{"id":3154,"date":"2011-08-01T03:38:59","date_gmt":"2011-08-01T01:38:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.freidenker.org\/?p=3154"},"modified":"2018-02-14T21:48:39","modified_gmt":"2018-02-14T20:48:39","slug":"terror-in-norwegen-ii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=3154","title":{"rendered":"Terror in Norwegen (II)"},"content":{"rendered":"<p>Beitrag auf <a href=\"http:\/\/www.hintergrund.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.hintergrund.de\/<\/a><\/p>\n<h3>Anders Behring Breiviks Stichwortgeber und Vordenker kommen aus der Mitte der Gesellschaft<\/h3>\n<p><strong>Hintergr\u00fcnde des Massakers von Norwegen<\/strong><\/p>\n<p>Von SEBASTIAN RANGE, 29. Juli 2011 &#8211;<\/p>\n<p>Das schreckliche Massaker von Oslo und Utoya, begangen durch den 32-j\u00e4hrigen Norweger Anders Behring Breivik, l\u00f6ste die \u00fcblichen Reflexe aus. Kurz nachdem die Bombe im Regierungsviertel explodiert war, geisterte al-Qaeda bereits als Schuldiger durch die Medienlandschaft, obwohl Norwegens Beh\u00f6rden bis dahin keinerlei Aussagen zur Urheberschaft gemacht hatten. Wenn es kracht, f\u00e4llt der Verdacht sofort auf Islamisten. Und das, obwohl Europol von 249 im Jahr 2010 gez\u00e4hlten terroristischen Aktionen nur drei Islamisten zurechnet. Im Jahr 2009 war es nur einer von insgesamt 294, 2008 ebenfalls einer von 515, und 2007 vier von 583 gez\u00e4hlten Anschl\u00e4gen bzw. Anschlagsversuchen, die auf das Konto von Islamisten gingen. Dennoch fungieren sie stets als die \u201e\u00fcblichen Verd\u00e4chtigen\u201c. (1)<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.hintergrund.de\/201107291663\/globales\/terrorismus\/anders-behring-breiviks-stichwortgeber-und-vordenker-kommen-aus-der-mitte-der-gesellschaft.html\">http:\/\/www.hintergrund.de\/201107291663\/globales\/terrorismus\/anders-behring-breiviks-stichwortgeber-und-vordenker-kommen-aus-der-mitte-der-gesellschaft.html<\/a><\/p>\n<p>Auch deutsche Politiker stellten ihre Reflexe unter Beweis. Regierungsvertreter nutzten die Gunst der Stunde und bekundeten die vermeintliche Notwendigkeit der Vorratsdatenspeicherung, w\u00e4hrend die SPD eine sch\u00e4rfere Kontrolle des Internets verlangte. Eine g\u00fcnstige Gelegenheit auch, noch einmal ein Verbot der NPD zu fordern, wie es Sarah Wagenknecht von der Linkspartei tat.<\/p>\n<p>Ein solches Verbot w\u00fcrde Breivik aber gar nicht ber\u00fchren. Denn er ist entgegen der weitl\u00e4ufigen Darstellung der Medien weder ein Neonazi noch ein Rechtsradikaler im herk\u00f6mmlichen Sinne. Auf seiner Facebook-Seite hatte er neben Winston Churchill Norwegens bekanntesten antifaschistischen Widerstandsk\u00e4mpfer Max Manus als Vorbild genannt. In seinem kurz vor der Tat ver\u00f6ffentlichten 1.500-seitigen \u201eKreuzritter-Manifest\u201c schrieb er dar\u00fcber, \u201etief beleidigt\u201c zu sein, wenn man ihn als Nazi bezeichne.<\/p>\n<p>Breiviks Tat war wahnsinnig, seine Ansichten waren es zum gr\u00f6\u00dften Teil jedoch nicht \u2013 oder wenn \u00fcberhaupt, m\u00fcsste man sie als den mittlerweile \u201eganz normalen Wahnsinn\u201c bezeichnen. Mit seinem Weltbild lassen sich in den USA Wahlen gewinnen, wie Kandidaten der Tea-Party-Bewegung bewiesen haben. Breiviks Ideologie l\u00e4sst sich am ehesten unter dem Begriff \u201eneokonservativ\u201c fassen: Pro-amerikanisch, pro-israelisch, wirtschaftsliberal und christlich-konservativ. Auch sein Nationalismus steht nicht im Widerspruch zur \u201eeurop\u00e4ischen Idee\u201c. Im Gegenteil.