{"id":5985,"date":"2019-03-04T16:00:56","date_gmt":"2019-03-04T15:00:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=5985"},"modified":"2019-04-14T21:59:35","modified_gmt":"2019-04-14T19:59:35","slug":"20-jahre-seit-nato-angriffskrieg-gegen-jugoslawien-teil-5-und-6","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=5985","title":{"rendered":"20 Jahre seit NATO-Angriffskrieg gegen Jugoslawien &#8211; Teil 5 und 6"},"content":{"rendered":"<div class=\"article__text \">\n<p>Der Angriffskrieg der NATO gegen Jugoslawien am 24. M\u00e4rz 1999 markierte das Ende des Friedens in Europa, ein Frieden, der seit der Katastrophe des Zweiten Weltkriegs gehalten hatte, zumindest in Europa. Mit Beitr\u00e4gen in loser Folge wird <a href=\"https:\/\/deutsch.rt.com\/search?q=20+Jahre+seit+NATO-Angriff+auf+Jugoslawien%3A&amp;df=&amp;dt=\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">RT-Deutsch<\/a> in den n\u00e4chsten Wochen die wichtigsten Stationen der NATO-Vorbereitungen auf diesen Krieg in Erinnerung rufen.<\/p>\n<p>Wir ver\u00f6ffentlichen die Teile 5 und 6 hier zusammenh\u00e4ngend.<\/p>\n<p><a id=\"uebersicht\"><\/a><strong>\u00dcbersicht<\/strong><\/p>\n<p>Bisher ver\u00f6ffentlicht:<\/p>\n<\/div>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=5900#t01\">Teil 1<\/a> \u2013 16.02.2019: <strong>Ursachen, Hintergr\u00fcnde, Fake News und False Flag<\/strong> <em>von Rainer Rupp<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=5900#t02\">Teil 2<\/a> \u2013 21.02.2019: <strong>Deutschlands R\u00fcckbesinnung auf unr\u00fchmliche Traditionen<\/strong> <em>von Klaus Hartmann<\/em><\/p>\n<div class=\"article__text \">\n<p><a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=5956#t03\">Teil 3<\/a> &#8211; 25.02.2019:\u00a0<strong>Luftangriffe in Bosnien-Herzegowina als Test f\u00fcr Kosovo<\/strong> <em>von Rainer Rupp<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=5956#t04\">Teil 4<\/a> &#8211; 01.03.2019:\u00a0 <strong>Falsche-Flagge-Massaker als Vorwand f\u00fcr NATO-Aggression<\/strong> <em>von Rainer Rupp<\/em><\/p>\n<p>Neu auf dieser Seite:<\/p>\n<p><a href=\"#t05\">Teil 5<\/a> &#8211; 02.03.2019: <strong>Warum wurde Milo\u0161evi\u0107 zum Hassobjekt des Westens?<\/strong> <em>von Klaus Hartmann<\/em><\/p>\n<p><a href=\"#t06\">Teil 6<\/a> &#8211; 04.03.2019: <strong>Das &#8222;Ra\u010dak-Massaker&#8220; &#8211; Teil des NATO-Drehbuchs (I) <\/strong><em>von Doris Pumphrey<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<\/div>\n<p><a id=\"t05\"><\/a><strong>Teil 5 (<a href=\"https:\/\/deutsch.rt.com\/meinung\/85079-20-jahre-seit-nato-angriff-serbien\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Erstver\u00f6ffentlichung auf RT Deutsch am 02.03.2019<\/a>)<\/strong><\/p>\n<h4>Warum wurde Milo\u0161evi\u0107 zum Hassobjekt des Westens?<\/h4>\n<p><em>von <strong>Klaus Hartmann<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em>Mit einer Rede zum Jahrestag der Schlacht auf dem Amselfeld (Kosovo Polje) habe Slobodan Milo\u0161evi\u01071989 die &#8222;Fackel des serbischen Nationalismus entz\u00fcndet&#8220; \u2013 so die westliche Erz\u00e4hlung. Zu diesem Zweck wurde die Rede gef\u00e4lscht und manipulierend interpretiert. Doch der serbische Pr\u00e4sident geriet nicht grundlos ins Visier der k\u00fcnftigen Balkankrieger. Welche Interessen dahinter standen, verr\u00e4t ein Blick in Geschichte wie auch so manches d\u00e9j\u00e0 vue-Erlebnis nach der NATO-Aggression 1999.<\/em><\/p>\n<p>\u00d6sterreichs traditionelles Bestreben nach Beherrschung der s\u00fcd\u00f6stlichen Nachbarl\u00e4nder wird im R\u00fcckblick auf die Vorgeschichte des 1. Weltkriegs mit der Habsburger Monarchie als treibender Kraft deutlich. Die im &#8222;Westen&#8220; durchg\u00e4ngig erz\u00e4hlte Kurzgeschichte, nach der das Attentat auf den \u00f6sterreichischen Thronfolger in Sarajevo durch Gavrilo Princip der Kriegsgrund gewesen sein soll, war allerdings nur ein willkommener Vorwand f\u00fcr die Kriegstreiber in \u00d6sterreich-Ungarn.