{"id":6178,"date":"2019-04-19T01:28:24","date_gmt":"2019-04-18T23:28:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=6178"},"modified":"2019-05-18T10:33:06","modified_gmt":"2019-05-18T08:33:06","slug":"20-jahre-seit-nato-angriffskrieg-gegen-jugoslawien-teil-15-und-16","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=6178","title":{"rendered":"20 Jahre seit NATO-Angriffskrieg gegen Jugoslawien &#8211; Teil 15 und 16"},"content":{"rendered":"<div class=\"article__text \">\n<p>Der Angriffskrieg der NATO gegen Jugoslawien am 24. M\u00e4rz 1999 markierte das Ende des Friedens in Europa, ein Frieden, der seit der Katastrophe des Zweiten Weltkriegs gehalten hatte, zumindest in Europa. Mit Beitr\u00e4gen in loser Folge wird <a href=\"https:\/\/deutsch.rt.com\/search?q=20+Jahre+seit+NATO-Angriff+auf+Jugoslawien%3A&amp;df=&amp;dt=\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">RT-Deutsch<\/a> in den n\u00e4chsten Wochen die wichtigsten Stationen der NATO-Vorbereitungen auf diesen Krieg in Erinnerung rufen.<\/p>\n<p>Wir ver\u00f6ffentlichen die Teile 1<em>5<\/em> und 1<em>6<\/em> hier zusammenh\u00e4ngend.<\/p>\n<p><a id=\"uebersicht\"><\/a><strong>\u00dcbersicht<\/strong><\/p>\n<p>Bisher ver\u00f6ffentlicht:<\/p>\n<\/div>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=5900#t01\">Teil 1<\/a> \u2013 16.02.2019: <strong>Ursachen, Hintergr\u00fcnde, Fake News und False Flag<\/strong> <em>von Rainer Rupp<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=5900#t02\">Teil 2<\/a> \u2013 21.02.2019: <strong>Deutschlands R\u00fcckbesinnung auf unr\u00fchmliche Traditionen<\/strong> <em>von Klaus Hartmann<\/em><\/p>\n<div class=\"article__text \">\n<p><a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=5956#t03\">Teil 3<\/a> &#8211; 25.02.2019:\u00a0<strong>Luftangriffe in Bosnien-Herzegowina als Test f\u00fcr Kosovo<\/strong> <em>von Rainer Rupp<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=5956#t04\">Teil 4<\/a> &#8211; 01.03.2019:\u00a0 <strong>Falsche-Flagge-Massaker als Vorwand f\u00fcr NATO-Aggression<\/strong> <em>von Rainer Rupp<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=5985#t05\">Teil 5<\/a> &#8211; 02.03.2019: <strong>Warum wurde Milo\u0161evi\u0107 zum Hassobjekt des Westens?<\/strong> <em>von Klaus Hartmann<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=5985#t06\">Teil 6<\/a> &#8211; 04.03.2019: <strong>Das &#8222;Ra\u010dak-Massaker&#8220; &#8211; Teil des NATO-Drehbuchs (I) <\/strong><em>von Doris Pumphrey<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=6006#t07\">Teil 7<\/a> &#8211; 06.03.2019: <strong>Das &#8222;Ra\u010dak-Massaker&#8220; &#8211; Teil des NATO-Drehbuchs (II) <\/strong><em>von Doris Pumphrey<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=6006#t08\">Teil 8<\/a> &#8211; 08.03.2019: <strong>Teil des NATO-Drehbuchs \u2013 &#8222;Massaker von Srebrenica&#8220; (I)<\/strong> <em>von George Pumphrey<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=6013#t09\">Teil 9<\/a> &#8211; 09.03.2019: <strong>Teil des NATO-Drehbuchs \u2013 &#8222;Massaker von Srebrenica&#8220; (II) <\/strong><em>von George Pumphrey<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=6013#t10\">Teil 10<\/a> &#8211; 09.03.2019:\u00a0<strong>Terror-Paten und die letzte Chance<\/strong> <em>von Klaus Hartmann<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=6058#t11\">Teil 11<\/a> &#8211; 20.03.2019: <strong>Der Countdown l\u00e4uft &#8211; Die letzten Tage vor dem Angriff<\/strong> <em>von Rainer Rupp<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=6058#t12\">Teil 12<\/a> &#8211; 21.03.2019: <strong>L\u00fcgen, bis sich der Balkan biegt<\/strong> <em>von Klaus Hartmann<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=6085#t13\">Teil 13<\/a> &#8211; 22.03.2019: <strong>Momentaufnahme zwei Tage vor dem Angriff<\/strong> <em>von Rainer Ruppp<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=6085#t14\">Teil 14<\/a> &#8211; 24.03.2019: <strong>Kriegsverbrechen und Kriegsl\u00fcgen<\/strong> <em>von Ralph Hartmann<\/em><\/p>\n<p>Neu auf dieser Seite:<\/p>\n<p><a href=\"#t15\">Teil 15<\/a> &#8211; 02.04.2019: <strong>Scharping &amp; Co. als M\u00fcnchhausen 2.0<\/strong> <em>von Klaus Hartmann<\/em><\/p>\n<p><a href=\"#t16\">Teil 16<\/a> &#8211; 18.04.2019: <strong>Medienl\u00fcgen (1) \u2013 Zum Tod von Mira Markovi\u0107<\/strong> <em>von Klaus Hartmann<br \/>\n<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p><strong><a id=\"t15\"><\/a>Teil 15 (<a href=\"https:\/\/deutsch.rt.com\/meinung\/86681-20-jahre-seit-nato-angriffskrieg-scharping-fischer-fake-news\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Erstver\u00f6ffentlichung auf RT Deutsch am 02.04.2019<\/a>)<\/strong><\/p>\n<h4><strong>Scharping &amp; Co. als M\u00fcnchhausen 2.0<\/strong><\/h4>\n<p><em>von <strong>Klaus Hartmann<br \/>\n<\/strong><\/em><br \/>\n<em><strong>Nach zwei \u00dcberf\u00e4llen Deutschlands auf Jugoslawien, musste der dritte Versuch gegen\u00fcber der eigenen Bev\u00f6lkerung gr\u00fcndlich vorbereitet werden. Ohne moralisierende Begr\u00fcndung ging da gar nichts. Also musste als Kriegs-Zweck-L\u00fcge ein &#8222;Faschismus&#8220; her, der zu bek\u00e4mpfen sei.