<\/p>\n<p>Europa insgesamt m\u00fcsse verteidigt werden \u2013 gegen den Islam und seine verr\u00e4terischen Helfershelfer. Breiviks Gedanken entsprechen der Schematik, wie sie Samuel L. Huntington in seinem ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Werk \u201eKampf der Kulturen\u201c entworfen hat. Auf der einen Seite die christlich-j\u00fcdisch gepr\u00e4gte Zivilisation, die sich gegen die r\u00fcckst\u00e4ndige, vormoderne islamische Barbarei behaupten m\u00fcsse. F\u00fcr Breivik ein Zweifronten-Krieg: Nicht nur am Hindukusch, oder wo immer \u201eunsere Sicherheit\u201c gerade \u201everteidigt\u201c werden muss, sondern auch daheim. Breivik sieht sich als avantgardistischer Soldat in der Schlacht an der Heimatfront. Dass er nicht die Besucher einer Moschee sondern eines Jugendcamp der sozialdemokratischen Regierungspartei massakrierte, ist da kein Widerspruch. Denn es gebe eine Verschw\u00f6rung zwischen europ\u00e4ischen Regierungen und muslimischen M\u00e4chten, Europa zu islamisieren \u2013 von den anti-islamischen Verschw\u00f6rungsparanoikern auch mit dem Schlagwort \u201eEurabien\u201c bedacht.<\/p>\n<p>Ein Stichwortgeber der Paranoia ist der weit \u00fcber Norwegens Grenzen hinaus bekannte, aber anonyme Blogger \u201eFjordman\u201c, der mit Abstand am h\u00e4ufigsten von Breivik zitiert wird. Fjordmans zahlreiche Artikel werden auch ins deutsche \u00fcbersetzt und erfreuen sich in der islamophoben Szene hierzulande gro\u00dfer Beliebtheit.<\/p>\n<p>Deutschlands Querfront<\/p>\n<p>Als besonders eifrige Vork\u00e4mpfer der neokonservativen Sache haben sich in Deutschland ausgerechnet (ehemalige) Linke erwiesen. In Zeitschriften wie Konkret wurden bereits vor 20 Jahren die ersten Grundsteine f\u00fcr diese Ideologie gelegt. Unter dem Label \u201eAntideutsche\u201c sammelten sich Linke, oder die sich daf\u00fcr hielten, und bliesen zum Gro\u00dfangriff auf all das, was allgemein bis dahin als links galt und von ihnen nun als rechts ausgemacht wurde: die Gegnerschaft zu Kriegen wird als \u201eAppeasement\u201c gegen\u00fcber dem \u201eIslamfaschismus\u201c denunziert; Antiimperialismus sei die Einteilung der Welt in gute und b\u00f6se V\u00f6lker und stehe somit der Nazi-Ideologie nah; Antikapitalismus gilt als des \u201estrukturellen Antisemitismus\u201c verd\u00e4chtig. Und hinter Kritik an der Politik Israels und dessen wichtigstem Verb\u00fcndeten, den USA, verkappe sich die Tradition eines \u201eeliminatorischen Antisemitismus\u201c.<\/p>\n<p>In der Folgezeit machten die \u201elinken\u201c \u201eAntideutschen\u201c Karriere im (neo-)konservativen Mainstream. Konkret-Schreiber wie Thomas von der Osten-Sacken kamen bei der Springer-Presse unter, ehemalige Mitglieder des Kommunistischen Bundes wie Mathias K\u00fcntzel fanden sich in transatlantischen Think Tanks wieder.