{"id":2885,"date":"2015-06-17T22:14:51","date_gmt":"2015-06-17T20:14:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.freidenker.org\/?p=2885"},"modified":"2018-02-18T19:45:43","modified_gmt":"2018-02-18T18:45:43","slug":"gesellschaftssystem-moralkodex-und-verantwortung-der-wissenschaftler","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=2885","title":{"rendered":"Gesellschaftssystem &#8211; Moralkodex und Verantwortung der Wissenschaftler"},"content":{"rendered":"<p>Aus: <a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=824\">\u201eFREIDENKER\u201c Nr. 2-15<\/a>, Juni 2015, S. 16-25, 74. Jahrgang<\/p>\n<p>von <strong><em>Herbert H\u00f6rz<\/em><\/strong><\/p>\n<p>[Beitrag auf der Konferenz \u201eZweifel und Kritik an Fortschritt, Wissenschaft und Technik\u201c am 08.10.2011 in Dresden]<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<h4><strong>Herrschaft, Wissenschaft und Moral fr\u00fcher und heute<\/strong><\/h4>\n<p>Wissenschaft tr\u00e4gt einerseits zur Erh\u00f6hung unserer Lebensqualit\u00e4t bei, w\u00e4hrend sie andererseits Gefahren mit sich bringt. Dazu geh\u00f6ren qualitativ neue Waffen, mit denen Kriege durch Hochtechnologien entmenschlicht werden, neue S\u00f6ldnerheere entstehen und Verluste an Menschen und Kulturg\u00fctern wachsen, wobei die Zerst\u00f6rungen nat\u00fcrlicher Lebensbedingungen der Menschen zunehmen. \u00d6kologische Katastrophen werden durch Eingriffe in die Selbstorganisation nat\u00fcrlicher Prozesse gef\u00f6rdert. Es kommt immer \u00f6fter zu Havarien in gro\u00dftechnischen Systemen. Das macht Menschen misstrauisch gegen\u00fcber der Wissenschaft und Technikentwicklung. Dabei haben wir in allen Gesellschaftssystemen bei denen, die sich wissenschaftlich bet\u00e4tigen, Individuen mit unterschiedlichen Charakteren, Kreative und Mittelm\u00e4\u00dfige, Ideengeber und Ausf\u00fchrende, solche, die f\u00fcr die Wissenschaft brennen und andere, die unbedingt Karriere machen wollen oder den Erfolg mit Betrug anstreben. Sie sind in die gesellschaftlichen Strukturen eingebunden. Diese bedingen als vorherrschende Moral die Moral der Herrschenden. Bestimmte f\u00fcr die Existenz des Systems wesentliche Normen werden zu Rechtsnormen und mit Sanktionen bei Nichteinhaltung belegt. Zugleich h\u00e4ngt es von der sozialen Zielstellung eines Gesellschaftssystems ab, welche Charaktertypen gef\u00f6rdert oder zur\u00fcckgesetzt werden. Es gibt also keinen universellen, f\u00fcr alle gleicherma\u00dfen g\u00fcltigen, Moralkodex f\u00fcr alle, die in der Wissenschaft t\u00e4tig sind. Mehr noch. Jeder Mensch hat die M\u00f6glichkeit, sich mit den vorgegebenen Moralnormen und ihrer rechtlichen Fixierung zu identifizieren, sie mit zu gestalten, ihren Spielraum auszunutzen oder sie zu negieren und dagegen zu handeln. Man differenziert in jeder Gesellschaft moralisches und unmoralisches oder gar strafw\u00fcrdiges Verhalten. Wir werden jedoch sehen, dass es letzten Endes darum geht, ob wir uns moralisch, d.h. menschenw\u00fcrdig, oder unmoralisch, d.h. den Interessen der Menschheit widersprechend, verhalten. Die Frage ist: Dient Wissenschaft den Interessen der V\u00f6lker durch die wissenschaftlich-technische Entwicklung, die als Einheit von Stagnationen, Regressionen und Ausbildung aller Elemente einer Entwicklungsphase die Tendenz zur H\u00f6herentwicklung (Fortschritt) enth\u00e4lt, gemessen an Humankriterien, oder ist sie dagegen gerichtet, was den Weg zur Barbarei einschlie\u00dfen k\u00f6nnte? (H\u00f6rz 2009)<\/p>\n<p>Das mit dem Thema angesprochene Verh\u00e4ltnis von Herrschaft, Wissenschaft und Moral besch\u00e4ftigte schon fr\u00fchere Denker. 1750 vergab die Akademie von Dijon einen Preis f\u00fcr die Abhandlung von Jean-Jacques Rousseau (1712 \u2013 1778) zu der von ihr gestellten Frage: Hat das Wiederaufleben der Wissenschaften und K\u00fcnste zur Besserung der Sitten beigetragen? Die Ursache f\u00fcr den Erwerb von Erkenntnissen sah Rousseau in den Lastern der Menschen. \u201eDie Astronomie entspringt dem Aberglauben, die Beredsamkeit dem Ehrgeiz, dem Ha\u00df, der Schmeichelei und der L\u00fcge, die Geometrie dem Geiz, die Physik eitler Neugier, alle, selbst die Moral, dem menschlichen Stolz. \u2026 Wir w\u00e4ren \u00fcber ihre Vorteile weniger im Zweifel, wenn wir sie unseren Tugenden verdankten. \u2026 Wenn unsere Wissenschaften schon durch das unn\u00fctz sind, was sie zum Gegenstand haben, so sind sie noch viel gef\u00e4hrlicher durch ihre Wirkung.\u201c (Rousseau, S. 45f.) Sie seien Zeitverschwendung und f\u00f6rderten den M\u00fc\u00dfiggang. Er lehnte nicht generell den Erwerb von Erkenntnissen ab, sondern beklagt etwa die \u00dcberh\u00f6hung der Philosophen, von denen jeder etwas anderes verk\u00fcnde, gegen\u00fcber dem Landarbeiter, der N\u00fctzliches leiste. \u201eMan fragt bei einem Menschen nicht mehr, ob er rechtschaffen ist, sondern ob er Talent hat, bei einem Buch nicht mehr, ob es n\u00fctzlich, sondern ob es gut geschrieben ist. Die Belohnungen werden an den Sch\u00f6ngeist verschwendet, und der Tugend werden keine Ehren zuteil. Es gibt tausend Preise f\u00fcr sch\u00f6ne Abhandlungen, aber keine f\u00fcr sch\u00f6ne Taten.