{"id":3058,"date":"2013-08-09T03:39:44","date_gmt":"2013-08-09T01:39:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.freidenker.org\/?p=3058"},"modified":"2018-02-14T21:42:07","modified_gmt":"2018-02-14T20:42:07","slug":"die-letzten-semiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=3058","title":{"rendered":"Die letzten Semiten"},"content":{"rendered":"<p><strong>Rede von Joseph A. Massad auf der zweiten Pal\u00e4stina-Solidarit\u00e4tskonferenz in Stuttgart 10. &#8211; 12. Mai 2013<\/strong><\/p>\n<p><em>Joseph Massad ist au\u00dferordentlicher Professor f\u00fcr Moderne Arabische Politik und Geistesgeschichte in der Abteilung f\u00fcr Nahost-, S\u00fcdasiatische und Afrikanische Studien der Columbia Universit\u00e4t, New York. Er ist Autor von \u201eThe Persistence of the Palestinian Question: Essays on Zionism and the Palestinians&#8220;<\/em><\/p>\n<p>J\u00fcdische Gegner des Zionismus verstanden schon in ihrer Fr\u00fchzeit, dass diese Bewegung den Grunds\u00e4tzen der Antisemiten folgte bei der Auffassung dessen, was nichtj\u00fcdische Europ\u00e4er als \u201eJ\u00fcdische Frage&#8220; bezeichneten. Was antizionistischen Juden dabei aber am meisten aufstie\u00df, war, dass der Zionismus auch die &#8222;L\u00f6sung&#8220; f\u00fcr die J\u00fcdische Frage teilte, die von Antisemiten immer schon bef\u00fcrwortet worden war, n\u00e4mlich die Vertreibung der Juden aus Europa.<\/p>\n<p>Es war die Protestantische Reformation mit ihrer Wiederbelebung der Hebr\u00e4ischen Bibel, die die Verbindung der modernen Juden Europas zu den Hebr\u00e4ern Pal\u00e4stinas im Altertum herstellen sollte, eine Verbindung, welche die Sprachwissenschaftler des 18. Jahrhunderts durch ihre Entdeckung der &#8222;semitischen&#8220; Sprachfamilie, die das Hebr\u00e4ische und das Arabische umfasste, noch erh\u00e4rten w\u00fcrden. W\u00e4hrend millenarische Protestanten darauf beharrten, dass die Juden ihrer Zeit als Nachfahren der alten Hebr\u00e4er von Europa nach Pal\u00e4stina \u00fcbersiedeln mussten, um die Wiederkunft Jesu Christi zu beschleunigen, f\u00fchrten die Entdeckungen der Sprachwissenschaftler dazu, dass die damaligen Juden die Bezeichnung &#8222;Semiten&#8220; erhielten. Der Sprung der Biowissenschaften im 19. Jahrhundert in Rassenkunde und Vererbungslehre, nach denen die zeitgen\u00f6ssischen europ\u00e4ischen Juden als rassische Nachkommen der alten Hebr\u00e4er verstanden wurden, lag damit nicht allzu fern.<\/p>\n<p>Im 19. Jahrhundert wimmelte es dann von s\u00e4kularen europ\u00e4ischen Pers\u00f6nlichkeiten, die sich auf die Zusammenh\u00e4nge beriefen, die von den anti-j\u00fcdischen protestantischen Millenaristen hergestellt worden waren, und die in der &#8222;Wiederbelebung&#8220; der Juden in Pal\u00e4stina ein politisches Potential erkannten. An einer Beschleunigung der Wiederkunft Jesus Christi war die entsprechende Riege s\u00e4kularer Politiker von Napoleon Bonaparte \u00fcber den britischen Au\u00dfenminister Lord Palmerston (1785-1865) bis hin zu Ernest Laharanne, Privatsekret\u00e4r Napoleons III in den 1860er Jahren, weniger interessiert als die Millenaristen. Sie betrieben vielmehr die Ausweisung der Juden Europas nach Pal\u00e4stina, um letztere als Vertreter des europ\u00e4ischen Imperialismus in Asien aufzustellen. Unterst\u00fctzt wurde ihr Apell von vielen &#8222;Antisemiten&#8220;. Diese neue Bezeichnung hatte der unbekannte Wiener Journalist Wilhelm Marr im Jahr 1879 in einem politischen Programm mit dem Titel Der Sieg des Judentums \u00fcber das Germanentum eingef\u00fchrt und war dann von europ\u00e4ischen antij\u00fcdischen Rassisten \u00fcbernommen worden. Marr hatte den Antisemitismus sorgsam von der Geschichte des religionsbedingten Judenhasses der Christen abgekoppelt und auf einer Linie mit den Theorien semitischer Sprachwissenschafter und der Rassenlehre des 19. Jahrhunderts hervorgehoben, dass die Unterscheidung, die zwischen Juden und Ariern zu machen sei, allein auf dem Aspekt der Rasse beruhe.<\/p>\n<p><strong>Die Assimilierung der Juden in die europ\u00e4ische Kultur<\/strong><\/p>\n<p>Der &#8222;wissenschaftliche Antisemitismus&#8220; bestand darauf, dass Juden sich von den christlichen Europ\u00e4ern unterschieden, im Grunde gar keine Europ\u00e4er seien und dass die Ursache des Antisemitismus allein in der Anwesenheit von Juden in Europa zu finden sei. Der Grund, warum Juden europ\u00e4ischen Christen so viele Probleme verursachten, h\u00e4tte angeblich damit zu tun, dass Juden keine Wurzeln h\u00e4tten. Ihnen fehle ein eigenes Land und damit jede auf ein Land bezogene Loyalit\u00e4t. Im romantischen Zeitalter des europ\u00e4ischen Nationalismus argumentierten die Antisemiten, dass sich Juden