{"id":361,"date":"2008-12-17T14:50:30","date_gmt":"2008-12-17T13:50:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.freidenker.org\/fw17\/?p=361"},"modified":"2018-02-18T17:40:04","modified_gmt":"2018-02-18T16:40:04","slug":"freidenker-gegen-alle-widerstaende","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=361","title":{"rendered":"Freidenker gegen alle Widerst\u00e4nde"},"content":{"rendered":"<h2>Die deutschen Freidenker vor, in und nach der Novemberrevolution 1918<\/h2>\n<p><em>Aus: <a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=520\">&#8222;Freidenker&#8220; Nr. 4-08<\/a>\u00a0\u00a0 67. Jahrgang &#8211; Thema<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Von Eberhard Schinck<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Die Trennung von Staat und Kirche ist eine allgemeindemokratische Forderung. Sie ist eine der ungel\u00f6sten Aufgaben aus der b\u00fcrgerlichen Revolution von 1848 geblieben. Ihre Verwirklichung besteht als hochaktuelle Herausforderung f\u00fcr uns Freidenker weiter fort. Zwei komplexe Notwendigkeiten sind ungel\u00f6st und stehen auf der Tagesordnung: Einmal muss eine reale Trennung der beiden Institutionen Staat und Kirche in ihren politischen und ideologischen Funktionen, in ihren rechtlichen T\u00e4tigkeitsfeldern und gesellschaftlichen Anspr\u00fcchen sowie in jeglicher wirtschaftlicher Hinsicht erfolgen. Zum anderen besteht die dringende Notwendigkeit der Losl\u00f6sung aller B\u00fcrger aus der irrationalistischen Umklammerung durch sowohl den religi\u00f6sen als auch den weltlichen Irrationalismus und deren innerer Wechselbeziehungen, die in gemeinsamen politischen und \u00f6konomischen Strategien zutage treten.<\/p>\n<p><strong>Freidenkerbewegung \u2013 Bestandteil der Arbeiterbewegung\u00a0 <\/strong><br \/>\nAls sich um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert immer mehr die Auspr\u00e4gung der b\u00fcrgerlichen Klassenstruktur und der ganzen Gesellschaft zum Imperialismus hin vollzog, ver\u00e4nderte sich auch die gesellschaftliche Stellung der Arbeiterklasse in wesentlichen Z\u00fcgen. Ihre Kraft und Potenz als organisierteste, disziplinierteste, kampff\u00e4higste und revolution\u00e4rste Klasse der Gesellschaft ver\u00e4nderten sich qualitativ und quantitativ in starkem Ma\u00dfe. Sie entwickelte sich zur zahlenm\u00e4\u00dfig st\u00e4rksten und am schnellsten wachsenden Klasse. Waren es 1895 10,75 Millionen Menschen, so waren es 1907 bereits 13,5 Millionen Menschen, die der Arbeiterklasse angeh\u00f6rten. Ihre innere Struktur wurde durch den Zentralisationsprozess der Produktion und des Kapitals stark ver\u00e4ndert. Eine starke Zuwanderung von Auslandsarbeitern kam hinzu. 1,4 Millionen jugendliche Arbeiter im Alter von 14 bis 18 Jahren pr\u00e4gten gleichzeitig das neue Bild der Arbeiterklasse.<br \/>\nIn der Arbeiterbewegung gab es 73 Zeitungen mit einer Gesamtauflage von 400.000 Exemplaren. In den Gewerkschaften waren 580.000 Mitglieder organisiert. Streiks, Massenproteste gegen imperialistische R\u00fcstungspolitik, riesige Massenversammlungen gegen antidemokratische Un-terdr\u00fcckungspolitik waren an der Tagesordnung.<br \/>\nDie Sozialdemokratische Partei Deutschlands war um die Jahrhundertwende trotz der sich in ihr entwickelnden opportunistischen Str\u00f6mungen eine revolution\u00e4re, gut organisierte Massenpartei mit einem marxistischen Programm und mit gro\u00dfem Einfluss in der internationalen Arbeiterbewegung. Sie verf\u00fcgte \u00fcber eine Anzahl hervorragender F\u00fchrer mit umfangreicher Massenverbundenheit. Es seien hier solche Namen genannt wie August Bebel, Wilhelm Liebknecht, Paul Singer, Rosa Luxemburg, Franz Mehring, Karl Liebknecht, Wilhelm Pieck, Hermann und K\u00e4the Duncker, Adolph Hoffmann. Die neue Rolle der Arbeiterklasse zog auch viele nichtproletarische demokratische Kr\u00e4fte an, die ihre Interessen ebenfalls durch die Arbeiterbewegung vertreten sahen.