{"id":3278,"date":"2007-12-17T17:14:53","date_gmt":"2007-12-17T16:14:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.freidenker.org\/?p=3278"},"modified":"2018-02-18T23:34:24","modified_gmt":"2018-02-18T22:34:24","slug":"die-maechtigen-und-ihre-heilige-ordnung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=3278","title":{"rendered":"Die M\u00e4chtigen und ihre \u201aheilige Ordnung\u2018"},"content":{"rendered":"<p>Aus: <a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=497\">Freidenker Nr. 4-07 Dezember 2007<\/a>\u00a0\u00a0 66. Jahrgang &#8211; Thema, S. 3- 8<\/p>\n<p>Von <strong><em>Rainer Rupp <\/em><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Seit dem Verschwinden der Sowjetunion sind die Ergebnisse des Zweiten Weltkriegs weitgehend revidiert worden. Folgerichtig droht die Entwicklung in eine Situation zur\u00fcckzukehren, wie wir sie Anfang des 20. Jahrhunderts erlebt haben: Weltkrieg, B\u00fcrgerkrieg, \u201eReligionskrieg\u201c, \u201eGro\u00dfe Spiele\u201c und Krieg der Kontinente. Aber immer geht es um Macht und Ressourcen.<\/p>\n<p>Das Verschwinden der Sowjetunion und die Restauration des alten, ungez\u00fcgelten Kapitalismus und Imperialismus hat nach au\u00dfen wieder starke Kriegskr\u00e4fte freigesetzt.<\/p>\n<p>Zugleich werden nach innen Demokratie und Sozialstaat im Stil der Salami-Taktik schrittweise abgebaut. Derweil unterh\u00f6hlen die sogenannten \u201aReformen\u2018 immer mehr die soziale Sicherheit in der Gesellschaft und schaffen in der Arbeiterklasse das \u201aReserve-Heer\u2018, das stets zu noch niedrigerem Lohn zur Arbeit bereit ist.<\/p>\n<h5>Armut und Reichtum<\/h5>\n<p>\u201eDie Statistiken zeigen inzwischen weltweit, dass seit etwa 15 Jahren vom gesamten Produktivit\u00e4tsfortschritt der Volkswirtschaften bei der Mehrheit der Bev\u00f6lkerung, der arbeitenden Bev\u00f6lkerung, nichts mehr ankommt. Wir haben dort Stagnation oder sogar leichte Verluste der Realeinkommen. Der gesamte Wertzuwachs ist an die obersten Kader sowie die Kapitaleigner gegangen.\u201c (Peter Ulrich, Wirtschaftsethiker Universit\u00e4t St. Gallen).<\/p>\n<p>In Deutschland sieht es nicht anders aus. Wegen der sogenannten \u201aReformen\u2018, h\u00f6heren Abgaben und Steuern (Mehrwertsteuer) und mehr Eigenbeteiligung bleibt der arbeitenden Bev\u00f6lkerung von dem k\u00e4rglichen Einkommen immer weniger.<\/p>\n<p>Nach der Einkommensseite nun zur Verwendungsseite: Weltweit sieht es so aus, dass \u201edie 356 reichsten Familien heute 40% Prozent des Reichtums der Menschheit besitzen\u201c. (Der bekannte linke US-\u00d6konom Jeremy Rifkin in \u201eStuttgarter Zeitung\u201c)<\/p>\n<p>Und die Konzentration des Reichtums geht weiter. Tagt\u00e4glich wird noch mehr Geld von unten nach oben verteilt. Diese Entwicklung f\u00fchrt uns in den Abgrund; denn das System hat keinen Modus zur Selbstkorrektur.<\/p>\n<p>Die intellektuellen, moralischen und gesellschaftlichen Kr\u00e4fte einer Erneuerung sind nicht in Sicht. Das Modell der europ\u00e4ischen Parteiendemokratie ist verbraucht. Zugleich haben sich die Tausendschaften von Milliard\u00e4ren und Million\u00e4ren mit ihrem phantastischen Spekulationsreichtum in ihrem Herren-Status abgekapselt, jetten um die Welt und nehmen von den Problemen \u201ada unten\u2018 kaum noch Notiz.