{"id":23625,"date":"2025-11-25T23:42:13","date_gmt":"2025-11-25T22:42:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=23625"},"modified":"2025-12-18T00:21:02","modified_gmt":"2025-12-17T23:21:02","slug":"russland-das-racheprojekt-der-eliten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=23625","title":{"rendered":"Russland: Das Racheprojekt der Eliten"},"content":{"rendered":"<p><strong>Drei\u00dfig Jahre nach dem Kalten Krieg k\u00e4mpft der Westen nicht gegen Russland, sondern gegen die eigene Kr\u00e4nkung. Der Sieg von 1991 hat keine Ordnung geschaffen. Es wurde eine Obsession. Heute zeigt sich, der Krieg ist weniger geopolitisch als psychologisch &#8211; ein Racheakt der Macht. Der neue Kalte Krieg ist kein Konflikt zwischen Staaten. Europa k\u00e4mpft auch nicht f\u00fcr Freiheit. Es k\u00e4mpft gegen die Wahrheit, damit der Selbstbetrug h\u00e4lt.<\/strong><\/p>\n<p><em>Ein Essay von <strong>Sabiene Jahn<\/strong><\/em><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\">Erstver\u00f6ffentlichung am 21.11.2025 auf <a href=\"https:\/\/globalbridge.ch\/russland-das-racheprojekt-der-eliten\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">globalbridge.ch<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"5429\" data-permalink=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?attachment_id=5429\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/video_icon_24x24.jpg?fit=24%2C24&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"24,24\" data-comments-opened=\"0\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"video_icon_24x24\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/video_icon_24x24.jpg?fit=24%2C24&amp;ssl=1\" class=\"alignnone size-full wp-image-5429\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/video_icon_24x24.jpg?resize=24%2C24&#038;ssl=1\" alt=\"\" width=\"24\" height=\"24\" \/> Der Beitrag kann auch bei YouTube angeh\u00f6rt werden: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=_B_itGET26I\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=_B_itGET26I<\/a><\/span><\/p>\n<figure id=\"attachment_23629\" aria-describedby=\"caption-attachment-23629\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"23629\" data-permalink=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?attachment_id=23629\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/rupp_in_fam_01_800x450.jpg?fit=800%2C450&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"800,450\" data-comments-opened=\"0\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;2.4&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;iPhone 12 Pro Max&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1762283879&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;1.54&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;200&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.02&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"rupp_in_fam_01_800x450\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/rupp_in_fam_01_800x450.jpg?fit=800%2C450&amp;ssl=1\" class=\"wp-image-23629 size-full\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/rupp_in_fam_01_800x450.jpg?resize=800%2C450&#038;ssl=1\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"450\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/rupp_in_fam_01_800x450.jpg?w=800&amp;ssl=1 800w, https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/rupp_in_fam_01_800x450.jpg?resize=300%2C169&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/rupp_in_fam_01_800x450.jpg?resize=768%2C432&amp;ssl=1 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-23629\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"font-size: 10pt;\">Blick in den Veranstaltungssaal am 04.11.2025 in Frankfurt am Main. Foto: Sabiene Jahn<\/span><\/figcaption><\/figure>\n<p>Am 4. November 2025 ist der \u201eSaalbau Bornheim\u201c in Frankfurt am Main bis auf den letzten Platz gef\u00fcllt. Noch drei Stuhlreihen werden nach vorne geschoben, trotzdem stehen Menschen an den W\u00e4nden, hinten dr\u00e4ngen sich weitere G\u00e4ste des Deutschen Freidenkerverbandes. Viele sind gekommen, weil sie sp\u00fcren, dass das, was sie an diesem Abend h\u00f6ren, in den gro\u00dfen Medien kaum noch vorkommt. Auf dem Podium sitzt Rainer Rupp, einst Mitarbeiter im NATO-Hauptquartier in Br\u00fcssel, unter dem Decknamen \u201eTopas\u201c viele Jahre Kundschafter der DDR-Hauptverwaltung Aufkl\u00e4rung. In den fr\u00fchen achtziger Jahren, w\u00e4hrend des NATO-Man\u00f6vers Able Archer 1983, leitete er Informationen nach Ostberlin und weiter nach Moskau. Die \u00dcbung, so seine Berichte damals, sei kein Deckmantel f\u00fcr einen \u00fcberraschenden Nuklearschlag des Westens. In R\u00fcckschauen \u2013 von der Guardian-Notiz bis zu linken Zeitungsartikeln \u2013 ist seither oft davon die Rede, Rupp habe damit \u201eden dritten Weltkrieg verhindert\u201c. Sicher ist, seine Informationen trugen dazu bei, die sowjetische F\u00fchrung in einer hochgespannten Situation zu beruhigen und die Eskalationsspirale zu durchbrechen.<\/p>\n<p>Als der Moderator des Abends diesen historischen Hintergrund erw\u00e4hnt, ist der Ton im Saal pl\u00f6tzlich ein anderer. Dem\u00fctig. F\u00fcr viele J\u00fcngere ist \u201eAble Archer\u201c nur eine Fu\u00dfnote im Geschichtsunterricht, f\u00fcr die \u00c4lteren steht dahinter eine reale Todesangst, die nur knapp nicht in einem Atomkrieg endete. Vor ihnen sitzt nun ein Mann, dessen Name mit dieser Beinahe-Katastrophe untrennbar verbunden ist und der heute, vier Jahrzehnte sp\u00e4ter, erneut von Kriegsgefahr spricht. Doch der Krieg, von dem Rupp an diesem Abend berichtet, beginnt f\u00fcr ihn nicht in Bachmut, Charkow oder Donezk. Er beginnt in den Zentralen der Finanzkonzerne, in den Schaltstellen westlicher Macht, in den K\u00f6pfen einer politischen Elite, die um ihr eigenes \u00dcberleben k\u00e4mpft. Die Ukraine ist in seinem Vortrag der Schauplatz, nicht der Grund.<\/p>\n<p>Im ersten Teil entfaltet Rupp Schritt f\u00fcr Schritt seine Kernthese. Der Krieg in der Ukraine ist zwar ein Stellvertreterkrieg, aber nicht in dem schlichten Sinn \u201eUSA gegen Russland\u201c. Er ist, in seiner Logik, ein Krieg zur Rettung eines ausgeh\u00f6hlten Systems des neoliberalen Kapitalismus, der im Westen \u00fcber Jahrzehnte von der Ausbeutung externer Kolonien gelebt hat und nun gezwungen ist, sich nach innen zu wenden, gegen die eigene Bev\u00f6lkerung. Die Ukraine sei daf\u00fcr Instrument und Vorwand zugleich. Um zu erkl\u00e4ren, warum ausgerechnet dieses Land zum \u201eSchlachtfeld Europas\u201c wurde, geht Rupp weit zur\u00fcck. In die Zeit des klassischen Kolonialismus, in der westliche Staaten mit Bajonetten, Flotten und Kanonen die halbe Welt unterworfen, Rohstoffe geraubt und, das betont er ausdr\u00fccklich, nicht nur die heimischen Eliten\u00a0 \u201emitgeschmiert\u201c haben, auch die arbeitende Bev\u00f6lkerung. Engels, Lenin und der britische Historiker Eric Hobsbawm h\u00e4tten beschrieben, wie billige Kolonialwaren die Lebenshaltungskosten senkten, neue Jobs schufen und damit innere Klassenspannungen entsch\u00e4rften, um den Preis blutiger Unterdr\u00fcckung in Indien, Afrika oder China. (1)<\/p>\n<p>Mit den Befreiungskriegen des 20. Jahrhunderts, mit Algerien, Indien, Vietnam, dem Aufstieg antikolonialer Bewegungen, wurde dieses Modell unhaltbar. Der Kolonialismus verschwand formal, der Neokolonialismus trat