nicht in die neuen nationalen Konstellationen einf\u00fcgten und die nationale und rassische Reinheit st\u00f6rten, die f\u00fcr die meisten europ\u00e4ischen Nationalismen von wesentlicher Bedeutung war. Aus diesem Grund, so die Argumentation der Antisemiten, konnten die Juden nur Feindseligkeiten unter christlichen Europ\u00e4ern hervorrufen, wenn sie in Europa blieben. Die einzige L\u00f6sung f\u00fcr die Juden sei, Europa zu verlassen und sich ein eigenes Land aufzubauen. Nat\u00fcrlich lehnten religi\u00f6se und s\u00e4kulare Juden diese erschreckenden antisemitischen Denkweise ab. Orthodoxe Juden und Reformjuden, sozialistische und kommunistische Juden sowie kosmopolitische Juden und jene, die sich an der jiddischen Kultur orientierten, stimmten alle darin \u00fcberein, dass es sich hier um eine gef\u00e4hrliche Ideologie der Feindseligkeit handelt, die darauf ausgelegt war, die Juden aus ihren europ\u00e4ischen Heimatl\u00e4ndern zu vertreiben.<\/p>\n<p>Die j\u00fcdische Haskala oder Aufkl\u00e4rung, die im 19. Jahrhundert ebenfalls aufkam, war bem\u00fcht, die Juden in die s\u00e4kulare nichtj\u00fcdische europ\u00e4ische Kultur zu integrieren und sie zur Aufgabe ihrer j\u00fcdischen Kultur zu bewegen. Es war die Haskala, die versuchte, die Hegemonie orthodoxer j\u00fcdischer Rabbis \u00fcber die &#8222;Ostjuden&#8220; der osteurop\u00e4ischen Shtetl zu brechen und die j\u00fcdische Kultur, die sie als &#8222;mittelalterlich&#8220; betrachtete, zugunsten der modernen s\u00e4kularen Kultur der europ\u00e4ischen Christen zu verabschieden. Aus den Gedanken der Haskala ist das reformierte Judentum als eine an das Christentum und an die Protestanten angelehnte Variante des Judentums hervorgegangen. Dieses Assimilationskonzept wollte die Juden jedoch in die europ\u00e4ische Moderne integrieren und sie nicht aus Europa vertreiben.<\/p>\n<p>Als der Zionismus anderthalb Jahrzehnte nach der Ver\u00f6ffentlichung von Marrs antisemitischem Programm seine Anf\u00e4nge nahm, sollte er all diese anti-j\u00fcdischen Vorstellungen einschlie\u00dflich des wissenschaftlichen Semitismus als richtig und g\u00fcltig \u00fcbernehmen. F\u00fcr die Zionisten waren Juden &#8222;Semiten&#8220;, die von den Hebr\u00e4ern des Altertums abstammten. In seinem Gr\u00fcndungspamphlet Der Judenstaat erkl\u00e4rte Herzl, dass es die Juden seien und nicht ihre christlichen Feinde, die den Antisemitismus &#8222;verursachten&#8220; und dass \u201ewo dieser nicht existiert (der Antisemitismus), er von Juden im Zuge ihrer Migration verbreitet wird.&#8220; Tats\u00e4chlich sei es so, dass \u201edie ungl\u00fcckseligen Juden die Saat des Antisemitismus jetzt gerade nach England bringen. In Amerika haben sie ihn schon eingef\u00fchrt.&#8220; Die Juden, so Herzl, seien eine &#8222;Nation&#8220;, die Europa verlassen sollte, um ihre &#8222;Nationalit\u00e4t&#8220; in Pal\u00e4stina oder in Argentinien wiederherzustellen. Zudem war Herzl der Meinung, dass Juden den europ\u00e4ischen Christen kulturell nacheifern m\u00fcssten und ihre lebendigen Sprachen und Traditionen zugunsten moderner europ\u00e4ischer Sprachen aufgeben oder aber eine Nationalsprache des Altertums wiederbeleben sollten. Herzl bef\u00fcrwortete, dass alle Juden das Deutsche als ihre Sprache ann\u00e4hmen, w\u00e4hrend die osteurop\u00e4ischen Zionisten Hebr\u00e4isch als Sprache wollten. Auf Herzl folgende Zionisten erkl\u00e4rten sich sogar einverstanden und best\u00e4tigten, dass Juden gegen\u00fcber Ariern eine gesonderte Rasse darstellten. Was das Jiddische betraf, die lebendige Sprache der meisten europ\u00e4ischen Juden, so waren alle Zionisten einhellig der Meinung, dass es abgeschafft werden sollte. Die Mehrheit der Juden lehnte den Zionismus weiterhin ab und verstand seine Grunds\u00e4tze als die des Antisemitismus und als eine Fortsetzung der Bestrebungen der Haskala, die j\u00fcdische Kultur abzulegen und die Juden in die s\u00e4kulare nichtj\u00fcdische europ\u00e4ische Kultur zu assimilieren. Der Zionismus unterschied sich hiervon allein darin, dass er vorhatte, dies nicht innerhalb Europas umzusetzen, sondern &#8211; nach einer Vertreibung der Juden aus Europa &#8211; an geographisch anderer Stelle. Der Bund bzw. die Allgemeine J\u00fcdische Arbeiter Union in Litauen, Polen und Russland, die Anfang Oktober 1897 in Vilna gegr\u00fcndet wurde, sollte wenige Wochen nach der ersten Zusammenkunft des Zionisten-Kongresses in Basel Ende August 1897, der sch\u00e4rfste Gegner des Zionismus werden. Der Bund trat den schon vorhandenen antizionistischen j\u00fcdischen Koalitionen von orthodoxen Rabbis und Reform-Rabbis bei, die Monate zuvor bereits ihre Kr\u00e4fte geb\u00fcndelt hatten, um Herzl an der Einberufung des ersten Zionisten-Kongresses in M\u00fcnchen zu hindern, was diesen dann zwang den Kongress nach Basel zu verlegen. J\u00fcdische Antizionisten aus ganz Europa und den Vereinigten Staaten wurden von der Mehrzahl der Juden unterst\u00fctzt, die den Zionismus noch bis sp\u00e4t in die 1940er Jahre weiter als eine anti-j\u00fcdische Bewegung betrachteten.