{"id":6202,"date":"2019-04-14T20:39:41","date_gmt":"2019-04-14T18:39:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=6202"},"modified":"2019-05-13T02:13:31","modified_gmt":"2019-05-13T00:13:31","slug":"sahra-bashing-oder-journaille-der-verhetzung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=6202","title":{"rendered":"Sahra-Bashing oder: Journaille der Verhetzung"},"content":{"rendered":"<p>In der Rubrik <strong>Tagesdosis<\/strong> wurde am 12.04.2019 bei <a href=\"https:\/\/kenfm.de\/tagesdosis-12-4-2019-sahra-bashing-oder-journaille-der-verhetzung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">KenFM <\/a>der Beitrag <strong>\u201eSahra-Bashing oder: Journaille der Verhetzung\u201c<\/strong> von <em><strong>Klaus Hartmann<\/strong><\/em>, Bundesvorsitzender des Deutschen Freidenker-Verbandes, ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>Den Beitrag als Audio-Datei anh\u00f6ren:<\/p>\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-6202-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/tagesdosis-20190412.mp3?_=1\" \/><a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/tagesdosis-20190412.mp3\">https:\/\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/tagesdosis-20190412.mp3<\/a><\/audio>\n<p>Der Beitrag ist auch auf YouTube verf\u00fcgbar: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=EeevKC1Xlgw\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=EeevKC1Xlgw<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4>Tagesdosis 12.4.2019 \u2013 Sahra-Bashing oder: Journaille der Verhetzung<\/h4>\n<p><strong>Die Schmiererei des Auftragschreibers Knut Mellenthin im Demagogiecheck.<\/strong><\/p>\n<p><em>Ein Kommentar <strong>von Klaus Hartmann<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Ausgerechnet in der \u201ejungen Welt\u201c \u2013 nach Selbsteinsch\u00e4tzung eine \u201emarxistische Tageszeitung\u201c \u2013erh\u00e4lt einer Gelegenheit, auf vollen zwei Seiten (\u201eThema\u201c) \u00fcber Sahra Wagenknecht abzul\u00e4stern. Das findet unter der \u00dcberschrift <em>\u201ePolitik der Vereinfachung &#8211; Die Rhetorik der noch amtierenden Fraktionsvorsitzenden der Linkspartei im Bundestag, Sahra Wagenknecht, im Faktencheck\u201c<\/em> [1] statt. Insofern ist die \u00dcberschrift dieses Kommentars nahezu ein Plagiat.<\/p>\n<p>Verhandelt wird ein Themenspektrum von Fl\u00fcchtlingen und Sicherheit \u00fcber Merkel, Trump und den Brexit bis hin zur AfD, zu Populismus und Rechtsextremismus. Das zeigt bereits die Absicht an, in welcher Schublade Sahra Wagenknecht landen und entsorgt werden soll.<\/p>\n<p>Und was checken unser Schreiber Mellenthin? Er wirft Wagenknecht einen <em>\u201epropagandistischen Schnellschuss\u201c <\/em>vor, aus dem Anlass, den er selbst so beschreibt: <em>\u201eAm 24. Juli 2016 z\u00fcndete ein syrischer Migrant vor einem Weinlokal im fr\u00e4nkischen Ansbach eine in einem Rucksack transportierte Bombe. 15 Menschen wurden verletzt, der Attent\u00e4ter selbst starb.\u201c <\/em>\u201eSchnellschuss\u201c? <em>\u201eEinen Tag sp\u00e4ter ver\u00f6ffentlichte Sahra Wagenknecht eine Presseerkl\u00e4rung\u201c<\/em>. Beruhigend: Geschossen hat sie schon mal nicht, das war der Andere, nee, der hat ja gebombt. Aber dank Wagenknechts Halbsatz <em>\u201eauch wenn die konkrete Aufkl\u00e4rung der Hintergr\u00fcnde des Anschlags noch abgewartet werden muss\u201c<\/em>, hat er sie erwischt, beim schnell schie\u00dfen: <em>\u201eohne jedes Hintergrundwissen\u201c <\/em>habe sie geschossen, folglich also (zu) schnell.