{"id":25600,"date":"2026-05-29T22:50:41","date_gmt":"2026-05-29T20:50:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=25600"},"modified":"2026-05-29T22:50:41","modified_gmt":"2026-05-29T20:50:41","slug":"wer-im-glashaus-sitzt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=25600","title":{"rendered":"Wer im Glashaus sitzt\u2026"},"content":{"rendered":"<p><strong>Anmerkungen zu Eva Ilouz\u2018 Buch <em>Der<\/em> <em>8. Oktober: <\/em>Schwelgen in Selbstmitleid<\/strong><\/p>\n<p><em>von <strong>Arn Strohmeyer<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Die israelische Soziologin Eva Illouz demonstriert in ihrem Buch <em>Der<\/em> <em>8. Oktober<\/em>, warum sie eine Wende vom gem\u00e4\u00dfigten, \u201elinken\u201c zum radikalen Zionismus vollzogen hat. In der Einleitung zu ihrem Buch erkl\u00e4rt sie, dass sie bisher glaubte, einer moralischen Gemeinschaft des Mitgef\u00fchls anzugeh\u00f6ren, deren Abscheu vor Verbrechen gegen die Menschlichkeit selbstverst\u00e4ndlich sei. Sie habe sich geirrt, schreibt sie und f\u00e4hrt dann fort:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">\u201eEin betr\u00e4chtlicher Teil der globalen Linken \u2013 unter wechselnden Namen wie identit\u00e4re, wache bzw. aufgeweckte, dekoloniale oder progressive Linke \u2013 hat die Existenz dieser Gr\u00e4ueltaten geleugnet [des 7.Oktober 2023] oder sie als Akt des \u201aantikolonialen Widerstandes\u2018 gefeiert. Die Linke hat die schockierten und leidtragenden Juden im Stich gelassen, ignoriert, stigmatisiert und einer vermeintlichen Urschuld, des israelischen Kolonialismus, bezichtigt. Warum? Wie ist es so weit gekommen?\u201c<\/p>\n<p>Das ist eine Reaktion einer israelischen J\u00fcdin auf den 7. Oktober 2023, als die Hamas Israel \u00fcberfiel und es zu einem Massaker kam. Eine andere israelische J\u00fcdin \u2013 die Journalistin Amira Hass von der Tageszeitung <em>Haaretz<\/em>, eine Tochter von Holocaust-\u00dcberlebenden \u2013 schreibt \u00fcber denselben Tag ganz anders: \u201eIn wenigen Tagen erlebten die Israelis das, was die Pal\u00e4stinenser seit Jahrzehnten routinem\u00e4\u00dfig erlebten und immer noch erleben \u2013 milit\u00e4rische \u00dcbergriffe, Tod, Grausamkeit, get\u00f6tete Kinder, auf der Stra\u00dfe aufget\u00fcrmte Leichen, Belagerung, Angst, Sorge um Angeh\u00f6rige, Gefangenschaft, Ziel von Rache sein, wahlloses t\u00f6dliches Feuer auf Beteiligte (Soldaten) und Unbeteiligte (Zivilisten), eine Position der Unterlegenheit, die Zerst\u00f6rung von Geb\u00e4uden, ruinierte Feiertage oder Feste, Schw\u00e4che und Hilflosigkeit angesichts allm\u00e4chtiger bewaffneter M\u00e4nner.\u201c<\/p>\n<p>\u00c4u\u00dfert Amira Hass hier Mitgef\u00fchl und Mitleid, wie Eva Illouz es einfordert? Vielleicht nicht ein offen gezeigtes Mitleid, aber ein tiefes humanes Empfinden f\u00fcr menschliches Leiden \u2013 nicht nur der eigenen Seite gegen\u00fcber, sondern auch gegen\u00fcber den \u201eAnderen\u201c. Au\u00dferdem erkl\u00e4rt sie die Vorgeschichte des Massakers und wie es bei einer anderen Politik h\u00e4tte verhindert werden k\u00f6nnen. Amira Hass versteht die Katastrophe, indem sie sie historisch richtig in die \u00fcber 100j\u00e4hrige Geschichte des israelisch-pal\u00e4stinensischen Konflikts einordnet, ohne Verst\u00e4ndnis f\u00fcr das Massaker zu haben und es rechtfertigen.<\/p>\n<p>Eva Illouz sieht den 7. Oktober dagegen als einmaliges, ahistorisches schreckliches Ereignis, als ein Pogrom gegen Juden, das an schlimme Zeiten der eliminatorischen Verfolgung ihrer Ethnie erinnert. Aber hier muss die Kritik an den Ausf\u00fchrungen der Soziologin schon ansetzen. Denn sie \u00fcbernimmt, ohne Belege zu liefern, die israelische Darstellung der Ereignisse des 7. Oktober: dass die Hamas an diesem Tag furchtbare Gr\u00e4ueltaten begangen habe \u2013 vom wahllosen Morden von Menschen bis zu Vergewaltigungen und dem Abschlachten von Babys. Aber stimmt diese Darstellung?