<br \/>\nDie Freidenkerbewegung in Deutschland als eine kulturpolitische und atheistisch-weltanschauliche Organisationsform der Arbeiter- und demokratischen Bewegung hatte inzwischen ebenfalls an Umfang und Masseneinfluss gewonnen. Sie war niemals eine in sich abgeschlossene Bewegung, nun aber war sie eine selbst\u00e4ndige gesellschaftliche Kraft geworden. In ihr wurde jedoch nicht immer die Notwendigkeit einer Unabh\u00e4ngigkeit gegen\u00fcber der Rolle von Parteien und ihren Bewegungen erkannt. Sie teilte in ihrer geschichtlichen Entwicklung alle H\u00f6hen und Tiefen, alle St\u00e4rken und auch die Schw\u00e4chen der politischen Arbeiterparteien, der Arbeiterorganisationen und Gewerkschaften.<\/p>\n<p><strong>Ideologische Vorbereitung des Ersten Weltkriegs \u2013 gegen Freidenkertum und sozialistische Ideen<\/strong><br \/>\nUm der revolution\u00e4ren Arbeiterbewegung und ihren Organisationen, so auch dem Freidenkertum, offensiv entgegenzuwirken und die unzufriedenen Volksmassen in das monopolkapitalistische Herrschaftssystem zu integrieren, um sie f\u00fcr die Durchsetzung ihrer Kriegspolitik zu gewinnen, bem\u00fchten sich die herrschenden imperialistischen Kr\u00e4fte besonders nach der Jahrhundertwende darum, ihren ideologischen Einfluss auf die Volksmassen zu verst\u00e4rken.<br \/>\nMilitaristische, antisozialistische Erziehung, besonders der Jugend, wurde verst\u00e4rkt Aufgabe der Volksschule und der Kirchen. Durch Schule, Universit\u00e4t und Kirche, Presse und die b\u00fcrgerlichen Parteien, Propagandaorganisationen und zahllose Vereine sowie nicht zuletzt auch mit Hilfe der sich entwickelnden Vergn\u00fcgungsindustrie wurde die imperialistische Ideologie mit vielf\u00e4ltigen Methoden in das Volk hineingetragen. Hauptinhalte waren Militarismus, Nationalismus, rassistische Auffassungen, Bek\u00e4mpfung demokratischer und sozialistischer Ideen.<br \/>\nZur weltanschaulichen Begr\u00fcndung der chauvinistischen und antidemokratischen Forderungen wurden raffinierte Konzeptionen auf allen Gebieten des geistigen Lebens entwickelt. Als Erscheinungsbild muss man eine allgemeine Neuorientierung der b\u00fcrgerlichen Philosophie nennen. Mit irrationalistischen und mystizistischen Irrlehren, vor allem auch von den Kanzeln, sollten materialistische Erkenntnisse und rationale Erkl\u00e4rungen der Wirklichkeit verhindert werden. Sto\u00dfrichtung war haupts\u00e4chlich die Weltanschauung der revolution\u00e4ren Arbeiterbewegung, aber auch jede progressive, humanistische Denkweise. Propagiert wurden antidemokratische Elitetheorien, die das Streben nach Freiheit, Kultur und Wohlstand f\u00fcr alle Menschen und die Gleichberechtigung aller V\u00f6lker verunglimpften. Die Philosophie Nietzsches wurde gegen alle progressiven Kr\u00e4fte als brutale Machtphilosophie f\u00fcr die ideologische Begr\u00fcndung der Aggressions- und Expansionspolitik des deutschen Imperialismus genutzt. V\u00f6lkische Theorien wurden verbreitet. Zur Verschleierung der Klassengegens\u00e4tze wurde Antisemitismus massenweise zur Volksverhetzung.