{"id":3264,"date":"2009-03-17T16:26:33","date_gmt":"2009-03-17T15:26:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.freidenker.org\/?p=3264"},"modified":"2018-02-14T21:54:31","modified_gmt":"2018-02-14T20:54:31","slug":"wissenschaft-und-glaube-der-neoatheismus-und-seine-grenzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=3264","title":{"rendered":"Wissenschaft und Glaube &#8211; der Neoatheismus und seine Grenzen"},"content":{"rendered":"<p>Aus: <a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=696\">&#8222;Freidenker&#8220; Nr. 1-09 M\u00e4rz 2009<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 68. Jahrgang\u00a0 &#8211; Thema, S. 23-26<\/p>\n<p>Von <strong><em>Horst Pickert und Horst Schild<\/em><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dass die Religionen derzeit weltweit starken Zulauf haben, kann nicht \u00fcbersehen werden. Ausnahmen bilden allenfalls West- und Mitteleuropa und Teile Osteuropas. Nicht einmal jeder Achte der Weltbev\u00f6lkerung bekennt sich heute als Nichtgl\u00e4ubiger. In den USA glauben etwa 90 Prozent der Menschen an Gott und rund drei Viertel gar noch an die H\u00f6lle.1<\/p>\n<p>Die Zuw\u00e4chse Gl\u00e4ubiger sind vor allem in den \u00e4rmeren L\u00e4ndern Afrikas, Lateinamerikas und Asiens zu verzeichnen. Und das ist keineswegs zuf\u00e4llig.<\/p>\n<p>Zwischen Religiosit\u00e4t einerseits und sozial\u00f6konomischer und politisch-ideologischer Situation andererseits besteht ein Zusammenhang, der durch die ver\u00f6ffentlichte Meinung allzu oft verkleistert wird. Jedoch ist die krisenhafte globale Entwicklung mit ihrem derzeitigen H\u00f6hepunkt, die daraus resultierende Zunahme von Massenverelendung und auch von medienunterst\u00fctzter geistiger Verunsicherung und Verdummung nicht zu \u00fcbersehen. Nicht zu \u00fcbersehen sind Kriege, Terror und andere milit\u00e4rische Auseinandersetzungen, Krankheiten bei v\u00f6llig unzureichender medizinischer Versorgung in weiten Teilen der Welt und leider eine fehlende, real erscheinende gesellschaftliche Alternative. All das hat ma\u00dfgeblich dazu beigetragen, dass das \u201ereligi\u00f6se Elend\u201c als \u201eAusdruck des wirklichen Elends \u2026, (als) Seufzer der bedr\u00e4ngten Kreatur (und als) Gem\u00fct einer herzlosen Welt\u201c (Karl Marx) Aufschwung erhielt und erh\u00e4lt.<\/p>\n<p>Hinzu kommt, dass sich Areligiosit\u00e4t und Atheismus in Lichte ihrer weltanschaulichen \u201eErfolge\u201c \u2013 von der Aufkl\u00e4rung bis zu Ludwig Feuerbach, \u00fcber die Propagierung der Evolutionstheorie Darwins (u. a. durch Wilhelm Ostwald und Ernst Haeckel) bis zu den anderen herausragenden naturwissenschaftlichen Erkenntnissen des 19. und auch 20. Jahrhunderts \u2013 wohl etwas zu zeitig zur\u00fcckgezogen haben. Die Fortdauer von Religionen wurde nicht als bedrohlich, weil nur noch als tempor\u00e4r empfunden. Diese Auffassung wurde bis weit ins 20. Jahrhundert hinein auch von Teilen der Arbeiterbewegung geteilt.<\/p>\n<p>Unstreitig hat die Naturwissenschaft dem religi\u00f6sen Glauben manch tiefe Wunde geschlagen und ihn zu \u201eFrontbegradigungen\u201c gezwungen. Sie tut es permanent noch heute. Aber daran ist er eben nicht gestorben. Und Gott ist auch l\u00e4ngst nicht \u201etot\u201c, wie Nietzsche meinte.<\/p>\n<h5>Ein neuer Atheismus?