{"id":21233,"date":"2025-03-22T20:32:09","date_gmt":"2025-03-22T19:32:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=21233"},"modified":"2025-05-19T14:10:45","modified_gmt":"2025-05-19T12:10:45","slug":"hitlers-krieg-gegen-die-sowjetunion-zugleich-ein-us-stellvertreter-krieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=21233","title":{"rendered":"Hitlers Krieg gegen die Sowjetunion: Zugleich ein US-Stellvertreter-Krieg"},"content":{"rendered":"<p><em>von<strong> Dr. Werner R\u00fcgemer<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Die USA unterst\u00fctzten die Sowjetunion gegen den \u00dcberfall der Hitler-Wehrmacht &#8211;\u00a0 das ist weltweit bekannt. Aber zuvor hatten die USA Hitler politisch gef\u00f6rdert, die Hitler-Wehrmacht zur modernsten Armee ausger\u00fcstet, hatten auch die anderen faschistischen Diktaturen Mussolini, Salazar, Franco und auch Tschiang KaiShek in China unterst\u00fctzt. US-Konzerne und Wall Street-Banken unterst\u00fctzten dann Hitler-Deutschland auch im Krieg \u2013 so wurde der Eroberungs- und Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion erst durch die vielgestaltige US-F\u00f6rderung in dieser Dimension zum bisher gr\u00f6\u00dften US-Stellvertreterkrieg gegen den gemeinsamen Hauptfeind.*<\/p>\n<h4>I. Versailles: Gegenentwurf zur \u201ekommunistischen Weltrevolution\u201c<\/h4>\n<p>Die Versailler \u201eFriedens\u201ckonferenz nach dem 1. Weltkrieg galt unter F\u00fchrung von US-Pr\u00e4sident Woodrow Wilson nicht dem Frieden, sondern im \u201enationalen Interesse\u201c der USA dem Kampf gegen das Vordringen der \u201ebolschewistischen Doktrin nach Westen\u201c.<\/p>\n<p>Als sich abgezeichnet hatte, dass die sozialistische Revolution unter Lenin erfolgreich blieb, wegen der Unterst\u00fctzung im Volk, hatten die USA 1918 noch w\u00e4hrend des Krieges die Invasion in Russland organisiert, nicht nur mit den Alliierten, sondern auch zusammen mit dem Deutschen Kaiserreich, dem verteufelten Todfeind. Auch wurden antikoloniale Kr\u00e4fte von Wilson in Versailles abgewiesen, so etwa die vietnamesische Befreiungsbewegung unter Ho Chi Minh, die um Hilfe gebeten hatte.<\/p>\n<h5>US-Stellvertreter: Faschistische Dikatoren weltweit<\/h5>\n<p>Die USA hatten im 1. Weltkrieg die europ\u00e4ischen Alliierten kreditiert und ausger\u00fcstet. Damit beschleunigten US-Konzerne und Banken nach dem Krieg ihre Investitionen in Europa. Zur Absicherung f\u00f6rderten die USA alle faschistischen Diktatoren, die Arbeiterbewegungen und Demokratie zerst\u00f6rten.<\/p>\n<p><strong><em>Italien: Mussolini<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Es begann mit Benito Mussolini. Wie in vielen europ\u00e4ischen Staaten hatten auch in Italien seit 1917 Arbeiter gegen den Krieg gestreikt. Nach dem Krieg bildeten sich landesweit Arbeiterr\u00e4te. 1920 hatten etwa eine Million Arbeiter ihre Fabriken besetzt. Die Zeitung <em>L\u2019Ordine Nuovo <\/em>(Die neue Ordnung) der Kommunistischen Partei unter Antonio Gramsci fand Zuspruch.<\/p>\n<p>Doch die faschistischen Schwarzhemden-Trupps des gewendeten Ex-Sozialisten Benito Mussolini kn\u00fcppelten und schossen den Generalstreik brutal nieder. Nach dem Marsch auf Rom 1922 wurde Mussolini von K\u00f6nig Emmanuele III. als neuer Regierungschef inthronisiert. Er war der \u201eF\u00fchrer\u201c, der Duce.