an seine Stelle. Banken, Rohstoffkonzerne, IWF und Weltbank als Spinne im Netz, Export von Kapital, Import von Rohstoffen und die strukturellen Schuldenfallen. Doch auch dieses System, so Rupp, verlor mit der Zeit seine Ertragskraft. Die Profite waren noch da, aber l\u00e4ngst nicht mehr so obsz\u00f6n wie fr\u00fcher. An diesem Punkt leitet er \u00fcber zum Neoliberalismus als neuer Ausbeutungsform. Die \u201eBeute\u201c kommt nicht mehr haupts\u00e4chlich aus Afrika oder Lateinamerika, sondern aus den eigenen Gesellschaften. Sie entfaltet sich aus Privatisierungen, Hartz IV, Deregulierung, Lohnsenkungen oder Steuererleichterungen f\u00fcr Verm\u00f6gende. All das beschreibt er als Versuch, den R\u00fcckgang kolonialer Zufl\u00fcsse dadurch zu kompensieren, dass nun die eigenen Werkt\u00e4tigen zum Objekt systematischer Auspressung werden. Er verweist dabei auf \u00f6konomische Berechnungen, nach denen der Anteil der Arbeitseinkommen am Volkseinkommen seit den 1970er-Jahren von etwa zwei Dritteln auf deutlich unter 60 Prozent gesunken ist. Die Differenz, hunderte Milliarden j\u00e4hrlich, sei im Kapitalanteil gelandet, ohne dass der reale Wohlstand der Mehrheit entsprechend zugenommen h\u00e4tte. (2)<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund erscheinen ihm die letzten Gro\u00dfkrisen \u2013 Klima, Corona, Ukrainekrieg \u2013 weniger als zuf\u00e4llige Schocks, sondern als serielle Gelegenheiten, um mit Hilfe der Angst Milliardenbetr\u00e4ge nach oben zu lenken. Beim Klima, sagt er, werde mit apokalyptischen Szenarien operiert, um gigantische \u201eTransformationsprogramme\u201c zu legitimieren, deren Wirksamkeit niemand garantieren k\u00f6nne, die aber nachweislich enorme \u00f6ffentliche Mittel in bestimmte Industrien und Finanzvehikel pumpen. Bei Corona sieht er vor allem einen Effekt, die M\u00f6glichkeit, nach den Bankenturbulenzen 2019\/2020 das Finanzsystem mit Zentralbankgeld zu fluten und gleichzeitig Grundrechte beispiellos einzuschr\u00e4nken. Dass die Verm\u00f6gen der obersten Prozent in der Pandemie deutlich schneller gewachsen sind als der Rest, ist empirisch gut dokumentiert. Genau hier setzt in der Diskussion ein Zuh\u00f6rer an, der den im Programm angek\u00fcndigten \u201eCorona-Block\u201c vermisst. Rupp zeichnet daraufhin nach, wie sich bereits im Herbst 2019 im US-Bankensystem Spannungen gezeigt h\u00e4tten, die durch massive Eingriffe der Federal Reserve (FED) \u00fcberdeckt wurden. Kurz darauf sei Corona zur \u201ePandemie\u201c erkl\u00e4rt worden, und pl\u00f6tzlich habe es keinen politischen Widerstand mehr gegen Billionenprogramme und Sonderwege gegeben. In seiner Lesart war Corona weniger medizinischer Schicksalsschlag als perfekte B\u00fchne, um ein bereits wackelndes Finanzsystem zu stabilisieren, bezahlt von den Steuerzahlern, politisch flankiert durch Angstkampagnen und die Diffamierung von Kritikern.<\/p>\n<p>Der Ukrainekrieg, so Rupp, ist nun die n\u00e4chste Stufe dieses Musters. Nur dass es diesmal nicht \u201enur\u201c um Geld geht, sondern um die geostrategische Architektur des 21. Jahrhunderts und \u2013 im \u00e4u\u00dfersten Eskalationsfall \u2013 um das physische \u00dcberleben Europas. Im geopolitischen Teil des Vortrags arbeitet Rupp mit einer Art Schachbrett. Washington habe einen klar benannten Hauptgegner \u2013 nicht Russland, es ist China. Um China zu schw\u00e4chen, brauche man Russland entweder als Juniorpartner oder als neutralisierte, zersplitterte Macht. Genau das erkl\u00e4re die Doppelstrategie der letzten Jahre. Zuerst der Versuch eines \u201eRegime Change\u201c durch Sanktionen und innenpolitische Destabilisierung in Moskau, danach \u2013 und parallel \u2013 die milit\u00e4rische Schw\u00e4chung Russlands \u201eauf dem Schlachtfeld Ukraine\u201c. Dabei betont er, wie massiv diese Strategie materiell unterf\u00fcttert wurde. Hunderte Milliarden Euro und Dollar in Form von Krediten, Waffenlieferungen, Finanzhilfen, Ausbildung ukrainischer Truppen durch NATO-Staaten sowie Aufkl\u00e4rungs- und Geheimdienstinformationen \u201ein Echtzeit\u201c.<\/p>\n<p>All das ist, in vorsichtigen Formulierungen, selbst von westlichen Milit\u00e4rs und Politikern immer wieder einger\u00e4umt worden. Trotzdem, so Rupp, sei das Projekt milit\u00e4risch gescheitert. Die ukrainische Armee sei ausgeblutet, die russische Front nicht zusammengebrochen, die Munitionslager des Westens leer. Selbst US-Analysten, die anfangs euphorisch waren, spr\u00e4chen inzwischen n\u00fcchtern von einem strategischen Fehlschlag, was sich in Washington und London an einem zunehmend frostigen Ton gegen\u00fcber Selenskyj ablesen lasse.<\/p>\n<p>An dieser Stelle schl\u00e4gt sein Vortrag einen Haken. Weg von den Frontlinien, hin zu Karten, die im westlichen Diskurs lange tabu waren. Es geht um die \u201eDekolonisierung Russlands\u201c. Rupp erz\u00e4hlt von Konferenzen des \u201eFree Nations of Post-Russia Forum\u201c, einem Zusammenschluss von Aktivisten, Exilgruppen und westlichen Unterst\u00fctzern, die seit 2022 \u00f6ffentlich die \u201efriedliche, nicht-gewaltsame Dekolonisierung\u201c der Russischen F\u00f6deration diskutieren. In Berlin, London, Paris, Tokio und anderen Orten wurden Szenarien entworfen, wie ein \u201epost-imperiales Russland\u201c in Dutzende neue Einheiten zerlegt werden k\u00f6nnte, Euromaidan Press etwa berichtet von einem Modell mit 41 Nachfolgestaaten, die perspektivisch atomwaffenfrei sein sollen. (3) Auf den ersten Blick klingt das wie ein akademischer Gedankensport, doch Rupp liest diese Papiere als kaltes Rohstoffdesign. Kleinstaaten von Jakutien bis zum Kaukasus, politisch schwach, wirtschaftlich abh\u00e4ngig, mit klar umrissenen Ressourcen. Perfekt f\u00fcr neue, \u201ezivil\u201c verpackte Zugriffe westlicher Konzerne. Sein Punkt, die\u00a0 moralisch aufgeladene Rede von der \u201eEntkolonisierung Russlands\u201c, oft mit antikolonialen Narrativen des 20. Jahrhunderts verkleidet, k\u00f6nnte in der Praxis nichts anderes sein als die Neuauflage eines Neokolonialismus, der sich im eurasischen Kernland austoben soll.<\/p>\n<p>In dieses Bild f\u00fcgt er die Aussagen westlicher Spitzenpolitiker ein. Allen voran die Formulierung der deutschen Au\u00dfenministerin Annalena Baerbock, die im Europarat sagte: \u201eWe are fighting a war against Russia, not against each other\u201c, ein Satz, der international sofort als faktische Kriegserkl\u00e4rung eines NATO-Staates debattiert wurde. (4) Dass die Bundesregierung den O-Ton im Nachgang relativierte, aber nicht zur\u00fccknahm, ist f\u00fcr Rupp symptomatisch. Man sei l\u00e4ngst Teil eines Krieges, dessen Risiken die Bev\u00f6lkerung nie bewusst mitbeschlossen habe. Genau an dieser Stelle kommt das Dokument ins Spiel, auf das Rupp sich mehrfach beruft, das Protokoll eines Gespr\u00e4chs zwischen Hermann G\u00f6ring und dem amerikanischen Psychologen Gustave M. Gilbert im N\u00fcrnberger Kriegsverbrecherprozess. Gilbert hielt in seinem \u201eNuremberg Diary\u201c fest, wie der Reichsmarschall die Standardmethode kriegf\u00fchrender Eliten beschrieb. Auf Gilberts Hinweis, dass in einer Demokratie doch das Volk \u00fcber Krieg und Frieden mitbestimme, antwortete G\u00f6ring sinngem\u00e4\u00df, das sei im Prinzip richtig, aber \u201edie Menschen k\u00f6nnen immer dazu gebracht werden, den F\u00fchrern zu folgen. Das ist einfach. Alles, was man tun muss, ist ihnen zu sagen, sie w\u00fcrden angegriffen, und die Pazifisten als unpatriotisch zu beschimpfen und des Verrats zu bezichtigen. Es funktioniert in jedem Land.