{"id":23359,"date":"2025-10-29T23:29:43","date_gmt":"2025-10-29T22:29:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=23359"},"modified":"2025-11-15T17:48:40","modified_gmt":"2025-11-15T16:48:40","slug":"deutsche-journalisten-und-israel-zu-lange-geschwiegen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=23359","title":{"rendered":"Deutsche Journalisten und Israel \u2013 Zu lange geschwiegen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Israel im Krieg: seit 748 Tagen \u2013 so steht es im Kopfbanner der <em>Times oft Israel<\/em>, wenn man die englischsprachige Ausgabe dieser israelischen Tageszeitung im Internet aufruft. Seit 748 Tagen hat die israelische Armee mehr als 200 Journalisten im Gazakrieg und Libanon, bei seinen Angriffen auf Iran und Jemen get\u00f6tet. Auf israelischer Seite starben zwei Journalisten am 7. Oktober 2023 bei dem Angriff pal\u00e4stinensischer K\u00e4mpfer auf israelische D\u00f6rfer entlang des Sicherheitszauns, der den S\u00fcden Israels vom Gazastreifen trennt. <\/strong><\/p>\n<p><em>Von <strong>Karin Leukefeld<\/strong>.<\/em><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\">Erstver\u00f6ffentlichung am 24.10.2025 auf den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=141082\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">NachDenkSeiten<\/a><\/span><\/p>\n<p>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf\u00fcgbar.<\/p>\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-23359-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251027-Deutsche-Journalisten-und-Israel-NDS.mp3?_=1\" \/><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251027-Deutsche-Journalisten-und-Israel-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251027-Deutsche-Journalisten-und-Israel-NDS.mp3<\/a><\/audio>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\">Bereitgestellt von den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=141082\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">NachDenkSeiten<\/a><\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 10pt;\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/251027-Deutsche-Journalisten-und-Israel-NDS.mp3\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Download<\/a><\/span><\/p>\n<p>Ausl\u00e4ndische Journalisten berichten seit 748 Tagen aus Israel \u00fcber den israelischen Feldzug gegen Gaza. Manche von ihnen fuhren \u201eembedded\u201c in Jeeps oder auf Panzern der israelischen Streitkr\u00e4fte mit der israelischen Armee durch die Tr\u00fcmmerw\u00fcste. Ber\u00fchmt sind die Fotos von einer Art Aussichtsh\u00fcgel s\u00fcdlich von Ashdod an der Grenze zu Gaza, wo sich israelische Panzer auf den Einmarsch in den Gazastreifen sammeln. <a href=\"https:\/\/apnews.com\/article\/2024\/israeli-female-soldiers-selfie-gaza-border-photo\">Bekannt wurde ein Foto<\/a>, dass der AP-Fotograf Tsafrir Abayov eher zuf\u00e4llig machte, als israelische Soldatinnen am 19. Februar 2024 posierten und Erinnerungsfotos vor den Tr\u00fcmmern von Gaza machten.<\/p>\n<p>Schon zu Beginn des Krieges beantragten ausl\u00e4ndische Journalisten Zugang zum Gazastreifen, um aus der Perspektive der Pal\u00e4stinenser, der Anderen, zu berichten. Israel lehnte ab. Ein Antrag an den Obersten Gerichtshof wurde ebenfalls zur\u00fcckgewiesen. Anfang November 2023 versammelten sich internationale Journalisten in Kairo und versuchten, aus \u00c4gypten \u00fcber den Grenz\u00fcbergang Rafah nach Gaza zu gelangen. Einer dieser Journalisten war der langj\u00e4hrige Leiter des B\u00fcros f\u00fcr den Mittleren Osten der <em>New York Times<\/em>, Chris Hedges. In einem \u201eBrief an die Kinder von Gaza\u201c beschrieb er: \u201eLiebes Kind. Mitternacht ist vorbei und ich fliege mit einer Geschwindigkeit von Hunderten Meilen die Stunde durch die Dunkelheit, Tausende Meter \u00fcber dem atlantischen Ozean. Ich bin auf dem Weg nach \u00c4gypten, wo ich an die Grenze nach Gaza fahren werde, nach Rafah. Ich mache diese Reise wegen Dir.