{"id":21288,"date":"2025-03-30T20:25:50","date_gmt":"2025-03-30T18:25:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=21288"},"modified":"2025-05-19T14:12:04","modified_gmt":"2025-05-19T12:12:04","slug":"zuflucht-libanon","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=21288","title":{"rendered":"Zuflucht Libanon"},"content":{"rendered":"<p><strong>Mehr als 20.000 Menschen sind seit Anfang M\u00e4rz in den Libanon geflohen. Nach Angaben des UN-Hilfswerks f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge (UNHCR) kamen seit den Massakern im syrischen K\u00fcstengebiet 21.637 Schutzsuchende in den Zedernstaat. Es handelt sich demnach um 4.493 syrische und 393 libanesische Familien, die im Norden des Landes, in den Provinzen Akkar und Hermel, entlang der Grenze zu Syrien untergebracht sind. <\/strong><\/p>\n<p><em>von <strong>Karin Leukefeld<\/strong>.<\/em><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\">Erstver\u00f6ffentlichung am 26.03.2025 auf den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=130736\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">NachDenkSeiten<\/a><\/span><\/p>\n<p>Die Menschen kommen nach Angaben des UNHCR weiterhin t\u00e4glich aus den Provinzen Tartus, Latakieh, Homs und Hama in den Libanon, es handele sich um eine Zahl im \u201eunteren Hundertbereich\u201c, hei\u00dft es in einer Erkl\u00e4rung der Organisation am 21.3.2025. Viele der Schutzsuchenden z\u00f6gen weiter nach Jabal Mohsen bei Tripoli. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) spricht von 1.447 Familien, die sich dort niedergelassen h\u00e4tten. Allein in der Provinz Akkar leben den Angaben zufolge 3.126 Familien (14.108 Personen) und seien in f\u00fcnf Orten <a href=\"https:\/\/reporting.unhcr.org\/lebanon-flash-update-new-arrivals-syria-10640\">untergebracht<\/a>.<\/p>\n<p>Zwei der Orte, Massaoudiye und Hokr ed-Dahri, liegen n\u00f6rdlich von Akkar Halba, einer Kleinstadt, die etwa 15 km von der syrischen Grenze entfernt liegt. Akkar ist eine arme, landwirtschaftlich gepr\u00e4gte Provinz. Viele Menschen sind Bauern und Sch\u00e4fer, der Boden ist fruchtbar. Die N\u00e4he zu den hohen libanesischen Bergen, die selbst Mitte M\u00e4rz noch mit Schnee bedeckt sind, garantieren dem Gebiet reichlich Wasser. Seit Jahrzehnten leben in den D\u00f6rfern von Akkar syrische Landarbeiter, die aus dem Gebiet von Salamiyeh kommen. Seit Beginn des Syrienkrieges (2011) sind noch tausende syrische Fl\u00fcchtlinge hinzugekommen, die von den Vereinten Nationen \u2013 inzwischen mit monatlichen Geldzahlungen \u2013 versorgt werden.<\/p>\n<h5>Neue Fl\u00fcchtlinge im Libanon<\/h5>\n<p>\u201eNun haben wir neue Fl\u00fcchtlinge aus Syrien\u201c, sagt Kamel Mansour von der Libanesischen Volkssolidarit\u00e4t Al-Najda. Das B\u00fcro der Organisation liegt in Halba in der Provinz Akkar. Hier wird f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung medizinische Hilfe angeboten, viele der Aktiven der Organisation sind \u00c4rzte. Nach einer langen Planungsphase ist jetzt der Bau eines Krankenhauses geplant. Al Najda <a href=\"https:\/\/leukefeld.net\/?p=1722\">wirbt<\/a> international um Unterst\u00fctzung.