<\/p>\n<p>Eine politische Querfont hat sich \u2013 von links \u00fcber liberal bis hin zu konservativ und christlich-fundamentalistisch \u2013 anhand eines gemeinsamen Feindbilds und aufgrund einer gemeinsamen Verschw\u00f6rungsideologie gebildet, der zufolge \u201eder Islam\u201c die Weltherrschaft anstrebe.<\/p>\n<p>Breiviks ideologisches Kulturkampf-Gebr\u00e4u gibt es an vielen Theken zu kaufen: kr\u00e4ftig gew\u00fcrzt an der des rechtsau\u00dfen Hetzblogs PI-News (Politically Incorrect), ein wenig fader an der Hausbar der konservativen Springer-Presse \u2013 es sei denn, Henryk M. Broder sondert in der Welt eine seiner Hasstiraden ab \u2013 und mit ein wenig Antifa-S\u00fc\u00dfstoff gestreckt am Tresen zur Linken, etwa bei der Zeitung Jungle World oder den Israel-Hurra-Patrioten von BAK Shalom in der Linkspartei.<\/p>\n<p>Die rhetorische Gewaltbereitschaft dieses Spektrums ist enorm. Kein Krieg der \u201ewestlichen Wertegemeinschaft\u201c, zu dem nicht getrommelt wird. Dabei ist die Kriegsgeilheit schon so gro\u00df geworden, dass es der Trommelei keinen Abbruch tut, selbst wenn der nach Weltherrschaft trachtende gro\u00dfe Feind \u2013 al-Qaeda \u2013 in den eigenen Reihen k\u00e4mpft, wie gegenw\u00e4rtig in Libyen.<\/p>\n<p>Der t\u00f6dliche Angriff israelischer Soldaten auf die Gaza-Friedensflotte im vergangenen Jahr lieferte einen Vorgeschmack auf das Hasspotential dieser anti-muslimischen Querfront. Ob bei den rechten PI-News oder dem linken Portal Indymedia, viele der Nutzer stellten mehr als nur \u201eklammheimliche Freude\u201c am Tod der Aktivisten zur Schau. Nicht wenige h\u00e4tten es am liebsten gesehen, wenn alle \u201eAntisemiten\u201c der Flotte im Meer versenkt worden w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Biederm\u00e4nner und Brandstifter?<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich w\u00e4re es falsch, bekannte \u201eIslamkritiker\u201c wie Henryk M. Broder, Udo Ulfkotte oder Thilo Sarrazin f\u00fcr die Taten Breiviks verantwortlich zu machen und hier eine Kausalit\u00e4t herstellen zu wollen. Oder, wie es Sarah Wagenknecht getan hat, allgemein den \u201eRechtspopulismus\u201c mit in Haft zu nehmen. Alleine, weil es sich dabei eher um einen politischen Kampfbegriff handelt, als um einen analytischen.<\/p>\n<p>Doch wer w\u00fcrde den Zusammenhang zwischen dem Attentat auf Rudi Dutschke und der zuvor gegen ihn in Springers Bild Zeitung betriebenen Hetzkampagne bestreiten? Darum ist der Gedanke an Biedermann und die Brandstifter auch im Zusammenhang mit dem Oslo-Massaker nicht unangebracht. Ebenso wie die \u201eAsyldebatte\u201c Anfang der 1990er Jahre von brennenden Fl\u00fcchtlingsheimen begleitet war, ging auch die von Sarrazin ausgel\u00f6ste \u201eIntegrationsdebatte\u201c der j\u00fcngeren Vergangenheit mit Angriffen auf Moscheen einher. Wer st\u00e4ndig Wasser auf die M\u00fchlen eines ohnehin schon latent gewaltbereiten, von Intoleranz, Hass und Verfolgungswahn gepr\u00e4gten Milieus gie\u00dft, darf sich hinterher nicht beschweren, wenn die M\u00fchlen zu mahlen beginnen.