{"id":6530,"date":"2019-06-21T10:26:55","date_gmt":"2019-06-21T08:26:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=6530"},"modified":"2019-08-10T03:38:23","modified_gmt":"2019-08-10T01:38:23","slug":"20-jahre-seit-nato-angriffskrieg-gegen-jugoslawien-teil-19","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=6530","title":{"rendered":"20 Jahre seit NATO-Angriffskrieg gegen Jugoslawien &#8211; Teil 19"},"content":{"rendered":"<div>\n<div class=\"article__text \">\n<p>Der Angriffskrieg der NATO gegen Jugoslawien am 24. M\u00e4rz 1999 markierte das Ende des Friedens in Europa, ein Frieden, der seit der Katastrophe des Zweiten Weltkriegs gehalten hatte, zumindest in Europa. Mit Beitr\u00e4gen in loser Folge ruft <a href=\"https:\/\/deutsch.rt.com\/search?q=20+Jahre+seit+NATO-Angriff+auf+Jugoslawien%3A&amp;df=&amp;dt=\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">RT-Deutsch<\/a> die wichtigsten Stationen der NATO-Vorbereitungen auf diesen Krieg in Erinnerung.<\/p>\n<p>Wir ver\u00f6ffentlichen hier Teil 19.<\/p>\n<p><a id=\"uebersicht\"><\/a><strong>\u00dcbersicht<\/strong><\/p>\n<p>Bisher ver\u00f6ffentlicht:<\/p>\n<\/div>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=5900#t01\">Teil 1<\/a> \u2013 16.02.2019: <strong>Ursachen, Hintergr\u00fcnde, Fake News und False Flag<\/strong> <em>von Rainer Rupp<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=5900#t02\">Teil 2<\/a> \u2013 21.02.2019: <strong>Deutschlands R\u00fcckbesinnung auf unr\u00fchmliche Traditionen<\/strong> <em>von Klaus Hartmann<\/em><\/p>\n<div class=\"article__text \">\n<p><a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=5956#t03\">Teil 3<\/a> &#8211; 25.02.2019:\u00a0<strong>Luftangriffe in Bosnien-Herzegowina als Test f\u00fcr Kosovo<\/strong> <em>von Rainer Rupp<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=5956#t04\">Teil 4<\/a> &#8211; 01.03.2019:\u00a0 <strong>Falsche-Flagge-Massaker als Vorwand f\u00fcr NATO-Aggression<\/strong> <em>von Rainer Rupp<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=5985#t05\">Teil 5<\/a> &#8211; 02.03.2019: <strong>Warum wurde Milo\u0161evi\u0107 zum Hassobjekt des Westens?<\/strong> <em>von Klaus Hartmann<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=5985#t06\">Teil 6<\/a> &#8211; 04.03.2019: <strong>Das &#8222;Ra\u010dak-Massaker&#8220; &#8211; Teil des NATO-Drehbuchs (I) <\/strong><em>von Doris Pumphrey<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=6006#t07\">Teil 7<\/a> &#8211; 06.03.2019: <strong>Das &#8222;Ra\u010dak-Massaker&#8220; &#8211; Teil des NATO-Drehbuchs (II) <\/strong><em>von Doris Pumphrey<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=6006#t08\">Teil 8<\/a> &#8211; 08.03.2019: <strong>Teil des NATO-Drehbuchs \u2013 &#8222;Massaker von Srebrenica&#8220; (I)<\/strong> <em>von George Pumphrey<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=6013#t09\">Teil 9<\/a> &#8211; 09.03.2019: <strong>Teil des NATO-Drehbuchs \u2013 &#8222;Massaker von Srebrenica&#8220; (II) <\/strong><em>von George Pumphrey<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=6013#t10\">Teil 10<\/a> &#8211; 09.03.2019:\u00a0<strong>Terror-Paten und die letzte Chance<\/strong> <em>von Klaus Hartmann<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=6058#t11\">Teil 11<\/a> &#8211; 20.03.2019: <strong>Der