<\/p>\n<p>Mit den vielen Fl\u00fcchtlingen, die vor den Massakern aus den syrischen K\u00fcstengebieten geflohen sind, steht eine neue Aufgabe an. \u201eWir fanden sie in H\u00e4usern in den D\u00f6rfern entlang der Grenze, wo sie gar nicht genug Platz zum Schlafen haben\u201c, berichtet Kamel Mansour, der Vorsitzende der Organisation in Halba. Die Vereinten Nationen und andere, private Hilfsorganisationen h\u00e4tten bisher nichts unternommen. Von Medecins du Monde habe man geh\u00f6rt, dass sie eine mobile Klinik bereitstellen wollten.<\/p>\n<p>Najda habe mit Hilfe \u00f6rtlicher B\u00fcrgermeister eine erste \u00dcbersicht erstellt, was ben\u00f6tigt wird. \u201eSie brauchen Essen, Zelte, Matratzen, Decken und m\u00fcssen medizinisch versorgt werden\u201c, z\u00e4hlt er auf. Man sammele Geld, um Lebensmittel zu kaufen und Hilfspakete zusammenzustellen, die mit Hilfe des B\u00fcrgermeisters von Massaoudiye an die Familien verteilt werden sollen. Er wisse, dass manche Libanesen unruhig seien und bef\u00fcrchteten, dass die Gewalt auch in den Libanon \u00fcberschwappen k\u00f6nne. Doch in Halba und Umgebung sehe man daf\u00fcr keine Anzeichen, f\u00e4hrt Mansour fort. \u201eWir haben die Libanesische Armee in der Region, sie wird das verhindern.\u201c Auf die Frage, ob die Br\u00fcsseler Geberkonferenz f\u00fcr Syrien und die Region \u2013 die am gleichen Tag stattfindet \u2013 auch die neuen syrischen Fl\u00fcchtlinge im Libanon in ihre Hilfsprogramme einbeziehen werde, winkt Herr Mansour ab. Er wolle nicht \u00fcber Politik reden, sagt er. \u201eWir haben viel zu tun.\u201c<\/p>\n<p>Wenig sp\u00e4ter ist Kamel Mansour mit einem Mitarbeiter auf dem Weg nach Massaoudiyeh, um dort \u00fcber die notwendige Hilfe zu sprechen, die sie vorbereitet haben. Langsam f\u00e4hrt er mit seinem Wagen voraus. Hamza, der die Autorin im Libanon begleitet, folgt ihm mit dem eigenen Wagen. Eine gute Gelegenheit, die Lage vor Ort mit eigenen Augen zu sehen.<\/p>\n<h5>Die gr\u00fcne Grenze zur Sicherheit<\/h5>\n<p>Der B\u00fcrgermeister hei\u00dft Mohamed Ayash und erkl\u00e4rt sich sofort bereit, die Autorin in das Dorf Hokr ed-Dahri zu begleiten. Hier flie\u00dft der Gro\u00dfe Fluss, der Nahr El Kebir, der die syrisch-libanesische Grenze markiert. Die Menschen k\u00e4men weiter t\u00e4glich \u00fcber den Flu\u00df, erkl\u00e4rt der B\u00fcrgermeister, der im Arabischen Muchtar genannt wird. 650 Familien h\u00e4tten sie in den vergangenen 10 Tagen registriert. In den ersten Tagen sei auf der syrischen Seite manchmal auf die Fl\u00fcchtenden geschossen worden. Jetzt sei alles ruhig.<\/p>\n<figure id=\"attachment_21289\" aria-describedby=\"caption-attachment-21289\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"21289\" data-permalink=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?attachment_id=21289\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Leukefeld_250326-Nordlibanon-01.jpg?fit=1600%2C900&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"1600,900\" data-comments-opened=\"0\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"Leukefeld_250326-Nordlibanon-01\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Leukefeld_250326-Nordlibanon-01.jpg?fit=800%2C450&amp;ssl=1\" class=\"wp-image-21289 size-large\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Leukefeld_250326-Nordlibanon-01.jpg?resize=800%2C450&#038;ssl=1\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"450\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Leukefeld_250326-Nordlibanon-01.jpg?resize=1024%2C576&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Leukefeld_250326-Nordlibanon-01.jpg?resize=300%2C169&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Leukefeld_250326-Nordlibanon-01.jpg?resize=768%2C432&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Leukefeld_250326-Nordlibanon-01.jpg?resize=1536%2C864&amp;ssl=1 