<\/p>\n<p>Ihr global-strategisches \u201eSpekulantentum macht Kriege so logisch wie unverzichtbar\u201c, um eine Formulierung von Gerhard Zwerenz zu benutzen.<\/p>\n<p>Hoffnungsvoll klingt da ein Zitat, nochmals von Peter Ulrich, Wirtschaftsethiker Universit\u00e4t St. Gallen: \u201eMan darf nicht untersch\u00e4tzen, wie rasch sich die Legitimit\u00e4t und die Akzeptanz unseres Wirtschaftssystems aufweichen k\u00f6nnten, wenn das nochmals 10, 15 Jahre so weiter geht.\u201c<\/p>\n<p>Derweil werden die Reichen immer reicher, und die Armen \u00e4rmer. Nicht nur in Deutschland und den anderen hochentwickelten Staaten, sondern auch im Nord-S\u00fcd-Verh\u00e4ltnis.<\/p>\n<h5>Finanzkapital kontra Entwicklung<\/h5>\n<p>Professor Joseph Stiglitz, ehemaliger Chef-\u00f6konom der Weltbank und Nobelpreistr\u00e4ger f\u00fcr \u00d6konomie, selbst dieser Mann des Establishments hat inzwischen eingesehen, dass es so nicht weiter geht. In seinem Buch \u201eMaking Globalisation Work\u201c (2006) erkennt er an, \u201edass die Industriel\u00e4nder eine Welthandelsordnung geschaffen haben, die den Sonderinteressen ihrer Konzerne und Finanzinstitute Vorschub leistet und den \u00e4rmsten L\u00e4ndern der Welt schadet.\u201c<\/p>\n<p>Solange die Sowjetunion existierte, war eine solche Entwicklung unm\u00f6glich, denn die UdSSR verk\u00f6rperte ein alternatives Entwicklungsmodell. Das war f\u00fcr die imperialen westlichen Kapitalinteressen besonders gef\u00e4hrlich.<\/p>\n<p>In den Worten des intellektuellen Vordenkers der Kennedy Administration Arthur Schlesinger, war die Sowjetunion f\u00fcr die L\u00e4nder der Dritten Welt ein Vorbild, denn die UdSSR hatte sich \u201eerfolgreich als Model f\u00fcr die Modernisierung eines ganzen Landes in einer einzigen Generation pr\u00e4sentiert\u201c. Deshalb war ja auch die Verbindung Sowjetunion und Kuba so besonders gef\u00e4hrlich.<\/p>\n<p>\u201eDie Ausbreitung der Castro-Idee, die Dinge in die eigene Hand zu nehmen\u201c, sei das eigentliche Problem f\u00fcr die USA gewesen, schrieb damals Schlesinger als Sonderberater Kennedys in einem inzwischen bekannten Geheimbericht. Denn in ganz Lateinamerika falle \u201edie Verteilung von Grund und Boden und anderen Formen des nationalen Reichtums sehr zugunsten der beg\u00fcterten Klassen aus, aber die Armen und Unterprivilegierten werden vom Beispiel der kubanischen Revolution angetrieben und fordern jetzt die M\u00f6glichkeiten ein, ein ausk\u00f6mmliches Leben zu f\u00fchren\u201c.<\/p>\n<p>Aber vor 16 Jahren hat die Konterrevolution gesiegt und die Sowjetunion ist verschwunden \u2013 nach den Worten des russischen Pr\u00e4sidenten Putin \u201edie gr\u00f6\u00dfte Trag\u00f6die des 20. Jahrhunderts\u201c. Dieser Einsch\u00e4tzung schlie\u00dfe ich mich an.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zu den \u201aEntwicklungsl\u00e4ndern\u2018. Statt zu prosperieren, wie die Apologeten der freien Marktwirtschaft nicht m\u00fcde werden zu versprechen, sprechen die Fakten eine andere Sprache.<\/p>\n<p>Nochmals Stiglitz: Auf Seite 19 von \u201eMaking Globalisation Work\u201c schreibt er, dass die politischen Prozesse und das Wirtschaftssystem so angelegt wurden, \u201edass sie f\u00fcr einige auf Kosten der Mehrheit gewinnbringend sind\u201c. So kommt Stiglitz auch nicht umhin anzuerkennen \u2013 dass \u201eau\u00dfer in China die Armut in den Entwicklungsl\u00e4ndern zugenommen hat\u201c.