Countdown l\u00e4uft &#8211; Die letzten Tage vor dem Angriff<\/strong> <em>von Rainer Rupp<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=6058#t12\">Teil 12<\/a> &#8211; 21.03.2019: <strong>L\u00fcgen, bis sich der Balkan biegt<\/strong> <em>von Klaus Hartmann<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=6085#t13\">Teil 13<\/a> &#8211; 22.03.2019: <strong>Momentaufnahme zwei Tage vor dem Angriff<\/strong> <em>von Rainer Ruppp<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=6085#t14\">Teil 14<\/a> &#8211; 24.03.2019: <strong>Kriegsverbrechen und Kriegsl\u00fcgen<\/strong> <em>von Ralph Hartmann<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=6178\">Teil 15<\/a> &#8211; 02.04.2019: <strong>Scharping &amp; Co. als M\u00fcnchhausen 2.0<\/strong> <em>von Klaus Hartmann<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=6178\">Teil 16<\/a> &#8211; 18.04.2019: <strong>Medienl\u00fcgen (1) \u2013 Zum Tod von Mira Markovi\u0107<\/strong> <em>von Klaus Hartmann<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=6424#t17\">Teil 17<\/a> &#8211; 27.04.2019: <strong>Medienl\u00fcgen (2) \u2013 &#8222;Eingebettete&#8220; Journalisten<\/strong> <em>von Klaus Hartmann<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=6424#t18\">Teil 18<\/a> &#8211; 18.05.2019: <strong>Medienl\u00fcgen (3) \u2013 Die vierte Waffengattung<\/strong> <em>von Klaus Hartmann<\/em><\/p>\n<p>Neu in diesem Beitrag<\/p>\n<p>Teil 19 &#8211; 16.06.2019: <strong>Medienl\u00fcgen (4) &#8211; Handke \u00fcber Kriegsgott Mars<\/strong> von <em>Klaus Hartmann<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Teil 19 (Erstver\u00f6ffentlichung auf RT Deutsch am 16.06.2019)<\/strong><\/p>\n<h4><strong>Medienl\u00fcgen (4) \u2013 Handke \u00fcber Kriegsgott Mars<\/strong><\/h4>\n<p><em>von <strong>Klaus Hartmann<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em><strong>Teil 4 befasst sich mit der von vielen Intellektuellen unterst\u00fctzten Medienkampagne, die den NATO-Angriff auf Serbien f\u00fcr humanit\u00e4r notwendig erkl\u00e4rte. Die wenigen Ausnahmen unter den Intellektuellen, die dem Einsatz gegen\u00fcber skeptisch waren, gerieten selbst ins Visier.<\/strong><\/em><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div><\/div>\n<div class=\"article__text \">\n<p>&#8222;Die Medienkampagne zu gewinnen, ist genauso wichtig, wie die milit\u00e4rische Kampagne f\u00fcr sich zu entscheiden.&#8220; Das d\u00fcrfte so ziemlich die einzige Wahrheit sein, die dem NATO-Sprecher Jamie Shea je \u00fcber die Lippen kam, und dies auch erst nach Einstellung der Bombardierungen. F\u00fcr diese Medienkampagne fanden sich Willige in gro\u00dfer Zahl, und wer sie kritisierte, wurde wie der &#8222;Feind&#8220;, mindestens aber als dessen &#8222;n\u00fctzlicher Idiot&#8220; behandelt, also \u00f6ffentlich hingerichtet. Prominentes Beispiel war und ist Peter Handke \u2013 unter den Intellektuellen leider fast eine Ausnahmeerscheinung.<\/p>\n<p>Wo es mit der Freiwilligkeit der dienstbaren Mediengeister hapert, wurden sie von &#8222;Alpha-Journalisten und Herausgebern, die fest in den transatlantischen Think-Tanks verwurzelt sind&#8220;, auf Linie gebracht, wie Uwe Kr\u00fcger in &#8222;<a href=\"http:\/\/www.halem-verlag.de\/meinungsmacht-und-elite-journalismus\/\">Meinungsmacht: Der Einfluss von Eliten auf Leitmedien und Alpha-Journalisten \u2013 eine kritische Netzwerkanalyse<\/a>&#8220; herausfand.