<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Unterhalb der Latte von einem &#8222;Faschismus&#8220;, den es dort zu bek\u00e4mpfen g\u00e4lte, ging da gar nichts. Am besten also \u2013 den Spie\u00df umdrehen und die Geschichte auf den Kopf stellen: unsere dunkle (deutsche) Vergangenheit verpflichte uns geradezu \u2013 wieder Krieg zu f\u00fchren. Klingt absurd, lief aber genauso ab.<\/p>\n<p>Die NATO-Aggression war auch ein Musterbeispiel daf\u00fcr, wie die Bev\u00f6lkerung in einen Krieg hineingelogen wird. Das deutsche Regierungspersonal gab f\u00fcr den NATO-Krieg das Letzte. Au\u00dfenminister Joseph Fischer verkaufte den Krieg unter der Losung &#8222;Nie wieder Auschwitz!&#8220;. Deutsche Widerstandsk\u00e4mpfer, unter ihnen Esther Bejarano, Kurt Goldstein und Peter Gingold, wehrten sich in Zeitungsanzeigen gegen Fischers &#8222;neue Auschwitzl\u00fcge&#8220;:<\/p>\n<blockquote><p>Wir \u00dcberlebenden von Auschwitz und anderen Massenvernichtungslagern verurteilen den Missbrauch, den Sie und andere Politiker mit den Toten von Auschwitz, mit dem von Hitlerfaschisten im Namen der deutschen Herrenmenschen vorbereiteten und begangenen V\u00f6lkermord an Juden, Sinti und Roma und Slawen betreiben. Was Sie tun, ist eine aus Argumentationsnot f\u00fcr Ihre verh\u00e4ngnisvolle Politik geborene Verharmlosung des in der bisherigen Menschheitsgeschichte einmaligen Verbrechens. Weltfrieden und internationale Sicherheit werden jetzt gef\u00e4hrdet, indem gegen ein Gr\u00fcndungsmitglied der UNO Krieg gef\u00fchrt wird, Krieg von deutschem Boden aus. [&#8230;] Sich als Begr\u00fcndung f\u00fcr einen solchen Krieg auf Auschwitz zu berufen, ist infam.<\/p><\/blockquote>\n<p>Der fr\u00fchere CIA-Agent Robert Baer kommentiert:<strong> &#8222;<\/strong>Als deutscher Politiker h\u00e4tte er eigentlich \u00fcber ein gewisses historisches Gesp\u00fcr verf\u00fcgen sollen bez\u00fcglich solcher unsachlichen Vergleiche.&#8220; Fischer aber machte weiter auf &#8222;Antifaschist&#8220; und nannte die Kriegsgegner &#8222;Wei\u00dfw\u00e4scher eines neuen Faschismus&#8220;.<\/p>\n<p>Bundeswehrgeneral Heinz Loquai, f\u00fcr die OSZE in Jugoslawien unterwegs, analysierte: &#8222;Die deutsche Politik hat den Krieg gegen Jugoslawien damit gerechtfertigt, die NATO habe gegen einen an den Kosovo-Albanern sich vollziehenden V\u00f6lkermord bzw. eine humanit\u00e4re Katastrophe eingreifen m\u00fcssen. Die meisten Medien transportierten bzw. verst\u00e4rkten diese Botschaft. Sie hat sich heute verfestigt.&#8220; Er verweist auf &#8222;Die Zeit&#8220;\u2018: &#8222;angesichts eines drohenden Genozids im Kosovo&#8220; habe es sich\u201a &#8222;bei Lichte besehen&#8220; um &#8222;einen moralisch legitimierten Krieg&#8220; gehandelt, an gleicher Stelle ist von &#8222;v\u00f6lkerm\u00f6rderischem Gemetzel&#8220; und &#8222;akutem Genozid&#8220; die Rede. Olaf Scholz, damals Generalsekret\u00e4r der SPD behauptet, mit dem Milit\u00e4reinsatz der Bundeswehr habe Deutschland bei der &#8222;Bek\u00e4mpfung von V\u00f6lkermord&#8220; geholfen.<\/p>\n<p>Ludger Volmer, Staatssekret\u00e4r im Ausw\u00e4rtigen Amt: &#8222;Alle Analysen deckten sich in dem Befund, da\u00df ohne Reaktion die Serben glauben w\u00fcrden, sie h\u00e4tten nun freie Bahn f\u00fcr ihre Vertreibungs- und Vernichtungspolitik.&#8220; Alle Analysen? Keineswegs \u2013 Heinz Loquai lobt in seinem Buch &#8222;Der Kosovo-Konflikt \u2013 Wege in einen vermeidbaren Krieg&#8220; die &#8222;exzellenten Berichte der deutschen Botschaft in Belgrad&#8220;, doch Volmer hielt sie lieber unter Verschluss: &#8222;Die Bitte, einige Berichte auszugsweise f\u00fcr diese Studie zitieren zu d\u00fcrfen, wurde vom Ausw\u00e4rtigen Amt abschl\u00e4gig beschieden. Der Staatsminister im Ausw\u00e4rtigen Amt, Dr. Ludger Volmer, begr\u00fcndete dies wie folgt: &#8218;Die Berichterstattung der Botschaft Belgrad zum Thema Kosovo stellt immer noch eine politisch sensitive Materie dar, deren Ver\u00f6ffentlichung unerw\u00fcnschte politische Auswirkungen haben k\u00f6nnte&#8216;.&#8220;<\/p>\n<p>Unerw\u00fcnschte Auswirkungen? Die nannte man fr\u00fcher &#8222;Wehrkraftzersetzung&#8220; und &#8222;Def\u00e4tismus&#8220;. Die arbeiten dem Feind in die H\u00e4nde und k\u00f6nnen daher nicht geduldet werden, fr\u00fcher nicht, und 1999 auch nicht: Loquai wurde wegen seiner Kritik an der deutschen Kriegsbeteiligung von Scharping abberufen, obwohl sich die OSZE f\u00fcr sein Verbleiben eingesetzt hatte.