{"id":6172,"date":"2019-04-12T00:22:09","date_gmt":"2019-04-11T22:22:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=6172"},"modified":"2019-05-13T02:12:25","modified_gmt":"2019-05-13T00:12:25","slug":"konferenz-in-belgrad-laesst-nato-werbung-abblitzen-teil-ii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=6172","title":{"rendered":"Konferenz in Belgrad l\u00e4sst NATO-Werbung abblitzen (Teil II)"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>Teil II befasst sich mit der zuk\u00fcnftigen politischen Orientierung Serbiens im Spannungsfeld zwischen EU-Lockrufen aus Br\u00fcssel und Freundschaftsbeschw\u00f6rungen und Hilfsangeboten der Russen. Allerdings bleibt die au\u00dfenpolitische Bewegungsfreiheit Belgrads weiterhin beschr\u00e4nkt.<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em>von Rainer Rupp<\/em><\/p>\n<p>Erstver\u00f6ffentlicht am 10.04.2019 auf <a href=\"https:\/\/deutsch.rt.com\/meinung\/86545-konferenz-in-belgrad-lasst-nato\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">RT-Deutsch<\/a><\/p>\n<p><em>(Teil 1 k\u00f6nnen Sie <a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=6092\">hier nachlesen<\/a>)<\/em><\/p>\n<p>Nach dem Ende des NATO-Bombenkriegs im Jahr 1999 kam in einem vom Westen gesteuerten Putsch 2000 eine Marionetten-Regierung in Belgrad an die Macht. Ihre Aufgabe, die Bev\u00f6lkerung daf\u00fcr zu gewinnen, \u201ezu vergeben, zu vergessen und nach vorne zu blicken&#8220; in eine gemeinsame Zukunft in der EU und der NATO, konnte sie nicht erf\u00fcllen. Bei der Wahl 2012 wurden die West-Marionetten davon gejagt. Seither ist das politische Pendel wieder etwas zur\u00fcckgeschwungen, wie die Konferenz in Belgrad gezeigt hat.<\/p>\n<p>&#8222;Wir werden niemals ein Mitglied der NATO werden. Selbst wenn wir das letzte Land in Europa w\u00e4ren, das der NATO noch nicht beigetreten ist, werden wir kein Mitglied werden&#8220;. An dieser <a href=\"https:\/\/youtu.be\/8cGO_PCGFMw?t=823\">Stelle<\/a> wurde die Rede des serbische Verteidigungsminister Aleksandar Vulins von einem lang anhaltenden, st\u00fcrmischen Applaus im bis auf den letzten Platz gef\u00fcllten Saal im &#8218;Haus der Armee&#8216; in Belgrad unterbrochen. Dort hatte gerade der zweite Tag der Internationalen Konferenz &#8222;NATO-Aggression &#8211; Niemals vergessen &#8211; 1999-2019 &#8211; Frieden und Fortschritt statt Krieg und Armut&#8220; vom 22. bis 23. M\u00e4rz 2019 anl\u00e4sslich des 20. Jahrestags des NATO-\u00dcberfalls auf Jugoslawien begonnen.<\/p>\n<blockquote><p>Niemals werden wir vergessen, dass die NATO unsere Kinder get\u00f6tet hat&#8220;,<\/p><\/blockquote>\n<p>legte Minister Vulin an anderer Stelle seiner Rede nach. Auch betr\u00e4fen die NATO-Verbrechen nicht nur die ermordeten Kinder und Zivilisten, sondern auch die serbischen Polizisten und Soldaten, die jedes Recht hatten, ihre Heimat gegen den durch nichts provozierten \u00dcberfall zu verteidigen.<\/p>\n<p>Minister Vulin gab noch eine weitere Begr\u00fcndung, weshalb er die NATO strikt ablehnte: Denn in diesem B\u00fcndnis w\u00fcrden kleinere L\u00e4nder in die Pflicht genommen, zusammen mit den Gro\u00dfen und M\u00e4chtigen andere freiheitsliebende L\u00e4nder, die nicht nach der Pfeife der NATO tanzen wollten, milit\u00e4risch zu \u00fcberfallen oder mit Sanktionen zu destabilisieren. An sowas w\u00fcrde sich Serbien, das selbst die Freiheit als h\u00f6chstes Gut sch\u00e4tzt, niemals beteiligen.