\u201c (Rousseau, S. 55)<\/p>\n<p>F\u00fcr ihn ist es die konkrete Vergesellschaftung der Menschen mit dem nun durch die Institution des Eigentums bedingten vorherrschenden Konkurrenzdenken, die das B\u00f6se in die Welt bringt. Seine \u00dcberlegungen gehen auf eine Verbindung von wirklicher Wissenschaft mit der gesellschaftlichen Macht, wenn er den Herrschern empfiehlt: \u201eDie Gelehrten ersten Ranges sollten an ihren H\u00f6fen eine ehrenvolle Aufnahme finden. Sie sollten dort die einzige ihnen w\u00fcrdige Belohnung erhalten, n\u00e4mlich durch ihr Ansehen zum Gl\u00fcck der V\u00f6lker, denen sie ihre Weisheit vermitteln, beitragen zu k\u00f6nnen. Erst dann wird man sehen, was Tugend, Wissenschaft und Autorit\u00e4t verm\u00f6gen, die in edlem Wettstreit Auftrieb erhalten und vereint zum Gl\u00fcck des Menschengeschlechts wirken. Solange aber die Macht auf der einen Seite allein steht und die Aufkl\u00e4rung und die Weisheit allein auf der anderen, werden die Gelehrten selten Gro\u00dfes denken, die F\u00fcrsten noch seltener Gutes tun und die V\u00f6lker weiterhin gemein, verdorben und ungl\u00fccklich sein.\u201c (Rousseau, S. 60)<\/p>\n<p>Ist diese Kritik einfach den damaligen Zust\u00e4nden zuzuschreiben? Sicher haben sich die Bedingungen inzwischen ge\u00e4ndert. In der Profitgesellschaft wird auf den Nutzen geachtet. Die Kommerzialisierung der Wissenschaft schreitet voran. Doch der von Rousseau beklagte Zwiespalt zwischen Macht und Aufkl\u00e4rung besteht weiter. Wenn in dieser Talk-Gesellschaft nicht selten Prominente mit wenig Entscheidungsbefugnis und oft unzureichender Kompetenz auf dem zu behandelnden Gebiet \u00fcber aktuelle Themen reden, dann werden Sch\u00f6nredner mit der M\u00f6glichkeit \u00f6ffentlichen Auftretens belohnt. Wissenschaft verkommt in der \u00f6ffentlichen Wahrnehmung nicht selten zur Rechtfertigung politischer Entscheidungen. Als Analyse der gesellschaftlichen Situation oder gar als Gesellschaftskritik wird sie kaum gebraucht. Sachliche wissenschaftliche Analysen mit Warnungen vor Gefahrenrisiken ignoriert die Obrigkeit, wenn sie nicht in ihr derzeitiges taktisches Kalk\u00fcl passen. Die von Rousseau gew\u00fcnschte Einheit von Tugend, Wissenschaft und Autorit\u00e4t, die das Gl\u00fcck der V\u00f6lker bef\u00f6rdern soll, ist damit gegenw\u00e4rtig weiter eine wesentliche und hoffentlich keine utopische Zielvorstellung f\u00fcr die von uns zu bef\u00f6rdernde Aufkl\u00e4rung, auch wenn wir uns dabei, wie ich oft betone, als Rufer in der W\u00fcste der Ignoranz f\u00fchlen.<\/p>\n<p>Karl Marx bemerkte: \u201eDie Siege der Wissenschaft scheinen erkauft durch den Verlust an Charakter.\u201c (Marx 1961, S. 3) Wissenschaftliche Erkenntnisse sind die Grundlage f\u00fcr neue Technologien als Herrschaftsmitteln der Menschen, mit denen sie unter konkret-historischen Bedingungen ihre nat\u00fcrliche und gesellschaftliche Umwelt sowie das eigene Verhalten gestalten. Beispiele f\u00fcr den Verlust an Charakter sind an anderer Stelle im Zusammenhang mit dem Wirken des Physiologen und Physikers Hermann von Helmholtz (1821 \u2013 1894) geschildert. (H\u00f6rz 1997)<\/p>\n<p>Der Philosoph Eugen D\u00fchring (1833 \u2013 1921) kritisierte ihn so unsachlich, weshalb die Philosophische Fakult\u00e4t der Berliner Universit\u00e4t eingreifen musste. Arthur Schopenhauer (1788 \u2013 1860) warf Helmholtz Plagiat seiner Farbenlehre vor, wof\u00fcr man ihn \u201eherunterhunzen\u201c m\u00fcsse.<\/p>\n<p>Der Astrophysiker Friedrich Z\u00f6llner (1834 \u2013 1882) griff Helmholtz politisch wegen der Untersch\u00e4tzung deutscher Interesse bei der Benennung international g\u00fcltiger physikalischer Standards an.<\/p>\n<p>Der Physikochemiker Wilhelm Ostwald (1853 \u2013 1932) weist auf einen anderen Aspekt moralischen Verhaltens in der Wissenschaft hin, wenn er Strategien aufzeigt, mit denen Spezialisten Einbr\u00fcche in ihre bisherigen Auffassungen durch neue Ideen zu verhindern suchen. Erstens ignorieren sie die Idee, kommt sie doch wieder hoch, wird zweitens das ganze Feuer der Kritik gegen sie gerichtet und setzt sie sich dann doch durch, kann man drittens immer noch betonen, es war doch nichts Neues. Wissenschaft wird von Menschen mit bestimmten Charaktereigenschaften gemacht und ihre Geschichte weist, neben den oft nur ins Auge fallenden Erfolgen, viele unbegr\u00fcndete Angriffe auf neue Ideen und politische Diffamierungen auf, die Zweifel an der Wissenschaft n\u00e4hren.<\/p>\n<p>Die technologische Verwertung neuer Erkenntnisse, von denen Marx noch gar nichts ahnen konnte, ist oft mit einem weiteren Verfall der Sitten verbunden. So hat sich die Kritik an der Wissenschaft, die es immer gab, mit dem Abwurf der Atombombe versch\u00e4rft und Aktionen gegen Massenvernichtungswaffen ausgel\u00f6st. Bertolt Brecht (1898 \u2013 1956) sprach 1947, im Zusammenhang mit der Gefahr eines atomaren Infernos, von Galileis Verbrechen. \u201eAus der neuen Astronomie\u201c, so Brecht, \u201edie eine neue Klasse, das B\u00fcrgertum, zutiefst interessierte, da sie den revolution\u00e4ren Str\u00f6mungen der Zeit Vorschub leistete, machte er eine scharf begrenzte Spezialwissenschaft, die sich freilich gerade durch ihre \u201aReinheit\u2018, d. h. ihre Indifferenz zu der Produktionsweise, verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig ungest\u00f6rt entwickeln konnte. Die Atombombe ist sowohl als technisches als auch als soziales Ph\u00e4nomen das klassische Endprodukt seiner wissenschaftlichen Leistung und seines sozialen Versagens.\u201c (Brecht, S. 199) Spezialisierung im Interesse spezieller Wissensproduktion f\u00fchrte zu einer Form der Verantwortungslosigkeit, da man als \u201eFachidiot\u201c keine Kompetenz zur L\u00f6sung sozialer Probleme hat. Das zeigt, dass wir den Moralkodex f\u00fcr die Verantwortung der in der Wissenschaft T\u00e4tigen auch in dieser Hinsicht differenzierter zu betrachten haben.