{"id":426,"date":"2012-10-16T19:19:41","date_gmt":"2012-10-16T17:19:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.freidenker.org\/fw17\/?p=426"},"modified":"2018-02-18T15:24:54","modified_gmt":"2018-02-18T14:24:54","slug":"eurokrise-krieg-und-die-europastratgien-des-deutschen-kapitals","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=426","title":{"rendered":"Eurokrise, Krieg und die Europastratgien des Deutschen Kapitals"},"content":{"rendered":"<p><em>Dieser Beitrag ist im <a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=761\">FREIDENKER 3-12<\/a> &#8222;ESM &#8211; Keine Rettung vor Krisden und Kriegen&#8220; erschienen.<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p><strong><em>von Stefan Eggerdinger<br \/>\n<\/em><\/strong><\/p>\n<blockquote><p><em>Atque ubi solitudinem faciunt pacem <\/em><em>appellant.<\/em><br \/>\n<em>Und wo sie eine W\u00fcste hinterlassen, nennen <\/em><em>sie das Frieden.<\/p>\n<p><\/em>Tacitus, Agricola<\/p><\/blockquote>\n<p>Allzuoft n\u00e4mlich schl\u00e4gt dem, der die Dinge beim Namen nennt, entgegen: \u201eDas ist aber ein erschreckendes Bild\u201c, Oder \u201eAber sei bitte nicht wieder so d\u00fcster!\u201c Und dann hebt eine unselige Debatte an, die meistens eingeleitet wird mit: \u201eDu hast ja recht, aber wir m\u00fcssen die Menschen da abholen, wo sie sind.\u201c<br \/>\nWas um alles in derWelt ist daran d\u00fcster, wenn die Tatsache vor aller Augen liegt, dass das historisch letzte Ausbeutersystem durch seine eigenen Widerspr\u00fcche an sein Ende gekommen ist? Was ist daran d\u00fcster, wenn wir feststellen m\u00fcssen: Dass es f\u00e4llt und ob es f\u00e4llt, liegt nur an uns. Vor allem an denArbeitern, die allein die l\u00e4ngst vorbereitete gesellschaftlich planm\u00e4\u00dfige Produktion der Zukunft organisieren k\u00f6nnen. Aber auch an den Angestellten, der werkt\u00e4tigen Intelligenz, den Bauern, den kleinen Gewerbetreibenden \u2013 kurz an allen, die nicht zu der immer kleiner werdenden Minderheit der Ausbeuter geh\u00f6ren. D\u00fcster kann das hier Vorgetragene doch nur nennen, wer am Kapitalismus h\u00e4ngt; wer glaubt und dem Volk einreden m\u00f6chte, es w\u00fcrde wieder besser werden, wenn wir nur die passenden Hebel im System selbst finden k\u00f6nnten.<br \/>\nDer Kommunismus hat l\u00e4ngst begonnen, und nichts beweist dies besser als die derzeitige umfassende Krise seines historischen Vorg\u00e4ngers. \u201eWir nennen Kommunismus die wirkliche Bewegung, welche den jetzigen Zustand aufhebt. Die Bedingungen dieser Bewegung ergeben sich aus der jetzt bestehenden Voraussetzung.\u201c1 Was wir zu tun haben ist: die Totengr\u00e4ber organisieren. Und hier liegt eine gewaltige Aufgabe vor der organisierten Arbeiterbewegung. Gerade hier darf nichts sch\u00f6ngeredet werden. Noch jede der bisher zwei Weltwirtschaftskrisen in Zeiten des Imperialismus hat zuWeltkriegen gef\u00fchrt.