\u201c Hedges und die anderen internationalen Kollegen <a href=\"https:\/\/chrishedges.substack.com\/p\/letter-to-the-children-of-gaza\">reisten vergeblich<\/a> nach Rafah, Israel lie\u00df sie nicht passieren. In Israel versuchte die <a href=\"https:\/\/foreignpressassociation.online\/who-we-are\/\">Vereinigung der Auslandspresse (FPA)<\/a>, juristisch gegen die Einreisesperre nach Gaza vorzugehen. Vergeblich.<\/p>\n<p>Im November 2023 wird die Sendeerlaubnis des libanesischen Nachrichtensenders <em>Al Mayadeen<\/em>, der aus Israel berichtet hatte, zun\u00e4chst ausgesetzt, im August 2024 wird der Sender in Israel verboten. Die Webseite des Senders wird abgeschaltet, technische Ausr\u00fcstung wird beschlagnahmt. Es <a href=\"https:\/\/english.almayadeen.net\/news\/politics\/israeli-government-renews-ban-on-al-mayadeen-media-network\">hei\u00dft<\/a>, der Sender sei \u201eeine Gefahr f\u00fcr die nationale Sicherheit Israels\u201c. In deutschen Medien wird das Verbot kaum erw\u00e4hnt.<\/p>\n<p>Im Mai 2024 wird der katarische Nachrichtensender <em>Al Jazeera<\/em>, der aus Israel und aus den besetzten pal\u00e4stinensischen Gebieten und aus Gaza berichtet, von der israelischen Regierung einstimmig verboten. Das B\u00fcro des Senders im von Israel besetzten Ostjerusalem <a href=\"https:\/\/youtu.be\/cE4riJ67dGg\">wird durchsucht<\/a>, s\u00e4mtliche technische Ausr\u00fcstung wird beschlagnahmt, die Webseite abgeschaltet.<\/p>\n<p>Der israelische Ministerpr\u00e4sident Netanyahu teilt pers\u00f6nlich \u2013 \u00fcber <em>X<\/em> \u2013 mit, <em>Al Jazeera<\/em> habe \u201eaktiv an dem Massaker am 7. Oktober (2023) teilgenommen\u201c. Es sei \u201eZeit, dieses Sprachrohr der Hamas aus unserem Land zu entfernen\u201c und \u201eder Terrorkanal <em>Al Jazeera<\/em> wird nicht mehr aus Israel senden\u201c. S\u00e4mtliche Anschuldigungen gegen <em>Al Jazeera<\/em> in dieser Mitteilung werden von Netanyahu <a href=\"https:\/\/www.aljazeera.com\/news\/2024\/5\/6\/israel-bans-al-jazeera-what-does-it-mean-and-what-happens-next\">nicht belegt<\/a>.<\/p>\n<p>Zu diesem Zeitpunkt sind im israelischen Krieg, der sich nach Gaza auf das Westjordanland, Libanon, Syrien, Jemen ausweitet \u2013 Juni 2025 auf Iran \u2013 bereits 140 Journalisten get\u00f6tet worden. Zwei Jahre sp\u00e4ter, am 10. Oktober 2025, beginnt eine \u201eWaffenruhe\u201c. Am 22. Oktober 2025 <a href=\"https:\/\/cpj.org\/issue\/israel-gaza-war\/\">notiert<\/a> das Komitee zum Schutz von Journalisten CPJ, dass mindestens 241 Journalisten von Israel seit dem 7. Oktober 2023 get\u00f6tet wurden. 162 wurden verletzt, 96 wurden gefangen genommen.<\/p>\n<h5>Ausl\u00e4ndische Medien in Israel<\/h5>\n<p>Nach sechs Verschiebungen kommt es am vergangenen Donnerstag (23.10.2025) erstmals zu einer <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/gerichtliche-anhoerung-ueber-zugang-internationaler-medien-zum-gazastreifen-geplant-102.html\">gerichtlichen Anh\u00f6rung<\/a> \u00fcber den Antrag der Auslandspresse in Israel, aus dem Gazastreifen berichten zu d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Das Gericht verschiebt erneut die Entscheidung und <a href=\"https:\/\/www.timesofisrael.com\/liveblog_entry\/high-court-gives-state-30-more-days-to-respond-to-petition-on-media-access-to-gaza\/\">gibt der<\/a> israelischen Regierung eine 30-t\u00e4gige Frist, um auf den Antrag der Auslandspresse zu antworten.