<\/p>\n<p>Es geht generell um die von mir immer wieder gestellte aktuelle Frage, mit der gegenw\u00e4rtige Wissenschaftskritik zu verbinden ist: Ist das, was wissenschaftlich m\u00f6glich, technisch-technologisch realisierbar und \u00f6konomisch machbar ist, auch gesellschaftlich w\u00fcnschenswert und durchsetzbar sowie human vertretbar? Die Antwort darauf h\u00e4ngt gesellschaftlich von vorherrschenden Interessen in einem Gesellschaftssystem und von Machtkonstellationen ab. Die Begr\u00fcndung f\u00fcr den Abwurf der Atombombe wurde mit der Vermeidung weiterer Kriegsopfer begr\u00fcndet. Nun treffen NATO-Bomben, abgeworfen zum \u201eSchutz der Zivilbev\u00f6lkerung\u201c, andere Zivilisten. Wissenschaft und Technik werden zur Magd von Machtpolitik zur Erweiterung von Herrschaftsr\u00e4umen und Ressourcenaneignung. Diesem von Brecht charakterisierten S\u00fcndenfall der Wissenschaft folgten weitere, so die Entwicklung hochkomplexer Destruktivkr\u00e4fte als Massenvernichtungswaffen, die aus Profitinteressen forcierte Zerst\u00f6rung nat\u00fcrlicher Lebensbedingungen der Menschen durch anti\u00f6kologisches Verhalten.<\/p>\n<p>Was k\u00f6nnte die Geningenieurtechnik mit sich bringen, wenn bedenken- und verantwortungslos damit umgegangen wird? Die Revolution der Denkzeuge kann zwar zur Demokratisierung des Wissens f\u00fchren, jedoch auch mit der geistigen Umweltverschmutzung Fremd- und Eigenmanipulierung des Bewusstseins f\u00f6rdern, vor allem dann wenn eine neue Aufkl\u00e4rung in der Neomoderne nicht in Gang kommt und ein kritisches Sozialbewusstsein fehlt, nicht entwickelt oder gar unterdr\u00fcckt wird. Wo der Maximalprofit der multinationalen Monopole im Mittelpunkt steht, ist Humanit\u00e4t der Effektivit\u00e4t untergeordnet. Das Problemfeld, in dem wir uns bewegen, ist damit deutlich.<\/p>\n<h4><strong>Problemaspekte<\/strong><\/h4>\n<h5><strong>1 <\/strong><strong>Gesellschaftssystem und Wissenschaft<\/strong>:<\/h5>\n<p>Auf den Zusammenhang von Moralkodex und\u00a0 Verantwortung der Wissenschaftler in einem bestimmten Gesellschaftssystem wies schon Karl Marx hin. Er schrieb 1871 \u00fcber die Mittelschichten in Frankreich, \u201eda\u00df nur die Arbeiterklasse sie von der Pfaffenherrschaft befreien, die Wissenschaft aus einem Werkzeug der Klassenherrschaft in eine Kraft des Volkes verwandeln, die M\u00e4nner der Wissenschaft selbst aus Kupplern des Klassenvorurteils, stellenjagenden Staatsparasiten und Bundesgenossen des Kapitals in freie Vertreter des Geistes verwandeln kann! Die Wissenschaft kann nur in der Republik der Arbeit ihre wahre Rolle spielen.\u201c (Marx, S. 554)<\/p>\n<p>Wissenschaft ist rationale Wirklichkeitsbew\u00e4ltigung. Moral ist interessengeleitetes Handeln. Insofern ist ein Gesellschaftssystem danach zu bewerten, welche soziale Zielstellung es mit welchen Mitteln verfolgt, denn entscheidend f\u00fcr die Moral sind die Ziele des Handelns, die durch Humankriterien bestimmt sein sollten. Wissenschaft wird zur moralischen Instanz genau dann, wenn Ethik als Wissenschaft von der Moral wissenschaftlich begr\u00fcndete Handlungsorientierungen f\u00fcr die humane L\u00f6sung von Problemen des menschlichen Zusammenlebens und der Naturgestaltung bereit h\u00e4lt, denn dann kann an ihnen die Sittlichkeit des Verhaltens der in der Wissenschaft T\u00e4tigen gemessen werden.<\/p>\n<h5><strong>2 Welche Rolle spielen Weltbilder f\u00fcr verantwortungsbewusstes Handeln? <\/strong><\/h5>\n<p>Sie bestimmen den Wertekanon und die Verhaltensnormen. In seiner Analyse von Weltbildern bemerkte Karl Lanius, Physiker und Gesellschaftskritiker, zur gegenw\u00e4rtigen Situation, dass uns Politiker und Medien einh\u00e4mmern, die herrschenden gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse seien alternativlos. Das f\u00fchre zu einem verk\u00fcmmerten Weltbild, das den \u201emarktgerechten Wandel des Bewusstseins\u201c verinnerlichen soll. Seine wesentlichen Merkmale seien:<\/p>\n<p>(1) Flexibilit\u00e4t, um dem Markt gerecht zu werden.<\/p>\n<p>(2) Mobilit\u00e4t, um, letztlich wurzellos, \u00fcberall zu Hause zu sein.<\/p>\n<p>(3) Emotionslose Bezogenheit, um jederzeit Beziehungen zur Disposition stellen zu k\u00f6nnen, ersetzbar und austauschbar zu sein.<\/p>\n<p>(4) Coolness, um ohne Gef\u00fchle alles hinnehmen zu k\u00f6nnen, was auf einen zukommt. (Lanius, S. 418f.)<\/p>\n<p>Das den Bed\u00fcrfnissen kapitalistischer Ausbeutung und Expansion angepasste Weltbild mit seinem Menschenbild hat jedoch noch weitere Aspekte. (H\u00f6rz, H.E.) In dem 2010 erschienenen Buch \u201eWas zu bezweifeln war. Die L\u00fcge von der objektiven Wissenschaft\u201c erkl\u00e4ren zwei Physiker mit der Relativit\u00e4t der Wahrheit und der Rolle des Glaubens, dass Wissenschaft zwar der Religion \u00fcberlegen sei, weil Religion ewige Wahrheiten verk\u00fcnde, w\u00e4hrend die Wissenschaft Neues suche und deshalb am Bestehenden zweifle, doch eine objektive Wissenschaft nicht existiere. So hei\u00dft es: \u201eWissenschaftler entdecken keine Wirklichkeit, die ihnen objektiv gegen\u00fcber steht, sondern sie entfalten sich zusammen mit ihr.\u201c (Radecke, Teufel, S. 252) Auf die Frage \u201eWie kann ich denn feststellen, welches Land f\u00fcr die \u201atats\u00e4chliche Freiheit\u2018 eintritt?\u201c, lautet die Antwort: \u201eDaf\u00fcr gibt es keine objektiven Kriterien.