<br \/>\nNie aber war diese Kraft der internationalen Arbeiterbewegung einer solchen Lage gegen\u00fcber so geschw\u00e4cht wie heute. Vor dem 1. imperialistischenWeltkrieg verf\u00fcgte die internationale Arbeiterbewegung in den Bolschewiki \u00fcber eine Kraft, die weit \u00fcber Ru\u00dfland hinaus organisierend wirkte und zwar den Ausbruch des V\u00f6lkerschlachtens nicht verhindern konnte, aber die Arbeiter und Bauern Ru\u00dflands dazu f\u00fchrte, durch die Revolution aus dem Krieg auszuscheiden. Vor dem 2. imperialistischenWeltkrieg verf\u00fcgten die Arbeiter \u00fcber kommunistische Parteien, die (wie die franz\u00f6sische Partei) durch eine kluge Politik der Volksfront den Faschismus bek\u00e4mpften und an der Vorbereitung der Macht der Arbeiter arbeiteten \u2013 ganz zu schweigen davon, dass es vor allem den Arbeitern an der Macht zu danken war, dass der aggressivste Imperialismus in diesem Krieg geschlagen werden konnte.<br \/>\n\u00dcber solche Waffen verf\u00fcgen wir angesichts der dritten Weltwirtschaftskrise (von der die Kredit- und \u201eEurokrise\u201c nur ein Teil ist) heute nicht, nicht mehr und noch nicht. Vers\u00f6hnlertum, Opportunismus und Revisionismus haben die gewaltige Niederlage in den ehemals sozialistischen L\u00e4ndern herbeigef\u00fchrt und zugleich zur L\u00e4hmung der organisierten Arbeiterbewegung der \u00fcberwiegenden Mehrheit der L\u00e4nder, die noch keine Revolution gemacht haben, gef\u00fchrt.<br \/>\nDas aber ist unsere Schw\u00e4che. Es ist nicht die St\u00e4rke des Feinds. Unsere Schw\u00e4che aber k\u00f6nnen wir \u00fcberwinden. Wir haben, unter anderen Vorzeichen, uns des Ratschlags von Friedrich Engels nach der Niederlage der Demokraten in der b\u00fcrgerlichen Revolution von 1848 zu entsinnen: \u201eAlleWelt wei\u00df heutzutage, da\u00df jeder revolution\u00e4ren Ersch\u00fctterung ein gesellschaftliches Bed\u00fcrfnis zugrunde liegen mu\u00df, dessen Befriedigung durch \u00fcberlebte Einrichtungen verhindert wird. Das Bed\u00fcrfnis mag noch nicht so dringend, so allgemein empfunden werden, um einen unmittelbaren Erfolg zu sichern; aber jederVersuch einer gewaltsamen Unterdr\u00fcckung wird es nur immer st\u00e4rker hervortreten lassen, bis es seine Fesseln zerbricht. Sind wir also einmal geschlagen, so haben wir nichts anderes zu tun, als wieder von vorn anzufangen.\u201c2<br \/>\nWenn wir \u201edie Menschen da abholen sollen, wo sie sind\u201c, \u2013 dann muss man ihnen zun\u00e4chst einmal offen sagen, wo sie denn sind! Man darf sie nicht anl\u00fcgen. Und wir diskutieren hier nicht \u00fcber \u201egro\u00dfe Schritte\u201c oder \u201ekleine Schritte\u201c, mit denen man angeblich anfangen muss. Die Frage ist: Schritte in welche Richtung.<br \/>\nNat\u00fcrlich ist es ein winzig kleiner Schritt, wenn im Kampf gegen den kommenden Krieg ein paar Dutzend revolution\u00e4reArbeiter und Jugendliche auf f\u00fcnf historischen LKWs durch die annektierte DDR, die Tschechische Republik und Polen fahren, um aufzukl\u00e4ren \u00fcber den drohenden deutschen Krieg, um sich selbst und andere dagegen zu organisieren (wie in der internationalen Antikriegsaktion \u201eKlassenkampf statt Weltkrieg\u201c im Mai 2011.) Es ist ein Schritt in die richtige Richtung, in die Richtung der Formierung der Bataillone, die den einzig m\u00f6glichen praktischen Schluss aus dem Elend des sterbenden Kapitalismus ziehen und die l\u00e4ngst morscheMauer zum Einsturz bringen k\u00f6nnen.