{"id":8280,"date":"2020-06-20T13:04:49","date_gmt":"2020-06-20T11:04:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=8280"},"modified":"2020-08-01T23:46:16","modified_gmt":"2020-08-01T21:46:16","slug":"die-transformation-der-bildung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=8280","title":{"rendered":"Die Transformation der Bildung"},"content":{"rendered":"<div class=\"entry-content clearfix\">\n<p>Aus: <a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=8263\">\u201eFREIDENKER\u201c Nr. 2-20<\/a>, Juni 2020, S. 27-38, 79. Jahrgang<\/p>\n<p><em>von <\/em><strong><em>Annett Torres<br \/>\n<\/em><\/strong><\/p>\n<pre>Rede auf der Konferenz des Deutschen Freidenker-Verbandes \u201eDer tiefe Staat \u2013 oder: Wer regiert den Westen?\u201c am 16. November 2019 in Stuttgart<\/pre>\n<\/div>\n<h5>1. Die Transformation der Bildung<\/h5>\n<p>Bildung ist in aller Munde. Man spricht vom lebenslangen Lernen. Von Zeitfenstern, die sich f\u00fcr spezielle Bildungsinhalte \u00f6ffnen und wieder schlie\u00dfen sollen. Spr\u00fcche wie `Was H\u00e4nschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr`, &#8218;Wissen ist Macht&#8216; oder &#8218;Lernen, lernen und nochmals lernen&#8216; (Lenin) kennt sicherlich fast jeder. Eltern und Gro\u00dfeltern sind bestrebt, ihrem Z\u00f6gling das Beste auf den Lebensweg mitzugeben und \u00fcber die Dummheit anderer Menschen hat sich sicherlich jeder schon einmal aufgeregt.<\/p>\n<p>Wie sieht es allerdings mit dem Bildungsbegriff aus? Was ist eigentlich Bildung?<\/p>\n<p>Franz Stuhlhofer sch\u00e4tzt ein, da\u00df wir es gegenw\u00e4rtig mit einer sogenannten Wissensexplosion zu tun haben, unser Wissen verdoppelt sich alle 100 Jahre, und legte die Grundlagen einer Wissensmessung. Die Anzahl der Menschen mit wissenschaftlich-technischer Ausbildung betrug Mitte des 17. Jahrhunderts weniger als eine Million, zwischen 1850 und 1950 erh\u00f6hte diese sich auf 10 Millionen und zwischen 1950 und 2000 war ein Anstieg auf 100 Millionen zu verzeichnen.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><sup>[1]<\/sup><\/a><\/p>\n<p><strong>Der Humboldtsche Bildungsbegriff:<\/strong><\/p>\n<p>&#8222;Der wahre Zweck des Menschen, nicht der, welchen die wechselnde Neigung, sondern welche die ewig unver\u00e4nderliche Vernunft ihm vorschreibt, ist die h\u00f6chste und proportionierlichste Bildung seiner Kr\u00e4fte zu einem Ganzen. Zu dieser Bildung ist Freiheit die erste und unerl\u00e4\u00dfliche Bedingung.\u201c<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\"><sup>[2]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Der Kunstp\u00e4dagoge Jochen Krautz kommt diesem Bildungsbegriff recht nahe, indem er sagt: Bildung zielt auf ein reflexives Selbst-, Mit- und Weltverh\u00e4ltnis, sie zielt mit der Entwicklung der Individualit\u00e4t zugleich auf die Weiterentwicklung der Menschheit zu mehr Humanit\u00e4t. Sie h\u00e4ngt also ab von der M\u00f6glichkeit von Freiheit und steht unter dem Anspruch humaner Verantwortung.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\"><sup>[3]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Wilhelm von Humboldt konnte in der Zeit der preu\u00dfischen Rekonvaleszenz auf ein erstarkendes B\u00fcrgertum setzen und dadurch den Anspruch auf Allgemeinbildung f\u00f6rdern. Heute versteht man unter Humboldtschem Bildungsideal die zentrale Idee der Einheit von Forschung und Lehre an Universit\u00e4ten im Unterschied zu reinen Lehrprofessuren ohne Forschungsaufgaben.<\/p>\n<p><strong>Die transformatorische und relationale Bildung (80iger Jahre):<\/strong><\/p>\n<p>Seit den 1980er Jahren steht die bildungstheoretisch orientierte Biographieforschung zwischen der traditionell philosophischen Bildungstheorie und der empirischen Bildungsforschung im Vordergrund und will \u00fcber die Kategorie der Biographie zwischen beiden Bereichen vermitteln. Ziel ist dabei, den Bildungsbegriff zu pr\u00e4zisieren und so die Bildungstheorie f\u00fcr die Bildungsforschung und damit die Bildungspraxis anschlussf\u00e4hig zu machen.<\/p>\n<p><strong>Gegenw\u00e4rtige Ans\u00e4tze:<\/strong><\/p>\n<p>Bildung wird von Beate Richter als \u201eProzess der Transformation der Regel der Bedeutungsbildung einer Person unter Konfrontation mit der Regel der Bedeutungsbildung n\u00e4chsth\u00f6herer Ordnung definiert und als eine Struktur der \u00dcberg\u00e4nge zwischen Kontext-Regeln beschrieben, die ein Beobachter der Person im Interaktionsprozess zuschreibt\u201c<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\"><sup>[4]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Laut Birgit Papke ist \u201eBildung \u2026 ein Konstrukt in einem kulturellen und wissenschaftlichen Bezugsrahmen, \u2026 in dem Vorstellungen \u00fcber das Verh\u00e4ltnis von Person und Welt und die Entwicklung der Person in diesem Verh\u00e4ltnis formuliert und verdichtet werden. Beides unterliegt historischem und gesellschaftlichen Wandel.\u201c<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\"><sup>[5]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Am Ende eines solchen technisierten konstruktivistischen Bildungsbegriff mit angeschlossenen Me\u00dfapparaten steht der marktkonforme Homunculus. Die gegenw\u00e4rtig zentrale wissenschaftliche Auseinandersetzung in der P\u00e4dgogik l\u00e4\u00dft sich in der Frage zusammenfassen, ob Bildung me\u00dfbar ist oder nicht?<\/p>\n<h5>2. Historische Entwicklungstendenzen<\/h5>\n<p>Bildung kann nicht hoch genug gesch\u00e4tzt werden in ihrer Bedeutsamkeit f\u00fcr jedes Individuum. Sie erh\u00f6ht die Lebensqualit\u00e4t in allen Bereichen und ist damit lebensverl\u00e4ngernd.<\/p>\n<p>Die Voraussetzung f\u00fcr den Zugang zu Bildung als Menschenrecht ist die Gew\u00e4hrleistung der grundlegenderen Rechte wie Zugang zu sauberen Trinkwasser, gesicherter Ern\u00e4hrung, sicherem und hygienischem Wohnen und einkommenssichernder Arbeit (etwa acht Stunden am Tag) und damit ausreichender finanzieller M\u00f6glichkeiten und Freizeit f\u00fcr die Kinderaufzucht und weiterer individueller Interessen. Von der aktuellen Weltbev\u00f6lkerung lebten vor der sogenannten Coronakrise noch etwa ein Sechstel in bitterer Armut.<\/p>\n<p>Die industrielle Revolution in mehreren Etappen, die Erfindung des Buchdruckes, die Einf\u00fchrung einer allgemeinen Schulpflicht in mehreren Stufen (vierklassige, achtklassige, zehnklassige, zw\u00f6lf- bzw. dreizehnklassige Allgemeinbildung), der \u00f6ffentliche Zugang zu Bibliotheken und die Installation des Internetzes demokratisierten den Zugang zu Bildung.<\/p>\n<p>Die h\u00f6chste Lebenserwartung haben die Menschen in Monaco mit 89,52 Jahren, die geringste Lebenserwartung im afrikanischen Land Tschad mit 49,81 Jahren (Stand 2015). Vor 1800 erreichten nur elit\u00e4re kleine Gruppen wie etwa der englische Hochadel eine Lebenserwartung der M\u00e4nner von mehr als 40 Jahren. In Asien lag der Wert knapp darunter. In Europa lag die Lebenserwartung um 1820 bei etwa 36 Jahren. Sie war am geringsten in Spanien und am h\u00f6chsten in Schweden. In Japan lag sie bei 34 Jahren. Die durchschnittliche Lebenserwartung (zum Zeitpunkt der Geburt) betrug um 1800 weltweit h\u00f6chstens 30 Jahre, nur selten 35 Jahre. Mehr als die H\u00e4lfte der Menschen erreichten nicht das Erwachsenenalter.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\"><sup>[6]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Seit dem 19. Jahrhundert stieg die Lebenserwartung kontinuierlich an und die Menschen wurden im 19. Jahrhundert schneller \u00e4lter als materiell reicher.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\"><sup>[7]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Die Lebenserwartung ist eine wichtige sozio\u00f6konomische Messgr\u00f6\u00dfe. Je h\u00f6her sie f\u00fcr eine bestimmte Gruppe ist, desto h\u00f6her ist deren Lebensstandard, beispielsweise medizinische Versorgung, Hygiene, Trinkwasserqualit\u00e4t und Ern\u00e4hrungslage und nicht zuletzt die Bildung.