<\/p>\n<p>Die Armut hat zugenommen, weil die \u201aEntwicklungsl\u00e4nder\u2018, inzwischen alternativlos geworden, sich dem Diktat des neo-liberalen Credos der westlichen Industriestaaten und ihrer Instrumente IWF und Weltbank unterworfen haben. Inzwischen haben sie ihren nationalen Reichtum an Wasser und Ressourcen, an Industrieanlagen bis hin zu Krankenh\u00e4usern unter Aufsicht des Internationalen W\u00e4hrungsfonds (IWF) privatisiert und an ausl\u00e4ndische Konzerne verscherbelt.<\/p>\n<h5>Zenit \u00fcberschritten?<\/h5>\n<p>Anfang 2007 r\u00fchmte sich der IWF auf seiner Homepage, dass er in den letzten zwei Jahrzehnten in den Entwicklungsl\u00e4ndern Unternehmen im Wert von Tausend Milliarden Dollar privatisiert und so dem internationalen Kapital zugef\u00fchrt hat.<\/p>\n<p>Inzwischen kann man aber sagen, dass die neoliberale Globalisierung ihren H\u00f6hepunkt \u00fcberschritten hat. Das der \u00d6ffentlichkeit vorgegaukelte Trugbild von der universellen Wohlstand bringenden Wirkung des grenzenlos freien Marktes konnte nicht l\u00e4nger aufrechterhalten werden.<\/p>\n<p>Selbst in den USA regen sich zunehmend Proteste, dass das Outsourcing (\u201eAuslagern\u201c) der Arbeitspl\u00e4tze in andere L\u00e4nder sch\u00e4dlich ist und nichts mit den komparativen Kostenvorteilen des Freihandels zu tun hat. Sogar in der Weltbank scheint ein Umdenken dahingehend eingesetzt zu haben, dass n\u00e4mlich der \u201aFreie Markt\u2018 nicht alles richtet. Am 18. Oktober 2007 hat der neue Weltbank-Pr\u00e4sident Robert Zoellick gesagt, dass man in Zukunft auch die Erfahrungen der BRIC-L\u00e4nder f\u00fcr neue wirtschaftliche Entwicklungsmodelle \u00fcbernehmen wolle. (Quelle: RIA Novosti,)<\/p>\n<p>Die BRIC-L\u00e4nder sind Brasilien, Russland, Indien und China. Deren rasantes Wirtschaftswachstum wurde erst durch ihre von der Regierung gesteuerten Entwicklungsmodelle erm\u00f6glicht, w\u00e4hrend die viel ger\u00fchmten \u201aKr\u00e4fte des Freien Markes\u2018 als Entwicklungsmodell \u00fcberall versagt haben.<\/p>\n<p>Auch der IWF hat inzwischen Probleme. Er f\u00e4hrt dieses Jahr Verluste in H\u00f6he von Hunderten von Millionen ein. Niemand will mehr seine ,Dienstleistungen\u2018 in Anspruch nehmen. Denn Kredite vergab der IWF nur gegen strenge Auflagen, wie die Bereitschaft zu Privatisierung, K\u00fcrzung von Lebensmittelsubventionen oder politischer Kurswechsel entlang westlicher Vorgaben. Aber inzwischen gibt es f\u00fcr die Entwicklungsl\u00e4nder in Asien, Afrika und Lateinamerika andere Geldgeber, insbesondere China. Die journalistischen Wassertr\u00e4ger der Kapitals geifern bereits in den Wirtschaftsmedien, dass \u201awir\u2018 Afrika mit seinen riesigen und wertvollen Rohstoffen nicht China \u00fcberlassen d\u00fcrfen. Das soll rechtfertigen, warum die USA dieses Jahr bereits ihr AFRICOM (Afrika-Kommando) gegr\u00fcndet haben, das derzeit von Stuttgart aus agiert, und dessen volle Operationsbereitschaft im Oktober 2008 hergestellt sein soll. Aus demselben Grund ist die EU zunehmend mit Milit\u00e4r-Missionen und Milit\u00e4r-Interventionen in Afrika unterwegs.