<\/p>\n<p>Seit mehr als zwei Jahren sind internationale Kolleginnen und Kollegen, die aus Israel berichten und\/oder dort akkreditiert sind, dazu verurteilt \u2013 oder auch verdammt -, aus israelischer Perspektive \u00fcber das Geschehen in Gaza zu berichten.<\/p>\n<p>In den Meldungen der <em>Deutschen Presseagentur dpa<\/em> finden sich weitgehend die Presseerkl\u00e4rungen und Darstellungen der israelischen Streitkr\u00e4fte wieder. In Deutschland beginnen die Nachrichten \u00fcber den Gazastreifen mit der israelischen Perspektive: \u201eDie israelische Armee\u201c oder \u201edie israelische Regierung hat erkl\u00e4rt\u201c, hei\u00dft es. Massendemonstration in Israel fordern von der Netanyahu-Regierung ein Abkommen mit der Hamas, damit ihre Angeh\u00f6rigen, die noch in Gaza festgehalten werden, nach Hause kommen. \u00dcber pal\u00e4stinensische Gefangene, Familien, Kinder oder auch Journalisten in israelischen Gef\u00e4ngnissen stocken die deutschen Meldungen. Da geht es um die \u201eTerrororganisation Hamas\u201c, um das \u201evon der Hamas kontrollierte Gesundheitsministerium\u201c und darum, dass die pal\u00e4stinensischen \u201eTerroristen der Hamas\u201c die Zivilbev\u00f6lkerung als \u201emenschliche Schutzschilde missbrauchen\u201c.<\/p>\n<p>Und selbst nach einem sogenannten Abkommen \u00fcber eine \u201eWaffenruhe\u201c sind es die Pal\u00e4stinenser, die angeblich Angriffe der israelischen Armee ausl\u00f6sen: Pal\u00e4stinenser \u00fcberschreiten eine von Israel gezogene Linie und werden erschossen. Eine elfk\u00f6pfige pal\u00e4stinensische Familie kommt bei der Suche nach ihrem Haus israelischen Soldaten zu nahe, neun von ihnen \u2013 7 Kinder, 2 Frauen \u2013 werden erschossen. Pal\u00e4stinensische \u201eTerroristen\u201c t\u00f6ten angeblich zwei israelische Soldaten bei Rafah an der Grenze zu \u00c4gypten, wie eine Sprecherin der israelischen Streitkr\u00e4fte mitteilt. Daraufhin bombardiert die israelische Armee massiv Ziele im Gazastreifen und t\u00f6tet mindestens 44 Pal\u00e4stinenser. Die gerade ge\u00f6ffneten Grenz\u00fcberg\u00e4nge f\u00fcr Hilfslieferungen werden geschlossen. Tats\u00e4chlich war jedoch ein israelischer Bulldozer \u00fcber nicht explodierte Munition gefahren und hatte die Explosion ausgel\u00f6st. Dieser Hergang wird von namentlich nicht genannten Quellen im Wei\u00dfen Haus und im Pentagon gegen\u00fcber dem Internetportal Drop Site News best\u00e4tigt.<\/p>\n<p>Das erf\u00e4hrt man im englischsprachigen iranischen Sender <em>Press TV<\/em>, in den pal\u00e4stinensischen Medien <em>Quds TV<\/em>, <em>Palestine Chronicle<\/em>, bei dem US-portal <em>antiwar.com<\/em> und <a href=\"https:\/\/english.almayadeen.net\/news\/politics\/us-knew-fatal-rafah-blast-cause-was-not-hamas-op---says-jour\">bei dem libanesischen Nachrichtensender <em>Al Mayadeen<\/em><\/a> \u2013 um nur einige Medien zu nennen. In deutschen Medien sucht man diese Nachricht vergeblich.<\/p>\n<h5>Die Studie des Bayerischen Rundfunks<\/h5>\n<p>Tagesschau 24, ein Produkt der bundesdeutschen <em>ARD<\/em>, berichtet am 21. Oktober d.J. \u00fcber \u201eDetails\u201c einer \u201eBR-Studie\u201c, wonach \u201e70 Prozent des Gazastreifens zerst\u00f6rt\u201c seien. Die Tagesschau-Sprecherin k\u00fcndigt den Bericht mit den Worten an: \u201eDie Waffenruhe ist auch eine Gelegenheit, eine traurige Bilanz zu ziehen, denn durch den Krieg zwischen Israel und der Terrororganisation Hamas sind inzwischen rund 70 Prozent der Geb\u00e4ude im Gazastreifen besch\u00e4digt.