{"id":5209,"date":"2018-06-16T03:01:37","date_gmt":"2018-06-16T01:01:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.freidenker.org\/?p=5209"},"modified":"2018-08-30T21:30:58","modified_gmt":"2018-08-30T19:30:58","slug":"die-grosse-unuebersichtlichkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=5209","title":{"rendered":"Die gro\u00dfe Un\u00fcbersichtlichkeit"},"content":{"rendered":"<p>Aus: <a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=5198\">\u201eFREIDENKER\u201c Nr. 2-18<\/a>, Juni 2018, S. 5-13, 77. Jahrgang<\/p>\n<p><em>von <strong>Klaus Hartmann<\/strong><\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eGender\u201c \u2013 das Problem beginnt schon beim Begriff: Wie hei\u00dft das eigentlich? \u201eGenderismus\u201c? Es gibt Gender-Forschung, Gender-Politik, Gender-Ideologie, und Kritker sprechen vom \u201eGender-Wahn\u201c.<\/p>\n<p>Im offiziellen Sprachgebrauch ist die Rede \u2013 auch in Deutschland \u2013 von \u201eGender Mainstreaming\u201c. Der Anglizismus l\u00e4sst schon einen nicht unerheblichen Teil der Bev\u00f6lkerung ratlos zur\u00fcck. Deshalb muss ihn die Bundesregierung dem Wahlvolk erkl\u00e4ren, und das macht sie so:<\/p>\n<p><em>\u201eGender Mainstreaming<\/em> bedeutet, bei allen gesellschaftlichen Vorhaben die unterschiedlichen Lebenssituationen und Interessen von Frauen und M\u00e4nnern von vornherein und regelm\u00e4\u00dfig zu ber\u00fccksichtigen, da es keine geschlechtsneutrale Wirklichkeit gibt.<\/p>\n<p><em>Gender<\/em> kommt aus dem Englischen und bezeichnet die gesellschaftlich, sozial und kulturell gepr\u00e4gten Geschlechtsrollen von Frauen und M\u00e4nnern. Diese sind \u2013 anders als das biologische Geschlecht \u2013 erlernt und damit auch ver\u00e4nderbar.<\/p>\n<p><em>Mainstreaming<\/em> (englisch f\u00fcr \u201eHauptstrom\u201c) bedeutet, dass eine bestimmte inhaltliche Vorgabe, die bisher nicht das Handeln bestimmt hat, nun zum zentralen Bestandteil bei allen Entscheidungen und Prozessen gemacht wird.\u201c<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n<p>Die Thesen der \u201eChef-Theoretikerin\u201c des \u201egesellschaftlichen Geschlechts\u201c, der US-Professorin Judith Butler, dokumentieren wir im folgenden Artikel, im Beitrag von Prof. Dr. Helga H\u00f6rz ist der Weg der Gender-Thematik in den Vereinten Nationen nachgezeichnet.<\/p>\n<h5>Was genau ist im \u201eMainstream\u201c angekommen?<\/h5>\n<p>Die sch\u00f6nen Worte der Bundesregierung verdeutlichen auch, um was es bei der Gender-Politik nicht geht: Die weiterbestehenden Benachteiligungen von Frauen sind nicht das Thema. \u201eUnterschiedliche Lebenssituationen und Interessen von Frauen und M\u00e4nnern ber\u00fccksichtigen\u201c kann man auf unterschiedliche Art, sogar mit gegens\u00e4tzlichen Ergebnissen. Und sowenig es eine \u201egeschlechtsneutrale Wirklichkeit gibt\u201c, gibt es schon gar keine klassenneutrale Wirklichkeit und Wirkungen.<\/p>\n<p>Geht es beim \u201eGender Mainstreaming\u201c um die Fortsetzung des Kampfes f\u00fcr Frauenrechte, gegen geschlechtsspezifische Benachteiligungen, mit andern Mitteln, auf einer h\u00f6heren, eventuell sogar effektiveren Ebene? Mitnichten! Es w\u00fcrde auch an ein Wunder grenzen, wenn solche Ziele binnen weniger Jahre Eingang in die offizielle Politik, z. B. der Bundesregierung und der EU, gefunden h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Die EU hat \u201eGender Mainstreaming\u201c schon Ende der 1990er Jahre zum \u201eZiel\u201c erhoben, um Hindernisse zu beseitigen, \u201edass die Wirtschaft ihr Potenzial nicht aussch\u00f6pfen kann und wertvolle Begabungen [der Frauen] ungenutzt bleiben\u201c<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a>. Die Interessen der \u201eWirtschaft\u201c sind also das Leitmotiv.<\/p>\n<p>Obwohl immer wieder betont wird, dass die so begr\u00fcndete \u201eGleichstellungspolitik\u201c nicht die spezifische \u201eFrauenf\u00f6rderung\u201c ersetzen soll, sieht die Praxis anders aus. In vielen Betrieben und Beh\u00f6rden wurden die Stellen von Frauenbeauftragten oder Frauenb\u00fcros kurzerhand abgeschafft bzw. umbenannt in \u201eGleichstellungsbeauftragte\u201c oder \u201eGleichstellungsb\u00fcros\u201c.<\/p>\n<p>Auch in \u201eregierungsnahen\u201c Fachzeitschriften wird zugegeben, dass \u201eeine deutliche Tendenz weg von der Frauenf\u00f6rderung hin zur Geschlechtergleichstellung vollzogen\u201c wurde, und in den Gesetzen \u201enun \u00fcberwiegend von der Gleichstellungsbeauftragten und nicht mehr von der Frauenbeauftragten die Rede\u201c sei.