<\/p>\n<h5>Neuer Imperialismus<\/h5>\n<p>\u201eWir brauchen eine neue Art von Imperialismus, einen Imperialismus, der mit den Menschenrechten und den kosmopolitischen Werten kompatibel ist: einen Imperialismus, der sich zum Ziel setzt, Ordnung und Organisation zu bringen.\u201c Diese Aussage stammt von Robert Cooper -\u2013 aus der Zeit nach dem NATO-Angriffskrieg gegen Jugoslawien und vor dem anglo-amerikanischen Angriffskrieg zur Befreiung des irakischen \u00d6ls.<\/p>\n<p>Robert Cooper war der wichtigste au\u00dfenpolitische Berater Tony Blairs und erf\u00fcllt jetzt die gleiche Funktion bei EU-\u201eSicherheitschef\u201c Xavier Solana, dessen B\u00fcrochef in Br\u00fcssel er ist. Zur \u201aNeuordnung der Welt\u2018 setzt sich Cooper mit geradezu missionarischem Eifer f\u00fcr den \u201eneuen Imperialismus\u201c ein, denn nur der k\u00f6nne \u201edie Welt retten\u201c.<\/p>\n<p>Dabei unterscheidet Cooper zwischen zwei Arten des \u201eneuen Imperialismus\u201c: Da w\u00e4re zun\u00e4chst der \u201efreiwillige Imperialismus\u201c in Form der \u201edemokratischen\u201c Institutionen der westlichen Welt, wie der \u201eInternationale W\u00e4hrungsfonds\u201c (IWF) oder die \u201eWelt Bank\u201c. Laut Cooper bringen diese Institutionen \u201eall jenen Staaten Hilfe, die freiwillig ihren Weg zur\u00fcck in die globale Wirtschaft finden wollen\u201d.<\/p>\n<p>Allen anderen Staaten jedoch, die sich nicht freiwillig der neuen Weltordnung unterwerfen wollen, droht \u2013 laut Cooper \u2013 \u201eder gut nachbarschaftliche Imperialismus\u201c, d.h. dass \u201everantwortliche\u201c Staaten notfalls auch milit\u00e4risch intervenieren m\u00fcssen, um Instabilit\u00e4ten in ihrer Nachbarschaft zu verhindern.<\/p>\n<p>Als leuchtendes Beispiel f\u00fcr diesen \u201egut nachbarschaftlichen Imperialismus\u201c f\u00fchrte Cooper die \u201ehumanit\u00e4re Intervention\u201c der NATO im Kosovo an. Das dort errichtete NATO-Protektorat zeige, wie gut \u201eder neue Kolonialismus (!) Ordnung und Organisation\u201c bringen kann.<\/p>\n<p>Inzwischen hat Cooper seine Strategie weiter entwickelt. In seinem j\u00fcngsten Buch \u201eThe Breaking of Nations\u201c schreibt er: \u201eDie Herausforderung f\u00fcr die postmoderne Welt besteht darin, dass wir uns damit anfreunden m\u00fcssen, mit zweierlei Ma\u00df zu messen. Untereinander sollten die Europ\u00e4er auf der Grundlage des Rechts und gemeinsamer Sicherheit operieren. Aber au\u00dferhalb Europas sollten sie die raueren Methoden fr\u00fcherer Zeiten anwenden \u2013 Gewalt, Pr\u00e4ventivschl\u00e4ge, Hinterlist und was sonst noch alles n\u00f6tig ist.\u201c Denn \u2013 so Cooper weiter \u2013 \u201eWenn wir im Dschungel operieren, dann m\u00fcssen wir auch die Gesetze des Dschungels anwenden.\u201c (\u201eIn the jungle, one must use the laws of the jungle.\u201d)<\/p>\n<h5>Neokolonialismus und Krieg<\/h5>\n<p>Seit dem Ende der Sowjetunion sind auch die europ\u00e4ischen L\u00e4nder, insbesondere die ehemaligen Kolonialm\u00e4chte und die M\u00f6chtegern-Kolonialmacht Deutschland mit Milit\u00e4rinterventionen bem\u00fcht, bei der Ausbeutung der Ressourcen der Dritten Welt und dem Kampf um Einfluss und strategische Positionen mit den USA mitzuhalten. Offiziell geschieht das nat\u00fcrlich nur, um Frieden und Sicherheit und Menschenrechte und Demokratie und Marktwirtschaft zu bringen \u2013 so wie in Irak.