<\/h5>\n<p>In den letzten Jahren hat sich nun ein \u201eneuer\u201c Atheismus mit viel K\u00e4mpfertum und teilweise auch aggressiver Wortwahl zur\u00fcck gemeldet. Seine Vertreter sind vorwiegend Neurowissenschaftler und Evolutionsbiologen (z. B. Sam Harris, Richard Dawkins) aber auch Philosophen, (u. a. Daniel C. Dennett, Christopher Hitchens oder Michel Onfray mit seiner Atheologie; auch einige Exponenten der Giordano-Bruno-Stiftung in Deutschland w\u00e4ren hier zu nennen). Dieser Neoatheismus beansprucht und verficht, gest\u00fctzt auf den Erkenntnisfortschritt der letzten Jahrzehnte, die Deutungshoheit \u00fcber das (moderne) Menschenbild ebenso wie \u00fcber die Welt generell. Dabei geht er in der Auseinandersetzung mit dem religi\u00f6sen Glauben meist nicht zimperlich um. Religionen seien nicht nur irrational und destruktiv, als Erkl\u00e4rungsmodell antiquiert, gar untauglich und st\u00fcnden dem Fortschritt der Menschheit diametral entgegen. Religionen f\u00fchrten nicht selten zu einem militanten, ja terroristischen Fundamentalismus. Der Glaube an Gott sei gar einer Geisteskrankheit vergleichbar, und eine Existenz Gottes widerspreche allen Regeln der Evolution und jeder wissenschaftlichen Erkenntnis (Dawkins).<\/p>\n<p>F\u00fcr Freidenker sind die meisten der vorgetragenen Argumente aus dem Herzen gesprochen und wegen ihres h\u00e4ufig erfrischenden Esprits \u00e4u\u00dferst lesenswert.<\/p>\n<p>Obwohl sich der neue Atheismus wesentlich als unorganisiert darstellt und weitgehend auch eher marginal als massenbewegend wirkt, sich andererseits die Religionen samt ihrer Institutionen und Amtstr\u00e4ger in einer vergleichsweise komfortablen Lage w\u00e4hnen k\u00f6nnen, haben sich schnell zahlreiche Apologeten (insbesondere Parteig\u00e4nger der Papstkirche) gefunden, die es diesem Neoatheismus ,heimzuzahlen\u2018 versuchen.<\/p>\n<p>\u201eEs sind die Naturwissenschaften, die die vielleicht gr\u00f6\u00dfte Schuld am immer weiter um sich greifenden Atheismus haben\u201c, wettert z. B. J\u00f6rg Haupenthal. Aus wissenschaftlich nur weitgehender Halbkenntnis aktueller Forschungen, etwa zur Urknalltheorie, zum dialektischen Determinismuskonzept, zur Evolution oder zum sog. ,freien Willen\u2018, \u00fcbrigens einer S\u00e4ule religi\u00f6ser Dogmatik, wird das Ende des Atheismus postuliert (Manfred L\u00fctz).2 Andere Autoren, etwa Alexander Kissler, gehen in ihrer Polemik gegen die \u201eneuen Atheisten\u201c gleich mit der ganzen Geschichte des Atheismus ins Gericht: von Descartes, Meslier, Voltaire, auch Lessing und Kant bis aktuell zu Dawkins.<\/p>\n<p>Es ist sicher wenig hilfreich zu fragen, ob die Wissenschaft, speziell die Naturwissenschaft, den religi\u00f6sen Glauben best\u00e4tige oder widerlege. Tats\u00e4chlich sind Wissenschaft und Religion disparate, also getrennte geistige Gebilde.<\/p>\n<p>Die Wissenschaft zielt auf Welterkenntnis ab. Sie stellt sich in Form von Aussagen, inkl. Gesetzesaussagen, geschlossenen (nicht notwendig abgeschlossenen!) Aussagesystemen, widerspruchsfreien Theorien und dgl. dar. Ihre Methoden sind die des empirischen und\/oder logischen Beweisens, des Widerlegens usw. Ihre zu repr\u00e4sentierenden Objekte (deren Eigenschaften, Relationen und deren Entwicklung) entstammen dem Mikrokosmos genauso wie dem Makrokosmos. Auch abstrakte Objekte werden zu Gegenst\u00e4nden wissenschaftlicher Erkenntnis, etwa in der Mathematik. Wissenschaft vermag Erkl\u00e4rungen zu liefern wie auch Vorhersagen.