<\/p>\n<p>Biologisch gesehen nimmt die Anzahl der Individuen einer Population bei verbesserten Umweltbedingungen zu. Die stetige Zunahme der Weltbev\u00f6lkerung hat sicher jeder vor Augen.<\/p>\n<p>Diese begonnene Entwicklung l\u00e4\u00dft sich nur mit einem weiteren Voranschreiten des wissenschaftlich-technischen Fortschrittes und damit hohen Investitionen in das jeweilige nationale Bildungswesen fortsetzen.<\/p>\n<h5>3. Bildung als Ware<\/h5>\n<p>Im Bildungssektor kann heutzutage viel Geld verdient werden, denkt man an die Verlage und Stiftungen, die Testindustrie, die Weiterbildungseinrichtungen, Privatschulen, Nachhilfeinstitutionen, private Hochschulen und Universit\u00e4ten, Internetzangebote \u00fcber youtube, google, etc..<\/p>\n<p>Hier einige Beispiele:<\/p>\n<ul>\n<li>Bertelsmann Stiftung: Stiftungskapital 619.497.600 Euro (2018)<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\"><sup>[8]<\/sup><\/a><\/li>\n<li>Cornelsen Verlag: 260 Mio. \u20ac (2015)<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\"><sup>[9]<\/sup><\/a><\/li>\n<li>PISA-Studien der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/OECD\">OECD<\/a> (Organisation f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) sind internationale <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schulleistungsuntersuchung\">Schulleistungsuntersuchungen<\/a> seit dem Jahr 2000<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\"><sup>[10]<\/sup><\/a><\/li>\n<li>Kolleg St. Blasien (Internationales Jesuiten-Gymnasium mit Internat f\u00fcr Jungen und M\u00e4dchen): Der monatliche Pensionspreis f\u00fcr Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler im Internat betr\u00e4gt 2.140 Euro (Stand: August 2018).<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\"><sup>[11]<\/sup><\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Freiheit der Wissenschaft wird auf dem Altar der Drittmittelprojekte zur Farce.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite h\u00e4ngt der Zugang zu guter Bildung immer st\u00e4rker vom Geldbeutel ab. Ist der nachhilfegebende Professor, um seine Forschungen zu finanzieren nicht mehr denkbar oder zuk\u00fcnftig doch wieder? Die Doktoranten mit ihren halben, Viertel-, Achtel-,\u00a0 \u2026-stellen und Studenten nichtakademischer Eltern sind h\u00e4ufig gezwungen, Gelegenheitsarbeit zur Weiterfinanzierung ihres Studiums oder ihrer Promotion anzunehmen. In Gro\u00dfbritanien machen viele Sch\u00fcler ihr Abitur, k\u00f6nnen sich allerdings ein Studium nicht mehr leisten. Reisen und Freizeitangebote, Instrumentalunterricht sind in Deutschland f\u00fcr viele Menschen teuere bzw. sogar unerschwingliche Angebote.<\/p>\n<h5>4. Internationalisierungs- und Vereinheitlichungstendenzen<\/h5>\n<p>Als Bologna-Prozess wird eine auf europaweite Vereinheitlichung von Studieng\u00e4ngen und -abschl\u00fcssen sowie auf internationale Mobilit\u00e4t der Studierenden zielende transnationale Hochschulreform bezeichnet, die auf die Schaffung eines einheitlichen Europ\u00e4ischen Hochschulraums gerichtet ist (1999 von 29 europ\u00e4ischen\u00a0 Bildungsministern im italienischen Bologna unterzeichnet).<\/p>\n<p>Im Gefolge von Bolonia erfolgte innerhalb der gesamten Europ\u00e4ischen Union die Auflage, die Abiturienten- und Hochschulabsolventenzahlen zu erh\u00f6hen. Gleichzeitig ging das insbesondere in Deutschland mit seiner dualen Ausbildung zu Lasten der Facharbeiterabschl\u00fcsse und damit fehlendem Nachwuchs im Handwerksbereich. So ist ein R\u00fcckgang der Zahl der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler in den letzten zehn Jahren um 9 %, der Auszubildenden um 17 % und ein Anstieg der Zahl der Studierenden um 47 % zu verzeichnen.<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\"><sup>[12]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Auch wenn die Studienreform die Angleichung der Studienabschl\u00fcsse, die Probleme hoher Abbrecherquoten, hoher sozialer Selektivit\u00e4t, eines zu geringen Interesses an MINT-F\u00e4chern und niedriger Anteile ausl\u00e4ndischer Studierender nicht gel\u00f6st hat \u2013 zu einer Dequalifizierung des wissenschaftlichen Nachwuchses hat sie bislang nicht gef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Folgen f\u00fcr die Struktur sind:<\/p>\n<ul>\n<li>F\u00e4chervielfalt 19.000 Studieng\u00e4nge (2017)<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\"><sup>[13]<\/sup><\/a><\/li>\n<li>aufwendige Akkreditierungs- und Qualit\u00e4tsmanagementverfahren<\/li>\n<li>verschlechterter Betreuungsschl\u00fcssel &#8211; mul\u00adtiple \u00dcberlastung<\/li>\n<li>Unterfinanzierung<\/li>\n<li>verk\u00fcrzte Studienzeiten \u2013 hohe Pr\u00fcfungsanzahl \u2013 Bulimielernen<\/li>\n<li>Verschulung des Studiums<\/li>\n<\/ul>\n<p>\u201eDeutlich ablehnend \u00e4u\u00dfert sich die Humbold-Gesellschaft: \u201eDie Zerschlagung des auch international anerkannten deutschen Bildungssystems mit seinen bew\u00e4hrten Graduierungen Magister, Diplom, Staatsexamen, Promotion und Habilitation ist \u2026 unverst\u00e4ndlich. Die Akkreditierungsagenturen werden \u2026 als \u00fcberfl\u00fcssig angesehen, da die fachgebundenen Aufgaben in die Verantwortung der Fakult\u00e4ten geh\u00f6rten. Es handle sich um ein b\u00fcrokratisches Monster, das die Hochschulhaushalte mit mehreren hundert Millionen Euro pro Jahr belaste und m\u00f6glicherweise nicht einmal mit dem Grundgesetz vereinbar sei. Dem Vollzug der Bologna-Vereinbarung wird nach 10 Jahren bescheinigt, praktisch gescheitert zu sein.\u201c<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\"><sup>[14]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>\u201eDie Kultusminister der 16 L\u00e4nder wollten gemeinsam eine Erkl\u00e4rung abgeben, zur Zukunft der Bologna-Reform Dabei hatte er, Mathias Brodkorb, von Anfang an gesagt, dass er bei einem ,Jubelpapier&#8216; nicht mitmachen werde. Es lief dann, wie es in letzter Zeit h\u00e4ufiger gelaufen ist: Ein bisschen Gezerre hinter geschlossenen T\u00fcren, ein paar neue Formulierungen, und am Ende sagt Brodkorb Nein. Abstimmungsergebnis: 15 zu 1. Die Kultusministerkonferenz (KMK) und Hochschulrektorenkonferenz h\u00e4tten sich ,klar zur Europ\u00e4ischen Studienreform bekannt&#8216;, stand sp\u00e4ter in der Pressemitteilung. Brodkorbs Kommentar lautete: &#8218;Es gibt in der KMK eine gro\u00dfe Bereitschaft, Vorschl\u00e4ge abzunicken.'&#8220;<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\"><sup>[15]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Die PISA-Studien der OECD sind ein wichtiges Steuerinstrument bei der Angleichung der nationalen Bildungssysteme an die neoliberalen Vorgaben. Das utilitaristische Bildungsziel von PISA wird insbesondere von frankophonen Autoren kritisiert. Es bewirke zun\u00e4chst einmal eine Verzerrung der Testergebnisse zugunsten angels\u00e4chsischer Staaten und sodann einen Druck, Lehrpl\u00e4ne so anzupassen, dass unmittelbar alltagsrelevante Fertigkeiten ein gr\u00f6\u00dferes Gewicht bek\u00e4men. Das bedrohe zum Beispiel die Spezifit\u00e4t des franz\u00f6sischen Mathematikunterrichts, der gro\u00dfen Wert auf strenge Beweise legt. In diesem Zusammenhang wird auf die \u00f6konomische Zielsetzung der OECD und auf die Intransparenz und mangelnde demokratische Legitimit\u00e4t der Entscheidungsprozesse bei PISA hingewiesen. Ein \u00e4hnlicher Einwand lautet, dass PISA mit seinen Schwerpunkten Mathematik, Muttersprache, Naturwissenschaften die Marginalisierung gesellschaftswissenschaftlicher und musischer F\u00e4cher forciere.<\/p>\n<p>Der Mathematikdidaktiker Thomas Jahnke kritisiert den Grundgedanken, Bildung \u201estandardisieren\u201c zu wollen und deutet PISA auch als Markterschlie\u00dfung der Testindustrie. Der Philosoph Konrad Paul Liessmann kritisiert PISA als \u00f6konomischen Versuch, die (humanistische) Bildung im Grunde abschaffen zu wollen und durch simples Wissen (im Gegensatz zu Bildung) zu ersetzen. Er beklagt die Transformation der Bildungseinrichtung Schule in eine Berufsschule f\u00fcr Kinder und damit das Ende des bewussten und geistigen Menschen und seine Reduktion auf einen Arbeitnehmer und Konsumenten.