{"id":6058,"date":"2019-03-22T22:08:18","date_gmt":"2019-03-22T21:08:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=6058"},"modified":"2019-04-14T21:57:58","modified_gmt":"2019-04-14T19:57:58","slug":"20-jahre-seit-nato-angriffskrieg-gegen-jugoslawien-teil-11-und-12","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=6058","title":{"rendered":"20 Jahre seit NATO-Angriffskrieg gegen Jugoslawien &#8211; Teil 11 und 12"},"content":{"rendered":"<div class=\"article__text \">\n<p>Der Angriffskrieg der NATO gegen Jugoslawien am 24. M\u00e4rz 1999 markierte das Ende des Friedens in Europa, ein Frieden, der seit der Katastrophe des Zweiten Weltkriegs gehalten hatte, zumindest in Europa. Mit Beitr\u00e4gen in loser Folge wird <a href=\"https:\/\/deutsch.rt.com\/search?q=20+Jahre+seit+NATO-Angriff+auf+Jugoslawien%3A&amp;df=&amp;dt=\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">RT-Deutsch<\/a> in den n\u00e4chsten Wochen die wichtigsten Stationen der NATO-Vorbereitungen auf diesen Krieg in Erinnerung rufen.<\/p>\n<p>Wir ver\u00f6ffentlichen die Teile 11 und 12 hier zusammenh\u00e4ngend.<\/p>\n<p><a id=\"uebersicht\"><\/a><strong>\u00dcbersicht<\/strong><\/p>\n<p>Bisher ver\u00f6ffentlicht:<\/p>\n<\/div>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=5900#t01\">Teil 1<\/a> \u2013 16.02.2019: <strong>Ursachen, Hintergr\u00fcnde, Fake News und False Flag<\/strong> <em>von Rainer Rupp<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=5900#t02\">Teil 2<\/a> \u2013 21.02.2019: <strong>Deutschlands R\u00fcckbesinnung auf unr\u00fchmliche Traditionen<\/strong> <em>von Klaus Hartmann<\/em><\/p>\n<div class=\"article__text \">\n<p><a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=5956#t03\">Teil 3<\/a> &#8211; 25.02.2019:\u00a0<strong>Luftangriffe in Bosnien-Herzegowina als Test f\u00fcr Kosovo<\/strong> <em>von Rainer Rupp<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=5956#t04\">Teil 4<\/a> &#8211; 01.03.2019:\u00a0 <strong>Falsche-Flagge-Massaker als Vorwand f\u00fcr NATO-Aggression<\/strong> <em>von Rainer Rupp<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=5985#t05\">Teil 5<\/a> &#8211; 02.03.2019: <strong>Warum wurde Milo\u0161evi\u0107 zum Hassobjekt des Westens?<\/strong> <em>von Klaus Hartmann<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=5985#t06\">Teil 6<\/a> &#8211; 04.03.2019: <strong>Das &#8222;Ra\u010dak-Massaker&#8220; &#8211; Teil des NATO-Drehbuchs (I) <\/strong><em>von Doris Pumphrey<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=6006#t07\">Teil 7<\/a> &#8211; 06.03.2019: <strong>Das &#8222;Ra\u010dak-Massaker&#8220; &#8211; Teil des NATO-Drehbuchs (II) <\/strong><em>von Doris Pumphrey<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=6006#t08\">Teil 8<\/a> &#8211; 08.03.2019: <strong>Teil des NATO-Drehbuchs \u2013 &#8222;Massaker von Srebrenica&#8220; (I)<\/strong> <em>von George Pumphrey<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=6013#t09\">Teil 9<\/a> &#8211; 09.03.2019: <strong>Teil des NATO-Drehbuchs \u2013 &#8222;Massaker von Srebrenica&#8220; (II) <\/strong><em>von George Pumphrey<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=6013#t10\">Teil 10<\/a> &#8211; 09.03.2019:\u00a0<strong>Terror-Paten und die letzte Chance<\/strong> <em>von Klaus Hartmann<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Neu auf dieser Seite:<\/p>\n<p><a href=\"#t11\">Teil 11<\/a> &#8211; 20.03.2019: <strong>Der Countdown l\u00e4uft &#8211; Die letzten Tage vor dem Angriff<\/strong> <em>von Rainer Rupp<\/em><\/p>\n<p><a href=\"#t12\">Teil 12<\/a> &#8211; 21.03.2019: <strong>L\u00fcgen, bis sich der Balkan biegt<\/strong> <em>von Klaus Hartmann<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p><a id=\"t11\"><\/a><strong>Teil 11 (<a href=\"https:\/\/deutsch.rt.com\/meinung\/85998-countdown-lauft-letzten-tage-vor\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Erstver\u00f6ffentlichung auf RT Deutsch am 20.03.2019<\/a>)<\/strong><\/p>\n<h4><strong>Der Countdown l\u00e4uft &#8211; Die letzten Tage vor dem Angriff<\/strong><\/h4>\n<p><em>von <strong>Rainer Rupp<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em><strong>Es waren SPD und Gr\u00fcne, die am kommenden Sonntag vor 20 Jahren deutsche Soldaten in den ersten Angriffskrieg seit 1945 schickten. Aber w\u00e4hrend der letzten Tage vor dem Angriff gab es noch ein diplomatisches Gerangel zwischen den USA und den NATO-Partnern der EU.