<\/p>\n<p>\u201eEin Abgrund trennt nat\u00fcrlich das ideologische Delirium vom kriminellen Wahnsinn; Tatsache bleibt jedoch, dass sich der kriminelle Wahnsinn auch vom ideologischen Delirium n\u00e4hrt\u201c, brachte es der italienische Publizist Domenico Losurdo auf den Punkt. (2)<\/p>\n<p>Henryk Broder vermag selbst die Tatsache nicht die gute Laune zu vermiesen, dass sich der Massenm\u00f6rder Breivik auch auf ihn positiv bezieht. Broder wird nicht nur mehrfach zitiert, in Anlehnung an dessen Buch Hurrah, wir kapitulieren nennt Breivik einen Abschnitt seines Manifests \u201eHurrah! We Capitulate!\u201c.<\/p>\n<p>Sorgen bereitete Broder das allerdings nicht: \u201eDas einzige, wor\u00fcber ich mir Sorgen mache, ist, woher ich Ersatzteile f\u00fcr meinen Morris Traveller aus dem Jahre 1971 bekomme. Sogar in England werden die Teile knapp,\u201c sagte er gegen\u00fcber dem Tagesspiegel. (3)<\/p>\n<p>Konnte sich Broder in seiner ersten \u00f6ffentlichen Reaktion zu keinerlei Empathie-Bekundungen f\u00fcr die Opfer hinrei\u00dfen lassen, weil diese nicht von Islamisten niedergemetzelt worden waren?<\/p>\n<p>Gegen andere Vertreter der anti-muslimischen Querfront erscheint jedoch selbst Broders Haltung noch als vorbildliches Beispiel des Mitgef\u00fchls. Noch bevor die get\u00f6teten K\u00f6rper erkaltet waren, erhob die islamophobe Bloggersp\u00e4hre Vorw\u00fcrfe an die Opfer. Denn Teilnehmer des Jugendcamps auf Utoya hatten zum Boykott Israels aufgerufen, mit Pal\u00e4stina-Fahnen gewedelt und sich, ebenso wie die Mutterpartei, f\u00fcr die Anerkennung eines pal\u00e4stinensischen Staates ausgesprochen. Utoya sei ein Lager linker Indoktrination, die Teilnehmer in gewisser Weise Terroristen, mindestens aber Antisemiten. Glenn Beck, neokonservative Gallisionsfigur der Tea-Party-Bewegung, verglich die Ermordeten sogar mit der Hitler-Jugend. (4)<\/p>\n<p>Dass Breivik seine Sch\u00fcsse auf die \u201ezuk\u00fcnftige kulturmarxistische und multikulturelle Elite Norwegens\u201c abgegeben hat, trifft bei den Machern der deutschen Fjordman-Webseite auf Verst\u00e4ndnis: \u201eDas ergibt schon in gewisser Weise Sinn, vorausgesetzt man begreift den Konflikt zwischen Kulturmarxisten und V\u00f6lkern als einen Vernichtungskrieg gegen letztere. Zwar ist kein Jugendlicher reif genug, um die Pr\u00e4missen der Leute, die sein Zeltlager organisiert haben, vollst\u00e4ndig zu begreifen, doch genau daf\u00fcr haben Jugendliche Eltern. Und auch die Eltern, die ihren Nachwuchs solchen W\u00f6lfen im Schafspelz anvertrauten, m\u00fcssen begreifen, dass ihre Kinder dort zu Werkzeugen im Kampf gegen das eigene Volk und dessen Recht, nach seiner Art zu leben, abgerichtet werden sollten. Naivit\u00e4t kann man entschuldbar finden, in einem Krieg ist sie aber hochgef\u00e4hrlich und hat einen hohen Preis, der in Blut entrichtet wird.\u201c (5)<\/p>\n<p>Der von dem \u201eAntideutschen\u201c Osten-Sacken gegr\u00fcndete Verein WADI .e.V. verfolgte eine andere Variante, mittels derer der eigene Beitrag zur Entstehung eines gesellschaftlichen Hass-Klimas relativiert werden soll. Auf der Vereinswebseite wurde Breivik allen Ernstes zu einem Antiimperialisten und Anh\u00e4nger der islamischen Umma erkl\u00e4rt. Irgendwie m\u00fcssen die Muslime doch Schuld haben an dessen Tat, schlie\u00dflich sei das \u201eMorbide, Absurde und Unvern\u00fcnftige\u201d ein \u201eunverwechselbares und sozusagen f\u00e4lschungssicheres Erkennungszeichen\u201c der Muslime. (6)<\/p>\n<p>\u201eIslamkritiker\u201c