<\/p>\n<p><strong>Eine antisemitische Reihe prozionistischer Enthusiasten<\/strong><\/p>\n<p>Als er erkannte, dass sein Plan f\u00fcr die Zukunft der europ\u00e4ischen Juden \u00fcbereinstimmte mit den Vorstellungen der Antisemiten, bem\u00fchte sich Herzl fr\u00fchzeitig um eine strategische Allianz mit den Letzteren. In seinem Der Judenstaat erkl\u00e4rte er: \u201eDie Regierungen aller vom Antisemitismus gegei\u00dfelten L\u00e4nder werden ein gro\u00dfes Interesse daran zeigen uns bei der Erlangung der Souver\u00e4nit\u00e4t, die wir uns vorstellen, zu unterst\u00fctzen.&#8220; Er f\u00fcgte hinzu, dass \u201enicht nur arme Juden&#8220; einen Beitrag zu einem Immigrationsfonds f\u00fcr die europ\u00e4ischen Juden leisten w\u00fcrden, \u201esondern auch Christen, die diese loswerden wollten.&#8220; V\u00f6llig unapologetisch vermerkte Herzl in seinen Tageb\u00fcchern: \u201eDie Antisemiten werden unsere zuverl\u00e4ssigsten Freunde werden und die antisemitischen L\u00e4nder unsere Verb\u00fcndeten.&#8220; Insofern war es eine ganz bewusst von ihm angestrebte Allianz, als Herzl im Jahr 1903 begann, sich mit ber\u00fcchtigten Antisemiten zu treffen wie dem russischen Innenminister Vyacheslav von Plehve, der die anti-j\u00fcdischen Pogrome in Russland beaufsichtigte. Es war keineswegs ein Zufall, dass es der antisemitische Lord Balfour war, der als 1905 Premierminister von Gro\u00dfbritannien f\u00fcr das Ausl\u00e4ndergesetz seiner Regierung verantwortlich zeichnete, das osteurop\u00e4ische Juden auf der Flucht vor russischen Pogromen an der Einreise nach Gro\u00dfbritannien hinderte, um \u2013 wie er es darstellte \u2013 das Land vor den &#8222;unzweifelhaften \u00dcbeln&#8220; einer &#8222;gro\u00dfenteils j\u00fcdischen Immigration&#8220; zu bewahren. Balfours ber\u00fcchtigte Erkl\u00e4rung von 1917, in Pal\u00e4stina eine &#8222;nationalen Heimat&#8220; f\u00fcr das &#8222;j\u00fcdische Volk&#8220; zu schaffen, zielte unter anderem darauf ab, j\u00fcdische Unterst\u00fctzer der Russischen Revolution zu bremsen und die Woge weiterer ungewollter j\u00fcdischer Immigranten nach Gro\u00dfbritannien im Zaum zu halten.<\/p>\n<p>Innerhalb dieser antisemitischen Reihe von prozionistischen Enthusiasten, sollten die Nazis keine Ausnahme darstellen. Und tats\u00e4chlich w\u00fcrden die Zionisten ganz zu Anfang ihrer Geschichte ein Abkommen mit den Nazis treffen. Es war im Jahr 1933, als die ber\u00fcchtigte Transfer-Vereinbarung (Ha&#8217;Avara) zwischen den Zionisten und der Nazi-Regierung unterzeichnet wurde, um den Transfer deutscher Juden und ihres Besitzes nach Pal\u00e4stina zu erleichtern, wodurch der von amerikanischen Juden initiierte internationale j\u00fcdische Boykott gegen Nazideutschland gebrochen wurde. Ganz in diesem Sinne wurden Nazi- Sonderbeauftragte nach Pal\u00e4stina entsandt, um von dort \u00fcber die Erfolge der j\u00fcdischen Kolonialisierung des Landes zu berichten. Adolf Eichmann kehrte 1937 mit einem ganzen B\u00fcndel phantastischer Geschichten \u00fcber die Errungenschaften der rassisch-separatistischen Ashkenazi-Kibbuze von seiner Reise nach Pal\u00e4stina zur\u00fcck. Als Gast der Zionisten hatte er einen der Kibbuze auf dem Berg Carmel besucht.<\/p>\n<p>Trotz des \u00fcberw\u00e4ltigenden Widerstands der meisten deutschen Juden war es der Deutsche Zionistenverband, der als einzige j\u00fcdische Gruppierung die N\u00fcrnberger Gesetze von 1935 unterst\u00fctzte, weil er mit den Nazis darin \u00fcbereinstimmte, dass Juden und Arier verschiedene und voneinander trennbare Rassen seien. Dabei handelte es sich nicht um eine taktische Entscheidung, sondern um eine, die auf einer ideologischen \u00c4hnlichkeit beruhte. Mit der Endl\u00f6sung der Nazis war urspr\u00fcnglich die Vertreibung der deutschen Juden nach Madagaskar gemeint. Es ist dieses gemeinsame Ziel der Vertreibung der Juden als separate nicht integrierbare Rasse aus Europa, das die ganze Zeit \u00fcber eine geistige N\u00e4he zwischen den Nazis und Zionisten herstellte. W\u00e4hrend sich die Mehrheit der Juden weiter der antisemitischen Basis des Zionismus und ihren Allianzen mit Antisemiten widersetzte, wurden durch den Nazi-V\u00f6lkermord nicht nur 90 % der europ\u00e4ischen Juden get\u00f6tet, sondern dabei auch die Mehrzahl der j\u00fcdischen Feinde des Zionismus, die genau deshalb starben, weil sie sich geweigert hatten, dem zionistischen Aufruf Folge zu leisten und ihre Heimatl\u00e4nder und Wohnungen zu verlassen.