<\/p>\n<p>Zur Zeit des \u00dcberfalls auf Jugoslawien war die &#8222;L\u00fcgenpresse&#8220; noch nicht in aller Munde, inzwischen gaben sich die so Gescholtenen erdenkliche M\u00fche, das Wort auf den Index zu setzen, da es angeblich ein &#8222;Nazi-Wort&#8220; sei. Doch das ist leider schon wieder gelogen, denn das Wort war schon in den 1920er-Jahren fester Bestandteil der Medienkritik \u2013 es wurde von der KPD gegen die Nazi-F\u00f6rderer gerichtet, gegen die &#8222;Hugenberg&#8217;sche L\u00fcgenpresse&#8220;.Die Kritik an der Kriegstreiber-Berichterstattung der 1990er-Jahre brachte andere &#8222;Ehrentitel&#8220; hervor, die in der &#8222;Hall of Shame&#8220; des Journalismus verdienterweise ihren Platz gefunden haben: &#8222;Reporter ohne Schamgrenzen&#8220; geh\u00f6rt ebenso dazu wir die Bezeichnung der Medien als &#8222;vierte Waffengattung&#8220;.<\/p>\n<p>Politiker und Milit\u00e4rs bet\u00e4tigten sich als Vorl\u00fcgner. Da die Aggression bekanntlich ohne Kriegserkl\u00e4rung stattfand, erkl\u00e4rte der deutsche General Klaus Naumann, Vorsitzender des NATO-Milit\u00e4rausschusses, wenige Tage vorher: &#8222;Wir werden nicht dulden, dass es in Europa Krieg gibt.&#8220; Er meinte: den nicht wir f\u00fchren. Au\u00dfenminister Joseph Fischer nahm sogar das Wort Aggression in den Mund: &#8222;Aggression darf sich nicht lohnen.&#8220; Er meinte allerdings nicht die NATO-Aggression, sondern wollte die Angegriffenen als Aggressoren hinstellen. Die Presse zitierte, Gewehr bei Fu\u00df.<\/p>\n<p>Die Beispiele f\u00fcr die mediale Kriegstreiberei sind nicht zu z\u00e4hlen. Als die Bombardierung begann, befand sich der russische Premierminister Jewgeni Primakow auf dem Flug nach Washington. Als er davon erfuhr, lie\u00df er das Flugzeug umdrehen \u2013 und das galt den Kriegstreibern der <em>FAZ<\/em> als &#8222;Erkl\u00e4rung eines neuen &#8218;Kalten Krieges'&#8220;. In dieser Zeitung war auch zu lesen, wer auf einen Interessenausgleich dr\u00e4nge, &#8222;betreibt das Gesch\u00e4ft des serbischen Aggressors&#8220;. Daher sei &#8222;eine nachhaltige Schw\u00e4chung der serbischen Milit\u00e4rmacht ein Ziel an sich&#8220;. Und neben dem \u00fcberwiegenden Get\u00f6se \u00fcber den angeblichen &#8222;serbischen Nationalismus&#8220; als Kriegsgrund kommt doch \u2013 h\u00f6chst selten, aber doch \u2013 die Wahrheit ans Licht: Jugoslawien sei die &#8222;beklemmende Ausnahme&#8220; vom vor zehn Jahren eingetretenen Ende der &#8222;kommunistischen Diktaturen&#8220;, verr\u00e4t die <em>FAZ<\/em>.<\/p>\n<p>Heute erregt sich die <em>FAZ<\/em> in Person ihres Korrespondenten Michael Martens \u00fcber eine R\u00fcckschau in der <em>Deutschen Welle<\/em>, die er &#8222;wahrlich bemerkenswert&#8220; nennt. Das ist sie in der Tat, hei\u00dft es doch unter der \u00dcberschrift &#8222;Wie Bomben gedruckt wurden&#8220;: &#8222;Vor 20 Jahren zogen die Deutschen in den ersten Krieg seit Hitler \u2013 in die Bombardierung Jugoslawiens. Begleitet wurden sie dort(hin) von kriegsl\u00fcsternen Zeitungskommentatoren.&#8220; Und Martens fragt: &#8222;L\u00e4sst sich die \u00dcberschrift viel anders verstehen als so, dass vor 20 Jahren &#8218;kriegsl\u00fcsterne Zeitungskommentatoren&#8216; einen Krieg herbeigeschrieben haben? Auch der einleitende Bezug zu Hitler ist zumindest seltsam, insinuiert er doch eine Kontinuit\u00e4t von 1945 zu 1999.