{"id":3003,"date":"2015-04-10T01:18:10","date_gmt":"2015-04-09T23:18:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.freidenker.org\/?p=3003"},"modified":"2018-02-14T21:40:31","modified_gmt":"2018-02-14T20:40:31","slug":"sie-luegen-wie-gedruckt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=3003","title":{"rendered":"Sie l\u00fcgen wie gedruckt?"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u201eJunge Welt\u201c Berichterstattung \u00fcber die Friedensbewegung.<\/strong><\/p>\n<p>Offener Brief an die Reaktion von jW-Autor Rainer Rupp<\/p>\n<p>In der Wochenendausgabe vom 21.\/22. M\u00e4rz 2015 lancierte die Tageszeitung junge Welt den bisher massivsten Angriff gegen die sogenannte \u201eneue\u201c Friedensbewegung. Diesmal durfte Monty Sch\u00e4del, seines Zeichens seit 2007 politischer Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Deutschen Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK), um sich schlagen und alle Friedensbewegten aus den von ihm nicht gebilligten Gruppen, wie z.B. die \u201eMontagsmahnwachen f\u00fcr den Frieden\u201c, als verkappte Rechte oder noch Schlimmeres denunzieren.<\/p>\n<p>Das unter dem Titel \u00bbDer \u203a Friedenswinter\u2039 macht die Friedensbewegung kaputt\u00ab <a href=\"https:\/\/www.jungewelt.de\/2015\/03-21\/005.php\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.jungewelt.de\/2015\/03-21\/005.php<\/a> ver\u00f6ffentlichte Interview wurde von Stefan Huth (stellvertretender Chefredakteur) und Sebastian Carlens (Redakteur Ressort Innenpolitik) gef\u00fchrt und durch die \u201eDoppelpack-Formel\u201c entsprechend aufgewertet. Zugleich flankierte der jW-Redakteur Carlens den Angriff Sch\u00e4dels mit einem eigenen Beitrag. In einem f\u00fcr Laien sicherlich sehr wissenschaftlich klingenden, aber dennoch genauso manipulativen wie wirren Traktat erkl\u00e4rt Carlens die &#8222;alte&#8220; Friedensbewegung kurzum f\u00fcr tot und die &#8222;neue&#8220; f\u00fcr \u201erechts\u201c. Als Schlussfolgerung daraus empfiehlt er allen Friedensbewegten im Land, nichts zu tun und auf die Konsolidierung und das Gegenangebot der \u201eorganisierten, revolution\u00e4ren Linken\u201c zu warten. (Siehe \u201eFormierte Gegenaufkl\u00e4rung\u201c, <a href=\"https:\/\/www.jungewelt.de\/2015\/03-21\/010.php\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.jungewelt.de\/2015\/03-21\/010.php<\/a>)<\/p>\n<p>In Sorge um den weiteren Weg der jungen Welt hat die erneute Attacke auf die &#8222;neue&#8220; Friedensbewegung inzwischen weite Kreise gezogen. Sowohl f\u00fcr organisierte als nicht organisierte Linke und Friedensbewegte ist die jW viel zu wichtig, um \u00fcber die oben erw\u00e4hnten beiden Beitr\u00e4ge schweigend hinwegzusehen, zumal die Redaktion der Zeitung \u2013 wenig souver\u00e4n \u2013 verhindert hat, dass eine Debatte dar\u00fcber in der jW stattfinden kann. Deshalb muss dies nun \u00fcber andere Kan\u00e4le geschehen. Dessen ungeachtet versteht es sich von selbst, dass die nachfolgende Kritik als eine mit der Zeitung solidarische ist.