<\/p>\n<p>Eine zentrale Rolle auf dem mit L\u00fcgen gepflasterten Weg in den Krieg spielte Kriegsminister Scharpings Behauptung, &#8222;dass schon im Dezember 1998 eine systematische S\u00e4uberung des Kosovo und die Vertreibung der Kosovo-Albaner geplant waren&#8230;&#8220;. Als &#8222;Beweis&#8220; pr\u00e4sentierte er Anfang April 1999 auf einer Pressekonferenz den sogenannten &#8222;Hufeisenplan&#8220;: Auf einer Landkarte wurden Stellungen serbischer Sicherheitskr\u00e4fte so miteinander verbunden, dass die Linie die Form eines Hufeisens beschrieb, womit die &#8222;Sto\u00dfrichtung&#8220; gegen die Bev\u00f6lkerung &#8222;bewiesen&#8220; sein sollte. Allerdings bewies das &#8222;Dokument&#8220; zun\u00e4chst etwas anderes, n\u00e4mlich die schlechten Sprachkenntnisse der Verfasser.<\/p>\n<p>Der Bundeswehr-Generalinspekteur von Kirchbach behauptete, dass der Plan &#8222;Potkova&#8220; hei\u00dfe, was serbisch &#8222;Hufeisen&#8220; bedeuten w\u00fcrde. Leider falsch: So bezeichnet man ein Hufeisen auf Kroatisch, in Bulgarien w\u00fcrde es &#8222;Podkova&#8220; hei\u00dfen, auf Serbisch hingegen &#8222;Podkovica&#8220;. Aber das merkten die Plan-Erfinder d\u00e4mlicherweise nicht. Denn nach der dank Deutschland erfolgreichen Sezession Kroatiens wurde auch die bisher geltende gemeinsame Sprache &#8222;serbokroatisch&#8220; getilgt und die regionalen Dialekte zu eigenst\u00e4ndigen &#8222;Sprachen&#8220; aufgeblasen. In Deutschland galt fortan &#8222;kroatisch&#8220; als &#8222;die Balkansprache&#8220;, und so sind die deutschen &#8222;Generalplaner&#8220; eben mal Opfer ihres eigenen antiserbischen Chauvinismus geworden.<\/p>\n<p>Der &#8222;Hufeisenplan&#8220; sollte angeblich vom serbischen Generalstab stammen, tats\u00e4chlich hat ihn Scharping aus Fischers Au\u00dfenministerium, und dem wurde er in Sofia vom bulgarischen Geheimdienst zugespielt, wie der &#8222;Spiegel&#8220; Anfang 2000 offenbarte. Die bulgarische Regierung dr\u00e4ngte auf NATO-Mitgliedschaft \u2013 und war offenbar daher um Gef\u00e4lligkeiten bem\u00fcht. Der \u00d6ffentlichkeit vorgezeigt wurde der &#8222;Plan&#8220; naheliegenderweise nie \u2013 man musste eben fest an ihn glauben. Manche Richter urteilten eher &#8222;ungl\u00e4ubig&#8220; \u2013 so das Oberverwaltungsgericht M\u00fcnster am 24. Februar 1999: &#8222;F\u00fcr ein geheimes Programm oder einen auf serbischer Seite vorhandenen stillschweigenden Konsens, das albanische Volk zu vernichten, zu vertreiben oder sonst in der vorstehend beschriebenen extremen Weise zu verfolgen, liegen keine hinreichend sicheren Anhaltspunkte vor&#8220;.<\/p>\n<p>Heinz Loquai: &#8222;Ich kann nur sagen, dass der Verteidigungsminister bei dem, was er \u00fcber den Hufeisenplan sagt, nicht die Wahrheit sagt.&#8220; Scharping besteht aber darauf: &#8222;Die milit\u00e4rischen Aktivit\u00e4ten der NATO dienen einem politischen Ziel, n\u00e4mlich die Abwendung einer humanit\u00e4ren Katastrophe beziehungsweise die Verhinderung ihres weiteren Anwachsens.&#8220; Ganz anders der Lagebericht der OSZE-Mission vom 17. M\u00e4rz 1999, also eine Woche vor Kriegsbeginn, in dem es hie\u00df: &#8222;Es gibt zur Zeit keine so genannte humanit\u00e4re Katastrophe, und eine solche ist auch nicht zu erwarten, wenn die Hilfsma\u00dfnahmen fortgesetzt werden.&#8220;<\/p>\n<p>Und die Erwiderung Loquais: &#8222;Zur Rechtfertigung des Krieges gegen Jugoslawien behaupteten deutsche Politiker, schon Mitte M\u00e4rz 1999 h\u00e4tten jugoslawische Truppen eine Gro\u00dfoffensive im Kosovo begonnen. Auch die Medien berichteten einige Tage vor Beginn des Krieges dar\u00fcber. Welche Lage herrschte nun tats\u00e4chlich wenige Tage vor Kriegsbeginn im Kosovo? Die OSZE, die mit ca. 1.400 internationalen Beobachtern vor Ort in der Provinz war, fasste ihre Erkenntnisse f\u00fcr den 17. und 18. M\u00e4rz 1999 wie folgt zusammengefasst: &#8218;Die Lage ist \u00fcber die ganze Provinz hinweg angespannt, aber ruhig.&#8216; Von einer jugoslawischen Gro\u00dfoffensive hatten offenbar auch die Nachrichtenexperten des deutschen Verteidigungsministeriums nichts bemerkt. Am 22. M\u00e4rz, also zwei Tage vor Beginn des Luftkrieges gegen Jugoslawien, stellen die Nachrichtenexperten u.a. fest: &#8218;Entgegen Medienberichten sei derzeit weiterhin keine Gro\u00dfoffensive jugoslawischer Sicherheitskr\u00e4fte in Kosovo erkennbar&#8216;.&#8220;<\/p>\n<p>Der Film von Jo Angerer und Mathias Werth &#8222;Es begann mit einer L\u00fcge&#8220;, ausgestrahlt am 8. Februar 2001 in der ARD, tr\u00e4gt den Untertitel &#8222;Wie die Nato im Krieg um Kosovo Tatsachen verf\u00e4lschte und Fakten erfand&#8220;. Darin wird Scharping (vom 27. M\u00e4rz 1999) zitiert: &#8222;Wir w\u00e4ren ja auch niemals zu milit\u00e4rischen Ma\u00dfnahmen geschritten, wenn es nicht diese humanit\u00e4re Katastrophe im Kosovo g\u00e4be mit 250.000 Fl\u00fcchtlingen innerhalb des Kosovo, weit \u00fcber 400.000 Fl\u00fcchtlingen insgesamt, und einer zurzeit nicht z\u00e4hlbaren Zahl von Toten.