{"id":6424,"date":"2019-05-18T11:10:26","date_gmt":"2019-05-18T09:10:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=6424"},"modified":"2019-06-21T13:13:17","modified_gmt":"2019-06-21T11:13:17","slug":"20-jahre-seit-nato-angriffskrieg-gegen-jugoslawien-teil-17-und-18","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=6424","title":{"rendered":"20 Jahre seit NATO-Angriffskrieg gegen Jugoslawien &#8211; Teil 17 und 18"},"content":{"rendered":"<div class=\"article__text \">\n<p>Der Angriffskrieg der NATO gegen Jugoslawien am 24. M\u00e4rz 1999 markierte das Ende des Friedens in Europa, ein Frieden, der seit der Katastrophe des Zweiten Weltkriegs gehalten hatte, zumindest in Europa. Mit Beitr\u00e4gen in loser Folge ruft <a href=\"https:\/\/deutsch.rt.com\/search?q=20+Jahre+seit+NATO-Angriff+auf+Jugoslawien%3A&amp;df=&amp;dt=\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">RT-Deutsch<\/a> die wichtigsten Stationen der NATO-Vorbereitungen auf diesen Krieg in Erinnerung.<\/p>\n<p>Wir ver\u00f6ffentlichen die Teile 17 und 18 hier zusammenh\u00e4ngend.<\/p>\n<p><a id=\"uebersicht\"><\/a><strong>\u00dcbersicht<\/strong><\/p>\n<p>Bisher ver\u00f6ffentlicht:<\/p>\n<\/div>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=5900#t01\">Teil 1<\/a> \u2013 16.02.2019: <strong>Ursachen, Hintergr\u00fcnde, Fake News und False Flag<\/strong> <em>von Rainer Rupp<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=5900#t02\">Teil 2<\/a> \u2013 21.02.2019: <strong>Deutschlands R\u00fcckbesinnung auf unr\u00fchmliche Traditionen<\/strong> <em>von Klaus Hartmann<\/em><\/p>\n<div class=\"article__text \">\n<p><a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=5956#t03\">Teil 3<\/a> &#8211; 25.02.2019:\u00a0<strong>Luftangriffe in Bosnien-Herzegowina als Test f\u00fcr Kosovo<\/strong> <em>von Rainer Rupp<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=5956#t04\">Teil 4<\/a> &#8211; 01.03.2019:\u00a0 <strong>Falsche-Flagge-Massaker als Vorwand f\u00fcr NATO-Aggression<\/strong> <em>von Rainer Rupp<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=5985#t05\">Teil 5<\/a> &#8211; 02.03.2019: <strong>Warum wurde Milo\u0161evi\u0107 zum Hassobjekt des Westens?<\/strong> <em>von Klaus Hartmann<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=5985#t06\">Teil 6<\/a> &#8211; 04.03.2019: <strong>Das &#8222;Ra\u010dak-Massaker&#8220; &#8211; Teil des NATO-Drehbuchs (I) <\/strong><em>von Doris Pumphrey<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=6006#t07\">Teil 7<\/a> &#8211; 06.03.2019: <strong>Das &#8222;Ra\u010dak-Massaker&#8220; &#8211; Teil des NATO-Drehbuchs (II) <\/strong><em>von Doris Pumphrey<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=6006#t08\">Teil 8<\/a> &#8211; 08.03.2019: <strong>Teil des NATO-Drehbuchs \u2013 &#8222;Massaker von Srebrenica&#8220; (I)<\/strong> <em>von George Pumphrey<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=6013#t09\">Teil 9<\/a> &#8211; 09.03.2019: <strong>Teil des NATO-Drehbuchs \u2013 &#8222;Massaker von Srebrenica&#8220; (II) <\/strong><em>von George Pumphrey<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=6013#t10\">Teil 10<\/a> &#8211; 09.03.2019:\u00a0<strong>Terror-Paten und die letzte Chance<\/strong> <em>von Klaus Hartmann<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=6058#t11\">Teil 11<\/a> &#8211; 20.03.2019: <strong>Der Countdown l\u00e4uft &#8211; Die letzten Tage vor dem Angriff<\/strong> <em>von Rainer Rupp<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=6058#t12\">Teil 12<\/a> &#8211; 21.03.2019: <strong>L\u00fcgen, bis sich der Balkan biegt<\/strong> <em>von Klaus Hartmann<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=6085#t13\">Teil 13<\/a> &#8211; 22.03.2019: <strong>Momentaufnahme zwei Tage vor dem Angriff<\/strong> <em>von Rainer Ruppp<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=6085#t14\">Teil 14<\/a> &#8211; 24.03.2019: <strong>Kriegsverbrechen und Kriegsl\u00fcgen<\/strong> <em>von Ralph Hartmann<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=6178\">Teil 15<\/a> &#8211; 02.04.2019: <strong>Scharping &amp; Co. als M\u00fcnchhausen 2.0<\/strong> <em>von Klaus Hartmann<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=6178\">Teil 16<\/a> &#8211; 18.04.2019: <strong>Medienl\u00fcgen (1) \u2013 Zum Tod von Mira Markovi\u0107<\/strong> <em>von Klaus Hartmann<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Neu auf dieser Seite:<\/p>\n<p><a href=\"#t17\">Teil 17<\/a> &#8211; 27.04.2019: <strong>Medienl\u00fcgen (2) \u2013 &#8222;Eingebettete&#8220; Journalisten<\/strong> <em>von Klaus Hartmann<\/em><\/p>\n<p><a href=\"#t18\">Teil 18<\/a> &#8211; 18.05.2019: <strong>Medienl\u00fcgen (3) \u2013 Die vierte Waffengattung<\/strong> <em>von Klaus Hartmann<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p><strong><a id=\"t17\"><\/a>Teil 17 (<a href=\"https:\/\/deutsch.rt.com\/meinung\/87544-20-jahre-seit-nato-angriffskrieg\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Erstver\u00f6ffentlichung auf RT Deutsch am 27.04.2019<\/a>)<\/strong><\/p>\n<h4><strong>Medienl\u00fcgen (2) \u2013 &#8222;Eingebettete&#8220; Journalisten<\/strong><\/h4>\n<p><em>von <strong>Klaus Hartmann<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em><strong>Nach den westlichen, auf Krieg dr\u00e4ngenden Politikern und ihren bezahlten Regierungs- und NATO-Sprechern verdienen jene besondere Beachtung, die sich gerne als &#8222;vierte Gewalt&#8220; im Staat feiern lassen: Die Mainstream-Medien mit ihren &#8222;eingebetteten&#8220; Journalisten.