<\/p>\n<p>Nach dem Krieg hielt das Entsetzen angesichts des Holocaust an den Juden die europ\u00e4ischen L\u00e4nder nicht davon ab, das antisemitische Programm des Zionismus zu unterst\u00fctzen. Im Gegenteil, was diese L\u00e4nder mit den Nazis gemeinsam hatten, war eine Vorliebe f\u00fcr den Zionismus. Allein das V\u00f6lkermord-Programm des Nazismus lehnten sie ab. Neben den Vereinigten Staaten von Amerika weigerten sich auch europ\u00e4ische L\u00e4nder, Hunderttausende j\u00fcdische Holocaust-\u00dcberlebende bei sich aufzunehmen. Tats\u00e4chlich stimmten diese L\u00e4nder gegen eine von den arabischen Staaten im Jahr 1947 vorgeschlagene UN-Resolution, die sie dazu aufrief, j\u00fcdische \u00dcberlebende aufzunehmen. Genau dieselben L\u00e4nder waren es indes, die im November 1947 den Teilungsplan der Vereinten Nationen unterst\u00fctzten, um in Pal\u00e4stina einen j\u00fcdischen Staat zu schaffen, in den die unerw\u00fcnschten j\u00fcdischen Fl\u00fcchtlinge gedr\u00e4ngt werden konnten.<\/p>\n<p><strong>Die prozionistische Politik der Nazis<\/strong><\/p>\n<p>Die Vereinigten Staaten und einige europ\u00e4ische L\u00e4nder einschlie\u00dflich Deutschland setzen die pro-zionistischen Strategien der Nazis fort. Die Regierungen des Nachkriegsdeutschland, die sich selbst so darstellten, als schl\u00fcgen sie im Buch ihrer Beziehung zu Juden eine neue Seite auf, setzten dies in der Wirklichkeit in keiner Weise um. Seit der Neugr\u00fcndung des Landes nach dem Zweiten Weltkrieg hat noch jede westdeutsche Regierung (und jede Regierung seit der Wiedervereinigung im Jahr 1990) die pro-zionistischen Nazistrategien unvermindert fortgef\u00fchrt. Einen Bruch mit dem pro-zionistischen Strategie der Nazis hat es nie gegeben. Der einzige Bruch, der je stattgefunden hat, war der mit dem v\u00f6lkerm\u00f6rderischen und rassistischen Judenhass, dem sich die Nazis verschrieben hatten. Das betraf allerdings nicht den Wunsch, die Juden in einem Land in Asien fernab von Europa zu sehen. Tats\u00e4chlich lie\u00dfen die Deutschen verlauten, dass ein gro\u00dfer Teil des Geldes, das man nach Israel schickte, zur Deckung der Kosten f\u00fcr die Umsiedlung j\u00fcdischer Fl\u00fcchtling aus Europa in dieses Land beitragen sollte. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam in den Vereinigten Staaten und in Europa ein neuer Konsens dar\u00fcber auf, dass Juden posthum in die Kultur wei\u00dfer Europ\u00e4er integriert werden m\u00fcssten, und dass der Schrecken des j\u00fcdischen Holocaust im Wesentlichen ein Horror angesichts des Mordes an wei\u00dfen Europ\u00e4ern war. Seit den 1960er Jahren begannen Hollywood-Filme \u00fcber den Holocaust, j\u00fcdische Opfer des Nazismus als wei\u00dfe, christlich aussehende Vertreter der gebildeten und talentierten Mittelklasse darzustellen, nicht un\u00e4hnlich den zeitgen\u00f6ssischen europ\u00e4ischen und amerikanischen Christen, die sich mit ihnen identifizieren sollten und dies auch taten. H\u00e4tten diese Filme die armen religi\u00f6sen Juden Osteuropas gezeigt (und die meisten osteurop\u00e4ischen Juden, die von den Nazis get\u00f6tet wurden, waren arm, und viele von ihnen waren religi\u00f6s), dann h\u00e4tten zeitgen\u00f6ssische wei\u00dfe Christen vermutlich kein Gemeinsamkeitsgef\u00fchl gegen\u00fcber diesen entwickelt. Insofern beruhte das Entsetzen europ\u00e4ischer Christen nach dem Holocaust angesichts des V\u00f6lkermordes an den europ\u00e4ischen Juden nicht auf dem Horror \u00fcber die Abschlachtung von Millionen von Menschen, die anders waren als europ\u00e4ische Christen, sondern eher auf dem Schrecken \u00fcber den Mord an Millionen von Menschen, die den europ\u00e4ischen Christen glichen. Das erkl\u00e4rt, warum sich in einem Land wie den Vereinigten Staaten von Amerika, das mit der Abschlachtung europ\u00e4ischer Juden nichts zu tun hatte, weit \u00fcber vierzig Holocaust-Gedenkst\u00e4tten und eines der wichtigsten Museen f\u00fcr die ermordeten Juden Europas befinden, aber keine einzige Gedenkst\u00e4tte f\u00fcr den Holocaust an den amerikanischen Ureinwohnern oder an den Afro-Amerikanern, f\u00fcr die die Vereinigten Staaten verantwortlich sind.