<\/p>\n<p>Bosnien-Herzegowina war seit 1908 von der Donaumonarchie annektiert, nach dem sich die T\u00fcrkei als &#8222;kranker Mann am Bosporus&#8220; zur\u00fcckziehen musste, und keine Gew\u00e4hr mehr bot, den nationalen Befreiungskampf der s\u00fcdslawischen V\u00f6lker weiterhin zuverl\u00e4ssig unterdr\u00fccken zu k\u00f6nnen. Die Befreiungsbewegung &#8222;Freies Bosnien&#8220; nutzte also den Inspektionsbesuch des Erzherzogs Franz Ferdinand bei den illegalen Besatzungstruppen f\u00fcr einen Anschlag auf ihn als Repr\u00e4sentanten der verhassten Besatzungsmacht. Zudem fand der Truppenbesuch provokativerweise ausgerechnet am 28. Juni 1914 statt, dem 525. Jahrestag der Schlacht auf dem Amselfeld, der als &#8222;Veitstag&#8220; (Vidovdan) ein hoher serbischer Feiertag ist.<\/p>\n<p>\u00d6sterreichs Au\u00dfenminister Alois Mock war Anfang der 1990er Jahre Komplize Hans-Dietrich Genschers bei der vorauseilenden Anerkennung der verfassungswidrigen Sezession Sloweniens und Kroatiens. Er deklarierte die durch deren Separatismus ausgel\u00f6sten B\u00fcrgerkriege als &#8222;kalkulierten Angriffs- und Eroberungskrieg Serbiens und Montenegros&#8220;. Jene, die f\u00fcr den Erhalt eines multinationalen, multiethnischen f\u00f6deralen Staates eintraten, nannte Mock das &#8222;Belgrader Regime&#8220;, dem er das &#8222;Ziel der Schaffung eines gro\u00df-serbischen Staates&#8220; unterschob, wozu eine &#8222;schleichende ethnische S\u00e4uberung&#8220; dienen solle.<\/p>\n<p>In welcher Tradition dieser Mock steht, kann ein &#8222;Habsburger&#8220; besser bezeugen als der Autor: Die Paneuropa-Union, die auf die Pan-Europa-Idee von Richard Coudenhove-Kalergi (1922\/23) zur\u00fcckgeht, wurde nach 1945 von Mitgliedern des ehemaligen Kaiserhauses Habsburg zun\u00e4chst unter dem Namen &#8222;Aktion \u00d6sterreich Europa&#8220; wieder ins Leben gerufen, und entwickelte sich vom Monarchisten-Verein zum EU-Fanclub. Heute ist der EU-Abgeordnete Bernd Posselt (CSU) Pr\u00e4sident, Nachfolger des 1973 bis 2004 amtierenden Otto &#8222;von&#8220; Habsburg (in \u00d6sterreich ist das F\u00fchren von Adelstiteln verboten). Die &#8222;Paneurop\u00e4er&#8220; waren und sind stramm rechtsgerichtet, wirkten als antisozialistische Speerspitze im &#8222;Kalten Krieg&#8220;, und veranstalteten 1989 jenes &#8222;Paneuropa-Picknick&#8220;, bei dem der alte Habsburger zusammen mit dem ungarischen &#8222;Reformer&#8220; Imre Pozsgay den &#8222;Eisernen Vorhang&#8220; durchtrennte. Heute noch gilt den &#8222;Paneurop\u00e4ern&#8220; Kaliningrad als &#8222;das von Russland besetzte Gebiet um K\u00f6nigsberg&#8220;.<\/p>\n<p>In unserem Zusammenhang hier ist von Bedeutung: Sie halten die &#8222;Mitteleuropa-Idee&#8220; (J\u00e4ckh, Naumann, Rohrbach) aus der Zeit vor und w\u00e4hrend des 1. Weltkriegs warm: Deutsche Kontrolle entlang der Bagdad-Bahn, wo &#8222;das feindliche serbische Kastell nicht geduldet werden kann&#8220;. Ottos Sohn Karl Habsburg beruft sich heute auf die antiserbische &#8222;Politik, die seit deutlich mehr als 100 Jahren gilt, (\u2026) die sowohl mein Vater Otto von Habsburg als auch Alois Mock vertreten haben.&#8220; Stolz berichtet dieser Habsburg-Spross von der Verleihung des &#8222;Europapreises Coudenhove-Kalergi&#8220; an den &#8222;Kosovo-Pr\u00e4sidenten&#8220; Rugova, bei der Au\u00dfenminister Mock pr\u00e4sidierte, nicht ohne das Ereignis zu &#8222;framen&#8220;: &#8222;Am 28. Juni 1989, zum 600. Jahrestag der Schlacht am Amselfeld, hielt Milo\u0161evi\u0107 seine ber\u00fchmte Rede am Kosovo Polje. Die Rede war die politische Vorbereitung der sp\u00e4teren Jugoslawien-Kriege.&#8220;<\/p>\n<p>Diese Lesart und die Rede vom &#8222;serbischen Nationalismus&#8220; bestimmten seit Anfang der 1990er Jahre die Aussagen westlicher Politiker und die Medienberichterstattung. 1999 sekundierte die <em>Frankfurter Allgemeine Zeitung<\/em> die NATO-Aggression:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>Mit einer von Chauvinismus durchwirkten Rede hat Milo\u0161evi\u0107 vor zehn Jahren im Kosovo eine f\u00fcr den Balkan verh\u00e4ngnisvolle Entwicklung in Gang gesetzt.<\/em><\/p>\n<p>Schon 1995 behauptete <em>Der Spiegel<\/em>, &#8222;Milo\u0161evi\u0107 tr\u00e4gt mit seinem kompromisslosen gro\u00dfserbischen Nationalismus die gr\u00f6\u00dfte Schuld an Krieg und Aufl\u00f6sung im ehemaligen Jugoslawien.&#8220; Der selbst gleichgeschaltete Frontberichterstatter Ivanj wiederholt noch 2019 (im <em>MDR<\/em>): &#8222;Milo\u0161evi\u0107 heizte \u00fcber gleichgeschaltete Medien den serbischen Nationalismus an.