<br \/>\nEs ist ein gro\u00dfer Schritt, eine \u201eFinanztransaktionssteuer\u201c einzurichten. Man braucht dazu sehr viel: die Regierungen einander spinnefeind gegen\u00fcberstehender imperialistischer Staaten, ein Europaparlament etc. etc. Es ist ein Schritt in die falsche Richtung. In die Richtung der Vers\u00f6hnung mit der Deutschen Bank, in die Richtung der T\u00e4uschung und Entmutigung der Arbeiter und desVolks, in die Richtung ihrer Entwaffnung. Es ist also ein j\u00e4mmerlicher Vorschlag. Schon deshalb, weil er, wie zu zeigen sein wird, von nichts durch nichts zu nichts f\u00fchren kann.<br \/>\nLasst uns also den Rat Rosa Luxemburgs beherzigen: \u201eWie Lassalle sagte, ist und bleibt die revolution\u00e4rste Tat, immer \u201adas laut zu sagen, was ist\u2018.\u201c<\/p>\n<p><strong>Der Krieg und die Europapl\u00e4ne des deutschen Kapitals<\/strong><\/p>\n<p>Dass wir in Vorkriegszeiten leben, pfeifen die Kanzlerinnen von den Rednerpulten. \u201eNiemand sollte glauben, dass ein weiteres halbes Jahrhundert Frieden und Wohlstand in Europa selbstverst\u00e4ndlich ist. Es ist es nicht. Deshalb sage ich: Scheitert der Euro, dann scheitert Europa. Das darf nicht passieren.\u201c (Angela Merkel in ihrer Erkl\u00e4rung vor dem Deutschen Bundestag zum EUSondergipfel am 26.11.2011)<br \/>\nSeit General Naumanns Diktum: \u201eEs gelten nur noch zwei W\u00e4hrungen in der Welt: Wirtschaftliche Macht und milit\u00e4rische Mittel, sie durchzusetzen\u201c3 zieht sich nicht nur die Kriegsdrohung, sondern die Weltkriegsdrohung durch die Reden bundesdeutscher Politiker, die Ausarbeitungen bundesdeutscher think tanks und auch den Staatsumbau ins Milit\u00e4rische und Geheimpolizeiliche \u2013 alles illegal und v\u00f6lkerrechtswidrig \u2013, der beschleunigt seit 2006 in dieser Republik vollzogen wird.4<br \/>\nDie Bertelsmann-Stiftung schreibt in ihrem \u201eVenusberg-Bericht\u201c von 2007 ganz offen von Kriegen gegen \u201eGro\u00dfm\u00e4chte\u201c, auf die sich Europa \u201ejenseits von 2010\u201c einzustellen habe.5 Bemerkenswert ist dabei, wie immer wieder, und nicht nur bei Merkel, Bezug auf den Euro genommen wird. So als Kanzler Schr\u00f6der am 30. November 1999 vor der franz\u00f6sischen Nationalversammlung ausf\u00fchrte: \u201eDer Euro ist als Weltw\u00e4hrung neben den Dollar getreten, der europ\u00e4ische Binnenmarkt ist der gr\u00f6\u00dfte Wirtschaftsraum weltweit. &#8230; Europa darf international nicht Beobachter sein, sondern\u00a0\u00a0 muss als starker Akteur auftreten, der die Schaffung der globalen Ordnung f\u00fcr das 21. Jahrhundert entscheidend mitbestimmt. Dies setzt voraus, dass wir Europ\u00e4er in der Welt mit einer Stimme sprechen und unseren Anliegen gemeinsam und wirkungsvoll Geltung verschaffen. In einem n\u00e4chsten Schritt m\u00fcssen wir nun darangehen, die Grundlagen f\u00fcr eine europ\u00e4ische Sicherheits- und Verteidigungspolitik &#8230;, zu schaffen. Im Vordergrund steht dabei neben der Schaffung krisentauglicher Entscheidungsmechanismen vor allem die Verbesserung der milit\u00e4rischen F\u00e4higkeiten der EU.\u201c6<br \/>\nDie hier allenthalben auftauchende Verkn\u00fcpfung von \u201eW\u00e4hrung\u201c und \u201eKrieg\u201c ist kein Zufall. Die aktuelleWeltwirtschaftskrise ist die tiefste in der Geschichte des Kapitalismus, und vor allem die l\u00e4ngste, denn sie zieht sich jetzt ins f\u00fcnfte Jahr. Alle bisherigen Weltwirtschaftskrisen hatten Elemente in sich, die den Marsch in den Krieg beschleunigten. Sowohl die von 1907, nach kurzer Unterbrechung einen neuen Anlauf nehmend 1913, als auch die von 1929 bis 1932. Die von 1913 wurde in ihrem vollen Ausbruch durch den Krieg unterbrochen, die sogenannte \u201egro\u00dfe Depression\u201c von 1929 bis 1932 konnte sogar nur durch massive staatliche, au\u00dfer\u00f6konomische Eingriffe beendet werden, letzten Endes durch Kriegsproduktion und Krieg.