beklagen \u2013 trotz aller Distanzierungen von Breiviks Taten \u2013 weniger die Opfer, als vielmehr sich selbst, da Breivik ihrer Sache einen B\u00e4rendienst erwiesen habe. \u00dcberhaupt, so ein g\u00e4ngiges Argument, seien nicht sie f\u00fcr die Terror-Tat mitverantwortlich, sondern eben jene, die Breivik politisch ins Visier nahm. Denn die \u201eMultikulti\u201c-Fraktion habe erst durch die betriebene Masseneinwanderung die islamische Bedrohung auf die Tagesordnung gesetzt, gegen die sich schlie\u00dflich gewehrt werden m\u00fcsse.<\/p>\n<p>Ein deutscher Waffenappell<\/p>\n<p>So sieht es auch der deutsche Michael Mannheimer, der sich selbst als \u201eIslamwissenschaftler\u201c bezeichnet. Mit einem gewissen Stolz verk\u00fcndete er, den Terrorakt als \u201eFolge der sozialdemokratisch gelenkten islamischen Kolonisierung Norwegens\u201c bereits 2009 \u201eprophezeit\u201c zu haben. (7)<\/p>\n<p>Im April 2011 verfasste Mannheimer einen \u201eAufruf zum allgemeinen Widerstand\u201c. Darin beruft er sich auf das im Artikel 20 des Grundgesetzes gegebene Widerstandsrecht, welches \u201eschonungslos\u201c anzuwenden sei. Wenn \u201esonstige Ma\u00dfnahmen\u201c nicht fruchten, sei \u201ebewaffnet und unter Bedingungen eines B\u00fcrgerkriegs\u201c zu k\u00e4mpfen. \u201eErhebt euch von euren Sofas! (&#8230;) Greift zu den Waffen, wenn es keine anderen Mittel gibt!\u201c. (8)<\/p>\n<p>Denn schlie\u00dflich, so Mannheimer, strebe \u201eder Islam\u201c nach Weltherrschaft, die er durch einen \u201eewigen Krieg\u201c gegen die Ungl\u00e4ubigen bis zur deren \u201ev\u00f6lligen Vernichtung\u201c erreichen will. \u201eDieser islamische Dschihad ist der l\u00e4ngste, blutigste und opferreichste imperiale Feldzug der Menschheitsgeschichte und hat mehr Tote gefordert als christliche Glaubenskriege, Faschismus, Nationalsozialismus und Kommunismus zusammengenommen.\u201c (9)<\/p>\n<p>Mannheimer betont die Dringlichkeit seines Waffenappells: \u201eWenn in Deutschland nicht sofort gehandelt wird, werden wir in wenigen Jahren aus demografischen Gr\u00fcnden dazu nicht mehr in der Lage sein.\u201c Im Klartext: Muslime raus. In Breiviks Manifest ist die Rede von \u201edemographischer Kriegsf\u00fchrung\u201c seitens der Muslime, deren vollst\u00e4ndige Deportation aus Europa sein erkl\u00e4rtes Endziel ist. Zun\u00e4chst m\u00fcsse sich der Kampf aber gegen das \u201ekulturmarxistische\u201c Establishment richten. In einer sp\u00e4teren Phase sollen Muslime durch direkte Angriffe \u201eradikalisiert und manipuliert\u201c werden. Besonders durch Anschl\u00e4ge auf religi\u00f6se Zeremonien sollen sie so gereizt werden, dass sie w\u00fctend zur\u00fcckschlagen. Das, so erhofft sich Breivik, treibe die Nicht-Muslime in die Reihen der Islamhasser: \u201eMuslime sind unser absolut bestes Rekrutierungswerkzeug\u201c. (10)<\/p>\n<p>Belgische Rechtsextremisten versuchten vor f\u00fcnf Jahren auf eine \u00e4hnliche Art, den B\u00fcrgerkrieg zu entfachen. Die Gruppe Bloed-Bodem-Eer-Trouw (Blut-Land-Ehre-Ruhm), der auch Angeh\u00f6rige der belgischen Streitkr\u00e4fte angeh\u00f6rten, wollte den F\u00fchrer der \u201erechtspopulistischen\u201c, anti-islamischen Partei Vlaams Belang ermorden. Das Attentat