<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Mit der deutschen Beteiligung am NATO-Bombenkrieg gegen Jugoslawien hat die Regierungskoalition von SPD und Gr\u00fcnen die B\u00fcchse der Pandora f\u00fcr viele weiteren US- und NATO-Angriffskriege ge\u00f6ffnet. Jedem sollte bewusst sein, dass die angeblich soziale SPD und die angeblichen Friedenst\u00e4ubchen bei den Gr\u00fcnen mit ihrer verbrecherischen Entscheidung nicht nur Jugoslawien, sondern auch das V\u00f6lkerrecht in Tr\u00fcmmer gelegt haben. Es ist derselbe Boden, auf dem aktuell auch die alten anti-russischen Reflexe und Kriegshetze gegen Russland gedeihen.<\/p>\n<p>Es spricht B\u00e4nde \u00fcber die politische Verfasstheit unseres Landes, dass die Verantwortlichen f\u00fcr die vielen Tausenden von unschuldig Get\u00f6teten oder zu Kr\u00fcppeln gebombten Zivilisten, vor allem Frauen und Kinder, heute noch immer auf freiem Fu\u00df sind. Dank anhaltender Fake News zur Rechtfertigung der damaligen Kriegshetze gegen Jugoslawien erfreuen sich die damals verantwortlichen Politiker auch heute noch eines hohen sozialen Ansehens. In unserem &#8222;Rechtsstaat&#8220;, in dem angeblich alle Menschen gleich sind, sind Politiker eben &#8222;gleicher&#8220; als gew\u00f6hnliche Sterbliche, selbst wenn sie Kriegsverbrecher sind.<\/p>\n<p>In dieser Woche vor genau zwanzig Jahren lief in der NATO bereits der Countdown zu den Luftangriffen auf Belgrad und zur Zerst\u00f6rung von Jugoslawiens ziviler Infrastruktur, wie etwa Strom- und Wasserversorgung. Letzteres stellt f\u00fcr sich allein genommen bereits v\u00f6lkerrechtlich ein Kriegsverbrechen dar. Zugleich allerdings fand hinter den Kulissen der westlichen Einheitsfront gegen Serbien \u2013 wie so oft \u2013 erneut eine knallharte, politische Rangelei zwischen den europ\u00e4ischen F\u00fchrungsm\u00e4chten und den USA statt.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich wie bereits vier Jahre zuvor im Konflikt um Bosnien-Herzegowina wollte Washington den geplanten Krieg gegen Serbien daf\u00fcr nutzen, nach dem Ende des Kalten Krieges der NATO eine neue Daseinsberechtigung zu verleihen. Mittels des zu erwartenden umfangreichen Krieges gegen Serbien sollte die NATO von allen westeurop\u00e4ischen Nationen wieder als die alleinige Ordnungsmacht auf dem Alten Kontinent anerkannt werden. Zugleich w\u00fcrde dadurch auch die f\u00fchrende Rolle der USA als &#8222;unverzichtbare Nation&#8220; auch in allen europ\u00e4ischen Angelegenheiten wieder gefestigt werden.<\/p>\n<p>Als Pr\u00e4sident Bill Clinton daher am 9. M\u00e4rz 1999 mit Richard Holbrook seinen Mann f\u00fcrs Grobe nach Belgrad schickte, um Serbien und speziell der serbischen Provinz Kosovo die &#8222;Pax-Amerikana&#8220; aufzuzwingen, f\u00fchrte das zu starken Irritationen in den meisten europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten. Besonders Frankreich und England waren \u00fcber die selbstherrliche Art verstimmt, mit der der US-Sondergesandte Richard Holbrook \u2013 ganz im Stil eines r\u00f6mischen Pr\u00e4torianers und mit \u00fcberheblichen &#8222;Veni, vidi, vici&#8220; (ich kam, sah und siegte)-All\u00fcren \u2013 ohne Abstimmung mit den europ\u00e4ischen NATO-Verb\u00fcndeten nach Belgrad gereist war.<\/p>\n<p>Anders als in Bosnien-Herzegowina wollten die Regierungen in London und Paris, dass die L\u00f6sung des Kosovo-Konfliktes ihre europ\u00e4ische &#8222;Show&#8220; sein sollte. Im Unterschied zu Bosnien-Herzegowina sollte diesmal der Frieden im &#8222;europ\u00e4ischen Hinterhof&#8220; unter F\u00fchrung der europ\u00e4ischen NATO-M\u00e4chte hergestellt werden.<\/p>\n<p>Indem Washington aber Holbrook nach vier Jahren erneut in das Endspiel der diplomatischen Schlacht warf, war f\u00fcr die Europ\u00e4er klar, dass die Amerikaner auch im Kosovo-Konflikt wieder die Z\u00fcgel an sich rei\u00dfen wollten. Daher bef\u00fcrchten die europ\u00e4ischen &#8222;Friedenserzwinger&#8220; auf dem Balkan den Verlust ihres erst j\u00fcngst wieder m\u00fchsam aufgebauten politischen Prestiges. Eine Meldung der International Herald Tribune (IHT) vom 8.3.1999 aus London, wonach die europ\u00e4ischen NATO-Diplomaten \u00fcber das Auftauchen von Mr. Holbrook &#8222;nicht besonders gl\u00fccklich&#8220; waren, schien das zu best\u00e4tigen.