<\/p>\n<p>Er wurde in den USA als europ\u00e4ische Leitfigur gefeiert. Elbert Gary, mit den Bankern\u00a0 John Pierpont Morgan und Andrew Carnegie Gr\u00fcnder des fusionierten Stahlkonzerns US Steel, forderte 1923: \u201eAuch wir brauchen einen Mann wie Mussolini\u201c. Henry Luce, Herusgeber der Magazine Time, Fortune und Life, pr\u00e4sentierte den Duce als \u201eden wichtigsten politischen F\u00fchrer der Gegenwart.\u201c Der US-Botschafter in Italien, Washburn Child, trat gegen alle diplomatischen Gepflogenheiten in die faschistische Partei ein.<\/p>\n<p>Die USA verkl\u00e4rten ihr Eindringen in Italien als Hilfe f\u00fcr den Wiederaufbau des kriegsgesch\u00e4digten Landes \u2013 wie in Deutschland und anderen Staaten Europas. Der Duce versprach den staatlichen Schutz f\u00fcr ausl\u00e4ndische Investitionen und f\u00f6rderte die Privatisierung \u00f6ffentlicher Einrichtungen. Der von den US-Konzernen gelobte <em>corporate state <\/em>und sein Verbot der Gewerkschaften garantierten niedrige L\u00f6hne. US-Konzerne kauften Anteile an den wichtigsten italienischen Unternehmen, so an FIAT (Autos), Pirelli (Autoreifen), Montecatini (Chemie). Ford er\u00f6ffnete eine Fabrik.<\/p>\n<p>1935 \u00fcberfiel Italien die Kolonie \u00c4thiopien (\u201eAbessinienkrieg\u201c). Es wurde der bis dahin h\u00f6chstmotorisierte Krieg, durch die Kriegsfahrzeuge und das Benzin aus den USA, von Ford, General Motors (GM) und Standard Oil.<\/p>\n<p><strong><em>Portugal: Salazar<\/em><\/strong><\/p>\n<p>In Portugal entstand 1910 durch eine Revolution eine demokratisch-parlamentarische Republik, die Monarchie wurde abgeschafft. Auch hier waren die alten Kr\u00e4fte der Gro\u00dfagrarier, der Kirche, der wenigen Industriellen und des Milit\u00e4rs dagegen. Nach einem Generalsputsch wurde der \u00d6knomie-Professor Antonio Salazar 1928 zun\u00e4chst als Finanzminister eingesetzt, regierte dann ab 1932 als Diktator nach Mussolinis Vorbild, ebenfalls in enger Verbindung mit dem Vatikan. Sein wichtigstes Ziel: \u201ePortugal vor dem Kommunismus retten!\u201c<\/p>\n<p>In den USA schw\u00e4rmte das Magazin Life 1940 vom \u201ebei weitem besten Diktator der Welt, dem gr\u00f6\u00dften Portugiesen seit Heinrich dem Seefahrer.\u201c Die Fordham Uiversity in New York verlieh Salazar 1938 die Ehrendoktorw\u00fcrde.<\/p>\n<p><strong><em>Spanien: Franco<\/em><\/strong><\/p>\n<p>General Franco, verheiratet mit der Erbin eines adligen Gro\u00dfgrundbesitzers, lie\u00df sich ebenfalls als \u201eF\u00fchrer\u201c (Caudillo) feiern. Er organisierte 1936 den Putsch gegen die Regierung in Madrid. Hitler half mit Soldaten, Waffen, Geld, Kriegsschiffen, Flugzeugen.<\/p>\n<p>Trotz der vom US-Kongress beschlossenen Neutralit\u00e4t lieferte DuPont Bomben, Ford, Studebaker und GM lieferten 12.000 Milit\u00e4rfahrzeuge. Texas Oil und Standard Oil lieferten Treibstoffe. Die Roosevelt-Regierung anerkannte 1939 die faschistische Franco-Regierung sofort nach deren Sieg, gemeinsam mit Hitler-Deutschland und dem Vatikan.<\/p>\n<p><strong><em>China: Tschiang KeiShek<\/em><\/strong><\/p>\n<p>1925, nach dem Tod Sun Yatsens, Initiator der 1912 gegr\u00fcndeten Republik China, setzten sich die alten feudalen Oligarchen-Clans durch. Ihre F\u00fchrungsfigur war der Hitler-Fan Tschiang Kai-shek: \u201eWas China am meisten braucht ist Faschismus.\u201c Neben Hitler-Deutschland unterst\u00fctzten die USA den chinesischen Diktator: General\u00a0 Joseph Stilwell wurde Tschiangs Generalstabschef.