<\/p>\n<p>Wiederholt bedankte sich der Minister bei den zahlreichen, internationalen G\u00e4sten. Sie seien die Einzigen gewesen, die vor 20 Jahren das damals von allen Staaten, einschlie\u00dflich von dem geschw\u00e4chten Russland, allein gelassene Serbien gegen den NATO-\u00dcberfall durch Demonstrationen und Ver\u00f6ffentlichungen unterst\u00fctzt h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Zum Abschluss seiner Rede ging Vulin auf den diplomatischen und wirtschaftlichen Druck ein, den die EU und die NATO weiterhin auf Belgrad aus\u00fcben. Die beiden Br\u00fcsseler Organisationen wollen, dass die Serben sich um eine Mitgliedschaft in ihrer so genannten &#8222;westlichen Wertegemeinschaft&#8220; bewerben. Dazu fordern sie das serbische Volk auf, &#8222;zu vergeben, zu vergessen und in eine gemeinsame Zukunft nach vorne zu blicken&#8220;. Darauf <a href=\"https:\/\/youtu.be\/8cGO_PCGFMw?t=1115\">antwortete<\/a> Vulin:<\/p>\n<blockquote><p>Ich spreche hier im Namen des serbischen Volkes und ich kann nicht vergeben und auch nicht vergessen. Selbst wenn alle anderen L\u00e4nder Europas bereits Mitglieder der NATO w\u00e4ren, Serbien wird niemals dieser Organisation beitreten. Wir Serben werden alles tun um den Frieden zu erhalten, fast alles, au\u00dfer unsere Freiheit aufzugeben.<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Rede des Ministers Vulin war im prall gef\u00fcllten Saal wiederholt von gro\u00dfem Beifall unterbrochen worden. Insbesondere die venezolanische Diplomatin im Botschafterrang, Dia Nader d El-Andari, die als N\u00e4chste sprach, w\u00fcrdigte den selbstbewussten und k\u00e4mpferischen Beitrag von Verteidigungsminister Aleksandar Vulin.<\/p>\n<p>Allerdings hatte der serbische Verteidigungsminister die M\u00f6glichkeit einer Mitgliedschaft in der EU, mit der Br\u00fcssel derzeit Belgrad umgarnt, nicht angesprochen. Der Grund mag darin liegen, dass die EU nicht sein Ressort ist und seine Kollegen vom Au\u00dfen- und Wirtschaftsministerium daf\u00fcr verantwortlich sind. Es mag aber auch andere Gr\u00fcnde haben, auf die weiter unten eingegangen wird.<\/p>\n<h5>Kaum Unterschiede zwischen EU-Armee und NATO<\/h5>\n<p>Die Europ\u00e4ische Union hat neben ihrer Einschr\u00e4nkung der nationalen Souver\u00e4nit\u00e4t ihrer Mitgliedsl\u00e4nder in \u00f6konomischen Dingen auch noch eine geopolitische und milit\u00e4rische Komponente. Das brachte der Vorsitzende des Deutschen Freidenkerverbands Klaus Hartmann in seinem auf Vulins Rede folgenden Beitrag auf den Punkt. Laut Hartmann sind &#8222;die NATO und die milit\u00e4rische Komponente der EU zwei Seiten ein und derselben Medaille&#8220;.<\/p>\n<p>&#8222;Betrachten wir die NATO und die EU, dann finden wir in milit\u00e4rischer Hinsicht keine prinzipiellen Unterschiede&#8220;, so Hartmann und erinnerte die Konferenzteilnehmer &#8222;zum Beispiel an die Vorbereitungen des Maidan-Putsches in Kiew, wobei die Europ\u00e4ische Union bei der Unterst\u00fctzung der nationalistischen und faschistischen Gewaltextremisten Hand in Hand mit den USA und der NATO zusammen gearbeitet hat&#8220;. Ganz aktuell w\u00e4re da auch noch an &#8222;die v\u00f6lkerrechtswidrige Unterst\u00fctzung des von den USA eingesetzten Putschpr\u00e4sidenten in Venezuela durch die EU in Br\u00fcssel zu erinnern&#8220;.<\/p>\n<p>Weiter hob der Freidenker hervor, &#8222;dass trotz aller verlockenden Versprechungen der EU-Eliten an die potentiellen serbischen Profiteure eines EU-Beitritts, die Mitgliedschaft in der Europ\u00e4ischen Union f\u00fcr Serbien bedeutet, dass das Land wichtige Bereiche seiner nationalen Souver\u00e4nit\u00e4t verlieren wird und an die nicht-demokratisch gew\u00e4hlte EU-Kommission in Br\u00fcssel abgeben muss.