<br \/>\n\u201eWenn Sie einmal sehen wollen, welcher Anstrengungen es tats\u00e4chlich bedarf, um die Wirtschaft aus einer Schuldenfalle zu befreien, dann betrachten Sie das massive, \u00f6ffentliche Besch\u00e4ftigungsprogramm, das die Gro\u00dfe Depression beendete, besser bekannt unter dem Begriff \u201a2. Weltkrieg\u2018.\u201c (Der US-\u00d6konom Paul Krugman) Denn der Kapitalismus war und ist l\u00e4ngst nicht mehr in der Lage, sich aus Weltwirtschaftskrisen mit \u00f6konomischen Mitteln wieder zu befreien.<br \/>\nAber diese beiden vorangegangenen Weltwirtschaftskrisen zeichnet noch etwas anderes aus. Sie waren jeweils Ansto\u00df zur Verwirklichung der Europapl\u00e4ne eines deutschen Kapitals, das, bei der Aufteilung der Welt zu sp\u00e4t und zu kurz gekommen, zum Kampf um die Weltherrschaft noch jedesmal mit der Herrschaft \u00fcber Europa beginnen musste. Und die sollte durchaus nicht in der offen brutalen und terroristischen Form durchgef\u00fchrt werden, die das \u201edeutsche Europa\u201c unter den Hitlerfaschisten annahm. So hei\u00dft es in den Kriegszielrichtlinien des Reichskanzlers Bethmann Hollweg vom 9. September 1914: \u201eEs ist zu erreichen die Gr\u00fcndung eines mitteleurop\u00e4ischen Wirtschaftsverbandes durch gemeinsame Zollabmachungen, unter Einschlu\u00df von Frankreich, Belgien, Holland, D\u00e4nemark, \u00d6sterreich- Ungarn, Polen und evtl. Italien, Schweden und Norwegen. Dieser Verband, wohl ohne gemeinsame konstitutionelle Spitze, unter \u00e4u\u00dferlicher Gleichberechtigung seiner Mitglieder, aber tats\u00e4chlich unter deutscher F\u00fchrung, muss die wirtschaftliche Vorherrschaft Deutschlands \u00fcber Mitteleuropa stabilisieren.\u201c7<br \/>\nAls die Schlacht um Stalingrad verloren und die Blitzkriegsstrategie endg\u00fcltig gescheitert war, wurde Teilen des faschistischen Staatsapparats klar, dass das Reich einen wirklichen Weltkrieg weder milit\u00e4risch noch \u00f6konomisch bestehen w\u00fcrde. Am 9. September 1943 entwarf das Ausw\u00e4rtige Amt eine Denkschrift \u00fcber die Schaffung eines Europ\u00e4ischen Staatenbundes, in der nicht nur der ber\u00fcchtigte Satz zu finden ist: \u201eDer Kampf Deutschlands gegen England ist der europ\u00e4ische Einigungskrieg\u201c, sondern eben auch dies: \u201eDie L\u00f6sung der europ\u00e4ischen Frage kann nur auf f\u00f6derativer Basis herbeigef\u00fchrt werden, indem die europ\u00e4ischen Staaten sich aus freiem, der Einsicht der Notwendigkeit entsprungenen Entschlu\u00df zu einer Gemeinschaft souver\u00e4ner Staaten zusammenschlie\u00dfen.