<\/p>\n<p>Ohne eine Kl\u00e4rung der Fakten kann man \u00fcber diesen Tag gar kein Urteil f\u00e4llen. Der Schweizer Autor Jacques Baud gibt nach intensiven Recherchen eine ganz andere Schilderung der Ereignisse: Die operativen Ziele der Aktion waren: Erstens das an der Grenze zum Gazastreifen stationierte israelische Milit\u00e4r (vor allem die Division Gaza sowie die Kontrollpunkte und das Aufkl\u00e4rungszentrum) auszuschalten. Denn von hier aus findet die \u00dcberwachung der Gaza-Bewohner statt. Zweitens: Gefangene zu machen, um sie gegen pal\u00e4stinensische H\u00e4ftlinge in Israel auszutauschen. Baud betont ausdr\u00fccklich, dass die pal\u00e4stinensischen K\u00e4mpfer nicht das Ziel verfolgten, ein \u201ePogrom\u201c an Juden zu ver\u00fcben. Das Ziel bestand nicht im T\u00f6ten von Zivilisten, sondern im Zerst\u00f6ren ihrer Gef\u00e4ngnismauer und ein Tauschpfand f\u00fcr den Gefangenenaustausch zu bekommen.<\/p>\n<p>Die Aktion nahm dann aber einen ganz anderen Verlauf, als die Hamas sie geplant hatte. Westliche Medien \u00fcbernahmen dann kritiklos die israelische Darstellung des Geschehens. Danach handelte es sich ja um eine wilde Mordaktion. Baud beschreibt die Aktion aber als ein bis in die letzten Details durchdachtes und geplantes milit\u00e4risches Vorhaben. Es lief aber nicht durch das Vorgehen der pal\u00e4stinensischen K\u00e4mpfer aus dem Ruder, sondern durch die v\u00f6llig kopflose und unkoordinierte Reaktion des israelischen Milit\u00e4rs.<\/p>\n<p>Israels Armee hatte wegen des pal\u00e4stinensischen Widerstandes gegen die Gewalt der Siedler im Westjordanland Truppen von der Grenze zum Gazastreifen weitgehend abgezogen und sie dorthin verlegt. Sie konnten deshalb erst versp\u00e4tet auf dem Kampfplatz erscheinen. Die Kampfeinheiten \u2013 vor allem Panzer und Apache-Kampfhubschrauber \u2013 hatten bei ihrer Ankunft keine genaue Vorstellung von der Lage am Ort. Sie befanden sich ganz offensichtlich im Panikzustand. Wegen Nachrichtenunterbrechungen (die Hamas-K\u00e4mpfer hatten die Verbindungen zerst\u00f6rt), war keine exakte Befehlsgebung m\u00f6glich, sie erfolgte \u00fcber zivile Handys.<\/p>\n<p>Wegen der Un\u00fcbersichtlichkeit der Lage schossen die Kampfhubschrauber auf alles, was sich bewegte \u2013 unterschiedslos auf Pal\u00e4stinenser und israelische Soldaten. Die Israelis wandten dabei ihre Hannibal-Doktrin an, das hei\u00dft, es wird auch auf die eigenen Leute geschossen, wenn die Gefahr besteht, dass sie in die H\u00e4nde des Feindes fallen. So wurde also befohlen, auf alle Fahrzeuge zu schie\u00dfen, auch wenn man annahm, dass sich israelische Geiseln darin befanden. Die Hubschrauber schossen auch auf H\u00e4user, in denen sich pal\u00e4stinensische K\u00e4mpfer mit gefangengenommenen Geiseln verschanzt hatten.<\/p>\n<p>Was sich auf dem Kampfplatz abspielte, kann man durch das unkoordinierte Eingreifen der israelischen Armee offenbar nur als totales Chaos bezeichnen. Baud beschreibt die Situation so: \u201eEs ist also m\u00f6glich, dass die Hamas-K\u00e4mpfer an jenem Tag Kriegsverbrechen ver\u00fcbt haben. Aber alles deutet darauf hin, dass die Panik der jungen israelischen Soldaten, die nicht wirklich von ihren Vorgesetzten gef\u00fchrt wurden, wahrscheinlich der wahre Grund f\u00fcr das Massaker des 7. Oktober sind. Alles spricht somit daf\u00fcr, dass die Hamas eine geplante und vorbereitete Milit\u00e4raktion durchf\u00fchrte, die gegen Ziele des Besatzungsarmee gerichtet war.\u201c<\/p>\n<p>Die Vorw\u00fcrfe, dass die Hamas ein \u201ePogrom\u201c geplant und vors\u00e4tzlich Kriegsverbrechen begangen hat, weist Baud zur\u00fcck. F\u00fcr diese Verbrechen (Folter, Vergewaltigungen, Ermordung von Babies usw.) konnten keine glaubw\u00fcrdigen Zeugen aufgeboten werden. Auch ein offizielles 45min\u00fctiges Video, das Israel \u00fcber den 7. Oktober produziert und an alle israelischen Vertretungen im Ausland geschickt hat, konnte die Vorw\u00fcrfe nicht belegen. Zudem k\u00f6nnen die Zerst\u00f6rungen, die der Hamas vorgeworfen werden, zum Teil gar nicht von ihr stammen, weil sie mit sehr schweren Waffen ausgef\u00fchrt wurden, die die Hamas gar nicht besitzt.\u201c<\/p>\n<p>Aufschlussreich ist auch, dass Israel jede Forderung nach einer internationalen Untersuchung der Ereignisse des 7. Oktober zur\u00fcckweist. Bauds Darstellung klingt glaubhaft, weil sie in sich schl\u00fcssig ist. Einen Gegenbeweis gibt es bis heute nicht. Israel hatte dagegen gro\u00dfes Interesse, das Geschehen sehr einseitig und \u00fcbertrieben darzustellen, weil es f\u00fcr seinen anschlie\u00dfenden genozidalen Krieg eine Rechtfertigung brauchte.