{"id":24860,"date":"2026-04-09T11:14:05","date_gmt":"2026-04-09T09:14:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=24860"},"modified":"2026-04-09T11:14:05","modified_gmt":"2026-04-09T09:14:05","slug":"nuernberger-ostermarsch-2026-friedenstuechtig-statt-kriegssuechtig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=24860","title":{"rendered":"N\u00fcrnberger Ostermarsch 2026: Friedenst\u00fcchtig statt kriegss\u00fcchtig"},"content":{"rendered":"<p><strong>Kurzbericht<\/strong><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\">Erstver\u00f6ffentlichung am 07.04.2026 auf der <a href=\"https:\/\/www.bayern.freidenker.org\/friedenstuechtig-stat-kriegssuechtig\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Seite des LV Bayern<\/a><\/span><\/p>\n<p>Seit 44 Jahren treffen sich unterschiedlichste Organisationen und Personen aus der Region unter dem Dach des N\u00fcrnberger Friedensforums zum Ostermarsch in N\u00fcrnberg. Weit \u00fcber tausend Menschen reihten sich unter der Losung \u201eFriedenst\u00fcchtig statt kriegss\u00fcchtig\u201c in Demonstrationsz\u00fcgen, ausgehend vom Kopernikusplatz und vom Rosa-Luxemburg-Platz sowie in eine Fahrraddemo vom F\u00fcrther Hiroshima Denkmal zur Abschlusskundgebung am Kornmarkt vor dem Gewerkschaftshaus in diesem Jahr ein.\u00a0 Dort wurden sie von weiteren Friedensaktivisten und von den K\u00fcnstlern der \u201eStreetOps Music\u201c mit einer Zeitreise-Revue empfangen.<\/p>\n<p>Viel Beifall erhielt die Rede einer jungen Frau, die an den Sch\u00fclerstreiks in N\u00fcrnberg teilnahm. Hauptredner Michael Kraus, Politikwissenschaftler, Gewerkschafter und Freidenker spannte in seiner Rede einen weiten Bogen \u00fcber Geschichte und Verursacher von Kriegen, \u00fcber den derzeitigen politischen und unfriedlichen Zustand unserer Welt, \u00a0bis zu den M\u00f6glichkeiten der Entwicklung von Frieden und V\u00f6lkerfreundschaft.<\/p>\n<p>Nachfolgend ver\u00f6ffentlichen wir seine Rede.<\/p>\n<hr \/>\n<h5>Michael Kraus<\/h5>\n<h4>Rede beim N\u00fcrnberger Ostermarsch am 6. April 2026<\/h4>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\">Erstver\u00f6ffentlichung am 07.04.2026 auf der <a href=\"https:\/\/www.bayern.freidenker.org\/nuernberg-ostermarsch-2026\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Seite des LV Bayern<\/a><\/span><\/p>\n<p>Liebe Friedensaktive,<\/p>\n<p><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"24862\" data-permalink=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?attachment_id=24862\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/michael_kraus.png?fit=256%2C256&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"256,256\" data-comments-opened=\"0\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"michael_kraus\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-medium-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/michael_kraus.png?fit=256%2C256&amp;ssl=1\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/michael_kraus.png?fit=256%2C256&amp;ssl=1\" class=\"alignleft wp-image-24862 size-thumbnail\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/michael_kraus.png?resize=150%2C150&#038;ssl=1\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/michael_kraus.png?resize=150%2C150&amp;ssl=1 150w, https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/michael_kraus.png?w=256&amp;ssl=1 256w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/p>\n<p>ich