<\/p>\n<p><em>\u201eMenschen m\u00fcssen sich wieder sicher f\u00fchlen k\u00f6nnen\u201c <\/em>war der Titel der Presserkl\u00e4rung, woran Mellenthin bereits Ansto\u00df nimmt, denn f\u00fcr ihn erschien sie <em>\u201eunter der vielsagenden \u00dcberschrift\u201c<\/em>\u2026. Was ist daran so \u201evielsagend\u201c? Der durchschnittlich verst\u00e4ndige Leser denkt doch, die \u00dcberschrift sei hinl\u00e4nglich klar, nicht unverst\u00e4ndlich kurz, aber auch nicht \u00fcberfrachtet \u2013 also eher in der Norm. Warum hingegen sagt sie Mellenthin (zu) viel und insbesondere was? Wahrscheinlich tut sie das gar nicht, die \u00dcberschrift, sondern es ist Mellenthin, der uns etwas mehr sagen will. Eigentlich sagt er es uns nicht, er suggeriert blo\u00df, wir sollen seine Gedanken erraten: \u201ewer so spricht\u201c, ein \u201esich sicher f\u00fchlen\u201c verlangt, ist \u201eein Nazi\u201c, mindestens ein \u201eganz Rechter\u201c. Schreibt er nicht hin, der Checker, kann er nicht daf\u00fcr verantwortlich gemacht werden, wenn wir das herauslesen, ist es unser Problem. An der Sahra soll\u2018s zwar h\u00e4ngen bleiben, aber ihn trifft gar keine Schuld.<\/p>\n<p>Was ist das Skandal\u00f6se an ihrem Text zur Bombe von Ansbach? <em>\u201eDie Ereignisse der letzten Tage zeigen, dass die Aufnahme und Integration einer gro\u00dfen Zahl von Fl\u00fcchtlingen und Zuwanderern mit erheblichen Problemen verbunden und schwieriger ist, als Merkels leichtfertiges \u201aWir schaffen das\u2018 uns im letzten Herbst einreden wollte. Der Staat muss jetzt alles daf\u00fcr tun, dass sich die Menschen in unserem Land wieder sicher f\u00fchlen k\u00f6nnen. Das setzt voraus, dass wir wissen, wer sich im Land befindet, und nach M\u00f6glichkeit auch, wo es Gefahrenpotentiale gibt.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Darauf setzt Mellenthin seinen vermeintlichen, (Sahra) entwaffnenden \u201eFaktencheck\u201c. <em>\u201eTats\u00e4chlich hatte der 27j\u00e4hrige Attent\u00e4ter Mohammed Daleel mit den Massenbewegungen syrischer Fl\u00fcchtlinge im Herbst 2015, auf die sich der Spruch von Bundeskanzlerin Angela Merkel ausschlie\u00dflich bezogen hatte, nichts zu tun.\u201c <\/em>\u2013 Ach sooo! Der Merkel-Spruch bezog sich \u201eausschlie\u00dflich\u201c auf Fl\u00fcchtlinge ab Herbst 2015! Das ist dann ja was ganz Anderes! Dann ist die Aufgabe ja gleich \u00fcberschaubar. Die Fl\u00fcchtlinge von vorher m\u00fcssen, brauchen, wollen wir ja auch gar nicht \u201eschaffen\u201c. Gibt es daf\u00fcr keine Veranlassung oder etwa objektive Hinderungsgr\u00fcnde? Bei aller Dankbarkeit und auch Freude ob der, ohne Mellenthins Check nie ans Licht der Sonne gekommenen \u201eFakten\u201c \u2013 auf diese Frage h\u00e4tte man doch gerne eine Antwort.<\/p>\n<p>Was bei Mellenthins Attent\u00e4ter \u201egeschafft\u201c wurde, kann man den Stichw\u00f6rtern <em>\u201eAsylantrag\u201c<\/em>, <em>\u201eabgelehnt\u201c<\/em>, <em>\u201eangeordnete Abschiebung\u201c<\/em>, <em>\u201epsychische Labilit\u00e4t\u201c<\/em>, <em>\u201eAussetzung der Abschiebeanordnung\u201c<\/em>, <em>\u201epsychiatrische Abteilung\u201c <\/em>und <em>\u201eerneute Aufforderung, Deutschland zu verlassen\u201c <\/em>entnehmen. Dar\u00fcber regt sich Mellenthin nicht auf, auch nicht dar\u00fcber, dass das Attentat nicht verhindert wurde. Sondern dass, obwohl <em>\u201ewir\u201c <\/em>sehr wohl wussten, <em>\u201ewo\u201c <\/em>er <em>\u201esich befand\u201c<\/em>, Sahra gefordert hatte, dass <em>\u201ewir wissen \u2026 wo es Gefahrenpotentiale gibt.