1536w, https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Leukefeld_250326-Nordlibanon-01.jpg?w=1600&amp;ssl=1 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-21289\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"font-size: 10pt;\">Hokr ed-Dahri, Akkar Nordlibanon. Syrische Landarbeiterin aus Salamieh. Ihre Familie arbeitet seit Jahrzehnten auf libanesischen Feldern. Foto: \u00a9 Karin Leukefeld<\/span><\/figcaption><\/figure>\n<p>Die schmale Stra\u00dfe schl\u00e4ngelt sich durch Felder, mit Plastikplanen abgedeckte Tomatenbeete und Olivenhaine. Dazwischen gut befestigte Zeltanlagen, in denen die syrischen Landarbeiter wohnen, wie der Ayash erkl\u00e4rt. Eine Frau erfrischt sich an Wasser, das wie eine Dusche aus einem aufgerichteten Rohr herunterf\u00e4llt. Das kr\u00e4ftig flie\u00dfende Nass sammelt sich zu einem kleinen See und flie\u00dft dann durch einen schmalen Kanal auf die Felder. Kurz vor einer alten Br\u00fccke biegt die Stra\u00dfe ab und f\u00fchrt in den Ort Hokr ed-Dahri. Normalerweise w\u00e4re die Grenze \u00fcber die Br\u00fccke leicht zu \u00fcberqueren, doch ein Gitter mit Stacheldraht blockiert den Durchgang.<\/p>\n<p>In Hokr ed-Dahri herrscht reges Treiben. Menschen laufen hin und her, Gep\u00e4ck wird in Autos verstaut, ein Stra\u00dfenh\u00e4ndler bietet Obst, Wasser und S\u00fc\u00dfigkeiten zum Verkauf. Die Menschen wirken m\u00fcde, fotografiert werden m\u00f6chte niemand. Zu Fu\u00df geht es bis zu der schmalen Furt, durch die die Menschen aus Syrien her\u00fcberkommen. Frauen werden getragen, die M\u00e4nner und Kinder krempeln die Hosenbeine hoch, ziehen Schuhe und Str\u00fcmpfe aus und waten durch das seichte Wasser. Es ist eine gr\u00fcne Grenze, im wahrsten Sinne des Wortes. Vom n\u00f6rdlichen Ufer erstreckt sich fruchtbares Ackerland nach Syrien hinein. Doch die Ruhe tr\u00fcgt.<\/p>\n<p>In einem Haus unweit der Furt leben mehr als 40 Menschen, sagt der B\u00fcrgermeister und l\u00e4dt die Autorin ein, mit den Menschen zu sprechen. Zwei junge Rechtsanw\u00e4lte erkl\u00e4ren sich bereit, von dem zu sprechen, was sie erlebt haben. Einfach ist das nicht.<\/p>\n<h5>Berichte von Augenzeugen<\/h5>\n<p>Rami (der Name ist ge\u00e4ndert) ist 38 und stammt aus Tartus. Einige Tage vor dem 7. M\u00e4rz seien seine Schwiegereltern zu ihm und seiner Frau nach Tartus gekommen. Sie seien aus Homs gekommen, wo sie sich nicht mehr sicher f\u00fchlten. Jeden Tag sei jemand get\u00f6tet oder verschleppt worden. Am 7. M\u00e4rz in den fr\u00fchen Morgenstunden h\u00f6rten sie dann schweres Gewehrfeuer in der Umgebung ihres Hauses in Tartus. Sie verlie\u00dfen sofort das Haus, um zum Nahr el-Kebir, dem Grenzflu\u00df zum Libanon zu fliehen. Auch die Familie seiner Frau kam mit ihnen.<\/p>\n<p>Nun lebten sie mit 10 Familien in einem Haus in Hokr ed-Dahri, berichtet Rami. Seine Familie, die Familie seiner Frau und acht weitere Familien. Sie seien 43 Personen, alle in einem Haus. Das Haus seiner Schwester in Banias sei angez\u00fcndet worden. Ebenso das Haus der Eltern von deren Ehemann. Der Cousin des Ehemanns seiner Schwester habe eine Apotheke in dem Haus gehabt, auch die sei angez\u00fcndet worden. Alle Nachbarn seiner Schwester seien get\u00f6tet worden. Im Dorf Karto, wo (die Schwester) gelebt habe, habe es eine Qunaitra-Stra\u00dfe gegeben, berichtet Rami: \u201eWissen Sie? Benannt nach Qunaitra auf den Golan-H\u00f6hen.