hei\u00dfe Michael Kraus, bin Politikwissenschaftler, Gewerkschafter und Friedensaktivist aus Schweinfurt und engagiere mich aktuell vor allem beim NachDenkSeiten-Gespr\u00e4chskreis Schweinfurt\/W\u00fcrzburg und beim Deutschen Freidenker-Ortsverband Schweinfurt\/W\u00fcrzburg. Ganz herzlich m\u00f6chte ich mich f\u00fcr die Einladung des Friedensforums N\u00fcrnberg bedanken, dass ich heute die \u201eHauptrede\u201c beim Ostermarsch 2026 in N\u00fcrnberg halten darf. Hoffentlich kann ich den Erwartungen gerecht werden.<\/p>\n<p>Die westliche, wei\u00dfe Weltordnung unter F\u00fchrung der USA steht vor ihrem verdienten Ende. Seit 1492 bzw. seit 1498 haben \u00fcber 500 Jahre lang die Wei\u00dfen, vor allem reiche wei\u00dfe M\u00e4nner, \u00fcber den Erdball geherrscht. Als die sozialistische Sowjetunion 1991 unterging, \u00fcbernahmen die kapitalistischen USA die Stellung als alleiniger westlicher Weltenherrscher. Die imperialistischen US-Eliten f\u00fchrten zahlreiche Putsche in anderen L\u00e4ndern durch und einen Krieg nach dem anderen, um sich an der Spitze der Weltordnung zu halten. Wie in einer Mafiabande, so teilten die USA und ihre westlichen Partner in der NATO und in Ostasien sich die Welt untereinander als Beute auf. Wer sich nicht dem Westen unterwirft, wer sich nicht vom Westen ausbeuten und unterdr\u00fccken l\u00e4sst, wer eine eigenst\u00e4ndige Entwicklung zum Wohl der eigenen Nation verfolgt, der wird vom NATO-Westen erst diffamiert, dann sanktioniert, weggeputscht oder mit Krieg \u00fcberzogen. Laut dem weltbekannten US-Politikwissenschaftler John J. Mearsheimer haben die Sanktionen der USA und der EU von 1971 bis 2021 rund 33 Millionen Menschen das Leben gekostet \u2013 fast so viele wie der von den Nazis entfesselte Zweite Weltkrieg in Europa. Die Charta der Vereinten Nationen mit ihrem strikten Gewaltverbot zerst\u00f6rt der von den USA angef\u00fchrte Westen, wie der weltbekannte US-\u00d6konom Jeffrey Sachs beklagt. Die USA bek\u00e4mpfen unter ihrem Pr\u00e4sidenten Donald Trump die Grundgedanken der Vereinten Nationen mit allen Mitteln. Das V\u00f6lkerrecht verh\u00f6hnt der Westen in demagogischer Manier als \u201eSchutz von Diktatoren\u201c. Dabei ist es der Schutz der Schwachen vor den Starken. Das Recht sch\u00fctzt die Schwachen. Wir schauen mit Abscheu und Entsetzen auf diese sogenannte \u201eregelbasierte Weltordnung\u201c. Und wir freuen uns zugleich \u00fcber die Entwicklung der letzten Jahre: Gut, dass der \u201eWertewesten\u201c nicht mehr das alleinige Sagen hat!<\/p>\n<p>Denn viele L\u00e4nder haben technologisch und wirtschaftlich zum Westen aufgeholt. Die 2006 gegr\u00fcndeten BRIC-Staaten, zu denen heute 10 L\u00e4nder geh\u00f6ren, haben die westlichen G7-Staaten mittlerweile wirtschaftlich \u00fcberholt. Die BRICS \u2013 also Brasilien, Russland, Indien, China und S\u00fcdafrika \u2013 zusammen mit den neuen Mitgliedsstaaten \u00c4gypten, \u00c4thiopien, Vereinigte Arabische Emirate, Indonesien und Iran gestalten eine neue Weltordnung. Diese neue Weltordnung beruht auf Gleichberechtigung und Souver\u00e4nit\u00e4t, also auf Selbstbestimmung. Die neue Weltordnung der BRICS-Staaten beruht auf der politischen Herrschaft \u00fcber das Kapital statt der Herrschaft des Kapitals \u00fcber die Politik, wie wir sie in den imperialistischen NATO-Staaten erleben. In den 10 BRICS-Staaten geht es der Bev\u00f6lkerungsmehrheit im Schnitt von Jahr zu Jahr