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Kampf gegen die Volksbefreiungsarmee unter Mao Tse Tung zahlten die USA die Geh\u00e4lter der 4,3 Millionen Milit\u00e4rs sowie f\u00fcr Flugzeuge, Artillerie, Gewehre und Munition. Auch die pers\u00f6nliche luxuri\u00f6se Lebensf\u00fchrung Tschiangs wurde finanziert, nach dem Motto: \u201eEr ist ein Hurensohn, aber er ist unser Hurensohn.\u201c<\/p>\n<p><strong><em>Deutschland: Adolf Hitler<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Henry Ford war nach dem 1. Weltkrieg der erfolgreichste US-Unternehmer, auch international. Ab 1919 gr\u00fcndete er Filialen in Europa, in Irland, D\u00e4nemark, Spanien, Frankreich, 1922 in Italien, 1924 in den Niederlanden und Schweden, 1925 die erste Filiale in Deutschland \u2013 die zweite sollte 1930 folgen.<\/p>\n<p>Der Gewerkschaftshasser Ford entdeckte neben Mussolini 1922 auch den noch unbekannten Adolf Hitler &#8211; und Hitler hatte auch schon Ford entdeckt. Der Reporter der <em>New York Times <\/em>besuchte Hitler im Dezember 1922 in dessen Hauptquartier in M\u00fcnchen, berichtete \u00fcber das Foto Fords und die antisemitischen Schriften Fords auf Hitlers Schreibtisch sowie \u00fcber die bereits begonnene Unterst\u00fctzung Fords f\u00fcr den \u00bbantisemitischen bayerischen Parteichef\u00ab. So unterst\u00fctzte Ford den Putschversuch der Hitler-Truppe 1923 in M\u00fcnchen und zahlte ab dann j\u00e4hrlich 50.000 Dollar an Hitler zu dessen Geburtstag. Gro\u00dfindustrielle aus Deutschland, dann auch aus der Schweiz und den Niederlanden kamen erst Jahren sp\u00e4ter als Sponsoren hinzu.<\/p>\n<p>So hatten sich US-Konzerne 1929 mit 1.300 Filialen in Westeuropa etabliert, hatten auch Aktien wichtiger Unternehmen gekauft, hatten den Markt f\u00fcr US-Waren ge\u00f6ffnet, vor allem in Deutschland, hier auch mithilfe der Kreditprogramme Dawes-Plan (1924) und Young-Plan (1930). So waren in Deutschland Anfang der 1930er Jahren die f\u00fchrenden US-Konzerne pr\u00e4sent, etwa Ford, GM, Otis Elevator, Remington, Goodyear, DuPont, Coca Cola, IBM, ITT, Texaco, United Fruit, American Metal, John Deere, International Harvester, Standard Oil, Singer.<\/p>\n<p>Fox T\u00f6nende Wochenschau, die deutsche Tochterfirma des Hollywood-Konzerns 20th Century Fox, produzierte schon vor 1933 Werbefilme f\u00fcr Hitlers Wahlk\u00e4mpfe mit Titeln wie \u00bbDer F\u00fchrer\u00ab und \u00bbHitlers Kampf um Deutschland\u00ab. Goebbels war \u00fcberzeugt: Hollywood-Filme sind die bessere Propaganda, weil man die Propaganda nicht bemerkt. Goebbels schickte Regisseure wie Leni Riefenstahl nach Hollywood zum Lernen. Nazi-Deutschland wurde zum gr\u00f6\u00dften K\u00e4ufer von Hollywood-Filmen.<\/p>\n<h5>US-Konzerne: Hitler ist besser als Roosevelt<\/h5>\n<p>Die Deutsch-Amerikanische Petroleum-Gesellschaft (DAPG, sp\u00e4ter Esso) war eine 100-Prozent-Tochter von Standard Oil: DPAG-Chef Emil Helfferich wurde sofort 1933 Mitglied im Freundeskreis Reichsf\u00fchrer SS, auch Himmler-Kreis genannt.<\/p>\n<p>Den US-Konzernen war Hitler n\u00e4her als Roosevelts <em>New Deal<\/em>: In den USA bek\u00e4mpften sie die Arbeitsgesetze und setzten professionelle Gewerkschaftsfeinde (<em>union buster<\/em>, spezialisierte Agenturen wie die Pinkerton Detective Agency) gegen Gewerkschaften und Belegschaftsvertreter ein.