&#8220;<\/p>\n<p>Loquai setzt den Legenden entgegen: &#8222;Faktum ist, dass in keinem der Berichte der OSZE oder der Experten des milit\u00e4rischen Nachrichtenwesens von einer derartigen Situation die Rede ist. Noch am 22. M\u00e4rz 1999, d. h. zwei Tage vor Kriegsbeginn, hei\u00dft es in einer Lageanalyse des Amtes f\u00fcr Nachrichtenwesen der Bundeswehr: &#8222;Tendenzen zu ethnischen S\u00e4uberungen sind weiterhin nicht zu erkennen.&#8220; Drei Tage vorher hatte das Ausw\u00e4rtige Amt festgestellt: &#8222;Von Flucht, Vertreibung und Zerst\u00f6rung im Kosovo sind alle dort lebenden Bev\u00f6lkerungsgruppen gleicherma\u00dfen betroffen.&#8220;<\/p>\n<p>Die Friedensforscher Prof. Dr. Dieter Lutz und Dr. Reinhard Mutz vom Institut f\u00fcr Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universit\u00e4t Hamburg stellen zur NATO-Unterst\u00fctzung f\u00fcr die albanische U\u00c7K fest: &#8222;Die NATO aber hat sich&#8230; im Kosovo-Konflikt sehenden Auges zum Instrument einer auch mit den Mitteln von Terror und Mord nach Unabh\u00e4ngigkeit und Macht strebenden U\u00c7K gemacht, zumindest aber machen lassen.&#8220; Und sie nennen die Stichworte &#8222;Massaker von Rogova&#8220;, &#8222;Massaker von Ra\u010dak&#8220;, &#8222;KZ von Pristina&#8220; oder auch den &#8222;Hufeisenplan&#8220; als Beispiele f\u00fcr die gezielte T\u00e4uschung der Bev\u00f6lkerung in Deutschland.<\/p>\n<p>In &#8222;Es begann mit einer L\u00fcge&#8220; hei\u00dft es: &#8222;Bilder von Massengr\u00e4bern zum Beispiel standen der NATO nicht zur Verf\u00fcgung.&#8220; Was tun? Die &#8222;Panorama&#8220;-Sendung vom 18. Mai 2000 zitiert aus Scharpings &#8222;Kriegstagebuch&#8220;: &#8222;Es ist abscheulich. Diese Lumpen und Verbrecher bringen wahllos Menschen um, rauben ihre Opfer aus, vertreiben sie oder vergewaltigen die Frauen. Umso unverantwortlicher, dass einige \u00f6ffentlich immer wieder einen Stopp oder eine Pause der Luftangriffe fordern.&#8220; Zum &#8222;Beweis&#8220; zeigt er Bilder von einem &#8222;Massaker&#8220; von Rugovo, Ende Januar 1999: 23 Tote Albaner, nebeneinander: &#8222;Auf dem Flug zum NATO-Gipfel in Washington hatten mir Mitarbeiter die Bilder von get\u00f6teten Kosovo-Albanern gezeigt. Beim Anschauen der Fotos \u00dcbelkeit. Ist Entsetzen steigerbar? Sp\u00e4ter bitte ich meine Mitarbeiter, die Bilder f\u00fcr eine der Pressekonferenzen vorzubereiten. (\u2026) Wir haben sehr gut recherchiert und uns Bildmaterial besorgt, das OSZE-Mitarbeiter am Morgen gemacht haben zwischen sieben und acht Uhr.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Panorama&#8220; weiter: &#8222;Fernsehbilder von genau diesem Morgen. Tats\u00e4chlich: ein OSZE-Mann, mit gr\u00fcner Jacke, Henning Hensch, ein deutscher Polizeibeamter, erster internationaler Ermittler vor Ort.&#8220; Doch der Fotograf widerspricht dem Kriegsminister: &#8222;Es war nicht so. Die Leichen haben da zwar gelegen, aber sie sind dort hingebracht worden von den serbischen Sicherheitsbeh\u00f6rden, nachdem die eigentliche Tatortaufnahme \u2013 und das h\u00e4ngt wieder zusammen mit diesem Ermittlungsrichter \u2013 abgeschlossen war, nachdem beschlossen war: wir bringen die Leichen jetzt weg.&#8220; &#8222;Der Beweis durch Fernsehbilder: Zuerst liegen die Leichen verteilt im Ort, wie nach einem Gefecht. Keine Zivilisten, sondern U\u00c7K-K\u00e4mpfer. Nach diesen Aufnahmen dann werden die Leichen zusammengetragen und fotografiert. Und genau diese Fotos h\u00e4lt Minister Scharping f\u00fcr Beweise eines Massakers.&#8220; Loquai: &#8222;Also zu einem Massaker hat es eigentlich der deutsche Verteidigungsminister dann interpretiert.&#8220;<\/p>\n<p>Im Mai 1999 wusste Scharping, &#8222;dass im Dorf Izbica bis zu 200 Personen ermordet und die Leichen verscharrt worden sein sollten &#8230; Bald darauf hatten wir Bilder zur Verf\u00fcgung, die eindeutig frische Grabfelder in Izbica und auch im Nachbarort Krasnika zeigten.&#8220; Nach Kriegsende fanden UN-Ermittler an den bezeichneten Orten \u2013 keine Leichen. Scharpings kongenialer Partner, der NATO-Sprecher Jamie Shea, wusste von &#8222;einem der gr\u00f6\u00dften Massengr\u00e4ber im Kosovo&#8220; in Ljubeni\u0107 bei Pe\u0107. Dort h\u00e4tten serbische Streitkr\u00e4fte in aller Eile 350 Leichen vergraben. UN-Ermittler inspizierten den Ort und fanden sieben Leichen. Die U\u00c7K-Propaganda behauptete, dass in einem riesigen Massengrab in der Trep\u010da-Mine 6.000 Kosovo-Albaner ihr Leben verloren h\u00e4tten. Nach dem Krieg fanden UN-Ermittler nicht die Spur eines einzigen Opfers. Angeblich massakrierte kosovo-albanische Intellektuelle traten 14 Tage nach ihrem vermeintlichen Lebensende quicklebendig in Berlin bei einer Pressekonferenz auf.