<\/p>\n<p>Denn bereits in Bosnien-Herzegowina hatte sich der US-Rabauke Holbrook mit brutalen N\u00f6tigungen, Erpressungen und mit Drohungen massenm\u00f6rderischer Luftangriffe auf Kosten der zaghafteren europ\u00e4ischen Verhandlungsstrategie einen Namen als &#8222;durchsetzungsf\u00e4higer Diplomat&#8220; gemacht, der bekam, was er wollte. Zugleich erkl\u00e4rte der \u00f6sterreichische Botschafter Petritsch, einer der drei Vermittler in den so genannten &#8222;Kosovo Friedensgespr\u00e4chen&#8220;, dass das Auftauchen von Holbrook &#8222;die Lage nur noch komplizierter machen\u201c w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Washington und ihre atlantischen Mediensprachrohre argumentierten, dass die bisherigen alleinigen Bem\u00fchungen der NATO-Europ\u00e4er, n\u00e4mlich die Serben von den friedenspolitischen Vorteilen einer Stationierung von NATO-Truppen auf ihrem Territorium zu \u00fcberzeugen, erheblich zu w\u00fcnschen \u00fcbrig lie\u00dfen. Was sich hier wie ein dummer Witz anh\u00f6rt, n\u00e4mlich die Forderung zur Aufnahme von NATO-Besatzungstruppen in ganz Serbien, einschlie\u00dflich im Kosovo, war tats\u00e4chlich die zentrale Forderung im sicherheitspolitischen Anhang zum sch\u00e4ndlichen Vertragswerkes von Rambouillet. Nachdem es den Europ\u00e4ern nicht gelungen war, den respektlosen Serben dieses unm\u00f6gliche Zugest\u00e4ndnis abzuringen, sollte nun Washingtons Abgesandter Holbrook gegen\u00fcber der serbischen Regierung andere Saiten aufziehen und bei Nichtbefolgung mit Krieg drohen.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich war allen Beteiligten von vornherein klar, dass Serbien \u2013 ebenso wie jeder andere souver\u00e4ne Staat \u2013 sich niemals freiwillig von fremden M\u00e4chten milit\u00e4risch besetzen lassen w\u00fcrde. Daher stand auch von vornherein fest, dass die von Washington angebotene &#8222;diplomatische L\u00f6sung&#8220; \u00e1 la Rambouillet absichtlich so konstruiert war, dass sie scheitern musste, um den nachfolgenden Krieg zu rechtfertigen. Vor seinem Abflug nach Belgrad lie\u00df Holbrook denn auch schon mal die Welt\u00f6ffentlichkeit diesmal ganz ehrlich wissen, was die Serben erwartet:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>Ich freue mich darauf &#8230; Pr\u00e4sident Milo\u0161evi\u0107 &#8230; die Konsequenzen klar zu machen, wenn sich die Lage (im Kosovo) nicht bereits vor und w\u00e4hrend der Pariser Gespr\u00e4che dramatisch verbessert.<\/em><\/p>\n<p>Noch am selben Tag machten f\u00fchrende NATO-Politiker gegen\u00fcber der bereits erw\u00e4hnten Tageszeitung IHT deutlich, was mit der Aussage von Holbrooke gemeint war: &#8222;Der Auftrag von Herrn Holbrook ist, die Glaubhaftigkeit der NATO-Drohung mit Luftangriffen wieder herzustellen, um so die serbische Seite zur Annahme des Friedensplans f\u00fcr das Kosovo zu bewegen&#8220;. Wobei der &#8222;Friedensplan&#8220; eben schlicht die NATO-Besetzung ganz Serbiens beinhaltete.<\/p>\n<p>Derweil \u00fcberfielen im Kosovo fast t\u00e4glich albanische Gewaltseparatisten der U\u00c7K serbische Armeeposten und Polizeiwachen, z\u00fcndeten serbische Kl\u00f6ster an oder ermordeten in entlegenen D\u00f6rfern serbische Zivilisten. Und folterten und t\u00f6teten deren albanische Nachbarn, da diese f\u00fcr sie &#8222;Verr\u00e4ter&#8220; waren, nur weil sie einvernehmlich mit ihren serbischen Nachbarn zusammen leben wollten. Zugleich reagieren die jugoslawischen Streitkr\u00e4fte mit dem Beschuss der St\u00fctzpunkte der U\u00c7K. Letztere war noch ein Jahr zuvor \u2013 auch von den USA und den Europ\u00e4ern \u2013 auf die &#8222;schwarzen Liste&#8220; der internationalen Terrororganisationen und kriminellen Banden aufgef\u00fchrt worden.<\/p>\n<p>Erst im letzten Jahr vor dem NATO-Angriff gegen Serbien hatte der &#8222;Wertewesten&#8220; erkannt, welchen Nutzen man aus der U\u00c7K zwecks endg\u00fcltiger Zerschlagung des st\u00f6rrischen Serbiens ziehen k\u00f6nnte. Flugs wurden die U\u00c7K-K\u00e4mpfer als n\u00fctzliche Terroristen neu eingeordnet. (Die Parallele zur aktuellen Lage in der nord-syrischen Provinz Idlib ist unverkennbar. Auch dort hat der verkommene Wertewesten inzwischen die Rolle des Besch\u00fctzers der al Kaida-Terrorableger \u00fcbernommen, um die Friedensbem\u00fchungen Assads und Russlands zu konterkarieren.)<\/p>\n<p>Auch im Kosovo spielte sich der NATO-Wertewesten als Besch\u00fctzer der U\u00c7K auf. Er definierte die M\u00f6rderbanden zu &#8222;Freiheitsk\u00e4mpfern&#8220; gegen den angeblich &#8222;Neuen Hitler&#8220; und &#8222;Schl\u00e4chter&#8220; Milo\u0161evi\u0107 um. Als n\u00e4chstes wurden die Terroristen in Rambouillet und sp\u00e4ter, kurz vor dem NATO-Angriff, bei den Verhandlungen in Paris auf dem diplomatischen Parkett gar zum ebenb\u00fcrtigen Verhandlungsgegner der serbischen Regierung erhoben.<\/p>\n<p>Nach einer achtst\u00fcndigen Sitzung mit Pr\u00e4sident Milo\u0161evi\u0107 flog Pr\u00e4sident Clintons Ausputzer Holbrook am 10. M\u00e4rz 1999 ergebnislos in die USA zur\u00fcck. Belgrad war \u2013 wie sicherlich zu erwarten war \u2013 weiterhin nicht bereit, ein Abkommen \u00fcber eine substantielle Autonomie f\u00fcr das Kosovo zu unterzeichnen oder sich dem NATO-Diktat zu unterwerfen, fremde Truppen auf jugoslawischem Territorium zu stationieren und denen auch noch die Oberhoheit zu \u00fcbertragen. Dabei war sich die Regierung in Belgrad bewusst, dass sie von der \u00fcbergro\u00dfen Mehrheit der Bev\u00f6lkerung auch unterst\u00fctzt wurde.