immer besser, im Westen immer schlechter. Die BRICS-Staaten treten der von den USA gef\u00fchrten imperialistischen NATO entgegen. Die NATO ist sp\u00e4testens seit 1999 ein v\u00f6lkerrechtswidriges Angriffskriegsb\u00fcndnis und stellt damit eine Bedrohung f\u00fcr die Weltgemeinschaft sowie f\u00fcr die Charta der Vereinten Nationen dar. Die BRICS sagen NEIN zur Politik des Westens, der f\u00fcr den Rest der Welt nur noch Kanonen, Bomben und Verwesung \u00fcbrighat. Die BRICS sagen NEIN zu Armut, Krieg und Diktatur. Wir sagen mit den BRICS-Staaten JA zu Wohlstand, Freiheit, Frieden und Selbstbestimmung. Wir sagen JA zu Entwicklung, Zusammenarbeit, Diplomatie und Erhalt der nat\u00fcrlichen Lebensgrundlagen.<\/p>\n<p>Liebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde,<\/p>\n<p>die USA versuchen unter der F\u00fchrung von Trump ihren eigenen Niedergang sowie den Aufstieg der BRICS mit einer brutalen Kriegs- und Machtpolitik aufzuhalten. Der Milliard\u00e4r Trump wirkt wie eine Mischung aus einem brutalen Mafiaboss und einem selbstherrlich-absolutistischen F\u00fcrsten. Er hat in seiner Regierung eine illustre Truppe von Personen um sich geschart. Immobilienhaie, Finanzabzocker, christliche \u201eGotteskrieger\u201c und zionistische Ultrarechte geben den Ton an. Trumps Beliebtheitswerte stehen am Abgrund, denn er hat fast alle Wahlversprechen gebrochen: Statt Frieden bringt er Krieg, statt einer Politik des \u201eAmerica first\u201c verfolgt er eine Politik des \u201eIsrael first\u201c, statt Sicherheit, Wohlstand und Aufstieg schafft seine Politik nur Inflation, Armut und Arbeitslosigkeit. International versucht Trump die USA oben zu halten, indem er seine Verb\u00fcndeten beinahe genauso mies behandelt wie seine Gegner: Er droht und erpresst, er pl\u00fcndert und putscht. Den Panamakanal, Gr\u00f6nland, Venezuela, Cuba und den Gaza-Streifen will er sich und den USA einverleiben, wom\u00f6glich auch noch den Iran, Mexiko und Kolumbien. Den V\u00f6lkermord Israels in Gaza unterst\u00fctzt Trump.<\/p>\n<p>Wie ein Ertrinkender sich durch das Niederdr\u00fccken anderer Bootsfl\u00fcchtlinge \u00fcber der Wasserlinie zu halten versucht, so wollen die USA sich auf Kosten ihrer als Vasallen behandelten \u201eVerb\u00fcndeten\u201c oben halten. Trump behandelt die EU-Staaten sowie Japan und S\u00fcdkorea wie rechtlose Vasallen und presst sie finanziell aus wie Zitronen. Die Eliten der westlichen Staaten au\u00dferhalb der USA machen mit, weil sie hoffen, dadurch weiterhin ihren Teil an der imperialistischen Beute abzubekommen. Sie streben eine \u201edienende F\u00fchrungsrolle\u201c an, wie es der fr\u00fchere deutsche \u201eVizekanzler\u201c Robert Habeck von den GR\u00dcNEN nannte. Doch wie sagte einst US-Au\u00dfenminister Henry Kissinger: \u201eEs ist gef\u00e4hrlich, ein Feind der USA zu sein, aber t\u00f6dlich, wenn man ihr Verb\u00fcndeter ist.\u201c Weder die Bev\u00f6lkerung der USA noch die der Ukraine profitiert von Trump, denn anstatt Frieden zu bringen, will er m\u00f6glichst viel Geld f\u00fcr die USA herausziehen und Russland sch\u00e4digen sowie schw\u00e4chen. Die USA bek\u00e4mpfen zudem China, indem sie die Regierungen der gr\u00f6\u00dften \u00d6llieferanten st\u00fcrzen und durch US-Marionetten ersetzen wollen, aktuell in Venezuela und im Iran. Und wo dies nicht gelingt, s\u00e4t man zumindest Chaos, um den geopolitischen Rivalen China und Russland zu schaden \u2013 siehe Irak, Syrien oder Libyen. Der Westen will China vom \u00d6l und Russland vom Welthandel abschn\u00fcren, um beide Staaten wirtschaftlich zu erdrosseln, mit dem Ziel einer ethnisch-v\u00f6lkischen Zerst\u00fcckelung beider L\u00e4nder. \u201eTeile und herrsche\u201c, diese Parole des r\u00f6mischen wie auch des britischen Weltreichs verfolgen die USA sehr konsequent. Dies sind keine Verschw\u00f6rungstheorien, sondern diese Politik ist in zahlreichen Strategiepapieren der US-Denkfabriken und der US-Regierung festgehalten, von der RAND Corporation bis zu Stratfor, vom US-Au\u00dfenministerium bis zum US-Pr\u00e4sidialamt.<\/p>\n<p>Liebe Friedensstreiterinnen und Friedensstreiter,<\/p>\n<p>diese Entwicklung ist nicht neu. In der Antike verhielt sich Athen im attischen Seebund \u00e4hnlich tyrannisch, sp\u00e4ter das antike Rom. \u00dcber Rom kursiert der Spruch von Tacitus: \u201eSie schaffen eine W\u00fcste und nennen das Frieden.\u201c Das war die ber\u00fchmte \u201epax romana\u201c: der r\u00f6mische ewige Frieden \u00fcber den ewigen Gr\u00e4bern \u2013 der Ermordeten. Als neues Rom sehen sich auch die USA mit ihrer \u201epax americana\u201c, ihrem \u201eamerikanischen Frieden\u201c, und sie gr\u00fcnden sich wie das antike Rom auf V\u00f6lkermord (an den sogenannten Indianern) und Sklaverei (an den Afrikanern). \u00dcber die USA sagt aktuell Alexander Mercouris von THE DURAN, in Anlehnung an Rom: \u201eSie schaffen das Chaos und nennen es Demokratie.\u201c Regelm\u00e4\u00dfig stimmen die USA zudem in den Vereinten Nationen gegen die Verurteilung von Neonazismus und Faschismus, zusammen mit dem korrupten rechten Regime der Ukraine. Erst vor kurzem stimmten die USA \u2013 zusammen mit Israel und Argentinien \u2013 zu dritt als einzige Staaten in den Vereinten Nationen gegen eine Verurteilung der Sklaverei. Komisch, dass ausgerechnet dieses Land als engster Verb\u00fcndeter Deutschlands und der EU gilt, gar als \u201eWertepartner\u201c. Unsere Werte sind dies NICHT, denn wir stehen NICHT f\u00fcr V\u00f6lkermord und Sklaverei, NICHT f\u00fcr Neonazismus und Faschismus. Wir stehen f\u00fcr Frieden, Freiheit und Selbstbestimmung, f\u00fcr V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung, soziale Gerechtigkeit und solidarische Entwicklung.<\/p>\n<p>Was bedeutet dies alles f\u00fcr uns, was sollten wir als Friedensbewegung daraus lernen? Hier sind einige Gedanken von mir dazu. <strong>1. Deutschland und die EU m\u00fcssen sich l\u00f6sen von ihrer fatalen Vasallentreue zu den USA und zu deren Weltreich<\/strong> \u2013 und zwar nicht, um selbst Weltenherrscher zu werden, sondern um gleichberechtigt mit allen anderen Nationen eine neue gerechte Weltordnung zum gegenseitigen Vorteil aufzubauen. Ich denke hier insbesondere an die 10 BRICS-Staaten, mit denen wir wirtschaftlich und politisch kooperieren sollten. <strong>2. F\u00fcr Deutschland w\u00e4re ein konkreter erster Schritt der sofortige Austritt aus der NATO, zumindest aus der milit\u00e4rischen Integration der NATO, und damit der Abzug aller fremden Truppen und aller NATO-Standorte aus Deutschland<\/strong>, nach dem Vorbild von Frankreichs Austritt aus der milit\u00e4rischen NATO-Organisation unter Charles de Gaulle 1966\/1967. Wir brauchen keine Aufr\u00fcstung und Wehrpflicht, keine US-Truppen und US-Mittelstreckenraketen, sondern Abr\u00fcstung und Diplomatie, fairen Interessenausgleich und