\u201c Zu diesem Ergebnis komme eine \u201eStudie von BR-Data und dem ARD-Studio Tel Aviv, f\u00fcr die Satellitenbilder aus dem Zeitraum von Oktober 2023 bis September 2025 ausgewertet\u201c worden seien. Die Sprecherin sitzt vor einem Bild, das Zerst\u00f6rungen in Gaza zeigt.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/video\/video-1517502.html\">Erl\u00e4utert wird die Studie<\/a> von einer BR-Korrespondentin in Israel, die etwas in die Sonne blinzeln muss, als sie vor der Hochhauskulisse von Tel Aviv spricht. Immerhin weist die Reporterin aus dem Studio Tel Aviv darauf hin, dass sich \u201edie Ergebnisse mit den Auswertungen anderer internationaler Studien decken\u201c.<\/p>\n<p>Besser sp\u00e4t als nie, doch die BR-Studie und der Bericht aus Israel sind peinlich, weil es f\u00fcr das deutsche Fernsehen offenbar zwei Jahre (!) dauerte, bis es seine eigenen Recherchen der deutschen \u00d6ffentlichkeit pr\u00e4sentiert.<\/p>\n<p>Wer es n\u00e4mlich wissen und berichten wollte, konnte und kann <a href=\"https:\/\/www.aljazeera.com\/news\/2025\/10\/7\/two-years-of-israels-genocide-in-gaza-by-the-numbers\">die Zahlen<\/a> bei UN Habitat, UNICEF, UNEP oder auch beim UN-Nothilfeb\u00fcro OCHA lesen, die regelm\u00e4\u00dfig seit Oktober 2023 ver\u00f6ffentlicht werden. Bezugnehmend auf diese Zahlen und \u00f6ffentlich zug\u00e4ngliche Satellitenbilder, ver\u00f6ffentlicht der Nachrichtensender <em>Al Jazeera<\/em> seit Oktober 2023 zahlreiche interaktive Berichte und Zahlen \u00fcber die verletzten, gefangenen und get\u00f6teten humanit\u00e4ren Mitarbeiter, \u00c4rzte, Pflegepersonal, Professoren, Lehrer und Journalisten. In den verschiedenen Berichten kann man sich auch \u00fcber die steigende Zahl der Zerst\u00f6rung ziviler Infrastruktur \u2013 Schulen, Universit\u00e4ten, Krankenh\u00e4user, Moscheen, Kirchen, Wasserversorgungsanlagen u.a.m. \u2013 informieren.<\/p>\n<p>Die pal\u00e4stinensischen Reporter, Fotografen und freien Journalisten haben t\u00e4glich 24 Stunden, 7 Tage die Woche \u00fcber das Geschehen berichtet. Mindesten 241 wurden get\u00f6tet, darunter 10 Mitarbeiter von <em>Al Jazeera<\/em>, die gezielt bei israelischen Angriffen get\u00f6tet wurden. Wie kommt es, dass deutsche Journalisten das nicht aufgriffen, mit UN-Berichten und ihren eigenen pal\u00e4stinensischen Mitarbeitern \u00fcberpr\u00fcften und dann die deutsche \u00d6ffentlichkeit mit Hinweis auf die verschiedenen Quellen informierten? Oder wurden sie von ihrer Heimatredaktion zur\u00fcckgehalten? Hat es mit der \u201edeutschen Staatsr\u00e4son\u201c zu tun? Weil Benjamin Netanyahu und sein Kabinett <em>Al Jazeera<\/em> einen \u201eTerrorkanal\u201c und \u201eSprachrohr der Hamas\u201c nennen? Weil sein ehemaliger Verteidigungsminister Gallant die Menschen in Gaza \u201emenschliche Tiere\u201c nennt? Weil die UNRWA nach Angaben der Netanyahu-Regierung \u201evon der Hamas unterwandert\u201c sein soll? Weil die Bundesregierung daraufhin ihre Zahlungen an UNRWA vor\u00fcbergehend einstellte und deutsche Medien nicht mehr \u00fcber die wichtige Arbeit der UNRWA berichten sollen? Weil die Gesundheitsbeh\u00f6rde in Gaza nach israelischen Angaben \u201evon der Hamas kontrolliert\u201c und deshalb unglaubw\u00fcrdig sein soll? Weil die deutschen ARD-Korrespondenten in Tel Aviv gehalten sind, sich an die Sprachregelung der israelischen Armee zu halten und <a href=\"https:\/\/www.972mag.com\/israeli-military-censor-media-2024\/\">weil sie ihre Berichte der israelischen Zensurbeh\u00f6rde vorlegen m\u00fcssen<\/a>? Schlie\u00dflich ist Israel im Krieg?