<\/p>\n<p>All das fand vor dem Hintergrund andauernder K\u00e4mpfe zwischen U\u00c7K-Terroristen und jugoslawischen Sicherheitskr\u00e4ften statt. Die Scharm\u00fctzel fanden zu diesem Zeitpunkt in den \u00fcberwiegend ethnisch-albanischen D\u00f6rfern an der Grenze zu Mazedonien statt, in denen sich die U\u00c7K-Banden verschanzt hatten und wo sie die Bewohner als Schutzschilde gegen die jugoslawischen Sicherheitskr\u00e4fte benutzten. Wie nicht anders zu erwarten, gab der Wertewesten allein Belgrad die Schuld f\u00fcr die Toten bei all diesen K\u00e4mpfen. Wie heute im syrischen Idlib, hatte der &#8222;Wertewesten&#8220; schon damals gr\u00f6\u00dferes Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die M\u00f6rder und Entf\u00fchrer serbischer und albanischer Zivilisten als f\u00fcr deren Opfer.<\/p>\n<p>Nach dem geplanten Scheitern Holbrooks in Belgrad war klar, dass der lang geplante, US-gef\u00fchrte NATO-Krieg gegen Serbien nicht mehr abzuwenden war. Genau zwei Wochen nach dem Besuch Holbrooks in Belgrad sollten die ersten NATO-Marschflugk\u00f6rper und lasergesteuerten Bomben haupts\u00e4chlich zivile Ziele in Jugoslawien zerst\u00f6ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Rainer Rupp ist Mitglied des Beirats des Deutschen Freidenker-Verbandes<\/em><\/p>\n<p><a href=\"#uebersicht\">\u2191 zur \u00dcbersicht<\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p><strong><a id=\"t12\"><\/a>Teil 12 (<a href=\"https:\/\/deutsch.rt.com\/meinung\/86070-20-jahre-seit-nato-angriffskrieg\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Erstver\u00f6ffentlichung auf RT-Deutsch am 21.03.2019<\/a>)<\/strong><\/p>\n<div class=\"article__text \">\n<h4>L\u00fcgen, bis sich der Balkan biegt<\/h4>\n<p><em>von <strong>Klaus Hartmann<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em><strong>Um einen Krieg vom Zaun zu brechen, muss die Bev\u00f6lkerung in den Aggressorstaaten vorbereitet und bearbeitet werden. Schlie\u00dflich braucht man, wenn schon keine euphorische Unterst\u00fctzung, so doch zumindest &#8222;Ruhe an der Heimatfront&#8220;. Und daf\u00fcr haben PR-Agenturen zu sorgen.<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Zuerst muss aus dem Bewusstsein verdr\u00e4ngt werden, dass das V\u00f6lkerrecht ein Gewaltverbot vorschreibt. Bevor hier Unklarheiten aufkommen, sei der entscheidende Satz aus der UNO-Charta zitiert: &#8222;Alle Mitglieder unterlassen in ihren internationalen Beziehungen jede gegen die territoriale Unversehrtheit oder die politische Unabh\u00e4ngigkeit eines Staates gerichtete oder sonst mit den Zielen der Vereinten Nationen unvereinbare Androhung oder Anwendung von Gewalt.&#8220; Das ist eigentlich unmissverst\u00e4ndlich: Kein Land darf ein anderes angreifen.<\/p>\n<p>Damit ein solcher Rechtsbruch dennoch akzeptiert wird und nurmehr als l\u00e4ssliche S\u00fcnde erscheint, muss er als unabweisbar im Interesse der Menschenrechte, der Humanit\u00e4t verkauft werden, sozusagen als \u00fcbergesetzlicher &#8222;Notstand&#8220; erscheinen. Hier schl\u00e4gt die Stunde der &#8222;Spin-Doktoren&#8220;, die die erforderliche &#8222;Story&#8220;, heute gern harmlos &#8222;Narrativ&#8220; genannt, mit dem richtigen &#8222;Wording&#8220; und &#8222;Framing&#8220; an den Mann und die Frau bringen \u2013 wie das im &#8222;Neusprech&#8220; der Manipulation &#8211; letztlich psychologischer Kriegsvorbereitung &#8211; genannt wird. Dazu brauchen die Krieger, also die Politiker entsprechende Helfer \u2013 diverse Regierungssprecher, einen NATO-Sprecher, PR-Agenturen und nat\u00fcrlich gefolgt von Medien, die das 1:1 drucken, wie sie l\u00fcgen.<\/p>\n<p>Falls die genannten PR-Agenturen hier auf Skepsis sto\u00dfen sollten: Eine besonders aktive hei\u00dft Ruder Finn, sitzt in Washington und nennt sich Kommunikationsfirma. W\u00e4hrend der Zerst\u00f6rung Jugoslawiens &#8222;kommunizierte&#8220; sie unentwegt f\u00fcr verschiedene Auftraggeber, aber immer gegen dieselben: gegen die b\u00f6sen Serben. Der Schweizer Friedensforscher Dr. Daniele Ganser sagt dazu:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>Im August 1991 hatte sie von der kroatischen Regierung einen Propaganda-Auftrag erhalten, im Mai 1992 von der bosnischen Regierung und im Herbst 1992 von der F\u00fchrung der Kosovo-Albaner. In allen F\u00e4llen lautete der Auftrag, die Serben als Unterdr\u00fccker und Aggressoren darzustellen, die Kroaten, bosnische Muslime und Kosovo-Albaner als Opfer. Genau diese Darstellung diente der NATO auch 1999. Die Serben waren immer die B\u00f6sen, die Kroaten, die Albaner und die bosnischen Muslime immer die Guten. Nur mit diesem Trick konnte man die Deutschen wieder in den Krieg f\u00fchren.