<\/p>\n<p>Mit der Aufr\u00fcstung unter Hitler ab 1935 produzierten Ford, GM und Chrysler in ihren westeurop\u00e4ischen und vor allem deutschen Filialen zehntausende\u00a0 Milit\u00e4rfahrzeuge f\u00fcr die Wehrmacht. GM und Ford produzierten schlie\u00dflich fast 90 Prozent der gepanzerten 3-Tonnen-Leichtkraftwagen und 70 Prozent der mittleren und Schwer-Lkw. Ford stellte von Pkw auf Kriegs-Lkw um und erreichte den weitaus gr\u00f6\u00dften Produktionsumfang im Kriegsjahr 1944.<\/p>\n<p>Pratt&amp;Withney und Boeing produzierten Antriebe f\u00fcr Raketen und Kampfflugzeuge. ITT war am Hersteller von Jagdflugzeugen beteiligt, Focke-Wulf. ITT produzierte in der aufgekauften Firma Huth Radarteile.<\/p>\n<h5>US-Konzerne: Wir sind \u201ejudenfrei\u201c<\/h5>\n<p>Schon 1930, drei Jahre vor Hitlers Machtantritt, stellte GM in R\u00fcsselsheim ein NSDAP-Mitglied in der Werkszeitschrift <em>Opel-Geist <\/em>als Redakteur ein. Dieses Blatt propagierte im Nazi-Jargon den \u00bbWillen zur Werksgemeinschaft\u00ab. Das sei ein Bestandteil des Wiederaufstiegs \u00bbunseres Volkes\u00ab bis zum \u00bbendg\u00fcltigen Sieg\u00ab.<\/p>\n<p>Auch die Aussonderung von Juden vollzogen US-Filialen nach 1933 mit. Ford Deutschland erkl\u00e4rte 1936, man werde \u00bbnur noch mit arischem Personal\u00ab arbeiten. GM trennte sich von j\u00fcdischen Zulieferern. Als \u00bbjudenfrei\u00ab pr\u00e4sentierten sich auch andere US-Unternehmen. \u00bbCoca-Cola eiskalt\u00ab-Transparente hingen bei Goebbels\u2019 Propagandareden im Sportpalast neben dem Hakenkreuz. Coca-Cola-Wagen begleiteten Aufm\u00e4rsche der Hitlerjugend. Coca-Cola schaltete Werbung im Reichsrundfunk, in Partei- und Tageszeitungen, in popul\u00e4ren Illustrierten und im f\u00fchrenden Antisemitenblatt \u201e<em>Der St\u00fcrmer<\/em>\u201c. Coca Cola wurde offizieller Getr\u00e4nkesponsor der Olympiade 1936 in Berlin. Das Unternehmen agierte als Teil des NS-Staates \u2013 wie es auch als Teil des US-Staates agierte.<\/p>\n<p>IBM hatte 1925 das deutsche Datenverarbeitungs-Unternehmen Dehomag gekauft. Mit Hitlers Regierungsantritt gingen die Ums\u00e4tze in Deutschland sprunghaft in die H\u00f6he. \u00bbWir sezieren den deutschen Volksk\u00f6rper\u00ab, erkl\u00e4rte der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der 1934 er\u00f6ffneten IBM-Produktionsst\u00e4tte in Berlin.<\/p>\n<h5><strong>\u00a0<\/strong>Hitler-Orden f\u00fcr US-Konzernchefs: Ford, IBM, GM<\/h5>\n<p>1937 hatte Hitler den Verdienstorden vom Deutschen Adler (DAO) eingerichtet, f\u00fcr Ausl\u00e4nder, die sich um das Deutsche Reich verdient machten. Als einer der ersten erhielt ihn IBM-Chef Thomas Watson: Er hatte durchgesetzt, dass die Jahrestagung der Internationalen Handelskammer 1937 mit 2.500 Delegierten aus 42 Staaten in Berlin stattfand. Man tagte unter Hakenkreuzfahnen in der Kroll-Oper, dem Sitz des Reichstags.<\/p>\n<p>Henry Ford erhielt den Orden 1938 zu seinem 75. Geburtstag. James Mooney, als Vizepr\u00e4sident von GM f\u00fcr die Auslandsfilialen zust\u00e4ndig, erhielt im selben Jahre den Adlerorden in Gold.<\/p>\n<h5><strong>USA retten die Olympiade 1936 f\u00fcr Hitler in Berlin<\/strong><\/h5>\n<p>1931 hatte das Internationale Olympische Komitee (IOC) die Olympiade 1936 an Deutschland vergeben. Doch ab 1933 wurden in NS-Deutschland Juden aus Sportvereinen ausgeschlossen.<\/p>\n<p>Deshalb wurde im Vorfeld der Spiele weltweit gegen die Abhaltung der Spiele in Deutschland protestiert. Als einzige Regierungen schlossen sich die sowjetische und die republikanische in Spanien an. Doch der Pr\u00e4sident des Amerikanischen Olympischen Komitees (AOC), Avery Brundage, organisierte die internationale Gegenbewegung. Brundage, gr\u00f6\u00dfter\u00a0 Immobilieninvestor in Chicago, bewunderte Hitler und war bekennender Antisemit. \u00bbIn meinem Club in Chicago sind auch keine Juden zugelassen.