&#8220;<\/p>\n<p>Damit sprach Hartmann die Tatsache an, dass kein W\u00e4hler eines EU-Staates, egal in welchem Land, mit seiner Stimmabgabe irgendeinen Einfluss auf die Zusammensetzung oder auf die Arbeit der EU-Kommission hat. Die EU-Kommission arbeitet auch nicht im Dienst der V\u00f6lker Europas sondern im Dienst der globalen Konzerne, f\u00fcr die sie auf dem europ\u00e4ischen Kontinent die von den USA getriebene, neoliberale Weltordnung durchsetzt.<\/p>\n<h5>Der hohe Preis einer EU-Mitgliedschaft<\/h5>\n<p>Au\u00dferdem verweist der Bundesvorsitzende der Deutschen Freidenker darauf, dass das serbische Parlament als Mitglied der EU &#8222;das Wichtigste von allen parlamentarischen Rechten an Br\u00fcssel abgeben&#8220; m\u00fcsste, n\u00e4mlich &#8222;das Recht, \u00fcber den Haushalt des serbischen Staates selbst und ohne Einmischung von au\u00dfen zu entscheiden&#8220;. Auch alle Rechte und Vorschriften des Au\u00dfenhandels m\u00fcsste Belgrad an Br\u00fcssel abgeben, was unter anderem auch bedeutet, &#8222;dass die Regierung in Belgrad sich an den v\u00f6lkerrechtswidrigen Wirtschafts- und Handelssanktionen der EU beteiligen m\u00fcsste, zum Beispiel gegen freiheitsliebende Staaten wie Syrien oder gegen das mit Serbien eng befreundete Russland&#8220;.<br \/>\nBesonders wichtig sei, \u2013 so Hartmann weiter \u2013 dass die Menschen in Serbien und die Regierung in Belgrad erkennt, &#8222;dass der Vertrag \u00fcber eine Mitgliedschaft in der Europ\u00e4ischen Union auch eine milit\u00e4rische Komponente enth\u00e4lt&#8220;. Diese verpflichte zur milit\u00e4rischen Integration in die Europ\u00e4ische Sicherheits- und Verteidigungsstrukturen, deren bewaffneter Arm, die sogenannte EU-Armee, Hand in Hand mit der NATO f\u00fcr neo-koloniale Zwecke gegen freiheitsliebende und unabh\u00e4ngige Staaten eingesetzt wird. Nur gegen die NATO zu sein, aber Mitglied des neoliberalen Projekts Europ\u00e4ische Union, sei &#8222;ein Widerspruch in sich selbst&#8220;.<\/p>\n<h5>Das verst\u00e4rkte Engagement der EU gegen\u00fcber dem westlichen Balkan<\/h5>\n<p>Allerdings hat die EU die in Anbetracht des &#8222;erheblichen wirtschaftlichen Potentials&#8220; Serbiens und des Expansionsdrangs westlicher Konzerne in die Region in einem Dokument vom Februar 2018 ihre neue Strategie f\u00fcr den Westbalkan vorgestellt, in dem vor allem Serbien die Hauptrolle spielt.<\/p>\n<p>Das <a href=\"http:\/\/ec.europa.eu\/transparency\/regdoc\/rep\/1\/2018\/DE\/COM-2018-65-F1-DE-MAIN-PART-1.PDF\">Strategie-Papier<\/a> mit dem Titel: &#8222;Eine glaubw\u00fcrdige Erweiterungsperspektive f\u00fcr ein verst\u00e4rktes Engagement der EU gegen\u00fcber dem westlichen Balkan&#8220; wurde von der EU-Kommission unter anderem an das EU-Parlament und den EU-Rat geschickt. Das Papier unterstreicht, dass &#8222;keines der West-Balkan-L\u00e4nder derzeit als eine funktionierende Marktwirtschaft angesehen werden kann&#8220; und dass die &#8222;bilaterale Streitigkeiten zwischen den L\u00e4ndern der Region&#8220; von der EU nicht akzeptiert werden. Allein dieser letzte Satz zeigt, mit welcher Arroganz die Herren in Br\u00fcssel die real existierenden Probleme der Region sehen.<\/p>\n<p>Die neue Dringlichkeit, welche die EU pl\u00f6tzlich wieder dem West-Balkan und vor allem Serbien beimisst, hat jedoch einen anderen Grund. Der wird in dem EU-Strategiepapier zwar nur verklausuliert erw\u00e4hnt, aber jeder wei\u00df, worum es tats\u00e4chlich geht \u2013 n\u00e4mlich &#8222;um das wachsende Interesse ausl\u00e4ndischer M\u00e4chte in der Region, vor allem <strong>von Russland<\/strong> und der T\u00fcrkei&#8220;. So stand es zum Beispiel im <a href=\"http:\/\/www.loccum.de\/programm\/p1828_program_english.pdf\">Konferenzprogramm<\/a> der Loccum Akademie zum Thema &#8222;Der Westbalkan zur\u00fcck in Focus&#8220;, die im Mai 2018 stattfand und mit dem Untertitel &#8222;Wie kann das erneute Engagement Europas in der Krisenregion gestaltet werden?