterreichs. Und im Fall des M\u00fcnchner Abkommens, an dem neben Hitler und Mussolini die Staats- und Regierungschefs Gro\u00dfbritanniens und Frankreichs teilnahmen, kam es mit voller Zustimmung des V\u00f6lkerbundrates zu einer Zergliederung der Tschechoslowakei. Ich m\u00f6chte in diesem Zusammenhang betonen, dass sich Stalin im Unterschied zu vielen damaligen europ\u00e4ischen F\u00fchrern nicht mit einem pers\u00f6nlichen Treffen mit Hitler befleckte, der damals in westlichen Kreisen als ein durchaus respektabler Politiker galt, und ein willkommener Gast in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten war.<\/p>\n<p>Bei der Zergliederung der Tschechoslowakei agierte neben Deutschland auch Polen. Sie entschieden im Voraus und gemeinsam, wer und welche tschechoslowakische L\u00e4ndereien bekommen wird. Am 20. September 1938 teilte der polnische Botschafter in Deutschland, Jozef Lipski, dem Au\u00dfenminister Polens, Jozef Beck, die Versicherungen Hitlers mit, dass, wenn es zwischen Polen und der Tschechoslowakei zu einem Konflikt bez\u00fcglich der polnischen Interessen in Tschechien komme, das Reich sich auf die polnische Seite stellen werde. Der Nazi-F\u00fchrer gab sogar Hinweise und Ratschl\u00e4ge, dass der Beginn der polnischen Aktionen erst nach der Besetzung des Sudetenlands durch die Deutschen erfolgen solle.<\/p>\n<p>Polen war sich bewusst, dass seine Eroberungspl\u00e4ne ohne Unterst\u00fctzung durch Hitler zum Scheitern verurteilt gewesen w\u00e4ren. An dieser Stelle m\u00f6chte ich die Aufzeichnung des Gespr\u00e4ches des deutschen Botschafters in Warschau, Hans-Adolf von Moltke, mit Jozef Beck vom 1. Oktober 1938 \u00fcber die polnisch-tschechischen Beziehungen und die Position der UdSSR zu dieser Frage zitieren. Dort steht geschrieben, Herr Beck\u2026 habe sich f\u00fcr die loyale Interpretation der polnischen Interessen auf der M\u00fcnchner Konferenz sowie f\u00fcr die Aufrichtigkeit der Beziehungen w\u00e4hrend des tschechischen Konflikts sehr bedankt. Die Regierung und die \u00d6ffentlichkeit von Polen w\u00fcrden die Position des F\u00fchrers und Reichskanzlers voll und ganz w\u00fcrdigen.<\/p>\n<p>Die Teilung der Tschechoslowakei war grausam und zynisch. M\u00fcnchen zerst\u00f6rte sogar jene formellen und zerbrechlichen Garantien, die auf dem Kontinent geblieben waren, und zeigte, dass gegenseitige Vereinbarungen nichts wert sind. Gerade das M\u00fcnchner Abkommen diente als Ausl\u00f6ser, nach dem ein gro\u00dfer Krieg in Europa unvermeidlich wurde.<\/p>\n<p>Heute m\u00f6chten europ\u00e4ische Politiker, vor allem\u00a0polnische Spitzenpolitiker, M\u00fcnchen \u201everschweigen\u201c. Warum? Nicht nur deswegen, weil ihre L\u00e4nder damals ihre Verpflichtungen verraten haben und das M\u00fcnchner Komplott unterst\u00fctzten, wobei einige sogar an der Teilung der Beute teilnahmen, sondern auch weil es unangenehm ist, sich daran zu erinnern, dass sich nur die UdSSR an jenen dramatischen Tagen f\u00fcr die Tschechoslowakei eingesetzt hat.<\/p>\n<p>Die Sowjetunion versuchte auf der Basis ihrer internationalen Verpflichtungen, darunter auch der Abkommen mit Frankreich und der Tschechoslowakei, die Trag\u00f6die zu verhindern. Polen hat hingegen, seine Interessen verfolgend, mit allen Kr\u00e4ften die Schaffung eines kollektiven Sicherheitssystems in Europa verhindert. Am 19. September 1938 hat der polnische Au\u00dfenminister Jozef Beck dem bereits erw\u00e4hnten Botschafter Jozef Lipski vor seinem Treffen mit Hitler unmittelbar dar\u00fcber geschrieben: \u201e\u2026Im Laufe des vergangenen Jahres hat die polnische Regierung viermal das Angebot abgelehnt, sich der internationalen Einmischung zum Schutz der Tschechoslowakei anzuschlie\u00dfen.\u201c<\/p>\n<p>Gro\u00dfbritannien und Frankreich, das damals der wichtigste Verb\u00fcndete der Tschechen und Slowaken war, entschieden sich daf\u00fcr, auf ihre Garantien zu verzichten und dieses osteurop\u00e4ische Land zum Zerrei\u00dfen vorzuwerfen. Nicht nur vorzuwerfen, sondern die Bestrebungen der Nazis in den Osten zu lenken, mit dem Ziel, dass Deutschland und die Sowjetunion unvermeidlich aufeinandersto\u00dfen und einander ausbluten k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Gerade darin bestand die westliche Politik der \u201eBefriedung\u201c. Und nicht nur in Bezug auf das Dritte Reich, sondern auch auf andere Teilnehmer des sogenannten Antikomintern-Pakts \u2013 das faschistische Italien und das militaristische Japan. Ihr H\u00f6hepunkt im Fernen Osten war das anglo-japanische Abkommen vom Sommer 1939, das Tokio Handlungsfreiheit in China gew\u00e4hrte. Die f\u00fchrenden europ\u00e4ischen M\u00e4chte wollten nicht zugeben, welche t\u00f6dliche Gefahr f\u00fcr die Welt von Deutschland und seinen Verb\u00fcndeten ausging, und rechneten damit, dass der Krieg an ihnen vorbeigehen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Das M\u00fcnchner Komplott zeigte der Sowjetunion, dass die westlichen L\u00e4nder Sicherheitsfragen l\u00f6sen werden, ohne R\u00fccksicht auf die sowjetischen Interessen zu nehmen und bei passender Gelegenheit eine antisowjetische Front bilden k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Gleichzeitig versuchte die Sowjetunion bis zur letzten M\u00f6glichkeit, jede Chance zu nutzen, um eine Anti-Hitler-Koalition zu bilden, ich wiederhole, trotz der doppelz\u00fcngigen Position der westlichen L\u00e4nder. So erhielt die sowjetische F\u00fchrung \u00fcber Geheimdienste im Sommer 1939 eingehende\u00a0Informationen \u00fcber die englisch-deutschen Kontakte hinter den Kulissen. Ich mache darauf aufmerksam, dass sie durchaus intensiv erfolgten, wobei praktisch gleichzeitig die westlichen Partner im Gegenteil die trilateralen Verhandlungen von Vertretern Frankreichs, Gro\u00dfbritanniens und der UdSSR bewusst verz\u00f6gerten. Ich werde in diesem Zusammenhang ein Dokument aus den britischen Archiven zitieren \u2013 das ist eine Anweisung der britischen Milit\u00e4rmission, die im August 1939 nach Moskau kam. Darin wird direkt gesagt, dass die Delegation \u201edie Verhandlungen sehr langsam f\u00fchren muss\u201c; dass \u201edie Regierung des Vereinigten K\u00f6nigreichs nicht bereit ist, die im Detail vorgeschriebenen\u00a0Verpflichtungen zu \u00fcbernehmen, die unsere Handlungsfreiheit unter irgendwelchen Umst\u00e4nden einschr\u00e4nken k\u00f6nnten\u201c. Ich m\u00f6chte auch betonen, dass die sowjetische Delegation im Unterschied zu den Briten und Franzosen die obersten F\u00fchrer der Roten Armee geleitet hatten, die \u00fcber alle notwendigen Befugnisse verf\u00fcgten, um \u201eeine Milit\u00e4rkonvention zu Fragen der Organisation der milit\u00e4rischen Verteidigung Englands, Frankreichs und der UdSSR gegen die Aggression in Europa zu unterzeichnen\u201c.<\/p>\n<p>Seine Rolle beim Scheitern der Verhandlungen spielte Polen, das keine Verpflichtungen gegen\u00fcber der sowjetischen Seite \u00fcbernehmen wollte. Selbst unter dem Druck der westlichen Verb\u00fcndeten lehnte die polnische F\u00fchrung ein gemeinsames Vorgehen mit der Roten Armee beim Widerstand gegen die Wehrmacht ab. Und erst als bekannt wurde, dass Ribbentrop nach\u00a0 Moskau gekommen war, benachrichtigte Beck widerwillig, nicht direkt, sondern durch franz\u00f6sische Diplomaten die sowjetische Seite: Im Falle gemeinsamer Aktionen gegen die deutsche Aggression sei eine Zusammenarbeit zwischen Polen und der UdSSR, unter den technischen Bedingungen, die festgelegt werden m\u00fcssten, nicht ausgeschlossen. Zugleich erl\u00e4uterte er seinen Kollegen: \u201eIch bin nicht gegen diese Formulierung nur, wenn sie dem Zweck dient, die Taktik zu erleichtern. Unsere grunds\u00e4tzliche Haltung gegen\u00fcber der UdSSR ist aber endg\u00fcltig und bleibt unver\u00e4ndert\u201c.