\u201c (5)<\/p>\n<p>Rupp zitiert genau diesen Satz und markiert ihn als \u201eStandardverfahren der faschistischen Verbrecher im Dritten Reich\u201c. Der eigentliche Skandal, der sich daraus ergibt, liegt im Zirkelschluss. Wenn eine heutige Bundesregierung, flankiert von Leitmedien, exakt diese Mechanik benutzt, also permanent eine existenzielle \u00e4u\u00dfere Bedrohung an die Wand malt (\u201ewir sind im Krieg mit Russland\u201c, \u201eunsere Demokratie wird von au\u00dfen und innen angegriffen\u201c) und jede systematische Opposition als \u201ePutinfreunde\u201c, \u201eExtremisten\u201c oder \u201eDelegitimierer\u201c diffamiert, dann arbeite sie mit derselben psychologischen Folterbank, auf die G\u00f6ring im Jahr 1946 zur\u00fcckblickte. Dass Baerbocks Satz im Europarat nicht klargestellt, sondern weichgesp\u00fclt wurde, liest Rupp als historische Selbstanzeige. Die politische Klasse bedient sich eines Tools aus dem Werkzeugkasten der alten Faschisten und beansprucht daf\u00fcr den Begriff der \u201ewehrhaften Demokratie\u201c. Er geht noch weiter. Gerade weil dieser Mechanismus so offen in den \u00f6ffentlichen Raum gestellt werde, helfe er, die Maske zu l\u00fcften. Wer sich der Methode G\u00f6rings bedient, um Kriegspolitik gegen\u00fcber einer Nuklearmacht durchzusetzen, k\u00f6nne zwar formal demokratisch gew\u00e4hlt sein, aber er bewege sich mental in denselben Bahnen wie die Regime, die man offiziell bek\u00e4mpfe. Daher sein scharfer, polemischer Schluss, die \u201eneuen alten Faschisten\u201c s\u00e4\u00dfen nicht mehr in Braunhemden im Bierzelt, sondern in Nadelstreifen in den Talkshows.<\/p>\n<p>Das alles bleibt nicht abstrakt. In der Diskussion kommt die Angst vor einer nuklearen Eskalation auf den Tisch. Ein Zuh\u00f6rer fragt, ob Krieg nicht immer auch eine M\u00f6glichkeit sei, Kapital zu \u201ebereinigen\u201c und Profite zu steigern, und wie Rupp die Gefahr eines gro\u00dfen Krieges einsch\u00e4tze. Seine Antwort ist bemerkenswert konkret. Er erinnert an den Einsatz der 101. US-Luftlandedivision (\u201eScreaming Eagles\u201c) im Jahr 2022, als Teile der Brigade nach Rum\u00e4nien und Polen an die ukrainische Grenze verlegt wurden. Der Brigadegeneral sagte damals gegen\u00fcber US-Medien, man sei \u201ebereit, jederzeit in die Ukraine zu gehen\u201c. F\u00fcr Rupp war das der Moment, in dem er \u201eam meisten Angst\u201c hatte. W\u00e4re diese Brigade tats\u00e4chlich \u00fcber die Grenze gegangen und dort von russischen Kr\u00e4ften eingekesselt oder vernichtet worden, h\u00e4tte der Druck in Washington auf eine Eskalation bis hin zu taktischen Nuklearwaffen ins Uferlose wachsen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Rupp verweist dabei auf alte NATO-\u00dcbungsszenarien, in denen, das ist historisch gut belegt, Osteuropa als prim\u00e4res Schlachtfeld eines Atomkrieges fungierte, w\u00e4hrend russisches Territorium bewusst aus den Zielpl\u00e4nen herausgehalten wurde, um einen sowjetischen nuklearen Gegenschlag gegen US-Territorium zu vermeiden. Die logische Folge in seinem Modell, auch im jetzigen Konflikt w\u00e4re es \u201eEuropa\u201c, das atomar verheizt w\u00fcrde, nicht die USA.<\/p>\n<p>Und wenn heute in Berlin oder Paris mit Blick in Richtung Moskau laut \u00fcber eigene Atomwaffen nachgedacht wird, dann sei das, sagt Rupp, \u201eh\u00f6chstens eine Selbstmorddrohung\u201c. Mehr nicht. Gleichzeitig relativiert er die Wahrscheinlichkeit eines globalen Atomkriegs, weil die strategische Kalkulation in Washington seit Jahrzehnten darauf ausgelegt sei, den eigenen Kontinent aus dem Zentrum der Zerst\u00f6rung herauszuhalten. Das macht die Lage f\u00fcr Europa nicht ungef\u00e4hrlicher, im Gegenteil. Es erh\u00f6ht den Druck, dass die eigentliche Eskalationszone in der Ukraine, in Polen und im Baltikum liegt. Die \u201eKriegst\u00fcchtigkeit\u201c, von der deutsche Politiker heute sprechen, liest er als gef\u00e4hrliche Mischung aus historischer Amnesie und Erf\u00fcllungsgehilfentum gegen\u00fcber einer Supermacht, die das atomare Finale im Zweifel immer au\u00dferhalb der eigenen Grenzen stattfinden lassen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Im letzten Drittel des Abends k\u00fcmmert sich Rupp um den globalen Kontext. Russland und China als Gegenmodelle, BRICS als Raum, in dem alternative Formen wirtschaftlicher Entwicklung und politischer Souver\u00e4nit\u00e4t erprobt werden. Rupp verweist auf die Entstehung des BRIC-Begriffs Anfang der 2000er-Jahre, als der Goldman-Sachs-\u00d6konom Jim O\u2019Neill erstmals Brasilien, Russland, Indien und China als k\u00fcnftige \u201eTreiber des globalen Wachstums\u201c bezeichnete. (6) Was damals vor allem als Investmentstory gedacht war, hat sich inzwischen zu einem politischen Block entwickelt, in dem viele Staaten des globalen S\u00fcdens einen Gegenpol zum westlich gef\u00fchrten System sehen, nicht zuletzt, weil Russland und China ihnen Kredite, Infrastruktur und Kooperation ohne ideologische Belehrungen anbieten.<\/p>\n<p>Hier schlie\u00dft Rupp den Kreis. In Lateinamerika hatte, wie der US-Historiker Arthur Schlesinger in einer Denkschrift an Pr\u00e4sident Kennedy formulierte, schon die blo\u00dfe Existenz Kubas und der Sowjetunion als alternative Modernisierungsmodelle gereicht, um Washington in Panik zu versetzen. Ein Land wie Kuba, das zeigte, dass soziale Ver\u00e4nderungen \u201eohne gr\u00fcnes Licht aus Washington\u201c m\u00f6glich sind, sei aus Sicht der US-Eliten unertr\u00e4glich gewesen. (7) Heute, sagt Rupp, ist es nicht mehr Havanna, sondern Moskau und Peking, die allein durch ihr Dasein als funktionierende Gegenentw\u00fcrfe zur neoliberalen Ordnung eine \u201eexistenzielle Bedrohung\u201c f\u00fcr den Westen darstellen. Nicht im milit\u00e4rischen, sondern im ideellen Sinne. Sie beweisen den V\u00f6lkern des globalen S\u00fcdens, dass es Alternativen gibt. Damit ist der Rahmen geschlossen.<\/p>\n<p>Der Krieg in der Ukraine erscheint in dieser Perspektive als Knotenpunkt aus Systemkrise, geostrategischer Verschiebung und innerer Legitimit\u00e4tskrise des Westens. Gef\u00fchrt wird er, nach Rupp, von einer transnationalen Elite aus Finanzkapital, sicherheitspolitischem \u201edeep state\u201c und politischer Funktionsklasse in EU und NATO. Das\u00a0 Ziel des Westens ist doppelt. Nach au\u00dfen die Schw\u00e4chung und m\u00f6gliche Zerschlagung Russlands als Schutzmacht eines eigenst\u00e4ndigen Eurasien, nach innen die Disziplinierung der eigenen Bev\u00f6lkerungen durch Angstpolitik, Propagandafronten und die schrittweise Entleerung demokratischer Verfahren. Als ein Zuh\u00f6rer am Ende fragt, wie dieser Krieg enden k\u00f6nne, bleibt Rupp konsequent bei seiner Prognose. Nicht am Verhandlungstisch, sondern durch einen faktischen Sieg Russlands auf dem Schlachtfeld. Erst wenn Geld, Waffen und politische Legitimit\u00e4t im Westen so weit erodiert seien, dass die Unterst\u00fctzung f\u00fcr Kiew zusammenbricht, werde \u201edas Schweigen der Kanonen\u201c einsetzen. In der Diskussion pr\u00e4zisiert er. Wenn \u201eder Westen den Topf nicht mehr f\u00fcllt\u201c, wenn die Armee, die Geh\u00e4lter und der Staatsapparat der Ukraine nicht mehr von EU und USA bezahlt werden, dann sei der Punkt erreicht, an dem Russland \u201egewonnen\u201c habe. Ein genauer Zeitpunkt lasse sich nicht vorhersagen, aber er spricht davon, dass dies \u201ebis Weihnachten oder vielleicht bis in den Fr\u00fchling hinein\u201c geschehen k\u00f6nne. Er meint dies als Sch\u00e4tzung, nicht als Prophezeiung.