<br \/>\nDas Kapital erfasste alle Bereiche der geistigen Kultur. Es kaufte die Arbeitskraft der b\u00fcrgerlichen und kleinb\u00fcrgerlichen Intelligenz, reglementierte den Literatur- und Kunstmarkt. Dabei wurden die kapitalistischen Ausbeutungs- und Marktverh\u00e4ltnisse zur Beeinflussung der geistigen Erzeugnisse genutzt. Eine christlich-abendl\u00e4ndische und besonders pseudoromantische Heimatliteratur und Heimatkunst dienten der Irref\u00fchrung der Massen. Besonders in von kirchlichen Kreisen beherrschten l\u00e4ndlichen Gebieten, aber auch in der st\u00e4dtischen Bev\u00f6lkerung, wurde gegen die politischen Massenbewegungen der Arbeiterklasse und der demokratischen Kr\u00e4fte vorgegangen. (Auch) In der Trivialliteratur- und Kunststr\u00f6mung wurden antidemokratische und antisozialistische Grundtendenzen ausgepr\u00e4gt. Auch b\u00fcrgerliche Kunstschaffende f\u00fchlten sich durch die Inhumanit\u00e4t und die Kunstfeindlichkeit, die vom Imperialismus ausging, abgesto\u00dfen.<br \/>\nAuf Grund dieser Entwicklung fiel der Arbeiterklasse nun auf geistig-kulturellem Gebiet immer mehr eine besondere Verantwortung zu. Ihr oblag es immer mehr, dem kulturellen Fortschritt und der geistigen Freiheit die Bahn zu brechen gegen die barbarischen und zerst\u00f6rerischen Tendenzen des Imperialismus. Neue B\u00fcndnisse entstanden.<br \/>\nDiese widerspr\u00fcchliche Situation, auf der einen Seite die Zuspitzung der Aggressivit\u00e4t des Imperialismus nach innen und seine Kriegsvorbereitung nach au\u00dfen sowie andererseits die Zunahme der Unzufriedenheit und Vergr\u00f6\u00dferung der Masse der Arbeiterklasse und der demokratischen Kr\u00e4fte, charakterisierte die Situation vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs. In der Phase der unmittelbaren Kriegsgefahr spalteten jedoch die opportunistischen Kr\u00e4fte in der SPD die progressive Bewegung und liefen auf die Seite der Kriegspartei \u00fcber. Mit der Bewilligung der Kriegskredite am 4. August 1914 erm\u00f6glichten sie dem deutschen Imperialismus den Beginn des Ersten Weltkriegs.<\/p>\n<p><strong>Novemberrevolution \u2013 Auftrieb der Freidenkerbewegung und Wiedergeburt<\/strong><br \/>\nDer Erste Weltkrieg dezimierte die Freidenkerbewegung und zerst\u00f6rte ihre Organisationsformen stark. Das kulturpolitische Leben der Freidenker wurde w\u00e4hrend des Krieges allerorts fast vollst\u00e4ndig zerst\u00f6rt oder g\u00e4nzlich unm\u00f6glich. Im Ergebnis f\u00fchrte der Krieg mit seinen ungeheuerlichen und schrecklichen Folgen allerdings zu einer erbarmungslosen Entlarvung und Diskreditierung der kirchlichen Institutionen und ihrer religi\u00f6s-propagandistischen Mitwirkung am Krieg. Die Macht der Kirchen war aber damit l\u00e4ngst nicht zerbrochen.<br \/>\nDie Novemberrevolution 1918 war eine direkte Reaktion der Unterschichten auf den im Wesentlichen vom deutschen Imperialismus verschuldeten Ersten Weltkrieg. Die unr\u00fchmlichste Rolle hatte dabei die F\u00fchrung der SPD gespielt. Seit dem Tod von August Bebel 1912 steuerten die Leitungen von SPD und Gewerkschaften unter Gustav Bauer und Carl Legien auf die Akzeptanz des Krieges hin. In einer Rede am 29. November 1913 hatte Gustav Bauer erkl\u00e4rt \u201eDie Kriegsfrage ist kein prinzipielles sondern ein taktisches Problem. Es gilt f\u00fcr das Proletariat der einzelnen L\u00e4nder abzuw\u00e4gen, ob der Krieg Vorteile bringen k\u00f6nnte oder nicht, und danach ist ihr Verhalten einzurichten.\u201c (Sebastian Haffner: Die SPD und das Scheitern der Arbeiterbewegung. Berlin 1996, Seite 59.)<br \/>\nDie Novemberrevolution endete letztendlich, weil die sozialdemokratischen F\u00fchrer die Revolution verrieten und die Radikalisierung der Arbeiterschaft bremsten. Die von ihnen ausgegebenen Losungen der Sozialisierung und Entmachtung des Milit\u00e4rs sowie die Abschaffung des imperialen Herrschaftsapparates wurden nicht als L\u00fcgen erkannt. In der Nationalversammlung, die am 6. Februar 1919 unter dem Schutz der reaktion\u00e4ren Freikorps zusammentrat, wurde eine demokratische Institution vermutet, die die revolution\u00e4ren Forderungen k\u00fcnftig w\u00fcrde erf\u00fcllen k\u00f6nnen. Dieser verh\u00e4ngnisvolle