<\/p>\n<p>Zu anderen Zeiten w\u00e4re man wom\u00f6glich geneigt, das Ganze als Sturm im Wasserglas abzutun. Aber heute geschieht all dies vor dem Hintergrund weltweit sich zuspitzender Kriegsgefahren, vor allem zwei Flugstunden entfernt in der Ukraine. Zugleich hat die Friedensbewegung gro\u00dfe Schwierigkeiten, das gro\u00dfe Antikriegspotential in unserem Land auf die Stra\u00dfe zu bringen. Noch unl\u00e4ngst hatte Ex-CDU Minister Norbert R\u00f6ttgen, seit 2014 Vorsitzender des Au\u00dfenpolitischen Ausschusses des Bundestags, in einer vom Deutschlandfunk \u00fcbertragenen Diskussion \u00fcber Auslandseins\u00e4tze der Bundeswehr heftig beklagt, dass alle Umfragen best\u00e4tigen, dass stabile 60 Prozent der Bev\u00f6lkerung bewaffnete Interventionen im Ausland strikt ablehnen.<\/p>\n<p><strong>Angriffe auf die Friedensbewegung<\/strong><\/p>\n<p>Aufgabe der Friedensbewegung m\u00fcsste es daher sein, mit allen alten und neuen Kr\u00e4ften wenigstens Teile dieses in der Bev\u00f6lkerung vorhandenen Potentials zu mobilisieren. Statt sich aber auf diese Aufgabe zu konzentrieren, haben sich Monty Sch\u00e4del und seine Anh\u00e4nger mit medialer Unterst\u00fctzung von taz aber auch von der jW vorrangig damit besch\u00e4ftigt, die bereits erzielten Achtungserfolge einer<br \/>\nAktionseinheit der &#8222;alten&#8220; und &#8222;neuen&#8220; Friedensbewegung (z.B. im Friedenswinter) ohne konkreten Nachweis als rechtslastig und rassistisch zu denunzieren, auszugrenzen, Gr\u00e4ben zu vertiefen und weiter zu spalten.<\/p>\n<p>In der aktuellen \u201eZeitung gegen den Krieg\u201c (Nr. 39), spricht Sch\u00e4del sogar allen Gruppen, die \u201eau\u00dferhalb\u201c der \u201aalten\u2019 Friedensbewegung stehen \u201eund nicht zum linken Lager zu rechnen sind\u201c jegliche ernsthafte Sorge um den Frieden ab. Denn wenn diese Gruppen Themen wie \u201aWiderstand gegen den Krieg\u2019 und \u201aFrieden\u2019 aufgreifen, dann \u201egeht es ihnen dabei oft nicht wirklich um humanistische Ziele, sondern darum, mit Forderungen und Formulierungen aus unserer Bewegung Menschen anzusprechen und unsere Strukturen zu nutzen\u201c, um auf diese Weise \u201ePositionen zu verbreiten, die als geschichtsverkl\u00e4rend, nationalistisch, antisemitisch, rassistisch oder esoterisch bezeichnet werden m\u00fcssen. Diese Gruppe treffen wir \u00fcberwiegend in den sogenannten \u201eMahnwachen f\u00fcr den Frieden\u201c, so der DFG-VK Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer.<\/p>\n<p>In derselben Ausgabe der Zeitung gegen den Krieg bezeichnet Sch\u00e4del Menschen aus dem b\u00fcrgerlichen Lager, die um den Frieden besorgt sind, als \u201eQuerfrontler\u201c. Diese verfolgten \u201eeine Strategie der Gleichmacherei politischer Unterschiede\u201c und \u201eder angeblichen Gleichheit von rechter und linker Kapitalismus- und Gesellschaftskritik\u201c. Auch mit solchen Leuten darf man sich laut Sch\u00e4del nicht einlassen, um gemeinsam gegen Kriegsvorbereitungen zu demonstrieren. Im Umkehrschluss bedeutet das: lieber mit einer kleinen, erlesenen Gruppe von linken Gerechten zur Selbstbefriedigung &#8218;Flagge zeigen&#8216; als gemeinsam mit b\u00fcrgerlichen und anderen, nicht-linken Friedensbewegten in einer gro\u00dfen Menge aufzutreten um den notwendigen politischen Druck zu erzeugen.