<a href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\"><sup>[16]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Als Wissenschaftsminister Mecklenburg-Vorpommerns lie\u00df Mathias Brodkorb (Mr. Njet) das PISA-Konsortium zwar gew\u00e4hren, ignorierte allerdings die entsprechenden Auswertungen.<\/p>\n<h5>5. Transformationsschritte in den allgemeinbildenden Schulen<\/h5>\n<p><strong>5.1 Fr\u00fchenglisch<\/strong><\/p>\n<p>Bereits in den Kinderg\u00e4rten oder den Grundschulen wird eine zweite Fremdsprache, in der Regel Englisch, unterrichtet. Es wird dabei versucht, famili\u00e4re Beziehungen und Abl\u00e4ufe in den Bildungseinrichtungen zu simulieren. Die Erwartung ist eine gut entwickelte Zweisprachigkeit.<\/p>\n<p>Eine Langzeitstudie (2008 bis 2017) der Anglistin Simone Pfenninger von der Universit\u00e4t Salzburg unter 800 Schweizer Gymnasiasten hat die Erwartung nachgepr\u00fcft und kommt zu folgenden Ergebnissen:<\/p>\n<p>Fr\u00fcher Fremdsprachenunterricht bereits in der Volksschule bringt den meisten Kindern kaum Vorteile f\u00fcr ihr sp\u00e4teres Sprachniveau.<\/p>\n<p>Analysiert wurden Faktoren wie Motivation, Lernstrategien, Kenntnisse in der Erstsprache \u2013 also Lese- und Schreibef\u00e4higkeiten in Deutsch. Aber auch das Umfeld: Welchen Einfluss haben Lehrpersonen, Klassengr\u00f6\u00dfe, Motivation der Klassengemeinschaft, Lehrmittel und Intensit\u00e4t des Unterrichts?<\/p>\n<p>\u201eEs zeigt sich, dass die Intensit\u00e4t besonders wichtig ist: Je mehr Kontaktstunden pro Woche, umso bessere Resultate werden erzielt. ,Das Alter beim Lernbeginn hat viel weniger Einfluss&#8216;, sagt Pfenninger.<a href=\"#_ftn17\" name=\"_ftnref17\"><sup>[17]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Sie widerlegt damit den Mythos, der in Europa im Trend liegt und dazu f\u00fchrt, dass Kinder im fr\u00fchestm\u00f6glichen Alter in Englischklassen gesteckt werden. ,Alle verlegen den Englischunterricht in immer niedrigere Schulstufen&#8216;, sagt Pfenninger.<a href=\"#_ftn18\" name=\"_ftnref18\"><sup>[18]<\/sup><\/a> So hatten Sch\u00fcler in \u00d6sterreich in den 1970er-Jahren ab der Mittelschule Englisch, in den 1980ern ab der dritten Volksschulklasse und seit den 1990ern ab der ersten Volksschule. ,Wissenschaftlich kann man nicht best\u00e4tigen, dass ein schulischer Zweitsprachenerwerb im j\u00fcngeren Alter von Vorteil ist&#8216;, so Pfenninger.<a href=\"#_ftn19\" name=\"_ftnref19\"><sup>[19]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Sie vermutet wirtschaftliche und bildungspolitische Gr\u00fcnde f\u00fcr den Fr\u00fchlern-Trend: ,Da es als modern gilt, immer fr\u00fcher Englisch anzubieten, erhoffen sich Schulen wohl einen Wettbewerbsvorteil&#8216;. Jedenfalls gelte f\u00fcr den Sprachunterricht nicht das Motto des Erlernens eines Instruments oder des Radfahrens, n\u00e4mlich so fr\u00fch wie m\u00f6glich immer ein bisschen zu \u00fcben. ,Man kommt mit ein, zwei Wochenstunden bei jungen Sch\u00fclern auch \u00fcber l\u00e4ngere Zeit auf keinen gr\u00fcnen Zweig&#8216;, so Pfenninger.<\/p>\n<p>Vor allem f\u00fcr die Motivation der Jugendlichen sei es besser, sp\u00e4ter mit dem Unterricht zu starten, daf\u00fcr mit m\u00f6glichst vielen Stunden pro Woche. \u201eUnd ein Grund, warum Sp\u00e4tlerner so gut aufholten, war, dass ihre Deutschkenntnisse nach der Volksschule besser waren\u201c, sagt Pfenninger. Sowohl f\u00fcr Einheimische als auch f\u00fcr Kinder mit Migrationshintergrund lohnt es sich, die Erstsprache, also die, in der man erstmals schreiben und lesen lernt, gut zu beherrschen, um eine solide Grundlage f\u00fcr die Zweitsprache zu haben.<\/p>\n<p>,Der Spracherwerb im nat\u00fcrlichen Umfeld ist nicht mit dem in der Schule zu vergleichen&#8216;, sagt Pfenninger. Kommt man als Kind in ein neues Land oder wird von den Eltern zweisprachig erzogen, so gilt tats\u00e4chlich: je fr\u00fcher, desto besser. ,Beim Spracherwerb in der Zielkultur geht es quasi ums \u00dcberleben. In der Schule kann man diese diese idealen Lernumst\u00e4nde nicht imitieren.&#8217;\u201c<a href=\"#_ftn20\" name=\"_ftnref20\"><sup>[20]<\/sup><\/a><\/p>\n<p><strong>5.2 Verschlechterung des Deutschunterichtes<\/strong><\/p>\n<p>Die fr\u00fchzeitige parallele Unterrichtung einer Fremdsprache beeinflu\u00dft die Entwicklung der Muttersprache erheblich. Es fehlt einfach Zeit f\u00fcr das \u00dcben von Rechtschreibung und Grammatik, das Sch\u00f6nschreiben und literarische Betrachtungen. Das bilinguale Aufwachsen von Kindern in zweisprachigen Familien ist in der Schule nicht simulierbar, die Lernumgebung bleibt k\u00fcnstlich, denn die Kinder ordnen die jeweilige Sprache ihrem entsprechenden Elternteil zu und kommunizieren mit ihm in seiner Muttersprache.<\/p>\n<p>So kommt es, da\u00df die Fremdsprachenlehrer in ihren F\u00e4chern den Sch\u00fclern die Regeln f\u00fcr die deutsche Sprache noch einmal oder erstmals erkl\u00e4ren m\u00fcssen, um auch in der Fremdsprache erfolgreich Grammatik unterrichten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Regelm\u00e4\u00dfiges \u00dcben ist auch im Deutschunterricht Grundlage f\u00fcr routiniertes und richtiges Schreiben. Es ist somit unverst\u00e4ndlich, warum verbindliche Diktate aus den Lehrpl\u00e4nen herausgenommen wurden.<\/p>\n<p>Insbesondere der Deutschunterricht sollte ja Tr\u00e4ger und Vermittler deutscher Kulturleistungen sein. Aufgrund der Kompetenzorientierung ist allerdings das Lesen und Erfassen von Sachtexten ein dominanter, sich in mehreren Schuljahren wiederholender Schwerpunkt.<\/p>\n<p>Das Erlernen einer fl\u00fcssigen und individualisierten Handschrift geh\u00f6rte bisher zur Aufgabe insbesondere der Schule. Dieser Proze\u00df beginnt bereits im Kleinkindalter mit dem Erlernen der Dreipunkthaltung eines Stiftes. Achten die Erzieher nicht auf eine entsprechende optimale Haltung, probiert das Kind irgendeine aus und gew\u00f6hnt sich an diese, auch wenn sie verkrampft ist und damit l\u00e4ngeres Schreiben in der Schule erschwert oder verunm\u00f6glicht.<\/p>\n<p>Ist es nun egal wie geschrieben wird? Eindeutig nein. Eine verbundene Schreibschrift erlaubt in einem Schwung, ganze Silben oder W\u00f6rter zu schreiben, trennt die einzelnen W\u00f6rter deutlich voneinander ab, ist pers\u00f6nlicher und f\u00fcr die menschliche Hand geeigneter. Die flie\u00dfende Schreibbewegung unterst\u00fctzt das Ged\u00e4chtnis besser und ist als kognitiv anspruchsvoller einzusch\u00e4tzen als die Druckschrift. Z.B. beruht die besondere feinmotorische Pr\u00e4zession der Chinesen auf dem Erlernen ihrer komplizierten Schrift ab dem dritten Lebensjahr. Die Handschrift gar vollst\u00e4ndig durch das Tastaturschreiben zu ersetzen, verringert die Erfahrungen des sensomotorischen, kin\u00e4sthetischen und visuellen Ged\u00e4chtnisses.<\/p>\n<p>In finnischen Schulen ist die verbundene Schrift seit 2016 abgeschafft worden. In den USA haben bereits 2014 45 der 50 Bundesstaaten die Schreibschrift durch die Druckschrift ersetzt. In der Schweiz hatte sich der Kanton Genf 2000 f\u00fcr die Druckschrift entschieden, 2002 allerdings wieder davon Abstand genommen. In den Bundesl\u00e4ndern Th\u00fcringen und Sachsen wird zuerst das Erlernen der Druckschrift und danach der Schreibschrift vorgeschrieben. Viele Kinder bleiben allerdings bei der Druckschrift, wenn man in den weiterf\u00fchrenden Schulen die Freiheit l\u00e4\u00dft. In Sachsen ist f\u00fcr die Pr\u00fcfungen noch eine verbundene Schrift zu verwenden. Somit bel\u00e4\u00dft man die Kollegien im rechtfreien Raum und verlagert die kulturellen Auseinandersetzungen in das Lehrerzimmer und \u00fcberl\u00e4\u00dft es dem einzelnen Lehrer, sich gegen Sch\u00fcler und Eltern durchzusetzen.