&#8220; Dem Motto &#8222;Haltet den Dieb!&#8220; folgend, war es f\u00fcr Christian Schwarz-Schilling, Minister in Helmut Kohls Kabinett, die &#8222;gro\u00dfserbischen Ideologie, die zum schlimmsten V\u00f6lkermord in Europa seit dem 2. Weltkrieg und zum anschlie\u00dfenden Auseinanderfallen des fr\u00fcheren Jugoslawiens gef\u00fchrt hat&#8220;.<\/p>\n<p>F\u00fcr Au\u00dfenminister Hans-Dietrich Genscher habe &#8222;die auf dem Amselfeld gehaltene Ansprache Milo\u0161evic\u0301s eine gro\u00dfe Rolle&#8220; f\u00fcr die &#8222;gro\u00dfserbischen Absichten gespielt.&#8220; Slobodan Milo\u0161evi\u0107 konterte: &#8222;Der deutsche Au\u00dfenminister Genscher war der Hauptkriminelle bei der Zerst\u00f6rung Jugoslawiens.&#8220; Un\u00fcbertrefflich (wie bei anderen Kriegsl\u00fcgen) lie\u00df sich Verteidigungsminister Scharping vernehmen:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>Mit einer von Chauvinismus durchwirkten Rede hat Milo\u0161evi\u0107 vor zehn Jahren im Kosovo eine f\u00fcr den Balkan verh\u00e4ngnisvolle Entwicklung in Gang gesetzt. (\u2026) An diesem Tag sprach Milo\u0161evi\u0107 von &#8218;Gro\u00df-Serbien&#8216; und davon, dass dieses Land ein ethnisch reines sein solle.<\/em><\/p>\n<p>Die Gesinnungsfestigkeit dieser Bewertungen steht au\u00dfer Zweifel \u2013 doch wie steht es um die Fakten? Ausgesprochen schlecht \u2013 es wurde frei erfunden, plump gef\u00e4lscht und glatt gelogen, zu einer Zeit, als &#8222;Fake News&#8220; und &#8222;Hate Speech&#8220; noch nicht in aller Munde waren. Es war Ralph Hartmann, letzter Botschafter der DDR in Jugoslawien, der die penetranten \u00dcbersetzungsfehler der Milo\u0161evi\u0107-Rede aufdeckte, wie sie in der <em>Frankfurter Allgemeinen Zeitung<\/em> zum Besten gegeben wurden: Es sei &#8222;nicht unerheblich, ob der Pr\u00e4sident sagte: &#8218;Sechs Jahrhunderte sp\u00e4ter befinden wir uns wieder in Kriegen&#8216; oder &#8217;sechs Jahrhunderte sp\u00e4ter befinden wir uns wieder in K\u00e4mpfen&#8216;, betonend, dass es sich nicht um bewaffnete handelt, die er allerdings nicht ausschlie\u00dfen konnte \u2013 wer kann das schon? \u2013 so ist es auch nicht unwesentlich, ob die Menschen in die Sterne blicken, und &#8218;f\u00fcr den Sieg bitten&#8216;, wie es w\u00f6rtlich in der <em>FAZ<\/em> hie\u00df, und was pr\u00e4chtig zu den herbeigedeutschten &#8218;Kriegen&#8216; passte, oder ob sie nach den Sternen schauen, &#8218;erwartend, dass sie sie erobern&#8217;&#8230;&#8220;.<\/p>\n<p>Ralph Hartmann weiter:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>Gesucht wird im Redetext das Eintreten von Milo\u0161evi\u0107 f\u00fcr ein ethnisch reines &#8218;Gro\u00dfserbien&#8216;, das Scharping anprangert und das im Text zu finden, die FAZ mit der Ank\u00fcndigung, die Rede sei von &#8218;Chauvinismus durchwirkt&#8216;, Hoffnung macht. Doch auch ein mehrfaches Studium der Rede f\u00f6rdert kein &#8218;Gro\u00dfserbien&#8216;, und schon gar kein &#8218;ethnisch reines&#8216; zu Tage, es scheint geradezu, dass der Redner f\u00fcr das Gegenteil eintritt, f\u00fcr den Erhalt Jugoslawiens als &#8218;multinationale Gesellschaft&#8216; und f\u00fcr &#8218;v\u00f6llige Gleichberechtigung aller hier lebender Nationen&#8216;.<\/em><\/p>\n<p>Schlie\u00dflich entdeckte der fr\u00fchere Botschafter zahlreiche weggelassene S\u00e4tze, die &#8222;schon gar nicht in das Diffamierungskonzept der Serbenhasser passen&#8220;.<\/p>\n<p>Nachdem der Amselfeld-Rede derart Gewalt angetan wurde, um sie als zentrales Glied der &#8222;Beweiskette&#8220; f\u00fcr den vermeintlichen serbischen Chauvinismus zurechtzumachen, diente sie den Kreuzz\u00fcglern als Aggressionsvorlage. Milo\u0161evi\u0107 wurde zum unhinterfragbaren Feindbild aufgebaut und wurde (wie manch sp\u00e4tere &#8222;Zielscheibe&#8220; nach ihm) als &#8222;Nationalist&#8220;, &#8222;Populist&#8220;, &#8222;Antiamerikaner&#8220;, &#8222;Nationalkommunist&#8220;, &#8222;Diktator&#8220;, &#8222;Autokrat&#8220;, &#8222;Machthaber&#8220;, &#8222;zweiter Hitler&#8220; und &#8222;Sch\u00e4chter&#8220; tituliert. Der Zweck war, ihn damit f\u00fcr vogelfrei zu erkl\u00e4ren und das von ihm repr\u00e4sentierte Land au\u00dferhalb des V\u00f6lkerrechts zu stellen sowie jeden denkbaren Widerstand im westlichen Publikums gegen eine imperialistische Aggression im Keim zu ersticken.