<\/p>\n<p>Zu denen, die den 7. Oktober \u00e4hnlich sehen wie Baud und Belege f\u00fcr den genauen Gang des Geschehens fordern, geh\u00f6rt die amerikanisch-j\u00fcdische Philosophin Judith Butler. Sie \u00e4u\u00dferte sich ersch\u00fcttert und entsetzt angesichts der m\u00f6rderischen Gewalt an diesem Tag. F\u00fcr Eva Illouz ist sie aber eine typische Vertreterin der gef\u00fchls- und mitleidlosen Linken, die das eigentliche Ziel ihrer Anklage ist. Aber Judith Butler bel\u00e4sst es nicht bei Gef\u00fchlen des Abscheus, sie hinterfragt das Massaker.<\/p>\n<p>Sie f\u00fchrt aus: \u201eWenn wir uns f\u00fcr die Gr\u00fcnde interessieren, warum es zu dieser Gewalt kam, sollten wir in der Lage sein, die Geschichte zu rekonstruieren, um sie besser zu verstehen. Historisch zu verstehen, warum es zu dieser Gewalt kam, ist nicht gleichbedeutend mit der Billigung von Gewalt. Geschichte darzustellen und ein moralisches Urteil zu f\u00e4llen, ist nicht dasselbe. Wenn wir sagen, dass wir nur ein moralisches Urteil wollen und dass die Geschichte in dieser Angelegenheit nicht wichtig ist, dann haben wir eine Entscheidung getroffen, unsere Welt und ihre Entstehung nicht zu verstehen. Das ist eine gef\u00e4hrliche Entscheidung, wenn Unwissenheit und Slogans an die Stelle von historischen Untersuchungen und klaren moralischen Argumenten treten. Aber der 7. Oktober ist nicht der Beginn der Geschichte der Gewalt.\u201c<\/p>\n<p>Wer den 7. Oktober verstehen will, so fordert sie, muss die letzten 75 Jahre verstehen, die Nakba, den Verrat an den Pal\u00e4stinensern durch das Oslo-Abkommen, die Geschichte der Bombardierungen des Gazastreifens in mehreren Kriegen [die die Israelis \u201eRasenm\u00e4hen\u201c nannten und bei denen Tausende von Menschen ums Leben kamen, A.Str.] und die Gewalt gegen pal\u00e4stinensische D\u00f6rfer. Sie wolle damit nicht die Gewalt der Hamas rechtfertigen, sondern versuchen, eine Geschichte zu kontextualisieren, die nicht am 7. Oktober beginnt.<\/p>\n<p>Sie f\u00e4hrt fort: \u201eWenn wir wissen wollen, was die Gewalt in der Region reproduziert, um der Gewalt endg\u00fcltig Einhalt zu gebieten, dann m\u00fcssen wir mit den Historikern zusammenarbeiten, um die selbsternannte Kolonisierung dieser L\u00e4nder durch die politischen Zionisten, die Bedingungen, unter denen der Staat Israel gegr\u00fcndet wurde, und die Geschichte der Enteignung, Entrechtung, Inhaftierung, Belagerung und Bombardierungen zu verstehen. Wenn wir Frieden f\u00fcr die Region und eine Zukunft anstreben, in der alle Bewohner des Landes unter Bedingungen der Gleichheit und Freiheit leben, dann m\u00fcssen wir gemeinsam dar\u00fcber nachdenken, wie sich Staatsgebilde im Laufe der Zeit ver\u00e4ndern k\u00f6nnen und sollten.\u201c<\/p>\n<p>Von all dem liest man bei Eva Illouz nichts. Um ihre Anklage gegen die globale Linke vorzubringen, (die sie gar nicht genau definiert: sind es die gegen Israels Politik protestierenden Studenten oder die BRICS-Staaten wie S\u00fcdafrika, Venezuela, Brasilien, der Iran oder der Islam oder eine Allianz aller dieser Gruppen und Staaten?) unternimmt sie einen weiten Ausflug in die Geisteswissenschaften, der vom Jean Jacques Rousseau \u00fcber Arthur Schopenhauer und Charles Darwin (als Vertretern des Mitleids) zu dem Marquis de Sade, Friedrich Nietzsche, Martin Heidegger und dem NS-Juristen Carl Schmitt und schlie\u00dflich zum Pantextualismus Jacques Derridas\u2018 f\u00fchrt \u2013 als Vertretern von Macht und Gewalt.<\/p>\n<p>Der Leser fragt sich nat\u00fcrlich verwirrt, was hat das alles noch mit dem Nahen Osten und dem 7. Oktober zu tun. Er versteht dann so viel, dass der von dem franz\u00f6sischen Philosophen gebrauchte Begriff \u201epouvoirisme\u201c (von pouvoir \u2013 Macht) in der Gegenwart angeblich immer amorpher, unkonkreter und unhistorischer wird, sodass man gesellschaftlichen Fortschritt gar nicht mehr wahrnehmen kann. Und dieser Denkstil, so Eva Illouz, soll sich gegen Juden und Israel richten. Warum?