\u201c Die Boykottbewegung sah er als \u201ej\u00fcdisch-kommunistische Verschw\u00f6rung\u201c.<\/p>\n<p>Auch der IOC-Vizepr\u00e4sident Sigfrid Edstr\u00f6m zog mit: Der Chef des schwedischen Elektronikkonzerns ASEA machte mit dem Deutschen Reich gute Gesch\u00e4fte. Ebenso beteiligte sich Karl Ritter von Halt, Vorstandsmitglied der Deutschen Bank, Mitglied im Freundeskreis Reichsf\u00fchrer SS, f\u00fchrender deutscher Sportfunktion\u00e4r und seit 1929 Mitglied des IOC. Auch die faschistischen Achsenm\u00e4chte Italien und Japan sowie das Apartheidsregime S\u00fcdafrika warben f\u00fcr die Olympischen Spiele 1936 in Berlin \u2013 sie fanden gl\u00e4nzend statt. Der erfolgreiche Organisator Brundage stieg danach auf, wurde 1952 IOC-Pr\u00e4sident und blieb es bis 1972. Noch 1971 bekannte er: \u201eDie Berliner Spiele waren die sch\u00f6nsten der modernen Zeit.\u201c<\/p>\n<h5>Nazikritischer US-Botschafter in Berlin: Durch Hitler-Fan ersetzt<\/h5>\n<p>1933 hatte US-Pr\u00e4sident Roosevelt den Historiker William Dodd als neuen Botschafter in Deutschland berufen. Er war \u00fcberzeugter Liberaler und Bewunderer deutscher klassischer Kultur. Er kritisierte Nazi-Deutschland \u2013 und machte sich bei US-Konzernen, der Wall Street und im State Department immer unbeliebter.<\/p>\n<p>Auf ihr Dr\u00e4ngen wurde Dodd 1937 durch den Hitler-Fan Hugh Wilson ersetzt. Der lobte: Hitler habe \u00bbsein Volk aus moralischer und wirtschaftlicher Verzweiflung herausgeholt und zu Stolz und Wohlstand gef\u00fchrt \u2026 und Deutschland gegen kommunistische Einfl\u00fcsse widerstandsf\u00e4hig gemacht und Arbeiterforderungen nach h\u00f6heren L\u00f6hnen unterdr\u00fcckt\u00ab.<\/p>\n<h4>II. Wall Street finanziert Hitlers Kriege im Osten<\/h4>\n<p>Zusammen mit den faschistischen Regimen entwickelten die US-Kapitalisten ihre antikommunistische Global-Strategie. Das\u00a0 Kriegsziel lautete: Amerikanisches Jahrhundert! Amerikanischer Imperialismus!<\/p>\n<p>Wall Streets Medientycoon Henry Luce stellte sein <em>Life-<\/em>Editorial am 17. Februar 1940 unter die \u00dcberschrift \u00bbThe American Century\u00ab. Das hatte der Council on Foreign Relations (CFR) vorberaten, in dem 1939 eingerichteten <em>War and Peace Studies Project<\/em>: \u00bbDas britische Empire wird niemals wiedererstehen \u2026 die Vereinigten Staaten werden seinen Platz einnehmen.\u00ab F\u00fcr diesen <em>American Imperialism <\/em>m\u00fcsse der wichtigste historische Faktor der letzten Jahrzehnte, n\u00e4mlich \u00bbder Aufstand des internationalen Proletariats\u00ab, bek\u00e4mpft werden: Man hatte dasselbe Ziel wie die Organisatoren des faschistischen Anti-Kominternpakts.<\/p>\n<h5>1941: USA unterst\u00fctzen auch die Sowjetunion<\/h5>\n<p>Seit 1935 hatten die USA Hitler-Deutschland milit\u00e4risch und technologisch\u00a0 aufger\u00fcstet. Bis 1941 hatte damit die Wehrmacht ihre Blitzkriege im Osten, Westen und Norden erfolgreich beendet und noch Griechenland und den Balkan besetzt. Am 22. Juni 1941 begann die Hauptkriegsaktion: Eroberung der Sowjetunion (\u00bbUnternehmen Barbarossa\u00ab).