\u201c <\/em>Daran kritisiert er das <em>\u201ewir\u201c<\/em>, weil <em>\u201eallein dieses Wort in diesem Kontext ist verr\u00e4terisch\u201c<\/em>. Ja, was verr\u00e4t es denn? Mellenthin verr\u00e4t es uns nicht. Ein Blick auf den Textzusammenhang <em>\u201eDer Staat muss \u2026.\u201c <\/em>verr\u00e4t jedenfalls, wen die Kritisierte mit \u201ewir\u201c meinte, den Staat eben. Obwohl dies offenbar ist, soll etwas \u201eVerr\u00e4terisches\u201c hineingeheimnisst werden. Das verr\u00e4t kein gesteigertes Interesse an den Fakten, aber ein umso gr\u00f6\u00dferes Interesse an der Manipulation des Publikums mit Hilfe demagogischer Wortverdrehung.<\/p>\n<p>Warum \u00fcberhaupt \u201eFakten checken\u201c, wenn man mit der Spekulation weiter kommt: Die <em>\u201eerneute Aufforderung, Deutschland innerhalb eines Monats zu verlassen \u2026 war \u2026 vielleicht der unmittelbare Ausl\u00f6ser f\u00fcr seine Tat\u201c<\/em>. Da hier nicht nach der \u201eMethode Mellenthin\u201c gekontert werden soll, wollen wir nicht unterstellen, dass er mit diesem Hinweis das Attentat entschuldigen will. Auf seinem Weg zur\u00fcck in die <em>\u201ewiderspr\u00fcchliche Wirklichkeit\u201c <\/em>folgen dann abstrakte \u00dcberlegungen \u00fcber den <em>\u201everantwortungsvollen staatlichen Umgang mit psychisch Kranken\u201c<\/em>: <em>\u201eDie Forderung nach geschlossener Unterbringung aller Personen, die ein \u201aGefahrenpotential\u2018 darstellen k\u00f6nnten, geh\u00f6rt nicht dazu.\u201c <\/em>Zwar gibt er zu, <em>\u201edas hatte Wagenknecht ja auch gar nicht explizit verlangt\u201c<\/em>, aber nur um uns einzureden, warum nicht: <em>\u201eweil sie die \u201akonkrete Aufkl\u00e4rung der Hintergr\u00fcnde\u2018 ganz bewusst nicht abgewartet hatte\u201c<\/em>. Nach Kenntnis der Hintergr\u00fcnde w\u00e4re also \u201edie Forderung nach geschlossener Unterbringung\u201c zwangsl\u00e4ufig bzw. unvermeidlich gewesen?<\/p>\n<p>Halten wir fest: Mit dem Satz, Wagenknecht habe <em>\u201edie gute Gelegenheit\u201c <\/em>mit einem <em>\u201epropagandistischen Schnellschuss\u201c <\/em>absichtlich <em>\u201eausnutzen wollen\u201c<\/em>, wird das Bombenattentat zu einer \u201eguten Gelegenheit\u201c erkl\u00e4rt, es sei wie gerufen gekommen, damit Wagenknecht Propaganda treiben kann. Ein Attentat von einem syrischen (abgelehnten) Asylsuchenden darf, zu Ende gedacht, folglich \u00fcberhaupt nicht angesprochen und kommentiert werden, weil das gegen \u201edie guten (linken) Sitten\u201c verst\u00f6\u00dft? Also f\u00fcr Linke ein Tabuthema? Sollen sich die Interessierten doch besser an die AfD oder die CSU wenden? Ob die sich bei Mellenthin angemessen bedanken?<\/p>\n<p>Mellenthin suggeriert, es sei <em>\u201eWagenknechts Suggestion\u201c <\/em>und <em>\u201eein zentraler Bestandteil ihrer Agitation\u201c<\/em>, <em>\u201eSicherheit\u201c <\/em>sei <em>\u201eein Zustand der Vergangenheit, der uns haupts\u00e4chlich durch die \u201aunkontrollierte Zuwanderung\u2018 verlorengegangen sei\u201c<\/em>. Daher diagnostiziert er <em>\u201eden Wunsch nach R\u00fcckkehr in ein vergleichsweise goldenes Zeitalter, das sie besonders gern mit der Regierungszeit des Bundeskanzlers Willy Brandt zwischen Oktober 1969 und Mai 1974 