<\/p>\n<p>\u00dcber die wahren Gr\u00fcnde f\u00fcr die westliche Aversion gegen den serbischen (1991\u20131997) und jugoslawischen (1997-2000) Pr\u00e4sidenten wurde der Mantel des Schweigens gebreitet. Und die sind mit der Wahlkampflosung Bill Clintons von 1992 treffend auf den Punkt gebracht: &#8222;It&#8217;s the economy, stupid!&#8220;. Dass es um &#8222;die Wirtschaft&#8220; ging, kam den &#8222;Dummk\u00f6pfen&#8220; (zu denen sie durch ein Jahrzehnt medialer Verdummung und Gehirnw\u00e4schen wurden) nicht mehr in den Sinn. Und (nicht nur) f\u00fcr Clinton sind au\u00dfer &#8222;freien Wahlen&#8220; auch der &#8222;freie Kapitalverkehr&#8220; <em>die<\/em> entscheidenden Kriterien f\u00fcr eine Demokratie (die bei Neoliberalen Gnade finden will). F\u00fcr Prof. Michel Chossudovsky aus Ottawa liegt hier die Ursache f\u00fcr Milo\u0161evi\u0107s &#8222;Karriere&#8220; zum Hassobjekt des Westens, und er leuchtet daher die wirtschaftlichen Hintergr\u00fcnde des Jugoslawienkrieges aus.<\/p>\n<p>Das hochverschuldete Jugoslawien, das schon seit den 1950er Jahren US-Kredite erhalten hatte, um es auf Distanz zu &#8222;Moskau&#8220; zu halten, wurde Ende der 1980er Jahre zahlungsunf\u00e4hig. Von IWF und Weltbank erhielt Jugoslawien von 1985 bis 1991 Kredite von 7 Mrd. US-Dollar, musste aber 23 Mrd. US-Dollar f\u00fcr Zinsen und R\u00fcckzahlungen aufwenden. Der US-freundliche Regierungschef Jugoslawiens, der Kroate Ante Markovi\u0107, reiste Ende 1989 nach Washington und erhielt von Pr\u00e4sident George Bush ein &#8222;Finanzhilfeprogramm&#8220; &#8211; im Gegenzug f\u00fcr drastische &#8222;Reformen&#8220;: abgewertete W\u00e4hrung, Einfrieren der L\u00f6hne, massive K\u00fcrzung der Staatsausgaben und Abschaffung der selbstverwalteten vergesellschafteten Betriebe. Hinzu kamen 1990 noch ein IWF-Moratorium und ein &#8222;Strukturanpassungskredit&#8220; der Weltbank. Steuergelder gingen in den Schuldendienst und Ausgleichszahlungen an die Teilrepubliken wurden eingestellt, was den Sezessionismus f\u00f6rderte.<\/p>\n<p>Verschiedene Gesetze zielten 1989 auf die Abschaffung der vergesellschafteten Betriebe und ihre Verwandlung in privatkapitalistische Unternehmen, auf die Vernichtung des \u00f6ffentlichen Sektors und die Abschaffung der sozialen Rechte der jugoslawischen Arbeiterschaft. Hinzu kam die Liquidation der gemeineigenen Banken. Die Ergebnisse der neoliberalen Rosskur waren katastrophal: sie trieb viele der gro\u00dfen Unternehmen der Elektrotechnik, der Petrochemie, des Maschinenbaus und der Chemiebranche in den Ruin. Ein kreditfinanzierter Importboom steigerte den Schuldendruck auf Jugoslawien, der abrupte Anstieg von Zinsen und Einkaufspreisen f\u00fchrten zum Ausschluss einheimischer Produkte vom innerjugoslawischen Markt.<\/p>\n<p>Das Bruttoinlandsprodukt sank 1990 um 7,5 Prozent, bis 1993 um sage und schreibe 50 Prozent, die Arbeitsproduktivit\u00e4t um 21 Prozent. 248 Unternehmen wurden 1989 in den Bankrott gef\u00fchrt, 89.400 Arbeiter entlassen, in ersten neun Monate von 1990 gingen weitere 889 Firmen mit einer Gesamtbelegschaft von 525.000 Arbeitern in Konkurs \u2013 \u00fcber 600.000 Arbeiter bei einer nur 2,7 Millionen starken industriellen Arbeiterschaft in ganz Jugoslawien. Die Weltbank kategorisierte im September 1990 weitere 2.435 von den verbliebenen 7.531 Betrieben als &#8222;zahlungsunf\u00e4hig&#8220;, ihre Gesamtbelegschaft betrug 1,3 Millionen. Addiert zu den 600.000 bereits Entlassenen, wurden als bis dahin 1,9 von insgesamt 2,7 Millionen Arbeitern f\u00fcr &#8222;\u00fcberfl\u00fcssig&#8220; erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p>Viele vergesellschaftete Betriebe versuchten den Bankrott zu vermeiden, indem sie keine L\u00f6hne zahlten. Eine halbe Million Arbeiter, also ungef\u00e4hr 20 Prozent der Industriearbeiterschaft, erhielten w\u00e4hrend der ersten Monate von 1990 keinen Lohn, die Reall\u00f6hne befanden sich in freiem Fall, Sozialprogramme waren zusammengebrochen. Die Konkurswelle in der Industrie hatte zu fl\u00e4chendeckender Arbeitslosigkeit gef\u00fchrt. Und all dies verursachte bei der Bev\u00f6lkerung eine Atmosph\u00e4re der Hoffnungslosigkeit und sozialen Verzweiflung.