\u201c Auf dieser Qunaitra-Stra\u00dfe habe man 14 Leichen gefunden. Alle H\u00e4user dort seien gepl\u00fcndert und zerst\u00f6rt und dann angez\u00fcndet worden. Ab und zu unterbricht sich der Mann und zeigt Videos, um seine Angaben zu best\u00e4tigen. Einige stammen von ihm, andere von seiner Schwester und Bekannten.<\/p>\n<p>Entlang der Autobahn nach Tartus habe es viele Tote gegeben. Die T\u00e4ter geh\u00f6rten den Milizverb\u00e4nden Amjad und Hamzal an, sie stammten aus dem Norden Syriens, das habe man an deren Sprache, am Dialekt erkannt. Sie beschimpften die Menschen als \u201eSchwein\u201c oder \u201eHund\u201c. Sie t\u00f6teten jeden, der ihnen unter die Augen kam. Die Leichen lie\u00dfen sie auf den Stra\u00dfen liegen. Sein Schwager, der Mitarbeiter des Weltern\u00e4hrungsprogramms WFP sei, habe sich rechtzeitig in Sicherheit bringen k\u00f6nnen. Doch ein Mitarbeiter der UNRWA, des UN-Hilfswerks f\u00fcr pal\u00e4stinensische Fl\u00fcchtlinge, sei in Banias get\u00f6tet worden.<\/p>\n<p>Am 10. M\u00e4rz seien Journalisten in ihre Unterkunft in Hokr ed-Dahri gekommen und h\u00e4tten Interviews gemacht. Sie sagten, sie seien von <em>Al Arabiya<\/em> gewesen, doch ihr Mikrophon habe kein Logo gehabt. Sp\u00e4ter habe er einen Bericht gesehen, in dem es hie\u00df, die Toten seien ehemalige Offiziere der syrischen Armee gewesen (die aufgel\u00f6st wurde, KL). Was aber er und andere w\u00fcssten, manche selbst gesehen und den Journalisten auch gesagt h\u00e4tten, sei, dass die Toten Zivilisten und unbewaffnet waren.<\/p>\n<p>Auf die Frage, ob er sich nach dem Ende der Assad-Regierung vorgestellt habe, dass so etwas passieren k\u00f6nne, antwortet Rami, nie habe er erwartet, dass so etwas passieren k\u00f6nne. Die fr\u00fchere Opposition habe doch Freiheit, Gerechtigkeit und Sicherheit gefordert, daf\u00fcr wollten sie doch die Revolution machen. Nun habe man gesehen, dass das Gegenteil geschehen sei. 90 Prozent der Syrer h\u00e4tten ihre Arbeitsstellen verloren. Dann sagt er: \u201eBei uns im Gericht in Tartus wurden Richter entlassen und zwei islamische Scheichs nahmen den Vorsitz ein. Unser Recht gilt nicht mehr, jetzt soll das islamische Recht gelten. Fr\u00fcher habe ich als Anwalt in ganz Syrien gearbeitet. In Damaskus, Aleppo, Qamischly und Deir Ez-Zor. Nie habe ich dabei Probleme gehabt, egal wohin ich kam. Alles war sicher.\u201c Nun aber g\u00e4be es keine Sicherheit mehr, keine Arbeit, man k\u00f6nne sich nichts mehr zu Essen kaufen. Ob er zur\u00fcckkehre, wisse er nicht. Auf keinen Fall jetzt, wo alles unsicher und unklar sei. Er wolle nach Beirut und sich nach Arbeit umschauen.<\/p>\n<p>Auch Bassil (Name ge\u00e4ndert) ist Anwalt, er stammt aus Banias und ist 30 Jahre alt. Anfangs seien die HTS-Leute freundlich und h\u00f6flich gewesen, erinnert er sich. Sie h\u00e4tten versucht, Vertrauen aufzubauen. Einer der verantwortlichen Emire kam offenbar aus Pakistan und erkl\u00e4rte den Bewohnern von Banias und Tartus, sie sollten so weiterleben wie bisher. Aber dann seien Leute verschwunden und am Morgen habe man sie tot aufgefunden. Die Bev\u00f6lkerung habe Angst bekommen. Die neuen Machthaber fingen an, \u00fcber Religion zu sprechen, und sagten, dass ihre Religion schlecht sei: \u201eSie haben uns beschimpft, als Ungl\u00e4ubige. Sie haben befohlen, die Kinder in die Moschee zu bringen, um sie neu zu unterrichten. Die Kinder hatten Angst.