identifiziert\u201c<\/em>. Auch hier hat er entweder die Fakten nicht gecheckt oder er verdreht sie absichtlich: Wenn Wagenknecht Willy Brandts Politik als positiv darstellte, meinte sie niemals die Berufsverbotepolitik und auch nicht die \u201einnere Sicherheit\u201c. Sie tat dies immer bei ihrer Kritik an der Au\u00dfenpolitik der Bundesregierung, der Beteiligung an v\u00f6lkerrechtswidrigen Kriegen und der Konfrontation mit Russland. Deshalb fordert sie \u201eeine neue Entspannungspolitik\u201c, deshalb erinnert sie die SPD an die \u201eneue Ostpolitik\u201c des Namensgebers der SPD-Parteizentrale. Wenn man Frieden und Abr\u00fcstung gering sch\u00e4tzt, kann man das schon mal \u00fcbersehen.<\/p>\n<p>Mellenthins selbst geschaffenen Popanz eines \u201egoldenen Zeitalters\u201c erledigt er dann spielend: <em>\u201eDie Politikerin selbst war damals ein Kleinkind und lebte in der DDR. Wer diese wenigen Jahre vermeintlicher (und durchaus zweifelhafter) Gl\u00fcckseligkeit bewusst erlebt hat, ist heute mindestens <\/em><\/p>\n<p><em>60 Jahre alt. Das passt zu den Fotos von Ansammlungen der \u201aAufstehen\u2018-Aktivisten.\u201c <\/em>Gekonnt \u2013 \u201eAufstehen\u201c wird gleich mit abgewatscht, da kann sich auch Katja Kipping erkenntlich zeigen. Allerdings wirft der Satz von den Fotos der mindestens 60j\u00e4hrigen Fragen auf: Liegt hier ein spezieller Fall von Altersrassismus vor? Oder l\u00e4uft Mellenthin dem Greta-Thunberg-Jugend-Wahn hinterher? Oder will er uns nur \u00fcber sein eigenes Alter t\u00e4uschen? In seinem zarten Alter von fast 73, zur Regierungszeit Willy Brandts war er Funktion\u00e4r des KB (Kommunistischer Bund), h\u00e4tte er sich auch ein weniger geschmackloses Argument einfallen lassen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Anlass f\u00fcr seinen n\u00e4chsten \u201eFaktencheck\u201c ist ein Ereignis am 19. Dezember 2016, damals <em>\u201esteuerte ein Attent\u00e4ter einen gestohlenen Lkw in den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz und t\u00f6tete elf Menschen; 55 weitere wurden verletzt\u201c<\/em>. Unter der \u00dcberschrift <em>\u201eMerkels Schuld\u201c <\/em>wird Wagenknecht \u201eR\u00e4sonieren\u201c vorgeworfen: <em>\u201eIn einem Interview mit der Illustrierten <\/em>Stern <em>r\u00e4sonierte sie im Januar 2017 (Ausgabe 2\/2017) \u00fcber die \u201aMitverantwortung\u2018 der Bundeskanzlerin an dem Massaker. \u201aNeben der unkontrollierten Grenz\u00f6ffnung ist da die kaputtgesparte Polizei, die weder personell noch technisch so ausgestattet ist, wie es der Gefahrenlage angemessen ist\u2018.\u201c <\/em><\/p>\n<p>F\u00fcr Mellenthin ist <em>\u201e\u201aunkontrolliert\u2018 ein emotionalisierendes Lieblingswort, das Wagenknecht mit der AfD teilt\u201c<\/em>. Und: <em>\u201eDer Spruch von der \u201akaputtgesparten\u2018 Polizei wurde \u00fcbrigens, noch bevor sich manche Linke seiner annahmen, von der AfD in den propagandistischen Wettbewerb eingef\u00fchrt.\u201c <\/em>Doch haupts\u00e4chlich ist wieder <em>\u201eWagenknechts zentrale Behauptungen falsch\u201c<\/em>, die Begr\u00fcndung hatten wir schon: Der Tunesier Amri <em>\u201egeh\u00f6rte nicht zur gro\u00dfen \u201aFl\u00fcchtlingswelle\u2018 aus Syrien vom Herbst 2015\u201c<\/em>, sondern <em>\u201ewar schon im Juli 2015 \u00fcber mehrere Stationen in anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern nach Deutschland eingereist\u201c<\/em>. Wagenknechts Kritik an Merkel: <em>\u201eIhre Politik hat viel Unsicherheit und \u00c4ngste erzeugt und die AfD gro\u00df gemacht\u201c<\/em>, kann Mellenthin nat\u00fcrlich nicht stehen lassen: <em>\u201eDas ist ein st\u00e4ndiges Thema in Wagenknechts \u00c4u\u00dferungen: F\u00fcr das Erstarken der Rechtsextremen in Europa seien weder diese selbst und schon gar nicht ihre W\u00e4hler verantwortlich, sondern die regierenden Politiker.