<\/p>\n<p>650.000 Arbeiter streikten gegen Markovi\u0107, und die serbische Regierung wies dessen Sparprogramm glatt zur\u00fcck. Pr\u00e4sident Milo\u0161evi\u0107 lie\u00df die Notenpresse anwerfen und Geld drucken, um L\u00f6hne auszahlen zu k\u00f6nnen. Damit unterlief Milo\u0161evi\u0107 die Antiinflationspolitik des IWF und die Auflagen der internationalen Kreditgeber \u00a0\u2013 und wurde als &#8222;Ungehorsamer&#8220; fortan vom &#8222;Westen&#8220; entsprechend behandelt. Dagegen kollaborierten die F\u00fchrer der neuen &#8222;unabh\u00e4ngigen&#8220; Staaten willig mit den ausl\u00e4ndischen Kreditgebern. Sie &#8222;gierten geradezu danach, die Forderungen der Weltbank und des IWF zu erf\u00fcllen&#8220; (Ralph Schoenman, 1995), und setzten den neoliberalen Katastrophenkurs \u2013 Pl\u00fcnderung staatlicher Betriebe, massive Budgetk\u00fcrzungen, Arbeitslosigkeit und Verarmung \u2013 fort.<\/p>\n<p>Dimitrije Boarov kommentierte 1992:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>Herr Markovi\u0107 startete seine &#8218;gelenkte Privatisierung&#8216;. Die Oligarchien der Teilrepubliken, die alle von einer &#8217;nationalen Erneuerung&#8216; tr\u00e4umten, hatten die Wahl zwischen Krieg und einem echten jugoslawischen gemeinsamen Markt plus Hyperinflation. Sie w\u00e4hlten den Krieg. Dieser Krieg sollte die wahren Ursachen der wirtschaftlichen Katastrophe verbergen.<\/em><\/p>\n<p>Prof. Chossudovsky: &#8222;Der soziale und politische Einfluss der \u00f6konomischen Reformen in Jugoslawien wurde aus unserem Bewusstsein getilgt, kulturelle, ethnische und religi\u00f6se Spannungen werden auf dogmatische Weise als die einzige Ursache der Krise dargestellt, w\u00e4hrend sie doch in Wirklichkeit nur die Folge eines tiefer liegenden Prozesses der wirtschaftlichen und politischen Aufl\u00f6sung sind. Die Einheit, Solidarit\u00e4t und Identit\u00e4t der S\u00fcdslawen ist in der Geschichte wohlbegr\u00fcndet, aber diese Identit\u00e4t ist k\u00fcnstlich manipuliert und zerst\u00f6rt worden.&#8220;<\/p>\n<p>Michael J\u00e4ger bilanzierte im <em>Freitag<\/em>:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>Nach der weltpolitischen Wende 1990 versuchten die USA ihren Sieg dadurch auszubauen, dass sie auf den Sturz sozialistischer oder quasisozialistischer F\u00fchrer hinarbeiteten \u2013 Milo\u0161evi\u0107, Saddam, Gaddafi, Assad \u2013, solange es ging, durch Kriege, und immer unter Inkaufnahme der Destabilisierung von Gesellschaften mit allen furchtbaren Folgen, die dies hat.<\/em><\/p>\n<p>Dass es sich beim Versuch, der \u00d6ffentlichkeit Milo\u0161evi\u0107 als &#8222;Rechten&#8220; zu verkaufen, um eine L\u00fcge handelte, gab der damalige Bundesau\u00dfenminister Joseph Fischer zu, der nach dem Sturz des jugoslawischen Pr\u00e4sidenten zufrieden feststellte: &#8222;Es ist der letzte Teil der Mauer, der hier \u2013 mit zehn Jahren Versp\u00e4tung \u2013 verschwindet&#8220;. Genauso verstand es die <em>Die Zeit<\/em>, f\u00fcr die eine Konterrevolution als &#8222;Revolution&#8220; gilt, deshalb also im Oktober 2000 titelte &#8222;Die letzte der Revolutionen&#8220; und schrieb:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>Milo\u0161evi\u0107 war nun einmal der gro\u00dfe \u00dcberlebende, der einzige Staatschef aus der kommunistischen \u00c4ra, der sich in die nachkommunistische Welt hin\u00fcbergerettet hatte. Dennoch ist Milo\u0161evi\u0107s Sturz wom\u00f6glich ein folgenreicher Wendepunkt der europ\u00e4ischen Geschichte.<\/em><\/p>\n<p>Mit dem &#8222;folgenreichen Wendepunkt&#8220; hatte die Zeitung zweifelsohne Recht: Das war ein T\u00fcr\u00f6ffner-Krieg f\u00fcr die in schneller Schlagzahl folgenden imperialistischen Angriffs- und Regime-Change-Kriege zum Zweck der Erzwingung einer neokolonialen Weltordnung.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Klaus Hartmann ist Bundesvorsitzender des Deutschen Freidenker-Verbandes<\/em><\/p>\n<p><a href=\"#uebersicht\">\u2191 zur \u00dcbersicht<\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p><strong><a id=\"t06\"><\/a>Teil 6 (<a href=\"https:\/\/deutsch.rt.com\/europa\/85095-20-jahre-seit-nato-angriff-racak-massaker-nato-drehbuch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Erstver\u00f6ffentlichung auf RT-Deutsch am 04.03.2019<\/a>)<\/strong><\/p>\n<h4 class=\"article__heading \">Das &#8222;Ra\u010dak-Massaker&#8220; &#8211; Teil des NATO-Drehbuchs (I)<\/h4>\n<div class=\"article__text \">\n<p><em>von <strong>Doris Pumphrey<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em>Zwei Monate vor Beginn des NATO-Angriffskrieges gegen Jugoslawien am 24. M\u00e4rz 1999 bewirkte das &#8222;Massaker von Ra\u010dak&#8220; in der westlichen \u00d6ffentlichkeit einen Aufschrei der Emp\u00f6rung. Zugleich lieferte es Washington und der NATO den lang ersehnten &#8222;humanit\u00e4ren&#8220; Vorwand.