<\/p>\n<p>In der anschlie\u00dfenden Diskussion richtet sich der Blick des Publikums \u00fcberraschend nach Osten. Mehrere Zuh\u00f6rer schildern ihre Erfahrungen mit Chinesen, h\u00f6fliche, aber auch irritierende Szenen aus Alltag und Reisen. Einer verweist auf das sogenannte Social-Credit-System, das in zwei St\u00e4dten wie Rongcheng und Suzhou getestet werde, wo gutes Verhalten, vom p\u00fcnktlichen Zahlen bis zum respektvollen Umgang, mit Punkten belohnt werde. Rupp h\u00f6rt aufmerksam zu, doch er \u00fcbernimmt diese westliche Lesart nicht. Sein Hinweis ist leiser, aber grunds\u00e4tzlicher. Wir sollten andere L\u00e4nder nicht nach unseren eigenen kulturellen Rastermustern beurteilen. Was in Europa nach sozialer Dressur klingt, wird in China offiziell als Beitrag zur \u201ewenming\u201c, zur gesellschaftlichen Zivilisiertheit, verstanden. Ein Versuch, nach Jahrzehnten des entfesselten Wettbewerbs moralische Ordnung wiederherzustellen. Was uns als autorit\u00e4r oder Kontrolle erscheint, kann dort Teil einer anderen historischen Logik sein, eingebettet in einem konfuzianisch gepr\u00e4gten Kulturkreis,\u00a0 durchaus als F\u00fcrsorgeprinzip verstanden werden, die Verantwortung anders definiert als der individualistische Westen.<\/p>\n<p>\u201eLassen wir die Chinesen Chinesen sein, die Russen Russen\u201c, sagt Rupp. Damit meint er nicht Gleichg\u00fcltigkeit, sondern Respekt vor anderen Wegen. Der Westen, so sein unausgesprochener Vorwurf, habe sich angew\u00f6hnt, seine eigenen Ma\u00dfst\u00e4be \u2013 Demokratie, Liberalismus, Fortschritt \u2013 als universelle Dogmen zu begreifen. Gerade darin, im unreflektierten Selbstverst\u00e4ndnis als weltliches Ma\u00df aller Dinge, sieht Rupp eine der tiefsten Wurzeln westlicher Hybris. Auch im Westen, so erg\u00e4nzen andere Stimmen, nehme die digitale Steuerung des Alltags l\u00e4ngst vergleichbare Z\u00fcge an, nicht durch Punktesysteme, sondern durch die schleichende Abschaffung des Bargelds, die Verkn\u00fcpfung von Identit\u00e4t und Zahlungsvorg\u00e4ngen und den gesellschaftlichen Druck, sich der totalen Nachverfolgbarkeit zu f\u00fcgen.<\/p>\n<p>Der Abend endet mit einer Mischung aus Ern\u00fcchterung und Trotz. Ern\u00fcchterung, weil Rupps Szenario wenig Raum f\u00fcr einen \u201esanften\u201c Ausstieg l\u00e4sst. Ein System, das vom Krieg als Rettungsprogramm lebt und sich ungeniert der Methoden eines G\u00f6ring bedient, wird sich nicht freiwillig in Frage stellen. Trotz, weil dennoch die Risse im herrschenden Narrativ t\u00e4glich gr\u00f6\u00dfer werden und, weil immer mehr Menschen, in Europa wie im globalen S\u00fcden, die einfachen Geschichten von \u201eDemokratie versus Autoritarismus\u201c nicht mehr glauben, wird es auch im Westen Ver\u00e4nderungen geben.<\/p>\n<p>Wer den Vortrag verl\u00e4sst, hat keine fertigen L\u00f6sungen im Kopf. Aber er hat ein Bild davon, warum dieser Krieg gef\u00fchrt wird, von wem \u2013 und warum gerade Europa Gefahr l\u00e4uft, zu dem zu werden, was es seit 1945 nie wieder sein wollte: zum Schlachtfeld fremder Interessen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Diskussion allm\u00e4hlich in kleinere Gespr\u00e4chsgruppen \u00fcbergeht, dr\u00e4ngen sich einige Besucher um den langen B\u00fcchertisch am Rande des Saales. Zwischen den Reihen liegen sorgf\u00e4ltig zusammengestellte Dokumente, historische Abhandlungen, Ausz\u00fcge aus Wirtschaftsstudien und sicher zwanzig Kopien markanter Zeitungsartikel. Die H\u00e4lfte des Tischs ist das Werk eines Mannes, der an diesem Abend fast unauff\u00e4llig bleibt, aber wesentlich zum geistigen Fundament beitr\u00e4gt. Giovanni, ein ruhiger, politisch kundiger Gast, der seit Jahren im Umfeld der Aufkl\u00e4rerszene unerm\u00fcdlich arbeitet. Er sammelt, ordnet, kopiert und verteilt seine Funde an jene, die nicht nur Meinungen, sondern Belege suchen. Rainer Rupp hatte im Vortrag den Leitartikel von Joseph Goebbels erw\u00e4hnt, jenes ber\u00fcchtigte St\u00fcck aus der Wochenzeitung \u201eDas Reich\u201c, das im Sommer 1944 erschien und den Begriff \u201ekriegsst\u00fcchtig\u201c zur Parole machte. Als der Abend sich dem Ende neigt, dr\u00fcckt mir Giovanni einen Stapel Papiere in die Hand. \u201eDas hier\u201c, sagt er leise, \u201emusst du dir anschauen \u2013 es ist genau dieser Artikel.\u201c Zwischen den Bl\u00e4ttern liegt die Kopie aus \u201eDas Reich\u201c, datiert auf den 9. Juli 1944. Die Rote Armee stand bereits auf polnischem Boden, die Westalliierten waren in der Normandie gelandet. W\u00e4hrend das Reich milit\u00e4risch l\u00e4ngst verloren war, beschwor Goebbels im Leitartikel den \u201edeutschen Durchhaltewillen\u201c und rief zur \u201evollst\u00e4ndigen Mobilisierung aller Kr\u00e4fte der Nation\u201c auf. Seine Sprache war nicht nur Propaganda, sie war Psychotechnik. Das letzte rhetorische Aufgebot, um den Untergang in einen Akt der Pflichterf\u00fcllung zu verwandeln. (8)<\/p>\n<p>Achtzig Jahre sp\u00e4ter, am 9. November 2025, kehrt diese Rhetorik in neuem Gewand zur\u00fcck. Der amtierende Bundespr\u00e4sident Frank-Walter Steinmeier erkl\u00e4rte an diesem Gedenktag, der eigentlich an den Fall der Mauer und die Novemberpogrome erinnern sollte, \u201eNie in der Geschichte unseres wiedervereinten Landes waren Demokratie und Freiheit so angegriffen. Bedroht durch einen russischen Aggressor, der unsere Friedensordnung zertr\u00fcmmert hat und gegen den wir uns sch\u00fctzen m\u00fcssen. Und aktuell bedroht, durch rechtsextreme Kr\u00e4fte, die unsere Demokratie angreifen und an Zustimmung in der Bev\u00f6lkerung gewinnen.\u201c<\/p>\n<p>Wieder wird die Gesellschaft in einen Ausnahmezustand der Moral versetzt, mit der Aufforderung, sich zu \u201ewehren\u201c. Der Mechanismus bleibt derselbe, Angst erzeugt Zustimmung, Feindbilder stiften Sinn. Doch der Unterschied ist fatal. Damals stand ein Diktator am Ende seiner Macht, heute sind es demokratisch gew\u00e4hlte Personen, die mit \u00e4hnlicher Sprache ihre politische Autorit\u00e4t zu retten versuchen. Rainer Rupp hat diese Ausgabe selbst in Berliner Archiven aufgesp\u00fcrt, weil ihn ein Wort nicht loslie\u00df: \u201ekriegsst\u00fcchtig\u201c. In seinem Vortrag spannt er den Bogen in die Gegenwart. Ein SPD-Verteidigungsminister,\u00a0 gemeint ist Boris Pistorius, spricht seit 2023\/ 2024 wieder davon, Deutschland \u201ekriegst\u00fcchtig\u201c machen zu m\u00fcssen. Der Begriff ist geschmiedet im Propagandainventar des Dritten Reiches. Achtzig Jahre nach Goebbels\u2019 Leitartikel wird der Ton weiter versch\u00e4rft. Im Mai 2025, bei seiner ersten Regierungserkl\u00e4rung, sagt Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) vor dem Bundestag, \u201eWir wollen unsere Verteidigungsf\u00e4higkeit und -bereitschaft best\u00e4ndig ausbauen, damit wir uns verteidigen k\u00f6nnen, damit wir nie wieder in einen Krieg hineingezogen werden m\u00fcssen.