\u201c <\/em>Freispruch f\u00fcr Merkel! Ob sie sich auch bedankt?<\/p>\n<p>F\u00fcr den Autor ist das Erstarken einer Partei oder eines politischen Lagers also ausschlie\u00dflich von diesen selbst verursacht, aus eigener Kraft, \u00e4u\u00dfere Faktoren scheiden aus. Und nat\u00fcrlich sind die W\u00e4hler schuld, die offenbar ihre Wahlentscheidung treffen ohne gebrochene Wahlversprechen zu registrieren, die Regierungshandeln nicht bewerten, Worte und Taten politischer Konkurrenten nicht in Rechnung stellen. Mutwillig und ohne das politische Umfeld wahrzunehmen machen sie ihr Kreuz bei den Falschen. Da wird die Zunft der Wahlforscher wohl nochmal zu Mellenthin in die Lehre gehen m\u00fcssen, um von seinen bahnbrechenden Erkenntnissen zu lernen.<\/p>\n<p>N\u00e4chster Punkt in Sahras S\u00fcndenregister: Sie habe <em>\u201eauf den Wahlsieg Donald Trumps am 8. November 2016 f\u00fcr eine Linke \u00e4u\u00dferst untypisch reagiert\u201c<\/em>, n\u00e4mlich so: <em>\u201eUnter Hinweis auf die negative Entwicklung der sozialen Verh\u00e4ltnisse in den USA und angesichts von Hillary Clinton, der \u201aKandidatin des Establishments\u2018, hie\u00df es dort: \u201aDass die Menschen sich in dieser Situation nach Ver\u00e4nderung sehnen, ist mehr als nur verst\u00e4ndlich.\u2018\u201c <\/em>Erwartet Mellenthin als \u201etypisch linke Reaktion\u201c, dass man wegen der Wahlniederlage der Kriegsverbrecherin Clinton Trauer tr\u00e4gt?<\/p>\n<p>Er kritisiert auch Wagenknechts Aussage <em>\u201eDie Menschen in den USA haben ja nicht in erster Linie Donald Trump gew\u00e4hlt, sie haben Ver\u00e4nderung gew\u00e4hlt\u201c<\/em>, sein Einwand: <em>\u201e\u201aDie Menschen\u2018 sind eine wiederkehrende Floskel in Wagenknechts Rhetorik und vielleicht sogar in ihrem tats\u00e4chlichen Weltbild, obschon das alles andere als sicher ist. Mit dieser Formel wird ein Kollektiv konstruiert, das in der Wirklichkeit nicht existiert und das von Populisten jeglicher Couleur als Projektionsfl\u00e4che ihrer eigenen Vorstellungen benutzt wird.\u201c <\/em>Mit den \u201eMenschen\u201c hat es Wagenknecht ihrem Kritiker gar nicht leicht gemacht, deshalb kommt seine Kritik so holprig. Gewohnt, bei der Erw\u00e4hnung von \u201eVolk\u201c aufzuheulen, weil damit \u201eein v\u00f6lkisches Kollektiv konstruiert\u201c werde, wird das nun umstandslos auf \u201edie Menschen\u201c \u00fcbertragen. Dass \u201eder Mensch im Mittelpunkt stehen\u201c<\/p>\n<p>soll, \u201eMenschen wichtiger als Profite\u201c sein sollen, sind eigentlich linke Standards. Menschen m\u00fcssen von Objekten zu Subjekten ihrer Geschichte werden, fordert der Freidenkerverband. Aber Mellenthin verbiegt <em>\u201edie Menschen\u201c <\/em>zur <em>\u201eProjektionsfl\u00e4che von Populisten jeglicher Couleur\u201c <\/em>\u2013 das zeugt von hoher demagogischer Energie.