sollte Muslimen in die Schuhe geschoben werden. Daraufhin sollte ein hochrangiger muslimischer Vertreter get\u00f6tet werden. So erhoffte man sich eine sich gegenseitig aufschaukelnde Eskalation der Gewalt auszul\u00f6sen, die den Ruf nach einem starken Staat laut werden l\u00e4sst, der gegen die Muslime vorgeht. Der Plan scheiterte im letzten Moment, nachdem die Polizei 5 Kasernen der Armee und 18 Privatwohnungen durchsuchte und anschlie\u00dfend 17 Verd\u00e4chtige festnahm. (11)<\/p>\n<p>Wer Mannheimers Aufruf zum Widerstand folgen will, aber nicht wei\u00df, auf wen er seine Waffe richten soll, dem kann Mannheimer weiterhelfen. In einem Artikel f\u00fcr PI-News hat er eine Liste haupts\u00e4chlich deutscher Politiker und Publizisten zusammengestellt, die er als \u201eHelfershelfer des Islam\u201c identifiziert hat.<\/p>\n<p>Sie seien \u201eselbst schuldig geworden\u201c an den \u201edurch den Islam ver\u00fcbten weltweiten Terrorakten\u201c. (12) Solche Leute h\u00e4lt er f\u00fcr \u201eKollaborateure\u201c, in Breiviks Manifest werden sie dagegen als \u201eVerr\u00e4ter der Kategorie A\u201c gef\u00fchrt, welche es vor allem zu eliminieren gelte.<\/p>\n<p>Nebenbei behauptet Mannheimer ernsthaft, dass 99,9 Prozent aller weltweit ver\u00fcbten Terrorakte auf das Konto von Muslimen gingen \u2013 und sinniert gleichzeitig \u00fcber \u201efalsche Statistiken\u201c und \u201eVolksverdummung\u201c. (13)<\/p>\n<p>In dem Artikel \u201eWarum Islamkritiker keine Schuld an dem Massaker in Oslo haben\u201c, schreibt er, der Terrorakt k\u00f6nne als \u201eTat eine Verzweifelten\u201c betrachtet werden, der sich \u201egegen die Besetzung seines Landes durch den Islam\u201c gewehrt hat \u2013 und verschafft dem Wahnsinn damit indirekt Legitimit\u00e4t.<\/p>\n<p>\u201eHauptverantwortung f\u00fcr die weltweite Islamisierung\u201c tr\u00fcge \u201eohne Ausnahme\u201c das \u201e\u00fcberwiegend linke, im besten Fall jedoch gutmenschliche politische Establishment\u201c. (14) Breiviks Opfer d\u00fcrften genau in die \u201egutmenschliche\u201c Zielgruppe fallen. Selbst schuld also.<\/p>\n<p>Doch wer denkt, jemand wie Mannheimer w\u00fcrde vor Gericht zitiert oder bek\u00e4me einen Platz im Verfassungsschutzbericht reserviert, der irrt. In seiner Eigenschaft als \u201eIslamkenner\u201c wird er zu Vortr\u00e4gen an Universit\u00e4ten geladen oder darf bei Burschenschafts-Tagungen referieren. Auch noch nach der Ver\u00f6ffentlichung seines Aufrufs zu den Waffen. (15) Selbst auf der sich dem Kampf gegen Antisemitismus verschriebenen haGalil-Webseite durfte er sich mit einem Artikel verewigen. (16) Ganz normaler Wahnsinn.<\/p>\n<p>9\/11: Ein rotes Tuch f\u00fcr Islamhasser<\/p>\n<p>Dass sich dieses ideologische Gift-Gebr\u00e4u auch in den des Extremismus unverd\u00e4chtigen \u2013 und besonders in den wohlbetucht- \u201ebildungsnahen\u201c \u2013 Kreisen der Gesellschaft gro\u00dfer Beliebtheit erfreut und sich das einfach gestrickte Gut-B\u00f6se-Weltbild der Neokonservativen breit entfalten konnte, liegt nicht zuletzt an den gro\u00dfen Terror-Anschl\u00e4gen, f\u00fcr die Muslime verantwortlich gemacht werden. Allen voran nat\u00fcrlich der 11. September 2001. Auf einmal f\u00fchlte sich die islamische Bedrohung ganz real an. Sie war nicht l\u00e4nger Ausgeburt vermeintlich paranoider Hirne. 