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/p>\n<p>So hat sich \u00fcberwiegend auch die praktische T\u00e4tigkeit dieser Beauftragten ver\u00e4ndert. Ihr Schwerpunkt liegt jetzt weniger bis gar nicht mehr im Einsatz f\u00fcr Frauen in den unteren Lohngruppen, sondern f\u00fcr die Besetzung von F\u00fchrungspositionen mit Frauen.<\/p>\n<h5>Frauenf\u00f6rderung pass\u00e9?<\/h5>\n<p>Haben sich die Probleme der Benachteiligung von Frauen in der Arbeitswelt so entspannt, dass mangels Handlungsbedarf in diesem Bereich nun die Karrierechancen der Spitzenverdienerinnen in den Fokus ger\u00fcckt sind?<\/p>\n<p>Das ist keineswegs so. Seit Jahren liegt die Lohndifferenz zwischen M\u00e4nnern und Frauen bei rund 21%. Die vom Statistischen Bundesamt errechneten Bruttostundenl\u00f6hne der Frauen betrugen im Jahr 2017 16,59 Euro, w\u00e4hrend M\u00e4nner auf 21 Euro kamen.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a><\/p>\n<p>Dagegen wird seit einigen Jahren de\u00admonstriert, allerdings wieder auf Englisch: am \u201eEqual Pay Day\u201c gegen den \u201eGender Pay Gap\u201c (statt am Tag f\u00fcr gleiche Bezahlung gegen die Bezahlungsl\u00fccke zwischen Frauen und M\u00e4nnern).<\/p>\n<p>Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes waren 2016 15,3% der M\u00e4nner und 17,8% der Frauen von Armut bedroht.<\/p>\n<p>Bei Alleinerziehenden mit einem Kind unter sechs Jahren liegt die Armutsgrenze bei 1.192 Euro. 90 Prozent der Alleinerziehenden sind Frauen, sie tragen mit ihren Kindern das h\u00f6chste Armutsrisiko: Fast 1 Million Kinder in Ein-Elternfamilien leben in Armut.<\/p>\n<p>\u201eDerzeit sind 85 Prozent der bis zu 20 Wochenstunden Besch\u00e4ftigten Frauen. Damit ist der Aufbau einer armutsfesten Altersversorgung nicht m\u00f6glich\u201c, so Ursula K\u00f6nig-Schneyer, Landesvertreterin der Frauen im VdK Hessen-Th\u00fcringen.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a><\/p>\n<p>Der Rentenversicherungsbericht 2017 des Deutschen Bundestages vermeldet f\u00fcr 2016 eine durchschittliche Rentenh\u00f6he f\u00fcr M\u00e4nner von 1.065 Euro, f\u00fcr Frauen von 671,32 Euro. Dabei ist der Ost-West-Unterschied zu beachten, denn die regelm\u00e4\u00dfig berufst\u00e4tigen Rentnerinnen aus der DDR erhielten 888 Euro, ihre West-Schwestern aber nur 613 Euro.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a><\/p>\n<p>Da die Armutsgrenze f\u00fcr Alleinstehende 2016 bei 917 Euro netto lag, leben die weiblichen Durchschnittsrentner unterhalb der Armutsgrenze. Dies ist ein Resultat verschiedener Faktoren wie der unterschiedlichen Erwerbsbiografien (h\u00f6herer Anteil an Erziehungs- und Pflegezeiten), mehr prek\u00e4ren Arbeitsverh\u00e4ltnissen und schlie\u00dflich dem vorenthaltenen gleichen Lohn bei gleicher Arbeit. Da sich die genannten Zahlen in den letzten Jahren eher verschlechtert haben, w\u00e4re hier eigentlich ein verst\u00e4rkter Einsatz f\u00fcr die Rechte der Frauen n\u00f6tig.<\/p>\n<h5>Freidenker f\u00fcr Frauenrechte<\/h5>\n<p>Die Freidenkerbewegung hat von ihren Anf\u00e4ngen an den Kampf f\u00fcr die Rechte der Frau auf ihre Fahnen geschrieben: Frauenwahlrecht und Straffreiheit der Abtreibung geh\u00f6rten zu den ersten Forderungen der Freidenker.<\/p>\n<p>Eine der ersten und die vielleicht bekannteste Freidenkerin war Bertha von Suttner (1843 \u2013 1914), die erste Frau, die den Friedensnobelpreis erhielt. Freidenker wie u. a. der sp\u00e4tere Vorsitzende Max Sievers, k\u00e4mpften in der Novemberrevolution 1918 f\u00fcr die sozialistische R\u00e4terepublik an der Seite der Frauenrechtlerin Clara Zetkin.<\/p>\n<p>In der Weimarer Republik wirkte die Freidenkerin Anna Lindemann an der Seite ihres Mannes f\u00fcr die Weltlichkeit des Schulwesens in Th\u00fcringen, eine weltliche Feierkultur und die Enteignung der Kirchen. Angelica Balabanoff, fr\u00fche Kampfgef\u00e4hrtin von Rosa Luxemburg und Clara Zetkin, engagierte sich in den den 1920er Jahren f\u00fcr die Gr\u00fcndung der Proletarischen Freidenker-Internationale.<\/p>\n<p>Vielen Freidenkern gilt die russischen Revolution\u00e4rin Alexandra Kollontai als gro\u00dfes Vorbild, Volkskommisarin f\u00fcr soziale Angelegenheiten und Leiterin der Frauenabteilung beim ZK der KPdSU.