<\/p>\n<p>Die Religion hingegen zielt nicht auf Welterkenntnis ab. Sie verk\u00fcndet Botschaften. Ihr Medium ist der Mythos, d. h. die Erz\u00e4hlung, die Legende. Ihre Erkl\u00e4rungsfunktion ist allenfalls rudiment\u00e4r. Das Bekenntnis oder das Nichtbekenntnis zu einer Religion ist nicht das Ergebnis einer theoretischen Reflexion. Das schlie\u00dft nicht aus, dass die wissenschaftliche Vernunft, wie im Katholizismus, in den Dienst eines Offenbarungsglaubens genommen wird, wof\u00fcr z. B. die Enzyklika \u201eFides et ratio\u201c von Papst Johannes Paul II. steht. Die Wurzel des Bekenntnisses bzw. Nichtbekenntnisses zu einer Religion ist eine religi\u00f6se Grunderfahrung oder ihr Ausbleiben. Eine derartige Grunderfahrung liegt aber sui generis au\u00dferhalb der wissenschaftlichen Erkenntnis.3<\/p>\n<p>Weil die Welt mikroskopisch wie makroskopisch unendlich ist, ist sie auch unersch\u00f6pflich. Darum ist der (wissenschaftliche) Erkenntnisprozess ebenso unendlich wie aber unser Wissen \u00fcber die Welt zu jedem Zeitpunkt endlich ist. Auch deswegen ist es problematisch zu behaupten, der Gottesglaube beruhe lediglich auf mangelnder Welterkenntnis. Welterkenntnis bis wohin oder wie weit?<\/p>\n<p>Erkenntnisgewinn f\u00fchrt zwangsl\u00e4ufig zur Infragestellung bestimmter religi\u00f6ser Dogmen, evtl. auch zu deren Korrektur oder Preisgabe. Aber er ist nur bedingt tauglich, gegen verinnerlichte religi\u00f6se Mythen und Legenden anzugehen. Genau das d\u00fcrfte auch die Grenze sein, an die jeder lediglich auf (natur-)wissenschaftliche Indizien gr\u00fcndende Atheismus st\u00f6\u00dft. Im Lichte der Wissenschaft wird es kein letztes, dann aufzudeckendes ,Schlupfloch\u2018 f\u00fcr Gott geben, f\u00fcr den Glauben aber kann \u2013 zugespitzt formuliert \u2013 immer wieder noch eins gefunden werden.<\/p>\n<h5>Von der Kritik des Himmels zur Kritik der Erde<\/h5>\n<p>Karl Marx hat sich selber in all seinen Werken an keiner Stelle als Atheisten bezeichnet. Nat\u00fcrlich ist es irrig, daraus zu folgern, Marx habe den Atheismus f\u00fcr unzutreffend gehalten. Er sah im Gegenteil im Wirken Ludwig Feuerbachs den H\u00f6hepunkt des b\u00fcrgerlichen Atheismus. Er gab jedoch zu bedenken, dass dieser dort endet, wo sein eigener Neuansatz den origin\u00e4ren Anfang nimmt. Das letzte Wort Feuerbachs ist die theoretische Kritik der Religion und die Postulierung eines abstrakten Humanismus. Marx hingegen war sich dar\u00fcber klar, dass eine blo\u00dfe theoretische Kritik nicht ausreicht, um die Emanzipation des Menschen herbeizuf\u00fchren. Die Waffe der Kritik muss selbst hinsichtlich ihrer Wirkm\u00f6glichkeit kritisch durchschaut werden. Als Fazit ergibt sich: Materielle gesellschaftliche Verh\u00e4ltnisse sind nur durch die materielle Aktion ver\u00e4nderbar. So muss laut Marx von der Kritik des Himmels zur Kritik der Erde, von der Kritik der Religion zur Kritik der Politik \u00fcbergegangen werden.<\/p>\n<p>Man gibt den Marx\u2019schen Standpunkt nicht ad\u00e4quat wider, wenn man ihn schlechthin verk\u00fcrzt als \u201eAtheismus\u201c bezeichnet und es dabei bewenden l\u00e4sst. Vielmehr ist der Marxismus hier sowohl der Fortsetzer als auch der Kritiker des Atheismus in einem. Er stellt die dialektische Negation des Atheismus dar.