politische Irrtum wurde viel zu sp\u00e4t erkannt. Die revolution\u00e4ren K\u00e4mpfe im Jahr 1918 und danach brachten dem Freidenkertum und der sozialistischen Arbeiterbewegung sowie ihren Kulturorganisationen ein gr\u00f6\u00dferes Ma\u00df an Handlungsfreiheit. Sie schw\u00e4chten zugleich die Herrschenden und mit ihnen auch die Kirchen. Es entstand eine breite Kirchenaustrittsbewegung. Waren es 1914 noch 21.000 so waren es 1919 230.000 und 1920 360.000 Kirchenaustritte. (Diese Zahlen beziehen sich nur auf die protestantischen Kirchen, weil die Katholische Kirche ihre Zahlen geheim hielt.)<br \/>\nDie Entwicklung in Folge der Novemberrevolution brachte dem Freidenkerverband mehr M\u00f6glichkeiten f\u00fcr eine selbst\u00e4ndige und breitere Organisation weltanschaulichen und kulturellen Alltags- und Gemeinschaftslebens. Er konnte jetzt mehr Aufgaben im Interesse aller Konfessionsfreien \u00fcbernehmen, die vorher ausschlie\u00dflich von Kirchen geleistet und monopolartig besetzt worden waren. Dadurch wuchs auch die Freidenkerbewegung enorm an. Sie pr\u00e4gte ein v\u00f6llig neues, spezifisches kulturpolitisches Profil innerhalb der Arbeiterbewegung aus.<br \/>\nEs waren offensichtlich haupts\u00e4chlich drei Gr\u00fcnde, die hierf\u00fcr ma\u00dfgeblich waren. Einmal war es die Begeisterung f\u00fcr alles Neue in gro\u00dfen Schichten der Bev\u00f6lkerung und die Zunahme ihres Willens, sich vom kirchlichen Zwang zu befreien. Des Weiteren hatte die revolution\u00e4re Entwicklung ein steigendes Interesse f\u00fcr politische und kulturelle Probleme in bislang indifferenten Volksschichten geweckt. Letztlich waren von gr\u00f6\u00dfter Bedeutung \u201ewirtschaftliche Motive\u201c, weil durch Unterern\u00e4hrung, Kriegsdienst, Krankheiten und Inflation heimgesuchte Arbeitermassen keine M\u00f6glichkeit mehr sahen, f\u00fcr einen Todesfall in der eigenen Familie die Bestattungskosten aufzubringen. Zu den Ergebnissen der Novemberrevolution darf man durchaus solche wichtigen Erfahrungen z\u00e4hlen, obwohl die soziale Frage, die vor der Novemberrevolution gestanden hatte und die Machtfrage nicht gel\u00f6st werden konnten.<\/p>\n<p><strong>Trennung von Staat und Kirche in der Weimarer Verfassung<\/strong><br \/>\nAm 31. Juli 1919 wurde in der Nationalversammlung die b\u00fcrgerliche Weimarer Verfassung angenommen. Am 14. August trat sie in Kraft. Damit war der Prozess der Neukonstituierung der imperialistischen Staatsmacht im Wesentlichen abgeschlossen, wenn nun auch in Form einer b\u00fcrgerlich-parlamentarischen Republik. Fast alle Fraktionen und Gruppen der Bourgeoisie mussten sich, zumindest vor\u00fcbergehend, mit wichtigen sozialen und politischen Zugest\u00e4ndnissen abfinden. Es handelt sich dabei um durch die Novemberrevolution durchgesetzte Forderungen der Werkt\u00e4tigen, die teilweise schon als demokratische Forderungen in der b\u00fcrgerlichen Revolution von 1848 unrealisiert blieben.\u00a0 Zu den durchgesetzten demokratischen Forderungen, die in die Weimarer Verfassung eingingen, geh\u00f6ren einige Grunds\u00e4tze der Freidenkerbewegung, so z.B. der Artikel 137 Abs. 1, der lautet: \u201eEs besteht keine Staatskirche\u201c. Damit war grunds\u00e4tzlich, wenn auch anders formuliert, das Prinzip Trennung von Staat und Kirche in die Verfassung eingegangen. Damit war der Beschluss der Reichsversammlung vom 21. Dezember 1848 in seinen Paragrafen 14 bis 18 erneut als Grundrecht in die Verfassung nun der in Weimar gegr\u00fcndeten Republik eingegeben. Das hei\u00dft, es h\u00e4tte fortan als allgemein demokratischer Grundsatz realisiert werden m\u00fcssen. Wir wissen, dass der Vatikan bzw. der Heilige Stuhl in Rom geschickt man\u00f6vrierte, um diese S\u00e4kularisierung zu verhindern. Seine Konkordatspolitik, die erstmals nach der Niederlage der Weimarer Republik in dem B\u00fcndnis mit Nazideutschland verwirklicht wurde, besteht bis heute fort.