<\/p>\n<p>Die Soziologin beantwortet die Frage so: In den USA ist die Solidarit\u00e4t zwischen amerikanischen Juden und Afroamerikanern in Richtung auf eine Opferkonkurrenz aufgebrochen. Au\u00dferdem ist die Dekolonialit\u00e4t (eine Geisteshaltung, die das beseitigen will, was vom Kolonialzeitalter in Kultur, Bildung und Gesellschaft noch geblieben ist) in den USA teilweise zum zentralen Rahmen f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis von Sklaverei und Rassismus geworden. Und daraus ergibt sich f\u00fcr Eva Illouz, dass Israel pl\u00f6tzlich als \u201ewei\u00dfer Siedlerkolonialismus\u201c aufgefasst werden kann. An die Stelle der Juden, die immer ein fantastisches Spielfeld f\u00fcr Projektionen waren, ist nun der Zionismus getreten, auf den man die Verbrechen des Rassismus, des Kolonialismus, der Klimaerw\u00e4rmung und des Kapitalismus projiziere. Die Zionisten sind also die neuen Opfer.<\/p>\n<p>Das Ergebnis, zu dem die Soziologin auf diesem Weg kommt, lautet: Antizionismus ist Antisemitismus. Sie begr\u00fcndet das so: \u201eDer Antizionismus, die intellektuell respektable Version des Antisemitismus, verhilft somit zu kognitivem und identit\u00e4rem Trost. Er vereinfacht das Reale, bekr\u00e4ftigt die Identit\u00e4t der Minderheitengruppen, die Opfer von Rassismus sind, und alimentiert das moralische Kapital der progressiven Linken, die diese unterst\u00fctzt. Dieser Trost ist umso gr\u00f6\u00dfer, als sich der Antizionismus als eine tugendhafte Ideologie ausgibt. Als die Aufkl\u00e4rung und ihre Tugenden akribisch dekonstruiert und verworfen worden waren, blieb der Antizionismus als einzige Tugend, um die sich diejenigen versammeln konnten, die alles dekonstruiert hatten. Am 8. Oktober schien die Moral dem Guten und der Gerechtigkeit sehr fernzustehen.\u201c<\/p>\n<p>Muss man wirklich einen so komplizierten Weg tief in die Geisteswissenschaften gehen, um zu einem Schluss zu kommen, der ohnehin sehr fraglich ist? Reicht nicht die schlichte Empirie, um in Erfahrung zu bringen, was in Israel\/Pal\u00e4stina wirklich geschieht, so wie ihn Petra Wild beschrieben hat: \u201eDer reine Siedlerkolonialismus, f\u00fcr den Israel ein Beispiel ist, strebt danach, die einheimische Bev\u00f6lkerung durch eine eingewanderte Siedlerbev\u00f6lkerung vollst\u00e4ndig zu ersetzen. Die Grenzen werden stets weiter nach vorn verschoben und die einheimische Bev\u00f6lkerung auf stets kleiner werdenden Fl\u00e4chen zusammengedr\u00e4ngt, um ihr Land und ihre Ressourcen f\u00fcr die Siedlerbev\u00f6lkerung freizumachen. Charakteristisch f\u00fcr siedlerkolonialistische Gebilde sind neben territorialer Expansion ein ausgepr\u00e4gter Rassismus in der Siedlerbev\u00f6lkerung und die Behauptung, das Land sei menschenleer gewesen, als die Siedler kamen. Die bekanntesten siedlerkolonialistischen Staaten sind die USA, Neuseeland, Australien, S\u00fcdafrika und Israel.\u201c Und diese Realit\u00e4t, die sich t\u00e4glich vor unseren Augen im Gazastreifen und im Westjordanland abspielt, ruft doch mit Recht Kritik und Widerstand hervor, der aus universalistisch-humanistischer Quelle kommt, und mit Antisemitismus gar nichts zu tun hat.<\/p>\n<p>Durch ihren fast metaphysisch hergeleiteten Antisemitismus-Begriff r\u00fcckt Eva Illouz aber Israels permanent gegen V\u00f6lkerrecht und Menschenrechte versto\u00dfende Unrechtspolitik in den Bereich des antisemitischen Wahns. Ist das nicht ein bewusst konstruiertes Ablenkungsman\u00f6ver, um von den Realit\u00e4ten in Israel-Pal\u00e4stina abzulenken?<\/p>\n<p>Denn kann man ernsthaft behaupten, dass der Dekolonialismus einen \u201etranszendentalen Antizionismus\u201c hervorbringt, eine Form von Antizionismus, der nichts mehr mit den konkreten Untaten des Staates Israel und der Politik seiner Regierung zu tun hat? Und dieser Antizionismus brauche Israel einerseits gar nicht, er k\u00f6nne auch ohne Israel bestehen. Andererseits schreibe dieser Antizionismus Israel eine ma\u00dflose Macht zu und dehne sie auf alle Juden weltweit aus, was nat\u00fcrlich eine typische antisemitische Stereotype w\u00e4re. Bewegt die Autorin sich hier nicht im Luftreich irrealer Fiktionen? Hat Israel nicht gerade mit Unterst\u00fctzung der USA in Gaza einen V\u00f6lkermord begangen und danach ebenfalls mit der Hilfe der USA durch den \u00dcberfall auf den Iran eine Weltkrise ausgel\u00f6st? W\u00e4re das ohne Macht m\u00f6glich?