&#8220;<\/p>\n<p>Die stark verbesserten Beziehungen zwischen Belgrad und Moskau sind also der wahre Grund f\u00fcr den neuen Elan, mit dem die EU die mit dem NATO-\u00dcberfall geschaffenen und seither ungel\u00f6sten Probleme auf dem Westbalkan pl\u00f6tzlich wieder neu entdeckt hat. So reklamiert die EU-Kommission zum Beispiel in ihrem Strategie-Dokument vom Februar 2018 die Westbalkan Region als den ureigenen Hinterhof der EU, in dem externe Kr\u00e4fte nichts zu suchen haben. W\u00f6rtlich hei\u00dft es in dem Dokument:<\/p>\n<blockquote><p>Die Zukunft der Region als integraler Bestandteil der EU liegt im ureigenen politischen, sicherheitspolitischen und wirtschaftlichen Interesse der Union.\u00a0 Sie stellt eine geostrategische Investition in ein stabiles, starkes und geeintes Europas auf der Grundlage gemeinsamer Werte dar.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Tatsache, dass gerade die Russen die st\u00e4rkste Delegation mit hochkar\u00e4tigen Vertretern aus Politik, Milit\u00e4r und den Wissenschaften zur Belgrader Konferenz \u00fcber den NATO-\u00dcberfall von 1999 geschickt hatten, d\u00fcrfte vor dem Hintergrund der oben beschriebenen EU-Pl\u00e4ne f\u00fcr den Westbalkan bei den Eurokraten in Br\u00fcssel nicht gerade freundlich aufgenommen worden sein. Erschwerend d\u00fcrfte hinzugekommen sein, dass die russischen Delegierten mit ihren klaren Aussagen zur NATO und zum &#8222;Wertewesten&#8220; und mit ihrem Werben f\u00fcr einen engeren serbisch-russischen Schulterschluss von den anwesenden Serben immer wieder mit besonderem Applaus gefeiert wurden.<\/p>\n<h5>Vergebung gibt es nur f\u00fcr reuige S\u00fcnder und nicht f\u00fcr die NATO<\/h5>\n<p>Piotr Tolstoi, Vizepr\u00e4sident der russischen Staatsduma, unterstrich das gemeinsame Los von Russland und Serbien. Zugleich verurteilte der auch physisch gro\u00dfe Mann mit m\u00e4chtiger Stimme den mit zweierlei Ma\u00df messenden Wertewesten. Die westliche Forderung nach &#8222;vergeben und vergessen&#8220; f\u00fcr die durch den \u00dcberfall Ermordeten wies er entschieden zur\u00fcck, denn Vergebung k\u00f6nne es nur f\u00fcr S\u00fcnden geben, die bereut wurden. Aber die NATO hat nichts bereut sondern stattdessen an anderen Stellen genauso weitergemacht.<\/p>\n<p>Sergeij Baburin, Vorsitzender der Internationalen Slawischen Akademie der Wissenschaften und ehemaliger Vizepr\u00e4sident der Staatsduma, erinnerte die Serben daran, dass nach dem NATO-\u00dcberfall das russische Parlament eine Anklageschrift mit der Auflistung der NATO-Kriegsverbrechen in Serbien verfasst hatte und dass dieses Dokument immer noch seine G\u00fcltigkeit habe. Nur k\u00f6nnte der Kreml nicht serbischer sein als die Serben selbst, weshalb die serbische Regierung in dieser Sache auf dem diplomatischem Parkett die Initiative ergreifen m\u00fcsse. Erst dann k\u00f6nne Russland vollumf\u00e4ngliche Hilfe leisten.<\/p>\n<p>Dr. Wladimir Kozin, leitender Experte am Zentrum f\u00fcr Milit\u00e4rpolitische Studien und des Moskauer Staatliches Instituts f\u00fcr Internationale Beziehungen hieb in dieselbe Kerbe wie Baburin und bot den anwesenden serbischen Gener\u00e4len eine weitreichende, serbisch-russische Zusammenarbeit auf milit\u00e4risch-technischer Ebene an. Aber mehr als anbieten k\u00f6nne er das nicht, die Serben m\u00fcssten selbst aktiv werden und ihr Interesse zeigen. Direkt an die serbischen Milit\u00e4rs gewandt sagte er: &#8222;Seid nicht so scheu&#8220;.