<\/em><\/p>\n<p>Rund 200.000 Dollar zahlten die kroatischen Separatisten an Ruder Finn, die PR-Agentur Jefferson Waterman International erhielt gar 800.000 Dollar. Der Auftrag u.a.:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>Pro-aktive Verbreitung einer m\u00f6glichen kroatischen Milit\u00e4raktion in der Krajina: &#8218;Sollte der Zeitpunkt kommen, dass es f\u00fcr Kroatien notwendig sein wird, mit Gewalt die Kontrolle \u00fcber die kroatischen Territorien zur\u00fcckzugewinnen, auf denen gegenw\u00e4rtig die UN pr\u00e4sent ist, muss man mit einer Welle von Kritik rechnen und ihr entgegenwirken. Das Fundament f\u00fcr die Rechtfertigung solcher Aktionen sollte <\/em><em>jetzt gelegt werden und nicht nach vollendeten Tatsachen&#8216;.\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Ebenfalls wurde ein Vertrag mit der privaten US-amerikanischen Milit\u00e4rfirma MPRI (Military Professional Resources Inc.) unterzeichnet, die milit\u00e4risches Training und verwandte Hilfsdienste f\u00fcr ausl\u00e4ndische Regierungen durchf\u00fchren. Nach der Unterzeichnung des Vertrags mit MPRI startete die kroatische Armee die &#8222;Operation Sturm&#8220; und &#8222;Blitz&#8220;, sie \u00fcberrannte in vier Tagen die UN-Zonen der serbischen Krajina und Westslawonien. Die dabei begangenen Kriegsverbrechen und die Vertreibung von \u00fcber 250.000 Serben, die in diesen Gebieten seit Jahrhunderten siedelten, wurden vom &#8222;Westen&#8220; geflissentlich &#8222;\u00fcbersehen&#8220;.<\/p>\n<p>Den Einsatz von PR-Agenturen zur Kriegspropaganda haben die Publizistin Mira Beham und der Wissenschaftler J\u00f6rg Becker ans Licht gebracht. Denn das US-Justizministerium verwaltet die Akten des &#8222;Foreign Agents Registration Act&#8220; (FARA), das Gesetz wurde in den 1930er Jahren zur Abwehr einer Zusammenarbeit von PR-Agenturen mit den deutschen Faschisten beschlossen. Heute wird es missbr\u00e4uchlich zweckentfremdet, um die Arbeit von <em>RT<\/em>, <em>Sputnik<\/em> und anderer unbequemer Medien in den USA zu bedrohen. Sie fanden 157 Halbjahresvertr\u00e4ge, die von 1991 und 2002 zwischen Regierungen des Balkan und amerikanischen PR-Firmen geschlossen wurden.<\/p>\n<p>Weiter stellten Beham und Becker fest:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>Wir mussten aus diesen Akten lernen, dass solche PR-Firmen auch anstelle von Diplomaten auf internationalen Konferenzen sitzen und dann sozusagen in Vertretung der Albaner oder in Vertretung der kroatischen Regierung auf gleicher Augenh\u00f6he mit Vertretern anderer Regierungen verhandeln. Das hat uns sehr verbl\u00fcfft, zur Kenntnis zu nehmen beispielsweise, dass bei den gro\u00dfen Friedensverhandlungen in Rambouillet die albanische Seite gar nicht mit Albanern vertreten war, sondern mit Angeh\u00f6rigen verschiedener amerikanischer PR-Agenturen, die dort sa\u00dfen und die Albaner vertraten. Dieses ist, glaube ich, etwas ungeheuer Bedenkliches.<\/em><\/p>\n<p><strong>Der Champagner sprudelt, als die Bomben fallen<\/strong><\/p>\n<p>Aber die &#8222;Dienstleistungen&#8220; der Agentur Ruder Finn gingen noch weiter: Das politische Programm f\u00fcr die Kosovo-Albaner und die Forderung, dass das Kosovo ein UN-Protektorat werden soll, stammt auch aus ihrem Haus<em>.<\/em> &#8222;Wie die FARA-Unterlagen belegen, wurde die Verbreitung des politischen Programms der Kosovo-Albaner bis Ende 1997 von Ruder Finn durch umfangreiche PR-Ma\u00dfnahmen in Medien, NGOs, Think Tanks usw., durch Kongress-Reisen ins Kosovo, Menschenrechtskampagnen sowie durch ein dauerndes Lobbying f\u00fcr eine Gesetzgebung im US-Kongress bzw. Resolutionen im UN-Sicherheitsrat unterst\u00fctzt&#8220;, so Beham und Becker.<\/p>\n<p>&#8222;Ich muss sagen, als die NATO 1999 angriff, haben wir eine Flasche Champagner aufgemacht&#8220;, freute sich James Harff von ebendieser PR-Firma Ruder Finn, die erfolgreich das Feindbild Milo\u0161evi\u0107 in den Medien verbreitet hatte. Das ist auch bei den nachfolgenden Aggressionen ein st\u00e4ndig wiederkehrendes Muster: Alle &#8222;ungehorsamen&#8220; Staaten haben keine Regierung, sondern ein Regime. Die international eher neutrale Bezeichnung wird in Deutschland keinesfalls so verstanden, sondern assoziiert im Hinterkopf das Nazi-Regime: &#8222;Wir sind vor allem auch gar kein Regime&#8220;, gab Regierungssprecher Seibert 2018 zum Besten, um zu bekr\u00e4ftigen, dass er es als Abwertung verstanden wissen will. Die Staatschefs solcher L\u00e4nder sind auch keine Pr\u00e4sidenten oder Regierungschefs, sondern Machthaber, und zwar wahlweise noch steigerungsf\u00e4hig als &#8222;Verr\u00fcckte&#8220;, &#8222;Schl\u00e4chter&#8220;, &#8222;Diktatoren&#8220;, &#8222;M\u00f6rder des eigenen Volkes&#8220; oder gar als &#8222;neuer Hitler&#8220;.