\u201c<\/p>\n<p>An diesem 7. M\u00e4rz sei in der Moschee von Banias zum Heiligen Krieg gegen Alawiten und Christen aufgerufen worden. In Banias sei der Vater eines Priesters get\u00f6tet worden, viele Bewaffnete kamen in die Stadt und fuhren auch nach Tartus. Die Menschen seien in die Berge geflohen, in die W\u00e4lder und h\u00e4tten versucht, sich zu verstecken. Die Bewaffneten riegelten die Region zwischen Jablah, Banias und Tartus ab, trieben die Menschen aus ihren H\u00e4usern und h\u00e4tten sich selber dort einquartiert. Andere H\u00e4user seien gepl\u00fcndert und angez\u00fcndet worden.<\/p>\n<p>Bassil floh mit seiner Familie, mit seiner Verlobten und der Familie seiner Verlobten. Er wisse noch nicht, wie es weitergehen k\u00f6nne. Ob sie im Libanon bleiben oder in L\u00e4nder gehen k\u00f6nnten, wo man sie freundlich aufnehmen w\u00fcrde? Irak vielleicht? Die T\u00fcrkei? Oder Europa? \u201eWir suchen Unterst\u00fctzung, Hilfe, damit das, was uns geschehen ist, an die \u00d6ffentlichkeit kommt\u201c, sagt er mit Nachdruck. \u201eDass man unsere Stimmen h\u00f6rt.\u201c Er habe von vielen geh\u00f6rt, dass sie sich w\u00fcnschten, die UNO w\u00fcrde sie und die K\u00fcstenregion sch\u00fctzen. Aber ob das m\u00f6glich sei, wisse niemand, und es sei jetzt so, dass die Region unsicher sei und die Familien in Gefahr. \u201eWir brauchen Hilfe in allen D\u00f6rfern, in allen St\u00e4dten und in Banias. Wir brauchen Hilfe. Bitte helfen Sie uns!\u201c<\/p>\n<p>Er habe geh\u00f6rt, dass es in Deutschland und in Europa Demonstrationen gegen die Massaker gegeben habe. Vielleicht k\u00f6nne er mit seiner Verlobten nach Europa gehen, als Fl\u00fcchtlinge? Aber er habe geh\u00f6rt, dass man auch dort ihre Religion nicht m\u00f6ge. Bassil zuckt mit den Schultern: \u201eSie sagen, wir h\u00e4tten Assad unterst\u00fctzt, weil er die gleiche Religion hat wie wir. Aber die meisten Leute, die Assad unterst\u00fctzten, waren Sunniten.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Karin Leukefeld ist Buchautorin und arbeitet als freie Journalistin im Mittleren Osten<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p><small>Bild oben: \u00a9 Karin Leukefeld<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Beitrag von Karin Leukefeld.<\/b><br \/>\nMehr als 20.000 Menschen sind seit Anfang M\u00e4rz in den Libanon geflohen. Nach Angaben des UN-Hilfswerks f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge (UNHCR) kamen seit den Massakern im syrischen K\u00fcstengebiet 21.637 Schutzsuchende in den Zedernstaat. Es handelt sich demnach um 4.493 syrische und 393 libanesische Familien, die im Norden des Landes, in den Provinzen Akkar und Hermel, entlang der Grenze zu Syrien untergebracht sind.<br \/>\nDie Menschen kommen nach Angaben des UNHCR weiterhin t\u00e4glich aus den Provinzen Tartus, Latakieh, Homs und Hama in den Libanon, es handele sich um eine Zahl im \u201eunteren Hundertbereich\u201c, hei\u00dft es in einer Erkl\u00e4rung der Organisation am 21.3.2025. 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