\u201c Ziel sei, so Merz, \u201edie Bundeswehr zur konventionell st\u00e4rksten Armee Europas zu machen\u201c. Er verankert das dahinterstehende Konzept, die permanente Hochr\u00fcstung, im offiziellen Vokabular der Republik. Die Formulierungen stehen, schwarz auf wei\u00df, in den Bundestagsunterlagen, archiviert im Dokumentationsportal des Parlaments. (9) Die Bundesregierung, so Merz weiter, werde der Bundeswehr \u201ealle finanziellen Mittel zur Verf\u00fcgung stellen, die sie brauche, um konventionell zur st\u00e4rksten Armee Europas zu werden\u201c. Und Deutschland bleibe, versichert er, \u201ean der Seite der Ukraine\u201c, \u201eohne Wenn und Aber\u201c, bis zum \u201egerechten, dauerhaften, tragf\u00e4higen Frieden\u201c. Ein \u201eFrieden\u201c, der durch R\u00fcstung erreicht werden soll.<\/p>\n<p>Parallel dazu hebt die Bundesregierung, wie \u201entv\u201c am 27. Mai 2025 meldet, die Reichweitenbeschr\u00e4nkungen f\u00fcr an die Ukraine gelieferte Waffen auf. Von nun an d\u00fcrfen Raketen und Marschflugk\u00f6rper, die Deutschland liefert, auch \u201emilit\u00e4rische Ziele auf russischem Staatsgebiet\u201c treffen. Sicherheitsberater Nico Lange kommentiert trocken, \u201eEs ist gut, wenn jetzt die milit\u00e4rische Regelung f\u00fcr alle gilt.\u201c Ein Jahr zuvor hatte der CDU-Politiker Roderich Kiesewetter in einem Interview mit der Deutschen Welle erkl\u00e4rt, \u201eDer Krieg muss nach Russland getragen werden.\u201c Russische Ministerien und Kommandoposten m\u00fcssten zerst\u00f6rt werden, nicht nur Frontlinien. Es sei \u201ean der Zeit, dass die russische Bev\u00f6lkerung begreife, dass sie einen Diktator hat\u201c. Damit steht der Sprachduktus von 2024\/ 2025 in einer fatalen Kontinuit\u00e4t. Es ist eine Reihe von Begriffen, die in ihrer Kombination eine Mobilmachungslogik beschw\u00f6ren, w\u00e4hrend die milit\u00e4rische Realit\u00e4t bereits in der Sackgasse steckt. Wie 1944.<\/p>\n<p>Im selben Zeitraum wird bekannt, dass Innenministerin Nancy Faeser die L\u00e4nder auffordert, Schulen auf den Kriegsfall vorzubereiten. Die Formulierung in der ntv-Meldung vom 7. April 2025 lautet,\u00a0 \u201eDie sicherheitspolitischen Sorgen in Europa nehmen zu, darauf sollte sich auch die Zivilgesellschaft einstellen.\u201c Das Innenministerium schl\u00e4gt Ausbildungsprogramme f\u00fcr Sch\u00fcler vor, um \u201eden Ernstfall zu \u00fcben\u201c, und verweist auf EU-Richtlinien zur Vorbereitung auf \u201ekriegsbedingte Krisen\u201c. Der CDU-Sicherheitspolitiker Kiesewetter sekundiert: \u201eEs ist zwingend n\u00f6tig, dass der Ernstfall ge\u00fcbt wird. Sch\u00fcler sind besonders verletzlich.\u201c So wird das Wort \u201eKriegst\u00fcchtigkeit\u201c nicht mehr nur in milit\u00e4rischen Kategorien verhandelt, sondern als gesamtgesellschaftliches Lernziel. Zivilschutz als Schulf\u00e4cher, Vorr\u00e4te f\u00fcr 72 Stunden, Krisentraining in Klassenzimmern. Ein Begriff wandert, von der Propaganda ins Ministerium, von der Front in den Alltag.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend in Goebbels\u2019 Berlin 1944 die Ruinen brannten, diskutiert man 2025 in Berlin \u00fcber Atomwaffen. Im November 2024 berichtet die \u201ejunge Welt\u201c \u00fcber das US-Programm \u201eProject Atom 2024\u201c, vorgestellt vom U.S. Strategic Command (STRATCOM). Admiral Thomas Buchanan erkl\u00e4rt darin, die USA seien bereit, Atomwaffen einzusetzen, \u201ewenn die Bedingungen f\u00fcr das Land und seine Interessen akzeptabel\u201c seien. Der Ausdruck \u201eakzeptabler Atomkrieg\u201c wird Schlagzeile. Washington definiert damit den \u201ebegrenzten\u201c Atomkrieg au\u00dferhalb den USA als akzeptable Option. Denn die Gefahr des Einsatzes von Atomwaffen gegen US-Territorium kann nicht zu den akzeptablen Interessen seines\u00a0 Landes geh\u00f6ren, selbst nicht f\u00fcr einen von Tollwut befallenen US-Admiral. (13)<\/p>\n<p>Nur wenige Monate sp\u00e4ter antwortet der russische Politologe Sergej Karaganow in einem Interview, das unter anderem auf dem Portal \u201eAnti-Spiegel\u201c dokumentiert wird. Karaganow, Berater des Kremls, erkl\u00e4rt, \u201eWir m\u00fcssen unter allen Umst\u00e4nden verhindern, dass Deutschland Atomwaffen bekommt, notfalls durch seine Vernichtung.\u201c Der Satz geht um die Welt. Er ist keine offizielle Drohung, aber ein Symptom. Die nukleare Eskalation ist wieder vorstellbar geworden. Der Kalte Krieg war nie so hei\u00df wie jetzt. (14) Zwischen beiden Lagern, dem Pentagon, das einen \u201eakzeptablen\u201c Atomkrieg erw\u00e4gt, und russischen Strategen, die eine \u201epr\u00e4ventive Vernichtung\u201c Deutschlands nicht mehr ausschlie\u00dfen, entsteht eine rhetorische Symmetrie des Grauens. Jede Seite erkl\u00e4rt ihre Abschreckung f\u00fcr Verteidigung, jede ihre Aggression f\u00fcr Pr\u00e4vention. Und Deutschland, das Land der geteilten Erinnerung, gleitet erneut in jene Sprachzone, die man f\u00fcr immer hinter sich glaubte. Im Bundestag werden diese W\u00f6rter wieder zu moralischen Tugenden erkl\u00e4rt. Der Appell an \u201eResilienz\u201c ersetzt den Appell an Vernunft.<\/p>\n<p>Wenn ein SPD-Abgeordneter 2023 noch \u201eZeitenwende\u201c sagte, spricht 2025 der nun neue Kanzler Merz von der \u201eKriegsreife der Gesellschaft\u201c. Zugleich hebt dieser in seiner Regierungserkl\u00e4rung hervor, dass die Bundeswehr in allen Bereichen \u201ewachsen\u201c m\u00fcsse, w\u00e4hrend gleichzeitig der \u201eR\u00fcckbau der B\u00fcrokratie\u201c angek\u00fcndigt wird. Also die Vereinfachung der Strukturen, die im Ernstfall schnellere Entscheidungen erm\u00f6glichen sollen. Das alles sind keine Zuf\u00e4lle der Rhetorik. Sprache ist Programm. Heute wird ein semantisches Arsenal reaktiviert, das Angst, Pflicht und Stolz in einer emotionalen Mischung vereint. Damals wie heute lautet die Parole, wer sich verteidigt, darf alles. Doch es ist eine gef\u00e4hrliche Verkehrung. Denn wer seine Politik auf den Ausnahmezustand gr\u00fcndet, erzeugt ihn unweigerlich selbst.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die politische Klasse von \u201eF\u00fchrung in Europa\u201c spricht, beginnt in der deutschen Wirtschaft ein leiser, aber folgenreicher Strukturwandel. In einem vielbeachteten Podcast mit Prof. Pascal Lottaz (Neutrality Studies) schildert der Frankfurter (am Main) Unternehmensberater Dr. Stephan Ebner, der Vertr\u00e4ge aus erster Hand sieht, wie sich ein Teil der deutschen \u201eHidden Champions\u201c, hochspezialisierte Mittelst\u00e4ndler mit 500 bis 1.000 Besch\u00e4ftigten, neu ausrichtet. Weg von rein zivilen M\u00e4rkten, hin zu lukrativen Dual-Use-Gesch\u00e4ften f\u00fcr die US-R\u00fcstungsindustrie. (10) K\u00fcchenutensilien f\u00fcr US-Camps, Reifen f\u00fcr Milit\u00e4rfahrzeuge, Komponenten f\u00fcr Sensorik und Optik, Produkte, die bisher im zivilen Hightech-Sektor angesiedelt waren, finden pl\u00f6tzlich einen zweiten, milit\u00e4rischen Absatzkanal. Ebner spricht von rund 1.500 Unternehmen, die prinzipiell f\u00fcr solche Modelle in Frage kommen k\u00f6nnten, und schildert F\u00e4lle, in denen sich Margen bei US-Vertr\u00e4gen um den Faktor drei bis vier erh\u00f6hten. Einige seiner Beispiele sind drastisch. Ein s\u00fcddeutscher K\u00fcchenwarenhersteller, der in den USA angeblich viermal so viel verdient wie in Europa, Firmen, die mit Vertr\u00e4gen f\u00fcr die US-Armee Umsatzspr\u00fcnge von bis zu 400 Prozent erzielen, Waffentests auf deutschem Boden, die in den USA \u201ezu gef\u00e4hrlich\u201c w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Gerade diese Zuspitzungen haben mich und Rainer Rupp\u00a0 misstrauisch gemacht. Rupp hat die Aussagen Ebners mit zwei KI-gest\u00fctzten Auswertungen \u00f6ffentlich zug\u00e4nglicher Quellen