<\/p>\n<p><strong>5.3 Ganztageseinrichtungen<\/strong><\/p>\n<p>Die Intention der Einf\u00fchrung ist, Familien sind heutzutage nicht mehr oder nur unzureichend in der Lage, die Pflichten gegen\u00fcber ihren Kindern wahrzunehmen. Also tritt der Staat oder anderweitige private bzw. kirchliche Einrichtungen an deren Stelle. Mittels Vermischung von Unterrichtszeiten und Freizeitgestaltung sind die Kinder den ganzen Tag an die Schulen gebunden und kommen erst 16 oder 17 Uhr nach Hause.<\/p>\n<p>Die Verbreitung der Ganztagsschulen schritt ab dem IZBB-F\u00f6rderprogramm (Investitionsprogramm Zukunft Bildung und Betreuung der Regierung Gerhard Schr\u00f6ders, 2003 bis 2007) explosionsartig voran, was auf die Ergebnisse f\u00fcr Deutschland der vorhergehenden PISA-Studien zur\u00fcckzuf\u00fchren sein d\u00fcrfte.<\/p>\n<p>\u201eDamit werden emotionale Bindung zu den Eltern und die famili\u00e4ren Bindungen im Allgemeinen geschw\u00e4cht, w\u00e4hrend die Kinder andererseits verst\u00e4rkt schlechten Einfl\u00fcssen wie zum Beispiel verhaltensauff\u00e4lligen Mitsch\u00fclern ausgesetzt seien. Problematisch f\u00fcr die Entwicklung seien auch der zumeist hohe L\u00e4rmpegel und eine fortdauernde Stre\u00dfbelastung. Angebote au\u00dferschulischer Bildungstr\u00e4ger k\u00f6nnen nur unter erschwerten Bedingungen wahrgenommen werden. Vereine, Kirchen, Musikschulen usw. beklagen, dass Kinder und Jugendliche weniger verf\u00fcgbare Zeit haben, um sich intensiv au\u00dferschulischen Aktivit\u00e4ten widmen zu k\u00f6nnen. Daraus resultiere schlu\u00dfendlich eine Verarmung und Uniformierung der Bildungslandschaft.\u201c<a href=\"#_ftn21\" name=\"_ftnref21\"><sup>[21]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Das Versprechen, soziale Ungleichheiten zu beseitigen, konnten die Ganztagsschulen ebenfalls nicht einl\u00f6sen.<\/p>\n<p><strong>5.4 Abkehr vom klassenzentrierten Unterricht<\/strong><\/p>\n<p>\u201eGleichwie nun ein sich selbst \u00fcberlassenes Kind verstandlos in die Welt hineinguckt, und durch die Verirrungen einzelner, blindlings aufgefundener Erkenntnisbruchst\u00fccke t\u00e4glich von Irrtum zu Irrtum herabsinkt, so steigt hingegen ein Kind, welches von der Wiege an jenen Weg gef\u00fchrt wurde, t\u00e4glich von Wahrheit zu Wahrheit.\u201c <a href=\"#_ftn22\" name=\"_ftnref22\"><sup>[22]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Dass das Lernen gem\u00e4\u00df konstruktivistischen Vorstellungen in individualisierten, offenen Formen auch das Versprechen einer h\u00f6heren Lerneffektivit\u00e4t nicht halten kann, ist empirisch belegt. <a href=\"#_ftn23\" name=\"_ftnref23\"><sup>[23]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Welche Auswirkungen die sogenannte Neue Lernkultur auf die Begriffsumdeutung in der Bildung hat, kann in folgender \u00dcbersicht nachvollzogen werden:<\/p>\n<table style=\"border-collapse: collapse; width: 94.5613%;\">\n<tbody>\n<tr>\n<td style=\"width: 48.3399%;\"><em>Traditionelle P\u00e4dagogik: <\/em><\/td>\n<td style=\"width: 86.5684%;\"><em>\u201eNeue Lernkultur\u201c<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 48.3399%;\"><em>Lehrer\/in:<\/em><\/td>\n<td style=\"width: 86.5684%;\"><em>Lernbegleiter\/in<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 48.3399%;\"><em>Sch\u00fcler: <\/em><\/td>\n<td style=\"width: 86.5684%;\"><em>Lernpartner<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 48.3399%;\"><em>Klasse: <\/em><\/td>\n<td style=\"width: 86.5684%;\"><em>Lerngruppe<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 48.3399%;\"><em>Aufgabe:<\/em><\/td>\n<td style=\"width: 86.5684%;\"><em>Lernjob<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 48.3399%;\"><em>Lehren: \u00a0<\/em><\/td>\n<td style=\"width: 86.5684%;\"><em>Gestalten von <\/em><em>Lernarrangements<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 48.3399%;\"><em>Erziehen:<\/em><\/td>\n<td style=\"width: 86.5684%;\"><em>Lernmanagement, Coaching<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 48.3399%;\"><em>Unterrichten:<\/em><\/td>\n<td style=\"width: 86.5684%;\"><em>Classroom-Management,<br \/>\n<\/em><em>Informations-Management<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 48.3399%;\"><em>Klassenzimmer:<\/em><\/td>\n<td style=\"width: 86.5684%;\"><em>Input-Raum, Lernatelier<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 48.3399%;\"><em>Lernziele:<\/em><\/td>\n<td style=\"width: 86.5684%;\"><em>Lernvertr\u00e4ge<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 48.3399%;\"><em>Bildung:<\/em><\/td>\n<td style=\"width: 86.5684%;\"><em>Kompetenzen <a href=\"#_ftn24\" name=\"_ftnref24\"><sup>[24]<\/sup><\/a><\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Im Bildungs-Rat der Gesellschaft f\u00fcr Bildung und Wissen e.V. wird formuliert: \u201eDer Kern des darin deutlich werdenden radikalen Wandels der p\u00e4dagogischen Grundsituation besteht in der Aufl\u00f6sung des interpersonalen Bezugs gemeinsam geteilter Aufmerksamkeit auf relevante Sachverhalte mit Bildungspotenzial. Denn nur in solchen Situationen gemeinsamer Aufmerksamkeit einer Gemeinschaft von Lehrer und Sch\u00fclern ist verstehendes Lernen m\u00f6glich; nur dann wird Lernen dem Anspruch der Aufkl\u00e4rung gerecht, \u00fcber eigenes Verstehen Urteilsverm\u00f6gen anzuleiten und so M\u00fcndigkeit zu bilden. Nur in der dialogischen Verhandlung der Sache kann sich deren Sinn f\u00fcr die Sch\u00fcler entfalten, ein Sinn, der nie nur funktional oder subjektiv ist, sondern sich aus dem Bezug auf die Verantwortung gegen\u00fcber der gemeinsamen Welt ergibt. Zugleich negiert und zersetzt die \u201eNeue Lernkultur\u201c Sozialit\u00e4t als Grundlage und zugleich Ziel von Erziehung, indem sie die Bildungsgemeinschaft zu Lernindividuen atomisiert.<\/p>\n<p>In der Suggestion der \u201eSelbststeuerung\u201c wird zugleich die p\u00e4dagogische Autorit\u00e4t unsichtbar, da die Lehrperson sich vermeintlich zugunsten der Selbstverantwortung der Sch\u00fcler zur\u00fcckzieht. Tats\u00e4chlich aber r\u00fcckt diese Autorit\u00e4t nur in die methodischen Anweisungen von Lernarrangements, Arbeitsbl\u00e4ttern und Kompetenzraster und wird damit f\u00fcr die Sch\u00fcler unsichtbar: Autorit\u00e4t geht nicht mehr von einer Person aus, sondern \u201ekommt anonym als Sachzwang daher und dieser zersetzt Sozialit\u00e4t und Kultur.<a href=\"#_ftn25\" name=\"_ftnref25\"><sup>[25]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Nach Krautz legt der Neoliberalismus mit dem homo oeconomicus hierbei eine eigene Anthropologie zugrunde, zielt sein Anspruch also auf eine Ver\u00e4nderung des Menschenbildes und des Menschen selbst. Da der Umgestaltungsanspruch sich somit umfassend auf Denken, Empfinden und Handeln bezieht, kann der neoliberale \u00d6konomismus also im eigentlichen Sinn als ein Umerziehungsprogramm charakterisiert werden. Es ist damit in seinem auf alle Lebensbereiche abzielenden Anspruch totalit\u00e4r und kann gegen die Wirklichkeit auch nur mit entsprechenden manipulativen Mitteln durchgesetzt werden.<a href=\"#_ftn26\" name=\"_ftnref26\"><sup>[26]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Der postmoderne Mensch ist ein rationaler Egoist, h\u00f6herer Primat, aus seinen zwischenmenschlichen Bez\u00fcgen gel\u00f6st und von seinem moralisch motivierten Empfinden und Handeln entfremdet, akzeptiert eine \u201eWirklichkeit\u201c, die man f\u00fcr ihn geschaffen hat, und er gehorcht \u201eInteressen\u201c, die ihm als die seinen angedichtet wurden.<a href=\"#_ftn27\" name=\"_ftnref27\"><sup>[27]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Dieser \u201eabsolute Fanatismus\u201c, so der englische Schriftsteller, Maler und politische Essayist John Berger, \u201eist nicht Kapitalismus, denn der existiert seit f\u00fcnf Jahrhunderten und operierte vollkommen andersartig und nuancenreicher. Dies ist das Ende von etwas.\u201c Es ist das Ende von Humanit\u00e4t.<a href=\"#_ftn28\" name=\"_ftnref28\"><sup>[28]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>In den Vorlesungen und Studienseminaren werden die angehenden Lehrer vor allem auf das Beherrschen einer gro\u00dfen Vielfalt von Methoden orientiert. Der klassenorientierte Unterricht (bekannter als \u201eFrontalunterricht)\u201c wird dabei nur als eine von vielen und als veraltet dargestellt.