<\/p>\n<p>Immerhin r\u00e4umt Sch\u00e4del auf den Vorhalt der jW-Interviewer ein gewisses eigenes Versagen ein, erstens, weil im vergangenen Jahr die traditionelle Friedensbewegung nicht so viele Menschen zu den Osterm\u00e4rschen angezogen hat wie die Montagsmahnwachen, und zweitens, weil sie sich \u201e\u00fcber den Krieg in der Ukraine in Schweigen geh\u00fcllt oder \u00c4quidistanz ge\u00fcbt\u201c hat. \u201eWir haben auf die Eskalation in der Ukraine nicht reagiert, wir haben in dieser Situation als Friedensbewegung in der Bundesrepublik versagt\u201c, so Sch\u00e4del. Der damit indirekt erhobene Anspruch auf Alleinvertretung der gesamten traditionellen Friedensbewegung blieb jedoch nicht ohne Widerspruch des Deutschen Freidenker-Verbands, einer der \u00e4ltesten deutschen Friedensorganisationen, die in der Ukraine-Krise das Notwendige und M\u00f6gliche getan hat.<\/p>\n<p>F\u00fcr sein eigenes Unverm\u00f6gen macht Sch\u00e4del allerdings mit bestechender Logik nicht sich selbst sondern die \u201eneue\u201c Friedensbewegung verantwortlich: \u201eWir m\u00fcssen uns st\u00e4ndig gegen alles M\u00f6gliche, gegen Pegida und Endgame, gegen Els\u00e4sser und andere Rechte [gemeint sind Mahnwachen, Friedenswinter, usw.] abgrenzen, das blockiert uns in unserer Arbeit.\u201c \u2026 \u201eWir haben einfach keine Leute mobilisieren k\u00f6nnen, das haben andere f\u00fcr sich genutzt. \u2026 Der \u00bbFriedenswinter\u00ab macht so die Friedensbewegung kaputt\u201c. Sch\u00e4dels hilflose Argumentation erinnert an einen Sch\u00fcler, der die Schuld f\u00fcr seine F\u00fcnf in der Klassenarbeit dem Mitsch\u00fcler gibt, der eine Zwei geschrieben hat.<\/p>\n<p>Seine \u201ealte\u201c Friedensbewegung habe sich sogar \u201eselbst blockiert\u201c, so Sch\u00e4del, weil man sich in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder dar\u00fcber auseinandersetzen musste, \u201ewas Faschismus ist, was rechts bedeutet\u201c. \u201eUnd das in einer Phase, wo die Kriegsgefahr w\u00e4chst?\u201c, fragte die jW. \u201eRichtig\u201c, antwortet Sch\u00e4del, \u201eohne deutliche Abgrenzung nach rechts geht Friedensbewegung nicht!\u201c<\/p>\n<p>Abgrenzung nach rechts ist also wichtiger als gegen den Krieg zu mobilisieren, eine sektiererische Position, die von den jW- Interviewern nicht hinterfragt wird. Und was \u201erechts\u201c ist bestimmt Sch\u00e4del nat\u00fcrlich selbst. Aber dar\u00fcber reden, was rechts ist, will er nicht. Beim Berliner Ostermarsch 2015 sagte er gegen\u00fcber der taz (<a href=\"http:\/\/www.taz.de\/!157667\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.taz.de\/!157667\/<\/a> ): \u201eIch will nicht \u00f6ffentlich diskutieren, was rechts ist, was Faschismus ist. Das sind nicht meine Diskussionen, und sie sind einer Friedensbewegung unw\u00fcrdig.\u201c Aber offensichtlich erscheint es Sch\u00e4del der Friedensbewegung w\u00fcrdig, \u00f6ffentlich andere Friedensaktivisten sogar namentlich als rechts zu denunzieren, was inzwischen zu seinem Markenzeichen geworden ist.<\/p>\n<p>Sehen Sch\u00e4del, seine Anh\u00e4nger und seine medialen Unterst\u00fctzer nicht, welche Wirkung der Rufmord an bekannten Protagonisten der Montagsmahnwachen auf junge, gewaltbereite Hitzk\u00f6pfe aus linkssektiererischen und\/oder antideutschen Gruppen hat? Die Folgen dieser str\u00e4flichen Anstiftungen hat der zum Erz-B\u00f6sewicht aufgebaute Ken Jebsen inzwischen am eigenen Leib zu sp\u00fcren bekommen. In den letzten Monaten und Wochen wurde er wiederholt und mit zunehmender H\u00e4ufigkeit von kleinen Gruppen \u201elinker\u201c Gewaltextremisten als Nazi beschimpft und mit abgeschlagenen Flaschenh\u00e4lsen und Baseballschl\u00e4ger physisch bedroht, nicht nur bei Demos und Kundgebungen, sondern auch beim Einkaufen mit Ehefrau und Kindern.