gegengepr\u00fcft. Unternehmensregister, Medienberichte, Branchenmeldungen oder\u00a0 Social-Media-Spuren. Das Ergebnis, der Trend ist real, der Ma\u00dfstab \u00fcberzeichnet. Es gibt eine deutliche Aufstockung der R\u00fcstungsausgaben, von denen auch europ\u00e4ische und deutsche Unternehmen profitieren, die Auftragsb\u00fccher von Konzernen wie Rheinmetall, Leonardo oder Thales sind bis weit in die 2030iger Jahre gef\u00fcllt, Analysten sprechen von einem \u201estrukturellen Aufschwung\u201c des europ\u00e4ischen Verteidigungssektors. (11) Gleichzeitig zeigen wirtschaftliche Daten, dass Teile der deutschen Industrie unter Auftragsflauten und Exportproblemen leiden, insbesondere im Maschinenbau, in Elektronik und Automobilzulieferung \u2013, w\u00e4hrend staatliche Milliardeninvestitionen in Infrastruktur und R\u00fcstung nur langsam als Gegenimpuls wirken. (12) Doch nichts davon belegt fl\u00e4chendeckend 400-Prozent-Gewinne im Mittelstand oder geheime US-Waffentests in Deutschland, die \u201ezu gef\u00e4hrlich\u201c f\u00fcr US-Territorium w\u00e4ren. F\u00fcr solche Behauptungen finden sich in offiziellen Dokumenten, internationalen R\u00fcstungsdatenbanken und Medienarchiven bislang keine belastbaren Spuren.<\/p>\n<p>Rupps Fazit ist n\u00fcchtern, Ebner beschreibt reale Bewegungen, die zunehmende Verzahnung deutscher Spezialbetriebe mit dem transatlantischen R\u00fcstungsmarkt, aber er dramatisiert sie im Stil des Beratungsbusiness. Seine Zahlen und Anekdoten sind eher als \u201eWarnsignale aus dem Maschinenraum\u201c zu lesen denn als statistisch gesicherte Strukturdiagnose. Trotzdem bleibt der Kern beunruhigend. Denn parallel zu Ebners Erz\u00e4hlung l\u00e4sst sich belegen, dass der Verteidigungssektor in Europa zu einem der attraktivsten Wachstumsfelder geworden ist. Die EU plant, \u00fcber Programme wie SAFE und nationale Haushalte in den kommenden Jahren Hunderte Milliarden Euro in R\u00fcstung und sicherheitsrelevante Technologien zu pumpen, wobei ein klarer Schwerpunkt auf \u201eeurop\u00e4ischen L\u00f6sungen\u201c und nationalen Champions liegt. (11) In Deutschland w\u00e4chst eine neue Symbiose, R\u00fcstungsauftr\u00e4ge stabilisieren Haushalte und Besch\u00e4ftigung, w\u00e4hrend andere Industriezweige unter Energiepreisen, Deindustrialisierungsdruck und US-Handelspolitik leiden. (12)<\/p>\n<p>Doch Rainer Rupp widerspricht der Annahme, dass die Vereinigten Staaten diese neue Nachfrage m\u00fchelos absorbieren k\u00f6nnten. Was von au\u00dfen nach \u00f6konomischer St\u00e4rke aussieht, sei in Wahrheit ein Versuch, die eigene industrielle Leere zu kaschieren. Im wirtschaftlichen Teil seines Vortrags wird Rupp konkret. Die Vereinigten Staaten, sagt er, wollten mit hohen Z\u00f6llen und Subventionen Fabriken aus Europa und Asien anlocken, doch der Plan werde scheitern. \u201eTrump hat versucht, Industrie zur\u00fcckzuholen. Aber das wird nicht funktionieren, weil die Arbeitskr\u00e4fte dort fehlen.\u201c Als Beispiel nennt er die 155-Millimeter-Artilleriemunition, das Standardkaliber westlicher NATO-Haubitzen. \u201eDie NATO kann sie nicht in ausreichenden Mengen herstellen\u201c, sagt Rupp, weil die Fachkr\u00e4fte fehlen. Eine 155-Millimeter-Granate ist Pr\u00e4zisionsarbeit, sonst fliegt sie nicht dahin, wo sie hin soll.\u201c Er verweist auf ein US-T\u00fcrkei-Projekt. Bereits zwei Jahre zuvor habe Washington mit Ankara vereinbart, dass eine gro\u00dfe t\u00fcrkische Munitionsfabrik eine Zweigstelle in den USA aufbauen solle. \u201eDie Maschinen stehen da \u2013 aber sie funktionieren nicht, weil es keine ausgebildeten Arbeiter gibt. Man wollte t\u00fcrkische Fachkr\u00e4fte einfliegen, bekam aber Visa-Probleme. Das ist ein Symbol f\u00fcr das ganze System.\u201c<\/p>\n<p>Rupps Schlussfolgerung ist von klassischer \u00f6konomischer Sch\u00e4rfe, \u201eDie Hochzollpolitik wird scheitern, weil die Z\u00f6lle die Amerikaner selbst bezahlen. Das Preisniveau steigt, die L\u00f6hne nicht, und die Bev\u00f6lkerung wird das auf Dauer nicht mitmachen.\u201c F\u00fcr ihn steht fest, die USA verf\u00fcgen zwar \u00fcber Kapital, aber nicht mehr \u00fcber die produktive Basis, die Kapital tr\u00e4gt. \u201eEine Gesellschaft, die das Handwerk, die Produktion und das technische Wissen verliert, verliert ihre Grundlage und kann keine F\u00fchrungsmacht bleiben.\u201c So schlie\u00dft sich der Rahmen. Kriegst\u00fcchtigkeit wird zur Chiffre eines neuen industriellen Zeitalters, in dem das \u00d6konomische und das Milit\u00e4rische erneut verschmelzen. Die R\u00fcstungswirtschaft wird zum Rettungsanker einer \u00d6konomie, die ihre eigenen Grundlagen verloren hat, und das neben den Vorstandsetagen der gro\u00dfen Konzerne, vorallem in den stillen Werkhallen der Hidden Champions. Ob aus \u00dcberzeugung, aus Opportunismus oder aus Angst vor dem eigenen Abstieg, wer heute in diesen Sog ger\u00e4t, hilft mit, eine Kriegs\u00f6konomie zu normalisieren, die morgen kaum noch zu stoppen sein wird.<\/p>\n<p>Die politische und mediale Sprache hat sich derweil von der Vernunft gel\u00f6st. Zwischen Pentagon-Reports, Berliner Regierungserkl\u00e4rungen und abendlichen Talkshows ist ein Ton entstanden, der nicht mehr n\u00fcchtern beschreibt, sondern psychologisch konditioniert. Es ist, als ob ein Land, das einst schwor, nie wieder Krieg zu f\u00fchren, jetzt umso verbissener beweisen wollte, dass es dazu bereit ist. Es ist, und das sage ich ohne jede Ironie, die k\u00e4lteste Zeit meines Lebens. Als ich westdeutsche Freunde fragte, ob sie ernsthaft geglaubt h\u00e4tten, wir im Osten w\u00fcrden die NATO \u00fcberrennen, waren viele aufrichtig \u00fcberrascht, dass mir diese Vorstellung v\u00f6llig absurd erschien. Sie selbst hatten wirklich Angst gehabt. Angst vor \u201eden Russen\u201c, vor Panzern, vor einem Angriff aus dem Osten. Aus unseren Unterlagen, aus unseren Gespr\u00e4chen, aus dem, was ich heute \u00fcber diese Zeit wei\u00df, ergibt sich ein anderes Bild.<\/p>\n<p>Die Gefahr ging eher vom Wettr\u00fcsten und den strategischen Doktrinen der Bl\u00f6cke aus als von einem spontanen Angriffsplan der Sowjetunion. Am 9. November 1989, als die Mauer fiel, dachte in der DDR niemand daran, sie \u201ein die Luft zu sprengen\u201c. Es gab keine bewaffneten M\u00e4rsche auf die Grenzanlagen, keine Sturmtrupps, die sich mit Gewalt den Weg bahnten. Es gab Kerzen, Gebete, vollgelaufene Kirchen, Menschenketten, Transparente &#8211; Worte trugen. Wir wurden zum Frieden erzogen. Schlicht und einfach. Vielleicht ist es genau dieser Erfahrungshorizont, der die Gegenwart so unertr\u00e4glich und eiskalt erscheinen l\u00e4sst. Denn heute erleben wir, wie dieselben Medien, die jahrzehntelang die friedliche Revolution von 1989 feierten, nun eine neue Mauer errichten, aus Feindbildern, Sprechverboten und moralischen Ultimaten. Der eiserne Vorhang ist zur\u00fcck, aber diesmal verl\u00e4uft er mitten durch unsere Gesellschaften, unsere Familien, unsere Freundeskreise.<\/p>\n<p>Besonders dramatisch ist, wie leichtfertig wir Ostdeutschen dabei ein historisches Verm\u00e4chtnis verschenken. Die M\u00f6glichkeit, mit Russland und seinen Menschen zusammenzuleben, ohne uns zu f\u00fcrchten. Jahrzehntelang konnten Deutsche und Russen einander besuchen, gemeinsam Musik machen, arbeiten,\u00a0 forschen, Projekte entwickeln. Die Angst war im Westen politisch, aber im pers\u00f6nlichen Kontakt schmolz sie, wie mir viele \u00e4ltere Menschen erz\u00e4hlen. Heute gilt ein Gespr\u00e4ch mit einem Russen moralisch als Verdachtsmoment, ein differenziertes Wort als Illoyalit\u00e4t. K\u00fcnstler, die einst in Moskau gefeiert wurden, werden ausgeladen, Journalisten oder Politiker, die Russland besuchen, stehen unter Generalverdacht. Wer hat euch diesen schwarzen Geist in die Seele gepflanzt? Ich kann diese Angst nicht sp\u00fcren.