<\/p>\n<p>Das erf\u00fcllt zwar den Tatbestand der Volksverhetzung, zumindest aber f\u00e4llt es unter die neue Kategorie &#8222;Hate Speech&#8220; \u2013 allerdings nur dann doch nicht, wenn es von der WWG, der &#8222;Westlichen Werte-Gemeinschaft&#8220; kommt! Der Zweck der Diffamierung liegt auf der Hand: Das so charakterisierte Land und seine politische F\u00fchrung sollen vom Schutz durch das V\u00f6lkerrecht ausgeschlossen, f\u00fcr vogelfrei erkl\u00e4rt werden, da f\u00fcr solche Untermenschen &#8222;die Anwendung der f\u00fcr Menschen gemachten Gesetze nicht m\u00f6glich ist&#8220; (wie der legend\u00e4re Franz-Josef Strau\u00df dereinst dichtete).<\/p>\n<p><strong>Jamie Shea \u2013 Der NATO-Spindoctor<\/strong><\/p>\n<p>Eine zweifelhafte Ber\u00fchmtheit als Kriegspropagandist w\u00e4hrend der NATO-Aggression gegen Jugoslawien erwarb sich der NATO-Sprecher Jamie Shea. Durch ihn wurde der &#8222;Beruf&#8220; des\u00a0 einer gr\u00f6\u00dferen \u00d6ffentlichkeit ein Begriff. &#8222;Spin&#8220; bedeutet &#8222;Dreh&#8220;, und der &#8222;Doctor&#8220; gibt der Sache, also der hier zu verk\u00fcndenden Fakten einen &#8222;Dreh&#8220;. Der &#8222;Spin-Doctor&#8220; dreht alles so hin, wie es sein Auftraggeber, hier also die NATO, braucht.<\/p>\n<p>Mit Wahrheit hat sein Beruf nat\u00fcrlich nichts zu tun, eher im Gegenteil. Das bekannte er selbst ganz offenherzig, und zwar schon in seiner Dissertation &#8222;Franz\u00f6sische Intellektuelle und der Gro\u00dfe Krieg 1914-1920&#8220;: &#8222;Der Konflikt zwischen Wahrheit und Wahrheit verbirgt in Wirklichkeit den Kampf zweier Formen von Propaganda.&#8220; Folgerichtig war f\u00fcr ihn jede Kritik, jede Opposition gegen den Ersten Weltkrieg sentimentaler Pazifismus. Falls er bei der NATO jemals eine Stellenbeschreibung hatte, stand darin sicher: &#8222;Er muss daf\u00fcr ausgebildet sein, den Medienkrieg zu f\u00fchren.&#8220; Wenn NATO-Bomben Krankenh\u00e4user, Eisenbahnz\u00fcge und Fl\u00fcchtlingskolonnen treffen, bestreitet er das heute, bedauert es morgen und rechtfertigt es \u00fcbermorgen. Ein Kriegspropagandist aus Berufung.<\/p>\n<p>Den unzweifelhaften H\u00f6hepunkt seines betr\u00fcgerischen Wirkens erreichte Shea mit der Erfindung der &#8222;Kollateralsch\u00e4den&#8220;. &#8222;Kollateral&#8220;, also &#8222;benachbart&#8220;, &#8222;seitlich gelagert&#8220;, galten ihm die zivilen Opfer von NATO-Bombardements. Nicht, weil sie in stabiler Seitenlage oder am Stra\u00dfenrand lagen, sondern weil er sie als nebens\u00e4chlich betrachtete. Denn die Hauptsache waren ja die Bomben auf den Feind, seine milit\u00e4rische Schw\u00e4chung. Da muss man halt Tote &#8222;nebenbei&#8220; in Kauf nehmen, da soll mal beim Publikum nur keine Sentimentalit\u00e4t aufkommen. Wie es eben auch die US-Au\u00dfenministerin Madeleine Albright &#8222;klassisch&#8220; auf den Punkt gebracht hat. Als \u00fcber 500.000 Kinder im Irak in Folge des Embargos starben und sie auf die Frage, ob es den Preis wert gewesen sei, in ihrer unnachahmlich &#8222;humanit\u00e4ren&#8220; Art antwortete: &#8222;Wir glauben, es ist den Preis wert.&#8220;<\/p>\n<p>Als am 14. Mai 1999 NATO-Flieger Bomben auf das Dorf Kori\u0161a im Kosovo abwarfen und mindestens 87 Zivilpersonen t\u00f6teten, erkl\u00e4rte NATO-Sprecher Shea am selben Tag in der <em>BBC<\/em>: &#8222;Wir haben Berichte, dass es ebenfalls unter Soldaten zu Todesf\u00e4llen kam, nicht einfach nur unter Zivilpersonen.&#8220; Bei einer Pressekonferenz am folgenden Tag erkl\u00e4rte der damalige deutsche NATO-Generalleutnant (und heutige Stadtb\u00fcrgermeister von Oppenheim) Walter Jerzt die kleine 5.000-Seelen-Ortschaft Kori\u0161a zum legitimen Angriffsziel, &#8222;weil sich dort auch milit\u00e4rische Einrichtungen befanden&#8220;.<\/p>\n<p>Beim Angriff am 12. April 1999 feuerte ein NATO-Kampfflieger zweimal unmittelbar nacheinander Raketen auf einen Zug, der gerade eine Eisenbahnbr\u00fccke bei Grdelica \u00fcberquerte. Dabei wurden zwei Waggons getroffen, mindestens 12 Menschen starben und viele wurden verletzt. Der Oberbefehlshaber der NATO in Europa, General Wesley Clark, sprach tags darauf bei einer Pressekonferenz im NATO-Hauptquartier von einem &#8222;ungl\u00fccklichen Zwischenfall&#8220;. Er pr\u00e4sentiert das Cockpit-Video des Flugzeugs, wonach der Pilot keine Wahl gehabt habe: &#8222;Schauen Sie angestrengt auf den Zielpunkt, konzentrieren sie sich genau hierauf, und Sie k\u00f6nnen sehen, falls Sie wie ein Pilot auf Ihren Job fokussiert sind, wie pl\u00f6tzlich dieser Zug erschien.