<\/p>\n<p>Zweckl\u00fcgen f\u00fcr die Rechtfertigung des Krieges, Kriegszweck-L\u00fcgen ohne Zahl. Scharping, der es darin zur traurigen Meisterschaft brachte, wurde daf\u00fcr mit dem Schm\u00e4htitel &#8222;der irre Rudi vom serbischen F\u00f6tengrill&#8220; verspottet. Hintergrund ist seine abenteuerliche Schilderung am 22. April 1999 im deutschen Fernsehen, dass &#8222;ermordeten Schwangeren der Bauch aufgeschlitzt wird und der F\u00f6tus erst gegrillt und dann in den Bauch zur\u00fcckgelegt wird.&#8220; Die Serben h\u00e4tten &#8222;mit abgeschlagenen K\u00f6pfen von Kindern Fu\u00dfball gespielt&#8220;, und dann fantasierte Scharping auch von einem &#8222;Konzentrationslager in Pristina&#8220;.<\/p>\n<p>Im erw\u00e4hnten Film &#8222;Es begann mit einer L\u00fcge&#8220; hei\u00dft es: &#8222;Pristina, die Hauptstadt des Kosovo, war Schauplatz einer perfiden Propagandageschichte: Im Mittelpunkt stand das Fu\u00dfballstadion.&#8220; Scharping (am 28. M\u00e4rz 1999): &#8222;Wenn ich h\u00f6re, dass im Norden von Pristina ein Konzentrationslager eingerichtet wird \u2026&#8220; Und damit es niemand \u00fcberh\u00f6rt: &#8222;Ich sage bewusst KZ&#8220;. Davon fanden weder Aufkl\u00e4rungsdrohnen eine Spur noch der im Filmbeitrag befragte kosovo-albanische Politiker Shaban Kelmendi, der von seinem Haus direkt auf dieses Stadion blicken konnte, und &#8222;keinen einzigen Gefangenen oder eine Geisel&#8220; gesehen hat.<\/p>\n<p>General a. D. Heinz Loquai, OSZE-Beobachter zu dieser Scharping-Erfindung: &#8222;Hier muss ich mich wirklich beherrschen, weil der Vergleich mit Auschwitz und der Situation im Kosovo eine ungeheuerliche Behauptung ist. Man muss sich als Deutscher sch\u00e4men, dass deutsche Minister so etwas getan haben, denn ein normaler Mensch, ein normaler Deutscher, wird vor Gericht zitiert, wenn er in derartigem Ausma\u00dfe Auschwitz verharmlost. Und dass ein deutscher Minister von KZs im Kosovo sprach, ist auf der gleichen Linie \u2026 ich finde es im Grunde genommen ungeheuerlich, dass gerade Deutsche diese Vergleiche gew\u00e4hlt haben.&#8220;<\/p>\n<p>Abschlie\u00dfend muss der Autor dieses Beitrags einr\u00e4umen, dass die in der \u00dcberschrift (M\u00fcnchhausen 2.0) gezogene Parallele zu Hieronymus Carl Friedrich Freiherr von M\u00fcnchhausen nicht ganz passend ist. Erstens war der historische &#8222;L\u00fcgenbaron&#8220; ein echter Adliger, w\u00e4hrend Scharping lediglich mit Kristina Gr\u00e4fin Pilati von Thassul zu Daxberg in einem Pool plantschte, was &#8222;sch\u00f6ne&#8220; Bilder f\u00fcr die Klatschpresse hergab; diese Bilder des &#8222;Turtelpaares&#8220; waren dann allemal ein gr\u00f6\u00dferer &#8222;Aufreger&#8220; als Scharpings L\u00fcgen und der verfassungswidrige Krieg. Als verbindend k\u00f6nnte man sehen, dass auch M\u00fcnchhausen im Krieg war, doch w\u00e4hrend Scharping k\u00e4mpfen lie\u00df, k\u00e4mpfte der Baron selbst, wurde Leutnant und Rittmeister. Scharpings Krieg ging gegen einen Verb\u00fcndeten Russlands, M\u00fcnchhausen k\u00e4mpfte im Russisch-\u00d6sterreichischen T\u00fcrkenkrieg und im Russisch-Schwedischen Krieg auf der russischen Seite. Aber die Hauptsache: Baron M\u00fcnchhausen hatte bei seinen L\u00fcgen keine Menschen auf dem Gewissen, &#8222;unsere&#8220; heutigen L\u00fcgner hingegen Tausende.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Klaus Hartmann ist Bundesvorsitzender des Deutschen Freidenker-Verbandes,<br \/>\nPr\u00e4sident der Weltunion der Freidenker und<br \/>\nCo-Vorsitzender des Internationalen Komitees Slobodan Milo<\/em><em>\u0161<\/em><em>evi<\/em><em>\u0107<\/em><\/p>\n<\/div>\n<p><a href=\"#uebersicht\">\u2191 zur \u00dcbersicht<\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p><strong><a id=\"t16\"><\/a>Teil 16 (<a href=\"https:\/\/deutsch.rt.com\/meinung\/87318-20-jahre-seit-nato-angriffskrieg-gegen-jugoslawien-medienluegen-zum-tod-von-mira-markovic\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Erstver\u00f6ffentlichung auf RT-Deutsch am 18.04.2019<\/a>)<\/strong><\/p>\n<div class=\"article__text \">\n<h4><strong>Medienl\u00fcgen (1) \u2013 Zum Tod von Mira Markovi\u0107<\/strong><\/h4>\n<p><em>von <strong>Klaus Hartmann<br \/>\n<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em><strong>Am 14. April 2019 starb Prof. Dr. Mirjana Markovi\u0107 im russischen Exil. Sie war die Witwe des jugoslawischen und serbischen Pr\u00e4sidenten Slobodan Milo\u0161evi\u0107. Ihr Tod war f\u00fcr jene, die sich ohne Scham &#8222;Qualit\u00e4tsmedien\u201c nennen, willkommener Anlass f\u00fcr den Blick in ihre Archive.<\/strong><\/em><\/p>\n<p>In diesen Archiven fanden sie ihre eigenen Feinbildprodukte, mit denen sie vor 20, 30 Jahren das Publikum auf die NATO-Aggression gegen Jugoslawien vorbereitet hatten.