<\/p>\n<figure id=\"attachment_8327\" aria-describedby=\"caption-attachment-8327\" style=\"width: 940px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"8327\" data-permalink=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?attachment_id=8327\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/rede_putin_tds_2020_02.jpg?fit=940%2C580&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"940,580\" data-comments-opened=\"0\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"rede_putin_tds_2020_02\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/rede_putin_tds_2020_02.jpg?fit=800%2C494&amp;ssl=1\" class=\"wp-image-8327 size-full\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/rede_putin_tds_2020_02.jpg?resize=800%2C494&#038;ssl=1\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"494\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/rede_putin_tds_2020_02.jpg?w=940&amp;ssl=1 940w, https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/rede_putin_tds_2020_02.jpg?resize=300%2C185&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/rede_putin_tds_2020_02.jpg?resize=768%2C474&amp;ssl=1 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-8327\" class=\"wp-caption-text\">Begr\u00fc\u00dfung der Kriegsveteranen vor der Siegesparade am 24. Juni 2020. Foto: kremlin.ru<\/figcaption><\/figure>\n<p>In der entstandenen Situation unterzeichnete die Sowjetunion den Nichtangriffspakt mit Deutschland und tat dies faktisch als Letztes der europ\u00e4ischen L\u00e4nder, und das vor dem Hintergrund der realen Gefahr, mit einem Zweifrontenkrieg konfrontiert zu werden \u2013 mit Deutschland im Westen und mit Japan im Osten, wo bereits intensive K\u00e4mpfe am Fluss Chalcha stattfanden.<\/p>\n<p>Stalin und sein Umfeld verdienen viele gerechte Vorw\u00fcrfe. Wir erinnern uns an die Verbrechen des Regimes gegen das eigene Volk und an die Entsetzlichkeit der Massenrepressionen. Ich wiederhole, man kann den sowjetischen F\u00fchrern vieles vorwerfen, aber nicht das, dass es ihnen an Verst\u00e4ndnis f\u00fcr den Charakter der \u00e4u\u00dferen Bedrohungen mangelte. Sie sahen, dass man versuchte, die Sowjetunion allein mit Deutschland und seinen Verb\u00fcndeten zu lassen. Sie handelten, diese reale Gefahr erkennend, um wertvolle Zeit f\u00fcr die Festigung der Verteidigung des Landes zu gewinnen.<\/p>\n<p>In Bezug auf den damals geschlossenen Nichtangriffspakt gibt es jetzt viel Gerede und Beanstandungen gegen\u00fcber dem jetzigen Russland. Ja, Russland ist der Nachfolgestaat der UdSSR, und die sowjetische Periode mit all ihren Triumphen und Trag\u00f6dien ist ein untrennbarer Bestandteil unserer tausendj\u00e4hrigen Geschichte. Ich erinnere aber auch daran, dass die Sowjetunion dem sogenannten Molotow\u2013Ribbentrop-Pakt eine rechtliche und moralische Bewertung gegeben hat. In der Verordnung des Obersten Sowjets vom 24. Dezember 1989 wurden die Geheimprotokolle als \u201eAkt der pers\u00f6nlichen Macht\u201c offiziell verurteilt, der in keiner Weise \u201eden Willen des sowjetischen Volkes, das nicht f\u00fcr diese Absprache verantwortlich ist, widerspiegelt\u201c.<\/p>\n<p>Dennoch bevorzugen andere Staaten, sich nicht an die Abkommen zu erinnern, unter denen die Unterschriften von Nazis und westlichen Politikern stehen. Nicht vergessen ist dabei auch die rechtliche oder politische Bewertung dieser Zusammenarbeit, darunter auch der stillschweigenden Kompromissbereitschaft einiger europ\u00e4ischer Politiker mit den barbarischen Pl\u00e4nen der Nazis bis zu ihrer direkten F\u00f6rderung. Der zynische Satz des polnischen Botschafters in Deutschland, Jozef Lipski, den er beim Gespr\u00e4ch mit Hitler am 20. September 1938 sagte, spricht B\u00e4nde: \u201e\u2026F\u00fcr die L\u00f6sung der j\u00fcdischen Frage werden wir [Polen] ihm\u2026 ein sch\u00f6nes Denkmal in Warschau aufstellen\u201c.<\/p>\n<p>Wir wissen auch nicht, ob es irgendwelche\u00a0\u201egeheime Protokolle\u201c und Anh\u00e4nge zu den Vereinbarungen einiger L\u00e4nder mit den Nazis gab. Es bleibt nur, aufs Wort zu glauben. Unter anderem sind Materialien \u00fcber geheime anglo-deutsche Gespr\u00e4che bis heute nicht freigegeben worden. Daher rufen wir alle Staaten dazu auf, den Prozess der \u00d6ffnung ihrer Archive, die Ver\u00f6ffentlichung bisher unbekannter Dokumente aus der Vorkriegs- und Kriegszeit zu intensivieren \u2013 so, wie es Russland in den vergangenen Jahren getan hat. Wir sind hier zu einer breiten Zusammenarbeit, zu gemeinsamen Forschungsprojekten von Historikern bereit.<\/p>\n<p>Aber kehren wir zu den Ereignissen zur\u00fcck, die dem Zweiten Weltkrieg unmittelbar vorausgingen. Es war naiv zu glauben, dass Hitler keine weiteren territorialen Anspr\u00fcche erheben w\u00fcrde, nachdem er mit der Tschechoslowakei fertig war. Diesmal gegen\u00fcber seinem j\u00fcngsten Komplizen bei der Teilung der Tschechoslowakei \u2013 Polen. Als Anlass diente hier \u00fcbrigens auch das Erbe von Versailles \u2013 das Schicksal des so genannten Danziger Korridors. Die darauffolgende Trag\u00f6die Polens liegt voll und ganz auf dem Gewissen der damaligen polnischen F\u00fchrung, die die Bildung des Milit\u00e4rb\u00fcndnisses zwischen England, Frankreich und der Sowjetunion verhinderte, sich auf die Hilfe der westlichen Partner verlie\u00df und sein Volk unter die Walze der Hitler-Zerst\u00f6rungsmaschine stellte.<\/p>\n<p>Die deutsche Offensive entwickelte sich in voller \u00dcbereinstimmung mit der Blitzkrieg-Doktrin. Trotz des erbitterten, heroischen Widerstandes der polnischen Armee standen die deutschen Truppen bereits eine Woche nach Kriegsbeginn, am 8. September 1939, kurz vor Warschau. Und die milit\u00e4rpolitische Spitze Polens fl\u00fcchtete bis zum 17. September auf das Territorium Rum\u00e4niens und verriet ihr Volk, das den Kampf gegen die Eindringlinge fortsetzte.<\/p>\n<p>Die westlichen Verb\u00fcndeten haben die polnischen Erwartungen nicht erf\u00fcllt. Nachdem Deutschland den Krieg erkl\u00e4rt hatte, r\u00fcckten die franz\u00f6sischen Truppen nur einige Dutzend Kilometer tief in deutsches Territorium vor. All dies sah nur wie eine Demonstration aktiver Handlungen aus. Au\u00dferdem beschloss der britisch-franz\u00f6sische Oberste Milit\u00e4rrat, der erstmals am 12. September 1939 im franz\u00f6sischen Abville zusammentraf, die Offensive wegen der schnellen Entwicklung der Ereignisse in Polen v\u00f6llig einzustellen. Es begann der so genannte \u201eSitzkrieg\u201c. Ein direkter Verrat Frankreichs und Englands an ihren Verpflichtungen gegen\u00fcber Polen ist nicht zu \u00fcbersehen.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter haben die deutschen Gener\u00e4le im Laufe der N\u00fcrnberger Prozesse ihre schnellen Erfolge im Osten folgenderma\u00dfen erkl\u00e4rt. Der ehemalige Chef des Wehrmachtf\u00fchrungsstabes im Oberkommando der Wehrmacht, Alfred Jodl, gab zu, dass die Nazis eine Niederlage bereits 1939 nur deshalb nicht erlitten h\u00e4tten, weil rund 110 franz\u00f6sische und englische Divisionen, denen w\u00e4hrend des deutschen Krieges gegen Polen 23 Wehrmachtdivisionen gegen\u00fcberstanden h\u00e4tten, v\u00f6llig unt\u00e4tig gewesen seien.<\/p>\n<p>Ich habe darum gebeten, die ganze Reihe von Materialien, die mit den Kontakten der UdSSR und Deutschlands in den dramatischen Tagen im August und September 1939 verbunden sind, in den Archiven zug\u00e4nglich zu machen. Wie aus den Dokumenten hervorgeht, legte Punkt 2 des Geheimprotokolls zum Nichtangriffspakt zwischen Deutschland und der UdSSR vom 23. August 1939 fest, dass die Grenze der Interessenbereiche der beiden L\u00e4nder im Falle der territorialpolitischen Neuordnung der Gebiete, die Teil des Polnischen Staates sind, \u201eungef\u00e4hr \u00fcber die Linien der Fl\u00fcsse Narew, Weichsel und Sana verlaufen sollte\u201c. Mit anderen Worten, umfasste die sowjetische Einflusszone demnach nicht nur Gebiete, wo mehrheitlich die ukrainische und wei\u00dfrussische Bev\u00f6lkerung ans\u00e4ssig war, aber auch historische polnische L\u00e4ndereien zwischen dem Bug und der Weichsel.<\/p>\n<p>Von dieser Tatsache wissen jetzt bei Weitem nicht alle. Wie auch davon, dass Berlin unmittelbar nach dem Angriff auf Polen in den ersten Septembertagen 1939 Moskau beharrlich und mehrmals dazu aufgefordert hatte, sich den Kriegshandlungen anzuschlie\u00dfen. Die sowjetische F\u00fchrung ignorierte aber diese Aufforderungen und wollte bis zur letzten M\u00f6glichkeit nicht in die sich dramatisch entwickelnden Ereignisse hineingezogen werden.<\/p>\n<p>Erst als endg\u00fcltig klar wurde, dass Gro\u00dfbritannien und Frankreich nicht anstrebten, ihren Verb\u00fcndeten zu helfen, und die Wehrmacht dazu f\u00e4hig war, schnell ganz Polen zu besetzen und sich tats\u00e4chlich Minsk zu n\u00e4hern, wurde beschlossen, am Morgen des 17. September Truppen der Roten Armee in die sogenannten \u00f6stlichen Kresy zu verlegen \u2013 jetzt sind es Teile des Territoriums von Wei\u00dfrussland, der Ukraine und Litauen.