<\/strong><\/em><\/p>\n<\/div>\n<div class=\"article__text \">\n<p>&#8222;Eingebettete&#8220; Journalisten erlangten wortw\u00f6rtlich die Lufthoheit und leisteten in Vorbereitung der NATO-Aggression 1999 &#8222;ganze Arbeit&#8220; \u2013 beim &#8222;Ruhigstellen&#8220; der Bev\u00f6lkerung. 1996, unter dem Eindruck der Sezessionskriege zur Zerst\u00f6rung Jugoslawiens, ver\u00f6ffentlichte Mira Beham ihr Buch <em>Kriegstrommeln<\/em> \u00fcber das Zusammenspiel von Medien, Krieg und Politik, das Verh\u00e4ltnis von Krieg und Kriegsberichterstattung seit dem <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/erster-weltkrieg\">Ersten Weltkrieg<\/a>. In einer Rezension in der <em>Zeit<\/em> nennt Rudolf Walther &#8222;Kriegsberichte \u2026 Werkzeug(e) zur Unterdr\u00fcckung dessen, was jene, \u00fcber deren K\u00f6pfe hinweg entschieden wird, \u00fcber ihn wissen m\u00f6chten, sogar wissen m\u00fcssten &#8211; zum Beispiel als Souver\u00e4n in Demokratien&#8220;.<\/p>\n<p>1999, das Jahr der NATO-Aggression gegen Jugoslawien, markiert \u00fcber diese &#8222;ewige Wahrheit&#8220; hinaus einen qualitativ weitergehenden Schritt: die Perfektionierung der Strategie eines Informationskrieges. &#8222;F\u00fcr Politiker und Milit\u00e4rs galt der Waffengang im Kosovo als gelungener Testfall f\u00fcr k\u00fcnftige &#8218;Information Operations&#8216;, einen elementaren Bestandteil der neuen &#8218;Information Warfare&#8216;-Strategie&#8220;, schrieb Elvi Cla\u00dfen im Oktober 1999 auf <em>telepolis<\/em>. &#8222;Noch nie zuvor war die milit\u00e4risch-politische Informations-Intervention im Krieg so vielschichtig und umfassend, so aggressiv und effektiv wie w\u00e4hrend dieses Krieges.&#8220;<\/p>\n<p>F\u00fcr Viele \u00fcberraschend strahlte die ARD am 8. Februar 2001 die investigative Dokumentation von Jo Angerer und Mathias Werth aus: &#8222;Es begann mit einer L\u00fcge. Wie die NATO im Krieg um Kosovo Tatsachen verf\u00e4lschte und Fakten erfand&#8220;. Auf der Seite des Kasseler Friedensratschlags wurde kommentiert:<\/p>\n<blockquote><p>Das einzig Bedauerliche, ja, wirklich \u00c4rgerliche an der ARD-Dokumentation ist, dass sie erst jetzt zu sehen war. Warum nicht schon im April 1999? Die meisten Tatsachen, die hier ausgebreitet wurden, waren ja schon bekannt (\u2026) Scharpings L\u00fcgen haben ihre Wirkung nicht verfehlt. Journalisten werden sich fragen m\u00fcssen, warum sie damals dieses Spiel mitspielten, warum der Gro\u00dfteil der Kolleginnen und Kollegen in den Zeitungs- und sonstigen Medienredaktionen mit den W\u00f6lfen geheult hat.<\/p><\/blockquote>\n<p>Kurt Gritsch, Historiker und Konfliktforscher, Autor des Buches <em>Inszenierung eines gerechten Krieges? Intellektuelle, Medien und der Kosovo-Krieg<\/em> (Georg Olms Verlag 2010), teilte in einem Leserbrief (an den \u00f6sterreichischen <em>Standard<\/em>, 14. M\u00e4rz 2012) mit, warum er nicht mehr gerne Zeitung liest:<\/p>\n<blockquote><p>Als Student las ich 1998 von gewaltsamen \u00dcbergriffen von Polizeieinheiten auf Zivilisten im Kosovo. Die Sachlage schien eindeutig, so gut wie niemand w\u00e4re ohne Sympathie f\u00fcr die verfolgten Albaner gewesen. Zugleich fanden wir alle, dass man Serbien mit seinem &#8217;neuen Hitler&#8216; Slobodan Milosevic, der nicht auf diplomatische Verhandlungen reagierte und &#8217;seine eigenen B\u00fcrger&#8216; ermordete, zur R\u00e4son bringen musste, notfalls auch mit Gewalt. Der Krieg sollte mit Krieg gestoppt werden. Dass dadurch die Zahl der Toten am Ende mehr als verzehnfacht w\u00fcrde, konnten wir uns nicht vorstellen.<\/p>\n<p>Im Fr\u00fchjahr 1999 schickte die NATO Kampfflugzeuge, die ausschlie\u00dflich serbische Milit\u00e4reinrichtungen bombardierten (von den planvoll getroffenen Schulen und Krankenh\u00e4usern erfuhr ich erst viel sp\u00e4ter), was die Albaner vor einem &#8217;neuen Auschwitz&#8216; (Joschka Fischer) retten sollte. Doch als die Massenbombardements auf Serben \u00fcberraschenderweise doch keine Menschenrechte sch\u00fctzten, sondern zur Massenvertreibung der Albaner f\u00fchrten, kam pl\u00f6tzlich Skepsis auf. Irgendetwas konnte da nicht stimmen, auch wenn alle ma\u00dfgeblichen deutschsprachigen Massenmedien weiterhin behaupteten, dass die Luftschl\u00e4ge (das Wort &#8218;Krieg&#8216; wurde tunlichst vermieden) erfolgreich seien.