&#8220;<\/p>\n<p>Am 20. Januar 2000 schreibt Arnd Festerling in der <em>Frankfurter Rundschau<\/em> den Beitrag &#8222;Zug um Zug eine neue Version&#8220;, und enth\u00fcllt darin, dass das Video mit f\u00fcnffacher Beschleunigung abgespielt wurde, um den Eindruck zu erwecken, dass der Pilot den auf die Br\u00fccke zurasenden Zug nicht h\u00e4tte erkennen k\u00f6nnen. F\u00fcr NATO-Sprecher Shea war das nat\u00fcrlich kein Betrugsversuch, sondern ein &#8222;technisches Problem&#8220;.<\/p>\n<p>Als die NATO am 7. Mai die Chinesische Botschaft im Zentrum Belgrads mit Raketen beschoss, starben drei chinesische Journalisten und viele Botschaftsangeh\u00f6rige wurden schwer verletzt. Die NATO bedauerte offiziell, angeblich habe der Pilot einen &#8222;veralteten Stadtplan benutzt&#8220;. Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping murmelte etwas von &#8222;unpr\u00e4ziser Zielplanung&#8220; und &#8222;M\u00e4ngeln in den nachrichtendienstlichen Informationen&#8220;. Anfang 2000 wurde offenbar, dass dieses Ziel an jenem Tag das einzige war, das der US-Geheimdienst CIA ausgesucht hatte, der unterstellte, dass das jugoslawische Milit\u00e4r von der Botschaft mit milit\u00e4rtaktischen Informationen versorgt wurde.<\/p>\n<p><strong>Fl\u00fcchtlingskonvoi vors\u00e4tzlich bombardiert<\/strong><\/p>\n<p>Auch die Kosovo-Albaner, zu deren Schutz die Bomben angeblich abgeworfen wurden, blieben nicht verschont: Bei einem Raketenangriff auf einen Fl\u00fcchtlingstreck bei \u0110akovica (Djakovica oder Gjakova) am 14. April 1999 kamen mehr als 70 Menschen ums Leben. Scharping und Shea zweifelten tagelang die NATO-Urheberschaft an. Danach folgte der Versuch einer Entschuldigung mit der (angeblich zu gro\u00dfen) Flugh\u00f6he des Piloten, er habe die &#8222;traktor\u00e4hnlichen Fahrzeuge&#8220; mit serbischen Milit\u00e4rfahrzeugen verwechselt. Der von der &#8222;International Strategic Studies Association&#8220; ver\u00f6ffentlichte Funkverkehr zwischen Piloten und Kommandobasis zeichnet ein anderes Bild:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>Pilot<\/em>: Ich verlasse jetzt die Wolken. Ich sehe immer noch nichts.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>Basis<\/em>: Setzen Sie Ihren Flug fort. Richtung Nord 4280.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>Pilot<\/em>: Ich bin unter 3000 Fu\u00df. Unter mir eine Kolonne von Fahrzeugen. Eine Art von Traktoren. Was soll das? Ich verlange Instruktionen.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>Basis<\/em>: Wo sind die Panzer?<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>Pilot<\/em>: Ich sehe Traktoren. Ich nehme nicht an, dass die Roten die Panzer als Traktoren getarnt haben.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>Basis<\/em>: Was sind das f\u00fcr komische Geschichten? So ein \u00c4rger! Da stecken sicher die Serben dahinter. Zerst\u00f6ren Sie das Ziel!<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>Pilot<\/em>: Was soll ich zerst\u00f6ren? Traktoren? Gew\u00f6hnliche Fahrzeuge? Ich wiederhole: Ich sehe keine Panzer. Ich verlange weitere Informationen.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>Basis<\/em>: Es ist ein milit\u00e4risches Ziel. Zerst\u00f6ren Sie das Ziel! Ich wiederhole: Zerst\u00f6ren Sie das Ziel!<\/p>\n<p>Vors\u00e4tzlich wurden Zivilisten ins Visier genommen, so die Aussage eines spanischen F-18-NATO-Piloten nach seiner R\u00fcckkehr vom Einsatz Ende Mai. Wiederholt habe er wie seine Kameraden Befehle erhalten, zivile Einrichtungen zu bombardieren:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>Mehrere Male protestierte unser Colonel bei den NATO-Chefs, dass sie Ziele ausgew\u00e4hlt hatten, die keine milit\u00e4rischen waren \u2013 einmal bekamen wir von den US-Milit\u00e4rs den kodierten Befehl, dass wir \u00fcber den St\u00e4dten Pri\u0161tina und Ni\u0161 Anti-Personen-Bomben abwerfen sollten. Unser Colonel verweigerte den Befehl, und ein paar Tage sp\u00e4ter wurde er versetzt.<\/em><\/p>\n<p>So wurden sogenannte Kassettenbomben (Splitterbomben) auch gegen &#8222;weiche Ziele&#8220; (Menschen) in Serbien eingesetzt: In Ni\u0161 zerfetzen solche Geschosse am 7. Mai 1999 13 Zivilisten und verletzten 29 weitere schwer.