9\/11 katapultierte die neokonservative Weltsicht auf die Haupttrib\u00fcne des politischen Diskurses, in dessen Verlauf sich die anti-islamische Querfront formierte. Kein Wunder also, wenn Breivik auch als ein \u201eKind des 11. September\u201c bezeichnet wird. (17)<\/p>\n<p>Sollte sich die offizielle 9\/11-Legende aber tats\u00e4chlich als eine gro\u00dfe L\u00fcge herausstellen, dann ist das neokonservative Projekt gef\u00e4hrdet. Kein Zufall also, dass diese Querfront so vehement jede Aufkl\u00e4rung der offenen Fragen und Widerspr\u00fcche des 11. September unterdr\u00fccken will. Es w\u00e4re nicht auszudenken, wenn 9\/11, oder auch andere Anschl\u00e4ge, \u201eselbst gemacht\u201c und nicht das Werk einer von Muslimen betriebenen Verschw\u00f6rung zur Erlangung der Weltherrschaft w\u00e4ren. \u00c4u\u00dferst gereizt wird deshalb aus den Reihen der Islamhasser auf jeden 9\/11-kritischen Beitrag reagiert. Wenn 9\/11-Skeptiker im September 2011 in Leipzig zu einer Konferenz laden, dann mobilisiert der \u201eisraelsolidarische\u201c BAK Shalom der Linkspartei zu Gegenaktionen. Kein Auftritt der Hip-Hop-Band \u201eDie Bandbreite\u201c, die durch ihr Lied \u201eSelbst gemacht\u201c bekannt wurde, vergeht, ohne dass auf dem linken Portal Indymedia zum Auftrittsverbot aufgerufen oder direkt mit Gewalt gedroht wird. Und wenn ein 9\/11-kritisches Buch in der ARD zur Abwechslung einmal sachlich besprochen wird, dann sch\u00e4umt Henryk M. Broder in der konservativen Welt. Zwischen den Schaum dringen Wortfetzen wie \u201eAntisemit\u201c, \u201eGoebbels\u201c, \u201eHolocaust-Leugnung\u201c und \u00e4hnliches. (18) Durch die Gleichsetzung der 9\/11-Skeptiker mit Holocaust-Leugnern pfl\u00fcgt Broder, der sich selbst als den gro\u00dfen Verfechter der Meinungsfreiheit w\u00e4hnt, argumentativ den Acker, auf dem sp\u00e4ter die Strafverfolgung gegen \u201e9\/11-Ungl\u00e4ubige\u201c gedeihen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Die Aufkl\u00e4rung der L\u00fcgen im Zusammenhang mit dem 11. September oder der geheimdienstlichen Steuerung und Manipulation islamistischen Terrors ist angesichts der Tatsache, dass sich Breiviks Terrorakt ideologisch auch aus dem seit dem 11. September um sich greifenden Islamhass n\u00e4hrte, um so dringlicher.<\/p>\n<p>Da kaum ein Innehalten und \u00dcberdenken bei denjenigen festzustellen ist, die Breivik geistige Munition lieferten, scheint es nur eine Frage der Zeit zu sein, wann sich der n\u00e4chste \u201eKreuzritter\u201c zu h\u00f6heren Taten berufen f\u00fchlt.<\/p>\n<p>Anmerkungen<\/p>\n<p>(1) https:\/\/www.europol.europa.eu\/latest_publications\/2<\/p>\n<p>(2) http:\/\/www.jungewelt.de\/2011\/07-28\/060.php<\/p>\n<p>(3) http:\/\/www.tagesspiegel.de\/kultur\/wohin-mit-dem-hass\/4435402.html<\/p>\n<p>(4) http:\/\/www.washingtonpost.com\/blogs\/blogpost\/post\/glenn-beck-norway-camp-sounds-a-little-like-the-hitler-youth\/2011\/07\/26\/gIQArUGoaI_blog.html<\/p>\n<p>(5) http:\/\/fjordman.wordpress.com\/2011\/07\/26\/uberlegungen-zur-tat-von-utoya\/<\/p>\n<p>(6) http:\/\/www.wadinet.de\/blog\/?p=6433<\/p>\n<p>(7) http:\/\/michael-mannheimer.info\/2011\/07\/23\/michael-mannheimer-prophezeite-bereits-2009-einen-moglichen-anschlag-in-norwegen\/<\/p>\n<p>(8) http:\/\/michael-mannheimer.info\/2011\/04\/09\/mein-aufruf-zum-widerstand-gegen-das-politische-establishment-gemas-art-20-abs-4-gg\/<\/p>\n<p>(9) ebd.