<\/p>\n<p>Die Mainstream-Meinung sprach nur von zwei Alternativen: eingreifen oder zusehen, wobei letzteres mit dem Vorwurf erg\u00e4nzt wurde, dass man so niemals Krieg gegen Hitler h\u00e4tte f\u00fchren k\u00f6nnen. Ein dritter Weg schien nicht zu existieren (die schon 1998 vorhandenen L\u00f6sungsvorschl\u00e4ge der Friedensforscher schafften es n\u00e4mlich erst gegen Kriegsende in die gro\u00dfen Medien), Fakten wurden einfach unterschlagen, wie z. B. die Strategie der albanischen Terroreinheit UCK, einen B\u00fcrgerkrieg anzufachen, die eigenen Leute zu opfern und dadurch die NATO zum Eingreifen zu bewegen (von wegen Holocaust!).<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Gr\u00e4uelpropaganda und verst\u00fcmmelte Wahrheit\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Heinz Loquai, Bundeswehrgeneral a.D. und OSZE-Beobachter im Kosovo vor der NATO-Aggression, nennt unter anderen. &#8222;Massaker&#8220; als &#8222;die medialen Katalysatoren f\u00fcr die Weichenstellungen in den politischen Entscheidungsprozessen zum Krieg gegen Jugoslawien.&#8220; Die Funktion der &#8222;Vorkriegsberichterstattung als Wegbereiter zum Krieg&#8220; und zum Anheizen der Eskalation belegt er anhand der Berichterstattung &#8222;als seri\u00f6s geltender deutschsprachiger Tageszeitungen \u00fcber das \u201aMassaker von Ra\u010dak\u2018&#8220;:<\/p>\n<blockquote><p>Die Behauptung in den Medien: Die Leichen wurden durch die serbischen M\u00f6rder verst\u00fcmmelt: <em>NZZ<\/em>: &#8218;Verst\u00fcmmelte Leichen&#8216;, <em>SZ<\/em>: &#8218;Einem Toten waren beide Ohren abgehackt&#8216;, <em>FAZ<\/em>: &#8218;Viele Opfer waren &#8230; verst\u00fcmmelt. Sch\u00e4del eingeschlagen, Gesichter zerschossen, Augen ausgestochen. Ein Mann enthauptet&#8216; (18. 1. 1999) &#8218;Einem Toten war der Kopf vom Rumpf abgetrennt, anderen waren die Augen ausgestochen, das Gesicht weggeschossen (20. 1. 1999)&#8216;.<\/p><\/blockquote>\n<p>Das Gegenteil wurde im &#8222;Untersuchungsbericht finnischer Gerichtsmediziner&#8220; festgestellt: Es gab keine Anzeichen f\u00fcr Verst\u00fcmmelungen der Leichen. Doch auch solche Erkenntnisse konnten manchen \u00dcberzeugungst\u00e4tern nichts anhaben, wie Loquai ausf\u00fchrt:<\/p>\n<blockquote><p>Die Untersuchungsergebnisse unparteiischer Gerichtsmediziner waren jedoch kein Hindernis f\u00fcr Journalisten, auch weiterhin von Verst\u00fcmmelungen und Hinrichtungen zu sprechen. So der Balkan-Korrespondent der <em>FAZ<\/em>, Matthias R\u00fcb, ein halbes Jahr sp\u00e4ter: &#8218;&#8230; Die meisten Toten wiesen Schusswunden im Kopf und Genick auf, sie mussten aus n\u00e4chster N\u00e4he erschossen, geradezu hingerichtet worden sein. Viele Opfer waren au\u00dferdem verst\u00fcmmelt: Sch\u00e4del eingeschlagen, Gesichter zerschossen, Augen ausgestochen. Ein Mann war enthauptet.&#8216; Die medialen Ausschm\u00fcckungen der Art des Todes und die Verst\u00fcmmelungen an den Toten sollten wohl die besondere Bestialit\u00e4t der M\u00f6rder demonstrieren. Der Balkan-Korrespondent der <em>FAZ<\/em>, Matthias R\u00fcb, erweckte durch die Art einer geradezu besessenen Detailschilderung den Eindruck, als sei er unmittelbarer Zeuge gewesen. Seine Berichte kamen aus Budapest!<\/p><\/blockquote>\n<p>Mit R\u00fcbs Feststellung: &#8222;Es gibt nur ein einziges, was die Barbarei der Taten im Krieg noch \u00fcbertrifft: Die Phantasie der Barbarei&#8220;, gab er unfreiwillig seine eigene Fantasterei zu Protokoll.<\/p>\n<p>Professor Dr. Karl Pr\u00fcmm, Medienwissenschaftler an der Universit\u00e4t Marburg, betitelte seinen Beitrag bei den 33. Mainzer Tagen der Fernsehkritik zur Rolle des deutschen Fernsehens im Kosovo-Krieg <em>Korpsgeist und Denkverbot<\/em>:<\/p>\n<blockquote><p>In der Zeitspanne vom Scheitern der Rambouillet-Verhandlungen bis zum Beginn der Bombenangriffe erreichte die Anpassungsbereitschaft an eine Kriegspolitik ihren H\u00f6hepunkt &#8230; Nachrichten und Sondersendungen suggerierten &#8230; eine finale Dynamik, eine Unausweichlichkeit des Luftkriegs. &#8230; Das Fernsehen wurde in den ersten Tagen zu einem Verlautbarungsorgan von Politik und Milit\u00e4r.<\/p><\/blockquote>\n<p>Diese Art von &#8222;Journalismus&#8220; erhielt erst &#8222;im n\u00e4chsten Krieg&#8220;, gegen den Irak 2003, den selbstsprechenden programmatischen Namen &#8222;eingebetteter Journalismus&#8220;. Bei einer Podiumsdiskussion (Burg Schlaining, Juli 2003) erkl\u00e4rte Walter Feichtinger (Offizier und Konfliktforscher, Landesverteidigungsakademie Wien) die Funktionsweise: &#8222;Der in die k\u00e4mpfende Truppe eingebettete Journalist erh\u00e4lt eine genau definierte Informationsdosis vermittelt&#8220;. Er muss &#8222;mit den Soldaten um sein Leben zittern&#8220; und er hat &#8222;das gleiche Informationsdefizit&#8220;.<\/p>\n<p>Dieser Mechanismus erleichtert zwar der Milit\u00e4rf\u00fchrung die PR, aber er ist nicht Bedingung f\u00fcr das entsprechende Funktionieren der Journaille \u2013 der oben portraitierte, &#8222;weit vom Schuss&#8220; sitzende <em>FAZ<\/em>-Kriegstreiber R\u00fcb ist nur eines von vielen traurigen Beispielen. Deshalb formulierte der Freidenkerverband in seinem Aufruf &#8222;F\u00fcr Aufkl\u00e4rung!