<\/p>\n<p>Aim\u00e9 C\u00e9saire hatte diesen Prozess sehr gut verstanden. In seiner ber\u00fchmten Rede \u00fcber den Kolonialismus bekr\u00e4ftigte er, dass im R\u00fcckblick die Auffassung europ\u00e4ischer Christen gegen\u00fcber dem Nazismus folgende ist:<br \/>\nEs handelt sich um Barbarei, aber um eine Barbarei h\u00f6chster G\u00fcte, die Kr\u00f6nung der Barbarei, die all die t\u00e4glichen Rohheiten zusammenf\u00fcgt; das ist es, Nazismus, ja, aber der Punkt ist, dass sie [die Europ\u00e4er], bevor sie ihm zum Opfer fie len, seine Komplizen waren und diesen Nazismus toleriert haben, bevor er ihnen auferlegt wurde, dass sie ihm eine A bsolution erteilt, ihre Augen davor verschlossen, ihn legitimiert haben, weil er bis dahin nur auf nicht-europ\u00e4ische V\u00f6lker angewendet worden war; dass sie diesen Nazismus kultiviert haben, dass sie daf\u00fcr verantwortlich sind, und dass er, bevor er die gesamte westliche, christliche Zivilisation in seinen ger\u00f6teten Wassern verschlang, schon \u00fcberall hervortriefte, durchsickerte und aus jeder Spalte rann. Es stimmt durchaus, dass C\u00e9saire die Kriege der Nationalsozialisten und den Holocaust als nach innen gerichteten europ\u00e4ischen Kolonialismus sah. Aber seitdem die Opfer des Nazismus als wei\u00dfe B\u00fcrger rehabilitiert sind, f\u00fchren Europa und sein amerikanischer Komplize ihre Nazipolitik der Gr\u00e4ueltaten an nicht wei\u00dfen V\u00f6lkern auf der ganzen Welt weiter fort, so in Korea, in Vietnam und Indochina, in Algerien, in Indonesien, in Zentral- und S\u00fcdamerika, in Zentral- und S\u00fcdafrika, in Pal\u00e4stina, im Iran sowie im Irak und in Afghanistan.<\/p>\n<p>Die Rehabilitation der europ\u00e4ischen Juden nach dem Zweiten Weltkrieg war ein ma\u00dfgeblicher Bestandteil der US-Propaganda im Kalten Krieg. Als amerikanische Sozialwissenschaftler und Ideologen die Theorie vom &#8222;Totalitarismus&#8220; entwickelt hatten, die den sowjetischen Kommunismus und den Nationalsozialismus als im Wesentlichen gleiche Herrschaftsformen postulierte, wurden die europ\u00e4ischen Juden &#8211; als die Opfer eines eben solchen totalit\u00e4ren Regimes &#8211; zu einer Figur f\u00fcr die Illustration von Gr\u00e4ueltaten, die laut der amerikanischen und der westeurop\u00e4ischen Propaganda jenen Grausamkeiten entsprachen, die das Sowjet-Regime in den Zeiten vor und nach dem Krieg angeblich ver\u00fcbt hatte. Dass Israel mit auf den Zug aufspringen und die Sowjets des Antisemitismus bezichtigen w\u00fcrde, weil letztere ihren sowjetisch-j\u00fcdischen B\u00fcrgern die Selbstausweisung und die Ausreise nach Israel verweigert hatten, war ebenfalls Teil der Propaganda.<\/p>\n<p><strong>Bekenntnis zur wei\u00dfen Vorherrschaft<\/strong><\/p>\n<p>Und genau das war es, wodurch das europ\u00e4ische und US-amerikanische Bekenntnis zur wei\u00dfen Vormachtstellung fortgesetzt werden konnte, nur dass dies nun auch Juden als Teil der &#8222;wei\u00dfen&#8220; Bev\u00f6lkerung umfasste, und dass daraus die sogenannte &#8222;j\u00fcdisch-christliche&#8220; Zivilisation hervorging. Die europ\u00e4ische und amerikanische Politik nach dem Zweiten Weltkrieg, die weiterhin durch den Rassismus gegen\u00fcber amerikanischen Ureinwohnern, Afrikanern, Asiaten und Muslimen inspiriert und diktiert wurde und die das antisemitische Programm des Zionismus der Assimilierung von Juden in die wei\u00dfe Gesellschaft in einem Kolonialstaat von Siedlern weit weg von Europa unterst\u00fctzte, stellte eine direkte Fortsetzung der vor dem Krieg weitverbreiteten antisemitischen Politik dar. Nur dass sich jetzt ein gro\u00dfer Teil der antisemitischen und rassistischen Boshaftigkeit gegen Araber und Muslime richtete (und zwar gegen beide Gruppen \u2013 diejenigen, die als Immigranten und B\u00fcrger in Europa und in den Vereinigten Staaten und diejenigen, die in Asien und Afrika leben), wobei die ehemalige antisemitische Unterst\u00fctzung f\u00fcr den Zionismus weiter ungehindert fortgesetzt wird.<\/p>\n<p>Die westdeutsche Allianz mit dem Zionismus und mit Israel nach dem Zweiten Weltkrieg, die Israel in den 1950er Jahren enorme Wirtschaftshilfen zukommen lie\u00df und das Land seit den fr\u00fchen 1960er Jahren mit wirtschaftlicher Unterst\u00fctzung und Milit\u00e4rhilfen versorgt, einschlie\u00dflich jener Panzer, mit denen Pal\u00e4stinenser und andere Araber get\u00f6tet wurden, ist eine Fortsetzung jener Allianz, die die Naziregierung in den 1930er Jahren mit den Zionisten abschloss. In den 1960er Jahren stellte Westdeutschland den Israelis sogar milit\u00e4risches Training f\u00fcr ihre Soldaten zur Verf\u00fcgung, und seit den 1970er Jahren hat Israel diverse atomar best\u00fcckbare U-Boote aus deutscher Herstellung erhalten, von denen Israel erhofft, noch mehr Araber und Muslime damit t\u00f6ten zu k\u00f6nnen. In den vergangen Jahren hat Israel die neuesten aus Deutschland gelieferten U-Boote mit Marschflugk\u00f6rpern mit atomaren Sprengk\u00f6pfen ausgestattet. Eine Tatsache, die der aktuellen deutschen Regierung wohlbekannt ist. Israels damaliger Verteidigungsminister Ehud Barak sagte dem deutschen Magazin