<\/p>\n<p>Das neue Russland sei heute wieder stark, nicht nur milit\u00e4risch sondern auch politisch und moralisch, und werde niemanden mehr im Stich lassen \u2013 das war die Botschaft der Russen an ihre serbischen Freunde. Selbst eine Allianz wurde angeboten. Alle russischen Redner machten klar, dass &#8222;das Russland von heute nicht mehr das von 1999&#8220; sei. Damit sprachen sie den Verrat f\u00fchrender Leute in der Jelzin-Regierung an, die damals Serbien in seiner schlimmsten Not in Stich gelassen hatten, um sich Washington anzudienen. Der Hauptschuldige war damals Wiktor Tschernomyrdin, der von 1992 bis 1998 russischer Ministerpr\u00e4sident war und Anfang 1999 von Jelzin als Sondergesandter nach Jugoslawien geschickt wurde, wo er ein falsches Spiel im Sinne seiner neuen westlichen Freunde gespielt hatte.<\/p>\n<p>Trotz dieser russischen Freundschaftsangebote, die f\u00fcr die Serben sicherlich nicht neu waren, hat der serbische Pr\u00e4sident Aleksandar Vu\u010di\u0107 bisher nur sehr verhalten auf die russischen Ouvert\u00fcren reagiert. Zwar hat auch er einer Mitgliedschaft in der NATO eine deutliche Absage erteilt, denn dabei wei\u00df er das ganze Volk hinter sich, aber bez\u00fcglich der EU ist das anders. Vor allem gut ausgebildete junge Leute, die in die EU wollen, demonstrieren jede Woche friedlich im Zentrum Belgrads gegen den Pr\u00e4sidenten und werfen ihm eine zu russlandfreundliche Politik vor.<\/p>\n<p>Pr\u00e4sident Vu\u010di\u0107 steht somit zwischen zwei Lagern: einem pro-EU und f\u00fcr die neoliberale Westintegration und einem pro-russischen, das die alten serbischen Bande mit Moskau wieder enger kn\u00fcpfen will. Und im Hintergrund wirkt \u2013 sozusagen als tiefer Staat \u2013 eine wenig sichtbare aber einflussreiche Kraft, die an die alte &#8222;blockfreie&#8220; Tradition Jugoslawiens ankn\u00fcpfen will, und die auf gleiche Distanz sowohl zu Russland als auch zur EU und dem Westen setzt.<\/p>\n<p>Von au\u00dfen betrachtet sieht das aus, als betreibe Serbien unter Pr\u00e4sident Vu\u010di\u0107 die aus der Geschichte der Balkanstaaten bekannte Schaukelpolitik. Aber letztlich lie\u00dfen die wirtschaftlichen Realit\u00e4ten dem Pr\u00e4sidenten keine andere Wahl, erkl\u00e4rte ein ehemaliges hochrangiges Mitglied der Milosevic-Regierung dem Autor dieser Zeilen. Serbien exportiere viel Mal so viel in die EU als nach Russland. Wenn jetzt Belgrad dem Werben der EU den R\u00fccken kehren und sich einseitig nach Russland orientieren w\u00fcrde, k\u00f6nnte Br\u00fcssel Sanktionen verh\u00e4ngen, welche die gerade boomende serbische Wirtschaft wieder in die Knie zwingen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Zugleich leben und arbeiten vier Millionen Serben in EU-L\u00e4ndern und auch denen k\u00f6nnte Br\u00fcssel das Leben erschweren. Daher sei die Politik von Vu\u010di\u0107, n\u00e4mlich Serbiens Entscheidung m\u00f6glichst lange hinauszuz\u00f6gern, im Moment das Beste f\u00fcr das Land. Wom\u00f6glich spekuliere Vu\u010di\u0107 sogar darauf, dass angesichts des zunehmenden Zerfalls der politischen Zusammenhalts der Europ\u00e4ischen Union die Frage, in welche Richtung sich Serbien orientieren soll, sich in ein paar Jahren von alleine gel\u00f6st hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Rainer Rupp ist Mitglied des Beirats des Deutschen Freidenker-Verbandes<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p><em>RT Deutsch bem\u00fcht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeitr\u00e4ge und Meinungsartikel m\u00fcssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\">Bild: H\u00e4user im Stadtzentrum von Belgrad stehen in Flammen. <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 10pt;\">Das Foto wurden w\u00e4hrend der Konferenz in Belgrad gezeigt.