<\/p>\n<p>Vollkommen unverst\u00e4ndlich sind die j\u00fcngsten jW-Attacken gegen Ken Jebsen vor dem Hintergrund der Tatsache, dass auf Vermittlung des Autors dieser Zeilen am 16. Februar d.J. in seinem Beisein ein fast vier Stunden langes Gespr\u00e4ch zwischen Jebsen und dem Chefredakteur der jW, Arnold Sch\u00f6lzel, stattgefunden hatte. Dabei wurden so gut wie alle relevanten Themenkomplexe besprochen. Am Ende gab Arnold Sch\u00f6lzel der Meinung Ausdruck, dass Ken Jebsen zwar kein Marxist, aber bestimmt auch kein Rechter sei und er kein Gegner sondern ein potentieller Partner im Kampf f\u00fcr den Frieden und gegen soziale Ausbeutung sein k\u00f6nnte. Daher lud er ihn zu einem weiterf\u00fchrenden Gespr\u00e4ch mit anderen Kollegen in die jW-Redaktion ein. Zu diesem Treffen ist es dann jedoch nicht gekommen. Stattdessen er\u00f6ffnete die jW am 21\/22 M\u00e4rz die hier diskutierte neue Schlammschlacht gegen die \u201eneue\u201c Friedensbewegung und gegen Ken Jebsen. Gegen Letzteren hat sich jW-Redakteur Carlens besonders hervorgetan, indem er durch eine geschickte Text-Manipulation Jebsen in die N\u00e4he von Hitler r\u00fcckte.<\/p>\n<p><strong>Manipulation statt Aufkl\u00e4rung<\/strong><\/p>\n<p>Durch eine unbedachte Bemerkung bei einer Rede habe sich Jebsen \u201eselbst demaskiert\u201c, so Carlens. Mit seiner Bezugnahme auf den franz\u00f6sischen Ethnologen und Soziologen Gustave Le Bon habe Jebsen seine \u201eVerachtung der Massen, damit auch die seines eigenen Publikums \u2026 und die Manipulierbarkeit der Stra\u00dfe\u201c zum Ausdruck gebracht. In der Jebsen zugeschriebenen Passage hei\u00dft es, dass Gustave le Bon schon vor \u00fcber 100 Jahren \u201everdammt richtig\u201c lag, als er schrieb: \u201eDie Massen urteilen gar nicht oder falsch. Die Urteile, die die Massen annehmen, sind nur aufgedr\u00e4ngte, niemals gepr\u00fcfte Urteile\u201c. Und dann setzt Carlens zum Todessto\u00df an, indem er schreibt, dass Gustave le Bon noch \u201eganz anderen Leuten als Stichwortgeber\u201c gedient habe. Daf\u00fcr pr\u00e4sentiert er ein Zitat aus Hitlers \u201eMein Kampf\u201c und folgert daraus, dass es \u201ekein Zufall ist, dass dieser heute vergessene Schriftsteller [Gustave le Bon] bei Jebsen seinen sp\u00e4ten Widerhall findet\u201c. Dass Gustave le Bon zum Thema Massenpsychologie ein zeitgen\u00f6ssisches Standardwerk geschrieben hatte aus dem auch bekannte Pers\u00f6nlichkeiten wie Max Weber zitierten, l\u00e4sst Carlens dezent unter den Tisch fallen.<\/p>\n<p>Das ist hinterh\u00e4ltigste Manipulation. Es sind die Konzerne, ihre Politiker und ihre Mainstreammedien, die \u2013 von Gustave le Bon abgeleitet \u2013 die Massen verachten und an die \u201eManipulierbarkeit der Stra\u00dfe\u201c glauben. Es war dieser Zusammenhang, in dem Jebsen Gustave le Bon erw\u00e4hnt hatte. Dagegen besteht Jebsens eigene Hauptbotschaft bei all seinen Auftritten in dem Aufruf an seine Zuh\u00f6rer: \u201eLasst euch nicht manipulieren! Informiert Euch selbst! Denkt f\u00fcr euch selbst! Widersprecht!\u201c<\/p>\n<p>\u201eSie l\u00fcgen wie gedruckt. Wir drucken wie sie l\u00fcgen.