\u201c8<br \/>\nMan beachte: Das waren Kriegsziele und wurden als solche begriffen und verfolgt. Insbesondere vor und im 2. Weltkrieg war die Ausgangsbasis f\u00fcr den Kampf um die Weltherrschaft und gegen dieArbeitermacht in der UdSSR anders auch gar nicht herstellbar. Der Staat der deutschen Monopole war hoch verschuldet, litt an Rohstoff-, Devisen- und Lebensmittelknappheit. Die Herrschaft \u00fcber einen gro\u00dfen Teil des europ\u00e4ischen Kontinents war zum einen die Voraussetzung daf\u00fcr, \u00fcberhaupt in den Besitz der materiellen Mittel f\u00fcr einen Weltkrieg zu kommen, zum anderen war sie angesichts der \u00f6konomischen Schw\u00e4che des deutschen Imperialismus anders als mit milit\u00e4rischen Mitteln nicht zu bekommen.<br \/>\nEs war also weder \u201eIrrsinn\u201c noch \u201eGr\u00f6\u00dfenwahn\u201c Hitlers, was zum Anschluss \u00d6sterreichs, zur Okkupation des \u201eSudetengebiets\u201c, zur anschlie\u00dfenden \u2013 wie man es nannte \u2013 \u201eErledigung der Rest-Tschechei\u201c und zum Angriff auf Polen trieb, der dann der Ausl\u00f6ser f\u00fcr den Weltkrieg wurde. Es war schlicht notwendig.<br \/>\nDie \u201eStabilisierung der wirtschaftlichen Vorherrschaft Deutschlands \u00fcber Mitteleuropa\u201c (Bethmann Hollweg), die \u201eeurop\u00e4ische Verbr\u00e4mung unseres Machtwillen\u201c (Kurt Riezler, pers\u00f6nlicher Referent des Reichskanzlers Bethmann Hollweg, in einem Tagebucheintrag 19159) scheint heute erreicht, die \u201eBerufung der Deutschen\u201c10 erf\u00fcllt, ohne dass ein Schuss gefallen w\u00e4re. Nach der Annexion der DDR, durch seine Vormachtstellung bei derAneignung gesellschaftlichen Reichtums in den ehemals sozialistischen L\u00e4ndern Osteuropas hat der deutsche Imperialismus sich \u00f6konomische Ressourcen des Kontinents in einem Ausma\u00df einverleibt, das im letzten Jahrhundert nur Ergebnis von Kriegen sein konnte.<br \/>\nUnd doch scheint auf der politischen Ebene der H\u00f6hepunkt \u00fcberschritten. Es gelang derMerkel-Regierung zwar noch, den meisten Regierungschefs Europas dieAushungerung im sogenannten \u201eFiskalpakt\u201c aufzuzwingen. (\u201eSelbstverst\u00e4ndlich entscheiden die europ\u00e4ischen Regierungschefs eigenst\u00e4ndig und in voller nationaler Souver\u00e4nit\u00e4t dar\u00fcber, wie sie Frau Merkels Befehle ausf\u00fchren.\u201c 11)Aber die Tinte unter deren Unterschrift war noch nicht trocken, als ein europ\u00e4ischer Staat nach dem anderen erkl\u00e4rte, diesen Pakt keinesfalls einhalten zu k\u00f6nnen und zu wollen. Wo aber Vertr\u00e4ge nicht nur gebrochen, wo Vertr\u00e4ge mit der erkl\u00e4rten Absicht geschlossen werden, gegen sie zu versto\u00dfen, da ist Kohls \u201eeurop\u00e4ischer Ausgleich\u201c unter deutscher F\u00fchrung gescheitert, funktioniert Riezlers \u201eeurop\u00e4ische Verbr\u00e4mung\u201c deutschen Machtwillens nicht mehr, und r\u00fcckt der Normalzustand des untergehenden Kapitalismus, der Krieg n\u00e4her und n\u00e4her; und ist Frau Merkels Drohung im Bundestag (siehe oben) eben kein Ausrutscher.<br \/>\nMachen wir uns nichts vor: Die Herrschenden reden vom Krieg. Und wenn die Krieg sagen, dann meinen die Krieg. So sieht die \u201eDeutsche Gesellschaft f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Politik\u201c, f\u00fchrende Denkfabrik f\u00fcr k\u00fcnftige deutsche Weltmachtrollen, die Welt von morgen, n\u00e4mlich: wie die Welt von gestern: \u201eWenn Ru\u00dfland, China, Indien, die USA und andere M\u00e4chte permanent um Interessensph\u00e4ren streiten, sich belauern und zu \u00fcbertrumpfen suchen, sind wir wieder da angelangt, wo