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 10pt;\">Quelle: RT<\/span><em><br \/>\n<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Beitrag von Rainer Rupp<\/b><br \/>\nNATO und EU umgarnen weiterhin die serbische F\u00fchrung, um das Land in die beiden Frontorganisationen der westlichen Unwertegemeinschaft zu locken. Klarheit dar\u00fcber schaffte in Belgrad eine hochkar\u00e4tige internationale Konferenz zum 20sten Jahrestages des NATO-\u00dcberfalls.<br \/>\nTeil II des Beitrages befasst sich mit der zuk\u00fcnftigen politischen Orientierung Serbiens im Spannungsfeld zwischen EU-Lockrufen aus Br\u00fcssel und Freundschaftsbeschw\u00f6rungen und Hilfsangeboten der Russen. Allerdings bleibt die au\u00dfenpolitische Bewegungsfreiheit Belgrads weiterhin beschr\u00e4nkt.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":6173,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","advanced_seo_description":"","jetpack_seo_html_title":"","jetpack_seo_noindex":false,"jetpack_post_was_ever_published":false,"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[270,182,357,269,222],"class_list":["post-6172","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-frieden-antifaschismus-solidaritaet","tag-belgrad","tag-eu","tag-konferenz","tag-nato-ueberfall-auf-jugoslawien","tag-russland"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/belgrad_flammen_800x445.jpg?fit=800%2C445&ssl=1","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p9stpK-1By","jetpack-related-posts":[{"id":6092,"url":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=6092","url_meta":{"origin":6172,"position":0},"title":"Konferenz in Belgrad l\u00e4sst NATO-Werbung abblitzen (Teil I)","author":"Webredaktion","date":"31. 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M\u00e4rz 2024 auf der Konferenz \"Von der Aggression zu einer neuen gerechten Ordnung\" in Belgrad Im Jahr 2022 hat die deutsche Bundesregierung eine \u201eZeitenwende\u201c, eine \u201eneue \u00c4ra\u201c proklamiert \u2013 um damit die Russische F\u00f6deration anzuklagen, unter Bruch des V\u00f6lkerrechts einen Angriffskrieg begonnen zu\u2026","rel":"","context":"In &quot;Demokratie \u2013 Medien \u2013 Aufkl\u00e4rung&quot;","block_context":{"text":"Demokratie \u2013 Medien \u2013 Aufkl\u00e4rung","link":"https:\/\/www.freidenker.org\/?cat=12"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/beoforum_2024_Hartmann_800x450.jpg?fit=800%2C450&ssl=1&resize=350%2C200","width":350,"height":200,"srcset":"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/beoforum_2024_Hartmann_800x450.jpg?fit=800%2C450&ssl=1&resize=350%2C200 1x, https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/beoforum_2024_Hartmann_800x450.jpg?fit=800%2C450&ssl=1&resize=525%2C300 1.5x, https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/beoforum_2024_Hartmann_800x450.jpg?fit=800%2C450&ssl=1&resize=700%2C400 2x"},"classes":[]},{"id":18771,"url":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=18771","url_meta":{"origin":6172,"position":3},"title":"Multipolare Weltordnung \u2013 Pr\u00e4misse f\u00fcr die Souver\u00e4nit\u00e4t von Kleinstaaten?","author":"Webredaktion","date":"18. April 2024","format":false,"excerpt":"Beitrag von Peter Berger\u00a0vorgetragen auf der Konferenz \"Von der Aggression zu einer neuen gerechten Ordnung\" vom 22.-24.03.2024 in Belgrad Ich m\u00f6chte hier gerne ein paar Worte sagen zur Situation in meinem Land, wo eine gewissenlose atlantische Elite gerade dabei ist, die Neutralit\u00e4t der Schweiz zu demontieren. 