<\/em><\/p>\n<p>Das &#8222;Massaker von Ra\u010dak&#8220; gilt als Schl\u00fcsselereignis auf dem Weg in den Krieg der NATO gegen Jugoslawien. Laut <em>Washington Post<\/em> hat Ra\u010dak &#8222;\u201edie Balkan-Politik des Westens in einer Weise ge\u00e4ndert, wie Einzelereignisse dies selten tun&#8220;.<\/p>\n<p>Mitglieder der sezessionistischen UCK-Milizen f\u00fchren am Morgen des 16. Januar 1999 internationale Journalisten und Vertreter der <a>OSZE-Kosovo-<\/a><a>\u00dcberwachungsmission<\/a> (KVM) zu einem Hohlweg am Rande des Dorfes Ra\u010dak. Etwa 20 Leichen liegen dort nebeneinander. Als etwas sp\u00e4ter der Leiter der OSZE Mission, der US-Amerikaner William Graham Walker eintrifft, steht f\u00fcr ihn das Urteil sofort fest: Mit erregter Stimme spricht er von einer &#8222;Hinrichtung unbewaffneter albanischer Zivilisten&#8220; und erkl\u00e4rt: &#8222;Ich z\u00f6gere nicht, die jugoslawischen Sicherheitskr\u00e4fte dieses Verbrechens zu beschuldigen&#8220;. Fotos von den angeblich hingerichteten albanischen Zivilisten gehen um die Welt.<\/p>\n<p>US-Pr\u00e4sident Clinton verurteilt das &#8222;Massaker&#8220; in der &#8222;sch\u00e4rfst-m\u00f6glichen Form&#8220; und spricht von einem \u201dvors\u00e4tzlichen und wahllosen Akt des Mordes\u201d.<\/p>\n<p>In einer Erkl\u00e4rung des Ausw\u00e4rtigen Amtes hei\u00dft es: &#8222;Die Verantwortlichen m\u00fcssen wissen, dass die internationale Gemeinschaft nicht bereit ist, die brutale Verfolgung und Ermordung von Zivilisten im Kosovo hinzunehmen.\u201c F\u00fcr den Gr\u00fcnen-Au\u00dfenminister Joseph Fischer ist Ra\u010dak &#8222;ein Wendepunkt&#8220;.<\/p>\n<p>Die NATO beruft sofort eine Dringlichkeitssitzung ein. Madeleine Albright verlangt drei Tage sp\u00e4ter als &#8222;Bestrafung&#8220; die Bombardierung Jugoslawiens.<\/p>\n<p>Die jugoslawische Regierung weist die Anschuldigungen kategorisch zur\u00fcck und spricht von einer Manipulation: Die UCK habe die Leichen von ihren am Tag zuvor gefallen K\u00e4mpfern eingesammelt und sie so in dem Hohlweg arrangiert, dass sie wie zivile Opfer einer Massenhinrichtung wirken mussten. In Ra\u010dak war es am Vortag zu einer Polizeiaktion gegen UCK-Terroristen gekommen.<\/p>\n<p>Mit Hilfe der Medien wird der n\u00f6tige Druck auf z\u00f6gerliche Politiker und die Bev\u00f6lkerungen der NATO-L\u00e4nder ausge\u00fcbt, um einen Angriff der NATO auf Jugoslawien zu rechtfertigen: Serbische Sicherheitskr\u00e4fte h\u00e4tten in der Art von &#8222;Todesschwadronen&#8220; Ra\u010dak \u00fcberfallen, die M\u00e4nner an den Rand des Dorfes getrieben und mit Genick- und Kopfsch\u00fcssen hingerichtet. Einige seien vorher noch gefoltert worden.<\/p>\n<p>Schon wenige Tage sp\u00e4ter bringen gro\u00dfe franz\u00f6sische Tageszeitungen Informationen, die William Walkers Version in Frage stellen.<\/p>\n<p>\u00dcber die Geschehnisse berichtet der <em>Le Figaro<\/em>-Korrespondent Renaud Girard, Ra\u010dak, bekannt als Hochburg der sezessionistischen UCK Milizen, sei von serbischer Polizei am 15. Januar im Morgengrauen umstellt worden. Offensichtlich habe die serbische Polizei nichts verheimlichen wollen, da sie die OSZE von der bevorstehenden Aktion benachrichtigte, die mit ihren Vertretern das Dorf von einem H\u00fcgel aus \u00fcberblicken konnten. Auch ein Kamerateam des TV-Ablegers der Nachrichtenagentur AP habe den ganzen Tag gefilmt.<\/p>\n<p>Die Filmaufnahmen, die der <em>Le Figaro<\/em>-Korrespondent einsehen konnte, zeigen, wie serbische Polizisten am Morgen des 15. Januar &#8222;<em>an den Hausw\u00e4nden entlangschleichend<\/em>&#8220; in Ra\u010dak, <em>\u201e<\/em>&#8222;<em>eindringen. Es kommt zu einem Feuergefecht, als sie von der UCK angegriffen werden, die aus Gr\u00e4ben auf dem H\u00fcgel schie\u00dfen. Auf der Anh\u00f6he des Dorfes werden die K\u00e4mpfe intensiver. Platziert neben der Moschee am Abhang, merken die AP-Journalisten, dass die umzingelten UCK-K\u00e4mpfer verzweifelt versuchen, mit Gewalt auszubrechen. Mehr als 20 sollen es auch geschafft haben.