<\/p>\n<p>Interessant ist die Reaktion der modernen protestantischen Theologie in ausgew\u00e4hlten Konzeptionen auf die Feuerbach\u2018sche und Marx\u2018sche Religionskritik. Auf den ersten Blick ist es ein frappanter Sachverhalt, dass solche prominenten Theologen wie Emil Fuchs und Karl Barth ihr nicht widersprechen, ja ihr sogar beipflichten. F\u00fcr Fuchs, der vehement f\u00fcr den Sozialismus Partei ergriff und den Marxismus und das Christentum miteinander zu verbinden trachtete, war das eigentliche Ziel der Marx\u2019schen Religionskritik gar nicht der christliche Glaube in seiner authentischen Gestalt, sondern einer Art \u201eGewohnheitsreligion\u201c, die nicht mit dem wahren, dem \u201eprophetischen\u201c Glauben verwechselt werden d\u00fcrfe.<\/p>\n<p>Barth, Verfasser der ber\u00fchmten Barmer Theologischen Erkl\u00e4rung von 1934, h\u00e4lt die Marx\u2019sche Religionskritik f\u00fcr durchaus zutreffend, merkt aber sogleich an, dass diese nicht den christlichen Glauben betr\u00e4fe \u2013 da derselbe gar keine (!) Religion sei. Er und seine Sch\u00fcler heben hervor, dass das Gegenteil des Atheismus der Theismus ist \u2013 ein Standpunkt, dem man durchaus zustimmen kann. Sie werfen die Frage auf, ob es berechtigt ist, den christlichen Glauben als einen Theismus zu kennzeichnen. Ihre Antwort ist verneinend. Theismus und Atheismus g\u00e4ben, so argumentieren sie, entgegengesetzte Antworten auf die Frage, ob Gott existiert oder nicht. Beide verbinde derselbe Fehler: Sie reflektieren beide \u00fcber Gott, als ob dieser ein \u201einnerweltliches Ding\u201c w\u00e4re, das sich \u2013 ontologisch gesehen \u2013 im Status der \u201eVorhandenheit\u201c bef\u00e4nde. Der gl\u00e4ubige Christ frage nicht, ob es einen Gott gibt, sondern er erfahre, dass Gott sich ihm gibt. Und das weitgehend unabh\u00e4ngig vom wissenschaftlichen Erkenntnisstand. In diesem Sinne ist die Kontroverse Theismus-Atheismus f\u00fcr Barth und seine Sch\u00fcler ohne Belang. Beide seien Philosophien, Weltanschauungen und Ideologien. Der christliche Glaube hingegen sei keines von diesen dreien. Er sei auch keine Religion, da diese Unglaube, folglich \u201eS\u00fcnde\u201c w\u00e4re. Sie ist deshalb \u201eS\u00fcnde\u201c, weil in ihr mittels Gebeten, Opfer und dergleichen versucht werde, auf Gott Einfluss zu nehmen. Darin aber bekunde sich menschlicher Hochmut, der ein Merkmal der S\u00fcnde ist.4<\/p>\n<h5>Keine Vertr\u00f6stung auf ein Jenseits<\/h5>\n<p>Jede einseitige Orientierung des religi\u00f6sen Glaubens auf ein Jenseits, auf eine Erwartung eines \u201aewigen Lebens\u2018, muss zwangsl\u00e4ufig zur L\u00e4hmung in der Auseinandersetzung und der progressiven Ver\u00e4nderung der diesseitigen Welt f\u00fchren. Geradezu reaktion\u00e4r etwa die Auffassung von Thomas L\u00fcken: \u201eWenn man darauf vertraut, dass das Beste erst nach dem Tod kommt \u2013 wozu braucht man dann vor dem\u00a0 Tod noch \u2026 Verlust\u00e4ngste? Wieso soll ich Dinge begehren, die nur ein matter schattenhafter Abglanz dessen sind, was mich erwartet? \u2026 Ich will keine 70 Jahre relativer Behaglichkeit, sondern ewiges Leben.\u201c Auch bei Manfred L\u00fctz wird der ideale (katholische) Christ als ein in der Kirche betendes altes, armes M\u00fctterchen dargestellt \u2013 die seufzende, sich in ihr Schicksal f\u00fcgende Kreatur mit der Aussicht auf ewige Gl\u00fcckseligkeit.