Neutralit\u00e4t. Neutralit\u00e4t ist keine Dummheit oder Selbstisolation. Neutralit\u00e4t ist vielmehr sehr klug, wie es die Schweiz, aber wie es auch fr\u00fcher \u00d6sterreich und Finnland gezeigt haben. Die hunderten Milliarden an Euro f\u00fcr den geplanten Dritten Weltkrieg gegen Russland brauchen wir stattdessen f\u00fcr Infrastruktur, f\u00fcr zivile Produktion, f\u00fcr Bildung, f\u00fcr Gesundheit, f\u00fcr Sozialwesen, f\u00fcr Umweltschutz, f\u00fcr V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung und f\u00fcr Friedensarbeit.<\/p>\n<p>Liebe Friedensaktive,<\/p>\n<p>mein 3. Punkt lautet: <strong>Die EU als imperialistisches, autokratisches Staatenb\u00fcndnis muss aufgel\u00f6st und durch einen fortschrittlichen europ\u00e4ischen Bund souver\u00e4ner Staaten nach dem Vorbild der BRICS ersetzt werden.<\/strong> Vereinigte Staaten von Europa, so bemerkte einst ganz richtig Lenin, sind unter kapitalistischen Bedingungen entweder unm\u00f6glich, weil sich die Staaten untereinander bek\u00e4mpfen, oder reaktion\u00e4r, weil sie gemeinsam \u00fcber Drittstaaten herfallen und diese imperialistisch ausbeuten. Beides hat sich mit der EU bewahrheitet. Zum einen unterst\u00fctzt der EU-Apparat in den demokratischen Mitgliedsstaaten Putsche \u2013 siehe Rum\u00e4nien oder Ungarn \u2013 und bedroht demokratische Mitgliedsstaaten durch Fremdstaaten wirtschaftlich und politisch \u2013 siehe die Angriffe der Ukraine auf die Energieversorgung und die Sicherheit der Staatschefs der Slowakei und Ungarns. Zum anderen versucht die EU andere Staaten milit\u00e4risch und wirtschaftlich zu unterwerfen, siehe die Balkankriege in den 1990er Jahren, die Einflussnahme der EU im Kaukasus, in Nordafrika und in Nahost \u2013 und nicht zuletzt der Stellvertreterkrieg von NATO und EU gegen Russland in der Ukraine. Diese EU steht f\u00fcr v\u00f6lkerrechtswidrige Sanktionen gegen Russland und gegen die eigene Bev\u00f6lkerung, etwa die so verbrecherischen wie barbarischen Sanktionen gegen H\u00fcseyin Dogru, Jacques Baud, Alina Lipp, Thomas R\u00f6per und viele andere. Auch, wenn man mit diesen Journalisten wom\u00f6glich nicht einer Meinung ist \u2013 diese barbarische Behandlung hat niemand verdient. Die EU hat diese Journalisten f\u00fcr \u201evogelfrei\u201c erkl\u00e4rt wie im Mittelalter, quasi zum Abschuss freigegeben. Wir sagen dazu nein! Diese EU steht f\u00fcr Aufr\u00fcstung und Kriege. Diese EU steht f\u00fcr Armut, Deindustrialisierung und Niedergang. Diese EU steht f\u00fcr die Herrschaft des Kapitals sowie die Schw\u00e4chung der Gewerkschaften und Tarifvertr\u00e4ge. Diese EU steht f\u00fcr Putsche, Zensur und Gleichschaltung. Wir wollen das Gegenteil: Frieden durch zivile Kooperation, Freiheit durch demokratische Selbstbestimmung und eine starke Zivilgesellschaft, Wohlstand durch produktive Zusammenarbeit \u2013 und soziale Gerechtigkeit durch eine gut organisierte Arbeitnehmerschaft und ein faires Sozialsystem.