<\/p>\n<p>Offensichtlich gab es keine anderen Optionen. Andernfalls h\u00e4tten die Risiken f\u00fcr die UdSSR mehrfach zugenommen, da, ich wiederhole, die alte sowjetische Grenze nur ein paar Dutzend Kilometer von Minsk entfernt verlief, und der unvermeidliche Krieg gegen die Nazis f\u00fcr das Land von \u00e4u\u00dferst ung\u00fcnstigen strategischen Stellungen begonnen h\u00e4tte. Und Millionen Menschen verschiedener Nationalit\u00e4ten, darunter Juden, die bei Brest und Grodno, Przemy\u015bl, Lwiw und Wilna lebten, w\u00fcrden den Nazis und ihren \u00f6rtlichen Schergen \u2013 den Antisemiten und den radikalen Nationalisten \u2013 zur Vernichtung vorgeworfen.<\/p>\n<p>Gerade die Tatsache, dass die Sowjetunion bis zur letzten Gelegenheit versuchte, die Teilnahme an dem sich entflammenden Konflikt zu vermeiden und nicht auf der Seite Deutschlands spielen wollte, f\u00fchrte dazu, dass die reale Ber\u00fchrung der sowjetischen und deutschen Truppen viel \u00f6stlicher der im Geheimprotokoll festgelegten Grenzen erfolgte. Nicht \u00fcber die Weichsel, sondern \u00fcber die sogenannte Curzon-Linie, die noch 1919 von der Entente als \u00f6stliche Grenze Polens empfohlen worden war.<\/p>\n<p>Wie bekannt ist der Konjunktiv gegen\u00fcber den bereits geschehenen Ereignissen schwierig anzuwenden. Ich werde nur sagen, dass die sowjetische F\u00fchrung im September 1939 die M\u00f6glichkeit hatte, die Westgrenze der UdSSR noch weiter nach Westen, bis nach Warschau zu verschieben, beschloss aber, dies nicht zu tun.<\/p>\n<p>Die Deutschen schlugen vor, einen neuen Status-quo zu fixieren. Am 28. September 1939 unterzeichneten in Moskau Ribbentrop und Molotow den Vertrag \u00fcber Freundschaft und die Grenze zwischen der UdSSR und Deutschland, sowie das Geheimprotokoll \u00fcber die \u00c4nderung der Staatsgrenze. Als solche galt die Demarkationslinie, wo de-facto die beiden Armeen standen.<\/p>\n<p>Ihre milit\u00e4risch-strategischen und defensiven Aufgaben l\u00f6send, begann die Sowjetunion im Herbst 1939 mit der Inkorporation Lettlands, Litauens und Estlands. Ihr Beitritt zur UdSSR erfolgte auf vertraglicher Basis, mit Zustimmung der gew\u00e4hlten Beh\u00f6rden. Dies entsprach den Normen des V\u00f6lker \u2013 und Staatsrechts der damaligen Zeit. Dar\u00fcber hinaus wurden die Stadt Wilna und das angrenzende Gebiet, die fr\u00fcher Teil Polens waren, im Oktober 1939 an Litauen zur\u00fcckgegeben. Die baltischen Republiken behielten im Bestand der UdSSR ihre Beh\u00f6rden sowie Sprache bei und waren in den obersten sowjetischen Staatsstrukturen vertreten.<\/p>\n<p>In all diesen Monaten h\u00f6rte der f\u00fcr ein fremdes Auge unsichtbare diplomatische und milit\u00e4risch-politische Kampf, die Arbeit der Geheimdienste nicht auf. F\u00fcr Moskau war es klar, dass sich vor ihm ein unvers\u00f6hnlicher und grausamer Feind befand und dass der verborgene Krieg gegen den Nazismus bereits im Gang war. Es gibt keinen Grund, offizielle Erkl\u00e4rungen, die damaligen formellen Noten als einen Beweis der \u201eFreundschaft\u201c zwischen der UdSSR und Deutschland zu betrachten. Die UdSSR pflegte aktive Handels- und technische Kontakte nicht nur mit Deutschland, sondern auch mit anderen L\u00e4ndern. Dabei versuchte Hitler immer wieder, die UdSSR in die Konfrontation mit Gro\u00dfbritannien hineinzuziehen. Die sowjetische F\u00fchrung lie\u00df sich aber nicht daf\u00fcr gewinnen.<\/p>\n<p>Den letzten Versuch, die Sowjetunion zum gemeinsamen Vorgehen zu bewegen, unternahm Hitler w\u00e4hrend des Besuchs von Molotow im November 1940 in Berlin. Molotow befolgte aber exakt die Anweisungen von Stalin und beschr\u00e4nkte sich auf allgemeine Gespr\u00e4che \u00fcber die Idee der Deutschen in Bezug auf den Beitritt der UdSSR zum Dreim\u00e4chteparkt \u2013 dem B\u00fcndnis von Deutschland, Italien und Japan, das im September 1940 unterzeichnet wurde und gegen Gro\u00dfbritannien und die USA gerichtet war. Es ist nicht zuf\u00e4llig, dass Molotow bereits am 17. November den bevollm\u00e4chtigten Vertreter der Sowjetunion in London, Iwan Majskij, wie folgt anleitete: \u201eF\u00fcr Ihre Orientierung \u2026 wurde in Berlin kein Vertrag unterzeichnet und man hat nicht beabsichtigt, dies zu tun. Die Sache in Berlin hat sich auf den Meinungsaustausch beschr\u00e4nkt\u2026 Die Deutschen und die Japaner wollen uns offenbar sehr in Richtung Golf und Indien dr\u00e4ngen. Wir haben die Diskussion \u00fcber diese Frage abgelehnt, weil wir solche Ratschl\u00e4ge seitens Deutschlands f\u00fcr unangemessen halten\u201c. Am 25. November zog die sowjetische F\u00fchrung sogar einen Strich darunter: Sie stellte Berlin offiziell f\u00fcr die Nazis unannehmbare Bedingungen, einschlie\u00dflich des Abzugs der deutschen Truppen aus Finnland, des Vertrages \u00fcber gegenseitige Hilfe zwischen der UdSSR und Bulgarien, und eine Reihe anderer. Damit schloss sie bewusst jede M\u00f6glichkeit f\u00fcr sich aus, dem Pakt beizutreten. Diese Position st\u00e4rkte den F\u00fchrer endg\u00fcltig in seiner Absicht, einen Krieg gegen die UdSSR zu entfesseln. Und bereits im Dezember schob Hitler alle Warnungen seiner Strategen vor der katastrophalen Gefahr eines Zweifrontenkrieges beiseite und genehmigte den Plan \u201eBarbarossa\u201c. Er tat dies mit dem Wissen, dass gerade die Sowjetunion die Hauptst\u00e4rke war, die ihm in Europa gegen\u00fcberstand, und dass der bevorstehende Kampf im Osten den Ausgang des Weltkriegs bestimmen w\u00fcrde. Er war sich darin sicher, dass der Feldzug nach Moskau kurz und erfolgreich sein w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte besonders betonen, dass die westlichen L\u00e4nder damals den sowjetischen Handlungen faktisch zustimmten und das Streben der Sowjetunion, ihre Sicherheit zu gew\u00e4hrleisten, anerkannten. Bereits am 1. Oktober 1939 sagte Winston Churchill, damals noch der Erste Lord der britischen Admiralit\u00e4t, im Rundfunk Folgendes: \u201eRussland betreibt eine kalte Politik der eigenen Interessen\u2026 F\u00fcr den Schutz Russlands vor nazistischer Gefahr brauchte es offensichtlich, dass die russischen Armeen an dieser Linie [der neuen westlichen Grenze] stehen\u201c. Am 4. Oktober 1939 sagte der britische Au\u00dfenminister Earl Halifax im House of Lords, man m\u00fcsse daran erinnern,\u00a0 dass das Vorgehen der sowjetischen Regierung darin bestanden habe, die\u00a0 Grenze im Grunde genommen bis zu der Linie zu verschieben, die w\u00e4hrend der Versailler Konferenz von Lord Curzon empfohlen worden sei\u2026 \u201eIch f\u00fchre nur historische Fakten an und glaube, dass diese unbestreitbar sind\u201c, so Halifax. Der bekannte britische Politiker und Staatsmann David Lloyd George betonte: \u201eDie russischen Armeen besetzten Territorien, die nicht zu Polen geh\u00f6ren und die Polen nach dem Ersten Weltkrieg gewaltsam besetzt hatte\u2026 Es w\u00e4re ein Akt von verbrecherischem Wahnsinn, das russische Vorr\u00fccken auf ein Brett mit dem Vorr\u00fccken der Deutschen zu setzen\u201c.<\/p>\n<p>Bei informellen Gespr\u00e4chen mit dem bevollm\u00e4chtigten Vertreter der Sowjetunion Majskij redeten hochrangige englische Politiker und Diplomaten offener. Im Oktober 1939 teilte der damalige britische Vize-Au\u00dfenminister, R. Butler, mit, dass in englischen Regierungskreisen die Meinung vertreten werde, dass von der R\u00fcckgabe der West-Ukraine und Wei\u00dfrusslands an Polen keine Rede sein k\u00f6nne. Wenn es gelungen w\u00e4re, ein ethnographisches Polen von bescheidener Gr\u00f6\u00dfe, mit einer Garantie nicht nur der UdSSR und Deutschlands, sondern auch Englands und Frankreichs zu gr\u00fcnden, w\u00fcrde die britische Regierung sich als sehr zufriedengestellt betrachten, so der Diplomat.<\/p>\n<figure id=\"attachment_8328\" aria-describedby=\"caption-attachment-8328\" style=\"width: 940px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"8328\" data-permalink=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?attachment_id=8328\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/rede_putin_tds_2020_03.jpg?fit=940%2C580&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"940,580\" data-comments-opened=\"0\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"rede_putin_tds_2020_03\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/rede_putin_tds_2020_03.jpg?fit=800%2C494&amp;ssl=1\" class=\"wp-image-8328 size-full\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/rede_putin_tds_2020_03.jpg?resize=800%2C494&#038;ssl=1\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"494\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/rede_putin_tds_2020_03.jpg?w=940&amp;ssl=1 940w, https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/rede_putin_tds_2020_03.jpg?resize=300%2C185&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/rede_putin_tds_2020_03.jpg?resize=768%2C474&amp;ssl=1 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-8328\" class=\"wp-caption-text\">Der Verteidigungsminister, Genosse Armeegeneral Sergei Schoigu, erstattet dem Oberbefehlshaber der Streitkr\u00e4fte Bericht nach seiner Inspektion der angetretenen Ehrenformationen. Foto: kremlin.ru<\/figcaption><\/figure>\n<p>Am 27. Oktober 1939 sagte einer der wichtigsten Berater Chamberlains, H. Wilson: \u201ePolen ist \u2026 als eigenst\u00e4ndiger Staat auf seiner ethnographischen Basis wiederherzustellen, jedoch ohne die West-Ukraine und Wei\u00dfrussland.