<\/p>\n<p>General a.D. Brent Scowcroft, ehemaliger Nationaler Sicherheitsberater von Pr\u00e4sident Bush-Senior und Chef eines internationalen Beratungsunternehmens f\u00fcr einige Top-Konzerne, sagte vor einigen Jahren, dass das US-amerikanische Kapital von der neoliberalen Globalisierung am meisten profitiert. W\u00f6rtlich meinte Scowcroft: \u201eDies ist eine Welt, in der der Kapitalismus gedeihen kann. Seitdem die Vereinigten Staaten die einzige Supermacht sind, sind Globalisierung und amerikanische Macht zu einem Synonym geworden\u201c.<\/p>\n<p>So sieht es auch der einflussreichste Kolumnist der New York Times Thomas L Friedman. Unter dem Titel: \u201eGlobalization-is-US\u201d (\u201aGlobalisierung sind wir\u2018 oder \u201aGlobalisierung geh\u00f6rt uns\u2018 oder \u201aGlobalisierung hei\u00dft USA\u2018) schrieb an jenem Tag, an dem die NATO unter US-F\u00fchrung ihren Angriffskrieg gegen Jugoslawien begann:<\/p>\n<p>\u201eDamit die Globalisierung funktioniert, darf Amerika sich nicht scheuen, als die allm\u00e4chtige Supermacht zu handeln, die es ist. Die unsichtbare Hand des Marktes (Anspielung an die regulierende \u201eunsichtbare Hand\u201c von Adam Smith, Anm. RR) wird nie ohne den F-15-Konstrukteur McDonnel-Douglas (der Kampfjets baut) funktionieren. Und die unsichtbare Faust, die daf\u00fcr sorgt, dass die Welt f\u00fcr McDonalds (Hamburger) Niederlassungen und Silicon-Valley-Technologien sicher ist, hei\u00dft US-Army, Navy, Air Force und Marine Corps.\u201c<\/p>\n<p>Die globale Ausdehnung der US-Konzerne funktioniert unter dem Schutz der amerikanischen Kanonenboote und Interkontinentalbomber seit mindestens 1898. In diesem Jahr wurden die noch jungen USA zur Kolonialmacht und schon damals sicherte das US-Milit\u00e4r die Pl\u00fcnderung anderer L\u00e4nder durch US-Konzerne ab.<\/p>\n<p>Ein Zeitzeuge jener Tagen, der damalige Kommandeur des US-Marine-Korps General-Major Smedley Butler, beklagte sich nach 33 Jahren aktiven Dienstes bitterlich in seinen Memoiren: \u201eDen gr\u00f6\u00dften Teil meiner Zeit habe ich damit verbracht, den Gro\u00dfkonzernen, der Wall Street und den Banken als erstklassiger Schl\u00e4ger zu dienen. Auf den Punkt gebracht, ich war ein Gangmitglied, ein Gangster des Kapitalismus. \u2026 Ich habe ihnen geholfen, ein halbes Dutzend Republiken in Zentralamerika zum Nutzen der Wall Street zu vergewaltigen.\u201c<\/p>\n<p>Aber Friedman spielt in seinem Artikel darauf an, dass die US-Streitkr\u00e4fte auch dann ihren Zweck erf\u00fcllen, wenn sie nicht direkt milit\u00e4risch eingreifen. Wie das funktioniert, erkl\u00e4rt General a.D. Scowcroft so: Wo auch immer US-Amerikaner mit anderen L\u00e4ndern \u00fcber Investitionsschutz, Marktzugang oder sonst was verhandeln, \u201eimmer f\u00e4llt der Schatten der amerikanischen Milit\u00e4rmacht auf den Verhandlungstisch\u201c. Dieser US-\u201eSchatten\u201c wird durch US-Milit\u00e4r-Basen, Nachschub- oder Trainingslager in \u00fcber 130 L\u00e4ndern unterf\u00fcttert.