<\/p>\n<p>In unserer \u201eBerliner Erkl\u00e4rung\u201c (1994) formulieren wir:<\/p>\n<p>\u201eDer Deutsche Freidenker-Verband tritt f\u00fcr die v\u00f6llige Gleichstellung der Frau in allen gesellschaftlichen Bereichen und deren materielle Absicherung, einschlie\u00dflich der Kinder, ein. Die Gesellschaft hat die Mittel bereitzustellen und M\u00f6glichkeiten zu realisieren, damit die Frau und Mutter weitestgehend genauso wie der Mann \u2013 in voller Gleichberechtigung und Akzeptanz, ohne finanzielle Einbu\u00dfe oder sonstige Benachteiligung, am beruflichen und gesellschaftlichen Leben teilnehmen kann. Wir sehen aber auch die jahrtausende alte Unterdr\u00fcckung und Ausbeutung der Frau durch das Patriarchat, ihre fast vollst\u00e4ndige Verdr\u00e4ngung aus der Geschichte. Solche bis heute fortwirkenden Tendenzen zur Verhinderung und Unterschlagung wissenschaftlicher, kultureller und allgemein gesellschaftlicher Leistungen der Frau durch die m\u00e4nnerdominierte Gesellschaft m\u00fcssen durchbrochen und beendet werden.\u201c<\/p>\n<p>Der Kampf f\u00fcr die Rechte und f\u00fcr die Befreiung der Frau ist f\u00fcr uns Teil des Klassenkampfes, der vorrangig auf \u00f6konomischem Gebiet, aber keineswegs nur auf diesem auszufechten ist. Es ist zugleich eine kulturpolitische Aufgabe ersten Ranges, auch gegen \u00fcberkommene Einstellungen und Gewohnheiten der \u201ehalben Menschheit\u201c ihren selbstverst\u00e4ndlichen Platz als vollkommen gleichberechtigte Menschen zu schaffen.<\/p>\n<p>Es d\u00fcrfte auf der Hand liegen, dass ein Verband mit solcher Tradition und diesen Positionen alles begr\u00fc\u00dft, was diesen Kampf bef\u00f6rdert. Ob das bei der Genderismus-Str\u00f6mung gegeben ist, daran kann man zweifeln. Die Zweifel gr\u00fcnden zun\u00e4chst auf dem Umstand, dass die sozialen Belange und somit die Mehrheit der Betroffenen offenbar nicht der Hauptgegenstand der Bem\u00fchungen sind.<\/p>\n<h5>Kontroverses \u2026<\/h5>\n<p>Kritik am Genderismus kommt selbstverst\u00e4ndlich von der politisch reaktion\u00e4ren Seite: Den Anh\u00e4ngern des Frauenbildes \u201eKinder, K\u00fcche, Kirche\u201c, ebenso fanatischen \u201eLebenssch\u00fctzern\u201c, die Abtreibungen verbieten und generell unter Strafe stellen wollen. Mit jenen, die auf alles allergisch reagieren, was irgendwie \u201efeministisch\u201c zu sein scheint, m\u00fcssen wir uns nicht weiter befassen.<\/p>\n<p>Leider gedeihen unter der \u201eGender\u201c-Losung auch Kuriosit\u00e4ten, die der Polemik Wasser auf die M\u00fchlen leiten. Wir k\u00f6nnen auch nicht damit einverstanden sein, wenn der Kampf f\u00fcr Frauenrechte haupts\u00e4chlich oder v\u00f6llig auf das Feld der Sprache bzw. der \u201ekorrekten Schreibweise\u201c verlagert wird.<\/p>\n<p>Wahlweise k\u00f6nnen wir damit beginnen, dass die Uni Leipzig nur noch weibliche Bezeichnungen f\u00fcr Professoren zul\u00e4sst \u2013 Professorin Dr. Johannes Huber zum Beispiel.<\/p>\n<p>Uta Brandes, Professorin f\u00fcr Gender und Design in K\u00f6ln, will sich nicht mit der Versch\u00f6nerung der deutschen Sprache zufrieden geben. Des halb hat sie \u201evorgeschlagen, dass die englischen W\u00f6rter \u201a<em>teacher\u2019 <\/em>und \u201a<em>professor\u2018, <\/em>die f\u00fcr M\u00e4nner und Frauen gelten, eine weibliche Form bekommen: \u201a<em>teacheress<\/em>\u2018 und \u201a<em>professoress.<\/em>\u2018 \u201aFrauen m\u00fcssen in der Sprache sichtbar sein\u2018, sagt sie.\u201c <a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a><\/p>\n<p>Die Engl\u00e4nder werden nach dem Rat der deutschen Professorin sicher umgehend ihre Sprache reformieren.<\/p>\n<p>Der Europarat in Stra\u00dfburg empfiehlt seinen 47 Mitgliedsstaaten, in ihren Beh\u00f6rden eine \u201enicht sexistische Sprache\u201c zu verwenden. Dem sollen auch die \u201eM\u00fctter\u201c und \u201eV\u00e4ter\u201c zum Opfer fallen, weil \u2013 das eindeutig sexistische Bezeichnungen seien.<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a><\/p>\n<p>Der \u201eZeit&#8220;-Kolumnist Harald Martenstein erlebte einen \u201eShitstorm\u201c (geballte Kritik einer gro\u00dfen Menge Menschen), weil er sich \u00fcber einen Beschluss der Bezirksversammlung von Friedrichshain-Kreuzberg mokierte, neben den Toiletten f\u00fcr M\u00e4nner und Frauen auch sogenannte \u201eUnisex-Toiletten\u201c f\u00fcr Menschen einzurichten, die nicht so genau sagen k\u00f6nnen, ob sie nun Mann oder Frau sind.<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a> Uwe Fleischhauer im \u201eSpiegel\u201c: \u201eWenn es um Genderpolitik geht, h\u00f6rt in Deutschland der Spa\u00df auf.\u201c<\/p>\n<h5>\u2026 und Obskures<\/h5>\n<p>Nachdem \u201eMutter\u201c also ein sexistischer Be\u00adgriff sein soll, und biologische Geschlechtsmerkmale f\u00fcr die Geschlechtsbestimmung eher weniger taugen sollen, ist es ganz bemerkenswert, wie das Ganze auf die Kinder \u201eruntergebrochen\u201c wird \u2013 hier scheint das h\u00e4ssliche Wort einmal angebracht.