<\/p>\n<p>Erst ab Oktober 1941 belieferten die USA auch die Sowjetunion, und nur z\u00f6gerlich. Erst ab 1943, als die Sowjetunion Hitlers Blitzkrieg stoppte, schwenkten US-Konzerne und Roosevelt um. Nach dem Sieg des sowjetischen Milit\u00e4rs \u00fcber die Wehrmacht bei Stalingrad begannen die ernsthaften US-Lieferungen. Aber die Sowjetunion bezahlte \u2013 im Unterschied zu den westlichen Verb\u00fcndeten \u2013 alle Lieferungen mit harter W\u00e4hrung, mit Mangan- und Chromerzen und Gold.<\/p>\n<h5><strong>\u00a0<\/strong>Wall Street finanziert Hitlers Krieg gegen die Sowjetunion<\/h5>\n<p>1931 gr\u00fcndete Wall Street eine neue internationale Bank: <em>Bank for International Settlements <\/em>(BIS). So hei\u00dft sie noch heute und agiert als Zentralbank der Zentralbanken. Der Sitz wurde nach Basel in die Finanzoase Schweiz verlegt. Die Anteile wurden durch die Zentralbanken der USA, Gro\u00dfbritanniens, Deutschlands, Frankreichs, Italiens, Belgiens und Japans eingezahlt. Die USA waren der gr\u00f6\u00dfte Aktion\u00e4r. Die deutsche Reichsbank blieb auch nach 1933 Aktion\u00e4r. Hitler entsandte den\u00a0 Reichsbankpr\u00e4sidenten Hjalmar Schacht in den Verwaltungsrat.<\/p>\n<p>So wurde die BIS zu Hitlers Kriegsbank, unter US-F\u00fchrung. 1938 \u00fcbertrug sie nach dem \u00bbAnschluss\u00ab \u00d6sterreichs das Gold der Nachbarrepublik an das Deutsche Reich. 1939 besetzte die deutsche Wehrmacht die Tschechoslowakei: Deren 23,1 Tonnen Gold \u00fcberschrieb die BIS an die Deutsche Reichsbank. So wusch die BIS w\u00e4hrend des Krieges Nazi-Raubgold in g\u00fcltige Devisen &#8211; Schweizer Franken, schwedische Kronen, portugiesische Escudos, US-Dollars: So konnte das NS-Regime kriegswichtige G\u00fcter im Ausland kaufen.<\/p>\n<p>Die BIS lenkte etwa auch Arisierungsgewinne, die sich auf den Pariser Konten der Chase National Bank (Rockefeller) und Morgan ansammelten, zur Reichsbank. Allein Chase Manhattan fror \u00bbin enger Zusammenarbeit mit den NS- Beh\u00f6rden\u00ab etwa 100 Konten j\u00fcdischer Eigent\u00fcmer ein.<\/p>\n<h5><em>\u00a0<\/em>US-Produktion mit Sklavenarbeitern f\u00fcr die Wehrmacht<\/h5>\n<p>Gleichzeitig mit der Finanzierung setzten die USA auch die R\u00fcstungslieferung an Hitler-Deutschland fort, so Ford in K\u00f6ln und \u00fcber Filialen in den von der Wehrmacht besetzten Staaten wie Frankreich, so auch GM. Der Einsatz von KZ-H\u00e4ftlingen war selbstverst\u00e4ndlich.<\/p>\n<p>IBM lieferte die Daten etwa f\u00fcr die Kriegs- und Gefangenentransporte in Europa und die Erfassung der KZ-H\u00e4ftlinge. ITT und General Electric als Gro\u00dfaktion\u00e4re beim Flugzeughersteller Focke- Wulf und bei AEG geh\u00f6rten ebenfalls zu den Besch\u00e4ftigern von Sklavenarbeitern.<\/p>\n<h5>US-Bastion Spanien liefert an Deutschland<\/h5>\n<p>Das faschistische Spanien wurde w\u00e4hrend des Krieges zu einer wichtigen US-Bastion in Europa. Spanien verkaufte mit US-Zustimmung das kriegswichtige Edelmetall Wolfram tonnenweise teuer an Deutschland\u00a0 \u2013 die deutschen R\u00fcstungskonzerne brauchten es f\u00fcr die Stahlh\u00e4rtung bei Gewehren, Kanonen, Munition usw.<\/p>\n<p>US-Konzerne wie Westinghouse, Ford, GM, Chrysler, Singer erweiterten ihre Investitionen in Spanien und lieferten von hier aus an Hitler-Deutschland. Franco tr\u00e4umte mit dem US-Botschafter vom 3. Weltkrieg gegen den Kommunismus. \u00bbSpanien ist mehr ein amerikanisches als ein europ\u00e4isches Land\u00ab, konstatierte zufrieden der US-Botschafter Carlton Hayes.