<\/p>\n<p>F\u00fcr viele \u00fcberraschend strahlte die ARD am 8. Februar 2001 die investigative Dokumentation von Jo Angerer und Mathias Werth aus: &#8222;Es begann mit einer L\u00fcge. Wie die Nato im Krieg um Kosovo Tatsachen verf\u00e4lschte und Fakten erfand&#8220;. Der Kasseler Friedensratschlag kommentierte:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>Das einzig Bedauerliche, ja, wirklich \u00c4rgerliche an der ARD-Dokumentation ist, dass sie erst jetzt zu sehen war. Warum nicht schon im April 1999? Die meisten Tatsachen, die hier ausgebreitet wurden, waren ja schon bekannt.<\/em><\/p>\n<p>Darin enthalten ist auch ein Interview mit dem ber\u00fcchtigten NATO-Sprecher Jamie Shea. Er betonte, wie wichtig es in der Demokratie sei, dass die politischen F\u00fchrer ihre Meinung der Bev\u00f6lkerung beibringen, dies sei kriegsentscheidend. Besonders lobte er Scharping:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>Die politischen F\u00fchrer spielten nun die entscheidende Rolle f\u00fcr die \u00f6ffentliche Meinung. Sie sind die demokratisch gew\u00e4hlten Vertreter. Sie wussten, welche Nachricht jeweils f\u00fcr die \u00f6ffentliche Meinung in ihrem Land wichtig war. Rudolf Scharping machte wirklich einen guten Job. Es ist ja auch nicht leicht, speziell in Deutschland, das 50 Jahre lang Verteidigung nur als Schutz des eigenen Landes gekannt hatte, statt seine Soldaten weit weg zu schicken. Psychologisch ist diese neue Definition von Sicherheitspolitik nicht einfach.<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>Nicht nur Minister Scharping, auch Kanzler Schr\u00f6der und Minister Fischer waren ein gro\u00dfartiges Beispiel f\u00fcr politische F\u00fchrer, die nicht der \u00f6ffentlichen Meinung hinterherrennen, sondern diese zu formen verstehen. Es stimmt mich optimistisch, dass die Deutschen das verstanden haben. Und jenseits der sehr unerfreulichen Begleiterscheinungen, der Kollateralsch\u00e4den, der langen Dauer der Luftangriffe, hielten sie Kurs. Wenn wir die \u00f6ffentliche Meinung in Deutschland verloren h\u00e4tten, dann h\u00e4tten wir sie im ganzen B\u00fcndnis verloren.<\/em><\/p>\n<p>Dank unseres hervorragenden Personals war der Krieg also nicht gef\u00e4hrdet. Sollen wir ihnen dankbar sein \u2013 oder darauf bestehen, sie vor Gericht zu bringen?<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Klaus Hartmann ist Vorsitzender des Deutschen Freidenker-Verbandes<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p><a href=\"#uebersicht\">\u2191 zur \u00dcbersicht<\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p><em>RT Deutsch bem\u00fcht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeitr\u00e4ge und Meinungsartikel m\u00fcssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.<\/em><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Angriffskrieg der NATO gegen Jugoslawien am 24. M\u00e4rz 1999 markierte das Ende des Friedens in Europa, ein Frieden, der seit der Katastrophe des Zweiten Weltkriegs gehalten hatte, zumindest in Europa. Mit Beitr\u00e4gen in loser Folge wird RT-Deutsch in den n\u00e4chsten Wochen die wichtigsten Stationen der NATO-Vorbereitungen auf diesen Krieg in Erinnerung rufen. Wir ver\u00f6ffentlichen die Teile 11 und 12 hier zusammenh\u00e4ngend.<br \/>\nTeil 11 &#8211; 20.03.2019: <b>Der Countdown l\u00e4uft &#8211; Die letzten Tage vor dem Angriff<\/b> von Rainer Rupp | Teil 12 &#8211; 21.03.2019:  <b>L\u00fcgen, bis sich der Balkan biegt<\/b> von Klaus Hartmann<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":6062,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","advanced_seo_description":"","jetpack_seo_html_title":"","jetpack_seo_noindex":false,"footnotes":"","jetpack_post_was_ever_published":false},"categories":[13],"tags":[801,335,590,188,269],"class_list":["post-6058","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-frieden-antifaschismus-solidaritaet","tag-aggressionskrieg","tag-frieden","tag-jugoslawien","tag-krieg","tag-nato-ueberfall-auf-jugoslawien"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/20_Jahre_Jugoslawienkrieg_800x445_T11-12.jpg?fit=800%2C445&ssl=1","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p9stpK-1zI","jetpack-related-posts":[{"id":18593,"url":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=18593","url_meta":{"origin":6058,"position":0},"title":"FREIDENKER 1-24 \u2013 25 Jahre NATO-Aggression gegen Jugoslawien","author":"Webredaktion","date":"24. 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Dezember 2025","format":false,"excerpt":"Beitrag von Stefan Siegert Im gewohnt NATO-blauen Wikipedia ist ... zu lesen: Operation Allied Force (OAF; ungef\u00e4hre \u00dcbersetzung: \u201eUnternehmen B\u00fcndnisstreitmacht\u201c) war der Deckname einer milit\u00e4rischen Operation der NATO gegen die Bundesrepublik Jugoslawien, die sie im Rahmen des Kosovokrieges vom 24. M\u00e4rz bis 10. Juni 1999 durchf\u00fchrte. 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