<br \/>\nErstens blieben bis heute die rechtlichen finanziellen und kulturellen Privilegierungen der christlichen Kirchen per se als Benachteiligung anderer Religionsgemeinschaften und vor allem konfessionsfreier Weltanschauungsgemeinschaften erhalten. Angesichts der zunehmenden weltweiten Intensivierung der Beziehungen zwischen den V\u00f6lkern und ihren Kulturen ist dies gleichzeitig eine absurde Einengung und Ausgrenzung Andersdenkender und -gl\u00e4ubiger.<br \/>\nZweitens ist eine Privilegierung durch den Staat nicht jene Befreiung der Kirchen von der Bindung an den Staat und des Staates an die Kirche, die dem Anschein nach durch die organisatorische Trennung der kirchlichen von den staatlichen Institutionen erreicht worden sein soll. Die privilegierten Kirchen sind zugleich als Gehorsamsdiener und -mitvollstrecker in das monopolistische Herrschaftssystem eingebunden.<br \/>\nDrittens ist zu fragen, woher dieses gro\u00dfe Interesse des Staates an der Privilegierung der Kirchen kommt. Die religi\u00f6se Legitimation des Staates ist das Bem\u00fchen darum, Existenz und Wirksamkeit der auf dem kapitalistischen System begr\u00fcndeten politischen Macht auf eine allgemeine autoritative Instanz zur\u00fcckzuf\u00fchren, die im \u201eh\u00f6heren Interesse\u201c handelt. Diese Instanz soll den Politikern Glaubw\u00fcrdigkeit, Unverletzlichkeit und Unantastbarkeit verleihen, um der herrschenden Elite Volksn\u00e4he zu bescheinigen und einen demokratischen Heiligenschein zu verpassen.<br \/>\nDeshalb stellt sich unser Freidenker-Verband in der Berliner Erkl\u00e4rung auch heute noch die Kampfaufgabe: \u201eDie Verwirklichung der Trennung von Staat und Kirche ist eine demokratische Selbstverst\u00e4ndlichkeit, die sich zwingend aus der verfassungsm\u00e4\u00dfigen Neutralit\u00e4t des Staates in Religions- und Weltanschauungsfragen ergibt.\u201c In diese Kampfforderung eingebunden ist die Trennung von Schule und Kirche.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Bild: https:\/\/pixabay.com\/de\/users\/AliceKeyStudio \/ Agnieszka<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><strong>Beitrag von Eberhard Schinck aus FREIDENKER 4-08<\/strong><br \/>\nDer Erste Weltkrieg dezimierte die Freidenkerbewegung und zerst\u00f6rte ihre Organisationsformen stark. Das kulturpolitische Leben der Freidenker wurde w\u00e4hrend des Krieges allerorts fast vollst\u00e4ndig zerst\u00f6rt oder g\u00e4nzlich unm\u00f6glich. Im Ergebnis f\u00fchrte der Krieg mit seinen ungeheuerlichen und schrecklichen Folgen allerdings zu einer erbarmungslosen Entlarvung und Diskreditierung der kirchlichen Institutionen und ihrer religi\u00f6s-propagandistischen Mitwirkung am Krieg. Die Macht der Kirchen war aber damit l\u00e4ngst nicht zerbrochen.<br \/>\nDie Novemberrevolution 1918 war eine direkte Reaktion der Unterschichten auf den im Wesentlichen vom deutschen Imperialismus verschuldeten Ersten Weltkrieg. <\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":362,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","advanced_seo_description":"","jetpack_seo_html_title":"","jetpack_seo_noindex":false,"jetpack_post_was_ever_published":false,"footnotes":""},"categories":[12,15],"tags":[26,959,31],"class_list":["post-361","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-demokratie-medien-aufklaerung","category-religions-kirchenkritik","tag-freidenker","tag-novemberrevolution-1918","tag-trennung-von-staat-und-kirche"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/alte_Leuchte.jpg?fit=800%2C445&ssl=1","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p9stpK-5P","jetpack-related-posts":[{"id":22342,"url":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=22342","url_meta":{"origin":361,"position":0},"title":"F\u00fcr die Trennung von Staat und Kirche, Kirche und Schule sowie den Dialog mit religi\u00f6sen Menschen","author":"Webredaktion","date":"9. 