\u201c (Radecke, Teufel, S. 351) Die Entscheidung eines Individuums sei von seinem Standpunkt abh\u00e4ngig. \u201eUnd diesen Standpunkt k\u00f6nnen Sie durch keine objektive Wahrheit absichern.\u201c (Radecke, Teufel, S. 356) \u201eWir glauben, dass es Kulturen gibt, um deren Untergang es nicht schade w\u00e4re. Wir glauben das nicht aus objektiven, sondern aus subjektiven Gr\u00fcnden.\u201c Dazu z\u00e4hlt, sogar vor Faschismus, Islamismus u. a. genannt, \u201edie Unkultur der Kommunisten\u201c. Entschieden wird \u00fcber den Untergang von Kulturen: \u201eNach den Kriterien, die sich freie Menschen gegeben haben.\u201c (Radecke, Teufel, S. 349) Mit dem durch die kapitalistische Ideologie und den Antikommunismus gepr\u00e4gten Weltbild kann man dann selbst milit\u00e4rische Interventionen zur Machterweiterung und Ressourcengewinnung moralisch rechtfertigen.<\/p>\n<h5><strong>3 Wie steht es mit der Ehrlichkeit in der wissenschaftlichen Arbeit? <\/strong><\/h5>\n<p>Vor kurzem teilte mir ein Kollege aus einer ehemaligen Sowjetrepublik Sorgen \u00fcber die Kommerzialisierung der Wissenschaft mit, da es nun m\u00f6glich sei, akademische Grade zu kaufen. Vorw\u00fcrfe wegen der \u00dcbernahme von Gedanken anderer in wissenschaftlichen Arbeiten ohne Angabe der Quelle habe er bisher nicht erlebt. Das w\u00fcrde hingenommen. Immerhin hat in Deutschland das moralische Kontrollsystem einigerma\u00dfen funktioniert, als es um Plagiate bei Doktorarbeiten ging. Doch das Problem der Ehrlichkeit hat noch andere Seiten. \u00dcber Betrugsf\u00e4lle bei der Auswertung experimenteller Daten ist berichtet worden. Wie steht es mit der M\u00f6glichkeit, Erkenntnisse zu publizieren?<\/p>\n<p>In einem Beitrag im Internet in SciLogs \u201eZur Ehrlichkeit im wissenschaftlichen Publizieren\u201c wird folgendes Beispiel genannt: Ein Spitzenwissenschaftler der Neurowissenschaften folgte fraglichen Hinweisen eines Reviewers, damit die Publikation erscheinen konnte. Dazu hei\u00dft es: \u201eNat\u00fcrlich erf\u00fcllt das <em>peer review<\/em>, die (meist einseitig anonyme) wissenschaftliche Kontrolle von Kollegen, eine wichtige Funktion. Andere Wissenschaftler sollen daf\u00fcr b\u00fcrgen, dass eine Arbeit methodisch korrekt ist und dem Stand der Forschung entspricht. Kontrolle hat aber immer auch eine Kehrseite, n\u00e4mlich dann, wenn sie missbraucht wird, um eine unliebsame oder dem Mainstream widersprechende Meinung abzulehnen. Nat\u00fcrlich m\u00f6gen das Einzelf\u00e4lle sein; aber das Beispiel zeigt doch, dass auch wissenschaftliche Entscheidungen letztlich von Menschen gemacht werden und ihnen deshalb auch g\u00e4nzlich unwissenschaftliche Einfl\u00fcsse unterliegen k\u00f6nnen.\u201c (Schleim)<\/p>\n<h5><strong>4 Was kann die Wissenschaft zur Begr\u00fcndung moralischer Haltungen leisten? <\/strong><\/h5>\n<p>Sicher reicht es nicht aus, moralische Appelle zu erlassen. In der Diskussion mit Karl Popper zu meinem Vortrag \u201eThe relation of modern scientific conceptions to the human image\u201c auf dem Weltkongress f\u00fcr Philosophie 1968 in Wien ging es mir um eine wissenschaftlichphilosophische Begr\u00fcndung moralischer Anforderungen, statt der von Popper favorisierten Haltung, einfach einen hippokratischen Eid f\u00fcr Wissenschaftler aufzustellen. Wir k\u00f6nnen auf der einen Seite die moralische Haltung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern unter konkret-historischen Umst\u00e4nden analysieren, um daraus Konsequenzen zu ziehen. Auf der anderen Seite sind aus der zuk\u00fcnftigen humanen Gestaltung von Natur und Gesellschaft Normen f\u00fcr unser gegenw\u00e4rtiges Verhalten abzuleiten. Das lehnte Popper vehement mit dem Argument ab, es g\u00e4be in der Gesellschaft keine objektiven Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten, aus denen etwas \u00fcber die Zukunft zu ersehen w\u00e4re. Er verstieg sich sogar zu der Feststellung, \u00fcber den Sinn des Lebens sei nicht sinnvoll zu sprechen, was einen Kollegen aus den USA veranlasste, mit Zustimmung zu meinen Auffassungen, bei ihm nachzufragen, was er seinen Studierenden denn sagen solle, wenn ihm die Frage nach dem Sinn des Lebens gestellt w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Sicher ist dabei zu beachten, dass bestimmte Gesellschaftssysteme mit dem vorgegebenen politischen, \u00f6konomischen und ideologischen Rahmen Grenzen f\u00fcr humanes Handeln aufbauen. Man k\u00f6nnte von einer Sinngebung der Epoche sprechen, mit der M\u00f6glichkeiten zur Erweiterung der Humanit\u00e4t, zum Freiheitsgewinn der Pers\u00f6nlichkeit, verbunden sind. Entscheidend bleibt jedoch das Handeln von Menschen und sozialen Gruppierungen, die den Sinn ihres Lebens in der Befreiung von Ausbeutung und Unterdr\u00fcckung aller Menschen sehen. Verfolgen wir dazu auch den Gedanken von der humanen und wissenschaftlich fundierten Gestaltung der Zukunft weiter (H\u00f6rz, H. 2009), die doch mit der viel gebrauchten Forderung nach Nachhaltigkeit angeregt wird, dann ist die bisher im Vordergrund stehende Verursacherverantwortung, die f\u00fcr eingetretene Sch\u00e4den gilt, durch die Folgenverantwortung zu erg\u00e4nzen, indem die Risiken abgesch\u00e4tzt und minimiert werden.