<\/p>\n<p>Liebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde,<\/p>\n<p>mein 4. Punkt ist: <strong>Als weiteren konkreten Schritt brauchen wir eine umfassende deutsch-russische und europ\u00e4isch-russische Auss\u00f6hnung<\/strong>, so wie wir nach dem Zweiten Weltkrieg eine deutsch-franz\u00f6sische Auss\u00f6hnung und eine deutsch-israelische Auss\u00f6hnung hatten. Verr\u00fcckt und widersinnig erscheint uns heute die damals von den rechten deutschen Eliten betriebene \u201eErdfeindschaft\u201c zu Frankreich, die bis 1945 galt. Doch genauso verr\u00fcckt und widersinnig ist die heute von den rechten deutschen Eliten betriebene \u201eewige Feindschaft\u201c zu Russland. Warum unterst\u00fctzt Deutschland als \u201eStaatsr\u00e4son\u201c blind Israel, bek\u00e4mpft aber Russland? Das nationalsozialistische Deutschland t\u00f6tete 6 Millionen Juden und 26 Millionen Sowjetb\u00fcrger \u2013 viele davon Russen \u2013 im Zweiten Weltkrieg. Sind j\u00fcdische Opfer alles und sowjetische bzw. russische Opfer nichts wert? Ist das unsere rassistische und grundfalsche Lehre aus der Geschichte? Der Friedensnobelpreistr\u00e4ger und Bundeskanzler Willy Brandt sagte einst: \u201eWir (als Deutsche) wollen ein Volk der guten Nachbarn sein.\u201c Russland ist ein wichtiger Nachbar f\u00fcr uns. Frieden in Europa ist nur mit und nicht gegen Russland m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Mein 5. Punkt: <strong>Wir sollten als Friedensbewegung zu diesem Zweck mit allen Menschen reinen Herzens zusammenwirken, die uns in diesen Zielen nahestehen.<\/strong> Wir brauchen eine breite, fortschrittliche Volksbewegung f\u00fcr Frieden, Freiheit und Selbstbestimmung, f\u00fcr V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung, soziale Gerechtigkeit und solidarische Entwicklung, wie mit der Friedensbewegung in den 1980er Jahren. Wir sollten in der Friedensbewegung keine st\u00e4ndigen Gesinnungstests durchf\u00fchren und uns in ideologischer Reinheit, in Distanziereritis und Abgrenzungswahn wohlf\u00fchlen, sondern die Friedensfrage in den Mittelpunkt stellen. Im Solidarit\u00e4tslied von Bertolt Brecht und Ernst Busch hei\u00dft es treffend dazu: \u201eUnsre Herrn, wer sie auch seien, sehen unsre Zwietracht gern, denn solang sie uns entzweien, bleiben sie doch unsre Herrn.\u201c Wer reinen Herzens f\u00fcr den Frieden ist, der steht auf unserer Seite, wie Oskar Lafontaine nicht m\u00fcde wird zu betonen. Dabei sollten wir insbesondere die Arbeitnehmerschaft ansprechen, denn \u201eArbeiter schie\u00dfen nicht auf Arbeiter!\u201c Diese Erkenntnis aus den Weltkriegen gilt noch heute. Wir stehen hier vor dem N\u00fcrnberger Gewerkschaftshaus, viele von euch sind Gewerkschafter, wie ich. Wir alle m\u00fcssen durch st\u00e4ndige Aktivit\u00e4ten von unten Druck auf die sozialdemokratischen Gewerkschaftsf\u00fchrungen aus\u00fcben. Wir m\u00fcssen sie von ihrer Burgfriedenspolitik mit dem Kapital und von ihrer tendenziellen Kriegsunterst\u00fctzung abbringen und sie f\u00fcr den Frieden gewinnen, wie in den 1980er Jahren. Die Gewerkschaftsf\u00fchrungen waren auch damals zun\u00e4chst gegen die Friedensbewegung, insbesondere gegen die Gro\u00dfdemonstration im Bonner Hofgarten 1983. Doch die Gewerkschaftsbasis hat sich einfach nicht darangehalten und am Ende machte die Gewerkschaftsf\u00fchrung selbst bei den Friedensdemos mit. An dieser Stelle m\u00f6chte ich nochmals Willy Brandt zitieren: \u201eDer Frieden ist nicht alles. Aber alles ist ohne den Frieden nichts!\u201c<\/p>\n<p>Liebe Friedensstreiterinnen und Friedensstreiter,<\/p>\n<p>mein 6. und letzter Punkt: <strong>Um all dies und noch viel mehr zu erreichen, brauchen wir an Stelle der heutigen autorit\u00e4ren Fassadendemokratie eine echte Demokratie, in den Betrieben wie auch in Politik und Gesellschaft.