\u201c Diese selbst gestellte Handlungsmaxime hat die junge Welt immer wieder mit Bravour erf\u00fcllt, wenn es darum geht, mit fundierten Recherchen und Belegen die oft raffinierten Nachrichtenmanipulationen der selbsternannten Eliten in Politik und Wirtschaft und deren medialen Wassertr\u00e4ger zu entlarven. Was jW-Redakteur Carlens jedoch hier pr\u00e4sentiert hat, ist unzweifelhaft der perfideste Teil der jW-Schm\u00e4hschrift gegen die \u201eneue\u201c Friedensbewegung. Damit konterkariert er die Handlungsmaxime der Zeitung. (Eine umfassendere Einsch\u00e4tzung des Carlens-Artikels von Andreas Wehr vom Marx-Engels-Zentrum Berlin, ebenfalls langj\u00e4hriger Autor der jW, ist hier zu finden: <a href=\"http:\/\/www.andreas-wehr.eu\/anmerkungen-zu-dem-artikel-formierte-gegenaufklaerung-in-der-zeitung-junge-welt-vom-2122-maerz-2015.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.andreas-wehr.eu\/anmerkungen-zu-dem-artikel-formierte-gegenaufklaerung-in-der-zeitung-junge-welt-vom-2122-maerz-2015.html<\/a>)<\/p>\n<p>Wie erkl\u00e4rt sich dieser Ausfall? Ist es ein einmaliger redaktioneller Ausrutscher? Keineswegs. Laut Aussage des Gesch\u00e4ftsf\u00fchrers der jungen Welt, Dietmar Koschmieder, auf einer Veranstaltung des Marx-Engels-Zentrums Berlin am 26.03.15 gibt der Beitrag von Sebastian Carlens die Meinung der gesamten Redaktion wieder. Allerdings hat Koschmieder dies sp\u00e4ter in einem Schreiben an Andreas Wehr dahingehend relativiert, dass der Carlens-Text das spiegelt, \u201ewas wir hier in der [jW] Redaktion diskutiert haben und auch das, was hier klarer Konsens ist\u201c. Allerdings r\u00e4umt er dann ein, dass es unter den 60 Leuten in Verlag und Redaktion auch \u201evereinzelt andere Auffassungen\u201c gibt.<\/p>\n<p><strong>Vielfalt macht die Friedensbewegung stark.<\/strong><\/p>\n<p>Zusammenfassend ist folgendes festzustellen: Wenn sich Anfang der 1980er Jahre die Organisatoren der damaligen Friedensbewegung gegen die nukleare Aufr\u00fcstung der NATO so verhalten h\u00e4tten wie heute DFG-VK-Chef Sch\u00e4del, dann w\u00e4re es nie zu Massendemonstrationen wie im Bonner Hofgarten mit fast einer halben Million Menschen gekommen. Offensichtlich haben weder Sch\u00e4del und seine Anh\u00e4nger, noch seine medialen Unterst\u00fctzer von der Grundvoraussetzung einer erfolgreichen Friedensbewegung, die Massen auf die Strasse bringt, eine Ahnung.<\/p>\n<p>Die gro\u00dfe St\u00e4rke der Organisatoren der erfolgreichen Friedensbewegung Anfang der 1980er Jahre lag darin, dass sie die friedensbewegten Menschen unterschiedlichster Sozialisierung und Weltanschauungen, von links au\u00dfen bis streng konservativ, aus diversen Organisationen, Gruppen, Parteigliederungen, Kirchen, usw. punktuell zur Sicherung des Friedens zusammengebracht haben. Dagegen versteigen sich heute Monty Sch\u00e4del, seine Anh\u00e4nger und seine medialen Helfer darauf, die traditionelle Friedensbewegung ausschlie\u00dflich eng \u201elinks\u201c zu definieren und zugleich alle anderen auszugrenzen. Zugleich ma\u00dfen sie sich an, f\u00fcr die gesamte \u201ealte\u201c Friedensbewegung zu sprechen und zu bestimmen, was diese zu tun und zu lassen hat.<\/p>\n<p>Die von den sogenannten Antideutschen und anderen n\u00fctzlichen Idioten der Kriegstreiber mit Hilfe von Leuten wie Monty Sch\u00e4del und Sebastian Carlens in die Friedensbewegung hineingebrachten Auseinandersetzungen um die Mahnwachen und um den \u201eFriedenswinter\u201c sollen \u201ealte\u201c und \u201eneue\u201c Friedensbewegung voneinander trennen und Letztere marginalisieren. Wenn jemand den Auftrag<br \/>\ngehabt h\u00e4tte, das Zustandekommen einer wirkungsvollen Friedensbewegung als politische Kraft in unserem Land zu verhindern, h\u00e4tte er sicherlich keine bessere Arbeit leisten k\u00f6nnen. Niemandem der hier namentlich Genannten soll unterstellt werden, bewusst f\u00fcr dieses Ziel zu arbeiten. Aber das \u00e4ndert nichts am Nettoergebnis der Spaltungs- und Ausgrenzungspolitik.