<\/p>\n<p>Diese Problemaspekte zeigen, dass Moralkodex und Verantwortung der in der Wissenschaft T\u00e4tigen prinzipiell mit dem Gesellschaftssystem zusammenh\u00e4ngen. Die Forderung nach Maximalprofit in der Kapitaldiktatur macht vor der Wissenschaft nicht halt. Deshalb betonte Marx die m\u00f6gliche Entfaltung der Wissenschaft in einer \u201eRepublik der Arbeit\u201c. Es geht dabei um die Forderung nach einer humanen Gesellschaft, in der Wissenschaft ihre Funktionen als Produktiv-, Human- und Kulturkraft entfalten kann, da die soziale Zielstellung einer solchen Assoziation freier Individuen mit sozialer Gerechtigkeit und \u00f6kologisch vertr\u00e4glichem Verhalten die Be- und Verwertung wissenschaftlicher Erkenntnisse zum Wohle aller Menschen anstrebt. Wissenschaft kann das, was die in der Wissenschaft T\u00e4tigen zum Erkenntnisgewinn und zur praktischen humanen Verwertung der Erkenntnisse beitragen. Was sie verantwortungsvoll dazu beitragen, h\u00e4ngt mit ihrem Moralkodex zusammen.<\/p>\n<h4><strong>Moralkodex<\/strong><\/h4>\n<p>Der Moralkodex eines Gesellschaftssystems ist eine Einheit von gesellschaftlichen Werten als Bedeutungsrelationen von Sachverhalten, die N\u00fctzlichkeit, Sittlichkeit und \u00c4sthetik umfassen, und Verhaltensnormen als Handlungsorientierung und Wertma\u00dfstab. Mit Humankriterien ist zu messen, inwieweit dabei Menschheitsinteressen eingehen. F\u00fcr die in der Wissenschaft T\u00e4tigen ist der Moralkodex ihres Verhaltens an eine Wertehierarchie gekoppelt, da jedes Individuum mit globalen Problemen als einer Bedrohung f\u00fcr die Menschheit konfrontiert ist, als Staatsb\u00fcrger sich an die Rechtsvorschriften seines Landes zu halten hat, sich den Normen seiner soziokulturellen Identit\u00e4t verpflichtet f\u00fchlt, Wahrheitssucher von Beruf ist und in einer Privatsph\u00e4re lebt, in der er Erfolge feiert und Fehlschl\u00e4ge verkraftet. Insofern differenziert sich f\u00fcr jedes Individuum der Moralkodex in die gesellschaftliche Gesamtverantwortung, in soziokulturelle Verpflichtungen, das Arbeitsethos und den sittlichen Umgang mit anderen Menschen, die auf Toleranz und gegenseitiger Achtung beruhen sollten und zu denen speziell Freundschaft und Liebesbeziehungen geh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Woran kann man den Freiheitsgewinn als Ausdruck gewachsener Humanit\u00e4t in sozialen Systemen messen? Gesellschaftliche Entwicklung ist auf jeden Fall mit einer, f\u00fcr das Individuum fassbaren, Erh\u00f6hung der Lebensqualit\u00e4t verbunden. Das Ma\u00df f\u00fcr die Humanit\u00e4t der Strukturen in sich selbst organisierenden sozialen Systemen kann nicht allein durch eine effektivere Produktion materieller G\u00fcter, durch umfassendere Bildung und allgemein durch die Ergebnisse des wissenschaftlich-technischen Fortschritt bestimmt sein. Das menschliche Wesen muss sich in ihnen entfalten k\u00f6nnen. Freiheitsgewinn ist damit an den wesentlichen menschlichen Verhaltensweisen und Forderungen zu messen, die im Laufe der Geschichte immer besser erkannt und von unterdr\u00fcckten sozialen Schichten erk\u00e4mpft wurden. Dazu geh\u00f6ren: Wie kann eine kulturell und individuell sinnvolle T\u00e4tigkeit der Menschen gew\u00e4hrleistet werden? Wie ist pers\u00f6nlichkeitsf\u00f6rdernde soziale Kommunikation zu gestalten? Wie kann das materielle und kulturelle Lebensniveau f\u00fcr alle Glieder der Gesellschaft erh\u00f6ht werden? Wie wird die Entwicklung der Individualit\u00e4t gesichert? Welche Hilfe erhalten Behinderte und wie werden sie in die Gemeinschaft integriert? Mit diesen Fragen sind die Kriterien angesprochen, an denen Freiheitsgewinn in den sozialen Systemen zu messen w\u00e4re.<\/p>\n<p>Antworten auf diese Fragen, die auf jeden Fall eine konkrete Analyse des sozialen Systems erfordern, charakterisieren die erreichte Stufe in der Humanit\u00e4t der Strukturen des Systems. Die Analyse zeigt relative Ziele als M\u00f6glichkeiten der Zukunftsgestaltung. Menschen und soziale Gruppierungen entnehmen Zielsetzungen ihres Handelns f\u00fcr die Ver\u00e4nderung der existierenden Strukturen aus ihr, um die Bedingungen f\u00fcr den gewollten Freiheitsgewinn zu erweitern. Dazu werden die Potenzen ausgesch\u00f6pft, die sich aus den M\u00e4ngeln der bisherigen Arbeits- und Lebensweise negativ und aus Idealen des Handelns positiv ergeben.<\/p>\n<p>Die Humankriterien sind durch Humangebote zu erg\u00e4nzen, die f\u00fcr die Gestaltung der wissenschaftlich-technischen Entwicklung von Bedeutung sind. Es sind die Gebote zur menschenw\u00fcrdigen Gestaltung der Natur, zur Erhaltung der menschlichen Gattung, zur Erh\u00f6hung der Lebensqualit\u00e4t und zur Achtung der Menschenw\u00fcrde. Sie k\u00f6nnten sich als interkulturelle Werte in einer Weltkultur herausbilden, die der Spezifik sozio-kultureller Identit\u00e4ten nicht widerspr\u00e4che. Mit den Herausforderungen der Synthetischen Biologie an eine moderne Ethik ist das an anderer Stelle f\u00fcr ein modernes Wissenschaftsgebiet konkret erl\u00e4utert. (H\u00f6rz, H. 2011)<\/p>\n<h4><strong>Wissenschaft als moralische Instanz<\/strong><\/h4>\n<p>Was ist und kann Wissenschaft in einem bestimmten Gesellschaftssystem? Marx und Engels betonten in der \u201eDeutschen Ideologie\u201c: \u201eAuch die Nebelbildungen im Gehirn der Menschen sind notwendige Sublimate ihres materiellen, empirisch konstatierbaren und an materielle Voraussetzungen gekn\u00fcpften Lebensprozesses. Die Moral, Religion, Metaphysik und sonstige Ideologie und die ihnen entsprechenden Bewu\u00dftseinsformen behalten hiermit nicht l\u00e4nger den Schein der Selbst\u00e4ndigkeit. \u2026 Nicht das Bewu\u00dftsein bestimmt das Leben, sondern das Leben bestimmt das Bewu\u00dftsein. \u2026 Da, wo die Spekulation aufh\u00f6rt, beim wirklichen Leben, beginnt also die wirkliche, positive Wissenschaft, die Darstellung der praktischen Bet\u00e4tigung, des praktischen Entwicklungsprozesses der Menschen. Die Phrasen vom Bewu\u00dftsein h\u00f6ren auf, wirkliches Wissen mu\u00df an ihre Stelle treten.