<\/p>\n<p>Erw\u00e4hnenswert ist, dass w\u00e4hrend dieses Gespr\u00e4chs ein Versuchsballon f\u00fcr die Verbesserung der sowjetisch-britischen Beziehungen lanciert wurde. Diese Kontakte legten in vieler Hinsicht den Grundstein f\u00fcr die k\u00fcnftige Anti-Hitler-Koalition. Unter den verantwortlichen weitsichtigen Politikern zeichnete sich W. Churchill ab, der trotz der bekannten Antipathie gegen\u00fcber der UdSSR auch fr\u00fcher f\u00fcr eine Zusammenarbeit mit ihr pl\u00e4dierte. Noch im Mai 1939 sagte er im Haus der Gemeinen: \u201eWir werden in eine t\u00f6dliche Gefahr geraten, wenn wir kein gro\u00dfes B\u00fcndnis gegen die Aggression werden aufbauen k\u00f6nnen. Es w\u00e4re die gr\u00f6\u00dfte Dummheit, wenn wir die nat\u00fcrliche Zusammenarbeit mit Sowjetrussland ablehnen w\u00fcrden\u201c. Und schon nach Beginn der Kampfhandlungen in Europa \u2013 bei dem Treffen mit I. Majskij am 6. Oktober 1939 \u2013 sagte er vertraulich: \u201e\u2026Zwischen Gro\u00dfbritannien und der UdSSR gibt es keine gro\u00dfen Widerspr\u00fcche, und daher gibt es keinen Grund f\u00fcr angespannte und unbefriedigende Beziehungen. Die britische Regierung\u2026 m\u00f6chte die Handelsbeziehungen ausbauen\u2026 Sie w\u00fcrde auch bereit sein, alle anderen Ma\u00dfnahmen zu diskutieren, die zur Verbesserung der Beziehungen beitragen k\u00f6nnten\u201c.<\/p>\n<p>Der Zweite Weltkrieg brach nicht von heute auf morgen aus, er begann nicht unerwartet, nicht pl\u00f6tzlich. Und die deutsche Aggression gegen Polen war auch nicht unerwartet. Es ist das Ergebnis vieler Tendenzen und Faktoren in der Weltpolitik jener Zeit. Alle Vorkriegsereignisse reihten sich in eine schicksalhafte Kette ein. Aber das Wichtigste, was die gr\u00f6\u00dfte Trag\u00f6die in der Geschichte der Menschheit vorbestimmte, war nat\u00fcrlich der staatliche Egoismus, die Feigheit, die Nachsicht gegen\u00fcber einem Aggressor, der an St\u00e4rke gewann, und die Nichtbereitschaft der politischen Eliten, einen Kompromiss zu suchen.<\/p>\n<p>Daher ist es ungerecht zu behaupten, dass der zweit\u00e4gige Besuch des Nazi-Au\u00dfenministers Ribbentrop in Moskau der zentrale Grund ist, der zum Zweiten Weltkrieg gef\u00fchrt hat. Alle f\u00fchrenden L\u00e4nder haben seinen Ausbruch in dem einen oder anderem Ma\u00dfe zu verantworten. Jedes von denen hat nicht wieder gut zu machende Fehler in der selbstgef\u00e4lligen Zuversicht begangen, dass man andere \u00fcberlisten, einseitige Vorteile f\u00fcr sich gewinnen und dem heranr\u00fcckenden globalen Unheil ausweichen kann. F\u00fcr diese Kurzsichtigkeit, f\u00fcr den Verzicht auf die Schaffung eines Systems der kollektiven Sicherheit mussten Millionen Menschen mit ihrem Leben und riesigen Verlusten zahlen.<\/p>\n<p>Ich schreibe das ohne die geringste Absicht, die Rolle eines Richters zu \u00fcbernehmen, jemanden zu beschuldigen oder zu rechtfertigen oder gar eine neue Runde der internationalen Informationskonfrontation im historischen Bereich loszutreten, die Staaten und V\u00f6lker gegeneinander aufbringen kann. Ich bin der Meinung, dass die Suche nach ausgewogenen Bewertungen vergangener Ereignisse der akademischen Wissenschaft mit einer breiten Vertretung namhafter Forscher \u00fcberlassen werden sollte. Wir alle brauchen Wahrheit und Objektivit\u00e4t. Ich pers\u00f6nlich habe meine Kollegen immer zu einem ruhigen, offenen und vertrauensvollen Dialog aufgefordert, zu einem selbstkritischen und unvoreingenommenen Blick auf die gemeinsame Vergangenheit. Ein solcher Ansatz wird es uns erm\u00f6glichen, die damals begangenen Fehler nicht mehr zu wiederholen und eine friedliche und erfolgreiche Entwicklung f\u00fcr die kommenden vielen Jahre sicherzustellen.<\/p>\n<p>Viele unserer Partner sind jedoch noch nicht bereit, zusammenzuarbeiten. Im Gegenteil, um ihre Ziele zu erreichen, erh\u00f6hen sie die Anzahl und das Ausma\u00df der Informationsangriffe gegen unser Land, wollen es dazu bringen, dass es sich rechtfertigt und schuldig f\u00fchlt; sie verabschieden durch und durch\u00a0 scheinheilige politisierte Resolutionen. So wurde in der am 19. September 2019 vom Europ\u00e4ischen Parlament gebilligten Entschlie\u00dfung zur \u201eErhaltung des historischen Ged\u00e4chtnisses f\u00fcr die Zukunft Europas\u201c die UdSSR zusammen mit Nazideutschland direkt beschuldigt, den Zweiten Weltkrieg entfesselt zu haben. Es fehlte nat\u00fcrlich jegliche Erw\u00e4hnung von M\u00fcnchen.<\/p>\n<p>Ich glaube, dass derartige \u201ePapiere\u201d \u2013 ich kann diese Resolution nicht als Dokument bezeichnen \u2013 offenbar Skandale bezwecken und reale Gefahren in sich bergen. Immerhin wurde sie von einem sehr angesehenen Organ verabschiedet. Und was hat dieses damit demonstriert? So traurig es auch klingen mag: eine bewusste Politik der Zerst\u00f6rung der Nachkriegsweltordnung, deren Schaffung eine Frage der Ehre und Verantwortung f\u00fcr die L\u00e4nder war, von denen einige Vertreter heute f\u00fcr diese verlogene Resolution gestimmt haben. Und damit erheben sie die Hand gegen die Schl\u00fcsse des N\u00fcrnberger Tribunals und die Bem\u00fchungen der Weltgemeinschaft, welche nach dem Sieg von 1945 universelle internationale Institutionen schuf. Ich erinnere in diesem Zusammenhang daran, dass selbst der Prozess der europ\u00e4ischen Integration, bei dem die entsprechenden Strukturen einschlie\u00dflich des Europ\u00e4ischen Parlaments geschaffen wurden, nur dank den Lehren aus der Vergangenheit, ihrer klaren rechtlichen und politischen Einsch\u00e4tzung m\u00f6glich wurde. Und diejenigen, die diesen Konsens bewusst in Frage stellen, zerst\u00f6ren die Grundlagen des Nachkriegseuropas.<\/p>\n<p>Neben der Bedrohung f\u00fcr die Grundprinzipien der Weltordnung gibt es auch eine moralische Seite. Spott und Hohn gegen\u00fcber dem Gedenken \u2013 das ist eine\u00a0Gemeinheit. Eine Gemeinheit kann absichtlich, scheinheilig und v\u00f6llig bewusst sein, wenn in den Erkl\u00e4rungen zum 75. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs alle Mitglieder der Anti-Hitler-Koalition aufgelistet werden \u2013 au\u00dfer der UdSSR. Eine Gemeinheit kann feige sein, wenn Denkm\u00e4ler abgerissen werden, die zu Ehren der K\u00e4mpfer gegen den Nationalsozialismus errichtet wurden, w\u00e4hrend dieses besch\u00e4mende Verhalten mit verlogenen Kampfparolen gegen eine unliebsame Ideologie und eine angebliche Besetzung gerechtfertigt wird. Eine Gemeinheit kann auch blutig sein, wenn diejenigen, die sich gegen Neonazis und die Nachfahren von Bandera einsetzen, get\u00f6tet und verbrannt werden. Ich wiederhole: Eine Gemeinheit manifestiert sich auf verschiedene Weise, deswegen h\u00f6rt sie aber nicht auf, ekelhaft zu sein.<\/p>\n<figure id=\"attachment_8329\" aria-describedby=\"caption-attachment-8329\" style=\"width: 940px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"8329\" data-permalink=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?attachment_id=8329\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/rede_putin_tds_2020_04.jpg?fit=940%2C580&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"940,580\" data-comments-opened=\"0\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"rede_putin_tds_2020_04\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/rede_putin_tds_2020_04.jpg?fit=800%2C494&amp;ssl=1\" class=\"wp-image-8329 size-full\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/rede_putin_tds_2020_04.jpg?resize=800%2C494&#038;ssl=1\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"494\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/rede_putin_tds_2020_04.jpg?w=940&amp;ssl=1 940w, https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/rede_putin_tds_2020_04.jpg?resize=300%2C185&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/rede_putin_tds_2020_04.jpg?resize=768%2C474&amp;ssl=1 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-8329\" class=\"wp-caption-text\">Pr\u00e4sident Putin bei seiner Ansprache zum 75. Jahrestag des Sieges im Gro\u00dfen Vaterl\u00e4ndischen Krieg. Foto: kremlin.ru<\/figcaption><\/figure>\n<p>Das Vergessen der Lehren aus der Geschichte wird unweigerlich hart bestraft. Wir werden die Wahrheit auf der Grundlage dokumentierter historischer Fakten entschlossen verteidigen und auch weiterhin ehrlich und unparteiisch \u00fcber die Ereignisse des Zweiten Weltkriegs sprechen. Diesem Ziel soll auch ein russisches Gro\u00dfprojekt zur Schaffung der gr\u00f6\u00dften Sammlung von Archivdokumenten, Film- und Fotomaterialien \u00fcber die Geschichte des Zweiten Weltkriegs und der Vorkriegszeit dienen.