<\/p>\n<p>Doch orientiert sich Religion wirklich nur einseitig auf das Jenseits? Nach Marx ist sie nicht nur Ausdruck des wirklichen Elends und Opium des Volks, sondern zugleich auch Protestation gegen dieses Elend. \u201eAuch religi\u00f6s inspirierte Bewegungen k\u00f6nnen die illusorische und zugleich l\u00e4hmende Eigenschaft religi\u00f6sen Opiums \u00fcberwinden, wenn es ihnen gelingt, den \u201aSeufzer der bedr\u00e4ngten Kreatur\u2018 mit fundierter Kapitalismuskritik \u2026 zu verbinden\u201c, schreibt Jan Rehmann. Hieraus resultiert die reale M\u00f6glichkeit, auch mit gl\u00e4ubigen Menschen manche Wegst\u00fccke im antiimperialistischen Kampf gemeinsam zu gehen. Auch sollten wir uns durch die Existenz religi\u00f6sen Glaubens nicht mehr ,bedroht\u2018 f\u00fchlen, als es umgekehrt z. B. die Amtskirchen durch den Atheismus tun.<\/p>\n<p>Fazit: Gott l\u00e4sst sich nicht totschlagen, von wem auch immer und schon gar nicht mit den Ergebnissen der Wissenschaft allein. Gott und religi\u00f6ser Glaube werden aber dann \u00fcberfl\u00fcssig sein, wenn die Menschen in solchen gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnissen leben k\u00f6nnen, in denen sie ihrer nicht mehr bed\u00fcrfen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Prof. Dr. Horst Pickert ist Mitglied des DFV Leipzig,<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Dr. Horst Schild ist amt. Vorsitzender des DFV Dresden<\/em><\/p>\n<p>Anmerkungen:<\/p>\n<p>1 Die B\u00fcrger der USA w\u00fcrden wahrscheinlich eher einen Transvestiten zum Pr\u00e4sidenten w\u00e4hlen als jemanden, der sich offen als Atheist bekennt.<\/p>\n<p>2 Nicht zuf\u00e4llig ist f\u00fcr L\u00fctz nicht etwa Feuerbach der herausragende atheistische Denker der Vergangenheit, sondern Nietzsche. An diesem kann man ja auch sch\u00f6n demonstrieren, wie der Atheismus jegliche Moral infrage stellt. Haben etwa nur die Solls\u00e4tze der mosaischen Zehn Gebote als ethisches Konzept einen ewigen Alleinvertretungsanspruch? Ist es nicht vielmehr schon seit der Antike bewiesen, dass der Verzicht auf eine au\u00dferweltliche, \u00fcberweltliche Sicherung ihrer moralischen Normen die Menschen dazu zwingt, die Verantwortung f\u00fcr Moral selbst zu \u00fcbernehmen? (vgl. H. Markl)<\/p>\n<p>3 Das dargestellte Verh\u00e4ltnis von Wissenschaft und Religion zueinander kann auch eine zufrieden stellende Erkl\u00e4rung daf\u00fcr sein, dass Wissenschaftler, darunter namhafte Naturwissenschaftler, zugleich gl\u00e4ubige Christen sind. W\u00fcrde man der landl\u00e4ufigen Vorstellung folgen, dass die Wissenschaft von selbst den religi\u00f6sen Glauben destruiere, lie\u00dfe sich das eben genannte Ph\u00e4nomen schwerlich erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>4 Hier kann gefragt werden, ob es notwendig ist, dass wir uns als Freidenker auf Selbstverst\u00e4ndigungsprozesse moderner protestantischer Theologie einlassen. Die Autoren verteidigen ihr Vorgehen. Sie lassen sich davon leiten, dass einige Sachkenntnis auch in Fragen der Religion von Vorteil ist, wenn es gilt, nichtreligi\u00f6se Antworten auf die Lebensfragen der Menschen zu finden.<br \/>\nIm \u00dcbrigen hat Karl Barth Recht, wenn er darauf besteht, dass der christliche Glaube nicht mit einer Philosophie in eins gesetzt werden darf. Tats\u00e4chlich verfehlt man das Wesen des christlichen Glaubens, wenn man in ihm nichts anderes als eine idealistische Philosophie erblickt, der man nur das theoretische Gewand abgestreift hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Verwendete Literatur:<\/p>\n<p>Barth, Karl: Kirchliche Dogmatik. Bd. I-IV. Z\u00fcrich 1932 ff.