<\/p>\n<p>Auch sonst verbreitet die Autorin nur Ungereimtheiten und stellt falsche Behauptungen auf. So unterstellt sie der Hamas, der Existenzzweck dieser Organisation bestehe im \u201eMassenmord an Juden\u201c. In der Hamas-Charta von 2017 steht darin, wie sie aber behauptet, kein Wort, sondern das Gegenteil: \u201eIn diesem Programm erkl\u00e4rt die Hamas eindeutig, dass ihr Kampf sich gegen das zionistische Israel und die Besatzung richtet, ausdr\u00fccklich aber nicht gegen Juden.\u201c Ihr Ziel ist \u201ePal\u00e4stina from the river tot he sea!\u201c, also das Land, aus dem die Pal\u00e4stinenser 1948 und 1967 vertrieben worden sind. Dasselbe fordert Israel auch. Hier steht also Anspruch gegen Anspruch.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich erw\u00e4hnt Eva Illouz auch nicht die vielen Waffenstillstands- und Friedensangebote, die die Hamas Israel gemacht und die Israel so gut wie alle ignoriert hat. Und die Machtergreifung im Gazastreifen stellt sie v\u00f6llig falsch dar. Sie schreibt: \u201eDie Hamas, jene Organisation, die 2007 gewaltsam (durch T\u00f6tung von Anh\u00e4ngern ihrer Gegenpartei, der Fatah) die Macht im Gazastreifen \u00fcbernommen hatte\u2026\u201c Die Wirklichkeit sah anders aus: Israel und die USA hatten eine Fatah-Miliz unter der F\u00fchrung eines amerikanischen Generals aufgestellt, die in einem Putsch die Hamas ausschalten sollte. Das misslang aber, weil die Hamas sich milit\u00e4risch als st\u00e4rker erwies.<\/p>\n<p>Erw\u00e4hnt werden muss in diesem Zusammenhang auch, dass die Hamas 2006 absolut freie Wahlen in den besetzten Gebieten gewonnen hat (so eine Wahlpr\u00fcfungskommission des fr\u00fcheren US-Pr\u00e4sidenten Jimmy Carter) und mit der Fatah eine Regierung der nationalen Einheit bilden wollte. Der Westen und Israel verhinderten das und erkl\u00e4rten die Hamas zur \u201eTerrororganisation\u201c. Diese ganze Entwicklung hat sicher zur Radikalisierung der Hamas betr\u00e4chtlich beigetragen. Worauf konnte die Hamas nach diesen Erfahrungen mit dem Zionismus und dem Westen noch hoffen? Wenn Eva Illouz die Hamas als M\u00f6rderorganisation darstellt, die die Juden eliminieren will, dann muss man dem entgegenhalten, dass die Hamas gegen eine \u00e4u\u00dferst brutale Besatzungsmacht k\u00e4mpft, die bereit ist, bis zum V\u00f6lkermord zu gehen. Und die Hamas w\u00fcrde genauso gegen die Besatzung k\u00e4mpfen, wenn die Besatzer Chinesen, Franzosen oder Eskimos w\u00e4ren \u2013 wobei diesen V\u00f6lkern hier nichts unterstellt werden soll. Und obendrein: Angesichts des Genozids der Israelis im Gazastreifen und der gewaltigen milit\u00e4rischen \u00dcberlegenheit Israels klingt der Eliminierungsvorwurf an die Hamas ziemlich absurd.<\/p>\n<p>Genauso falsch ist, was die Autorin \u00fcber die gegen den israelischen V\u00f6lkermord in Gaza protestierenden Studenten schreibt. Sie fragt: \u201eWie also war es m\u00f6glich, dass ein Teil der progressiven Linken mit Gleichg\u00fcltigkeit oder Freude auf ein Massaker reagieren konnte, insbesondere an den Universit\u00e4ten? Warum sind diese K\u00fcnstler:innen, Professor:innen\u00a0 und Intellektuellen \u2013 die doch eigentlich auf der Seite der Menschlichkeit stehen sollten \u2013 in einem solchen Ma\u00df indifferent gegen\u00fcber einem Massaker an Juden und J\u00fcdinnen?\u201c<\/p>\n<p>Sie liefert keinen einzigen Beweis f\u00fcr die \u201eUnmenschlichkeit\u201c der Studenten \u2013 keine Flugbl\u00e4tter oder Parolen, die es doch sicher reichlich gibt. Hier der Text eines Flugblattes zum 7. Oktober von amerikanischen Universit\u00e4ten: \u201eDie heutigen Ereignisse kamen nicht aus heiterem Himmel. Seit zwei Jahrzehnten sind Millionen Pal\u00e4stinenser in Gaza gezwungen, in einem Freiluftgef\u00e4ngnis zu leben. Israelische Politiker versprechen, \u201adie Pforten der H\u00f6lle zu \u00f6ffnen\u2018, und die Massaker in Gaza haben bereits begonnen. Die Pal\u00e4stinenser in Gaza haben keine Schutzr\u00e4ume und k\u00f6nnen nirgendwohin fliehen. In den kommenden Tagen werden die Pal\u00e4stinenser gezwungen sein, die volle Wucht der israelischen Gewalt zu ertragen. Die Schuld daran tr\u00e4gt allein das Apartheimregime. Seit 75 Jahren bestimmt die israelische Gewalt jeden Aspekt des pal\u00e4stinensischen Lebens.