&#8220; (2009): &#8222;Der in der Kriegsberichterstattung erfundene &#8218;eingebettete Journalismus&#8216; ist ein Schl\u00fcsselbegriff der gesamten, wie gleichgeschaltet funktionierenden Medienwirklichkeit, er enth\u00fcllt die zentrale Aufgabe: die Einschl\u00e4ferung jeden kritischen Geistes, die Ausschaltung jeder selbstst\u00e4ndigen Gehirnt\u00e4tigkeit.&#8220;<\/p>\n<p>Falls aber ein Medium trotz aller Anstrengungen nicht so funktioniert wie erwartet, k\u00f6nnen die Regierenden immer noch eingreifen. Ulrich Ladurner berichtete \u00fcber das Beispiel, wo Gro\u00dfbritanniens Regierungschef Tony Blair h\u00f6chstpers\u00f6nlich eingriff, damit die <em>BBC<\/em> ihren Chefkorrespondenten aus Belgrad abzieht: &#8222;Blair hielt ihn f\u00fcr zu &#8217;serbenfreundlich&#8216;.&#8220; Und dann bleibt immer noch das \u00c4rgernis, dass der &#8222;Feind&#8220; eigene Medien unterh\u00e4lt, die in der Regel das Gegenteil von dem senden, was man in den L\u00e4ndern &#8222;der Guten&#8220; h\u00f6ren will. Sie wurden im faschistischen Deutschland &#8222;Feindsender&#8220; genannt, das Abh\u00f6ren und Weiterverbreiten ihrer Nachrichten war als &#8222;Wehrkraftzersetzung&#8220; unter Strafe gestellt.<\/p>\n<p><strong>NATO bombardiert gezielt Medieneinrichtungen\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Spomenka Lazi\u0107, Korrespondentin des &#8222;Alternative Information Network&#8220;, berichtete am 10. April 1999 von der Drohung eines NATO-Offiziers an die Belgrader Adresse, &#8222;dass auf Grund der Propagandal\u00fcgen das Geb\u00e4ude des staatlichen Fernsehens bombardiert w\u00fcrde, falls es nicht der Ausstrahlung von Programmen ausl\u00e4ndischer Stationen \u2013 oder gar der NATO selbst \u2013 zustimme.&#8220; Zwei Tage sp\u00e4ter beruhigte jedoch NATO-Sprecher Jamie Shea den besorgten Aidan White, Generalsekret\u00e4r der Internationalen Journalistenvereinigung: &#8222;Die alliierten Streitkr\u00e4fte werden Radio- und Fernsehanlagen nur dann bombardieren, wenn sie sich innerhalb milit\u00e4rischer Anlagen befinden &#8230; Die NATO hat nicht die Absicht, Sendeanlagen grunds\u00e4tzlich zu bombardieren.&#8220; Das war, wie vom NATO-Sprecher kaum anders zu erwarten, glatt gelogen.<\/p>\n<p>Am 23. April 1999 bombardierten NATO-Kampfflugzeuge das <em>RTS<\/em>-Geb\u00e4ude (Radio Televizje Serbije) in Belgrad, wobei 16 Menschen starben und 17 verletzt wurden. Dagegen erhoben zahlreiche nationale und internationale Journalistenverb\u00e4nde Protest, der Vorsitzende des serbischen Verbandes Milorad Komrakov protestierte dagegen, dass &#8222;zum ersten Mal in der Geschichte Medien zu Kriegszielen&#8220; geworden seien. Laut einem Bericht von Amnesty International aus London hat die NATO &#8222;wissentlich ein ziviles Objekt angegriffen&#8220;, und sie &#8222;muss klar vorausgesehen haben, dass Zivilpersonen, die sich zum Zeitpunkt des Angriffs im <em>RTS<\/em>-Geb\u00e4ude befanden, get\u00f6tet w\u00fcrden.&#8220;<\/p>\n<p>Der Angriff war v\u00f6lkerrechtswidrig, weil er gegen das humanit\u00e4re V\u00f6lkerrecht verstie\u00df, n\u00e4mlich gegen das 1. Zusatzprotokoll zum Genfer Abkommen, nach dem nur solche Objekte als legitime milit\u00e4rische Ziele gelten, die &#8222;wirksam zu milit\u00e4rischen Handlungen beitragen&#8220; und &#8222;einen eindeutigen milit\u00e4rischen Vorteil&#8220; begr\u00fcnden. Laut Amnesty rechtfertigte sich die NATO, <em>RTS<\/em> sei bombardiert worden, weil der Sender die &#8222;Botschaft des Hasses&#8220; verbreite und den serbischen Nationalismus anheize. Gro\u00dfbritanniens Premier Blair bef\u00fcrwortete den Angriff:<\/p>\n<blockquote><p>Es ist sehr, sehr wichtig, dass die Menschen begreifen, dass diese Fernsehstationen Teil des diktatorischen Apparats von Milo\u0161evi\u0107 sind.<\/p><\/blockquote>\n<p>US-Pr\u00e4sident Clinton erg\u00e4nzte, Jugoslawiens Pr\u00e4sident Slobodan Milo\u0161evi\u0107 benutze das Fernsehen &#8222;f\u00fcr die Verbreitung von Hass und Desinformation. Daher ist es keine Medienanstalt im konventionellen Sinn.&#8220; Hingegen steht im Kommentar des Handbuchs der deutschen Bundeswehr:<\/p>\n<blockquote><p>Erhebt man die direkte Einwirkung auf den Kriegswillen der gegnerischen Bev\u00f6lkerung zum legitimen Ziel milit\u00e4rischer Gewaltanwendung, so kann es im Ergebnis &#8230; keine Grenzen der Kriegf\u00fchrung mehr geben.<\/p><\/blockquote>\n<p>Was die NATO am &#8222;Feindsender&#8220; <em>RTS<\/em> st\u00f6rte, waren nach einem Bericht von <em>Le Monde<\/em> Aussagen wie &#8222;Wo es Tote gibt, ist die deutsche Armee&#8220;, oder &#8222;Die Geschichte der Vereinigten Staaten beginnt mit einem V\u00f6lkermord, dem V\u00f6lkermord an den Indianern, nun folgt der V\u00f6lkermord an den Serben. Serbien hat Hitler \u00fcberlebt und wird auch Clinton \u00fcberleben.&#8220; Fr\u00fcher erfreuten sich Sendungen aus Belgrad gr\u00f6\u00dferer Beliebtheit: <em>Radio Belgrad<\/em> war seit 1941 der Soldatensender der deutschen Wehrmacht, und begl\u00fcckte allabendlich mit &#8222;Lili Marleen&#8220; ein 6-Millionen-Publikum.