&#8220;<\/p>\n<p>Die als NATO-Kriegsmotiv ausgegebenen &#8222;humanit\u00e4ren Gr\u00fcnde&#8220; werden pl\u00f6tzlich zynisch kommentiert, wieder die <em>FAZ<\/em>: &#8222;Auf dem Balkan werden die Kriegsziele der NATO verfehlt. Aber welcher Krieg w\u00e4re je gef\u00fchrt worden, um Ziele zu erreichen? Ziele sind Vorw\u00e4nde. Kriege werden gef\u00fchrt, um zu zeigen, wer man ist.&#8220; Der<em> FAZ<\/em> als &#8222;Zeitung f\u00fcr Erwachsene&#8220; versucht auch die kleinere Schwester, die &#8222;Kinder-<em>FAZ<\/em>&#8220; namens <em>taz<\/em>, nachzueifern. Ihr oberster Krieger Erich Rathfelder berichtete im August 1998 von einem &#8222;serbischen Massaker in Orahovac&#8220; mit &#8222;567 Ermordeten, davon 430 Kinder&#8220;. Eine reine Erfindung, f\u00fcr die Rathfelder eine R\u00fcge des \u00f6sterreichischen Presserates kassierte. Konfliktforscher Kurt Gritsch: &#8222;Das besonders Perfide an der Orahovac-Geschichte war, dass kurz zuvor in Kle\u010dka, Glodjane und Ratis Massengr\u00e4ber mit insgesamt 47 ermordeten Serben gefunden worden waren, was prozentuell hochgerechnet auf die ethnische Verteilung fast der erfundenen Rathfelder-Zahl entspricht. Anstatt \u00fcber die echten Massaker der U\u00c7K zu berichten, beherrschte Desinformation die Titelseiten.&#8220;<\/p>\n<p>Wie aber reagierten die Intellektuellen auf Kriegsvorbereitung und Aggression? Die meisten taten es den Mainstream-Journalisten gleich, die Gut-B\u00f6se-Geschichten erz\u00e4hlten und von der Alternativlosigkeit der NATO-Politik \u00fcberzeugen wollten. Besonders makaber der Soziologe J\u00fcrgen Habermas: Er sah im NATO-Angriff auf Serbien einen &#8222;Sprung auf dem Wege des klassischen V\u00f6lkerrechts der Staaten zum kosmopolitischen Recht einer Weltb\u00fcrgergesellschaft&#8220;, also ein Schritt hin &#8222;zum kosmopolitischen Recht einer Weltb\u00fcrgergesellschaft&#8220;. In Ermangelung von f\u00fcr die Wahrung der globalen Ordnung zust\u00e4ndigen Institutionen m\u00fcsse die NATO stellvertretend handeln, sozusagen als &#8222;Instrument eines h\u00f6heren Rechts&#8220;.<\/p>\n<p>Hans Magnus Enzensbergers forderte die Bewaffnung der UCK und die v\u00f6lkerrechtliche Anerkennung des Kosovo. Peter Schneider, ehemals bekennender Linker, auch &#8222;Enzensberger f\u00fcr Arme&#8220; genannt (Dirk Sch\u00fcmer), sprach sich f\u00fcr den NATO-Krieg aus, arbeitete sich an den kritischen Positionen von Peter Handke und Gy\u00f6rgy Konrad ab, und betete die Regierungspropaganda im Stil von &#8222;Wir k\u00f6nnen doch nicht l\u00e4nger zusehen&#8220; nach. Dass die NATO-Bomben massenhafte Fl\u00fcchtlingsstr\u00f6me produziert h\u00e4tten, nannte Schneider &#8222;eine L\u00fcge&#8220;. Handke \u00fcber Schneider: ein &#8222;abgelegter Kulturgangster&#8220;.<\/p>\n<p>Im Gleichschritt mit den mehr oder weniger Philosophen Finkielkraut, L\u00e9vy und Glucksmann appellierten Hans Christoph Buch, Richard Wagner, R\u00fcdiger Safranski, J\u00fcrgen Altwegg, Steffen Noack, Richard Herzinger dagegen &#8222;an die westlichen Regierungen, fest zu bleiben und der Erpressung durch das serbische Regime nicht nachzugeben. Es gibt keinen anderen Weg&#8220;. Walter Jens und Erich Loest verlangten zumindest nach den ersten Kriegswochen ein Ende der Angriffe, da sie das Elend nur potenzierten. Die Mehrheit hielt sich aber an die schon von Karl Kraus beklagte Parole: &#8222;Serbien muss sterbien&#8220;.