\u201c<\/p>\n<p>Nun kann man extreme Ausf\u00e4lle nicht ausschlie\u00dfen, aber die Studenten und Intellektuellen, die Israels V\u00f6lkermord anprangerten und dies weiterhin tun, sind keine ruchlosen Antizionisten oder Antisemiten, wie die Autorin meint, sondern radikale Verfechter der Aufkl\u00e4rung, also von universalistisch verstandener Menschlichkeit. Ihre Kritik an Israels Gewalt ist doch v\u00f6llig berechtigt. In einem fr\u00fcheren Text hatte sie selbst noch beklagt, dass in Israel Verfechter der Menschenrechte als \u201eVerr\u00e4ter\u201c verleugnet werden, inzwischen vertritt sie diese Position offenbar auch selbst.<\/p>\n<p>Fast schon verzweifelt fragt Eva Illouz, warum der Hass in der ganzen Welt ausgerechnet auf Israel so gro\u00df sei, wo doch auch andere Staaten schlimme Verbrechen begingen. Und die Besatzung \u00fcber die Pal\u00e4stinenser hielte sich doch verglichen mit anderen Verst\u00f6\u00dfen gegen Menschenrechte auch im Rahmen. Da gebe es in der Verurteilung Israels eine ungerechte Asymmetrie. Auf den V\u00f6lkermord in Gaza geht sie in ihrem Buch \u00fcberhaupt nicht ein, obwohl das zeitlich vom Erscheinungstermin her durchaus m\u00f6glich gewesen w\u00e4re.<\/p>\n<p>Man kann sie dar\u00fcber aufkl\u00e4ren, warum Israel ganz besonders in der Kritik steht. Erstens haben die israelischen Verbrechen ein viel gr\u00f6\u00dferes Ausma\u00df als die Untaten anderer Staaten und sie ziehen sich schon \u00fcber ein ganzes Jahrhundert hin, und es ist kein Ende abzusehen \u2013 ganz im Gegenteil: der Genozid in Gaza belegt, dass die Intensit\u00e4t der Verbrechen sogar zunimmt. Zweitens gibt Israel vor und wird auch vom Westen so akzeptiert und behandelt, ein geachtetes Mitglied der westlichen Wertegemeinschaft zu sein. Aber gibt es wirklich gemeinsame Werte mit diesem Besatzungs- und Apartheidstaat, der dabei ist, vor den Augen der Welt ein ganzes Volk zu eliminieren?<\/p>\n<p>Wenn sie der Linken (wer immer das ist) Mangel an Mitgef\u00fchl, Mitleid und Sensibilit\u00e4t in Bezug auf den 7. Oktober vorwirft, dann fragt man nat\u00fcrlich automatisch: Wie steht es im Zionismus mit diesen empathischen Gef\u00fchlen? Sie m\u00f6gen unter zionistischen Juden weit verbreitet sein, aber den \u201eAnderen\u201c (den Pal\u00e4stinensern) gegen\u00fcber gibt es sie nicht. Wenn es sie g\u00e4be, dann g\u00e4be es Israels Konflikt mit diesem Volk nicht.<\/p>\n<p>Eva Illouz fordert Mitleid ein, aber gibt sie selbst davon? In ihrem Buch sucht man vergebens danach. Deshalb muss man sie an das alte deutsche Sprichwort erinnern: Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen. Um ihre v\u00f6llig einseitige Sicht auf den 7. Oktober zu verstehen, muss man bis auf das zionistische Verst\u00e4ndnis des Holocaust zur\u00fcckgehen. Der Israeli Moshe Zuckermann hat da Ma\u00dfst\u00e4be setzende Arbeit geleistet. Nach seiner Analyse hat die israelische politische Kultur nie wirkliche Trauerarbeit geleistet, das hei\u00dft, sich mit der Situation der Holocaust-Opfer in ihrer totalen Ohnmacht auseinandergesetzt. Oder anders gesagt: Das israelische Holocaust-Gedenken war und ist immer instrumentalisiert, auf bestimmte Zwecke gerichtet, erinnert die Opfer also nicht (v\u00f6llig ohne Zweck) universell im Stande ihres Opferseins.<\/p>\n<p>Diesen Umgang mit dem Holocaust hat Israel zu einer Ideologie verfestigt. Und zu dieser Ideologie geh\u00f6rt es als fester und ma\u00dfgebender Bestandteil, dass die israelischen Juden sich immer als \u201eOpfer\u201c f\u00fchlen \u2013 auch im Konflikt mit den Pal\u00e4stinensern. Diesen gegen\u00fcber herrscht au\u00dferdem eine Haltung der Verh\u00e4rtung, der Selbstgerechtigkeit, Dehumanisierung und Gewalt vor. Eine Sensibilit\u00e4t f\u00fcr ihre Leiden fehlt v\u00f6llig. Diese Menschen m\u00fcssen eben einfach brachial bek\u00e4mpft werden. Weshalb es ihnen gegen\u00fcber auch keinen Willen zu Kompromissen und Frieden gibt.