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K\u00f6nig Gustav Wasa schloss diese \"Zwangsehe von Thron und Altar\" im Jahre\u2026","rel":"","context":"In &quot;Religions- &amp; Kirchenkritik, S\u00e4kulare Szene&quot;","block_context":{"text":"Religions- &amp; Kirchenkritik, S\u00e4kulare Szene","link":"https:\/\/www.freidenker.org\/?cat=15"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/Flag_Sweden.jpg?fit=800%2C445&ssl=1&resize=350%2C200","width":350,"height":200,"srcset":"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/Flag_Sweden.jpg?fit=800%2C445&ssl=1&resize=350%2C200 1x, https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/Flag_Sweden.jpg?fit=800%2C445&ssl=1&resize=525%2C300 1.5x, https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/Flag_Sweden.jpg?fit=800%2C445&ssl=1&resize=700%2C400 2x"},"classes":[]},{"id":25027,"url":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=25027","url_meta":{"origin":361,"position":5},"title":"Interview mit Klaus Hartmann auf der Demo &#8222;Weltweites Friedenszeichen&#8220;","author":"Webredaktion","date":"27. April 2026","format":false,"excerpt":"Interview von freidenken.TV mit Klaus Hartmann Der Freidenkerverband (gegr. 1881 in Frankfurt) setzt sich seit jeher f\u00fcr Aufkl\u00e4rung, Trennung von Staat und Kirche sowie gegen Krieg und Militarismus ein. Urspr\u00fcnglich als Selbsthilfe f\u00fcr Dissidenten (z. B. gegen Lehrverbote) aktiv, k\u00e4mpft er heute gegen Kriegshetze (NATO, Bundeswehr-\u201eOperationsplan Deutschland\u201c) und die Instrumentalisierung\u2026","rel":"","context":"In &quot;Aktuelles&quot;","block_context":{"text":"Aktuelles","link":"https:\/\/www.freidenker.org\/?cat=574"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/hartmann_yt_friedensdemo_800x450.jpg?fit=800%2C450&ssl=1&resize=350%2C200","width":350,"height":200,"srcset":"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/hartmann_yt_friedensdemo_800x450.jpg?fit=800%2C450&ssl=1&resize=350%2C200 1x, https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/hartmann_yt_friedensdemo_800x450.jpg?fit=800%2C450&ssl=1&resize=525%2C300 1.5x, https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/hartmann_yt_friedensdemo_800x450.jpg?fit=800%2C450&ssl=1&resize=700%2C400 2x"},"classes":[]}],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.freidenker.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/361","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.freidenker.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.freidenker.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freidenker.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freidenker.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=361"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.freidenker.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/361\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freidenker.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/362"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.freidenker.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=361"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freidenker.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=361"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freidenker.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=361"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}