<\/p>\n<p>Im Feuilleton der \u201eS\u00fcddeutschen Zeitung\u201c wurde von \u201eeiner praktische \u00dcbung f\u00fcr den Sexualkundeunterricht\u201c berichtet: \u201eDer neue Puff f\u00fcr alle\u201c. Zu bedenken seien \u201everschiedene Lebensweisen und verschiedene sexuelle Praktiken und Pr\u00e4ferenzen\u201c, \u201eWerbung und Preisgestaltung\u201c, und nicht zuletzt: \u201eBrauchen asexuelle Menschen \u00fcberhaupt einen Puff?\u201c <a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a><\/p>\n<p>Dies und weiteres stammt aus \u201eSexualp\u00e4dagogik der Vielfalt\u201c von Elisabeth Tuider u.a., einem Standardwerk. So bietet es ein Arbeitsblatt, zum \u201eJa\/Nein\u201c anzukreuzen: \u201eZur Liebe geh\u00f6rt f\u00fcr mich\u201c \u2026 \u201cmindestens jeden zweiten Tag miteinander Sex zu haben\u201c, \u201edie Freiheit, mit anderen ins Bett zu gehen\u201c, \u201eOralverkehr\u201c. Das ist dann f\u00fcr 12-j\u00e4hrige.<\/p>\n<p>14-J\u00e4hrige k\u00f6nnen in einer virtuellen Auktion ersteigern: \u201eDildo, Kondome, Potenzmittel, Handschellen, Aktfotos, Vaginalkugeln, Windeln, Lack\/Latex oder Leder.\u201c \u201eSiebtkl\u00e4ssler sollen sich damit auseinandersetzen, ob \u201aSadomasochismus und Fetischismus eigentlich nur sexuelle Vorlieben oder auch Identit\u00e4tsbausteine sind\u2018, wie das gelehrte Autorenteam empfiehlt, Lernziel: \u201aDie Jugendlichen sollen Heterosexualit\u00e4t als Norm infrage stellen.\u2018\u201c<\/p>\n<p>Abschlie\u00dfend fragt Christian Weber im Feuilleton der \u201eS\u00fcddeutschen\u201c: \u201eMuss man ein verklemmter, pietistischer und homophober Spie\u00dfer sein, wenn man sein Kind nicht mit allergr\u00f6\u00dfter Begeisterung in diese Art von Unterricht schicken m\u00f6chte?\u201c<\/p>\n<p>Kehren wir von diesem \u201eAusflug\u201c zur\u00fcck zum wissenschaftlichen Gehalt des Unternehmens. Hier ist auf den Streit hinzuweisen, ob Verhalten biologisch oder kulturell bedingt ist. In einem norwegischen TV-Bericht mit dem Titel \u201eGehirnw\u00e4sche &#8211; das Gleichstellungsparadox\u201c stellen Biologen aus den USA und Gro\u00dfbritannien ihre Untersuchungen vor, die ihrer Meinung nach belegen, dass unterschiedliches F\u00fchlen und Verhalten von M\u00e4dchen und Jungen bereits kurz nach der Geburt ausgepr\u00e4gt ist, ohne dass kulturelle Einfl\u00fcsse dies bereits h\u00e4tten bestimmen k\u00f6nnen.<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a><\/p>\n<p>Die Schlussfolgerung w\u00e4re: Die Wissenschaft ist gar keine. Dem gegen\u00fcber steht die merkw\u00fcrdig wohlwollende staatliche F\u00f6rderung der Gender-Ideologie Dass es an Geld nicht \u00fcberall im Bildungsbereich mangelt, zeigen die immerhin rund 250 Lehrst\u00fchle und Zentren f\u00fcr \u201eGenderforschung\u201c in Deutschland.<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a> F\u00fcr Slawistik sind es nur rund 100 Lehrst\u00fchle.<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a><\/p>\n<p>Nochmals Uwe Fleischhauer: \u201eAn deutschen Hochschulen hat sich die Gender-Forschung an nahezu jedem geisteswissenschaftlichen Lehrstuhl etabliert.<\/p>\n<p>Das ist ein bemerkenswerter Erfolg f\u00fcr eine Theorie, die ihren Ursprung in den Seminarr\u00e4umen der philologischen Fakult\u00e4t einer kalifornischen Hochschule hat und bis heute ohne jede wissenschaftlich nachpr\u00fcfbare Fakten auskommt. Dass Menschen sich nicht entscheiden k\u00f6nnen, ob sie sich als M\u00e4nner oder Frauen f\u00fchlen, mag vorkommen &#8211; auf der \u00dcberwindung des biologischen Geschlechts aber ein Konzept aufzubauen, das dann Richtlinie staatlichen Handelns wird, verlangt einiges an Phantasie. Der klassische Feminismus hat sich aus gutem Grund bescheidenere und in jedem Fall pragmatischere Ziele gesetzt wie die Ver\u00e4nderung der Machtverh\u00e4ltnisse.\u201c<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\">[14]<\/a><\/p>\n<p>Stellt sich die Frage nach dem Nutzen, nach der wundersamen Beliebtheit der \u201eneuen Welle\u201c bei den Herrschenden.<\/p>\n<h5>\u201eVielfalt\u201c als neue Monstranz<\/h5>\n<p>Dies ist Anlass, nochmals \u2013 ausf\u00fchrlich \u2013 an die Kritik von Diana Jonstone an der Kandidatin Hillary Clinton zu erinnern (s. \u201eFreidenker\u201c 3-2016). In dem Kapitel \u201eVon der Gleichheit zur Vielfalt\u201c stellt Johnstone fest. dass \u201ein den letzten drei\u00dfig Jahren die westliche \u00f6konomische Linke auf beiden Seiten des Atlantiks eine vernichtende Niederlage erlitten\u201c habe.