<\/p>\n<p>Die Sch\u00fcler werden damit vor allem physisch bewegt, ohne in Ruhe (unter 50 dB) konzentriert arbeiten und lernen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Was unterscheidet also die guten von den schlechten Lehrern?<\/p>\n<p>Ein guter Lehrer spricht sehr viel mit den Kindern, zum Beispiel \u00fcber die Relationen von Zahlen. Er schafft Anl\u00e4sse, S\u00e4tze zu sagen, wie &#8222;sieben ist zwei mehr als f\u00fcnf&#8220;, &#8222;f\u00fcnf ist zwei weniger als sieben&#8220;, &#8222;sieben setzt sich aus sieben Einsen zusammen und f\u00fcnf nur aus f\u00fcnf Einsen, das sind zwei weniger&#8220;. Und er fragt, wie sie zu ihren Ergebnissen gelangen. In der ersten Klasse m\u00fcssen die Kinder von ihren z\u00e4hlenden zu nicht-z\u00e4hlenden Strategien kommen. Wenn dies nicht passiert, muss die Schule unbedingt eingreifen, aber oftmals tut sie das nicht. Im Gespr\u00e4ch \u00fcber die Rechenwege beh\u00e4lt der Lehrer im Blick, wie die Sch\u00fcler Zahlen und Rechenoperationen denken, und die Kinder k\u00f6nnen sich die L\u00f6sungswege ihrer Mitsch\u00fcler abschauen. Die Tendenz ist aber leider eine andere: Grundsch\u00fcler wurschteln zunehmend alleine an ihren Arbeitsbl\u00e4ttern rum. <a href=\"#_ftn29\" name=\"_ftnref29\"><sup>[29]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Nach Krautz tritt die \u201eNeue Lernkultur\u201c nun gewisserma\u00dfen den st\u00fctzenden Wagenheber mit voller Absicht weg, so dass die Heranwachsenden unter der Last der auf sie einst\u00fcrzenden Kulturleistung \u00e4chzen, die sie ohne Hilfe stemmen sollen. Mehr noch sollen sie die Kulturleistungen \u201eselbstentdeckend\u201c jeweils neu erfinden: Schreiben, Lesen, Rechnen, Zeichnen \u2013 alles soll selbstgesteuert \u201ekonstruiert\u201c werden.<a href=\"#_ftn30\" name=\"_ftnref30\"><sup>[30]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Die politische Dimension dieses inszenierten Lebensraums \u201eNatur\u201c als p\u00e4dagogisches Steuerungsparadigma hat Sigfried Uhl bereits sehr fr\u00fch anhand der Programmatik der Partei \u201eDie Gr\u00fcnen\u201c herausgearbeitet, die heute in verschiedenen Bundesl\u00e4ndern umgesetzt wird. Analog zur vorangegangenen Analyse beschreibt Uhl das Menschenbild des gr\u00fcnen Bildungsverst\u00e4ndnisses als \u201epers\u00f6nlichkeitstheoretischen Nativismus und Evolutionismus\u201c, demzufolge Schule \u201eideale Umweltbedingungen zur F\u00f6rderung der Selbstverwirklichung\u201c schaffen m\u00fcsse, wobei dem die Annahme von \u201eRecht und F\u00e4higkeit zur unbegrenzten Selbstbestimmung\u201c zugrunde liege. \u201eDer \u00f6koautorit\u00e4re Zwangs\u00adstaat ist eine Gefahr, die man nicht untersch\u00e4tzen sollte.\u201c <a href=\"#_ftn31\" name=\"_ftnref31\"><sup>[31]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>F\u00fcr Karl-Heinz Dammer begr\u00fcnden die egoistischen Subjekte den Kult des \u201eSelbst-\u201c, der neben der \u201eSelbststeuerung\u201c Varianten kennt wie \u201eSelbstorganisation\u201c, \u201eSelbstregulierung\u201c, \u201eSelbstmanagement\u201c, \u201eSelbstkompetenz\u201c, \u201eSelbstf\u00fchrung\u201c, \u201eSelbstkontrolle\u201c, \u201eSelbstreflexion\u201c, \u201eSelbstdiagnose\u201c oder \u201eSelbstverantwortung\u201c.<a href=\"#_ftn32\" name=\"_ftnref32\"><sup>[32]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Laut Ursula Frost, bedarf es beim P\u00e4dagogen dessen, wozu er Kinder und Jugendliche bilden will: \u201eMut zum Erscheinen als einzigartige Person und F\u00e4higkeit zu Dialog und Streit in der Frage nach dem Wahren und Guten\u201c.<a href=\"#_ftn33\" name=\"_ftnref33\"><sup>[33]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Dieses Realisieren von und Eintreten f\u00fcr Humanit\u00e4t ist in der Tat alternativlos.<a href=\"#_ftn34\" name=\"_ftnref34\"><sup>[34]<\/sup><\/a><\/p>\n<p><strong>5.5 Kompetenz als neue Kategorie<\/strong><\/p>\n<p>Dieser Begriff wurde wohl von Heinrich Roth in die Erziehungswissenschaften eingef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Der Konstanzer Beschlu\u00df der Kultusministerkonferenz von 1997 markiert die sogenannte empirische Wende vom Input zum Output und ist gegen die lange vorherrschende Kritische Erziehungswissenschaft gerichtet, die vielfach das Erbe der geisteswissenschaftlichen Richtung angetreten hatte und darin \u00fcbereinstimmt, die Leistungsf\u00e4higkeit eines Bildungssystems nicht f\u00fcr messbar zu halten.<\/p>\n<p>Deutschland beteiligte sich 1995 erstmals an der TIMS-Studie (Trends in International Mathematics and Science <em>Studie)<\/em>. Mit TIMSS wurden Daten zu den Leistungen von mehr als einer halben Million Sch\u00fcler aus rund 15.000 Schulen in 46 L\u00e4ndern ermittelt und Hintergrundinformationen \u00fcber den Unterricht, die Lehrer, die Schulen sowie Aspekte der au\u00dferschulischen Lebensumwelt der Sch\u00fcler gewonnen. Dabei sollte erstmals (noch vor dem so bezeichneten \u201ePISA-Schock\u201c) eine empirische Evidenz f\u00fcr die R\u00fcckst\u00e4ndigkeit in Teilbereichen des deutschen Bildungswesens gezeigt werden. <a href=\"#_ftn35\" name=\"_ftnref35\"><sup>[35]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Vier T\u00e4tigkeitsfelder als Steuerungsinstrumente er\u00f6ffneten sich in Folge:<\/p>\n<p>Internationale Schulleistungsuntersuchungen wie PISA, Zentrale \u00dcberpr\u00fcfung des Erreichens der Bildungsstandarts im L\u00e4ndervergleich, Vergleichsarbeiten zur landesweiten \u00dcberpr\u00fcfung der Leistungsf\u00e4higkeit einzelner Schulen, gemeinsame Bildungsberichterstattung von Bund und L\u00e4ndern sollen f\u00fcr die Umsetzung, den entsprechenden Druck und die Kontrolle an den Schulen und Hochschulen sorgen.<\/p>\n<p>Mit dem Buch \u201eVom Streifenh\u00f6rnchen zum Nadelstreifen\u201c hat Hans Peter Klein eine fundierte Analyse des Bedeutungszusammenhanges Transformation des Bildungswesens und Kompetenzen vorgelegt.<a href=\"#_ftn36\" name=\"_ftnref36\"><sup>[36]<\/sup><\/a> Der Kompetenztaumel, wie er sich ausdr\u00fcckt, hat nicht nur die allgemeinbildenden Schulen, sondern auch die Hochschulen erfa\u00dft und zielt auf eine umf\u00e4ngliche Entfachlichung und Chaotisierung der Lehrmaterialien und -inhalte. Der Sch\u00fcler lernt lesen, was, ist dabei egal. Das Lernen ist nicht mehr interessengeleitet, sondern nur noch methodengesteuert.<\/p>\n<p>Direkte Folgen sind eine Absenkung des Niveaus, gleichzeitig eine stetige Zunahme von Schulabschl\u00fcssen mit dem Pr\u00e4dikat \u201esehr gut\u201c und \u201eausgezeichnet\u201c. Chaotisch wirkende Lehrmaterialien, so als wenn Dateien durcheinander gemischt, neu angeordnet wurden, mi\u00dfachten jegliche didaktischen Grundregeln wie vom Einfachen zum Schweren, vom Anschaulichen zum Unanschaulichen, der ausreichenden Bereitstellung geordneter \u00dcbungsaufgaben mit steigendem Schwierigkeitsgrad.<\/p>\n<p>Die Erfindung tausender anzustrebender Kompetenzen in den Lehrpl\u00e4nen bis hin zu sprachlichen Spitzenleistungen wie der \u201eKompetenz der Kompetenz\u201c tragen zur Vervollst\u00e4ndigung der Absurdit\u00e4ten bei.<\/p>\n<p><strong>5.6 Inklusion<\/strong><\/p>\n<p>Zur Grundbildung jedes Menschen geh\u00f6rt entscheidend das Lesen und Schreiben in der Muttersprache. Doch diese ist bei weitem nicht f\u00fcr alle eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit, betrachtet man allein die Zahl bzw. Quote der Analphabeten. Die h\u00f6chsten Analphabetenrate hat Niger mit fast 80 %. Indien liegt bei etwa 38 %. Die meisten Analpabeten hat Afrika. Im Jahr 2012 wurden weltweit 781,2 Millionen Menschen registriert, die weder lesen noch schreiben k\u00f6nnen. Davon waren fast zwei Drittel (63,5 Prozent) weiblich. All diese Menschen erfahren keine Inklusion.