<\/p>\n<p>Die Sto\u00dfrichtung der psychologischen Kriegsvorbereitung ging damals gegen die Serben, wobei umstandslos an die bekannte rassistische Losung vom &#8222;slawischen Untermenschen&#8220; angekn\u00fcpft werden konnte. Ein Land ohne Regierung, aber mit einem &#8222;Regime&#8220;, und statt eines gew\u00e4hlten Pr\u00e4sidenten mit einem &#8222;Diktator&#8220; an der Spitze. \u00dcber die Methoden und die Gr\u00fcnde, Slobodan Milo\u0161evi\u0107 zur Hassfigur, zum Inbegriff des B\u00f6sen aufzubauen, wurde hier schon berichtet. Aber es geht noch eine Drehung geh\u00e4ssiger: Dahinter steht meist \u2013 und in diesem Fall tats\u00e4chlich \u2013 eine starke Frau.<\/p>\n<p>Im Kriegsvorbereitungskontext legt &#8222;starke Frau&#8220; nat\u00fcrlich nahe, dass sie als Einfl\u00fcsterin ihres Mannes seine Entscheidungen beeinflusste. &#8222;Sie zog als kommunistische Universit\u00e4tsprofessorin in kritischen Momenten seiner Karriere die F\u00e4den im Hintergrund&#8220;, erf\u00e4hrt man in der <em>Neuen Z\u00fcrcher Zeitung<\/em>. So erinnert man sich von der Nachrichtenagentur <em>AFP<\/em> bis zur <em>New York Times<\/em> wieder des Ehrentitels &#8222;Lady Macbeth des Balkans&#8220;, sie sei &#8222;die treibende Kraft hinter dem Aufstieg Milo\u0161evi\u0107s&#8220; gewesen, und &#8222;die ehrgeizige Frau ging mit H\u00e4rte auch gegen politische Gegner vor&#8220;.<\/p>\n<p>Die Sprecherin von <em>euronews<\/em> kann zwar weder den Vornamen Mirjana noch den Nachnamen Milo\u0161evi\u0107 unfallfrei aussprechen, verk\u00fcndet aber gelassen, &#8222;er gilt als Hauptverantwortlicher der Balkankriege.&#8220; Die <em>New York Times<\/em> spricht von einem &#8222;Paar an der Macht&#8220;, das &#8222;in Serbien Chaos angerichtet habe&#8220;. Slobodan Milo\u0161evi\u0107, Pr\u00e4sident Jugoslawiens, wollte das Land vor der Zerst\u00f6rung durch westgesponserte Separatisten bewahren, die US-Zeitung macht daraus, er habe das Land &#8222;in katastrophale Kriege in Kroatien, Bosnien und im Kosovo gef\u00fchrt&#8220; \u2013 was man dem US-Publikum mit seinen bekannten Geografie-Kenntnissen vielleicht glaubhaft machen kann.<\/p>\n<p>Noch bunter treibt es der <em>Spiegel<\/em> mit dem Urteil: &#8222;Sie galt als gro\u00dfe St\u00fctze des einstigen serbischen Machthabers und Kriegsverbrechers Slobodan Milo\u0161evi\u0107.&#8220; Da hat sich wohl klammheimlich der Claas Relotius wieder in der Redaktion eingeschlichen. W\u00e4hrend &#8222;der Machthaber&#8220; bei Kriegspropagandisten ja zum normalen Hetz-Wortschatz geh\u00f6rt, wird es beim &#8222;Kriegsverbrecher&#8220; kritisch: Milo\u0161evi\u0107 geh\u00f6rt zwar international zu den vielgescholtensten M\u00e4nnern, aber juristisch ist er unbescholten. Der <em>Spiegel<\/em> verd\u00e4chtigt ihn \u00f6ffentlich einer rechtswidrigen Tat, was de facto einen Versto\u00df gegen \u00a7 164 Strafgesetzbuch darstellt, und \u2013 lebten wir in einem Rechtsstaat \u2013 &#8222;mit Freiheitsstrafe bis zu f\u00fcnf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft&#8220; werden m\u00fcsste.<\/p>\n<p>F\u00fcr den deutschen Regierungspropagandasender <em>Deutsche Welle<\/em> war Mira Markovi\u0107 eine &#8222;umstrittene Ideologin&#8220;, doch nicht nur das: &#8220; Milo\u0161evi\u0107 und Markovi\u0107 werden viele unaufgekl\u00e4rte politische Morde ebenso angelastet&#8220;. Das war\u2019s aber schon, jedoch \u2013 mit der Namensgebung einer &#8222;Lady Macbeth&#8220; als Inkarnation des Perversen und B\u00f6sen wird ja schon die Verwicklung in politische Morde in nicht justiziabler Form suggeriert. Dazu machen R\u00e4uberpistolen \u00fcber Auftragsmorde an einem oppositionellen Journalisten und Milo\u0161evi\u0107s Amtsvorg\u00e4nger Ivan Stamboli\u0107 die Runde. Wer Genaueres wissen will, st\u00f6\u00dft auf den Hinweis, dass &#8222;sie seit 2003 in Russland lebte&#8220;, ebenso auf einen Interpol-Haftbefehl, den die neue NATO-fromme serbische Regierung in just jenem Jahr beantragt hatte.<\/p>\n<p>Doch bevor jetzt die Fantasie mit der geneigten Leserschaft durchgeht, sei zur Aufkl\u00e4rung gesagt: Dieser Internationale Haftbefehl st\u00fctzt sich ausschlie\u00dflich auf eine einzige Anklage, die gerne &#8222;Manipulation mit staatlichen Immobilien&#8220; genannt wird, konkret aber lediglich die Vergabe einer staatlichen Wohnung an das Kinderm\u00e4dchen ihres Enkels zum Gegenstand hatte \u2013 wenn auch an der &#8222;Warteliste&#8220; vorbei. Die Faktenlage war offenbar h\u00f6chst kompliziert, weshalb das zust\u00e4ndige Belgrader Gericht \u00fcber 15 Jahre f\u00fcr ein Urteil brauchte. 2018 lautete der Schuldspruch auf ein Jahr Gef\u00e4ngnis, leider war die &#8222;Tat&#8220; da schon verj\u00e4hrt; weshalb das Berufungsgericht im M\u00e4rz 2019 das Urteil aufgehoben hat. Zu der angeordneten Neuverhandlung wird es wohl nicht mehr kommen. Zu den Vorw\u00fcrfen der Involvierung in Mordanschl\u00e4ge auf ihre politischen Gegner stellt der Wiener<em> Standard<\/em> klar: &#8222;Eine Klage gegen Markovi\u0107 war in diesem Zusammenhang allerdings nie erhoben worden.