<\/p>\n<p>\u201eDie \u201aArbeiter\u2018-Parteien Europas k\u00fcmmern sich nicht mehr um die Arbeiter und die \u201asozialistischen\u201c Parteien haben mit Sozialismus nicht das Geringste mehr im Sinn.<\/p>\n<p>In den USA hat die Demokratische Partei den Sozialreformismus des New Deal l\u00e4ngst aufgegeben. Eine bestimmte Sorte von \u201aLinken\u2018 besteht zwar weiterhin und geriert sich als weitherzig und progressiv, aber es ist nicht mehr die alte sozialdemokratische Linke, die f\u00fcr Ma\u00dfnahmen zur F\u00f6rderung wirtschaftlicher Gleichheit eintrat. Statt mit Gleichheit befasst sich die neue soziale Linke lieber mit Vielfalt und dem \u201aRecht auf Anderssein\u2018.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist es so, dass Menschen verschieden sind. Es gibt keinen Grund, das als ein \u201aRecht\u2018 zu betrachten. Es ist einfach eine Tatsache. In einer anst\u00e4ndigen, gerechten und vern\u00fcnftigen Gesellschaft w\u00e4ren die Menschen einfach ganz selbstverst\u00e4ndlich verschieden und niemand w\u00fcrde darum gro\u00dfes Aufheben machen. Aber heute ist \u201aIdentit\u00e4t\u2018 zu einer Hauptsorge geworden.<\/p>\n<p>Die bestehende Wirtschaftsordnung wird als logisch, wissenschaftlich fundiert und unausweichlich betrachtet. Obwohl die herrschende Wirtschaftslehre alles andere ist als eine exakte Wissenschaft, wird so der Eindruck vermittelt, die gegenw\u00e4rtige Wirtschaftsordnung folge einem Naturgesetz.<\/p>\n<p>Aber f\u00fcr die Linke gibt es einen Trostpreis, n\u00e4mlich die ideologische Hegemonie im emotionaleren Bereich der menschlichen Beziehungen, besonders dem der \u201aMenschenrechte\u2018. Nach ihrer kompletten Niederlage in der wirtschaftlichen Arena darf die Linke nun die dominante gesellschaftliche Doktrin definieren, die auf den Konzepten Multikulturalismus, Sorge um Minderheiten und Antirassismus basiert: In den USA h\u00e4lt man die B\u00fcrger an, Regierungen anderer L\u00e4nder fast ausschlie\u00dflich danach zu beurteilen, wie sie prowestliche Dissidenten oder ausgew\u00e4hlte Minorit\u00e4ten behandeln.<\/p>\n<p>In den 1970ern verloren viele radikale Linke allm\u00e4hlich das Interesse an der Arbeiterklasse als \u201erevolution\u00e4rem Subjekt\u201c, da sie nicht die sozialistische Revolution gemacht hatte, die damals eine schwelgerische Massenillusion war. So verlagerte sich ihr Fokus auf \u2013 zun\u00e4chst als effektivere \u201eSubjekte der Revolution\u201c angesehene \u2013 Identit\u00e4tsgruppen wie Studenten, Frauen oder Schwule. Daraus ist seitdem eine generelle Konzentration der Linken auf \u201eIdentit\u00e4tsgruppen\u201c aller Art geworden. Der Multikulturalismus sieht die Gesellschaft als Mosaik von \u201eIdentit\u00e4ten\u201c statt von Klassen. Aber diese Klassen existieren dennoch weiterhin.<\/p>\n<p>F\u00fcr einige kleine, ultralinke anarchistische Gruppen besteht das langfristige Ziel in einer Welt ohne Grenzen, in der jeder frei ist, \u00fcberall hinzugehen und in der die nationalen Grenzen ebenso wie die Nationalstaaten verschwunden sind. Diese Gruppen betrachten sich selbst als radikal antikapitalistisch, doch leider ist ihr Idee identisch mit dem der kapitalistischen Globalisierer, denen viel klarer ist, dass bei einem Wegfall der Nationalstaaten die privaten Konzerne und Finanzinteressen den Rest der Welt g\u00e4nzlich ungehemmt beherrschen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Der Unterschied zwischen den Anarchisten und den kapitalistischen Globalisierern liegt in der Wahrnehmung der Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse, die von Ersteren ignoriert werden, w\u00e4hrend Letztere sie aktiv gestalten.\u201c<\/p>\n<h5>Statt Karrierefeminismus: Recht auf Arbeit und soziale Sicherheit<\/h5>\n<p>Welche Absichten verfolgen der Herrschenden mit ihrer Gender-Politik? Einen wichtigen Hinweis gibt die Soziologin Dr. Christa Wichterich, im \u00dcbrigen selbst in diesem Bereich aktiv \u2013 sie war Gastprofessorin f\u00fcr Geschlechterpolitik an der Universit\u00e4t Kassel, ist aktuell Dozentin am Zentrum f\u00fcr Geschlechterstudien der Universit\u00e4t Basel.<\/p>\n<p>Sie berichtet \u00fcber ein Treffen im Vorfeld des Hamburger G20-Gipfels: \u201eW(oman)20\u201c, um \u201edie Rolle der Frauen in der Wirtschaft zu st\u00e4rken\u201c \u2013 das wollten dort z.B. Bundeskanzlerin Merkel und Ivanka Trump: Die \u201eF\u00f6rderung von Unternehmerinnen\u201c.