<\/p>\n<p>Die UN-Konvention \u00fcber die Rechte von Menschen mit Behinderungen (UN-Behindertenrechtskonvention) trat im April 2009 in Kraft. In Deutschland wurde allerdings das Wort inclusion mit Integration \u00fcbersetzt. Das Wort Integration soziologisch verstanden, bedeutet die soziale Einbeziehung bisher ausgeschlossener Individuen oder Gruppen.<\/p>\n<p>Der Sch\u00fcleranteil mit sonderp\u00e4dagogischem F\u00f6rderbedarf liegt bundesweit etwa bei 6 bis 7 % und ist ansteigend. Diesen Trend konnte auch das reihenweise Schlie\u00dfen von F\u00f6rderschulen nicht umkehren. Die F\u00f6rderschwerpunkte liegen auf den F\u00f6rderbereichen Lernen, ganzheitliche Entwicklung, motorische und sprachliche Entwicklung sowie sozial-emotionale Entwicklung. <a href=\"#_ftn37\" name=\"_ftnref37\"><sup>[37]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Allgemeine Ursachen f\u00fcr Behinderungen liegen in unzureichenden Lebensbedingungen, verursacht z.B. durch Kriege. Folgen sind z.B. Fehl- und Unterern\u00e4hrung, nicht behandelte Erkrankungen, mangelnde Hygiene. Bisher ging man von etwa 650 Mio. Menschen mit Behinderungen aus, neuere WHO-Zahlen sprechen von \u00fcber 1 Mrd.. Somit sollte der Schwerpunkt auf Pr\u00e4vention liegen.<\/p>\n<p>Inklusion wird in Deutschland nun so umgesetzt, da\u00df Kinder mit F\u00f6rderbedarf in die Gro\u00dfgruppen in den Grundschulen, Real- und Hauptschulen unterrichtet oder h\u00e4ufig auch nur besch\u00e4ftigt werden sollen. Ein Lehrer, nicht ausgebildet f\u00fcr F\u00f6rdersch\u00fcler, steht allein mit \u00fcber 20 Sch\u00fclern und ein bis mehreren verhaltensauff\u00e4lligen oder gehandicapten Kindern da. Nur ein paar Stunden pro Woche hilft ihm ein Inklusionshelfer oder \u201eRucksacklehrer\u201c.<\/p>\n<p>Damit ist es keinem Sch\u00fcler recht getan und der traditionelle klassenorientierte Unterricht wird gesprengt.<\/p>\n<p><strong>5.7 Ideologische Konsequenzen reformp\u00e4dagogischer Erziehungskonzepte f\u00fcr die Schule<\/strong><\/p>\n<p>Jedes Kind konstruiert sich seine eigene Lernumgebung. Man darf das Kind nur unterst\u00fctzen. Der freie Wille des Kindes soll nicht gebrochen werden. Der Ruf \u201eKinder an die Macht!\u201c mit Einrichtungen wie Kinderparlamenten sogar im Kindergarten, die Verringerung des Wahlalters, auf der anderen Seite die langj\u00e4hrige Einordnung von Straft\u00e4tern in das Jugendstrafrecht (bis vor vollendeten 22. Lebensjahr) sind Ausdruck dieses Kinder- bzw. Jugendkultes.<\/p>\n<p>Folgen sind zunehmende Erziehungsprobleme, auch in gut situierten Elternh\u00e4usern. Jochen Krautz \u00e4u\u00dfert sich dazu \u201eIm Hamsterrad\u201c<a href=\"#_ftn38\" name=\"_ftnref38\"><sup>[38]<\/sup><\/a>: \u201eDieses Kerngesch\u00e4ft von Bildung und Erziehung wird nach Aussage der meisten Lehrerinnen und Lehrer an sich bereits immer anspruchsvoller. Fr\u00fcher selbstverst\u00e4ndliche Einstellungen und Haltungen der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler und der Eltern zu den Aufgaben der Schule brechen immer mehr weg. Immer st\u00e4rker sind die erzieherischen Voraussetzungen erst zu legen, damit Unterricht \u00fcberhaupt stattfinden kann.\u201c<\/p>\n<p>Unsere Kinder verf\u00fcgen u\u0308ber keine Frustrationstoleranz und meiden jede Anstrengung. Jeder zweite Azubi hat eine Psyche wie ein Kleinkind, in den Grundschulen hinken gar 70 bis 80 Prozent der Kinder ihrer Entwicklung weit hinterher. <a href=\"#_ftn39\" name=\"_ftnref39\"><sup>[39]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Michael Winterhoff, ein Kinder- und Jugendpsychiater sowie Psychotherapeut diagnostiziert, Deutschlands Eltern haben es verlernt zu erziehen. Statt ihrem Nachwuchs Grenzen zu setzen, behandeln sie ihn als Freund und Partner. Im Extremfall verbindet Erwachsene und Kinder eine Art &#8222;symbiotischer Beziehung&#8220;, d.h. die Spr\u00f6sslinge haben keine Chance, sich zu entwickeln, ihre Psyche verk\u00fcmmert auf dem Stand eines S\u00e4uglings.<a href=\"#_ftn40\" name=\"_ftnref40\"><sup>[40]<\/sup><\/a><\/p>\n<p><strong>5.8 Lehrermangel und Investitionsstau<\/strong><\/p>\n<p>In den ostdeutschen Bundesl\u00e4ndern wurden nach 1989 etwa 20 Jahre lang kaum neue Lehrer eingestellt. Aufgrund neuer Stundentafeln wurden die vorhandenen hochqualifizierten Diplomlehrer umverteilt. Es traf insbesondere die Lehrer in den MINT-F\u00e4chern, die dann Ethik, Kunst u.a. F\u00e4cher unterrichteten.<\/p>\n<p>Damit konnten die hoch qualifizierten Fachkr\u00e4fte der DDR ihre Erfahrungen nicht im normalen generationsbezogenen Wechsel weitergeben. Damit nimmt die \u00dcberalterung der Kollegien stark zu und die Zahl der Dauerkranken steigt. Hinzu kommen Stre\u00df und Arbeits\u00fcberlastung durch die zunehmende Unterbesetzung, und die Zahl ausgefallender bzw. nicht fachbezogener Vertretungen steigt. Die Reaktionen von den Schul\u00e4mtern sind Klassenzusammenlegungen, auch von bereits bestehenden und Abordnungen von Lehrern an andere Schulen.<\/p>\n<p>Hinweise auf den Investitionsstau an den Schulen, die sich in kommunaler Tr\u00e4gerschaft befinden, sollen folgende Pressemitteilungen geben:<\/p>\n<ul>\n<li>Nikolaus Doll: Darum verfallen unsere Schulen und Stra\u00dfen (Welt 12.12.2016)<a href=\"#_ftn41\" name=\"_ftnref41\"><sup>[41]<\/sup><\/a><\/li>\n<li>Investitionsstau an Schulen: 48 Milliarden Euro w\u00e4ren n\u00f6tig (Freie Presse 15.08.2018)<a href=\"#_ftn42\" name=\"_ftnref42\"><sup>[42]<\/sup><\/a><\/li>\n<li>Kommunen fehlen Milliarden f\u00fcr Schulen und Kitas. (Zeit online,15.08.2018)<a href=\"#_ftn43\" name=\"_ftnref43\"><sup>[43]<\/sup><\/a> Der Investitionsstau im Bildungsbereich liegt laut einer Studie der KfW (Kreditanstalt f\u00fcr Wiederaufbau) bei 55 Milliarden Euro. Das liegt auch an fehlenden Kapazit\u00e4ten in der Verwaltung.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Auf Bundesebene werden allerdings andere finanzielle Schwerpunkte gesetzt, indem der sogenannte Digitalpakt mit 5 Milliarden \u20ac Finanzhilfen ins Leben gerufen wurde. Doch wo bleiben die dringend ben\u00f6tigten Lehrer?<\/p>\n<p><strong>5.9 R\u00fccknahme der klassischen F\u00e4cher \u2013 F\u00e4cherzusammenlegung<\/strong><\/p>\n<p>Immer st\u00e4rker wurde es \u00fcblich, in den Stundentafeln nicht nur einen, sondern zwei oder gar mehr Jahrg\u00e4nge zusammenzufassen. Die F\u00e4cher Physik, Biologie und Chemie verschmelzen zu einem Fach, dann Naturwissenschaften oder Mensch-Natur-Technik benannt oder man f\u00fchrte sogenannte Lernbereiche ein.<\/p>\n<p>Dem gegen\u00fcber steht eine Vielzahl gesellschaftswissenschaftlicher F\u00e4cher wie Geographie, Geschichte, Sozialkunde, Wirtschaft- und Recht und nicht zu vergessen Religionskunde\/Ethik\/LER, die allerdings ebenso geb\u00fcndelt ausgewiesen werden. Die Gr\u00fcnde liegen wohl im Erreichen einer h\u00f6heren Flexibilit\u00e4t des Lehrereinsatzes und um den Lehrermangel bzw. die erfolgende Schwerpunktverschiebung gesetzlich fundiert kaschieren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Das Fach Mathematik wird noch extra ausgewiesen, erlebt aber immer st\u00e4rkere st\u00fcndliche Eink\u00fcrzungen. Das Fach Medienkunde oder Informatik beginnt bereits ab der Grundschule an Bedeutung zu gewinnen, wobei einerseits die Handhabung vorzugsweise von Officeprogrammen im Vordergrund stehen oder versucht wird, informationstechnische Zusammenh\u00e4nge zu erl\u00e4utern, was allerdings in der Regel als zu schwierig f\u00fcr die entsprechende Altersgruppe einzusch\u00e4tzen ist oder nur f\u00fcr Freaks interessant ist.<\/p>\n<p>Musik und Kunst werden z.B. im Lernbereich \u00c4sthetik zusammengefa\u00dft.<\/p>\n<p><strong>5.10 Digitalisierung<\/strong><\/p>\n<p>Nach Empfehlungen der Kinder\u00e4rzte und Psychiater, allen voran Manfred Spitzer, geht man davon aus, da\u00df der Zugang zu digitalen Medien erst im Alter von etwa 11 Jahren erfolgen sollte.<\/p>\n<p>Der Ruf nach m\u00f6glichst vollst\u00e4ndiger Digitalisierung des Schullebens ist somit v\u00f6llig kontraproduktiv und geht zu Lasten der gesunden physischen und psychischen Entwicklung der Kinder.