<\/p>\n<p>Ganz im Gegensatz zum Mainstream schrieb Peter Handke zur NATO-Aggression: &#8222;Der Mars greift an, und seit dem 24. M\u00e4rz sind Serbien, Montenegro, die Republika Srpska und Jugoslawien das Vaterland f\u00fcr alle, die keine Marsianer und gr\u00fcne Schl\u00e4chter geworden sind.&#8220; Schon 1991 hatte Handke seinen &#8222;Abschied des Tr\u00e4umers vom Neunten Land&#8220; &#8222;sein&#8220; Slowenien als &#8222;aus Gespenstergerede&#8220; geborene neunte Republik bezeichnet. 1996, dem Jahr nach dem Ende des Bosnienkrieges, ver\u00f6ffentlichte er ein Essay, das zuerst am 5.\/6. Januar in der <em>S\u00fcddeutschen Zeitung<\/em> unter dem Titel &#8222;Gerechtigkeit f\u00fcr Serbien. Eine winterliche Reise zu den Fl\u00fcssen Donau, Save, Morawa und Drina&#8220; erschien. Darin kritisierte Handke ein paar &#8222;meinungsstarke, allzeit kriegsbegeisterte Schriftsteller&#8220; und ihren &#8222;feind- und kriegsbildverknallten, mitl\u00e4uferischen statt mauerspringerischen Schrieb&#8220;.<\/p>\n<p>Der Text basiert auf einer Reise, die Handke mit Freunden im November und Dezember 1995 durch Serbien unternommen hat. Mit literarischen Mitteln und aus eigener Anschauung will Handke in dem Text die Wahrheit \u00fcber das Land und den Konflikt erz\u00e4hlen. Gem\u00e4\u00df seinem Bekenntnis: &#8222;Mein Platz ist in Serbien, wenn die NATO-Verbrecher das Land bombardieren&#8220; fuhr Handke auch nach Jugoslawien, w\u00e4hrend 1999 die NATO-Bomben fielen, und ver\u00f6ffentlichte seine Aufzeichnungen &#8222;Unter Tr\u00e4nen fragend&#8220;. Da der Papst in seiner Osterbotschaft nicht den &#8222;Allrohr\u00fcberfall der NATO gegen ein kleines Land&#8220; verurteilt hat, trat der Katholik Handke aus der &#8222;momentanen katholischen Kirche&#8220; aus. Er besuchte Slobodan Milo\u0161evi\u0107 in Den Haag, und schrieb dar\u00fcber &#8222;Rund um das Tribunal&#8220; und &#8222;Die Tablas von Daimiel&#8220;.<\/p>\n<p>Neben &#8222;Magazinen, von <em>Time <\/em>bis zum <em>Nouvel Observateur<\/em>&#8222;, die &#8222;den Krieg unter die Kunden bringen&#8220;, hatte es ihm besonders ein Blatt &#8222;angetan&#8220;: &#8222;Es interessiert mich inzwischen, wie in dem zentralen Serbenfressblatt, der <em>Frankfurter Allgemeinen Zeitung<\/em>, deren Hasswortf\u00fchrer dort, deren Grundstock des Hasses, ein fast tagt\u00e4glich gegen alles Jugoslawische und Serbische im Stil(?) eines Scharfrichters leitartikelnder (&#8218;ist zu entfernen&#8216;, &#8218;ist abzutrennen&#8216;, &#8218;hat kaltgestellt zu werden&#8216;) Rei\u00dfwolf &amp; Geiferm\u00fcller \u2013 interessiert mich, wie dieser Journalist zu seiner Ausdauer im Wortbeschuss, von seinem deutschen Hochsitz aus, wohl gekommen sein mag. (\u2026) Aber nat\u00fcrlich handelt (ja, handelt) er nicht allein; die ganze Zeitung wei\u00df, was sie tut.