<\/p>\n<p>Auch sei Trump <em>\u201edurchaus nicht von \u201aden Menschen\u2018 zum Pr\u00e4sidenten gew\u00e4hlt, sondern von einer Minderheit\u201c<\/em>. Mehrheiten h\u00e4tte er nur bei den Wei\u00dfen, den \u00c4lteren, der Landbev\u00f6lkerung gehabt. Also bei jenen, auf die die sogenannte Kulturlinke ohnehin ver\u00e4chtlich herabblickt. Und was im Grunde die parteien\u00fcbergreifende Ver\u00e4chtlichmachung von Populismus \u201ejeglicher Couleur\u201c schon nahelegt.<\/p>\n<p>N\u00e4chste Station Brexit: Wagenknechts Feststellung, <em>\u201edie Briten\u201c <\/em>h\u00e4tten f\u00fcr den EU-Austritt gestimmt, reicht Mellenthin zum Urteil: <em>\u201eAbstimmungsergebnisse zu analysieren und korrekt darzustellen ist nicht Wagenknechts Sache\u201c<\/em>. Seine Begr\u00fcndung: das Ergebnis war <em>\u201eextrem knapp \u2013 51,89 gegen 48,11 Prozent\u201c<\/em>. Lag Sahra also falsch? Nat\u00fcrlich nicht. Dann wieder ein Paradebeispiel f\u00fcr Mellenthins Umgang mit \u201eFakten\u201c: <em>\u201eHeute \u2026 bedauert vermutlich eine Mehrheit der Briten den Ausgang des damaligen Referendums und w\u00fcrde ihn gern korrigieren\u201c<\/em>. Vermutlich \u2013 Kaffeesatz oder Kristallkugel. Exakt so liest man das auch in den Mainstream-Medien.<\/p>\n<p>Zum kr\u00f6nenden Abschluss: AfD. Wagenknechts <em>\u201eFormulierung, viele Menschen h\u00e4tten \u201aso viel Wut im Bauch\u2018, dass sie die AfD nur w\u00e4hlen w\u00fcrden, \u201aum die da oben zu \u00e4rgern\u2018\u201c<\/em>, gilt Mellenthin als Verharmlosung des Rechtsextremismus. Es sei eine vereinfachende Darstellung, wenn sie behaupte <em>\u201e\u201aUnzufriedene\u2018 w\u00fcrden \u201ain die Arme der AfD getrieben, weil sie sich bei allen anderen nicht mehr verstanden f\u00fchlen. Viele w\u00e4hlen die AfD aus Protest, das sind keine Rassisten, sondern Menschen, die sich von der Politik im Stich gelassen f\u00fchlen\u2018.\u201c <\/em>Sein Verdikt: F\u00fcr eine Marxistin <em>\u201epflegt sie allerdings ein erstaunlich schlechtes Verh\u00e4ltnis zur Dialektik. Sie scheint ihr sogar mittlerweile v\u00f6llig unbekannt zu sein. Im vorliegenden Fall: Dass jemand sich \u201avon der Politik im Stich gelassen\u2018 f\u00fchlt, schlie\u00dft selbstverst\u00e4ndlich nicht aus, dass sie oder er mehr oder weniger rassistisch ist.\u201c <\/em>Wieder wird etwas dementiert, was die Kritisierte nicht behauptet hat, ein Dementi, das ins Leere geht, wieder eine demagogische Suggestion.<\/p>\n<p>Voll im Mainstream, jetzt auch in der \u201ejungen Welt\u201c: die Behauptung, Wagenknecht h\u00e4tte diesem Klientel <em>\u201eein paar populistische und anbiedernde Brocken zum Anlocken hingeworfen\u201c<\/em>, blo\u00df nicht konsequent genug, weshalb sie <em>\u201edie Konsequenz aus ihrem ausbleibenden Erfolg gezogen\u201c <\/em>habe. Doch Wagenknechts R\u00fcckzug aus der F\u00fchrung von \u201eAufstehen\u201c sowie vom Fraktionsvorsitz der Linkspartei ist f\u00fcr Mellenthin nur ein schwacher Trost, er muss nachtreten: <em>\u201eIn den Talkshows wird sie dem Publikum aber, das l\u00e4sst sich erahnen, erhalten bleiben. Die Positionen, mit denen sie dort in Zukunft in punkto Sicherheit und Migration auftreten wird, leider auch.\u201c <\/em>Die Aussage passt bestens zur hier pr\u00e4sentierten Merkel- und Clinton-Verteidigung durch heute \u201etypische Linkies\u201c.