<\/p>\n<h5><strong>\u00a0<\/strong>US-Bastion Schweiz: BIS und US-Geheimdienst<\/h5>\n<p>Die \u00bbneutrale\u00ab Schweiz wurde ein zentraler Kollaborateur nicht nur f\u00fcr Hitler-Deutschland als R\u00fcstungslieferant, sondern gleichzeitig f\u00fcr die USA: Nicht nur die BIS hatte hier ihren gesch\u00fctzten Raum, sondern auch die Europa-Zentrale des US-Geheimdienstes <em>Office of Strategic Services<\/em>, OSS.<\/p>\n<p>Zwei Wall-Street-Anw\u00e4lte leiteten ihn: William Donovan in New York und Allen Dulles in der Schweizer Hauptstadt Bern, der US-Botschaft zugeordnet, mit einer Nebenstelle am Finanzplatz Z\u00fcrich. Der OSS hielt Kontakte fast zum gesamten Spektrum des antifaschistischen Widerstands, auch in Deutschland, von radikalen Linken \u00fcber Sozialdemokraten, Kirchenf\u00fchrern bis zu Konservativen, den Milit\u00e4rs und Geheimdienstlern.<\/p>\n<p>Aber die USA forderten: Deutschland mu\u00df sich bedingungslos ergeben (<em>unconditional surrender<\/em>)! Widerstand gegen das NS-Regime ist zwecklos! Kein vorzeitiger Waffenstillstand! Deshalb lie\u00df Dulles seit 1943 den Widerst\u00e4ndlern \u00fcber alle Kan\u00e4le eintrichtern: Von den Alliierten kommt keine Hilfe! Auch deshalb verz\u00f6gerte sich das schlie\u00dflich gescheiterte Attentat auf Hitler vom Juli 1944.<\/p>\n<p>Gleichzeitig war der OSS genau \u00fcber die Verfolgung und Vernichtung der Juden informiert, hielt sie geheim und spielte sie gegen\u00fcber der Roosevelt-Regierung als \u201ej\u00fcdische Propaganda\u201c herunter, und die USA nahmen ohnehin nur ganz wenige reiche und prominente Juden auf.<\/p>\n<h5>Der Stellvertreter muss auch Zivilisten opfern<\/h5>\n<p>Die USA und England bombardierten in Deutschland 131 St\u00e4dte, und nur die Innenst\u00e4dte, etwa eine halbe Million Zivilisten wurden get\u00f6tet \u2013 aber die R\u00fcstungsindustrie, sowohl US-amerikanische wie deutsche, wurde nicht bombardiert. Die Strategie: Die Wehrmacht sollte bestger\u00fcstet gegen die vorr\u00fcckende Rote Armee k\u00e4mpfen, der \u201ealliierten\u201c Sowjetunion also m\u00f6glichst hohe Sch\u00e4den zuf\u00fcgen.<\/p>\n<p>Das zeigte sich auch bei der Bombardierung der Stadt Dresden zum Kriegsende im Februar 1945: Die britischen und US-Bomber warfen \u2013 wie einige Monate sp\u00e4ter in Hiroshima und Nagasaki \u2013 ihre t\u00f6dliche Fracht nur auf die bewohnte Innenstadt. Weder wurden Truppen der Wehrmacht noch die Industrie in den Vororten bombardiert.<\/p>\n<h4>III. Die US-Geopolitik der Stellvertreter-Kriege<\/h4>\n<p>Die USA finanzieren, beliefern und leiten immer wieder Stellvertreterkrieger. Im 2. Weltkrieg war dies das faschistisch gef\u00fchrte, kapitalistische Hitler-Deutschland. Aktuell sind dies die Ukraine und Israel. Auch islamistische Terroristen dienen als Stellvertreter, so etwa die Turkestan Islamic Party, die aus uigurischen Islamisten (aus Xinjiang\/China) besteht und von den USA gegen Assad in Syrien eingesetzt wurde.<\/p>\n<p>Die US-Regierung unter Donald Trump mit seinen Multimilliard\u00e4ren \u2013 mit vielfach zionistischer Ideologie &#8211; will als Folge des Ukraine-Krieges die europ\u00e4ischen NATO-Staaten zu Stellvertreterkriegern gegen Russland zwingen, w\u00e4hrend Israel den Nahen Osten US-freundlich umgestaltet, V\u00f6lkermord inbegriffen, und in Asien neue Stellvertreter-Krieger aufgebaut werden, gegen den neuen Hauptfeind, die Volksrepublik China.