Europa vor dem Ersten Weltkrieg stand. Der Ausbruch eines gro\u00dfen Krieges wird wieder denkbar, zumindest Stellvertreterkriege sind zu erwarten. Weltpolitik wird zum Nullsummenspiel, zum Kampf um nationale Vorteile auf Kosten der Anderen. Internationale Institutionen und internationale Vertr\u00e4ge verlieren an Geltung. Alle Fortschritte der vergangenen Jahrzehnte auf demWeg zu einer sichereren, friedlicheren und freieren Weltgemeinschaft w\u00fcrden aufs Spiel gesetzt. Eine darwinistische Konkurrenz der Starken, bei der die Schwachen zu Spielb\u00e4llen w\u00fcrden.\u201c 12<br \/>\nAber die Schwachen sind l\u00e4ngst zu \u201eSpielb\u00e4llen\u201c geworden (wenn man unbedingt euphemistisch formulieren will). Wie soll es denn zum Krieg kommen, wenn die deutschen Monopole die stets angestrebte Vorherrschaft in Europa doch weitgehend ohne den Einsatz des Milit\u00e4rs erreicht haben? Diese Frage ist zun\u00e4chst zutiefst chauvinistisch und zynisch: Den Frieden gesichert durch einen Zustand, der den letzten Kriegszielen immer mehr gleicht?<br \/>\nBedeutet deutsche Vorherrschaft nicht, dass zur Rettung der deutschen Bankprofite Griechenland seiner H\u00e4fen, Flugh\u00e4fen und Krankenh\u00e4user beraubt wird, Hunderttausende kleiner Gewerbetreibender ihre Existenz verlieren, jeder zweite Jugendlicheohne Chance auf eine Zukunft ist, Kinder in den Schulen vor Hunger zusammenbrechen und die Arbeiter, so sie \u00fcberhaupt noch Arbeit haben, von 26 Euro am Tag ihre Familie ern\u00e4hren sollen? 13 Hei\u00dft nicht die erreichte deutsche Vorherrschaft iWaffen nicht ersetzen kann. 14<\/p>\n<p>Quellenhinweis<\/p>\n<p>[1] Karl Marx\/Friedrich Engels: Feuerbach. Gegensatz von materialistischer und idealistischer Anschauung. Berlin (DDR) 1988, S. 40<br \/>\n[2] Friedrich Engels: Revolution und Konterrevolution in Deutschland. MEW Bd. 8, S. 5<br \/>\n[3] Der Spiegel, 18.1.1993 \u2013 Naumann war damals Abteilungsleiter f\u00fcr Milit\u00e4rpolitik im F\u00fchrungsstab der Bundeswehr. Ein paar Jahre sp\u00e4ter leitete er als Vorsitzender des NATO-Milit\u00e4rausschusses ma\u00dfgeblich den ersten deutschen Krieg nach derAufk\u00fcndigung der Nachkriegsordnung durch die bundesdeutsche Annexion der DDR (\u201eGenscher\u2019s War\u201c) gegen die Bundesrepublik Jugoslawien.<br \/>\n[4] Siehe hierzu chronologisch und umfassend: Aktionsausschu\u00df Notstand der Republik, Gegen den Notstand der Republik, Heft 1, 2006 bis 2009, M\u00fcnchen 2009. Ein Folgeband bis 2012 ist vom Verlag Das Freie Buch angek\u00fcndigt.<br \/>\n[5]Bertelsmann-Stiftung: Beyond 2010. European Grand Strategy in a Global Age. G\u00fctersloh 2007.<br \/>\n[6] Zit. nach Gerald Oberansmayr: \u201eDenn der Menschheit drohen Kriege&#8230;\u201c. In: Lunapark21, Heft 17\/2012, S. 41<br \/>\n[7] Zit. nach Reinhard Opitz (Hrgb.): Europastrategien des deutschen Kapitals. Bonn 1994, S. 217. Zu den Kriegszielen des 1. Weltkriegs siehe auch: Eggerdinger: Von Anschlu\u00df an die Centralmacht. Streitbarer Materialismus Nr. 14, M\u00fcnchen 1991<br \/>\n[8] Opitz, a.a.O., S. 957 und 959<br \/>\n[9] Zitiert nach Reinhard Opitz: Europastrategien des deutschen Kapitals, Bonn 1994, S. 304<br \/>\n[10] \u201eWir sind ein zutiefst europ\u00e4isches Land; die Berufung der Deutschen liegt im europ\u00e4ischen Ausgleich.