<\/p>\n<p><strong>Wiederkehrendes Muster der westlichen Kriegsf\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Am Abend des 24. M\u00e4rz 1999 sollte Fulvio Grimaldi, Korrespondent des italienischen <em>RAI<\/em>-Fernsehkanals, dem Publikum das M\u00e4rchen von der NATO-Aggression als &#8222;humanit\u00e4re Intervention&#8220; erz\u00e4hlen. Grimaldi:<\/p>\n<blockquote><p>Ich wusste, dass das eine falsche Erz\u00e4hlung war\u2026 Das war mein letzter Tag beim Staatsfernsehen <em>RAI<\/em>. Am n\u00e4chsten Morgen ging ich weg, nahm eine Kamera und ging nach Belgrad und erlebte da etwas, was sich dann immer wieder wiederholt hat: In den ersten Tagen der Bombenangriffe auf Belgrad wurde das serbische Fernsehsystem zerst\u00f6rt. In den ersten Tagen des Angriffs auf Libyen wurde das libysche Fernseh- und Radiosystem zerst\u00f6rt. In den ersten Tagen der Angriffe auf Irak wurde das Fernsehsystem \u2013 ich war da im Hotel neben dem Informationsministerium, wo es sich befand \u2013 zerst\u00f6rt. Die Sache ist die, dass man die Stimme des Anderen nicht h\u00f6ren darf\u2026<\/p><\/blockquote>\n<p>Dies ziele direkt auf die &#8222;Heimatfront&#8220; der NATO-L\u00e4nder: &#8222;Die westliche Bev\u00f6lkerung durfte nur durch die Mainstream-Medien, die ja der Macht gehorchten, informiert werden. Die Tatsache, dass die andere Stimme get\u00f6tet wurde, zerst\u00f6rt wurde, nicht geh\u00f6rt werden durfte: das ist ein Zeichen, dass es keine Demokratie mehr gab im Westen. Dass alle Demokratien ein Scheinwesen waren.&#8220;<\/p>\n<p>Die NATO strebte nicht nur die Lufthoheit f\u00fcr ihre Bomber, sondern mit den Bombern auch die Deutungshoheit \u00fcber ihren Krieg an. Lehrreich ist die Zerst\u00f6rung des <em>RTS<\/em>-Geb\u00e4udes noch in mehrfacher Hinsicht. Von ihren Mordopfern abgesehen, war der &#8222;Erfolg&#8220; der NATO-Aktion bescheiden: Ganze drei Stunden nur musste <em>RTS<\/em> sein Programm unterbrechen. Der NATO-Oberkommandierende General Wesley Clark sagte dazu: &#8222;Dennoch hielten wir es f\u00fcr einen guten Schritt, und die politische F\u00fchrung war derselben Meinung.&#8220;<\/p>\n<p>Aber nicht diese wurde f\u00fcr das Kriegsverbrechen zur Rechenschaft gezogen, sondern der Repr\u00e4sentant der Opfer: der <em>RTS<\/em>-Direktor Dragoljub Milanovi\u0107. Sein &#8222;Vergehen&#8220;: Er habe das Geb\u00e4ude nicht r\u00e4umen lassen \u2013 obwohl kein Nachweis \u00fcber einen Evakuierungsbefehl m\u00f6glich war, aber laut <em>CNN<\/em>-Nachrichtenchef Jordan &#8222;die NATO vor aller Welt ank\u00fcndigte&#8220;, die Studios anzugreifen. Immerhin hatten westliche Anstalten in Belgrad ihre Mitarbeiter vor einem Aufenthalt im <em>RTS<\/em>-Geb\u00e4ude gewarnt. Amnesty International gegen\u00fcber best\u00e4tigten NATO-Funktion\u00e4re, es habe keine konkrete Warnung an die jugoslawische Regierung oder <em>RTS<\/em> gegeben, weil eine solche ihren Piloten gef\u00e4hrdet h\u00e4tte. Hier sieht Amnesty einen weiteren Versto\u00df gegen das Kriegsv\u00f6lkerrecht, demzufolge Angriffen &#8222;eine wirksame Warnung vorausgehen muss, es sei denn, die gegebenen Umst\u00e4nde haben dies nicht erlaubt&#8220;.<\/p>\n<p>Nach dem vom Westen dirigierten Regime Change im Oktober 2000 kam in Belgrad ein Marionettenregime an die Macht und lie\u00df Milanovi\u0107 zu neuneinhalb Jahren Haft verurteilen. Er ist die einzige Person, die jemals wegen eines von der NATO begangenen Verbrechens vor Gericht gestellt und bestraft wurde \u2013 und zwar als Angeh\u00f6riger der Opfer-Seite. So erwiesen sich die neu eingesetzten Herrschaften in Belgrad als willige Wei\u00dfw\u00e4scher der NATO-Verbrechen und zuverl\u00e4ssige Stimme ihrer neuen Herren. Wie allerdings die Medien in den NATO-L\u00e4ndern ihr Publikum in den Krieg hineingelogen haben, ist ein besonderes Kapitel und einer genaueren Betrachtung wert.<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"article__text \">\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Klaus Hartmann ist Bundesvorsitzender des Deutschen Freidenker-Verbandes,<br \/>\nPr\u00e4sident der Weltunion der Freidenker und<br \/>\nCo-Vorsitzender des Internationalen Komitees Slobodan Milo<\/em><em>\u0161<\/em><em>evi<\/em><em>\u0107<\/em><\/p>\n<\/div>\n<p><a href=\"#uebersicht\">\u2191 zur \u00dcbersicht<\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p><strong><a id=\"t18\"><\/a>Teil 18 (<a href=\"https:\/\/deutsch.rt.com\/meinung\/88238-20-jahre-seit-nato-angriffskrieg\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Erstver\u00f6ffentlichung auf RT-Deutsch am 18.05.2019<\/a>)<\/strong><\/p>\n<div class=\"article__text \">\n<h4><strong>Medienl\u00fcgen (3) \u2013 Die vierte Waffengattung<\/strong><\/h4>\n<p><em>von <strong>Klaus Hartmann<br \/>\n<\/strong><\/em><\/p>\n<\/div>\n<div class=\"article__summary \"><em><strong>Um die &#8222;Legitimationskrise&#8220; der NATO zu l\u00f6sen, in der sie nach Aufl\u00f6sung des Ostblocks geraten war, mussten dringend neue Aufgaben gefunden werden. Dazu war der Umbau in ein globales Interventionsb\u00fcndnis n\u00f6tig. Westliche Medien unterst\u00fctzten dieses Man\u00f6ver bereitwillig.