<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\">[15]<\/a><\/p>\n<p>Wichterich: Hinter der zentralen Botschaft \u201eFrauen schaffen das\u201c \u201everbirgt sich ein neuer knallharter Businessfeminismus, der die neoliberale Strategie eines Empowerments von Frauen durch die M\u00e4rkte, vor allem aber zum Wohle der M\u00e4rkte, auf die Spitze treibt.\u201c [Empowerment wird ungern auf Deutsch gebraucht, weil es Erm\u00e4chtigung hei\u00dft. <em>K.H.<\/em>]<\/p>\n<p>Merkel \u201ef\u00f6rdert den selbst erkl\u00e4rten Feminismus von Elitefrauen, der sich das Etikett Geschlechtergleichheit f\u00fcr die eigene Machtbildung aneignet. Dieser Karrierefeminismus verkehrt das urspr\u00fcngliche Konzept vom Empowerment der Schwachen, das die Grundrechte aller Frauen emanzipatorisch mit der Befreiung von armut wie von struktureller wie sexistischer Gewalt verband, geradezu in sein Gegenteil. Es ist eine Farce und ein Betrug an den weltweiten Interessen benachteiligter Frauen, dass sich mehrere der Spitzenfrauen mit dem Titel \u201eFeministin\u201c schm\u00fcckten, ohne \u00fcber die Rechte der Armen auf eine sichere Lebensgrundlage, auf Verf\u00fcgung \u00fcber Ressourcen, Anerkennung ihrer Arbeit und soziale Sicherheit zu reden.\u201c<\/p>\n<p>Priti Darooka, Sprecherin des BRICS Feminist Watch, \u201eemp\u00f6rte sich denn auch \u00fcber das \u201aMantra des weiblichen Unternehmertums\u2018 und den Eurozentrismus der Debatten bei gleichzeitiger Ignoranz gegen\u00fcber den Armuts- und Ungleichheitsproblemen von Frauen im globalen S\u00fcden, die ihre Existenzgrundlage in der informellen \u00d6konomie oder Landwirtschaft gegen Privatisierung, In\u00addustrialisierung, Landraub und Ressourcenextraktivismus erhalten wollen. Das frauen\u00adpolitische Kernanliegen der Feministinnen aus Brasilien, Russland, Indien, China und S\u00fcdafrika ist: \u201aAlle Frauen arbeiten und ha\u00adben ein Anrecht auf soziale Sicherheit.\u2018\u201c<a href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\">[16]<\/a><\/p>\n<p>In einer gro\u00dfen Zahl weiterer Arbeiten bekr\u00e4ftigt Christa Wichterich, dass die Befreiung der Frau auch weiterhin nur durch Gesellschaftsver\u00e4nderung zu haben ist:<\/p>\n<p>\u201eDas Konzept eines \u201eguten Lebens\u201c wirft die Fragen auf, was und wieviel man braucht, was und wieviel genug ist, um bed\u00fcrfnisorientiert zu versorgen, Rechte einzul\u00f6sen, existentielle Sicherheiten herzustellen, eine lebenswerte gesunde Umwelt zu erhalten und Zugang zu Ressourcen f\u00fcr alle nach der Ma\u00dfgabe von Gleichheit und Gerechtigkeit zu schaffen.\u201c<\/p>\n<p>Es komme auch aus feministischer Perspektive darauf an, \u201eUmbau- und \u00dcbergangsstrategien zu identifizieren, die dem Trend weiterer \u00d6konomisierung, Privatisierung und Kommodifizierung entgegenlaufen oder ihn unterlaufen.\u201c<a href=\"#_ftn17\" name=\"_ftnref17\">[17]<\/a><\/p>\n<p>Einen ebeno kritischen Blick auf \u201efeministische Abwege\u201c wirft die britische Feministin Nina Power. In ihrem Buch \u201eDie eindimensionale Frau\u201c mahnt sie: \u201eFeminismus l\u00e4sst sich ohne eine Betrachtung der Arbeitswelt nicht verstehen.\u201c<a href=\"#_ftn18\" name=\"_ftnref18\">[18]<\/a><\/p>\n<p>Wobei sie pl\u00e4diert: \u201eEin erweiterter Arbeitsbegriff, der Care \u2013 Sorgearbeit \u2013 angemessen ber\u00fccksichtigt, ist \u00fcberf\u00e4llig. (\u2026) Die Unterminierung, ja Leugnung der Rolle, die Frauen dabei \u00fcbernehmen, geh\u00f6rt zu den bestimmenden Eigenschaften des Kapitalismus.\u201c<a href=\"#_ftn19\" name=\"_ftnref19\">[19]<\/a><\/p>\n<p>Dabei stimmt sie der italienischen Philosophin Silvia Federici zu, die diesen Bereich als \u201edas verborgene Terrain der Ausbeutung\u201c bezeichnet.<\/p>\n<p>So sehr Power die historischen Errungenschaften des Feminismus hochh\u00e4lt, macht sie darauf aufmerksam, dass er auch \u201ef\u00fcr zutiefst reaktion\u00e4re Ziele eingespannt worden\u201c sei (\u201eRechtfertigung imperialer Kriege\u201c, Durchsetzung bedr\u00fcckender Konsumismusmodelle\u201c), auch m\u00fcsse die F\u00e4higkeit des Kapitalismus beachtet werden, Diskurse und Begriffe f\u00fcr eigene Zwecke umzudeuten, insbesondere seine \u201efrappierende F\u00e4higkeit, selbst die radikalsten Forderungen derart umzumodeln, dass sie neue Ausbeutungsm\u00f6glichkeiten er\u00f6ffnen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eSo wird die Freiheit, derer sich Frauen im Westen angeblich erfeuen, als universalistisches Ideal pr\u00e4sentiert,obwohl doch Gleichheit in den L\u00e4ndern, die die diese Freiheit so gern \u00fcberallhin exportieren m\u00f6chten, nach wie vor ein unvollendetes Projekt bleibt.