<\/p>\n<p>Zuckermann beruft sich bei diesen Aussagen auf Untersuchungen, die der israelische Professor f\u00fcr sozialpolitische Psychologie Daniel Bar-Tal angestellt hat. Dieser hatte festgestellt, dass die breite Bev\u00f6lkerung sich weigere, in den eigenen Spiegel zu schauen. Sie will nicht wissen, \u201ewas Israel jahrelang in Gaza angerichtet hat, wie sich die Abkoppelung [aus dem Gazastreifen 2005] vollzogen hat und welche Folgen sie f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser zeitigte\u201c, mithin auch nicht, \u201ewie die Hamas an die Macht gelangte, wie viele Menschen seit dem Abzug umgekommen sind; selbst nicht, wer als erster den Waffenstillstand im Gazastreifen gebrochen hat\u201c. Die Politiker, meint Bar-Tal, \u201ebedienten sich der Massenmedien, die sich von ihnen freiwillig haben rekrutieren lassen. Nahezu alle Kan\u00e4le konzentrierten sich auf das Opfergef\u00fchl des israelischen S\u00fcdens und haben \u2013 vor und w\u00e4hrend des Krieges \u2013 die Situation der abgeriegelten Bewohner Gazas fast v\u00f6llig ignoriert.\u201c (Diese Passage bezieht sich auf den Gaza-Krieg 2008\/09)<\/p>\n<p>Diese Art der Selbstviktimierung (nur sich selbst als Opfer anzusehen) tritt bei den Israelis nicht nur in bedrohlichen Situationen zu Tage, sondern ist l\u00e4ngst in der Bev\u00f6lkerung eine beherrschende Ideologie geworden. Zuckermann beschreibt diese Ideologie sehr drastisch: \u201eJe brutaler die israelischen Schl\u00e4ge gegen die Pal\u00e4stinenser, je ma\u00dfloser der milit\u00e4rische Aufwand gegen einen in jeder Hinsicht deutlich schw\u00e4cheren Gegner, desto selbstmitleidiger und empathischer das realit\u00e4tsferne Wehgeschrei \u00fcber das eigene Opfer-Dasein. (\u2026) Das hat nicht nur mit durchideologisierter Selbstverblendung zu tun, sondern nicht minder auch mit dem \u00f6ffentlich verdr\u00e4ngten, gleichwohl im kollektiven Vorbewusstsein verharrenden Wissen darum, man sei schuldig geworden, mithin in keiner Weise den Anspruch erheben k\u00f6nne, dem moralischen Selbstbild, das man sich Jahrzehnte lang unentwegt zurechtkonstruiert hat, gerecht zu werden.\u201c<\/p>\n<p>Diese Aussagen treffen sehr gut auf den Massenmord an den Pal\u00e4stinensern im Gazastreifen zu und auf Eva Illouz\u2018 Reaktion darauf. Zuckermann liefert hier also im Jahr 2014 (also lange vor dem Genozid) den Schl\u00fcssel zum Verstehen der zionistischen Einstellung zu den Pal\u00e4stinensern und damit auch zu Eva Illouz\u2018 Buch <em>Der<\/em> <em>8. Oktober<\/em>, das ein ma\u00dfloses Schwelgen in Selbstmitleid und Opfersein ist. Nun sind Empathie und Mitleid hohe Tugenden und Werte, aber nur wenn sie universell verstanden werden und alle Menschen mit einbeziehen. Die Sicht auf den Anderen gibt es aber in der Sicht von Eva Illouz nicht.<\/p>\n<p>Der israelische Historiker Ilan Pappe bekr\u00e4ftigt die Aussagen Zuckermanns. Er sieht die Ideologie des ewigen Opfers auch als Grund f\u00fcr die Unf\u00e4higkeit der Zionisten an, das Trauma der Pal\u00e4stinenser anzuerkennen. Denn wenn sie dies t\u00e4ten, w\u00fcrden sie den eigenen Opferstatus besch\u00e4digen und dem Zionismus damit die Legitimit\u00e4t entziehen. Und das w\u00fcrde erhebliche \u201emoralische und existenzielle Auswirkungen auf die israelischen Juden zeitigen: Sie m\u00fcssten sich eingestehen, dass sie zum Spiegelbild ihres schlimmsten Albtraums geworden sind\u201c.<\/p>\n<p>Was bleibt angesichts solch gewichtiger Gegenargumente gerade auch von israelischen Intellektuellen von Eva Illouz\u2018 Buch? Sie war einmal ein Vorbild einer von der Aufkl\u00e4rung und dem Humanismus bestimmten Israel-Kritik. Mit dem <em>8.Oktober<\/em> hat sie sich als stramme Anh\u00e4ngerin des Zionismus erwiesen, einer Ideologie, die nicht erst seit dem Genozid in Gaza unter der Anklage von V\u00f6lkerrechtsverbrechen und von Menschenrechtsvergehen steht. Und mit ihrer Gleichsetzung von Antizionismus und Antisemitismus stellt sie sich sch\u00fctzend vor Israels Untaten und macht so jeden kritischen und humanen Diskurs \u00fcber einen Weg aus dieser Dauerkrise im Nahen Osten unm\u00f6glich. Ihr Buch ist kein Appell an mehr Menschlichkeit, als was sie es sicher selbst versteht, sondern ganz im Gegenteil eine Aufforderung, einer universell verstandenen Humanit\u00e4t eine Absage zu erteilen und sich hinter die israelischen Juden \u2013 die ewigen Opfer \u2013 zu stellen. Das ist eine moralische und politische Sackgasse, die nicht einmal Israel hilft, aus seiner existentiellen Krise herauszukommen. Eva Illouz hat die die falschen Schlussfolgerungen aus dem 7. Oktober gezogen.