\u201c (Marx 1962, S. 27f.)<\/p>\n<p>Wissenschaft hat also sowohl das wirkliche Leben zu erfassen, als auch die \u201eNebelbildungen im Gehirn der Menschen\u201c als Ausdruck des konkret-historischen Lebensprozesses zu zeigen. Das gilt f\u00fcr jedes Gesellschaftssystem, wenn sich die in der Wissenschaft T\u00e4tigen ihrer Verpflichtung als Wahrheitssucher bewusst sind und entsprechend verantwortungsbewusst handeln. Aufkl\u00e4rung ist erforderlich, was die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen wissenschaftsfeindlichen und wissenschaftsfremden Auffassungen einschlie\u00dft. Sie reichen von der Mystik, \u00fcber Esoterik bis zur \u00dcbersch\u00e4tzung der geoffenbarten Wissens in Religionen gegen\u00fcber wissenschaftlichen Erkenntnissen. (H\u00f6rz 2007a)<\/p>\n<p>Die geforderte Differenzierung im Moralkodex f\u00fcr die in der Wissenschaft T\u00e4tigen kann besser erfasst werden, wenn wir zwischen gesellschaftlicher Gesamtverantwortung und spezifischer Verantwortlichkeit unterscheiden. Der Verantwortungsbereich jedes Menschen, in dem er seinen Entscheidungsspielraum hat, umfasst die Gesamtheit der durch seine Entscheidungen betroffenen Personen und Sachwerte. Es geh\u00f6rt zum Arbeitsethos ehrlich, akribisch, diszipliniert und organisiert selbst gestellte und \u00fcbertragene Aufgaben bei der Erkenntnisgewinnung und ihrer Nutzung zu erf\u00fcllen. Doch dabei sind, um mit Brecht zu sprechen, wissenschaftliches Ergebnis und soziale Wirkung im Zusammenhang zu sehen.<\/p>\n<p>Man kann, entsprechend der spezifischen Verantwortlichkeit, an Projekten arbeiten, die antihumane Auswirkungen haben k\u00f6nnen. Wer also im pers\u00f6nlichen sittlichen Umgang mit anderen Menschen moralisch gut handelt, dem Arbeitsethos entspricht, Verpflichtungen als Angeh\u00f6riger einer soziokulturellen Identit\u00e4t erf\u00fcllt, kann, bezogen auf die soziale Wirkung seiner Entscheidungen und Handlungen, gegen Humangebote versto\u00dfen, was letzten Endes verantwortungslos ist. Generell gilt: Entscheidungen k\u00f6nnen nicht an sich, mit abstrakten moralischen Kriterien, bewertet werden, da stets die Situation anderer Menschen, ihr m\u00f6glicher Freiheitsgewinn oder -verlust zu beachten ist. Wer wissenschaftlich arbeitet, kann sich vor der Gesamtverantwortung f\u00fcr die Durchsetzung der Humankriterien und Einhaltung der Humangebote mit dem Argument dr\u00fccken, man sei nicht kompetent f\u00fcr entsprechende Entscheidungen. Wer sich der f\u00fcr die Wahrnehmung der Verantwortung erforderlichen Kompetenzerweiterung verschlie\u00dft, verf\u00e4llt, trotz wichtiger spezifischer Leistungen in seinem speziellen Verantwortungsbereich, einer Form der Verantwortungslosigkeit.<\/p>\n<p>Die ablehnende Haltung zur Wissenschaft als Moralinstanz wird philosophisch auch mit logischen Argumenten begr\u00fcndet. Darauf ist hier nicht weiter einzugehen. (H\u00f6rz, H. 2007b) Nur soviel ist zu sagen: Es gibt keinen logischen Algorithmus, der Sein und Sollen verbindet. Doch Menschen \u00fcberspringen die logische L\u00fccke praktisch. Was man tun soll, um moralisch gut zu sein, erfordert Wissen, denn Freiheit hei\u00dft, mit Sachkunde entscheiden und human zu handeln. Wissenschaftliche Theorien entstehen nicht durch logische Ableitungen aus den Erfahrungen, sondern durch die Verbindung von intuitiver Einsicht und logischer Deduktion, wobei die praktische \u00dcberpr\u00fcfung von Theoriefolgen uns an ihre Wahrheit heranf\u00fchrt.<\/p>\n<p>Moralische Normen als Wertma\u00dfstab und Verhaltensregulator bilden sich auf der Grundlage von Erfahrungen, Wissen und Interessen. Sie sind Grundlage von Rechtsnormen, die ebenfalls Sein mit Sollen verbinden. Worum geht es bei unserem Handeln? Wir treffen Entscheidungen auf der Grundlage unvollst\u00e4ndiger Erkenntnis und versuchen mit Versuch und Irrtum den Risiken zu begegnen. Das ist mit tieferer Einsicht in die objektiven Gesetze der Natur, der Gesellschaft und der Aneignung der Wirklichkeit besser m\u00f6glich.<\/p>\n<h4><strong>Gegenw\u00e4rtige Trends der Wissenschaftsentwicklung<\/strong><\/h4>\n<p>Wie wirkt sich der Wissenschaftsbetrieb in Deutschland auf den Zusammenhang von spezifischer Verantwortlichkeit und sozialer Verantwortung aus? Dazu ist die Entwicklung der Wissenschaft im gesellschaftlichen Kontext zu untersuchen, eine Problematik mit der sich die Leibniz-Soziet\u00e4t der Wissenschaften und das Leibniz-Institut f\u00fcr Interdisziplin\u00e4re Studien (LIFIS) schon lange befassen, zuletzt verbunden mit der inter- und transdisziplin\u00e4ren Arbeit. (Banse, Fleischer) Gegenw\u00e4rtige Trends, zu denen Gegenbeispiele gefunden werden k\u00f6nnen, zeigen, dass die f\u00fcr die Wahrnehmung von Verantwortung als Pflicht zur Bef\u00f6rderung der Humanit\u00e4t erforderliche Kompetenzerweiterung nicht gef\u00f6rdert wird.<\/p>\n<ul>\n<li>Wissenschaftliche Arbeit ist kaum auf die aktuellen Herausforderungen zur inter-, multi- und transdisziplin\u00e4ren Arbeit orientiert, die durch die wachsende Komplexit\u00e4t von Aufgaben und Entscheidungssituationen gefordert ist und Kompetenzerweiterung der Spezialisten erfordert. -Wissenschaftlich begr\u00fcndete langfristige Strategien kollidieren mit kurzfristiger politischer St\u00fcckwerktechnologie, die sich auf die Wahlperiode und die Wiederwahl orientiert.