<\/p>\n<h5>Gegenkr\u00e4fte formieren sich<\/h5>\n<p>Noch vor wenigen Jahren sah es so aus, als ob diese aggressive milit\u00e4rische Unterf\u00fctterung der neoliberalen Globalisierung durch die einzige Supermacht USA, die zudem von ihren Vasallen \/ Konkurrenten in Europa, Japan und Australien unterst\u00fctzt wurde, nicht mehr zu bremsen w\u00e4re. Dann aber hat das USA-Kapital mit der Wahl von George W. Bush zum US-Pr\u00e4sidenten, an der Spitze einer neo-konservativen Elite, den Bogen \u00fcberspannt, als sie sich unverhohlen die unumschr\u00e4nkte Weltherrschaft zum Ziel setzte.<\/p>\n<p>Mit seinem \u201eglobalen Krieg gegen den Terror\u201c, insbesondere mit seinem Krieg gegen Afghanistan, der offensichtlich nicht zu gewinnen ist, und mit seinem bereits l\u00e4ngst verlorenen Krieg gegen Irak hat Bush selbst bei den kapitalistischen Eliten Europas inzwischen das Ansehen und die Glaubw\u00fcrdigkeit der USA verspielt.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Globalisierungspl\u00e4ne von Wallstreet hatte dies fatale Folgen. Erstens: Auf den Kriegsschaupl\u00e4tzen hat sich die hoch gez\u00fcchtete, die weltst\u00e4rkste und unbesiegbare US-Milit\u00e4rmacht als brutaler, aber letztlich machtloser Popanz entlarvt. So ist es z.B. in Irak weder mit Bestechungen noch mit Waffengewalt gelungen, gegen den entschlossenen Widerstand der lokalen Bev\u00f6lkerung einem armen kleinen Land seinen Willen aufzuzwingen. Damit haben milit\u00e4rische Drohgeb\u00e4rden der USA weltweit viel an Glaubw\u00fcrdigkeit verloren.<\/p>\n<p>Es entbehrt nicht der Ironie, dass Vertreter der Bush-Administration mit dem Krieg gegen Irak alle anderen L\u00e4nder, die nicht nach der Pfeife Washingtons tanzen, ein abschreckendes Exempel statuieren wollten. Das Gegenteil ist heute der Fall, siehe Iran.<\/p>\n<p>Der zweite Grund, warum die Bush-Kriege f\u00fcr die Globalisierungspl\u00e4ne von Wallstreet fatale Folgen hatten, ist die Tatsache, dass dadurch das politische und milit\u00e4rische Aggressionspotenzial der USA in Irak und Afghanistan weitgehend gebunden wurde. Trotz aller Drohgeb\u00e4rden lie\u00dfen sich die Staaten in anderen Regionen nicht mehr einsch\u00fcchtern. Sie nutzten die Gelegenheit, um sich vom US-G\u00e4ngelband zu befreien und eigene Wege zu gehen. Exemplarisch daf\u00fcr ist das Beispiel Lateinamerikas, das mit wenigen Ausnahmen inzwischen Rot und Rosa-Rot ist.<\/p>\n<p>In den letzten Jahren haben sich die R\u00fcckschl\u00e4ge f\u00fcr den US-Imperialismus geh\u00e4uft. Im Mittleren Osten drohen die USA ihre Hegemonialposition ein f\u00fcr allemal zu verlieren.<\/p>\n<p>Die Schanghai Kooperationsorganisation, zu der neben China und Russland auch Kirgisien, Kasachstan, Tadschikistan und Usbekistan geh\u00f6ren, hat die Expansion der USA in den Zentralasiatischen Raum vorerst gestoppt, ja bereits teilweise zur\u00fcckgedr\u00e4ngt. Davon zeugen der Rausschmiss der US-Luftwaffe von ihrer Basis in Usbekistan im November 2005 und die starken Einschr\u00e4nkungen f\u00fcr die weitere Nutzung ihres St\u00fctzpunkts in Kirgisien.<\/p>\n<p>In diesem Zusammenhang w\u00e4re auch der Kaspi-Gipfel in Teheran und der bilaterale russisch-iranische Gipfel im Oktober 2007 hervorzuheben. Die positive Rolle der russischen Politik unter Pr\u00e4sident Wladimir Putin verdient dabei ausdr\u00fcckliche Erw\u00e4hnung.