<\/strong><\/em><\/div>\n<div class=\"article__text \">\n<p>Um die &#8222;Notwendigkeit&#8220; der fortw\u00e4hrenden Existenz der NATO zu beweisen, mussten andere internationale Institutionen der Unf\u00e4higkeit \u00fcberf\u00fchrt werden, den Frieden auf dem Balkan zu sichern. OSZE-Beobachter Heinz Loquai gab dazu drei Monate nach Ende der offenen NATO-Aggression gegen Jugoslawien zu Protokoll: &#8222;Mitte Januar [1999] wuchs der Druck in Richtung einer milit\u00e4rischen L\u00f6sung aus der NATO, allen voran die USA, rapide. &#8230; Au\u00dferdem konnte ja ein milit\u00e4risches Eingreifen der NATO ohne UN-Mandat faktisch einen Anspruch best\u00e4tigen, den die USA bisher in den Verhandlungen \u00fcber eine neue B\u00fcndnisstrategie noch nicht durchzusetzen vermocht hatten.&#8220;<\/p>\n<p>Die mediale Vorkriegsberichterstattung hatte nach Loquai die &#8222;Funktion als Wegbereiter zum Krieg&#8220;, &#8222;deutsche Tageszeitungen machten sich zu Planierraupen f\u00fcr den Weg in den Luftkrieg gegen Jugoslawien&#8220;.<\/p>\n<p>Der Konfliktforscher Kurt Gritsch analysierte die Rolle der Medien in seinem 2016 erschienenen Buch &#8222;Krieg um Kosovo.Geschichte, Hintergr\u00fcnde, Folgen&#8220;. Er hat die Konfliktberichterstattung von <em>FAZ<\/em>, <em>S\u00fcddeutscher<\/em>, <em>Zeit<\/em>, <em>Spiegel<\/em> und <em>taz<\/em> im Krisenjahr 1998 bis vor Kriegsbeginn im M\u00e4rz 1999 untersucht. Mit dem Ergebnis:<\/p>\n<blockquote><p>Auffallend war, dass alle f\u00fcnf untersuchten Zeitungen zu keinem Zeitpunkt deeskalierend berichtet haben, wie dies beispielsweise die UNESCO-Mediendeklaration von 1978 verlangt, sondern stattdessen ein milit\u00e4risches Eingreifen der NATO forderten. Dazu wurde offenbar sehr gezielt ein jugoslawisch-serbisches Feindbild aufgebaut, indem man an das negative Jugoslawien-Bild aus dem &#8218;Bosnien-Krieg&#8216; ankn\u00fcpfte.<\/p><\/blockquote>\n<p>Loquai kommt zum gleichen Befund:<\/p>\n<blockquote><p>Insgesamt l\u00e4sst sich feststellen, dass f\u00fchrende deutsche Tageszeitungen gewaltt\u00e4tige Auseinandersetzungen und ihre Folgen dramatisierten. Der Umfang von Kampfhandlungen, die Fl\u00fcchtlingszahlen, das Ausma\u00df von Operationen der Sicherheitskr\u00e4fte wurde zum Teil ma\u00dflos \u00fcbertrieben. Serbische Gewaltt\u00e4tigkeiten wurden aufmerksam registriert, nicht selten \u00fcberzeichnet, die der Kosovo-Albaner oft ignoriert.<\/p>\n<p>In ihrer Berichterstattung \u00fcber Ra\u010dak transportierten Medien nicht nur die teilweise unrichtigen Vorgaben aus der OSZE, sondern sie erzeugten selbst fiktive Tatbest\u00e4nde, die geeignet waren, ein emotionales Feindbild zu schaffen beziehungsweise ein bereits vorhandenes emotional zu festigen. Medien wurden zu Weichenstellern f\u00fcr den Krieg, indem sie &#8218;Zwangsl\u00e4ufigkeiten&#8216; konstruierten und den politischen Handlungsspielraum auf die Option Krieg einschr\u00e4nkten.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Zwecks Kriegsvorbereitung: Gezielte Abwertung und Diffamierung der OSZE<\/strong><\/p>\n<p>Dabei setzen die Wegbereiter zum Krieg laut Loquai gezielt auf die Diffamierung und Abwertung der OSZE<em>. <\/em>In der als &#8222;liberal&#8220; geltenden <em>S\u00fcddeutschen Zeitung<\/em> schwadronierte Peter M\u00fcnch \u00fcber &#8222;die Leute, die die Toten z\u00e4hlen&#8220;: &#8222;Dem gef\u00e4hrlichen Einsatz im Kosovo zeigt sich die OSZE bisher nicht gewachsen.&#8220; Er spricht generell von der OSZE als einer &#8222;konturlosen Organisation&#8220;, der durch den Einsatz im Kosovo &#8222;endlich ein klares Profil&#8220; gegeben werden sollte. Die OSZE ist f\u00fcr M\u00fcnch ein &#8222;aufgeblasener Popanz&#8220;. Es spreche immer mehr daf\u00fcr, &#8222;dass sie sich dieser Mission nicht gewachsen zeigt \u2013 organisatorisch, strukturell und machtpolitisch&#8220;.<\/p>\n<p>Die besonders kriegstreiberisch agierende <em>Frankfurter Allgemeine Zeitung<\/em> befindet selbstverst\u00e4ndlich, &#8222;die OSZE-Mission m\u00fcsse als gescheitert angesehen werden&#8220;. Ihr Balkan-Korrespondent Mathias R\u00fcb erkennt (aus Budapest), die OSZE m\u00fcsse &#8222;als Handlanger der Serben erscheinen&#8220;, und &#8222;nach dem Massaker von [Ra\u010dak] steht die OSZE hilflos mit blutbefleckten H\u00e4nden da&#8220;. Sie werde von den Serben als &#8222;Papiertiger&#8220; verh\u00f6hnt, &#8222;ihr internationales Ansehen nehme allm\u00e4hlich Schaden&#8220;.<\/p>\n<p>Ohne Drumherumgerede bringt es die <em>Neue Z\u00fcrcher Zeitung<\/em> auf den Punkt: &#8222;Eine L\u00f6sung k\u00f6nnte nur ein Krieg gegen [Jugoslawiens Pr\u00e4sidenten] Milo\u0161evi\u0107 bringen &#8230; Gerecht w\u00e4re ein Krieg gegen Milo\u0161evi\u0107s menschenverachtendes Regime, weil die Verbrechen gegen Menschenrechte nur zu z\u00e4hmen sind, wenn ihr Urheber von der Macht verjagt ist.