<\/strong> Solange Banken, solange Konzerne, solange Verm\u00f6gende \u00fcber Deutschland und die EU herrschen, wird ihr Programm von Armut, Krieg und Diktatur gnadenlos durchgedr\u00fcckt, egal wer unter ihnen die Regierung stellen darf. Nur mit politischer Herrschaft \u00fcber das Kapital wie in den BRICS-Staaten wird sich etwas zum Positiven \u00e4ndern. Ich m\u00f6chte dazu kurz einige Ideen \u00e4u\u00dfern: 1. Wie w\u00e4re es mit einer Vergesellschaftung der Schl\u00fcsselindustrien, wie sie in der Satzung der IG Metall gefordert wird, anstelle des Diktats von Aktion\u00e4ren und Gro\u00dfkapitalisten \u2013 f\u00fcr zivile Produktion statt f\u00fcr Kriegsproduktion? 2. Wie w\u00e4re es, wie von ver.di gefordert, mit einer \u00dcberf\u00fchrung der Daseinsvorsorge in die \u00f6ffentliche Hand, wie w\u00e4re es mit 100 Prozent Gemeineigentum an Energie- und Wasserversorgung, Post, Bahn usw., wie wir es schon einmal hatten? 3. Wie w\u00e4re es mit direkter Demokratie wie in der Schweiz, durch Volksabstimmungen mit niedrigen H\u00fcrden auf allen politischen Ebenen? Dann k\u00f6nnten wir selbst \u00fcber Krieg und Frieden abstimmen; das wollen wir nicht den Politikern \u00fcberlassen! 4. Wie w\u00e4re es mit alternativen, selbstgestalteten Medien von unten anstelle der oft im Gleichschritt marschierenden, autorit\u00e4ren Konzern- und staatsnahen Medien? Julian Assange, der Gr\u00fcnder von Wikileaks, hat sich mit der Geschichte besch\u00e4ftigt und festgestellt: Die meisten Menschen wollen keinen Krieg, deshalb m\u00fcssen sie hineingelogen werden, und dies tun die Medien. H\u00e4tte man wahrheitsgetreue Medien, g\u00e4be es also keine Kriege mehr. Und genau deshalb m\u00fcssen wir \u00fcber die Medien demokratisch mitbestimmen, d\u00fcrfen wir sie nicht den Reichen und M\u00e4chtigen \u00fcberlassen. 5. Wie w\u00e4re es mit gelosten Volksvertretungen, um repr\u00e4sentativ zusammengesetzte Volksvertretungen zu erhalten, wie wir es heute schon bei Sch\u00f6ffen als Laienrichtern erfolgreich praktizieren? Schlechter als die heutige politische Klasse wird es die Normalbev\u00f6lkerung auch nicht machen, und wir k\u00f6nnten es auf kommunaler Ebene ausprobieren. 6. Wie w\u00e4re es mit demokratisch-partizipativen B\u00fcrgerhaushalten, bei denen die Bev\u00f6lkerung selbst \u00fcber einen Teil der Steuerverteilung entscheidet und diese kontrolliert? Auch daf\u00fcr gibt es viele Beispiele weltweit. \u2013 Mir ist klar, das sind sehr weitreichende Ideen und wir werden dazu keinen leichten und schnellen Konsens finden. Aber ich finde, beim Ostermarsch muss man auch einmal neue Gedanken ansprechen, denn eines ist sicher: Wir brauchen dringend, ganz dringend eine andere Politik, wenn wir ernsthaft Frieden wollen. Es muss sich sehr viel \u00e4ndern in diesem Land. Mit der \u201eInternationale\u201c gesprochen: \u201eEs rettet uns kein h\u00f6heres Wesen, kein Gott, kein Kaiser noch Tribun \/ Uns aus dem Elend zu erl\u00f6sen, k\u00f6nnen wir nur selber tun.\u201c<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte zusammenfassen und komme zum Schluss: Wir wollen<\/p>\n<ol>\n<li>Deeskalation, Kompromissbereitschaft und vertrauensbildende Ma\u00dfnahmen statt einem neuen Wettr\u00fcsten<\/li>\n<li>eine fruchtbare internationale Zusammenarbeit statt v\u00f6lkerrechtswidrige Sanktionen<\/li>\n<li>Friedensverhandlungen statt Waffenlieferungen<\/li>\n<li>das V\u00f6lkerrecht statt das Recht des St\u00e4rkeren<\/li>\n<li>Neutralit\u00e4t und NATO-Austritt statt US-Mittelstreckenraketen und NATO-Truppen in Deutschland<\/li>\n<li>eine Friedenspflicht statt Wehrpflicht<\/li>\n<li>Geld f\u00fcr Infrastruktur, f\u00fcr zivile Produktion, f\u00fcr Bildung, f\u00fcr Gesundheit, f\u00fcr Sozialwesen, f\u00fcr Umweltschutz, f\u00fcr V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung und f\u00fcr Friedensarbeit \u2013 statt hunderte Milliarden Euro f\u00fcr Aufr\u00fcstung und Militarisierung.