<\/p>\n<p>Egal wohin man schaut, in den letzten Jahren haben sich weltweit gesellschaftliche und politische Entwicklungen heraus kristallisiert, die die Expansion des US-Imperialismus weitgehend gel\u00e4hmt haben. Zugleich zeigte sich die finanzpolitische Position der USA zunehmend angeschlagen, deren Symptome sich derzeit in der j\u00fcngsten Dollar-Krise und Kredit-Krise zeigen.<\/p>\n<p>Vieles deutet heute darauf hin, dass der Zenit des weltweiten US-Imperiums bereits \u00fcberschritten ist. Die Entwicklung der Gegenkr\u00e4fte gegen den US-Imperialismus wurde insbesondere durch den irakischen Widerstand beg\u00fcnstigt. Der heroische Kampf der Iraker gegen die US-Besatzer war und ist f\u00fcr uns alle von historischer Bedeutung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Der vorstehende Text basiert auf dem Vortrag bei der Wissenschaftlichen Konferenz zum 90. Jahrestag der Oktoberrevolution am 20.10. 2007 in Berlin. <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Rainer Rupp, Saarburg, ist freier Journalist und Mitglied des\u00a0 DFV Rheinland-Pfalz\/Saar<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p>Bild: pixabay.com \/ User: QuinceMedia<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><strong>Beitrag von Rainer Rupp aus: FREIDENKER 4-07<\/strong><br \/>\nSeit dem Verschwinden der Sowjetunion sind die Ergebnisse des Zweiten Weltkriegs weitgehend revidiert worden. Folgerichtig droht die Entwicklung in eine Situation zur\u00fcckzukehren, wie wir sie Anfang des 20. Jahrhunderts erlebt haben: Weltkrieg, B\u00fcrgerkrieg, \u201eReligionskrieg\u201c, \u201eGro\u00dfe Spiele\u201c und Krieg der Kontinente. Aber immer geht es um Macht und Ressourcen. Das Verschwinden der Sowjetunion und die Restauration des alten, ungez\u00fcgelten Kapitalismus und Imperialismus hat nach au\u00dfen wieder starke Kriegskr\u00e4fte freigesetzt.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":4089,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","advanced_seo_description":"","jetpack_seo_html_title":"","jetpack_seo_noindex":false,"jetpack_post_was_ever_published":false,"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[698,404,57,900,430,185],"class_list":["post-3278","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-frieden-antifaschismus-solidaritaet","tag-finanzkapital","tag-imperialismus","tag-kriegsgefahr","tag-neokolonialismus","tag-sowjetunion","tag-usa"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2007\/12\/flying-2891745_800x445.jpg?fit=800%2C445&ssl=1","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p9stpK-QS","jetpack-related-posts":[{"id":19329,"url":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=19329","url_meta":{"origin":3278,"position":0},"title":"Auch damals schon: Kampf um Profit, Macht und Herrschaft weltweit","author":"Webredaktion","date":"13. 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Jahrestag des faschistischen \u00dcberfalls auf die Sowjetunion","author":"Webmaster","date":"22. Juni 2016","format":false,"excerpt":"Erkl\u00e4rung des Deutschen Freidenker-Verbandes zum 70. Jahrestag des faschistischen \u00dcberfalls auf die Sowjetunion Am 22. Juni 2016 gedenken wir der 27 Millionen Sowjetb\u00fcrger, die beim \u00dcberfall der faschistischen Wehrmacht auf die Sowjetunion ihr Leben verloren. Am 22. 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