Der SPIEGEL im Jahr 2012, dass die Deutschen &#8222;stolz&#8220; sein sollten, dass sie die Existenz des Staates Israel &#8222;\u00fcber so viele Jahre&#8220; gesichert h\u00e4tten. Berlin finanzierte ein Drittel der Kosten f\u00fcr die U-Boote, etwa 135 Millionen Euro (168 Millionen US-$) pro U-Boot, und hat Israel erlaubt, seine Zahlungen bis ins Jahr 2015 aufzuschieben. Dass diese Vorgehensweise Deutschland zu einem Komplizen der Enteignung der Pal\u00e4stinenser macht, ist f\u00fcr die gegenw\u00e4rtige deutsche Regierung nicht mehr von Belang, als es den westdeutschen Kanzler Konrad Adenauer in den 1960er Jahren gest\u00f6rt hat. Dieser hielt fest, dass \u201edie Bundesrepublik weder das Recht noch die Pflicht hat, in der Frage der pal\u00e4stinensischen Fl\u00fcchtlinge eine Position zu beziehen.&#8220;<\/p>\n<p>All dies ist den gewaltigen Milliardenbetr\u00e4gen hinzuzuf\u00fcgen, die Deutschland als Wiedergutmachung f\u00fcr den Holocaust an die israelische Regierung gezahlt hat \u2013 als ob Israel und der Zionismus die Opfer des Nationalsozialismus gewesen w\u00e4ren. In Wirklichkeit waren es jedoch die antizionistischen Juden, die von den Nazis get\u00f6tet wurden. Die derzeitige deutsche Regierung schert sich nicht um die Tatsache, dass selbst jene deutschen Juden, die vor den Nazis geflohen und in Pal\u00e4stina gelandet sind, den Zionismus und seine Ziele verabscheuten &#8211; und im Gegenzug von den zionistischen Kolonialisten in Pal\u00e4stina ebenso gehasst wurden. Als deutsche Fl\u00fcchtlinge im Pal\u00e4stina der 1930er und 1940er Jahre sich weigerten, Hebr\u00e4isch zu lernen und ein halbes Dutzend deutscher Tageszeitungen in dem Land herausbrachten, wurden sie von der hebr\u00e4ischen Presse angegriffen \u2013 einschlie\u00dflich der Ha&#8217;Aretz, die im Jahr 1939 und noch einmal im Jahr 1941 die Schlie\u00dfung dieser Zeitungen forderte.<\/p>\n<p>Zionistische Kolonialisten attackierten ein Caf\u00e9 in Tel Aviv, das Deutschen geh\u00f6rte, weil seine j\u00fcdischen Eigent\u00fcmer es ablehnten, Hebr\u00e4isch zu sprechen. Und die Stadtverwaltung von Tel Aviv drohte im Juni 1944 einigen ihrer deutsch-j\u00fcdischen Einwohner, weil sie in ihrem Haus in der Allenby Stra\u00dfe 21 \u201eParties und B\u00e4lle vollst\u00e4ndig in deutscher Sprache&#8220; veranstalteten und \u201eProgramme zeigen, die dem Geist unserer Stadt fremd sind&#8220; und lie\u00df verlauten, dass dies \u201ein Tel Aviv nicht toleriert&#8220; werde. Deutsche Juden oder Yekkes, wie sie im Yishuv, der j\u00fcdischen Bev\u00f6lkerung Israels vor der Staatgr\u00fcndung, genannt wurden, organisierten im Jahr 1941 sogar eine Feier zum Kaisergeburtstag (Diese und weitere Einzelheiten \u00fcber deutsch-j\u00fcdische Fl\u00fcchtlinge in Pal\u00e4stina k\u00f6nnen in Tom Segevs Buch Die Siebte Million nachgelesen werden). F\u00fcgt man dem die deutsche Unterst\u00fctzung f\u00fcr Israels Politik gegen\u00fcber den Pal\u00e4stinensern bei den Vereinten Nationen hinzu, so wird das Bild komplett. Selbst die neue Holocaust-Gedenkst\u00e4tte in Berlin, die im Jahr 2005 er\u00f6ffnet wurde, beh\u00e4lt die rassistische Apartheid der Nazis bei, indem dieses \u201eDenkmal f\u00fcr die ermordeten Juden Europas&#8220; nur den j\u00fcdischen Opfern der Nazis gewidmet ist, die bis heute &#8211; wie zuzeiten von Hitler befohlen &#8211; von den weiteren Millionen Nicht-Juden, die dem Naziregime ebenfalls zum Opfer gefallen sind, unterschieden werden m\u00fcssen. Dass eine Zweigstelle der deutschen Firma Degussa, die mit den Nazis kollaboriert und das Zyklon B-Gas hergestellt hatte, das f\u00fcr die Ermordung von Menschen in den Gaskammern eingesetzt wurde, den Auftrag f\u00fcr den Bau der Gedenkst\u00e4tte erhalten hatte, war denn auch in keiner Weise \u00fcberraschend, schon weil dies einfach nur best\u00e4tigt, dass diejenigen, die in Deutschland w\u00e4hrend der sp\u00e4ten 1930er Jahre und in den 1940er Jahren Juden get\u00f6tet haben, ihre Taten jetzt bereuen, da sie Juden jetzt als wei\u00dfe Europ\u00e4er verstehen, derer man gedenken muss, und die vor allen Dingen aufgrund ihrer wei\u00dfen Hautfarbe nicht h\u00e4tten get\u00f6tet werden d\u00fcrfen. Ein Zusammenhang zwischen der deutschen Politik der Beg\u00fcnstigung der Ermordung von Arabern durch Israel und diesem Bekenntnis zum Antisemitismus, das sich vor allem im heutigen deutschen anti-muslimischen Rassismus fortsetzt und das auf muslimische Immigranten abzielt, wird sich wohl kaum von der Hand weisen lassen.