<\/p>\n<h5>Zu lange geschwiegen<\/h5>\n<p>Der Protest der Vereinigung der Auslandspresse in Israel (FPA), der Organisation \u201eReporter ohne Grenzen\u201c und deutscher Medien, die sich den Zugang in den Gazastreifen juristisch erstreiten wollen, hinterl\u00e4sst einen schalen Geschmack. Nach zwei Jahren (!) eines israelischen Vernichtungsfeldzuges gegen Gaza soll der Oberste Gerichtshof in Israel \u00fcber den Zugang der internationalen Journalisten nach Gaza entscheiden?<\/p>\n<p>Zwei Jahre sind pal\u00e4stinensische Journalisten f\u00fcr ihre Berichterstattung von der israelischen Armee get\u00f6tet worden, haben ihre Wohnungen, H\u00e4user, Familienangeh\u00f6rige verloren. Wurden verletzt, leiden \u2013 wie alle Menschen in Gaza \u2013 unter Hunger, mangelnder medizinischer Versorgung, haben kein Dach mehr \u00fcber dem Kopf. \u201eGaza stirbt\u201c, hei\u00dft es in einem <a href=\"https:\/\/www.newindianexpress.com\/world\/2025\/Jul\/23\/gaza-is-dying-we-are-dying-with-it-afp-al-jazeera-says-its-journalists-in-gaza-could-die-of-hunger\">Bericht von Journalisten<\/a>, der von <em>AFP<\/em> und <em>Al Jazeera<\/em> ver\u00f6ffentlicht wurde. \u201eGaza stirbt und wir sterben mit Gaza.\u201c Frauen, die kurz vor der Geburt stehen, <a href=\"https:\/\/www.thenewhumanitarian.org\/opinion\/first-person\/2025\/09\/02\/gaza-dying-slowly-and-i-am-dying-it\">wissen nicht<\/a>, ob ihr Kind, ob sie selber die Geburt \u00fcberleben werden. 10 Prozent der Bev\u00f6lkerung in Gaza <a href=\"https:\/\/costsofwar.watson.brown.edu\/sites\/default\/files\/2025-10\/Human-Toll-in-Gaza_Costs-of-War_Crawford_7-October-2025.pdf\">wurde get\u00f6tet<\/a>.<\/p>\n<p>Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag untersucht eine Klage gegen Israel wegen des Verdachts auf V\u00f6lkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen. Internationale Organisationen, Experten der Vereinten Nationen und auch EU-Staaten sprechen \u00fcber die Vernichtung Gazas als V\u00f6lkermord. Die Informationen sind da, es gibt zahllose Berichte im weltweiten Netz. Und im \u00f6ffentlich-rechtlichen Fernsehen und Rundfunk wird nicht dar\u00fcber berichtet? Oder so selten, dass die \u00d6ffentlichkeit es nicht erf\u00e4hrt? Warum?!<\/p>\n<p>Zu lange haben ausl\u00e4ndische, haben deutsche Medien \u00fcber das Geschehen in Gaza geschwiegen. Zu oft haben deutsche und andere Medien die Darstellung \u2013 Neudeutsch: das Narrativ \u2013 der israelischen Armee oder der israelischen Regierung \u00fcbernommen. Immer schwang ein Verdacht mit, wenn \u00fcber die T\u00f6tung pal\u00e4stinensischer Journalisten berichtet wurde, was indirekt die israelischen Angaben zu best\u00e4tigen schien, die Journalisten seien Hamas-K\u00e4mpfer gewesen, wie es die israelische Propaganda darstellte, ohne Beweise vorzulegen. Die israelische Armeedarstellung stand im Vordergrund, Umst\u00e4nde und Umfang der israelischen Angriffe auf pal\u00e4stinensische Journalisten, Fotografen, Blogger oder \u201eB\u00fcrgerjournalisten\u201c blieben in deutschen Medien im Unklaren. Ausf\u00fchrliche Darstellung pal\u00e4stinensischer oder arabischer Medien \u00fcber ein Geschehen wurde bei der Berichterstattung meist weggelassen. Das f\u00fchrte dazu, dass die \u00d6ffentlichkeit die Darstellung pal\u00e4stinensischer und arabischer Medien f\u00fcr unglaubw\u00fcrdig hielt.<\/p>\n<h5>Verleumden. T\u00f6ten. Wiederholen.