<\/p>\n<p>Das gro\u00dfe Bild von Sahra ist in der Zeitung mit der Unterschrift versehen <em>\u201eSuggestive Schnellsch\u00fcsse und systematische Komplexit\u00e4tsreduktion sind in der Politik beliebte Mittel\u201c<\/em>. Keineswegs nur in der Politik m\u00f6chte man erg\u00e4nzen, die Journaille will dabei nicht zur\u00fcckstehen. W\u00e4hrend Mellenthin mit dem Finger auf Wagenknecht zeigt, zeigen drei auf ihn zur\u00fcck. Fr\u00fcher und grunds\u00e4tzlich-konzeptionell waren die \u201eThemen\u201c-Seiten der \u201ejungen Welt\u201c intellektuell und theoretisch anspruchsvollen Beitr\u00e4gen vorbehalten. Wie es der vorliegende, geistig notleidende Artikel in die Zeitung gebracht hat, ist ein R\u00e4tsel, das der zust\u00e4ndige Redakteur alsbald aufkl\u00e4ren sollte.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Klaus Hartmann ist Bundesvorsitzender des Deutschen Freidenker-Verbandes<\/em><\/p>\n<p>Quelle:<\/p>\n<p>[1] <a href=\"https:\/\/www.jungewelt.de\/artikel\/352571.die-linke-politik-der-vereinfachung.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/www.jungewelt.de\/artikel\/352571.die-linke-politik-der-vereinfachung.html<\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p>Quelle der Erstver\u00f6ffentlichung: <a href=\"https:\/\/kenfm.de\/tagesdosis-12-4-2019-sahra-bashing-oder-journaille-der-verhetzung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/kenfm.de\/tagesdosis-12-4-2019-sahra-bashing-oder-journaille-der-verhetzung\/<\/a><\/p>\n<p>Der Beitrag ist auch auf YouTube verf\u00fcgbar: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=EeevKC1Xlgw\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=EeevKC1Xlgw<\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\">Beitragsbild oben: Sahra Wagenknecht auf der Kundgebung &#8222;Stopp Air Base Ramstein&#8220;, Juni 2018<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 10pt;\">Quelle: weltnetz.tv<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>In der Rubrik Tagesdosis wurde am 12.04.2019 bei KenFM der Beitrag \u201eSahra-Bashing oder: Journaille der Verhetzung\u201c von Klaus Hartmann, Bundesvorsitzender des Deutschen Freidenker-Verbandes, ver\u00f6ffentlicht.<\/b><br \/>\nAusgerechnet in der \u201ejungen Welt\u201c \u2013 nach Selbsteinsch\u00e4tzung eine \u201emarxistische Tageszeitung\u201c \u2013 erh\u00e4lt einer Gelegenheit, auf vollen zwei Seiten (\u201eThema\u201c) \u00fcber Sahra Wagenknecht abzul\u00e4stern. &#8230; Verhandelt wird ein Themenspektrum von Fl\u00fcchtlingen und Sicherheit \u00fcber Merkel, Trump und den Brexit bis hin zur AfD, zu Populismus und Rechtsextremismus. Das zeigt bereits die Absicht an, in welcher Schublade Sahra Wagenknecht landen und entsorgt werden soll.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":6215,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","advanced_seo_description":"","jetpack_seo_html_title":"","jetpack_seo_noindex":false,"jetpack_post_was_ever_published":false,"footnotes":""},"categories":[937],"tags":[1128,1030,917,403,637,1130],"class_list":["post-6202","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-zeit-der-verleumder-freidenker-fuer-klartext","tag-integration","tag-linke","tag-linkspartei","tag-migration","tag-propaganda","tag-verleumdung"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/klartext_sahra_wagenknecht_2_800x445.jpg?fit=800%2C445&ssl=1","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p9stpK-1C2","jetpack-related-posts":[{"id":6400,"url":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=6400","url_meta":{"origin":6202,"position":0},"title":"Junge Welt im Klassenkrampf","author":"Webredaktion","date":"6. 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