&#8220;<\/p>\n<p>Die Zwischenbilanz von Heinz Loquai:<\/p>\n<blockquote><p>Medien bauen einen Handlungszwang f\u00fcr die Politik in mehrfacher Weise auf: Die journalistische Ausschm\u00fcckung eines Verbrechens, die Bestialisierung von T\u00e4tern, das Versagen nicht-milit\u00e4rischer Konfliktl\u00f6sung und die Diffamierung der daf\u00fcr stehenden Organisation, die Konstruktion einer &#8218;Keine-Alternative-Situation&#8216; zur milit\u00e4rischen Intervention, zum Krieg. Diese von den Medien aufgebaute Weichenstellung zum Krieg war eine Wende hin zum Krieg im Kosovo-Konflikt.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Frei erfunden: Jugoslawische Gro\u00dfoffensive im Kosovo<\/strong><\/p>\n<p>Um den Krieg herbeizureden, wurde eine &#8222;Gro\u00dfoffensive jugoslawischer Truppen&#8220; erfunden: &#8222;Serbische Gro\u00dfoffensive im Kosovo&#8220; (<em>Die Welt<\/em>, 23. M\u00e4rz 1999), &#8222;Serben auf dem Vormarsch&#8220; (<em>FAZ<\/em>, 23. M\u00e4rz 1999), &#8222;Eine neue grausame Runde von K\u00e4mpfen und Vertreibungen ist nach der Pariser Konferenz in Gang gekommen&#8220; (<em>SZ<\/em>, 22. M\u00e4rz 1999), &#8222;Serben starten neue Offensive im Kosovo&#8220; (<em>FR<\/em>, 22. M\u00e4rz 1999), &#8222;die Serben r\u00fccken mit 40.000 Soldaten und schweren Waffen ein&#8220; (<em>Die Welt<\/em>, 22. M\u00e4rz 1999).<\/p>\n<p>Dagegen die 1.400 OSZE-Beobachter im Kosovo: &#8222;Die Lage ist \u2026 angespannt, aber ruhig&#8220;. Und die Nachrichtendienstler des deutschen Verteidigungsministeriums: &#8222;Entgegen Medienberichten ist derzeit weiterhin keine Gro\u00dfoffensive jugoslawischer Sicherheitskr\u00e4fte in Kosovo erkennbar.&#8220; Zum Beginn des zweiten Irakkrieges im Jahr 2003 urteilte der Bonner Professor Christian Hillgruber \u00fcber die Wirkung der Medien als Motor der Eskalation zum Krieg:<\/p>\n<blockquote><p>Die von den Medien gesch\u00fcrte \u00f6ffentliche Meinung verlangte unerbittlich moralisch begr\u00fcndeten Aktionismus. Sie erhielt, was sie einforderte: blutigen Tribut an eine von den Medien erzeugte \u00f6ffentliche Meinung.<\/p><\/blockquote>\n<p>Ein H\u00f6hepunkt bei der Manipulation des Publikums war die Geschichte \u00fcber &#8222;serbische Konzentrationslager&#8220;, ausgedr\u00fcckt in der \u00dcberschrift des <em>Berliner Kurier:<\/em> &#8222;Serben-Killer treiben Albaner in KZ-Zonen.&#8220; Selbstzufrieden verteidigte Udo R\u00f6bel, Chefredakteur der <em>Bild<\/em>, die L\u00fcgen aus dem Hause Springer \u2013 und war ganz stolz, dass diese vom L\u00fcgenbaron Rudolf Scharping, Deutschlands damaligen Verteidigungsminister, begierig aufgegriffen wurden:<\/p>\n<blockquote><p>Ich habe keine Angst, Dinge beim Namen und auf den Punkt zu bringen, wie man es von &#8218;Bild&#8216; erwartet. Wenn Sie die Seite &#8218;Sie treiben sie ins KZ&#8216; sehen \u2013 dieses Bild war so eindrucksvoll, der Treck von Zehntausenden aus Pristina, das sprach eigentlich f\u00fcr sich selbst. Und wenn dann an diesem Tag der Verteidigungsminister von KZs in Serbien oder im Kosovo spricht, dann bekommt es mit diesem Bild und dieser Zeile eine unheimliche Dramatik.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Das Hohelied auf den &#8222;europ\u00e4ischen Einigungskrieg&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Der schon erw\u00e4hnte Kurt Gritsch zitierte 2012 in einem Leserkommentar f\u00fcr den \u00f6sterreichischen <em>Standard<\/em> J\u00fcrgen Todenh\u00f6fer: &#8222;Jeder hat ein Recht auf eigene Meinung, aber keiner auf eigene Fakten.&#8220; Aber wenn die &#8222;eigenen Fakten&#8220; doch einem &#8222;h\u00f6heren Ziel&#8220; dienen?<\/p>\n<p>So sang man in der <em>Zeit<\/em> dem Au\u00dfenminister Joschka Fischer im Jahr 2001 Lobges\u00e4nge hinterher, aus dem Munde von Matthias Geis: In &#8222;den Zeiten des Kosovo-Krieges \u2026 herrschte der Schrecken \u2013 aus Vertreibung und drohendem V\u00f6lkermord. Auch damals war milit\u00e4risches Handeln notwendig, musste durchgesetzt und einer \u00d6ffentlichkeit vermittelt werden, deren Zweifel von Woche zu Woche, von Kollateralschaden zu Kollateralschaden wuchsen. Und auch damals war es der Au\u00dfenminister, der nicht nur die moralische Dimension des Krieges beschwor, sondern ihn zum &#8218;europ\u00e4ischen Einigungskrieg&#8216; adelte und in gro\u00dfen W\u00fcrfen den Balkan nach Europa holte.&#8220; Mit gro\u00dfen Bombenabw\u00fcrfen, ist man versucht, zu korrigieren.<\/p>\n<p>Jedenfalls ist der &#8222;europ\u00e4ische Einigungskrieg&#8220; eine glanzvolle Parodie auf das &#8222;Friedensprojekt EU&#8220;, von dem im aktuellen Wahlkampf an allen Ecken gesungen wird. Doch der <em>Zeit<\/em>-Herausgeber Josef Joffe wei\u00df, wof\u00fcr die Tausenden Toten gut waren, und schw\u00e4rmt \u00fcber die rot-gr\u00fcne Bundesregierung: Bundekanzler Gerhard Schr\u00f6der und Fischer sei &#8222;der Ausbruch aus dem Ghetto au\u00dfenpolitischer Verantwortungslosigkeit&#8220; gelungen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Klaus Hartmann ist Bundesvorsitzender des Deutschen Freidenker-Verbandes,<br \/>\nPr\u00e4sident der Weltunion der Freidenker und<br \/>\nCo-Vorsitzender des Internationalen Komitees Slobodan Milo<\/em><em>\u0161<\/em><em>evi<\/em><em>\u0107<\/em><\/p>\n<div class=\"article__text \">\n<div class=\"article__text \">\n<p><a href=\"#uebersicht\">\u2191 zur \u00dcbersicht<\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p><em>RT Deutsch bem\u00fcht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeitr\u00e4ge und Meinungsartikel m\u00fcssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.