<\/p>\n<p>Diese Arbeit ist bereits im Gange. Bei der Vorbereitung dieses Artikels habe ich auch viele neue, k\u00fcrzlich gefundene und freigegebene Materialien verwendet. Und aus diesem Grund kann ich mit voller Verantwortung sagen, dass es keine Archivdokumente gibt, welche die Version \u00fcber die Absicht der UdSSR best\u00e4tigen w\u00fcrden, einen Pr\u00e4ventivkrieg gegen Deutschland zu entfesseln. Ja, die sowjetische Milit\u00e4rf\u00fchrung hielt sich an die Doktrin, dass die Rote Armee im Falle einer Aggression den Feind schnell abwehren, in die Offensive gehen und den Krieg auf feindlichem Gebiet weiterf\u00fchren soll. Solche strategischen Pl\u00e4ne bedeuteten jedoch keineswegs die Absicht, Deutschland zuerst anzugreifen.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich verf\u00fcgen die Historiker heute \u00fcber Dokumente der Milit\u00e4rplanung, die Richtlinien sowjetischer und deutscher Milit\u00e4rst\u00e4be. Schlie\u00dflich wissen wir, wie sich die Ereignisse in der Tat entwickelt haben. Von der H\u00f6he dieses Wissens aus sprechen viele \u00fcber das Vorgehen, die Fehler und Fehleinsch\u00e4tzungen der milit\u00e4rpolitischen F\u00fchrung des Landes. In diesem Zusammenhang m\u00f6chte ich eines sagen: Neben einer Riesenflut an Desinformationen verschiedener Art erhielten die sowjetischen Spitzenpolitiker auch wahrhaftige Informationen \u00fcber die bevorstehende Aggression der Nazis. In den Vorkriegsmonaten unternahmen sie also Schritte, um die Kampfbereitschaft des Landes zu erh\u00f6hen, darunter auch die heimliche Einberufung eines Teils der Wehrpflichtigen zu \u00dcbungen und die Verlegung von Formationen und Reserven n\u00e4her an die Westgrenze.<\/p>\n<p>Der Krieg kam nicht pl\u00f6tzlich: Man erwartete ihn und bereitete sich darauf vor. Aber der Schlag der Nazis hatte in der Tat eine noch nie gesehene zerst\u00f6rerische Kraft. Am 22. Juni 1941 war die Sowjetunion mit der m\u00e4chtigsten, am st\u00e4rksten mobilisierten und ausgebildeten Armee der Welt konfrontiert, der das industrielle, wirtschaftliche und milit\u00e4rische Potenzial von ganz Europa zur Verf\u00fcgung stand. An dieser t\u00f6dlichen Invasion nahmen nicht nur die Wehrmacht, sondern auch die Satellitenstaaten Deutschlands, die Milit\u00e4rkontingente vieler anderer L\u00e4nder des europ\u00e4ischen Kontinents teil.<\/p>\n<p>Die schwersten milit\u00e4rischen Niederlagen von 1941 brachten das Land an den Rand einer Katastrophe. Die Kampfbereitschaft und die Kontrolle mussten durch au\u00dfergew\u00f6hnliche Methoden wiederhergestellt werden, durch die allgemeine Mobilisierung und durch die Anstrengung aller Kr\u00e4fte des Staates und des Volkes. Bereits im Sommer 1941 begann unter dem Beschuss des Feindes die Evakuierung von Millionen von B\u00fcrgern, Hunderten von Fabriken und Industrien in den Osten des Landes. In k\u00fcrzester Zeit wurde im Hinterland die Produktion von Waffen und Munition in die Wege geleitet; diese trafen bereits im ersten Kriegswinter an der Front ein, und bis zum Jahr 1943 wurde die Kriegsproduktion Deutschlands und seiner Verb\u00fcndeten \u00fcberholt. Innerhalb von eineinhalb Jahren vollbrachten die sowjetischen Menschen etwas, was als unm\u00f6glich erschien, sowohl an der Front wie auch in der Etappe. Und es ist immer noch schwer zu erkennen, zu verstehen und sich vorzustellen, welche unglaublichen Anstrengungen, Mut und Hingabe diese gro\u00dfen Erfolge erforderten.<\/p>\n<p>Gegen die m\u00e4chtige, bis an die Z\u00e4hne bewaffnete, kaltbl\u00fctige und aggressive Nazi-Maschinerie erhob sich die gigantische Kraft der sowjetischen Gesellschaft, vereint durch den Wunsch, ihr Heimatland zu sch\u00fctzen, sich am Feind zu r\u00e4chen, der das friedliche Leben, Pl\u00e4ne und Hoffnungen zerbrach und zerschmetterte.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich \u00fcberkamen manche Menschen w\u00e4hrend dieses schrecklichen, blutigen Krieges Angst, Verwirrung und Verzweiflung. Es gab Verrat und Fahnenflucht. Die brutalen Risse, die durch die Revolution und den B\u00fcrgerkrieg entstanden waren, sowie der Nihilismus, die sp\u00f6ttische Haltung gegen\u00fcber der nationalen Geschichte, den Traditionen und dem Glauben \u2013 all dies, was die Bolschewiki durchzusetzen versuchten \u2013 machte sich besonders in den ersten Jahren nach ihrer Macht\u00fcbernahme bemerkbar. Aber die allgemeine Haltung der sowjetischen B\u00fcrger und unserer Landsleute, die sich im Ausland befanden, war anders \u2013 es ging ihnen um die Rettung und Bewahrung ihrer Heimat. Es war ein echter, unaufhaltsamer Impuls. Die Menschen versuchten, in wahren patriotischen Werten ihre St\u00fctze zu finden.<\/p>\n<p>Die \u201eStrategen<strong>\u201d<\/strong>\u00a0der Nazis waren \u00fcberzeugt, dass ein riesiger multinationaler Staat leicht zerschlagen werden k\u00f6nnte. Man rechnete damit, dass der unerwartete Krieg, seine Unbarmherzigkeit und die dadurch entstandene unertr\u00e4gliche Last die interethnischen Beziehungen zwangsl\u00e4ufig zuspitzen w\u00fcrden, und dass man auf diese Weise das Land werde leicht zerst\u00fcckeln k\u00f6nnen. Hitler erkl\u00e4rte auch unverbl\u00fcmt, dass die deutsche Politik gegen\u00fcber den V\u00f6lkern, die in den Weiten Russlands lebten, darin bestehen sollte, dort jede Form von Zwietracht und Spaltung zu s\u00e4en.<\/p>\n<p>Aber vom ersten Tag an wurde klar, dass der Plan der Nazis gescheitert war. Die Festung Brest wurde von Soldaten von mehr als drei\u00dfig Ethnien bis zum letzten Blutstropfen verteidigt. Im Laufe des gesamten Krieges \u2013 sowohl in gro\u00dfen entscheidenden Schlachten als auch bei der Verteidigung jedes Br\u00fcckenkopfes, jedes Meters des Heimatlandes \u2013 sehen wir Beispiele f\u00fcr diese Einheit.<\/p>\n<p>F\u00fcr Millionen von Evakuierten wurden die Wolga-Region und der Ural, Sibirien und Fernost, die Republiken Zentralasiens und des Kaukasus zu ihrer Heimat. Ihre Bewohner teilten sich alles, was sie noch hatten, und unterst\u00fctzten sich gegenseitig wie sie nur konnten. Die Freundschaft der V\u00f6lker und deren gegenseitige Unterst\u00fctzung wurde f\u00fcr den Feind zu einer echten unzerst\u00f6rbaren Festung.<\/p>\n<p>Den grundlegenden und entscheidenden Beitrag zur Zerschlagung des Nazismus leisteten die Sowjetunion und die Rote Armee \u2013 egal was man zu beweisen versucht. Die Helden, die bis zum Ende k\u00e4mpften, eingekesselt bei Bialystok und Mogilev, Uman und Kiew, Wjasma und Charkow. Sie gingen in die Offensive in der N\u00e4he von Moskau und Stalingrad, Sewastopol und Odessa, Kursk und Smolensk. Sie befreiten Warschau, Belgrad, Wien und Prag. Sie st\u00fcrmten K\u00f6nigsberg und Berlin.<\/p>\n<p>Wir setzen uns f\u00fcr die wirkliche, nicht gegl\u00e4ttete oder lackierte Wahrheit \u00fcber den Krieg ein. Diese volkst\u00fcmliche, menschliche Wahrheit \u2013 hart, bitter und gnadenlos \u2013 wurde uns gr\u00f6\u00dftenteils von Schriftstellern und Dichtern vermittelt, die durch das Feuer und die H\u00f6lle der Front gingen. F\u00fcr mich, wie auch f\u00fcr andere Generationen, hinterlie\u00dfen ihre ehrlichen und tiefen Geschichten, ihre Romane, ihre durchdringende \u201eLeutnant-Prosa\u201c und die Gedichte f\u00fcr immer eine Spur in der Seele, sie wurden zu einem Testament, das uns sagte, die Veteranen zu ehren, die f\u00fcr den Sieg alles in ihrer Macht stehende getan haben, und uns an die diejenigen erinnern, die auf den Schlachtfeldern gefallen sind.