<\/li>\n<li>Setzt sich in der Wirtschaft mittelfristiges N\u00fctzlichkeitsdenken durch, dann werden Gelegenheiten zur prinzipiellen Umorientierung verpasst und Produkte, die zuk\u00fcnftig wettbewerbsf\u00e4hig sein k\u00f6nnten, nicht entwickelt. Krisen versch\u00e4rfen dann die M\u00e4ngel und machen sie zwar f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit sichtbar, doch der eigentliche Grund, die fehlende, wissenschaftlich begr\u00fcndete langfristige Orientierung tritt dabei in den Hintergrund.<\/li>\n<li>Eine menschenfreundliche Umweltgestaltung verlangt Technologien, die Energie- und materialsparende gew\u00fcnschte Artefakte produzieren, die langlebig sind. Das hat jedoch Auswirkungen auf den Gewinn eines Unternehmens, dem Kurzlebigkeit eventuell entgegen kommt.<\/li>\n<li>Ans\u00e4tze zur Technologiefolgenbewertung bestimmen m\u00f6gliche zuk\u00fcnftige Erfolgs- und Gefahrenrisiken neuer Technologien, doch stehen ihrer Ber\u00fccksichtigung bei Entscheidungen mehrere Hemmnisse entgegen: (a) Ignoranz der Entscheider, (b) Profilierungssucht von Politikern, die zu gew\u00fcnschter Auslegung f\u00fchrt, (c) Die Nutzung von Gegengutachten auf der Grundlage einseitiger Betrachtungen.<\/li>\n<li>Die strategischen Potenzen wissenschaftlicher Erkenntnisse werden kaum auszuloten sein, wenn kurzfristige Projekte, die Einwerbung von Drittmitteln, der Wechsel kreativer Personen von einem Gebiet zum anderen, die Herausbildung inter-, multi- und transdisziplin\u00e4rer Kompetenzen behindert. (Banse, Fleischer, S. 95)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Auf unsere \u00dcberlegungen bezogen k\u00f6nnen wir festhalten, dass die f\u00fcr die Wahrnehmung von Verantwortung durch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler notwendige Erweiterung der Kompetenz, um die soziale Wirkung bewerten zu k\u00f6nnen, nicht gef\u00f6rdert wird. Politiker m\u00f6chten ihre angeblich f\u00fcr das Wohl des Volkes getroffenen Entscheidungen, die oft durch spezielle Interessengruppen und ihre Lobbyisten gefordert und gesponsert werden, nicht der Kritik von Seiten der Wissenschaft aussetzen. Es scheint so, als ob das Prinzip \u201edivide et impera\u201c genutzt wird, um politische Grenzen f\u00fcr die \u201eNicht-Kompetenten\u201c zu ziehen, indem eine Arbeitsteilung zwischen den f\u00fcr die Erkenntnisbeschaffung auf der einen, und den f\u00fcr Entscheidungen \u201ekompetenten Volksvertretern\u201c auf der anderen Seite betont wird. Dabei bringen politische Entscheidungsbefugte, nicht unbedingt im parlamentarischen Streit, wie in einer Demokratie gefordert, die von den wirtschaftlich M\u00e4chtigen vorgegebenen Solls\u00e4tze in Gesetze und Verordnungen und handeln entsprechend. Wissenschaftlich fundierte Gesellschaftskritik ist unerw\u00fcnscht. Sie wird marginalisiert, geht oft im \u00dcberangebot an Informationen unter oder man ignoriert sie einfach.<\/p>\n<p>Dem kommt die negative Seite der revolution\u00e4ren Ver\u00e4nderung der Denkzeuge mit Internet und Massenmedien entgegen. Die im Informationsdschungel \u201evorbeihuschenden Wahrheiten\u201c sind nur schwer zu fassen. Wesentliches und Unwesentliches wird vermengt. Geistige Umweltverschmutzung ist die Folge. Die Suche nach Wahrheit verlangt Analysen widersprechender Schilderungen der gleichen Ereignisse und eine kritische Sicht auf die Bewertungsinstanzen, die uns Informationen \u00fcbermitteln.<\/p>\n<h4><strong>Berufsrisiko<\/strong><\/h4>\n<p>Es reicht sicher nicht aus, auf die zuk\u00fcnftige humane Gesellschaft als Assoziation freier Individuen mit \u00f6kologisch vertr\u00e4glichem Verhalten zu warten, um moralisch gut handeln zu k\u00f6nnen. Der Einsatz f\u00fcr eine von Ausbeutung und Unterdr\u00fcckung freie Gesellschaft, f\u00fcr Frieden und Humanit\u00e4t ist immer gefragt. Auch wenn man pessimistisch in die n\u00e4here Zukunft blickt, so wachsen doch die Protestpotenziale gegen Sozialabbau, milit\u00e4rische Interventionen, Finanzhaie und die antihumanen Auswirkungen z\u00fcgelloser M\u00e4rkte. Manche der Kritiken werden zur Systemkritik am Kapitalismus. Es gibt einen theoretisch begr\u00fcndeten Optimismus, der sich aus der Geschichte ableiten l\u00e4sst, denn Menschen haben sich immer wieder die Fesseln der Unfreiheit gesprengt. Jeder muss sich selbst fragen, was er dazu beitragen kann, die politischen Kr\u00e4fte zu st\u00e4rken, die sich gegen antihumane Zust\u00e4nde wenden. Wie steht es dabei mit dem Berufsrisiko f\u00fcr die in der Wissenschaft T\u00e4tigen? Wer seine soziale Verantwortung wahrnimmt, kann in den Konflikt zwischen Wahrheitssuche und Interessen verwickelt werden, die ihn Stelle und Ansehen kosten k\u00f6nnen, denn es gilt: Wo das Geld regiert, man schnell die W\u00fcrde oder das Leben verliert.<\/p>\n<p>Es bleibt die Forderung, Humanit\u00e4t als Grenze der Wissenschaft durchzusetzen, die Humankriterien zur Gesellschaftsanalyse zu nutzen, Humangebote einzuhalten, um die spezifische Verantwortlichkeit im Sinne der Gesamtverantwortung wahrzunehmen. Das schlie\u00dft die humane Kontrolle von Experimenten mit und am Menschen ein. Die friedliche L\u00f6sung von Konflikten ist zu fordern und die weitere Entwicklung von noch gef\u00e4hrlicheren Waffen zu stoppen. Es gilt anti\u00f6kologisches Profitstreben anzuprangern und Gesellschaftskritik an der sozialen Ungerechtigkeit mit anschaulichen, realisierbaren und von vielen Menschen geforderten Idealen einer zuk\u00fcnftigen humanen Gesellschaft zu verbinden, in der Wissenschaft alle ihre Potenzen zum Wohle aller Glieder soziokultureller Einheiten entfalten kann. In diesem Sinne sollten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre Verantwortung wahrnehmen und mit ihrer Autorit\u00e4t, ihrem Wissen und K\u00f6nnen f\u00fcr den Freiheitsgewinn aller Menschen eintreten.