<\/em>&#8220; Die Aufnahmen gaben keinerlei Hinweis auf ein m\u00f6gliches Massaker.<\/p>\n<p>Laut Figaro verl\u00e4sst um 15:30 Uhr die serbische Polizei, gefolgt vom AP Fernsehteam, das Dorf.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">&#8222;<em>Um 16.30 Uhr durchquert ein franz\u00f6sischer Journalist das Dorf und trifft drei orangefarbene Fahrzeuge der OSZE. Die internationalen Beobachter unterhielten sich ruhig mit drei albanischen Zivilisten in fortgeschrittenem Alter. Sie waren auf der Suche etwaiger verwundeter Zivilisten. Als der Journalist um 18 Uhr zur\u00fcckkommt, sieht er, wie die (internationalen) Beobachter zwei Frauen und zwei Greise, die leicht verwundet sind, mit sich fortf\u00fchren. Die Beobachter, die nicht \u00fcberm\u00e4\u00dfig besorgt zu sein scheinen, geben dem Journalisten keine besonderen Hinweise. Sie erkl\u00e4ren sich nur f\u00fcr \u2018unf\u00e4hig, eine Bilanz der K\u00e4mpfe zu geben\u2018.<\/em>&#8222;<\/p>\n<p>Die OSZE-Vertreter, die den ganzen Tag in Ra\u010dak waren, hatten demnach bis zum Abzug der serbischen Polizei zwar K\u00e4mpfe zwischen ihr und der UCK, aber keine Anzeichen eines &#8222;Massakers an Zivilisten&#8220; beobachtet.<\/p>\n<p>Zeugenaussagen von Albanern ergeben, laut <em>Figaro<\/em>, ein v\u00f6llig anderes Bild. Alle berichten die gleiche Version: &#8222;<em>gegen Mittag sei Polizei ins Dorf eingedrungen, h\u00e4tte die M\u00e4nner von den Frauen getrennt und sie auf die umliegenden H\u00fcgel gebracht, wo sie diese ohne irgendeinen Prozess erschossen h\u00e4tte.<\/em>&#8220;<\/p>\n<p>In der folgenden Nacht hatten UCK-Milizen das Dorf wieder eingenommen. Am Morgen des 16. Januar f\u00fchren sie die internationalen Journalisten und OSZE-Beobachter zum Hohlweg mit den Leichen.<\/p>\n<p>Der <em>Figaro<\/em>-Korrespondent Renaud Girard fragt:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">&#8222;<em>Was ist nun wirklich passiert? Sollte die UCK nachts die Leichen derer, die tats\u00e4chlich durch serbische Geschosse starben, gesammelt haben, um eine kaltbl\u00fctige Hinrichtung zu inszenieren? Eine beunruhigende Tatsache: die Journalisten finden am Samstagmorgen nur ganz wenige Geschossh\u00fclsen in der Umgebung des scheinbaren Massakers. Sollte die UCK intelligenterweise versuchen eine milit\u00e4rische Niederlage in einen politischen Sieg umzuwandeln? Nur eine glaubw\u00fcrdige internationale Untersuchung k\u00f6nnte Zweifel ausr\u00e4umen.<\/em> &#8222;<\/p>\n<p>Nach seinen eigenen Nachforschungen kommen dem <em>Le Monde<\/em>-Korrespondenten im Kosovo, Christoph Ch\u00e2telot, erhebliche Zweifel, denn die Darstellung eines Massakers in Ra\u010dak wirke zu perfekt:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">&#8222;<em>Wie h\u00e4tte die serbische Polizei die Gruppe von M\u00e4nnern sammeln und ruhig zum Exekutionsplatz f\u00fchren k\u00f6nnen, w\u00e4hrend sie ununterbrochen unter UCK-Feuer lag? Wieso konnte der am Rande von Ra\u010dak gelegene Stra\u00dfengraben der Aufmerksamkeit der mit der Umgebung vertrauten Einwohner entgehen, die vor Anbruch der Nacht wieder in ihrem Dorf waren? Oder den OSZE-Beobachtern, die sich mehr als zwei Stunden in dem Ort aufhielten? Warum so wenig Patronen rund um die Leichen, so wenig Blut in jener Senke, wo doch angeblich 23 Menschen aus n\u00e4chster N\u00e4he mit einigen Kopfsch\u00fcssen get\u00f6tet worden sein sollen? Waren nicht eher die K\u00f6rper der in den K\u00e4mpfen mit der Polizei get\u00f6teten Albaner in dem Graben zusammengetragen worden, um ein Horror-Szenario zu schaffen, das mit Sicherheit einen entsetzlichen Effekt auf die \u00f6ffentliche Meinung haben w\u00fcrde?<\/em>&#8222;<\/p>\n<p>Die <em>Berliner Zeitung<\/em> berichtete sp\u00e4ter \u00fcber Ch\u00e2telots Erlebnisse in Ra\u010dak. Nachdem die serbische Polizei nach Beendigung des Kampfes mit der UCK das Dorf verlassen hatte, ging dieser zusammen mit den OSZE-Vertretern in das Dorf. Sie sahen vier Tote und h\u00f6rten von einem weiterem. Abgesehen von der milit\u00e4rischen Auseinandersetzung im B\u00fcrgerkrieg sei nichts Au\u00dfergew\u00f6hnliches vorgefallen. Das teilte <a>Ch\u00e2telot<\/a> auch seinen Kollegen mit, als er am Abend nach Pristina zur\u00fcckkehrte.