<br \/>\nWie weiter?<\/p>\n<p>Der Autor dieser Zeilen hat jahrelang bis in die j\u00fcngste Vergangenheit regelm\u00e4\u00dfig und viel in der jW ver\u00f6ffentlicht. Nach Lekt\u00fcre der beiden oben kritisierten Artikel hatte er die Redaktion um Platz in der Zeitung gebeten, um etliche der von Sch\u00e4del und Carlens gemachten Aussagen und Behauptungen zu kommentieren. Die Absage der Redaktion war unmissverst\u00e4ndlich: \u201eNach den Beitr\u00e4gen vom vergangenen Wochenende haben wir sehr viele Zuschriften erhalten \u2013 mit Argumenten, die in verschiedenste Richtungen gehen. Eine Debatte wollten wir zum Thema nicht organisieren\u201c, gezeichnet Stefan (Huth)<br \/>\nDie jW hat offensichtlich einen auch in der eigenen Leserschaft sehr kontrovers empfundenen Angriff gegen die neue Friedensbewegung gef\u00fchrt, aber eine Debatte dar\u00fcber will sie nicht zulassen. Dies d\u00fcrfte von der Leserschaft \u201enicht gerade als souver\u00e4n empfunden werden\u201c, schrieb ich in meiner Mail zur\u00fcck, zumal \u201edie Debatte trotzdem stattfinden wird, wenn auch woanders.\u201c<\/p>\n<p>Ich will mit diesem Brief an die Redaktion appellieren, der Diskussion \u00fcber die kontroversen Sichtweisen Raum in der Zeitung einzur\u00e4umen, damit sie dort stattfinden kann, wo sie hingeh\u00f6rt. Dies ist im Sinne eines letzten Appells zu verstehen, da die Debatte andernfalls tats\u00e4chlich an anderer Stelle gef\u00fchrt wird. Aber dann wird sie sich nicht mehr nur alleine auf die Aussagen von Sch\u00e4del oder Carlens beziehen, sondern zwangsl\u00e4ufig auch die Rolle der jW als ex-cathedra-Verk\u00fcnderin der Positionen dieser beiden ins Visier der Kritik r\u00fccken.<\/p>\n<p>Gezeichnet, Rainer Rupp<br \/>\nSbg., den 9.4. 2015<\/p>\n<p>Nachfolgend die Kopie der Mail von Rainer Rupp an die jW-Redaktion. Er hat diese Mail offensichtlich in der vergeblichen Hoffnung geschrieben, die f\u00fchrenden Redaktionsmitglieder doch noch zum Nachdenken zu animieren. Aber die Redaktion ignorierte Rupp Brief komplett, keine Nachricht, weder telefonisch noch schriftlich. Stattdessen hat die jW am Mittwoch den 15.4. mit einem weiteren Angriff auf die ideologisch nicht konformen Gruppen der Friedensbewegung geantwortet. Unter dem Titel \u201eZweierlei Querfront\u201c kommt der Autor Leander Sukov zum Schluss, dass \u201eeine Linke, die weder im Reformismus noch im Nationalbolschewismus landen will, beide Querfronten\u201c, n\u00e4mlich eine von links und eine von rechts \u201ebek\u00e4mpfen muss.\u201c Wie zum Hohn bezeichnet die Redaktion dieses grandios konfuse Werk, als \u201eDebattenbeitrag\u201c. Allerdings hatte die Redaktion Rupp ein solcher Beitrag verwehrt, mit dem Hinweis, dass sie keine Debatte zu diesem Thema wollte.<\/p>\n<p>Sie hierzu auch Rupps Mail an die jW-Redaktion:<\/p>\n<p><strong>An die Redaktionsmitglieder der jungen Welt.<\/strong><\/p>\n<p>Die jW hat in der Wochenendausgabe vom 21.