&#8220;<\/p>\n<p>Handke nimmt beim Anprangern der antiserbischen Berichterstattung kein Blatt vor den Mund, die Zeitungen nennt er &#8222;Kriegstreiber&#8220;, ihre Autoren &#8222;Fernfuchtler&#8220;, die &#8222;ihren Schreiberberuf mit dem eines Richters oder gar mit der Rolle eines Demagogen verwechseln und (\u2026) auf ihre Weise genauso arge Kriegshunde sind wie jene im Kampfgebiet&#8220;. Ihre Reden seien &#8222;von einer im Voraus gespannten Schn\u00fcffelleine&#8220; diktiert, statt Erforschung der Ursachen z\u00e4hle nur &#8222;der nackte, geile, marktbestimmte Fakten- und Scheinfakten-Verkauf&#8220;. Mit Blick auf die Bundesregierung schreibt er von \u201egr\u00fcnen Schl\u00e4chtern\u201c und dem \u201edeutschen T\u00f6tungsminister\u201c Scharping.<\/p>\n<p>Ein Literaturskandal? In der <em>FAZ<\/em> nennt Gustav Seibt den Reisebericht &#8222;skandal\u00f6s&#8220; und unterstellt Handke (!) einen &#8222;Wahn von Krieg und Blut und Boden&#8220;. Da sprach wohl ein Experte. Erg\u00e4nzend empfahl Marcel Reich-Ranicki dem Dichter, &#8222;sich m\u00f6glichst schnell in die Obhut eines Sanatoriums zu begeben&#8220;. Man kann die Soldschreiber der <em>FAZ<\/em> irgendwie verstehen, nannte Handke ihr Blatt doch das &#8222;Organ einer stockfinsteren Sekte, einer Sekte der Macht&#8220;.<\/p>\n<p>&#8222;Serbenfreund&#8220;, &#8222;weltfremder Dichter&#8220;, &#8222;politisch indiskutabel&#8220;, &#8222;Demagogie&#8220;, &#8222;Spinner&#8220;, urteilte der Mainstream Handke ab und machte ihn zur Persona non grata. Handke: &#8222;Pro-Serbe ist f\u00fcr mich heute ein Ehrentitel.&#8220; Medienkritiker Kurt Gritsch: \u201eHandkes Kritik an Zeitungen wie <em>FAZ<\/em>, <em>Le Monde<\/em> und <em>Spiegel<\/em> konnte bei diesen aber nur auf Ablehnung sto\u00dfen \u2013 jede zustimmende Rezension im Feuilleton w\u00e4re einem Eingest\u00e4ndnis des eigenen Versagens, einer journalistischen Bankrotterkl\u00e4rung, gleichgekommen.&#8220; Doch die Handke-Verdammnis zielt noch auf etwas anderes, denn so &#8222;lenkte aber die Aufregung um Handke von der Frage nach Recht- und Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit des NATO-Einsatzes ab und wirkte dadurch beruhigend auf zweifelnde Interventionsbef\u00fcrworter&#8220;. Letztlich sei die &#8222;Handke-Auseinandersetzung als S\u00fcndenbockstrategie&#8220; zu interpretieren, &#8222;als Zielscheibe zur Ablenkung der Medien von berechtigter Kritik an der Berichterstattung&#8220;.<\/p>\n<p>Handkes 1999 erschienenes St\u00fcck zur NATO-Aggression &#8222;Die Fahrt im Einbaum oder Das St\u00fcck zum Film vom Krieg&#8220; wurde in gleicher Weise verrissen. Unter der \u00dcberschrift &#8222;Maulwerker ahoi. Serbien in Not, Peter Handke in Rage&#8220; bescheinigte Peter Stolle im <em>Spiegel<\/em> dem Schriftsteller, er habe &#8222;mit hei\u00dfem Herzen, aber betr\u00fcblich schwach bei Verstand&#8220; geschrieben. Der <em>Tagesspiegel<\/em>reihte Handke bei den Faschismus verherrlichenden Dichtern ein. Im Wiener <em>Standard<\/em> warf ihm Hans Rauscher vor, das Niveau von Holocaust-Verharmlosern bzw. &#8222;die moralisch-intellektuelle Verrottung jener Intellektuellen erreicht zu haben, die Stalin und Mao f\u00fcr die Schaffung eines &#8217;neuen Menschen&#8216; priesen&#8220;.