<\/em><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Angriffskrieg der NATO gegen Jugoslawien am 24. M\u00e4rz 1999 markierte das Ende des Friedens in Europa, ein Frieden, der seit der Katastrophe des Zweiten Weltkriegs gehalten hatte, zumindest in Europa. Mit Beitr\u00e4gen in loser Folge ruft RT-Deutsch die wichtigsten Stationen der NATO-Vorbereitungen auf diesen Krieg in Erinnerung. Wir ver\u00f6ffentlichen die Teile 17 und 18 hier zusammenh\u00e4ngend.<br \/>\nTeil 17 &#8211; 27.04.2019: <b>Medienl\u00fcgen (2) \u2013 &#8222;Eingebettete&#8220; Journalisten<\/b> von Klaus Hartmann | Teil 18 &#8211; 18.05.2019: <b>Medienl\u00fcgen (3) \u2013 Die vierte Waffengattung<\/b> von Klaus Hartmann<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":6428,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","advanced_seo_description":"","jetpack_seo_html_title":"","jetpack_seo_noindex":false,"jetpack_post_was_ever_published":false,"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[801,335,590,188,743,269],"class_list":["post-6424","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-frieden-antifaschismus-solidaritaet","tag-aggressionskrieg","tag-frieden","tag-jugoslawien","tag-krieg","tag-medienluegen","tag-nato-ueberfall-auf-jugoslawien"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/20_Jahre_Jugoslawienkrieg_800x445_T17-18.jpg?fit=800%2C445&ssl=1","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p9stpK-1FC","jetpack-related-posts":[{"id":18593,"url":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=18593","url_meta":{"origin":6424,"position":0},"title":"FREIDENKER 1-24 \u2013 25 Jahre NATO-Aggression gegen Jugoslawien","author":"Webredaktion","date":"24. 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Juni 2019","format":false,"excerpt":"Der Angriffskrieg der NATO gegen Jugoslawien am 24. M\u00e4rz 1999 markierte das Ende des Friedens in Europa, ein Frieden, der seit der Katastrophe des Zweiten Weltkriegs gehalten hatte, zumindest in Europa. Mit Beitr\u00e4gen in loser Folge ruft RT-Deutsch die wichtigsten Stationen der NATO-Vorbereitungen auf diesen Krieg in Erinnerung. 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April 2024","format":false,"excerpt":"Rede von Klaus Hartmann, gehalten am 22. M\u00e4rz 2024 auf der Konferenz \"Von der Aggression zu einer neuen gerechten Ordnung\" in Belgrad Im Jahr 2022 hat die deutsche Bundesregierung eine \u201eZeitenwende\u201c, eine \u201eneue \u00c4ra\u201c proklamiert \u2013 um damit die Russische F\u00f6deration anzuklagen, unter Bruch des V\u00f6lkerrechts einen Angriffskrieg begonnen zu\u2026","rel":"","context":"In &quot;Demokratie \u2013 Medien \u2013 Aufkl\u00e4rung&quot;","block_context":{"text":"Demokratie \u2013 Medien \u2013 Aufkl\u00e4rung","link":"https:\/\/www.freidenker.org\/?cat=12"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/beoforum_2024_Hartmann_800x450.jpg?fit=800%2C450&ssl=1&resize=350%2C200","width":350,"height":200,"srcset":"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/beoforum_2024_Hartmann_800x450.jpg?fit=800%2C450&ssl=1&resize=350%2C200 1x, https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/beoforum_2024_Hartmann_800x450.jpg?fit=800%2C450&ssl=1&resize=525%2C300 1.5x, https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/beoforum_2024_Hartmann_800x450.jpg?fit=800%2C450&ssl=1&resize=700%2C400 2x"},"classes":[]}],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.freidenker.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6424","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.freidenker.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.freidenker.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freidenker.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freidenker.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6424"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.freidenker.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6424\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freidenker.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/6428"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.freidenker.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6424"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freidenker.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6424"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freidenker.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6424"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}