<\/p>\n<p><strong>Euro-amerikanische antij\u00fcdische Tradition<\/strong><\/p>\n<p>Der j\u00fcdische Holocaust hat die Mehrheit der Juden ums Leben gebracht, die den europ\u00e4ischen Antisemitismus einschlie\u00dflich des Zionismus bek\u00e4mpften und dagegen angingen. Mit ihrem Tod sind die einzig verbliebenen &#8222;Semiten&#8220;, die heutzutage gegen den Zionismus und seinen Antisemitismus k\u00e4mpfen, das pal\u00e4stinensische Volk. W\u00e4hrend Israel darauf beharrt, dass europ\u00e4ische Juden nicht nach Europa geh\u00f6ren und nach Pal\u00e4stina kommen m\u00fcssen, haben die Pal\u00e4stinenser immer darauf bestanden, dass die Heimst\u00e4tten europ\u00e4ischer Juden in ihren europ\u00e4ischen Heimatl\u00e4ndern und nicht in Pal\u00e4stina liegen und dass der zionistische Kolonialismus dem ihm eigenen Antisemitismus entspringt. W\u00e4hrend der Zionismus darauf beharrt, dass Juden eine von europ\u00e4ischen Christen getrennte Rasse sind, bestehen die Pal\u00e4stinenser darauf, dass europ\u00e4ischen Juden nichts weiter sind als eben Europ\u00e4er, die mit Pal\u00e4stina, seinen Menschen oder seiner Kultur nichts zu tun haben. Was Israel und seine amerikanischen und europ\u00e4ischen Verb\u00fcndeten w\u00e4hrend der letzten sechseinhalb Jahrzehnte versucht haben zu erreichen, ist, die Pal\u00e4stinenser davon zu \u00fcberzeugen, dass auch sie zu Antisemiten werden und dass sie wie die Nazis, wie Israel und wie seine westlichen antisemitischen Verb\u00fcndeten daran glauben m\u00fcssen, dass Juden eine Rasse sind, die sich von europ\u00e4ischen Rassen unterscheidet, dass Pal\u00e4stina ihr Land ist, und dass Israel f\u00fcr alle Juden spricht. Die Tatsache, dass die beiden gr\u00f6\u00dften pro-israelischen amerikanischen W\u00e4hlerblocks heute aus millenarischen Protestanten und s\u00e4kularen Imperialisten bestehen, f\u00fchrt genau jene euro-amerikanische anti-j\u00fcdische Tradition weiter fort, die bis zur Protestantischen Reformation und zum Imperialismus des 19. Jahrhunderts zur\u00fcckreicht. Aber die Pal\u00e4stinenser lassen sich nicht \u00fcberzeugen. Sie bleiben standhaft in ihrem Widerstand gegen den Antisemitismus.<\/p>\n<p>Israel und seine antisemitischen Verb\u00fcndeten beteuern, dass Israel &#8222;das j\u00fcdische Volk&#8220; ist, dass seine Vorgehensweisen &#8222;j\u00fcdische&#8220; Politik sind, dass seine Errungenschaften &#8222;j\u00fcdische&#8220; Erfolge sind, dass seine Verbrechen &#8222;j\u00fcdische&#8220; Verbrechen sind, und dass deshalb jeder, der es wagt, Israel zu kritisieren, Juden kritisiert und deshalb ein Antisemit sein muss. Das pal\u00e4stinensische Volk k\u00e4mpft entschieden gegen diese antisemitische Volksverhetzung. Es wird weiterhin bekr\u00e4ftigen, dass die israelische Regierung nicht f\u00fcr alle Juden spricht, dass sie nicht alle Juden repr\u00e4sentiert, dass die kolonialen Verbrechen an dem pal\u00e4stinensischen Volk ihre eigenen sind und nicht die des &#8222;j\u00fcdischen Volkes&#8220;, und dass sie deshalb kritisiert, verurteilt und wegen ihrer fortlaufenden Kriegsverbrechen gegen das pal\u00e4stinensische Volk strafrechtlich belangt werden muss. Dies ist keine neue pal\u00e4stinensische Sicht, sondern eine, die bereits seit der Wende des 20. Jahrhunderts besteht und sich \u00fcber den pal\u00e4stinensischen Kampf gegen den Zionismus vor dem Zweiten Weltkrieg bis heute fortsetzt. Yasser Arafats Rede bei den Vereinten Nationen von 1974 hat all diese Punkte deutlich betont:<br \/>\n\u201eIn der Weise wie der Kolonialismus die Elenden, die Armen und die Ausgebeuteten achtlos als blo\u00dfe tr\u00e4ge Masse benutz te, um seinen Siedler-Kolonialismus aufzubauen und zu verwirklichen, so wurden auch die mittellosen, unterdr\u00fcckten europ\u00e4ischen Juden im Namen des Weltimperialismus und der zionistischen F\u00fchrung benutzt. Europ\u00e4ische Juden wurden zu Instrumente der Aggression gemacht, sie wurden Bestandteil eines Siedler-Kolonialismus, der eng mit der Rassendiskriminierung verbunden ist &#8230; Die zionistische Theologie wurde gegen unser pal\u00e4stinensischen Volk eingesetzt: das Ziel war nicht nur die Errichtung eines Siedler-Kolonialismus im westlichen Stil, sondern auch die Trennung der Juden von ihren verschiedenen Heimatl\u00e4ndern und daraus folgend ihre Entfremdung von ihren Nationalit\u00e4ten. Der Zionismus vereint sich in seinen r\u00fcckschrittlichen Grunds\u00e4tzen mit dem Antisemitismus und ist letztlich nur eine andere Seite der sel ben billigen Medaille. Denn wenn alle Vorschl\u00e4ge an uns so aussehen, dass die Anh\u00e4nger des j\u00fcdischen Glaubens, ungeachtet ihrer nationalen Wohnorte, den letzteren weder Loyalit\u00e4t schulden noch auf gleicher Ebene mit ihren anderen, nicht-j\u00fcdischen Mitb\u00fcrgern leben sollten, wenn so die Vorschl\u00e4ge aussehen, dann h\u00f6ren wir daraus, dass man uns Antisemitismus nahe legt. Wenn uns gesagt wird, dass die einzige L\u00f6sung f\u00fcr die j\u00fcdische Frage darin liege, dass die Juden sich von Gemeinschaften oder Nationen entfremden, in deren Geschichte sie eine Rolle spielen, wenn es hei\u00dft, dass die Juden das j\u00fcdische Problem l\u00f6sen k\u00f6nnen, indem sie immigrieren und sich gezwungenerma\u00dfen in dem Land eine anderen Volkes niederlassen, wo das stattfindet, da wird genau jene Position bef\u00fcrwortet, die Antisemiten gegen\u00fcber Juden so drin gend einfordern.