<\/p>\n<p>Dawkins, Richard: Der Gotteswahn. Berlin 2008<\/p>\n<p>Haupenthal, J\u00f6rg: Und Gott sah, dass es gut war. Der moderne Atheismus: Erleuchtung oder Irrweg? Norderstedt 2006<\/p>\n<p>Kissler, Alexander: Der aufgekl\u00e4rte Gott. Wie die Religion zur Vernunft kam. M\u00fcnchen 2008<\/p>\n<p>L\u00fcken, Thomas: Lohnt sich Atheismus. Norderstedt 2007<\/p>\n<p>L\u00fctz, Manfred: Gott. Eine kleine Geschichte des Gr\u00f6\u00dften. M\u00fcnchen 2007<\/p>\n<p>Markl, Hubert: Der Fluch der Wahrheitsanma\u00dfung. In: Merkur. Berlin. Heft 2\/2007<\/p>\n<p>Marx, Karl: Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Einleitung. In: MEW.\u00a0 Bd. 1. Berlin 1958<\/p>\n<p>M\u00fcller, Burkhard: Das Konzept Gott \u2013 warum wir es nicht brauchen. In: Merkur. Berlin. Heft 2\/2007<\/p>\n<p>Onfray, Michel: Wir brauchen keinen Gott. Warum man jetzt Atheist sein muss. M\u00fcnchen, Z\u00fcrich 2006<\/p>\n<p>Rehmann, Jan: Kritik des Jammertals. In: junge Welt v. 25. August 2008<\/p>\n<hr \/>\n<p>Foto: Atheistische Buskampagne 2009 auf ihrer Station in M\u00fcnster<br \/>\nFotografiert von Bastian Greshake, Quelle: https:\/\/www.flickr.com\/photos\/gedankenstuecke\/3591552983 (CC BY-SA 2.0)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><strong>Beitrag von Horst Pickert und Horst Schild aus FREIDENKER 1-09<\/strong><br \/>\nIn den letzten Jahren hat sich nun ein \u201eneuer\u201c Atheismus mit viel K\u00e4mpfertum und teilweise auch aggressiver Wortwahl zur\u00fcck gemeldet. Seine Vertreter sind vorwiegend Neurowissenschaftler und Evolutionsbiologen &#8230; aber auch Philosophen. Dieser Neoatheismus beansprucht und verficht, gest\u00fctzt auf den Erkenntnisfortschritt der letzten Jahrzehnte, die Deutungshoheit \u00fcber das (moderne) Menschenbild ebenso wie \u00fcber die Welt generell. Dabei geht er in der Auseinandersetzung mit dem religi\u00f6sen Glauben meist nicht zimperlich um. Religionen seien nicht nur irrational und destruktiv, als Erkl\u00e4rungsmodell antiquiert, gar untauglich und st\u00fcnden dem Fortschritt der Menschheit diametral entgegen. <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":4050,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","advanced_seo_description":"","jetpack_seo_html_title":"","jetpack_seo_noindex":false,"jetpack_post_was_ever_published":false,"footnotes":""},"categories":[15,16],"tags":[465,319,855,371,578,38,123],"class_list":["post-3264","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-religions-kirchenkritik","category-weltanschauung-philosophie","tag-erkenntnis","tag-glaube","tag-neoatheismus","tag-religion","tag-religiositaet","tag-weltanschauung","tag-wissenschaft"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/buskampagne_800x445.jpg?fit=800%2C445&ssl=1","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p9stpK-QE","jetpack-related-posts":[{"id":3052,"url":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=3052","url_meta":{"origin":3264,"position":0},"title":"Freidenker und Religion","author":"Webredaktion","date":"2. 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Juni 2015","format":false,"excerpt":"Beitrag von Horst Schild auf der Konferenz \u201eZweifel und Kritik an Fortschritt, Wissenschaft und Technik\u201c am 08.10.2011 in Dresden. Aus: FREIDENKER 2-15 M\u00fcssen wir die Wissenschaft f\u00fcrchten, Sorge vor ihren Resultaten, auch technischen Resultaten, haben? Sind gar die Wissenschaftler schuld, wenn ihre Erkenntnisse von eben diesen \u201eMachthabern\u201c missbraucht werden? 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