\/22. M\u00e4rz 2015 eine \u00e4u\u00dferst kontroverse Meinung zur Friedenbewegung ver\u00f6ffentlicht. Die Redaktion hat dabei ihre Position ex-cathedra als die einzig<br \/>\nRichtige erkl\u00e4rt. Auf meine Bitte, mir Platz f\u00fcr eine davon abweichende Meinung zu geben, wurde mir kurz und knapp mitgeteilt, dass eine Debatte \u00fcber dieses Thema nicht stattfinden werde. Daher habe ich mich entschlossen, meine beigef\u00fcgte Streitschrift zu diesem Thema woanders zu ver\u00f6ffentlichen. Das soll am Mittwoch kommender Woche (15. April) geschehen.<\/p>\n<p>Der Fairness halber schicke ich Euch vorweg meinen Text. Das geschieht auch in der Hoffnung, dass meine Argumente nochmals zum Nach- und besser noch zum Umdenken animieren und zwar dahin gehend, dass sich die Redaktion nicht weiterhin diskussionslos als Verfechterin der einzig richtigen Wahrheit allen anderen Meinungen verschlie\u00dft, sondern die jW als Diskussionsforum f\u00fcr dieses auch innerhalb der Leserschaft sehr kontrovers empfunden Thema \u00f6ffnet. In letzterem Fall w\u00fcrde ich meine beigef\u00fcgte Streitschrift lieber auf der Thema-Seite der j.W. ver\u00f6ffentlicht sehen.<\/p>\n<p>Mit der \u00d6ffnung der Zeitung zum Diskussionsforum \u00fcber die Friedensbewegung und der damit hergestellten \u201eWaffengleichkeit\u201c aller an der Debatte Beteiligten w\u00e4re jede weitere Kritik am Verhalten der Redaktion obsolet und die Diskussion k\u00f6nnte sich ausschlie\u00dflich auf den Inhalt der jeweiligen Beitr\u00e4ge beziehen.<\/p>\n<p>In Erwartung einer Nachricht von Euch verbleibe ich in Erinnerung an eine jahrelange, gute Zusammenarbeit mit besten Gr\u00fcssen,<\/p>\n<p>Rainer Rupp<br \/>\nSbg., den 10. 4. 2015<\/p>\n<hr \/>\n<p>Bild: Rainer Rupp, Foto: \u00a9 2012 by Schattenblick &#8211; www.schattenblick.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><strong>Offener Brief von Rainer Rupp an die &#8222;junge welt&#8220;<\/strong><br \/>\nAufgabe der Friedensbewegung m\u00fcsste es sein, mit allen alten und neuen Kr\u00e4ften wenigstens Teile des in der Bev\u00f6lkerung vorhandenen Potentials zu mobilisieren. Statt sich aber auf diese Aufgabe zu konzentrieren, haben sich Monty Sch\u00e4del und seine Anh\u00e4nger mit medialer Unterst\u00fctzung von taz aber auch von der jW vorrangig damit besch\u00e4ftigt, die bereits erzielten Achtungserfolge einer Aktionseinheit der &#8222;alten&#8220; und &#8222;neuen&#8220; Friedensbewegung (z.B. im Friedenswinter) ohne konkreten Nachweis als rechtslastig und rassistisch zu denunzieren, auszugrenzen, Gr\u00e4ben zu vertiefen und weiter zu spalten.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":3733,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","advanced_seo_description":"","jetpack_seo_html_title":"","jetpack_seo_noindex":false,"jetpack_post_was_ever_published":false,"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[43,690,41,686,342],"class_list":["post-3003","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-frieden-antifaschismus-solidaritaet","tag-friedensbewegung","tag-friedenswinter","tag-junge-welt","tag-mahnwachen","tag-querfront"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/rrfoto_800x445.jpg?fit=800%2C445&ssl=1","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p9stpK-Mr","jetpack-related-posts":[{"id":4699,"url":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=4699","url_meta":{"origin":3003,"position":0},"title":"\u201eFormierte Gegenaufkl\u00e4rung\u201c &#8211; Anmerkungen","author":"Webredaktion","date":"2. 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