<\/p>\n<p>Digitale Medien sind ein Medien unter vielen wie die Kreidetafel, das Buch, der Hefter, Wandkarten, r\u00e4umliche Anschauungsmittel (z.B. das Tellurium) etc. und didaktisch-methodisch wohl\u00fcberlegt und sinnvoll einzusetzen.<\/p>\n<h5>6. Zusammenfassung<\/h5>\n<p>Das deutsche Bildungswesen unterliegt insbesondere seit etwa der Jahrtausendwende einem massiven Umbau, der gemeinschaftlich von internationalen Organisationen wie der UNESCO, der OECD und privaten Stiftungen, allen voran die Bertelsmann-Stiftung, vorangetrieben wird und der im Verbund mit speziell gef\u00f6rderten Wissenschaftlern empirisch und konstruktivistisch begr\u00fcndet wird. Wissenschaftler, P\u00e4dagogen und Lehrer setzen diesen Umbau, unter ideologischen, finanziellen und pers\u00f6nlichen Druck gesetzt, vor Ort um.<\/p>\n<p>Die Folgen sind f\u00fcr jeden Menschen in diesem Land sp\u00fcrbar, der es mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu tun hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Nachtrag<\/strong>:<\/p>\n<p>Die sogenannte Corona-Krise hat das Bildungswesen nun komplett zerlegt. Solange die Maskenpflicht und die Abstandsregel nicht aufgehoben werden, ist an normalen Unterricht nicht mehr zu denken.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Annett Torres, Gera, ist Lehrerin und Bundes\u00adkassiererin des Deutschen Freidenker-Verbandes<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h5>Quellen und Anmerkungen<\/h5>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Nach Stuhlhofer, Franz: Unser Wissen verdoppelt sich alle 100 Jahre &#8211; Grundlegung einer \u201eWissensmessung\u201d\ufe01, Berichte zur Wissenschaftsgeschichte, 1983)<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Humboldt, W. v.: Ideen zu einem Versuch, die Grenzen der Wirksamkeit des Staates zu bestimmen, 1792. Originaltext<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Krautz, Jochen: Bildung als Anpassung, 2009<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Richter, Beate: Bildung relational denken &#8211; eine strukturtheoretische Pr\u00e4zisierung des transformatorischen Bildungsbegriffs anhand von Robert Kegans Entwicklungstheorie, 2014<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Papke, Birgit: Das bildungstheoretische Potenzial inklusiver P\u00e4dagogik. Meilensteine der Konstruktion von Bildung und Behinderung am Beispiel von Kindern mit Lernschwierigkeiten, Bad Heilbrunn, Verlag Julius Klinkhardt 2016, S. 20<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Osterhammel, J\u00fcrgen: Die Verwandlung der Welt. Eine Geschichte des 19. Jahrhunderts. C. H. Beck. 2 Aufl. der Sonderausgabe 2016. S. 257<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Lebenserwartung\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Lebenserwartung<\/a>, abgerufen 11.11.19<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a>\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bertelsmann_Stiftung\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bertelsmann_Stiftung<\/a>, abgerufen 11.11.19<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Beck, Klaus: Das Mediensystem Deutschlands: Strukturen, M\u00e4rkte, Regulierung, Springer-Verlag, 2. Aufl. 2015, S. 102<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a>\u00a0<a href=\"http:\/\/www.statsilk.com\/maps\/statplanet-world-bank-open-data\">http:\/\/www.statsilk.com\/maps\/statplanet-world-bank-open-data<\/a>, abgerufen 11.11.19<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> <a href=\"https:\/\/www.kolleg-st-blasien.de\/kosten\">https:\/\/www.kolleg-st-blasien.de\/kosten<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Statistisches Jahrbuch 2019, Abschnitt Bildung, S. 87<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a>\u00a0<a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/karriere-hochschule\/campus\/wildwuchs-der-studiengaenge-muessen-19-000-sein-15265123.html\">https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/karriere-hochschule\/campus\/wildwuchs-der-studiengaenge-muessen-19-000-sein-15265123.html<\/a>, abgerufen 11.11.19<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bologna-Prozess\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bologna-Prozess<\/a>, 11.11.19<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a>\u00a0<a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2016\/35\/mathias-brodkorb-wissenschaftsminister-spd-mecklenburg-vorpommern-landtagswahl\">https:\/\/www.zeit.de\/2016\/35\/mathias-brodkorb-wissenschaftsminister-spd-mecklenburg-vorpommern-landtagswahl<\/a>, abgerufen 11.11.19<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref16\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a>\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/PISA-Studien%23Zielsetzung_von_PISA\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/PISA-Studien#Zielsetzung_von_PISA<\/a>,\u00a0abgerufen 11.11.19<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref17\" name=\"_ftn17\">[17]<\/a>\u00a0Pfenninger,\u00a0Simone:\u00a0<a href=\"https:\/\/austria-forum.org\/af\/Wissenssammlungen\/Neues_aus_der_Wissenschaft\/Fr%C3%BCher_Fremdsprachenunterricht_ist_kein_Garant_f%C3%BCr_Lernerfolg_%28Uni_Salzburg%29\">https:\/\/austria-forum.org\/af\/Wissenssammlungen\/Neues_aus_der_Wissenschaft\/Fr%C3%BCher_Fremdsprachenunterricht_ist_kein_Garant_f%C3%BCr_Lernerfolg_%28Uni_Salzburg%29<\/a><\/p>\n<p>Titel der Studie: Pfenninger, Simone E. \/ Singleton, David: Beyond Age Effects in Instructional L2 Learning: Revisiting the Age Factor. Bristol: Multilingual Matters, 2017<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref18\" name=\"_ftn18\">[18]<\/a> Pfenninger, a.a.O.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref19\" name=\"_ftn19\">[19]<\/a> Pfenninger, a.a.O.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref20\" name=\"_ftn20\">[20]<\/a>\u00a0<a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/5094542\/fruhes-englischlernen-ist-uberschatzt\">https:\/\/www.diepresse.com\/5094542\/fruhes-englischlernen-ist-uberschatzt<\/a>, abgerufen 11.11.19<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref21\" name=\"_ftn21\">[21]<\/a>\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ganztagsschule%23Kontroverse\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ganztagsschule#Kontroverse<\/a>, abgerufen 11.11.19<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref22\" name=\"_ftn22\">[22]<\/a> Johann Heinrich Pestalozzi, Wie Gertrud ihre Kinder lehrt, Ausgehen vom Wesentlichen<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref23\" name=\"_ftn23\">[23]<\/a> vgl. Hattie, John: Lernen sichtbar gemacht (\u00dcberarbeitete deutschsprachige Ausgabe von Visible Learning besorgt von Wolfgang Beywl und Klaus Zierer), Schneider Verlag Hohengehren GmbH, 2. korrigierte Auflage, Anhang A)<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref24\" name=\"_ftn24\">[24]<\/a> Krautz, Jochen: Neoliberaler \u00d6kologismus.\u00a0 \u201eMarkt\u201c und \u201eNatur\u201c als Steuerungsparadigmen der \u201eNeuen Lernkultur\u201c<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref25\" name=\"_ftn25\">[25]<\/a> Gruschka, Andreas: Der Bildungs-Rat der Gesellschaft f\u00fcr Bildung und Wissen Vorgelegt nach l\u00e4ngerer Konsultation vom Pr\u00e4sidenten der Gesellschaft f\u00fcr Bildung und Wissen, Verlag Barbara Budrich Opladen, Berlin, Toronto, 2015<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/bildung-wissen.eu\/wp-content\/uploads\/%202015\/06\/gruschka_bildundgs_rat.pdf\">https:\/\/bildung-wissen.eu\/wp-content\/uploads\/ 2015\/06\/gruschka_bildundgs_rat.pdf<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref26\" name=\"_ftn26\">[26]<\/a> nach Krautz, Jochen: Ware Bildung: Schule und Universit\u00e4t unter dem Diktat der \u00d6konomie, Diederichs-Verlag, 2012<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref27\" name=\"_ftn27\">[27]<\/a> nach Krautz, Jochen, a.a.O.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref28\" name=\"_ftn28\">[28]<\/a> nach Krautz, Jochen, a.a.O.