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M\u00e4rz 2019","author":"Webredaktion","date":"16. Januar 2019","format":false,"excerpt":"Am 24. M\u00e4rz j\u00e4hrt sich zum 20. Mal der Tag, an dem die NATO Jugoslawien angriff, ohne Kriegserkl\u00e4rung, ohne UN-Mandat, au\u00dferhalb ihres B\u00fcndnisgebiets. ... Tausende Todesopfer und Verletzte waren die Folge dieser \u201ehumanit\u00e4ren Intervention\u201c, bei der auch v\u00f6lkerrechtlich ge\u00e4chtete Waffen eingesetzt und Uranmunition verschossen wurden. Br\u00fccken, Kliniken und sonstige zivile\u2026","rel":"","context":"In &quot;Frieden - Antifaschismus - Solidarit\u00e4t&quot;","block_context":{"text":"Frieden - Antifaschismus - Solidarit\u00e4t","link":"https:\/\/www.freidenker.org\/?cat=13"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Kriegsruine_Belgrad_800x445.jpg?fit=800%2C445&ssl=1&resize=350%2C200","width":350,"height":200,"srcset":"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Kriegsruine_Belgrad_800x445.jpg?fit=800%2C445&ssl=1&resize=350%2C200 1x, https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Kriegsruine_Belgrad_800x445.jpg?fit=800%2C445&ssl=1&resize=525%2C300 1.5x, https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Kriegsruine_Belgrad_800x445.jpg?fit=800%2C445&ssl=1&resize=700%2C400 2x"},"classes":[]},{"id":6118,"url":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=6118","url_meta":{"origin":6172,"position":5},"title":"In Erinnerung an die NATO-Aggression gegen Jugoslawien vor 20 Jahren","author":"Webredaktion","date":"1. April 2019","format":false,"excerpt":"Anl\u00e4sslich des v\u00f6lkerrechtswidrigen NATO-Angriffs auf die Bundesrepublik Jugoslawien vor 20 Jahren, der am 24. M\u00e4rz 1999 begann, haben der Deutsche Freidenker-Verband und die Vereinigung f\u00fcr Internationale Solidarit\u00e4t (VIS) vom 21. bis 26. M\u00e4rz 2019 eine Solidarit\u00e4tsreise nach Serbien organisiert. Dazu geh\u00f6rte die Teilnahme an der Internationalen Konferenz \"NATO-Aggression \u2013 Niemals\u2026","rel":"","context":"In &quot;Frieden - Antifaschismus - Solidarit\u00e4t&quot;","block_context":{"text":"Frieden - Antifaschismus - Solidarit\u00e4t","link":"https:\/\/www.freidenker.org\/?cat=13"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Grabstaette_Milosevic_800x445.jpg?fit=800%2C445&ssl=1&resize=350%2C200","width":350,"height":200,"srcset":"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Grabstaette_Milosevic_800x445.jpg?fit=800%2C445&ssl=1&resize=350%2C200 1x, https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Grabstaette_Milosevic_800x445.jpg?fit=800%2C445&ssl=1&resize=525%2C300 1.5x, https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Grabstaette_Milosevic_800x445.jpg?fit=800%2C445&ssl=1&resize=700%2C400 2x"},"classes":[]}],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.freidenker.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6172","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.freidenker.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.freidenker.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freidenker.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freidenker.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6172"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.freidenker.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6172\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freidenker.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/6173"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.freidenker.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6172"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freidenker.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6172"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freidenker.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6172"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}