<\/p>\n<p>Und heute sind die einfachen und gro\u00dfartigen Zeilen von Alexander Twardowskis Gedicht \u201eIch wurde bei Rschew get\u00f6tet \u2026\u201c \u2013 einem Gedicht, das den Teilnehmern der blutigen und brutalen Schlacht des Gro\u00dfen Vaterl\u00e4ndischen Krieges im zentralen Teil der sowjetisch-deutschen Front gewidmet ist \u2013 einfach ersch\u00fctternd. Allein bei den K\u00e4mpfen um die Stadt Rschew und den Frontvorsprung von Rschew vom Oktober 1941 bis M\u00e4rz 1943 verlor die Rote Armee einschlie\u00dflich der Verwundeten und Vermissten 1.342.888 Menschen. Ich nenne diese be\u00e4ngstigenden, tragischen, noch unvollst\u00e4ndigen und aus Archivquellen stammenden Zahlen zum ersten Mal, als Hommage an die Leistung der bekannten sowie der namenlosen Helden, von denen in den Nachkriegsjahren aus verschiedenen Gr\u00fcnden ungerecht, wenig oder gar nicht gesprochen wurde.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte ein weiteres Dokument vorbringen. Es ist der Bericht der Internationalen Kommission f\u00fcr deutsche Reparationen unter der Leitung von I. Maysky, der im Februar 1945 erstellt wurde. Aufgabe der Kommission war es, die Formel festzulegen, gem\u00e4\u00df der das besiegte Deutschland die erlittenen Sch\u00e4den der Siegerm\u00e4chte kompensieren sollte. Die Kommission kam zu folgendem Schluss: \u201eDie Zahl der Soldatentage, die Deutschland an der sowjetischen Kriegsfront verbracht hat, \u00fcbersteigt die Zahl der Soldatentage an allen anderen alliierten Fronten um mindestens das Zehnfache. Die sowjetische Front vernichtete auch vier F\u00fcnftel der deutschen Panzer und etwa zwei Drittel der deutschen Flugzeuge.\u201c Insgesamt entfielen auf die UdSSR rund 75 Prozent aller milit\u00e4rischen Bem\u00fchungen der Anti-Hitler-Koalition. Zur Kriegszeit hatte die Rote Armee 626 Divisionen der Achsenm\u00e4chte \u201aaufgerieben\u2018, davon waren 508 deutsche.<\/p>\n<p>Am 28. April 1942 erkl\u00e4rte Roosevelt in seiner Ansprache an die amerikanische Nation, dass die russischen Truppen mehr Soldaten, Flugzeuge, Panzer und Kanonen des gemeinsamen Feinds vernichtet h\u00e4tten und weiter vernichten w\u00fcrden, als alle \u00fcbrigen alliierten Nationen zusammengenommen. In seinem Schreiben vom 27. September 1944 an Stalin \u00a0schrieb Churchill, dass es die russische Armee gewesen sei, die das Eingeweide der deutschen Milit\u00e4rmaschinerie herausgeschnitten habe.<\/p>\n<p>Diese Einsch\u00e4tzung hatte weltweit Anklang gefunden. Denn diese Worte enthalten ebenjene gro\u00dfe Wahrheit, die damals niemand in Frage stellte. Fast 27 Millionen Sowjetb\u00fcrger starben an den Fronten in deutscher Gefangenschaft, an Hunger oder unter Bombenangriffen in den Ghettos und \u00d6fen der Todeslager der Nazis. Die UdSSR verlor jeden siebten B\u00fcrger, Gro\u00dfbritannien jeden 127. und die USA jeden 320. Leider ist diese Zahl der schwersten, nicht wiedergutzumachenden Verluste der Sowjetunion nicht schl\u00fcssig. Es ist notwendig, die sorgf\u00e4ltige Arbeit fortzusetzen, um die Namen und das Schicksal aller Toten wiederherzustellen: Soldaten der Roten Armee, Partisanen, Untergrundarbeiter, Kriegsgefangene und Gefangene in Konzentrationslagern, von Strafbrigaden get\u00f6tete Zivilisten. Es ist unsere Pflicht. Und hier kommt den Teilnehmern von Suchbewegungen, milit\u00e4rpatriotischen und freiwilligen Vereinigungen eine besondere Rolle zu. Und nat\u00fcrlich ist eine enge internationale Zusammenarbeit erforderlich, um dieses allgemeinhumanit\u00e4re Problem zu l\u00f6sen.<\/p>\n<p>Den Sieg brachten die Bem\u00fchungen aller L\u00e4nder und V\u00f6lker, die mit einem gemeinsamen Feind k\u00e4mpften. Die britische Armee verteidigte ihre Heimat vor einer Invasion, k\u00e4mpfte gegen die Nazis und deren Satellitenstaaten im Mittelmeer und in Nordafrika. Amerikanische und britische Truppen befreiten Italien und er\u00f6ffneten die Zweite Front. Die Vereinigten Staaten versetzten dem Angreifer im Pazifik vernichtende Schl\u00e4ge. Wir erinnern uns an die kolossalen Opfer des chinesischen Volkes und ihre enorme Rolle bei der Zerschlagung der japanischen Militaristen. Vergessen wir nicht die K\u00e4mpfer von \u201eLa France libre\u201d, die die besch\u00e4mende Kapitulation nicht anerkannten und den Kampf gegen die Nazis fortsetzten.<\/p>\n<p>Wir werden auch f\u00fcr die Hilfe stets dankbar sein, die die Alliierten der Roten Armee mit Munition, Rohstoffen, Verpflegung, Technik leisteten. Und das war eine betr\u00e4chtliche Unterst\u00fctzung, die ca. sieben Prozent der gesamten Kriegsproduktion der Sowjetunion ausmachte.<\/p>\n<p>Der Kern der Anti-Hitler-Koalition nahm unmittelbar nach dem Angriff auf die Sowjetunion Gestalt an, als die Vereinigten Staaten und Gro\u00dfbritannien das Land im Kampf gegen Nazideutschland bedingungslos unterst\u00fctzten. W\u00e4hrend der Teheraner Konferenz von 1943 bildeten Stalin, Roosevelt und Churchill ein B\u00fcndnis von Gro\u00dfm\u00e4chten, einigten sich auf die Entwicklung der Koalitionsdiplomatie und einer gemeinsamen Strategie im Kampf gegen die gemeinsame t\u00f6dliche Bedrohung. Die F\u00fchrer der Gro\u00dfen Troika hatten ein klares Verst\u00e4ndnis davon, dass die Kombination der industriellen, ressourcenbezogenen und milit\u00e4rischen Potenziale der UdSSR, der USA und Gro\u00dfbritanniens ihnen eine unbestreitbare \u00dcberlegenheit gegen\u00fcber dem Feind verschaffen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Die Sowjetunion kam ihren Verpflichtungen gegen\u00fcber den Alliierten vollumf\u00e4nglich nach und half stets mit. So unterst\u00fctzte die Rote Armee mit ihrer Gro\u00dfoperation \u201eBagration\u201c in Wei\u00dfrussland die Landung angloamerikanischer Truppen in der Normandie. Im Januar 1945, als unsere Soldaten bis zur Oder durchbrachen, setzten sie der letzten m\u00e4chtigen Offensive der Wehrmacht an der Westfront in den Ardennen ein Ende. Und drei Monate nach dem Sieg \u00fcber Deutschland erkl\u00e4rte die UdSSR Japan den Krieg in voller \u00dcbereinstimmung mit den Abkommen von Jalta und besiegte die millionenstarke Kwantung-Armee.<\/p>\n<p>Bereits im Juli 1941 erkl\u00e4rte die sowjetische F\u00fchrung: \u201eDer Zweck des Krieges gegen die faschistischen Unterdr\u00fccker ist nicht nur die Beseitigung der Bedrohung unseres Landes, sondern auch die Unterst\u00fctzung aller V\u00f6lker Europas, die unter dem Joch des deutschen Faschismus st\u00f6hnen.\u201c Mitte 1944 wurde der Feind von nahezu dem gesamten sowjetischen Territorium vertrieben. Aber er musste in seiner eigenen H\u00f6hle erledigt werden. Und die Rote Armee begann eine Befreiungsmission in Europa, rettete ganze Nationen vor Zerst\u00f6rung und Versklavung, vor dem Schrecken des Holocaust. Gerettet mit dem Preis von Hunderttausenden von Leben sowjetischer Soldaten.<\/p>\n<p>Es ist auch wichtig, die enorme materielle Unterst\u00fctzung nicht zu vergessen, die die UdSSR den befreiten L\u00e4ndern bei der Beseitigung der Hungergefahr, bei der Wiederherstellung der Wirtschaft und der Infrastruktur geleistet hat. Sie tat dies zu einer Zeit, als tausende Kilometer von Brest nach Moskau und bis zur Wolga mit Asche bedeckt waren. So bat beispielsweise die \u00f6sterreichische Regierung im Mai 1945 die UdSSR um Unterst\u00fctzung bei der Nahrungsmittelversorgung, da sie \u201enicht wusste, wie sie ihre Bev\u00f6lkerung in den n\u00e4chsten sieben Wochen bis zur neuen Ernte ern\u00e4hren sollte\u201c. Die Zustimmung der sowjetischen F\u00fchrung, Lebensmittel an \u00d6sterreich zu schicken, bezeichnete der Staatskanzler der Provisorischen Staatsregierung der \u00d6sterreichischen Republik, K. Renner, als \u201eein Rettungsakt \u2026\u201c, den \u201edie \u00d6sterreicher niemals vergessen werden\u201c.<\/p>\n<p>Die Alliierten gr\u00fcndeten gemeinsam das Internationale Milit\u00e4rgericht, das Kriegs- und politische Verbrecher Nazideutschlands bestrafen sollte. Seine Entscheidungen geben eine klare rechtliche Einsch\u00e4tzung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit wie V\u00f6lkermord, ethnische und religi\u00f6se S\u00e4uberungen, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit. Das N\u00fcrnberger Tribunal verurteilte direkt und eindeutig Nazi-Komplizen, Kollaborateure verschiedener Schattierungen.