<\/p>\n<p>Es ist eine einzige Idiotie, getrieben von Neid, Gier und geopolitischer H\u00f6rigkeit. Eine Horde exilierter Querulanten, die von angels\u00e4chsischen Denkfabriken und US-Stiftungen hofiert wird, sitzt heute in Studios, angeblichen NGOs, Thinktanks und Ministerien und agitieren gegen ein Land, das sie l\u00e4ngst verlassen haben, nicht selten finanziert von genau den Kr\u00e4ften, die an der Konfrontation verdienen. Dass ein Staat seine B\u00fcrger und sein Territorium verteidigt, wird zur Ungeheuerlichkeit erkl\u00e4rt, weil es den Westen daran erinnert, dass er selbst nicht imstande war, den USA ein einfaches \u201eNein\u201c entgegenzusetzen. Ich schreibe das, weil ich glaube, dass wir uns diesen Luxus nicht leisten k\u00f6nnen. Den Luxus, ruhig zu bleiben, w\u00e4hrend eine rhetorische Entmenschlichung Fahrt aufnimmt, die mit human oder f\u00fcrsorglich nichts mehr zu tun hat. Vielleicht ist es deshalb an der Zeit, vieles auf Eis zu legen \u2013 Debatten, Emp\u00f6rungen, Selbstvergewisserungen \u2013, um die letzten Reste von Vernunft zu bewahren. Wir sollten, d\u00fcrfen, m\u00fcssen sofort beginnen. Wenn sich Sprache wieder in Waffen verwandelt, ist Wissen das Einzige, was sch\u00fctzt. Dies ist keine Anklage, sondern eine Erinnerung.<\/p>\n<p>Die westliche Feindseligkeit gegen Russland ist \u00e4lter, tiefer und kultureller, als es die politische Klasse wahrhaben will. Der italienische Publizist Thomas Fazi beschreibt sie als \u201enicht endenden Kalten Krieg\u201c. In seinem j\u00fcngsten Essay erinnert er daran, dass die Feindschaft des Westens gegen\u00fcber Moskau nicht 1991 endete, sondern nur in eine neue Phase trat. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, so Fazi, erkannten die Vereinigten Staaten, dass das \u201eVerschwinden des geopolitischen Rivalen\u201c die historische Chance bot, eine unipolare Welt zu errichten, politisch, milit\u00e4risch und kulturell von Washington dominiert. NATO-Osterweiterung, die Bombardierung Jugoslawiens, Raketenstellungen entlang der russischen Grenze und die sogenannten \u201eFarbrevolutionen\u201c im postsowjetischen Raum seien folgerichtig keine Zuf\u00e4lle. Sie waren Etappen dieses Projekts. 2014, mit dem Machtwechsel in Kiew, sei die Linie \u00fcberschritten worden, an der Konfrontation unvermeidlich wurde. Hinter dieser geopolitischen Strategie stehe jedoch, schreibt Fazi, eine tiefere kulturell-ideologische Triebkraft. Die anhaltende Kr\u00e4nkung der westlichen Eliten durch die Russische Revolution von 1917. Sie hatte dem angels\u00e4chsischen Kapitalismus ein alternatives Gesellschaftsmodell entgegengesetzt und damit die globale Hegemonie des Westens um ein halbes Jahrhundert verz\u00f6gert. Selbst nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion sei Russland nie \u201everziehen\u201c worden, die westliche Vormacht so lange blockiert zu haben. Der neue Kalte Krieg sei daher weniger ein politischer Konflikt als ein psychologisches Racheprojekt, das sich heute in der Ukraine milit\u00e4risch entl\u00e4dt.<\/p>\n<p>Diese Diagnose erg\u00e4nzt, was Rainer Rupp im Saalbau Bornheim belegt. Dass der Krieg gegen Russland kein Krieg der Verteidigung ist. Es ist dessen Wiederherstellung. Der Wiederherstellung einer Weltordnung, in der Europa die verl\u00e4ngerte Werkbank amerikanischer Macht bleibt. Wer heute \u00fcber \u201ewestliche Werte\u201c spricht, meint in Wahrheit den Erhalt einer Machtarchitektur, die auf Kontrolle, Selektion und Besitzstand beruht. Die neuen EU-Institutionen, die von Geheimdienstkooperationen bis zur digitalen Informationslenkung alles in sich vereinen, sind nur die b\u00fcrokratische Form eines alten Traumas, des Verlustes imperialer Deutungshoheit. Der Kalte Krieg endete nie. Er wechselte nur die Tarnung. Doch solange Menschen noch denken, pr\u00fcfen und widersprechen, bleibt wenigstens eine Front unbesetzt &#8211; die der Vernunft.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Sabiene Jahn, Tr\u00e4gerin des K\u00f6lner Karlspreises f\u00fcr Engagierte Literatur und Publizistik, ist Mitglied des Deutschen Freidenker-Verbandes, LV Rheinland-Pfalz \/ Saarland<\/em><\/p>\n<p>Quellen und Anmerkungen:<\/p>\n<p>1.) Friedrich Engels: Die Lage der arbeitenden Klasse in England (1845): https:\/\/www.europa.clio-online.de\/essay\/id\/fdae-1540; <a href=\"https:\/\/www.geschichte-abitur.de\/quellenmaterial\/quellen-industrielle-revolution\/friedrich-engels-die-lage-der-arbeitenden-klassen-in-england\">https:\/\/www.geschichte-abitur.de\/quellenmaterial\/quellen-industrielle-revolution\/friedrich-engels-die-lage-der-arbeitenden-klassen-in-england<\/a><\/p>\n<p>Wladimir I. Lenin: Der Imperialismus als h\u00f6chstes Stadium des Kapitalismus (1916): <a href=\"https:\/\/www.marxists.org\/deutsch\/archiv\/lenin\/1917\/imp\/index.htm\">https:\/\/www.marxists.org\/deutsch\/archiv\/lenin\/1917\/imp\/index.htm<\/a><\/p>\n<p>Eric Hobsbawm: The Age of Empire 1875\u20131914 (1987): <a href=\"https:\/\/archive.org\/details\/ageofempire187510000hobs\">https:\/\/archive.org\/details\/ageofempire187510000hobs<\/a><\/p>\n<p>2.) Thomas Piketty: Capital in the 21st Century (2013) Piketty, Thomas, and Arthur Goldhammer. Capital in the Twenty-First Century. Harvard University Press, 2014. <a href=\"http:\/\/www.jstor.org\/stable\/j.ctt6wpqbc\">http:\/\/www.jstor.org\/stable\/j.ctt6wpqbc<\/a> ; <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=cM32a2fZPBQ\">www.youtube.com\/watch?v=cM32a2fZPBQ<\/a><\/p>\n<p>3.) https:\/\/www.freenationsrf.org\/en; <a href=\"https:\/\/euromaidanpress.com\/2022\/09\/27\/national-minorities-of-russia-call-to-decolonize-denuclearize-imperial-terrorist-russian-state\/\">https:\/\/euromaidanpress.com\/2022\/09\/27\/national-minorities-of-russia-call-to-decolonize-denuclearize-imperial-terrorist-russian-state\/<\/a><\/p>\n<p>4.) Annalena Baerbock: Rede vor der Parlamentarischen Versammlung des Europarats am 24. Januar 2023: <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/politik-gesellschaft\/kriegserklaerung-an-russland-baerbock-zeigt-rueckrat-scholz-interessiert-sich-nur-fuer-sich-selbst-li.311254\">https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/politik-gesellschaft\/kriegserklaerung-an-russland-baerbock-zeigt-rueckrat-scholz-interessiert-sich-nur-fuer-sich-selbst-li.311254<\/a><\/p>\n<p>5.) Gustave M. Gilbert: \u201eNuremberg Diary\u201c, New York 1947. Gespr\u00e4ch mit Hermann G\u00f6ring vom 18. April 1946 in der Gef\u00e4ngniszelle: <a href=\"https:\/\/archive.org\/details\/nurembergdiary00gilb\/page\/n7\/mode\/2up\">https:\/\/archive.org\/details\/nurembergdiary00gilb\/page\/n7\/mode\/2up<\/a> ab S.172 ff.