<\/p>\n<p><em>Prof. Dr. Herbert H\u00f6rz ist Mitglied der Leibniz-Soziet\u00e4t der Wissenschaften zu Berlin.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h5><strong>Literatur:<\/strong><\/h5>\n<p>Banse, Gerhard, Fleischer, Lutz-G\u00fcnther (2011), Wissenschaft im Kontext. Inter- und Transdisziplinarit\u00e4t in Theorie und Praxis. Berlin: trafo Wissenschaftsverlag (Abhandlungen der Leibniz-Soziet\u00e4t der Wissenschaften, Band 27)<\/p>\n<p>Brecht, Bertolt (1957), St\u00fccke, Band VIII, Berlin: Aufbau-Verlag<\/p>\n<p>H\u00f6rz, Helga E. (2009), Ist das Menschenbild in der Krise? In: Marxistische Bl\u00e4tter, Heft 5 \u2013 09, 47. Jg., S. 27 \u2013 35<\/p>\n<p>H\u00f6rz, Herbert (1997), Br\u00fcckenschlag zwischen zwei Kulturen. Helmholtz in der Korrespondenz mit Geisteswissenschaftlern und K\u00fcnstlern. Marburg: Basilisken-Presse H\u00f6rz, Herbert (2007a), Wahrheit, Glaube und Hoffnung. Philosophie als Br\u00fccke zwischen Wissenschaft und Weltanschauung. Berlin: trafo Verlag<\/p>\n<p>H\u00f6rz, Herbert (2007b), Ist Wissenschaft eine moralische Instanz? In: Sitzungsberichte Leibniz-Soziet\u00e4t der Wissenschaften, Bd. 93 (2007), S. 25 -50<\/p>\n<p>H\u00f6rz, Herbert (2009), Materialistische Dialektik. Aktuelles Denkinstrument zur Zukunftsgestaltung. Berlin: trafo Verlag<\/p>\n<p>H\u00f6rz, Herbert (2010), Sind Kriege gesetzm\u00e4\u00dfig? Standpunkte, Hoffnungen, Handlungsorientierungen. Berlin: Forschungsinstitut der Internationalen Wissenschaftlichen Vereinigung Weltwirtschaft und Weltpolitik e.V.<\/p>\n<p>H\u00f6rz, Herbert (2011), Synthetische Biologie als Herausforderung einer modernen Ethik. In: Leibniz Online 12\/2011<\/p>\n<p>Lanius, Karl (2005), Weltbilder. Eine Menschheitsgeschichte. Leipzig: Faber &amp; Faber<\/p>\n<p>Marx, Engels (1969), Marx, Karl, Engels, Friedrich, Die deutsche Ideologie, in: Marx, Engels, Werke, Band 3<\/p>\n<p>Marx, Karl (1961), Rede auf der Jahresfeier des &#8218;Peoples Paper&#8216; am 14. April 1856 in London. In: Marx, Karl, Engels, Friedrich, Werke, Band 12, Berlin: Dietz-Verlag, S. 3<\/p>\n<p>Marx, Karl (1962), Erster Entwurf zum \u201eB\u00fcrgerkrieg in Frankreich\u201c, in: Marx, Karl, Engels, Friedrich, Werke Band 17, Berlin: Dietz-Verlag<\/p>\n<p>Radecke, Hans-Dieter , Teufel, Lorenz (2010), Was zu bezweifeln war. Die L\u00fcge von der objektiven Wissenschaft. M\u00fcnchen: Droemer Verlag<\/p>\n<p>Rousseau, Jean-Jacques (1965), Fr\u00fche Schriften. Leipzig: Reclam<\/p>\n<p>Schleim, Stephan (2011), Ehrlichkeit im wissenschaftlichen Publizieren, SciLogs: Tageb\u00fccher der Wissenschaft. Spektrum der Wissenschaft vom 28.03.2011<\/p>\n<hr \/>\n<h5>Download<\/h5>\n<p>Der Artikel kann auch als PDF-Dokument angesehen und heruntergeladen werden:<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"1076\" data-permalink=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?attachment_id=1076\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/pdf_icon-2.png?fit=32%2C32&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"32,32\" data-comments-opened=\"0\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"pdf_icon\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/pdf_icon-2.png?fit=32%2C32&amp;ssl=1\" class=\"alignnone size-full wp-image-1076\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/pdf_icon-2.png?resize=32%2C32\" alt=\"\" width=\"32\" height=\"32\" data-attachment-id=\"1076\" data-permalink=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?attachment_id=1076\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/pdf_icon-2.png?fit=32%2C32\" data-orig-size=\"32,32\" data-comments-opened=\"0\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"pdf_icon_32\" data-image-description=\"\" data-medium-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/pdf_icon-2.png?fit=32%2C32\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/pdf_icon-2.png?fit=32%2C32\" \/>\u00a0\u00a0 <a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/freidenker-15-02-herbert-hoerz.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Herbert H\u00f6rz: Gesellschaftssystem &#8211; Moralkodex und Verantwortung der Wissenschaftler<\/a> (Auszug aus FREIDENKER 2-15, ca. 380 KB)<\/p>\n<hr \/>\n<p>Bild: pixabay.com \/ User: geralt<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><strong>Beitrag von Herbert H\u00f6rz auf der Konferenz \u201eZweifel und Kritik an Fortschritt, Wissenschaft und Technik\u201c am 08.10.2011 in Dresden. Aus: FREIDENKER 2-15<\/strong><br \/>\nWissenschaft tr\u00e4gt einerseits zur Erh\u00f6hung unserer Lebensqualit\u00e4t bei, w\u00e4hrend sie andererseits Gefahren mit sich bringt. Dazu geh\u00f6ren qualitativ neue Waffen, mit denen Kriege durch Hochtechnologien entmenschlicht werden, neue S\u00f6ldnerheere entstehen und Verluste an Menschen und Kulturg\u00fctern wachsen, wobei die Zerst\u00f6rungen nat\u00fcrlicher Lebensbedingungen der Menschen zunehmen. \u00d6kologische Katastrophen werden durch Eingriffe in die Selbstorganisation nat\u00fcrlicher Prozesse gef\u00f6rdert. Es kommt immer \u00f6fter zu Havarien in gro\u00dftechnischen Systemen. 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