<\/p>\n<p>Dieses besch\u00e4mende Ph\u00e4nomen gab es in allen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern. Solche Figuren wie P\u00e9tain, Quisling, Wlasow, Bandera sowie ihre Handlanger und Anh\u00e4nger sind Verr\u00e4ter und Henker, obwohl sie sich als K\u00e4mpfer f\u00fcr nationale Unabh\u00e4ngigkeit oder Freiheit vom Kommunismus verkleideten. In der Unmenschlichkeit \u00fcbertrafen sie oft ihre Meister. In dem Versuch, sich die Gunst ihrer Anf\u00fchrer zu sichern, f\u00fchrten sie als Teil spezieller Strafgruppen die unmenschlichsten Aufgaben bereitwillig aus. Sie haben die Hinrichtung in Babi Yar, das Massaker von Wolhynien, das verbrannte Chatyn und die Vernichtung von Juden in Litauen und Lettland auf dem Gewissen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_8330\" aria-describedby=\"caption-attachment-8330\" style=\"width: 940px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"8330\" data-permalink=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?attachment_id=8330\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/rede_putin_tds_2020_05.jpg?fit=940%2C580&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"940,580\" data-comments-opened=\"0\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"rede_putin_tds_2020_05\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/rede_putin_tds_2020_05.jpg?fit=800%2C494&amp;ssl=1\" class=\"wp-image-8330 size-full\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/rede_putin_tds_2020_05.jpg?resize=800%2C494&#038;ssl=1\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"494\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/rede_putin_tds_2020_05.jpg?w=940&amp;ssl=1 940w, https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/rede_putin_tds_2020_05.jpg?resize=300%2C185&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/rede_putin_tds_2020_05.jpg?resize=768%2C474&amp;ssl=1 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-8330\" class=\"wp-caption-text\">Nach der Milit\u00e4rparade legten Pr\u00e4sident Putin und ausl\u00e4ndische Staatsoberh\u00e4upter Blumen am Grabmahl des Unbekannten Soldaten an der Kremlmauer nieder. Foto: kremlin.ru<\/figcaption><\/figure>\n<p>Und heute bleibt unsere Position unver\u00e4ndert: Es kann f\u00fcr die kriminellen Taten von Nazi-Komplizen keine Rechtfertigung geben, diese haben keine Verj\u00e4hrungsfrist. Daher ist es verbl\u00fcffend, wenn in einer Reihe von L\u00e4ndern diejenigen, die sich durch die Zusammenarbeit mit den Nazis befleckt haben, pl\u00f6tzlich mit den Veteranen des Zweiten Weltkriegs gleichgesetzt werden. Ich halte es f\u00fcr unzul\u00e4ssig, Befreier und Besatzer gleichzusetzen. Und die Heroisierung der Nazi-Komplizen kann nur als Verrat am Gedenken an unsere V\u00e4ter und Gro\u00dfv\u00e4ter angesehen werden. Der Verrat an jenen Idealen, die die V\u00f6lker im Kampf gegen den Nationalsozialismus vereinten.<\/p>\n<p>Damals standen die F\u00fchrer der UdSSR, der USA und Gro\u00dfbritanniens vor einer historischen Aufgabe. Stalin, Roosevelt und Churchill vertraten L\u00e4nder mit unterschiedlichen Ideologien, Bestrebungen, Interessen und Kulturen, zeigten jedoch gro\u00dfen politischen Willen, erhoben sich \u00fcber die Widerspr\u00fcche und Vorurteile und stellten die wahren Interessen der Welt in den Vordergrund. Infolgedessen konnten sie eine Einigung erzielen und eine L\u00f6sung finden, von der die gesamte Menschheit profitierte.<\/p>\n<p>Die Siegerm\u00e4chte haben uns ein System hinterlassen, das zum Inbegriff der intellektuellen und politischen Suche mehrerer Jahrhunderte geworden ist. Eine Reihe von Konferenzen \u2013 die Konferenzen von Teheran, Jalta, San Francisco, Potsdam \u2013 legte den Grundstein daf\u00fcr, dass die Welt trotz der akutesten Widerspr\u00fcche seit 75 Jahren ohne globalen Krieg lebt.<\/p>\n<p>Der historische Revisionismus, dessen Erscheinungen\u00a0 wir heute im Westen beobachten, und der vor allem das Thema des Zweiten Weltkrieges und dessen Ergebnisse betrifft, ist deshalb gef\u00e4hrlich, weil dadurch das Verst\u00e4ndnis von den Grunds\u00e4tzen einer friedlichen Entwicklung grob und zynisch verzerrt wird, die 1945 mit den Konferenzen von Jalta und San Francisco gestiftet wurden. Die wichtigste historische Errungenschaft von Jalta und weiteren Beschl\u00fcssen aus jener Zeit liegt in der Einigung auf einen Mechanismus, der es den f\u00fchrenden M\u00e4chten erm\u00f6glichen k\u00f6nnte, bei allen zwischen ihnen auftretenden Meinungsverschiedenheiten doch im durch die Diplomatie vorgegebenen Rahmen zu bleiben.<\/p>\n<p>Das 20. Jahrhundert brachte totale und allumfassende globale Konflikte mit sich, und 1945 kamen auch Atomwaffen ins Spiel, die die Erde physisch zerst\u00f6ren k\u00f6nnen. Mit anderen Worten ist die gewaltsame Beilegung von Streitigkeiten \u00e4u\u00dferst gef\u00e4hrlich geworden. Und die Sieger des Zweiten Weltkriegs haben das begriffen. Sie verstanden und erkannten ihre eigene Verantwortung gegen\u00fcber der Menschheit.<\/p>\n<p>Die traurige Erfahrung des V\u00f6lkerbundes wurde im Jahr 1945 ber\u00fccksichtigt. Die Struktur des UN-Sicherheitsrates wurde so gestaltet, um die Friedensgarantien m\u00f6glichst konkret und effektiv zu machen. So entstand das Institut der st\u00e4ndigen Mitglieder des Sicherheitsrates und damit das Veto als ihr Privileg und ihre Verantwortung.<\/p>\n<p>Was ist das Vetorecht im UN-Sicherheitsrat? Um es ganz klar auszudr\u00fccken, das ist die einzig vern\u00fcnftige Alternative zu einem direkten Zusammensto\u00df der gr\u00f6\u00dften L\u00e4nder. Das ist eine Erkl\u00e4rung einer der f\u00fcnf Gro\u00dfm\u00e4chte, dass eine Entscheidung f\u00fcr sie nicht akzeptabel ist, dass sie ihren Interessen und Vorstellungen \u00fcber die richtige Vorgehensweise widerspricht. Und andere L\u00e4nder, auch wenn sie damit nicht einverstanden sind, fassen diese Position als selbstverst\u00e4ndlich auf und geben die Versuche auf, ihre einseitigen Bestrebungen zu verwirklichen. Das hei\u00dft, auf die eine oder andere Weise, aber es m\u00fcssen Kompromisse gesucht werden.<\/p>\n<p>Eine neue globale Konfrontation begann fast unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und war zeitweise sehr heftig. Und die Tatsache, dass sich der Kalte Krieg nicht zum Dritten Weltkrieg auswuchs, best\u00e4tigte die Wirksamkeit der von der Gro\u00dfen Troika geschlossenen Abkommen. Die bei der Gr\u00fcndung der Vereinten Nationen vereinbarten Verhaltensregeln machten es m\u00f6glich, die Risiken weiter zu minimieren und die Konfrontation unter Kontrolle zu halten.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich sehen wir, dass das UN-System mit Spannung arbeitet und nicht mehr so effizient wie es das k\u00f6nnte. Die UNO erf\u00fcllt jedoch weiterhin ihre Kernfunktion. Die Prinzipien des UN-Sicherheitsrates sind ein einzigartiger Mechanismus zur Verhinderung eines gro\u00dfen Krieges oder eines globalen Konflikts.<\/p>\n<p>Die Aufrufe, die in den letzten Jahren h\u00e4ufig zu h\u00f6ren sind, das Veto aufzuheben und den st\u00e4ndigen Mitgliedern des Sicherheitsrates besondere M\u00f6glichkeiten zu entziehen, sind in Wirklichkeit unverantwortlich. Wenn dies geschehen w\u00fcrde, w\u00fcrden sich die Vereinten Nationen im Wesentlichen in ebenjenen V\u00f6lkerbund verwandeln \u2013 ein Treffen f\u00fcr leere Gespr\u00e4che, ohne Einflusshebel f\u00fcr die Weltprozesse. Wie das alles endete, ist ja bekannt. Deshalb machten sich die siegreichen M\u00e4chte mit \u00e4u\u00dferster Ernsthaftigkeit an die Bildung eines neuen Weltordnungssystems, um die Fehler ihrer Vorg\u00e4nger nicht zu wiederholen.<\/p>\n<p>Die Schaffung eines modernen Systems internationaler Beziehungen ist eines der wichtigsten Ergebnisse des Zweiten Weltkriegs. Selbst die unvereinbarsten Widerspr\u00fcche \u2013 geopolitische, ideologische, wirtschaftliche \u2013 beeintr\u00e4chtigen nicht die Suche nach Formen von friedlichem Zusammenleben und friedlicher Interaktion, wenn es den Wunsch und den Willen daf\u00fcr gibt. Heute erlebt die Welt nicht die friedlichsten Zeiten. Alles \u00e4ndert sich: vom globalen Gleichgewicht zwischen Macht und Einfluss bis zu den sozialen, wirtschaftlichen und technologischen Grundlagen des Lebens von Gesellschaften, Staaten und ganzen Kontinenten. In den vergangenen Epochen gingen Verschiebungen dieser Gr\u00f6\u00dfenordnung fast nie ohne gro\u00dfe milit\u00e4rische Konflikte und ohne Machtkampf um den Aufbau einer neuen globalen Hierarchie vonstatten. Dank der Weisheit und Weitsicht der politischen F\u00fchrer der alliierten M\u00e4chte konnte ein System geschaffen werden, das extreme Manifestationen dieser Rivalit\u00e4t verhindert, welche historisch der globalen Entwicklung innewohnt.