<\/p>\n<p>Auch die Kulturpreisverleihungspraxis folgt den politischen Pr\u00e4missen. Der Kriegshetzer J\u00fcrgen Habermas wurde 2001 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geehrt, Laudator war Jan Philipp Reemtsma, Leiter des Hamburger Instituts f\u00fcr Sozialforschung. Wer dachte, dies sei kaum zu toppen, hatte sich get\u00e4uscht: 2003 hat der Verband Deutscher Schriftsteller Bundeskanzler Schr\u00f6der und Au\u00dfenminister Fischer f\u00fcr den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels vorgeschlagen. Peter Handke kommentierte: &#8222;Mit diesem Vorschlag ist das Wort Schriftsteller au\u00dfer Gebrauch zu setzen. Diese Leute, die den Krieg gegen Jugoslawien vor vier Jahren scheinheiligst losgebrochen haben, sagen vier Jahre sp\u00e4ter noch scheinheiliger: &#8218;Von diesem Krieg sind wir nicht \u00fcberzeugt.&#8216; Wenn es stimmt, dass man daf\u00fcr vom deutschen Schriftstellerverband f\u00fcr den Friedenspreis vorgeschlagen wird, dann h\u00f6re ich auf. Mein Beruf wird dann Rentner oder Maik\u00e4fer oder irgendwas.&#8220;<\/p>\n<p>Der D\u00fcsseldorfer Stadtrat zeigte sich 2006 auf dem Gebiet der Au\u00dfenpolitik und dem der Kultur gleicherma\u00dfen kompetent: Kaum war Handke f\u00fcr den mit 50.000 Euro dotierten &#8222;Heinrich-Heine-Preis&#8220; der Stadt nominiert, protestierte der Stadtrat vehement \u2013 wegen der &#8222;Pro-Serbien-Haltung des Autors&#8220;. J\u00fcrgen R\u00fcttgers, damals Ministerpr\u00e4sident, empfahl sich schon mal f\u00fcr H\u00f6heres: &#8222;Die Landesregierung ist der Meinung, dass f\u00fcr den Heine-Preis nicht preisw\u00fcrdig ist, wer den Holocaust relativiert.&#8220; Handke verzichtete nach der medialen Schlammschlacht \u2013 &#8222;freiwillig&#8220;, wie man sagt. Freiwillig machte sich jedenfalls die Literaturkritik zum B\u00fcttel der Politik.<\/p>\n<p>Im selben Jahr 2006 reiste Peter Handke wieder nach Serbien, wozu die <em>Abendzeitung<\/em> wusste: &#8222;Handkes Reise an Milo\u0161evi\u0107s Grab hatte Verwunderung und Kritik ausgel\u00f6st.&#8220; Die Kritik galt besonders Handkes Zur\u00fcckweisung der Behauptung, Milo\u0161evi\u0107 sei der &#8222;Sch\u00e4chter von Belgrad&#8220;: Er sei weder Diktator gewesen, noch habe er &#8222;vier Kriege auf dem Balkan angezettelt&#8220;. Das &#8222;Haager Tribunal&#8220; beschuldigt er, es habe Milo\u0161evi\u0107 &#8222;sterben lassen&#8220;: &#8222;Unterlassene Hilfeleistung \u2013 ist das nicht ein Verbrechen?&#8220;<\/p>\n<p>Elfriede Jelinek begann ein Interview (2007) mit Handke: &#8222;F\u00fcr viele sind Sie, seit Sie sich f\u00fcr den als Kriegsverbrecher angeklagten jugoslawischen Pr\u00e4sidenten Milo\u0161evi\u0107 eingesetzt haben, ein Hassobjekt.&#8220; Handke: &#8222;Dass man ihn ausgeliefert hat, bleibt eine ewige Schande f\u00fcr Serbien. (\u2026) Schauen Sie sich doch einmal an, was der ehemalige Pr\u00e4sident von Bosnien-Herzegowina Izetbegovi\u0107 in seinem Buch &#8218;Die islamische Deklaration&#8216; geschrieben hat! Da entwirft er einen islamischen Gottesstaat. Vom fr\u00fcheren kroatischen Pr\u00e4sidenten Tudjman, diesem Faschisten, gibt es noch Schlimmeres. Das sind die wahren Schurken. Aber die hat der Westen unterst\u00fctzt.&#8220;<\/p>\n<p>2010 kam J\u00fcrgen Brokoff in der <em>FAZ<\/em> noch mal auf Handkes Kriegskritik zur\u00fcck, wobei er sich insbesondere dessen &#8222;Sommerlichen Nachtrag zu einer winterlichen Reise&#8220; vornahm, um dem Autor &#8222;Nationalismus mit spezifisch literarischen Mitteln&#8220; nachzusagen. Man d\u00fcrfe das literarische Werk keinesfalls von den politischen Positionen trennen, wie es manche Feuilletonschreiber t\u00e4ten: &#8222;Es ist eine Verharmlosung, Handke f\u00fcr seine vermeintlich naiven politischen Stellungnahmen zu kritisieren. Der eigentliche S\u00fcndenfall dieses Autors ereignet sich nicht auf dem Feld des Politischen, sondern auf dem Feld des Literarischen.