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Dr. Werner R\u00fcgemer, K\u00f6ln, ist Philosoph und Publizist. Er ist Sprecher des Beirats des Deutschen Freidenker-Verbandes und Mitglied des Verbandsvorstandes<\/em><\/p>\n<p>*<em>Nachweise in Werner R\u00fcgemer: Verh\u00e4ngnisvolle Freundschaft. Die Eroberung Europas durch die USA. Erste Phase: Vom 1. zum 2. Weltkrieg, K\u00f6ln 2023. Das Buch gibt es in englisch \u201eFatal Friendship\u201c, spanisch \u201eUna amistad condenada\u201c und\u00a0 franz\u00f6sisch \u201eAmiti\u00e9 fatale\u201c<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\">Der Text wurde auch ver\u00f6ffentlicht auf <a href=\"https:\/\/befreiung.org\/dokumente\/hitlers-krieg-gegen-die-sowjetunion-zugleich-ein-us-stellvertreter-krieg\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">befreiung.org<\/a>. Ver\u00f6ffentlichung hier mit freundlicher Genehmigung des Autors.<\/span><\/p>\n<hr \/>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\">Bild oben: Ford V3000S Truck, gebaut in den Deutschen Fordwerken K\u00f6ln 1944 (Das abgebildete Exemplar mit SS-Nummernschild war in dem Film \u201eThe Great Escape\u201c von 1963 zu sehen).<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 10pt;\">Foto: David Merrett, England &#8211;\u00a0 <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by\/2.0\">CC BY 2.0<\/a>, <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 10pt;\">Quelle: <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=73845678\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=73845678<\/a><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Beitrag von Werner R\u00fcgemer<\/b><br \/>\nDie USA unterst\u00fctzten die Sowjetunion gegen den \u00dcberfall der Hitler-Wehrmacht &#8211;\u00a0 das ist weltweit bekannt. Aber zuvor hatten die USA Hitler politisch gef\u00f6rdert, die Hitler-Wehrmacht zur modernsten Armee ausger\u00fcstet, hatten auch die anderen faschistischen Diktaturen Mussolini, Salazar, Franco und auch Tschiang KaiShek in China unterst\u00fctzt. US-Konzerne und Wall Street-Banken unterst\u00fctzten dann Hitler-Deutschland auch im Krieg \u2013 so wurde der Eroberungs- und Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion erst durch die vielgestaltige US-F\u00f6rderung in dieser Dimension zum bisher gr\u00f6\u00dften US-Stellvertreterkrieg gegen den gemeinsamen Hauptfeind.*<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":21245,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","advanced_seo_description":"","jetpack_seo_html_title":"","jetpack_seo_noindex":false,"jetpack_post_was_ever_published":false,"footnotes":""},"categories":[1162],"tags":[648,413,451,960,759,1631,1493,1262,2547,1750,1492,1086,1342,185,1821],"class_list":["post-21233","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-geschichte","tag-2-weltkrieg","tag-china","tag-faschismus","tag-faschistischer-ueberfall-auf-die-sowjetunion","tag-geheimdienste","tag-geopolitik","tag-hitler","tag-italien","tag-konzerne","tag-kriegswirtschaft","tag-olympische-spiele","tag-portugal","tag-spanien","tag-usa","tag-versailler-vertrag"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/1944_Ford_V3000S_Truck_43306669790_800x450.jpg?fit=800%2C450&ssl=1","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p9stpK-5wt","jetpack-related-posts":[{"id":459,"url":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=459","url_meta":{"origin":21233,"position":0},"title":"Freidenker zum 75. 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