<\/h5>\n<p>Im Nachrichtensender <em>Al Jazeera English<\/em> berichtet die Sendung \u201eThe Listening Post\u201c (Der Horchposten) w\u00f6chentlich 30 Minuten \u00fcber Medien und Berichterstattung. Am 4. Oktober 2025 untersuchte die Sendung das systematische Vorgehen gegen die pal\u00e4stinensischen Journalisten in Gaza, die \u201eihr Leben aufs Spiel gesetzt haben, um das ungeheure Ma\u00df an Tod, Zerst\u00f6rung und Vertreibung zu dokumentieren\u201c, das sie umgibt. Seit dem 7. Oktober 2023 sind infolge des Krieges gegen Gaza so viele Journalisten <a href=\"https:\/\/costsofwar.watson.brown.edu\/sites\/default\/files\/2025-09\/WarReportersGraph.jpg\">get\u00f6tet worden<\/a> wie in keinem anderen Krieg seit dem US-B\u00fcrgerkrieg 1861\/65.<\/p>\n<p>Die Sendung mit dem Titel \u201eSmear.Kill.Repeat\u201c (Deutsch: Verleumden.T\u00f6ten.Wiederholen) erl\u00e4utert die Methoden, mit denen Israel pal\u00e4stinensische Journalisten bedroht, sie einsch\u00fcchtert, diffamiert und ins Visier nimmt. Gespr\u00e4chspartner sind Wael Dahdouh, Chef des Al-Jazeera-B\u00fcros in Gaza, dessen Familie get\u00f6tet wurde, nachdem sie der israelischen Armeeanordnung auf Evakuierung gefolgt war. Auch sein Sohn, ebenfalls ein Journalist, wurde get\u00f6tet. F\u00fcr <em>DropSite News<\/em> spricht Sharif Abdel Kouddous sowie die israelisch-britische Journalistin Rachel Shabi, die u.a. f\u00fcr den britischen <em>Guardian<\/em> schreibt.<\/p>\n<p>Jodie Ginsberg, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin des Komitees zum Schutz von Journalisten (CPJ), <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=kUSx9znXXYM\">fasst ihr Fazit<\/a> zur anhaltenden Straflosigkeit Israels mit den Worten zusammen: \u201eWenn Du wei\u00dft, dass Du mit Mord davonkommst, dann machst Du es wieder und wieder und wieder.\u201c<\/p>\n<p>PS: Der israelische Krieg gegen Gaza, im Westjordanland, Libanon, Syrien, Jemen und Iran geht weiter. Wenn dieser Artikel erscheint, wird im Banner der <em>Times of Israel<\/em> zu lesen sein: Israel im Krieg seit 749 Tagen\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Karin Leukefeld ist Buchautorin und arbeitet als freie Journalistin im Mittleren Osten<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\">Bild oben: Der israelische Premierminister Netanjahu (Aufnahme von einem Treffen mit US-Milit\u00e4rs in Tel Aviv am 18.12.2023)<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 10pt;\">Foto: Chairman of the Joint Chiefs of Staff &#8211; <a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/42310076@N04\/53407332985\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.flickr.com\/photos\/42310076@N04\/53407332985\/<\/a>, <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by\/2.0\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">CC BY 2.0<\/a><\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 10pt;\">Quelle: <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=143434600\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=143434600<\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Beitrag Von Karin Leukefeld.<\/b><br \/>\nAusl\u00e4ndische Journalisten berichten seit 748 Tagen aus Israel \u00fcber den israelischen Feldzug gegen Gaza. Manche von ihnen fuhren \u201eembedded\u201c in Jeeps oder auf Panzern der israelischen Streitkr\u00e4fte mit der israelischen Armee durch die Tr\u00fcmmerw\u00fcste. Ber\u00fchmt sind die Fotos von einer Art Aussichtsh\u00fcgel s\u00fcdlich von Ashdod an der Grenze zu Gaza, wo sich israelische Panzer auf den Einmarsch in den Gazastreifen sammeln. Bekannt wurde ein Foto, dass der AP-Fotograf Tsafrir Abayov eher zuf\u00e4llig machte, als israelische Soldatinnen am 19. Februar 2024 posierten und Erinnerungsfotos vor den Tr\u00fcmmern von Gaza machten. Schon zu Beginn des Krieges beantragten ausl\u00e4ndische Journalisten Zugang zum Gazastreifen, um aus der Perspektive der Pal\u00e4stinenser, der Anderen, zu berichten. 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