<\/p>\n<p>(10) Breiviks Manifest, \u201e2083 \u2013 A European Declaration of Independence\u201c, Seite 1256<\/p>\n<p>(11) http:\/\/web.archive.org\/web\/20070305235541\/http:\/\/www.maerkischeallgemeine.de\/cms\/beitrag\/10784452\/492531\/<\/p>\n<p>(12) http:\/\/www.pi-news.net\/2010\/01\/essay-ehrenmorde-und-islam\/<\/p>\n<p>(13) http:\/\/initiative1683.com\/2011\/05\/27\/gottinger-gesprache-teil-1-michael-mannheimer-und-nassim-ben-iman-zum-thema-islamwissenschafter\/<\/p>\n<p>(14) http:\/\/europenews.dk\/de\/node\/45632<\/p>\n<p>(15) Siehe: http:\/\/europenews.dk\/de\/node\/43954<br \/>\nhttp:\/\/www.fraktion-pro-nrw-gelsenkirchen.de\/ge_mai11.html<\/p>\n<p>(16) http:\/\/webcache.googleusercontent.com\/search?q=cache:8hFX91xszaoJ:www.hagalil.com\/archiv\/2007\/08\/christenverfolgung.htm+Michael+Mannheimer+Hagalil&amp;cd=1&amp;hl=de&amp;ct=clnk&amp;gl=de&amp;client=firefox-a&amp;source=www.google.de<\/p>\n<p>(17) http:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/35\/35186\/1.html<\/p>\n<p>(18) http:\/\/www.welt.de\/print\/die_welt\/vermischtes\/article13503300\/Mit-dem-Ersten-bombt-man-besser.html<\/p>\n<hr \/>\n<p>Foto: N.Andersen &#8211; private, CC0, https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=15957988<br \/>\n<span class=\"mw-mmv-title\">Das Regierungsviertel in Oslo kurz nach dem Bombenanschlag<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><strong>Beitrag Von Sebastian Range<\/strong><br \/>\nDas schreckliche Massaker von Oslo und Utoya, begangen durch den 32-j\u00e4hrigen Norweger Anders Behring Breivik, l\u00f6ste die \u00fcblichen Reflexe aus. Kurz nachdem die Bombe im Regierungsviertel explodiert war, geisterte al-Qaeda bereits als Schuldiger durch die Medienlandschaft, obwohl Norwegens Beh\u00f6rden bis dahin keinerlei Aussagen zur Urheberschaft gemacht hatten. Wenn es kracht, f\u00e4llt der Verdacht sofort auf Islamisten. Und das, obwohl Europol von 249 im Jahr 2010 gez\u00e4hlten terroristischen Aktionen nur drei Islamisten zurechnet. <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":3929,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","advanced_seo_description":"","jetpack_seo_html_title":"","jetpack_seo_noindex":false,"jetpack_post_was_ever_published":false,"footnotes":""},"categories":[12],"tags":[784,652,638,783,675,132],"class_list":["post-3154","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-demokratie-medien-aufklaerung","tag-breivik","tag-islamophobie","tag-medienverantwortung","tag-neofaschismus","tag-terroranschlaege","tag-vorratsdatenspeicherung"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/Oslo_view_of_city_800x445.jpg?fit=800%2C445&ssl=1","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p9stpK-OS","jetpack-related-posts":[{"id":3156,"url":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=3156","url_meta":{"origin":3154,"position":0},"title":"Terror in Norwegen (I)","author":"Webredaktion","date":"1. 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