&#8220;<\/p>\n<p>Israels Behauptung, seine Kritiker m\u00fcssten alle Antisemiten sein, setzt voraus, dass diese Kritiker der Behauptung Israels glauben, dass Israel &#8222;das j\u00fcdische Volk&#8220; vertrete. Dabei ist Israels Behauptung, alle Juden zu repr\u00e4sentieren und f\u00fcr sie alle zu sprechen, die antisemitischste Behauptung \u00fcberhaupt.<\/p>\n<p>Israel und die westlichen M\u00e4chte wollen den Antisemitismus heutzutage gerne zu einem internationalen Prinzip erheben, um das herum sie einen vollst\u00e4ndigen Konsens zu erreichen suchen. Sie bestehen darauf, dass f\u00fcr einen Frieden im Nahen Osten Pal\u00e4stinenser, Araber und Muslime wie die westlichen Antisemiten werden m\u00fcssen, indem sie den Zionismus \u00fcbernehmen und Israels antisemitische Forderungen anerkennen. Mit Ausnahme diktatorischer arabischer Regime und der Pal\u00e4stinensischen Autonomiebeh\u00f6rde und ihrer Spie\u00dfgesellen weigern sich das pal\u00e4stinensische Volk und die wenigen \u00fcberlebenden antizionistischen Juden an diesem 65. Jahrestag der antisemitischen Eroberung Pal\u00e4stinas durch die Zionisten, die den Pal\u00e4stinensern als Nakba bekannt ist, aber weiter, dieser internationalen Forderung und Verhetzung zum Antisemitismus Folge zu leisten. Sie bleiben dabei, dass sie als die letzten Semiten, als die Erben des j\u00fcdischen und pal\u00e4stinensischen Kampfes aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg den Antisemitismus und seine zionistisch-koloniale Manifestation ablehnen. Es ist ihr Widerstand, der dem vollst\u00e4ndigen Sieg des europ\u00e4ischen Antisemitismus im Nahen Osten und auf der ganzen Welt im Wege steht.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>\u00dcbersetzung aus dem Englischen: Sabine Isbanner<\/em><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.palaestinakomitee-stuttgart.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.palaestinakomitee-stuttgart.de<\/a><br \/>\nVisdP: Pal\u00e4stinakomitee Stuttgart, c\/o A. Rajab, Johannes-Kr\u00e4merstr. 43, 70597 Stuttgart<\/p>\n<hr \/>\n<p>Bild: Al Nakba (die Katastrophe) &#8211; Graffiti auf einer Wand Nazareth (Israel), 2014<br \/>\nBildautor: PRA \/ Quelle: https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Al_Nakba_-_Graffiti_-_Nazareth.jpg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><strong>Rede von Joseph A. Massad auf der zweiten Pal\u00e4stina-Solidarit\u00e4tskonferenz in Stuttgart<\/strong><br \/>\nEs war die Protestantische Reformation mit ihrer Wiederbelebung der Hebr\u00e4ischen Bibel, die die Verbindung der modernen Juden Europas zu den Hebr\u00e4ern Pal\u00e4stinas im Altertum herstellen sollte, eine Verbindung, welche die Sprachwissenschaftler des 18. Jahrhunderts durch ihre Entdeckung der &#8222;semitischen&#8220; Sprachfamilie, die das Hebr\u00e4ische und das Arabische umfasste, noch erh\u00e4rten w\u00fcrden. W\u00e4hrend millenarische Protestanten darauf beharrten, dass die Juden ihrer Zeit als Nachfahren der alten Hebr\u00e4er von Europa nach Pal\u00e4stina \u00fcbersiedeln mussten, um die Wiederkunft Jesu Christi zu beschleunigen, f\u00fchrten die Entdeckungen der Sprachwissenschaftler dazu, dass die damaligen Juden die Bezeichnung &#8222;Semiten&#8220; erhielten. <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":3782,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","advanced_seo_description":"","jetpack_seo_html_title":"","jetpack_seo_noindex":false,"jetpack_post_was_ever_published":false,"footnotes":""},"categories":[16],"tags":[512,393,723,394,579],"class_list":["post-3058","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-weltanschauung-philosophie","tag-antisemitismus","tag-israel","tag-judentum","tag-palaestina","tag-zionismus"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Al_Nakba_-_Graffiti_-_Nazareth_800x445.jpg?fit=800%2C445&ssl=1","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p9stpK-Nk","jetpack-related-posts":[{"id":23773,"url":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=23773","url_meta":{"origin":3058,"position":0},"title":"Die deutschen Wurzeln des Zionismus","author":"Webredaktion","date":"9. 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