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Vielen Dank f\u00fcr eure Aufmerksamkeit und Geduld \u2013 Gl\u00fcckauf!<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Michael Kraus ist Vorsitzender der DFV-Ortsgruppe Schweinfurt\/W\u00fcrzburg<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\">Bild oben: Ostermarsch in N\u00fcrnberg<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 10pt;\">Foto: Redaktion Freidenker Bayern<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\">Bild im Text: Michael Kraus<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Kurzbericht und Rede von Michael Kraus<\/b><br \/>\nSeit 44 Jahren treffen sich unterschiedlichste Organisationen und Personen aus der Region unter dem Dach des N\u00fcrnberger Friedensforums zum Ostermarsch in N\u00fcrnberg. Weit \u00fcber tausend Menschen reihten sich unter der Losung \u201eFriedenst\u00fcchtig statt kriegss\u00fcchtig\u201c in Demonstrationsz\u00fcgen, ausgehend vom Kopernikusplatz und vom Rosa-Luxemburg-Platz sowie in eine Fahrraddemo vom F\u00fcrther Hiroshima Denkmal zur Abschlusskundgebung am Kornmarkt vor dem Gewerkschaftshaus in diesem Jahr ein.\u00a0 Dort wurden sie von weiteren Friedensaktivisten und von den K\u00fcnstlern der \u201eStreetOps Music\u201c mit einer Zeitreise-Revue empfangen. [&#8230;] Hauptredner Michael Kraus, Politikwissenschaftler, Gewerkschafter und Freidenker spannte in seiner Rede einen weiten Bogen \u00fcber Geschichte und Verursacher von Kriegen, \u00fcber den derzeitigen politischen und unfriedlichen Zustand unserer Welt, \u00a0bis zu den M\u00f6glichkeiten der Entwicklung von Frieden und V\u00f6lkerfreundschaft.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":24861,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","advanced_seo_description":"","jetpack_seo_html_title":"","jetpack_seo_noindex":false,"jetpack_post_was_ever_published":false,"footnotes":""},"categories":[574,13],"tags":[2391,162,3159,681,3158,43,2292,2195,718,1056,1451,506,1135,623,645,1991,185,345,1525],"class_list":["post-24860","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktuelles","category-frieden-antifaschismus-solidaritaet","tag-brics","tag-demokratie","tag-deutsch-russische-aussoehnung","tag-deutschland-raus-aus-der-nato","tag-eu-aufloesung","tag-friedensbewegung","tag-friedensverhandlungen","tag-g7","tag-gerechtigkeit","tag-gleichberechtigung","tag-lv-bayern","tag-nuernberg","tag-ostermarsch","tag-souveraenitaet","tag-staatliche-souveraenitaet","tag-unipolare-weltordnung","tag-usa","tag-voelkerrecht","tag-waffenlieferungen"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/om_nuernberg_2026_800x450.jpg?fit=800%2C450&ssl=1","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p9stpK-6sY","jetpack-related-posts":[{"id":3070,"url":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=3070","url_meta":{"origin":24860,"position":0},"title":"Freidenker bei den Osterm\u00e4rschen 2013","author":"Webredaktion","date":"2. 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