&#8220; N\u00e4mlich durch &#8222;die textstrategisch \u00e4u\u00dferst geschickten Anleihen bei der Sprache des serbischen Nationalismus, seine antimuslimischen und antialbanischen Insinuationen&#8220;. Die fette Warnung kommt zum Schluss: &#8222;Es wird Zeit, sich bewusstzuwerden, dass von einem Autor solchen Ranges wie Handke eine Gefahr ausgehen kann.&#8220;<\/p>\n<p>Das wollen wir dann doch mal sehr hoffen, denn von der verlogenen Begr\u00fcndung des <em>FAZ<\/em>-Autors abgesehen, w\u00e4re eine solche Gefahr f\u00fcr die Verwirklichung weiterer Pl\u00e4ne der NATO-Krieger h\u00f6chstwillkommen und bitter n\u00f6tig, \u00fcberlebenswichtig.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Klaus Hartmann ist Bundesvorsitzender des Deutschen Freidenker-Verbandes,<br \/>\nPr\u00e4sident der Weltunion der Freidenker und<br \/>\nCo-Vorsitzender des Internationalen Komitees Slobodan Milo<\/em><em>\u0161<\/em><em>evi<\/em><em>\u0107<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p><em>RT Deutsch bem\u00fcht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeitr\u00e4ge und Meinungsartikel m\u00fcssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.<\/em><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Angriffskrieg der NATO gegen Jugoslawien am 24. M\u00e4rz 1999 markierte das Ende des Friedens in Europa, ein Frieden, der seit der Katastrophe des Zweiten Weltkriegs gehalten hatte, zumindest in Europa. Mit Beitr\u00e4gen in loser Folge ruft RT-Deutsch die wichtigsten Stationen der NATO-Vorbereitungen auf diesen Krieg in Erinnerung.<br \/>\nTeil 19 &#8211; 16.06.2019: <b>Medienl\u00fcgen (4) \u2013 Handke \u00fcber Kriegsgott Mars<\/b> von Klaus Hartmann.<br \/>\nDer Beitrag befasst sich mit der von vielen Intellektuellen unterst\u00fctzten Medienkampagne, die den NATO-Angriff auf Serbien f\u00fcr humanit\u00e4r notwendig erkl\u00e4rte. Die wenigen Ausnahmen unter den Intellektuellen, die dem Einsatz gegen\u00fcber skeptisch waren, gerieten selbst ins Visier.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":6532,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","advanced_seo_description":"","jetpack_seo_html_title":"","jetpack_seo_noindex":false,"jetpack_post_was_ever_published":false,"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[801,335,590,188,743,269],"class_list":["post-6530","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-frieden-antifaschismus-solidaritaet","tag-aggressionskrieg","tag-frieden","tag-jugoslawien","tag-krieg","tag-medienluegen","tag-nato-ueberfall-auf-jugoslawien"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/20_Jahre_Jugoslawienkrieg_800x445_T19.jpg?fit=800%2C445&ssl=1","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p9stpK-1Hk","jetpack-related-posts":[{"id":18593,"url":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=18593","url_meta":{"origin":6530,"position":0},"title":"FREIDENKER 1-24 \u2013 25 Jahre NATO-Aggression gegen Jugoslawien","author":"Webredaktion","date":"24. 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