<\/p>\n<p>Nina Power spricht von einer \u201ezweiten Welle des Feminismus\u201c, die \u201eGender-Ungerechtigkeit\u201c mit Ungerechtigkeiten der Klasse, \u201eRasse\u201c, Sexualit\u00e4t und Nation verband, doch der Kapitalismus konnte Elemente dieses Projekts kurzschlie\u00dfen, untergraben, sich zu eigen machen. Zustimmend zitiert sie Nancy Fraser: \u201eGab es untergr\u00fcndig so etwas wie eine abartige Wahlverschaft zwischen der zweiten Welle des Feminismus und dem Neoliberalismus\u201c:<a href=\"#_ftn20\" name=\"_ftnref20\">[20]<\/a><\/p>\n<p>Hester Eisenstein spricht bereits von einer \u201edritten Welle\u201c: \u201eDer Feminismus des 21. Jahrhunderts dienst sich ideologisch den Prinzipien an, die hinter der Globalisierung stecken.\u201c<a href=\"#_ftn21\" name=\"_ftnref21\">[21]<\/a><\/p>\n<p>Laut Fraser habe \u201eder Feminismus seine Sto\u00dfrichtung zum \u201aschlechtestm\u00f6glichen\u2018 Zeitpunkt zu Lasten der Klassenorientierung auf die Anerkennung von Identit\u00e4t und Differenz verlagert.\u201c<\/p>\n<p>Angesichts \u201eder unheimlichen F\u00e4higkeit des Kapitalismus, die Rhetorik des Feminismus auf seine M\u00fchlen zu leiten,\u201c sieht sich \u201eder Feminismus in der schwierigen Situation, einem System hinterherzuhinken, das sein Projekt regelrecht ausschlachtet, so Nina Power.<\/p>\n<p>\u201eDoch die Grundfragen \u2013 die Rolle des Patriarchats, die Komplizenschaft des Kapitalismus bei der Abwertung der Frauen und Frauenarbeit \u2013 bleiben als solche die Themen eines genuin revolution\u00e4ren Projekts.<\/p>\n<p>Die Tasache, dass in gegenw\u00e4rtigen Diskussionen zum Thema Arbeit der Beitrag feministischer Forschungen und ihrer theoretischen Perspektiven h\u00e4ufig \u00fcbersehen wird, macht \u00fcberdeutlich, wie dringlich die Wiedervereinigung sozialrevolution\u00e4rer und feministischer Ans\u00e4tze ist und wie defizit\u00e4r jede der beiden Seiten ohne die andere bleibt.\u201c<\/p>\n<p>So sehr wir Freidenker an den urspr\u00fcnglichen Zielen der Frauenbewegung festhalten, und auch das Formulieren neuer Ziele, das Beschreiten neuer Wege unterst\u00fctzen, umso entschiedener werden wir Irrwege kritisieren, die das Engagement in systemkonforme Bahnen kanalisieren und zur Apologie des imperialistischen Systems missbrauchen und verf\u00e4lschen wollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Klaus Hartmann ist Bundesvorsitzender des Deutschen Freidenker-Verbandes<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Bundesministerium f\u00fcr Familie, Senioren, Frauen &amp; Jugend: <em>Gender Mainstreaming, was ist das?<\/em><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Europ\u00e4ische Kommission \u2013 Besch\u00e4ftigung, Soziales und Integration: Strategie 2010\u20132015.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> <u>https:\/\/www.gleichstellung-im-blick.de\/frauen-und-gleichstellungsgesetze<\/u><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a>\u00a0<u>https:\/\/www.destatis.de\/DE\/PresseService\/Presse\/Pressemitteilungen\/2018\/03\/PD18_099_621.html<\/u><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a>\u00a0<u>https:\/\/www.vdk.de\/hessen\u2011thueringen\/pages\/vdk-pressemeldung\/73545\/frauenarmut_verhindern<\/u><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a>\u00a0<u>http:\/\/www.bmas.de\/SharedDocs\/Downloads\/DE\/PDF\u2011Pressemitteilungen\/2017\/rentenversicherungsbericht\u20112017.pdf;jsessionid=EB1F7E6E5F263D3CE33C9FCF067BCC22?__blob=publicationFile&amp;v=2<\/u><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a>\u00a0<u>http:\/\/www.zeit.de\/2013\/24\/genderforschung-kulturelle-unterschiede\/komplettansicht<\/u><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a>\u00a0<u>https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article9339873\/Europarat-will-Mutter-und-Vater-abschaffen.html <\/u><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a>\u00a0<u>http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/beim-thema-genderpolitik-hoert-in-deutschland-der-spass-auf-a-890180.html<\/u><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> S\u00fcddeutsche Zeitung, Do 24.04.2014 Seite 9 Feuilleton Was sie noch nie \u00fcber Sex wissen wollten<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a>\u00a0<u>http:\/\/www.tagesspiegel.de\/weltspiegel\/gender-debatte-tv-bericht-biologen-widersprechen-gender-theorie\/8309672.html<\/u><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Focus, 