<\/p>\n<p>In ihrem Buch <em>Israel<\/em> (2015) hatte sie ihren Staat noch gemahnt: \u201eDiese [j\u00fcdische] Geschichte ist unvollendet, solange die politischen Institutionen und die Kultur Israels nicht die universalistischen Gebote umfassen, die die Geburt aller modernen Demokratien begleitet haben. Ein j\u00fcdischer Staat, der nicht auf universeller Gerechtigkeit aufbaut, wird nicht auf die zentrale Herausforderung geantwortet haben, vor die die Moderne das j\u00fcdische Volk stellte, n\u00e4mlich ihre Existenz und ihre Identit\u00e4t unter Einbeziehung der Forderungen des Universalismus neu zu definieren, statt diese von sich zu weisen.\u201c Hat Eva Illouz diese S\u00e4tze vergessen?<\/p>\n<p><strong>Eva Illouz: <em>Der 8.Oktober<\/em><\/strong><br \/>\nSuhrkamp-Verlag Berlin 2025<br \/>\n103 S., ISBN 978-3-518-47530-0, 12,00 Euro<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Arn Strohmeyer lebt und arbeitet als Journalist und freier Schriftsteller in Bremen und ist Mitglied des Deutschen Freidenker-Verbandes.<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\">Bild oben: Collage von Ralf Lux unter Verwendung des Buchtitels des Suhrkamp-Verlages.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\">Hintergrund: <span class=\"mw-mmv-title\">Zerst\u00f6rung der Lebensgrundlagen im Gazastreifen.<br \/>\nFoto: Jaber Jehad Badwan, <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/4.0\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">CC BY-SA 4.0<\/a><br \/>\nQuelle: <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=160402418\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=160402418<\/a><\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Anmerkungen zu Eva Ilouz\u2018 Buch <i>Der 8. Oktober<\/i>: Schwelgen in Selbstmitleid<\/b><br \/>\n<b>von Arn Strohmeyer<\/b><br \/>\nDie israelische Soziologin Eva Illouz demonstriert in ihrem Buch Der 8. Oktober, warum sie eine Wende vom gem\u00e4\u00dfigten, \u201elinken\u201c zum radikalen Zionismus vollzogen hat. In der Einleitung zu ihrem Buch erkl\u00e4rt sie, dass sie bisher glaubte, einer moralischen Gemeinschaft des Mitgef\u00fchls anzugeh\u00f6ren, deren Abscheu vor Verbrechen gegen die Menschlichkeit selbstverst\u00e4ndlich sei. Sie habe sich geirrt, schreibt sie und f\u00e4hrt dann fort: <i>\u201eEin betr\u00e4chtlicher Teil der globalen Linken \u2013 unter wechselnden Namen wie identit\u00e4re, wache bzw. aufgeweckte, dekoloniale oder progressive Linke \u2013 hat die Existenz dieser Gr\u00e4ueltaten geleugnet [des 7.Oktober 2023] oder sie als Akt des \u201aantikolonialen Widerstandes\u2018 gefeiert. <\/i>[&#8230;]  Eine andere israelische J\u00fcdin \u2013 die Journalistin Amira Hass von der Tageszeitung Haaretz, eine Tochter von Holocaust-\u00dcberlebenden \u2013 schreibt \u00fcber denselben Tag ganz anders: <i>\u201eIn wenigen Tagen erlebten die Israelis das, was die Pal\u00e4stinenser seit Jahrzehnten routinem\u00e4\u00dfig erlebten und immer noch erleben &#8230;<\/i><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":25601,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","advanced_seo_description":"","jetpack_seo_html_title":"","jetpack_seo_noindex":false,"footnotes":"","jetpack_post_was_ever_published":false},"categories":[574,12],"tags":[1172,1644,1954,393,2051,2335,746,736,1955,394,2131,954,3253,1823,1931],"class_list":["post-25600","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktuelles","category-demokratie-medien-aufklaerung","tag-gaza","tag-gewalt","tag-hamas","tag-israel","tag-juden","tag-kampfhandlungen","tag-kriegsverbrechen","tag-massaker","tag-nahostkonflikt","tag-palaestina","tag-pogrome","tag-rezension","tag-siedler","tag-uebergriffe","tag-voelkermord"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/eva_illouz_8.-Oktober_coll.jpg?fit=800%2C450&ssl=1","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p9stpK-6EU","jetpack-related-posts":[{"id":16947,"url":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=16947","url_meta":{"origin":25600,"position":0},"title":"Themenabend: Der Schatten im Schatten","author":"Webredaktion","date":"14. 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