&#8220; Bleibt eine Wohnung f\u00fcr das Kinderm\u00e4dchen des Enkels \u2013 ein veritables Kapitalverbrechen.<\/p>\n<p>Im <em>Standard<\/em> konnte man 2003 lesen, Milo\u0161evi\u0107 sei &#8222;der skrupellose Demagoge&#8220;, w\u00e4hrend Markovi\u0107 &#8222;der &#8218;chinesische Weg&#8216; politisch faszinierte&#8220; und sie &#8222;ihre eigene radikalkommunistische Partei gr\u00fcndete&#8220;. Als Titel wurden ihr bei dieser Gelegenheit noch &#8222;Die schwarze Frau hinter Milo\u0161evi\u0107&#8220;, &#8222;Rote Hexe&#8220; und &#8222;Frau Rasputin&#8220; verliehen. Zumindest die &#8222;Rote Hexe&#8220; betrachtete sie eher als Auszeichnung, was auch in den Gespr\u00e4chen zum Ausdruck kommt, die sie 2002 bis Anfang 2003 mit dem Korrespondenten Giuseppe Zaccaria der italienischen <em>La Stampa<\/em> f\u00fchrte, und die er in dem Buch &#8222;Erinnerungen einer \u201aRoten Hexe\u2018&#8220; (Verona und Frankfurt am Main 2005, Zambon-Verlag) ver\u00f6ffentlicht hat. Peter Handke kommentierte: &#8222;Ein Buch mit solcher Sachkenntnis, solchem Wirkenlassen der Probleme ohne viel pers\u00f6nliche Besserwisserei, ist in Deutschland, vor allem was die &#8217;seri\u00f6sen Medien&#8216; (die sich selber so bezeichnen) betrifft, undenkbar geworden.&#8220;<\/p>\n<p>Zu ihrem in der \u00d6ffentlichkeit kolportierten Bild gab sie zu Protokoll: &#8222;Wenn mich jemand provoziert, werde ich zur w\u00fctenden K\u00e4mpferin. Ein denkender Mensch muss zu jeder Zeit klar und deutlich sagen k\u00f6nnen, was er f\u00fcr richtig und wichtig h\u00e4lt. Wahrscheinlich haben viele Journalisten, indem sie sich mit dem Lebensstil und der Frisur der interviewten politischen Pers\u00f6nlichkeit oder mit der Art, in der dieser oder jener Rock getragen wurde, aufhielten, nichts anderes getan, als auf neue Weise die alte balkanische Intoleranz gegen\u00fcber den Frauen auszudr\u00fccken; das Vorurteil, demzufolge einer Person weiblichen Geschlechts nur in zwei F\u00e4llen zusteht, am politischen und gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Sie muss entweder vollkommen unbedeutend in Erscheinung treten, oder so mit m\u00e4nnlichen Hormonen ausgestattet sein, dass sie wirklich einem Mann \u00e4hnelt.<\/p>\n<p>Mira unterstrich, dass sie als erkl\u00e4rte Kommunistin auftrat und das keinesfalls bereute: &#8222;Ich vertrat in der \u00d6ffentlichkeit die Ansicht, dass angesichts der Aggressivit\u00e4t der radikalen rechten Parteien die Toleranz der Kommunisten und ihr fortw\u00e4hrendes \u00dcben von Selbstkritik als Zeichen f\u00fcr Minderwertigkeit und Schw\u00e4che angesehen w\u00fcrden und dass sie auf diese Weise in der Politik nicht lange \u00fcberleben k\u00f6nnten. Wenigen war bewusst, dass im Osten nach dem Zerfall der Sowjetunion kein Volk automatisch reich und gl\u00fccklich geworden war, nur weil es die Regeln des primitiven Kapitalismus angewandt hatte.<\/p>\n<p>Der Autor dieses Beitrags erinnert sich gerne und dankbar an seine eigenen Begegnungen mit Mira und den Gedankenaustausch. Es bestand nie ein Zweifel, dass sie eine starke Pers\u00f6nlichkeit war, die allen Widrigkeiten zum Trotz ihren kommunistischen Idealen und \u00dcberzeugungen treu war, und die insbesondere jeden Rassismus und nationalen Chauvinismus zutiefst verabscheute und bek\u00e4mpfte. Im Grunde genommen spiegelt sich, unbeabsichtigt von den Autoren, genau diese Tatsache in der als Diffamierung gedachten Bezeichnung der &#8222;Roten Hexe&#8220;. Doch eine allein auf ihre politischen Anschauungen abstellende Auseinandersetzung w\u00e4re f\u00fcr die Irref\u00fchrung der \u00d6ffentlichkeit nicht dienlich gewesen, weswegen ein anschaulicheres Gespenst erschaffen werden musste, als Teil der antiserbischen Mobilmachung.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Klaus Hartmann ist Bundesvorsitzender des Deutschen Freidenker-Verbandes,<br \/>\nPr\u00e4sident der Weltunion der Freidenker und<br \/>\nCo-Vorsitzender des Internationalen Komitees Slobodan Milo<\/em><em>\u0161<\/em><em>evi<\/em><em>\u0107<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"article__text \">\n<div class=\"article__text \">\n<p><a href=\"#uebersicht\">\u2191 zur \u00dcbersicht<\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p><em>RT Deutsch bem\u00fcht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeitr\u00e4ge und Meinungsartikel m\u00fcssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.<\/em><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Angriffskrieg der NATO gegen Jugoslawien am 24. M\u00e4rz 1999 markierte das Ende des Friedens in Europa, ein Frieden, der seit der Katastrophe des Zweiten Weltkriegs gehalten hatte, zumindest in Europa. Mit Beitr\u00e4gen in loser Folge wird RT-Deutsch in den n\u00e4chsten Wochen die wichtigsten Stationen der NATO-Vorbereitungen auf diesen Krieg in Erinnerung rufen. Wir ver\u00f6ffentlichen die Teile 15 und 16 hier zusammenh\u00e4ngend.