13.06.2013<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> <u>http:\/\/www.zeit.de\/2013\/24\/genderforschung-kulturelle-unterschiede\/komplettansicht<\/u><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a>\u00a0<u>http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/beim-thema-genderpolitik-hoert-in-deutschland-der-spass-auf-a-890180.html<\/u><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> Bl\u00e4tter f\u00fcr deutsche und internationale Politik, Nr. 7\/2017, S. 79 ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref16\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a> ebenda<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref17\" name=\"_ftn17\">[17]<\/a> <u>https:\/\/www.postwachstum.de\/feministische-bausteine-fuer-die-zukunft-20160824 <\/u><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref18\" name=\"_ftn18\">[18]<\/a> Nina Power: \u201eDie eindimensionale Frau\u201c. Merve Verlag, Berlin 2010, 80 Seiten, 8 Euro<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref19\" name=\"_ftn19\">[19]<\/a> Bl\u00e4tter f\u00fcr deutsche und internationale Politik, Nr. 3\/2018, S. 59 ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref20\" name=\"_ftn20\">[20]<\/a> Feminismus, Kapitalismus und die List der Geschichte, Bl\u00e4tter f\u00fcr deutsche und internationale Politik, Nr. 3\/2018, S. 43 ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref21\" name=\"_ftn21\">[21]<\/a> Hester Eisenstein, Feminism Seduced. How Global Elites Use Woman\u2018s Labor and Ideas to Exploit the world, London 2009<\/p>\n<hr \/>\n<h5>Download<\/h5>\n<p>Der Artikel kann auch als PDF-Dokument angesehen und heruntergeladen werden:<\/p>\n<p><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"1076\" data-permalink=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?attachment_id=1076\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/pdf_icon-2.png?fit=32%2C32&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"32,32\" data-comments-opened=\"0\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"pdf_icon\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/pdf_icon-2.png?fit=32%2C32&amp;ssl=1\" class=\"alignnone size-full wp-image-1076\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/pdf_icon-2.png?resize=32%2C32&#038;ssl=1\" alt=\"\" width=\"32\" height=\"32\" \/> <a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Freidenker_2018-02_Hartmann-Unuebersichtlichkeit.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Klaus Hartmann: Das gro\u00dfe Durcheinander<\/a> (Auszug aus FREIDENKER 2-18, ca. 462 KB)<\/p>\n<hr \/>\n<p>Bild: pixabay.com, User: <a href=\"https:\/\/pixabay.com\/de\/malen-make-up-cracky-m%C3%A4dchen-2985569\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ivanovgood<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><strong>Beitrag von Klaus Hartmann aus FREIDENKER 2-18<\/strong><br \/>\n\u201eGender\u201c \u2013 das Problem beginnt schon beim Begriff: Wie hei\u00dft das eigentlich? \u201eGenderismus\u201c? Es gibt Gender-Forschung, Gender-Politik, Gender-Ideologie, und Kritker sprechen vom \u201eGender-Wahn\u201c.<br \/>\nIm offiziellen Sprachgebrauch ist die Rede \u2013 auch in Deutschland \u2013 von \u201eGender Mainstreaming\u201c. Der Anglizismus l\u00e4sst schon einen nicht unerheblichen Teil der Bev\u00f6lkerung ratlos zur\u00fcck. Deshalb muss ihn die Bundesregierung dem Wahlvolk erkl\u00e4ren, und das macht sie so: &#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":5215,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","advanced_seo_description":"","jetpack_seo_html_title":"","jetpack_seo_noindex":false,"jetpack_post_was_ever_published":false,"footnotes":""},"categories":[12],"tags":[1054,1058,1059,1055,1053,1060],"class_list":["post-5209","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-demokratie-medien-aufklaerung","tag-feminismus","tag-frauenbewegung","tag-frauenfoerderung","tag-frauenrechte","tag-gender-politik","tag-soziale-sicherheit"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/paint-2985569_800x445.jpg?fit=800%2C445&ssl=1","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p9stpK-1m1","jetpack-related-posts":[{"id":5198,"url":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=5198","url_meta":{"origin":5209,"position":0},"title":"FREIDENKER 2-18 \u2013 Genderismus","author":"Webredaktion","date":"15. 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