<\/p>\n<p>Umso erstaunter war der <em>Le Monde<\/em>-Korrespondent \u00fcber die Diskrepanz zwischen dem, was er an der Seite der OSZE-Vertreter in Ra\u010dak gesehen hatte und dem Report, den die OSZE-Mission am folgenden Tag ver\u00f6ffentlichte: Man habe Beweise gefunden f\u00fcr &#8222;willk\u00fcrliche Verhaftungen, T\u00f6tungen und Verst\u00fcmmelungen von unbewaffneten Zivilisten&#8220;. In einem Hohlweg oberhalb Ra\u010daks seien 23 erwachsene M\u00e4nner, &#8222;viele aus extremer Nahdistanz erschossen&#8220; worden, au\u00dferdem vier erwachsene M\u00e4nner, anscheinend auf der Flucht. 18 Leichen habe man im Dorf entdeckt, darunter auch eine Frau und einen Jungen. Laut <em>Berliner Zeitung<\/em> erkl\u00e4rte Ch\u00e2telot: &#8222;<em>Ich kann das R\u00e4tsel nicht l\u00f6sen.<\/em>&#8220;<\/p>\n<p>Nach einem Massaker h\u00e4tte man von der OSZE nun eine ernsthafte Untersuchung erwarten k\u00f6nnen. Nichts dergleichen geschah. Wie der <em>Le Figaro<\/em>-Korrespondent Renaud Girard berichtete, lie\u00df Walker das Gel\u00e4nde nicht absperren, um Beweismittel sicherzustellen. Im Gegenteil: <em>&#8222;Er trampelte selbst herum und lie\u00df die Journalisten an den Leichen fummeln, Souvenirs sammeln und Spuren verwischen.&#8220; <\/em><\/p>\n<p>Laut Zeitungsberichten verbrachte Walker mehr als eine halbe Stunde in geheimen Verhandlungen mit F\u00fchrern der UCK in Ra\u010dak, ging aber kein einziges Mal zur nahegelegenen serbischen Polizeistation, um auch ihre Informationen einzuholen, wie es f\u00fcr eine objektive Aufkl\u00e4rung geboten w\u00e4re.<\/p>\n<p><strong>Ende Teil I<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Doris Pumphrey ist Aktivistin in der Friedenskoordination (Friko), Berlin<\/em><\/p>\n<p><a href=\"#uebersicht\">\u2191 zur \u00dcbersicht<\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p><em>RT Deutsch bem\u00fcht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeitr\u00e4ge und Meinungsartikel m\u00fcssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.<\/em><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Angriffskrieg der NATO gegen Jugoslawien am 24. M\u00e4rz 1999 markierte das Ende des Friedens in Europa, ein Frieden, der seit der Katastrophe des Zweiten Weltkriegs gehalten hatte, zumindest in Europa. Mit Beitr\u00e4gen in loser Folge wird RT-Deutsch in den n\u00e4chsten Wochen die wichtigsten Stationen der NATO-Vorbereitungen auf diesen Krieg in Erinnerung rufen. Wir ver\u00f6ffentlichen die Teile 5 und 6 hier zusammenh\u00e4ngend.<br \/>\nTeil 5 &#8211; 02.03.2019: <b>Warum wurde Milo\u0161evi\u0107 zum Hassobjekt des Westens?<\/b> von Klaus Hartmann | Teil 6 &#8211; 04.03.2019:  <b>Das &#8222;Ra\u010dak-Massaker&#8220; &#8211; Teil des NATO-Drehbuchs<\/b> von Doris Pumphrey<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":5974,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","advanced_seo_description":"","jetpack_seo_html_title":"","jetpack_seo_noindex":false,"jetpack_post_was_ever_published":false,"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[801,335,590,188,269],"class_list":["post-5985","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-frieden-antifaschismus-solidaritaet","tag-aggressionskrieg","tag-frieden","tag-jugoslawien","tag-krieg","tag-nato-ueberfall-auf-jugoslawien"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/20_Jahre_Jugoslawienkrieg_800x445_T5-6.jpg?fit=800%2C445&ssl=1","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p9stpK-1yx","jetpack-related-posts":[{"id":18593,"url":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=18593","url_meta":{"origin":5985,"position":0},"title":"FREIDENKER 1-24 \u2013 25 Jahre NATO-Aggression gegen Jugoslawien","author":"Webredaktion","date":"24. 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M\u00e4rz 2019","format":false,"excerpt":"Der Angriffskrieg der NATO gegen Jugoslawien am 24. M\u00e4rz 1999 markierte das Ende des Friedens in Europa, ein Frieden, der seit der Katastrophe des Zweiten Weltkriegs gehalten hatte, zumindest in Europa. 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