\u201c (Helmut Kohl, 1991)<br \/>\n[11] Frankfurter Allgemeine Zeitung, 5.3.2012, S. 12<br \/>\n[12] Ulrich Speck: Pfeiler der Freiheit. In: Internationale Politik, Mai\/Juni 2012. Das Heft steht \u00fcbrigens unter dem Leitthema \u201eIn F\u00fchrung gehen\u201c.<br \/>\n[13] Das in Griechenland derzeit meist verkaufte Buch hei\u00dft \u201eHungerrezepte\u201c und bringt \u201eKochrezepte\u201c aus der Zeit der deutschen Besatzung im 2. Weltkrieg, als 600.000 Griechen an dieser Besatzung und der Auspl\u00fcnderung ihres Landes verhungerten.<br \/>\n[14] \u201eDie \u00f6konomische Wissenschaft kann in der sittlichen Entr\u00fcstung, und w\u00e4re sie noch so gerechtfertigt, keinen Beweisgrund sehen, sondern nur ein Symptom. Ihre Aufgabe ist vielmehr, die neu hervortretenden gesellschaftlichen Mi\u00dfst\u00e4nde als notwendige Folgen der bestehenden Produktionsweise, aber auch gleichzeitig als Anzeichen ihrer hereinbrechenden Aufl\u00f6sung nachzuweisen, und innerhalb der sich aufl\u00f6senden \u00f6konomischen Bewegungsform die Elemente der zuk\u00fcnftigen, jene Mi\u00dfst\u00e4nde beseitigenden, neuen Organisation der Produktion und des Austausches aufzudecken.\u201c (Friedrich Engels: Herrn Eugen D\u00fchrings Umw\u00e4lzung derWissenschaft. MEW Bd. 20, S. 139)<\/p>\n<hr \/>\n<p>Bild: https:\/\/pixabay.com\/de\/users\/DasWortgewand-8385\/Reimund Bertrams<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><strong>Beitrag von Stefan Eggerdinger aus FREIDENKER 3-12<\/strong><br \/>\nAllzuoft schl\u00e4gt dem, der die Dinge beim Namen nennt, entgegen: \u201eDas ist aber ein erschreckendes Bild\u201c, Oder \u201eAber sei bitte nicht wieder so d\u00fcster!\u201c &#8230;<br \/>\nWas um alles in derWelt ist daran d\u00fcster, wenn die Tatsache vor aller Augen liegt, dass das historisch letzte Ausbeutersystem durch seine eigenen Widerspr\u00fcche an sein Ende gekommen ist? Was ist daran d\u00fcster, wenn wir feststellen m\u00fcssen: Dass es f\u00e4llt und ob es f\u00e4llt, liegt nur an uns. Vor allem an den Arbeitern, die allein die l\u00e4ngst vorbereitete gesellschaftlich planm\u00e4\u00dfige Produktion der Zukunft organisieren k\u00f6nnen. Aber auch an den Angestellten, der werkt\u00e4tigen Intelligenz, den Bauern, den kleinen Gewerbetreibenden \u2013 kurz an allen, die nicht zu der immer kleiner werdenden Minderheit der Ausbeuter geh\u00f6ren. <\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":427,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","advanced_seo_description":"","jetpack_seo_html_title":"","jetpack_seo_noindex":false,"jetpack_post_was_ever_published":false,"footnotes":""},"categories":[12],"tags":[187,981,188],"class_list":["post-426","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-demokratie-medien-aufklaerung","tag-eurokrise","tag-kapital","tag-krieg"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/Eurokriese.jpg?fit=800%2C445&ssl=1","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p9stpK-6S","jetpack-related-posts":[{"id":16911,"url":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=16911","url_meta":{"origin":426,"position":0},"title":"Gef\u00fchlsarmut + Kinderarmut = Ampelpolitik","author":"Webredaktion","date":"12. 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