<\/p>\n<p>Unsere Pflicht \u2013 also die Pflicht derjenigen, die die politische Verantwortung \u00fcbernehmen, insbesondere der Vertreter der Siegerm\u00e4chte im Zweiten Weltkrieg \u2013 ist es, sicherzustellen, dass dieses System erhalten bleibt und verbessert wird. Heute wie im Jahr 1945 ist es wichtig, politischen Willen zu zeigen und gemeinsam \u00fcber die Zukunft zu diskutieren. Unsere Kollegen \u2013 die Herren Xi Jinping, Macron, Trump, Johnson \u2013 unterst\u00fctzten die russische Initiative, ein Treffen der F\u00fchrer der f\u00fcnf Atomm\u00e4chte \u2013 der st\u00e4ndigen Mitglieder des Sicherheitsrates \u2013 abzuhalten. Wir danken ihnen daf\u00fcr und erwarten, dass ein solches pers\u00f6nliches Treffen zum fr\u00fchestm\u00f6glichen Zeitpunkt stattfinden kann.<\/p>\n<p>Was k\u00f6nnte aus unserer Sicht auf der Agenda des anstehenden Gipfels stehen? Vor allem ist es nach unserer Meinung sinnvoll, \u00fcber Ma\u00dfnahmen zu sprechen, mit denen das Kollektive in den internationalen Angelegenheiten gest\u00e4rkt werden kann, sich offen \u00fcber den Friedenserhalt auszutauschen, \u00fcber die Verbesserung der globalen und regionalen Sicherheit, die strategische R\u00fcstungskontrolle,\u00a0 das gemeinsamen Vorgehen gegen den Terrorismus, Extremismus, weitere dr\u00e4ngende Herausforderungen und Bedrohungen.<\/p>\n<p>Ein weiteres Thema, das auf der Tagesordnung des Treffens steht, ist die Situation in der Weltwirtschaft, vor allem die \u00dcberwindung der durch die Coronavirus-Pandemie verursachten Wirtschaftskrise. Unsere L\u00e4nder ergreifen beispiellose Ma\u00dfnahmen, um die Gesundheit und das Leben der Menschen zu sch\u00fctzen und die B\u00fcrger zu unterst\u00fctzen, die sich in einer schwierigen Situation wiederfinden. Wie schwerwiegend die Folgen der Pandemie sein werden, wie schnell die Weltwirtschaft aus der Rezession herauskommt, h\u00e4ngt von unserer F\u00e4higkeit ab, als echte Partner zusammenzuarbeiten. Dar\u00fcber hinaus ist es unzul\u00e4ssig, die Wirtschaft zu einem Instrument des Drucks und der Konfrontation zu machen. Zu den aktuellsten Themen z\u00e4hlen der Umweltschutz und der Kampf gegen den Klimawandel sowie die Gew\u00e4hrleistung der Sicherheit des globalen Informationsraums.<\/p>\n<p>Die von Russland vorgeschlagene Agenda des bevorstehenden \u201eF\u00fcnfer-Gipfels\u201c ist sowohl f\u00fcr unsere L\u00e4nder als auch f\u00fcr die ganze Welt \u00e4u\u00dferst wichtig und relevant. Und zu jedem Anhaltspunkt haben wir konkrete Ideen und Initiativen.<\/p>\n<p>Es besteht kein Zweifel daran, dass der Gipfel mit der Teilnahme Russlands, Chinas, Frankreichs, der Vereinigten Staaten und Gro\u00dfbritanniens eine wichtige Rolle bei der Suche nach gemeinsamen Antworten auf moderne Herausforderungen und Bedrohungen spielen und ein gemeinsames Engagement f\u00fcr den Geist des B\u00fcndnisses, die hohen humanistischen Ideale und Werte demonstrieren wird, f\u00fcr die unsere V\u00e4ter und Gro\u00dfv\u00e4ter Schulter an Schulter gek\u00e4mpft haben.<\/p>\n<p>Auf der Grundlage unseres gemeinsamen historischen Ged\u00e4chtnisses k\u00f6nnen und m\u00fcssen wir uns gegenseitig vertrauen. Dies wird als solide Grundlage f\u00fcr erfolgreiche Verhandlungen und konzertierte Ma\u00dfnahmen zur St\u00e4rkung der Stabilit\u00e4t und Sicherheit auf dem Planeten sowie f\u00fcr den Wohlstand und das Wohlergehen aller Staaten dienen. Dies ist \u2013 ohne \u00dcbertreibung \u2013 unsere gemeinsame Pflicht und Verantwortung gegen\u00fcber der ganzen Welt, gegen\u00fcber den gegenw\u00e4rtigen und den zuk\u00fcnftigen Generationen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Originalquelle:<\/strong><br \/>\n<a href=\"http:\/\/en.kremlin.ru\/events\/president\/news\/63527\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">http:\/\/en.kremlin.ru\/events\/president\/news\/63527<\/a><\/p>\n<p><strong>Deutsche \u00dcbersetzung:<\/strong><br \/>\n<a href=\"https:\/\/russische-botschaft.ru\/de\/2020\/06\/19\/75-jahrestag-des-grossen-sieges-gemeinsame-verantwortung-vor-geschichte-und-zukunft\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/russische-botschaft.ru\/de\/2020\/06\/19\/75-jahrestag-des-grossen-sieges-gemeinsame-verantwortung-vor-geschichte-und-zukunft\/<\/a><br \/>\nund<br \/>\n<a href=\"https:\/\/austria.mid.ru\/de\/pressestelle\/botschaftsnachrichten\/75_jahrestag_des_gro_en_sieges_eine_gemeinsame_verantwortung_gegen_ber_der_geschichte_und_der_zukunf\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/austria.mid.ru\/de\/pressestelle\/botschaftsnachrichten\/75_jahrestag_des_gro_en_sieges_eine_gemeinsame_verantwortung_gegen_ber_der_geschichte_und_der_zukunf\/<\/a><\/p>\n<p><strong>Als Podcast:<\/strong><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=6S8d2a6PRGY\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=6S8d2a6PRGY<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Siegesparade in Moskau am 24.06.2020:<\/strong><\/p>\n<p><strong>Bericht:<\/strong><br \/>\n<a href=\"http:\/\/en.kremlin.ru\/events\/president\/news\/63560\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">http:\/\/en.kremlin.ru\/events\/president\/news\/63560<\/a><\/p>\n<p><strong>Video:<\/strong><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=1DrPNvgC7W0\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=1DrPNvgC7W0<\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Download<\/strong><\/p>\n<p><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"1076\" data-permalink=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?attachment_id=1076\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/pdf_icon-2.png?fit=32%2C32&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"32,32\" data-comments-opened=\"0\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"pdf_icon\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/pdf_icon-2.png?fit=32%2C32&amp;ssl=1\" class=\"alignnone size-full wp-image-1076\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/pdf_icon-2.png?resize=32%2C32&#038;ssl=1\" alt=\"\" width=\"32\" height=\"32\" \/> Den <a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/200624-Moskau-v2.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Beitrag als PDF<\/a> ansehen oder herunterladen (ca. 726 KB)<\/p>\n<hr \/>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\">Beitragsbild oben: Wladimir Putin vor der Milit\u00e4rparade anl\u00e4sslich des 75. Jahrestages des Sieges im Gro\u00dfen Vaterl\u00e4ndischen Krieg, 24. Juni 2020. Foto: kremlin.ru<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als \u201eVersuch, die Geschichte umzuschreiben\u201c und \u201ePutins Geschichtsklitterung\u201c kommentieren die Medien des \u201eWertewestens\u201c einen Aufsatz des Pr\u00e4sidenten der Russl\u00e4ndischen F\u00f6deration, <b>Wladimir W. Putin<\/b>, zur Vorgeschichte des Zweiten Weltkrieges.<br \/>\nEs sind genau jene Kommentatoren, \u201eHistoriker\u201c und Medien, die den Beschluss des EU-Scheinparlaments vom September 2019 \u00fcber \u201edie Bedeutung der Erinnerung an die europ\u00e4ische Vergangenheit f\u00fcr die Zukunft Europas\u201c bejubeln. &#8230;.<br \/>\nDa man hierzulande (au\u00dfer bei RT deutsch und Sputnik sowie der Website der Russischen Botschaft) wenig Chancen hat, den \u201eO-Ton Putin\u201c zur Kenntnis zu nehmen, dokumentieren wir den vollst\u00e4ndigen Text.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":8334,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","advanced_seo_description":"","jetpack_seo_html_title":"","jetpack_seo_noindex":false,"jetpack_post_was_ever_published":false,"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[648,613,223,222,430,687],"class_list":["post-8325","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-frieden-antifaschismus-solidaritaet","tag-2-weltkrieg","tag-befreiung-vom-faschismus","tag-putin","tag-russland","tag-sowjetunion","tag-tag-der-befreiung"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/rede_putin_tds_2020_01_800x450.jpg?fit=800%2C450&ssl=1","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p9stpK-2ah","jetpack-related-posts":[{"id":19308,"url":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=19308","url_meta":{"origin":8325,"position":0},"title":"Warum die Wahrheit auf der Strecke bleiben soll","author":"Webredaktion","date":"11. 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Mai 2021: Befreiung von Faschismus und Krieg","author":"Webredaktion","date":"2. Mai 2021","format":false,"excerpt":"Erfreulicherweise werden die Tage der Befreiung und des Sieges in immer gr\u00f6\u00dferem B\u00fcndnisrahmen zur Kenntnis genommen und durch Aktionen gew\u00fcrdigt. Weniger erfreulich, dass Aktionen in diesem Jahr hier und da mit der Begr\u00fcndung \"des Infektionsgeschehens\" storniert werden. 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