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref29\" name=\"_ftn29\">[29]<\/a>\u00a0Mathedidaktiker Wolfram Meyerh\u00f6fer:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/bildung\/rechenschwaeche-kinder-mit-dyskalkulie-werden-behandelt-als-sei-ihnen-nichts-beizubringen-1.3619047-2\">https:\/\/www.sueddeutsche.de\/bildung\/rechenschwaeche-kinder-mit-dyskalkulie-werden-behandelt-als-sei-ihnen-nichts-beizubringen-1.3619047-2<\/a>, abgerufen 09.11.19<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref30\" name=\"_ftn30\">[30]<\/a> Krautz, Jochen: Ware Bildung. Schule und Universit\u00e4t unter dem Diktat der \u00d6konomie. Kreuzlingen, M\u00fcnchen 2007<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref31\" name=\"_ftn31\">[31]<\/a> Uhl, Siegfried: Die P\u00e4dagogik der Gr\u00fcnen, Verlag Ernst Reinhardt, M\u00fcnchen 1990<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref32\" name=\"_ftn32\">[32]<\/a> Dammer, Karl-Heinz: Mythos Neue Lernkultur<\/p>\n<p>In: P\u00e4dagogische Korrespondenz (2013) 48<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.pedocs.de\/volltexte\/2015\/11462\/pdf\/PaedKorr_2013_48_Dammer_Mythos_neue_Lernkultur.pdf\">https:\/\/www.pedocs.de\/volltexte\/2015\/11462\/pdf\/PaedKorr_2013_48_Dammer_Mythos_neue_Lernkultur.pdf<\/a>, S. 10<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref33\" name=\"_ftn33\">[33]<\/a> Frost, Ursula (Hrsg.): \u00bbBeraubung des Humanen\u00ab \u2013 \u00dcber allgemeine und politische Bildung. In: Frost, Ursula\/Rieger-Ladich, Markus (Hrsg.): Demokratie setzt aus: Gegen die sanfte Liquidation einer politischen Lebensform. Sonderheft der Vierteljahrsschrift fu\u0308r wissenschaftliche P\u00e4dagogik. Paderborn 2013<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref34\" name=\"_ftn34\">[34]<\/a> Krautz, Jochen: Ware Bildung \u2026, 2012<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref35\" name=\"_ftn35\">[35]<\/a>\u00a0nach\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Konstanzer_Beschluss\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Konstanzer_Beschluss<\/a>, abgerufen 12.11.19<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref36\" name=\"_ftn36\">[36]<\/a> Klein, Hans-Peter: Vom Streifenh\u00f6rnchen zum Nadelstreifen \u2013 Das deutsche Bildungswesen im Kompetenztaumer, zu Klampen Verlag, 2006<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref37\" name=\"_ftn37\">[37]<\/a> Statistisches Jahrbuch 2019, S.98 unten: Sch\u00fcler mit sonderp\u00e4dagogischem F\u00f6rderbedarf nach F\u00f6rderschwerpunkten 2017\/18<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref38\" name=\"_ftn38\">[38]<\/a> Dossier, Konferenz Time for change, 4. Mai 2019<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref39\" name=\"_ftn39\">[39]<\/a>\u00a0Nach\u00a0<a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/gesellschaft\/schule\/2019-05\/deutschland-verdummt-michael-winterhoff-bildungssystem-paedagogik-kinder\">https:\/\/www.zeit.de\/gesellschaft\/schule\/2019-05\/deutschland-verdummt-michael-winterhoff-bildungssystem-paedagogik-kinder<\/a>, abgerufen 14.11.19<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref40\" name=\"_ftn40\">[40]<\/a> Michael Winterhoff: Warum unsere Kinder zu Tyrannen werden, G\u00fctersloher Verlagshaus, 2008<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref41\" name=\"_ftn41\">[41]<\/a>\u00a0<a href=\"https:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/article160237275\/Darum-verfallen-unsere-Schulen-und-Strassen.html\">https:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/article160237275\/Darum-verfallen-unsere-Schulen-und-Strassen.html<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref42\" name=\"_ftn42\">[42]<\/a>\u00a0<a href=\"https:\/\/www.freiepresse.de\/nachrichten\/deutschland\/investitionsstau-an-schulen-48-milliarden-euro-waeren-noetig-artikel10286094\">https:\/\/www.freiepresse.de\/nachrichten\/deutschland\/investitionsstau-an-schulen-48-milliarden-euro-waeren-noetig-artikel10286094<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref43\" name=\"_ftn43\">[43]<\/a>\u00a0<a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/wirtschaft\/2018-08\/kfw-studie-schulen-deutschland-zustand-investitionen\">https:\/\/www.zeit.de\/wirtschaft\/2018-08\/kfw-studie-schulen-deutschland-zustand-investitionen<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<h5>Download<\/h5>\n<p>Der Artikel kann auch als PDF-Dokument angesehen und heruntergeladen werden:<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"1076\" data-permalink=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?attachment_id=1076\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/pdf_icon-2.png?fit=32%2C32&amp;ssl=1\" 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href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Freidenker_2020-02_Torres-TransformationDerBildung.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Annett Torres:\u00a0 Die Transformation der Bildung<\/a> (Auszug aus FREIDENKER 2-20, ca. 362 KB)<\/p>\n<hr \/>\n<h5>Video<\/h5>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"5427\" data-permalink=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?attachment_id=5427\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/video_icon_32x32.jpg?fit=32%2C32&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"32,32\" data-comments-opened=\"0\" 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verf\u00fcgbar: <a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=7354#ref4\">https:\/\/www.freidenker.org\/?p=7354#ref4<\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\">Beitragsbild oben: Annett Torres auf der Konferenz am 16.11.19 in Stuttgart, \u00a9 arbeiterfotografie.com \/<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 10pt;\">Unterricht digital, <a href=\"https:\/\/pixabay.com\/de\/illustrations\/bin%C3%A4r-null-eins-schulung-training-797273\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">pixabay.com<\/a> \/ <a class=\"hover_opacity\" href=\"https:\/\/pixabay.com\/de\/users\/geralt-9301\/\">geralt<\/a> \/ <a href=\"https:\/\/pixabay.com\/de\/service\/license\/\">Pixabay License<\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Rede von Annett Torres auf der Konferenz \u201eDer tiefe Staat \u2013 oder: Wer regiert den Westen?\u201c am 16. November 2019 in Stuttgart<\/b><br \/>\nBildung ist in aller Munde. Man spricht vom lebenslangen Lernen. Von Zeitfenstern, die sich f\u00fcr spezielle Bildungsinhalte \u00f6ffnen und wieder schlie\u00dfen sollen. Spr\u00fcche wie `Was H\u00e4nschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr`, &#8218;Wissen ist Macht&#8216; oder &#8218;Lernen, lernen und nochmals lernen&#8216; (Lenin) kennt sicherlich fast jeder. Eltern und Gro\u00dfeltern sind bestrebt, ihrem Z\u00f6gling das Beste auf den Lebensweg mitzugeben und \u00fcber die Dummheit anderer Menschen hat sich sicherlich jeder schon einmal aufgeregt. Wie sieht es allerdings mit dem Bildungsbegriff aus? Was ist eigentlich Bildung?<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":8305,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","advanced_seo_description":"","jetpack_seo_html_title":"","jetpack_seo_noindex":false,"jetpack_post_was_ever_published":false,"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[567,568,1300,1299,1297,1288,1298],"class_list":["post-8280","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-arbeit-soziales","tag-bildung","tag-bildungschancen","tag-inklusion","tag-lehrermangel","tag-pisa","tag-schule","tag-unterricht"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/KonferenzTieferStaat_Torres.jpg?fit=800%2C450&ssl=1","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p9stpK-29y","jetpack-related-posts":[{"id":8143,"url":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=8143","url_meta":{"origin":8280,"position":0},"title":"Schulen und Kitas \u00f6ffnen!","author":"Webredaktion","date":"25. 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