<br \/>\nTeil 15 &#8211; 02.04.2019: <b>Scharping &#038; Co. als M\u00fcnchhausen 2.0<\/b> von Klaus Hartmann | Teil 16 &#8211; 18.04.2019: <b>Medienl\u00fcgen (1) \u2013 zum Tod von Mira Markovi\u0107<\/b> von Klaus Hartmann<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":6179,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","advanced_seo_description":"","jetpack_seo_html_title":"","jetpack_seo_noindex":false,"jetpack_post_was_ever_published":false,"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[801,335,590,188,269],"class_list":["post-6178","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-frieden-antifaschismus-solidaritaet","tag-aggressionskrieg","tag-frieden","tag-jugoslawien","tag-krieg","tag-nato-ueberfall-auf-jugoslawien"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/20_Jahre_Jugoslawienkrieg_800x445_T15-16.jpg?fit=800%2C445&ssl=1","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p9stpK-1BE","jetpack-related-posts":[{"id":18593,"url":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=18593","url_meta":{"origin":6178,"position":0},"title":"FREIDENKER 1-24 \u2013 25 Jahre NATO-Aggression gegen Jugoslawien","author":"Webredaktion","date":"24. 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M\u00e4rz 2024 auf der Konferenz \"Von der Aggression zu einer neuen gerechten Ordnung\" in Belgrad Im Jahr 2022 hat die deutsche Bundesregierung eine \u201eZeitenwende\u201c, eine \u201eneue \u00c4ra\u201c proklamiert \u2013 um damit die Russische F\u00f6deration anzuklagen, unter Bruch des V\u00f6lkerrechts einen Angriffskrieg begonnen zu\u2026","rel":"","context":"In &quot;Demokratie \u2013 Medien \u2013 Aufkl\u00e4rung&quot;","block_context":{"text":"Demokratie \u2013 Medien \u2013 Aufkl\u00e4rung","link":"https:\/\/www.freidenker.org\/?cat=12"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/beoforum_2024_Hartmann_800x450.jpg?fit=800%2C450&ssl=1&resize=350%2C200","width":350,"height":200,"srcset":"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/beoforum_2024_Hartmann_800x450.jpg?fit=800%2C450&ssl=1&resize=350%2C200 1x, https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/beoforum_2024_Hartmann_800x450.jpg?fit=800%2C450&ssl=1&resize=525%2C300 1.5x, https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/beoforum_2024_Hartmann_800x450.jpg?fit=800%2C450&ssl=1&resize=700%2C400 2x"},"classes":[]},{"id":6323,"url":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=6323","url_meta":{"origin":6178,"position":5},"title":"Russland im Visier: Nato-Krieg 1999 gegen Jugoslawien nur \u201eT\u00fcr\u00f6ffner\u201c","author":"Webredaktion","date":"8. 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An die Zitate des Ex-Au\u00dfenministers erinnert Klaus Hartmann in der aktuellen Ausgabe des viertelj\u00e4hrlichen Magazins \u201eFreidenker\u201c,\u2026","rel":"","context":"In &quot;Frieden - Antifaschismus - Solidarit\u00e4t&quot;","block_context":{"text":"Frieden - Antifaschismus - Solidarit\u00e4t","link":"https:\/\/www.freidenker.org\/?cat=13"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/FD-2019-01_coll_v2.jpg?fit=800%2C445&ssl=1&resize=350%2C200","width":350,"height":200,"srcset":"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/FD-2019-01_coll_v2.jpg?fit=800%2C445&ssl=1&resize=350%2C200 1x, https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/FD-2019-01_coll_v2.jpg?fit=800%2C445&ssl=1&resize=525%2C300 1.5x, https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/FD-2019-01_coll_v2.jpg?fit=800%2C445&ssl=1&resize=700%2C400 2x"},"classes":[]}],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.freidenker.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6178","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.freidenker.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.freidenker.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freidenker.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freidenker.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6178"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.freidenker.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6178\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freidenker.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/6179"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.freidenker.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6178"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freidenker.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6178"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freidenker.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6178"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}