<\/p>\n<p>6.) Jim O\u2019Neill: \u201eBuilding Better Global Economic BRICs\u201c. Goldman-Sachs-Research Paper, 30.11.2001: <a href=\"https:\/\/www.goldmansachs.com\/pdfs\/insights\/archive\/archive-pdfs\/build-better-brics.pdf\">https:\/\/www.goldmansachs.com\/pdfs\/insights\/archive\/archive-pdfs\/build-better-brics.pdf<\/a><\/p>\n<p>7.) Arthur M. Schlesinger Jr.: Memorandum an Pr\u00e4sident John F. Kennedy; u.a. in Schlesingers Buch \u201eA Thousand Days\u201c &#8211; John F. Kennedy in the White House aufgearbeitet (1965): <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=I0INkDtYecc&amp;t=120s\">www.youtube.com\/watch?v=I0INkDtYecc&amp;t=120s<\/a><\/p>\n<p>8.) Joseph Goebbels: Leitartikel \u201eKriegst\u00fcchtig wie nur je\u201c in der Wochenzeitung \u201eDas Reich\u201c, 9.Juli 1944 (Archivbeleg: Deutsche digitale Bibliothek)<\/p>\n<p>9.) Regierungserkl\u00e4rung von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), Mai 2025: <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/merz-bundeswehr-soll-konventionell-staerkste-armee-europas-werden-100.html\">https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/merz-bundeswehr-soll-konventionell-staerkste-armee-europas-werden-100.html<\/a>; https:\/\/www.bundeskanzler.de\/bk-de\/aktuelles\/erste-regierungserklaerung-kanzler-merz-2347354;<\/p>\n<p>10.) Podcast \u201eNeutrality Studies\u201c von Prof. Pascal Lottaz, Episode mit Dr. Stephan Ebner (Unternehmensberater), 2025: <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=nrtrr_ClAsc&amp;t=2s\">www.youtube.com\/watch?v=nrtrr_ClAsc&amp;t=2s<\/a><\/p>\n<p>11.) \u201eR\u00fcstungsindustrie in Europa: 10 Unternehmen mit stabilen Renditen\u201c, Deutsche Wirtschafts Nachrichten, 9.11.2025: <a href=\"https:\/\/deutsche-wirtschafts-nachrichten.de\/717427\/ruestungsindustrie-in-europa-10-unternehmen-mit-stabilen-renditen\">https:\/\/deutsche-wirtschafts-nachrichten.de\/717427\/ruestungsindustrie-in-europa-10-unternehmen-mit-stabilen-renditen<\/a><\/p>\n<p>12.) \u201eDeutsche Industrie k\u00e4mpft mit Auftragsflaute \u2013 dennoch Zeichen der Erholung\u201c, Deutsche Wirtschafts Nachrichten, 7.10.2025.<a href=\"https:\/\/deutsche-wirtschafts-nachrichten.de\/717200\/deutsche-industrie-kaempft-mit-auftragsflaute-dennoch-zeichen-der-erholung\">https:\/\/deutsche-wirtschafts-nachrichten.de\/717200\/deutsche-industrie-kaempft-mit-auftragsflaute-dennoch-zeichen-der-erholung<\/a><\/p>\n<p>13.) U.S. Strategic Command (STRATCOM): Studienprogramm \u201eProject Atom 2024\u201c und begleitende Statements zu m\u00f6glichen Einsatzbedingungen von Atomwaffen (\u201eacceptable conditions\u201c): <a href=\"https:\/\/www.stratcom.mil\/Media\/Speeches\/Article\/3976019\/project-atom-2024-csis-poni-keynote\/\">https:\/\/www.stratcom.mil\/Media\/Speeches\/Article\/3976019\/project-atom-2024-csis-poni-keynote\/<\/a>; <a href=\"https:\/\/www.csis.org\/analysis\/report-launch-project-atom-2024\">https:\/\/www.csis.org\/analysis\/report-launch-project-atom-2024<\/a>; <a href=\"https:\/\/www.bloomsbury.com\/us\/project-atom-9781442240889\/\">https:\/\/www.bloomsbury.com\/us\/project-atom-9781442240889\/<\/a>; <a href=\"https:\/\/news-pravda.com\/world\/2024\/11\/21\/869008.html\">https:\/\/news-pravda.com\/world\/2024\/11\/21\/869008.html<\/a><\/p>\n<p>14.) Sergej Karaganow: <a href=\"https:\/\/anti-spiegel.ru\/2025\/russland-droht-erstmals-mit-dem-einsatz-von-atomwaffen\/\">https:\/\/anti-spiegel.ru\/2025\/russland-droht-erstmals-mit-dem-einsatz-von-atomwaffen\/<\/a>; <a href=\"https:\/\/anti-spiegel.ru\/2025\/warum-in-russland-die-forderungen-nach-einem-harten-vorgehen-gegen-die-eu-lauter-werden\/\">https:\/\/anti-spiegel.ru\/2025\/warum-in-russland-die-forderungen-nach-einem-harten-vorgehen-gegen-die-eu-lauter-werden\/<\/a>; <a href=\"https:\/\/anti-spiegel.ru\/2025\/russische-experten-fordern-eine-harte-linie-gegen-europa\/\">https:\/\/anti-spiegel.ru\/2025\/russische-experten-fordern-eine-harte-linie-gegen-europa\/<\/a><\/p>\n<p>\u00a9 Sabiene Jahn<br \/>\n<span style=\"font-size: 10pt;\">Wir danken der Autorin f\u00fcr das Recht zur Ver\u00f6ffentlichung des Beitrages<\/span><br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/8bece4f286544409952ca2ac521ed634\" alt=\"&quot;\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n<hr \/>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\">Bild oben: Rainer Rupp<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 10pt;\">Screenshot aus einem Video von <a href=\"https:\/\/rutube.ru\/video\/6962712733eee5672963012c06837490\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">rutube.ru<\/a><\/span><span style=\"font-size: 10pt;\">, bearbeitet von Sabiene Jahn<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Ein Essay von Sabiene Jahn<\/b><br \/>\nAm 4. November 2025 ist der \u201eSaalbau Bornheim\u201c in Frankfurt am Main bis auf den letzten Platz gef\u00fcllt. Noch drei Stuhlreihen werden nach vorne geschoben, trotzdem stehen Menschen an den W\u00e4nden, hinten dr\u00e4ngen sich weitere G\u00e4ste des Deutschen Freidenkerverbandes. Viele sind gekommen, weil sie sp\u00fcren, dass das, was sie an diesem Abend h\u00f6ren, in den gro\u00dfen Medien kaum noch vorkommt. [&#8230;] Drei\u00dfig Jahre nach dem Kalten Krieg k\u00e4mpft der Westen nicht gegen Russland, sondern gegen die eigene Kr\u00e4nkung. Der Sieg von 1991 hat keine Ordnung geschaffen. Es wurde eine Obsession. Heute zeigt sich, der Krieg ist weniger geopolitisch als psychologisch &#8211; ein Racheakt der Macht. Der neue Kalte Krieg ist kein Konflikt zwischen Staaten. Europa k\u00e4mpft auch nicht f\u00fcr Freiheit. Es k\u00e4mpft gegen die Wahrheit, damit der Selbstbetrug h\u00e4lt.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":23626,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","advanced_seo_description":"","jetpack_seo_html_title":"","jetpack_seo_noindex":false,"jetpack_post_was_ever_published":false,"footnotes":""},"categories":[12,19],"tags":[1046,1522,699,1423,1693,2892,1032,413,1256,162,272,451,2201,444,1314,562,188,2893,180,2662,163,56,1257,223,222,2891,639,833],"class_list":["post-23625","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-demokratie-medien-aufklaerung","category-veranstaltungen-in-den-dfv-landesverbaenden","tag-3-weltkrieg","tag-atomkrieg","tag-aussenpolitik","tag-baerbock","tag-banken","tag-befreiungskriege","tag-bundesregierung","tag-china","tag-corona-virus","tag-demokratie","tag-der-westen-und-russland","tag-faschismus","tag-fehleinschaetzung","tag-fortschritt","tag-geostrategie","tag-kolonialismus","tag-krieg","tag-kriegspolitik","tag-krise","tag-kundschafter","tag-liberalismus","tag-nato","tag-pandemie","tag-putin","tag-russland","tag-spion","tag-ukraine-konflikt","tag-zivilgesellschaft"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Russland_-Das-Racheprojekt-der-Eliten-Sabiene-Jahn_800x450.jpg?fit=800%2C450&ssl=1","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p9stpK-693","jetpack-related-posts":[{"id":16863,"url":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=16863","url_meta":{"origin":23625,"position":0},"title":"Scholz schockiert: &#8222;Putin beschwert sich gar nicht \u00fcber die Sanktionen&#8220;","author":"Webredaktion","date":"30. 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Juli 2023","format":false,"excerpt":"Beitrag von Gert Ewen Ungar Dass Annalena Baerbock (B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen) Au\u00dfenministerin ist, ist sowohl f\u00fcr Deutschland als auch Europa und die Welt brandgef\u00e4hrlich. Baerbock ist mit dem Amt \u00fcberfordert, sch\u00e4tzt Entwicklungen falsch ein, denkt in einfachen Schwarz-Wei\u00df-Mustern und ist zur Differenzierung nicht in der Lage. 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