{"id":19716,"date":"2024-08-14T23:40:28","date_gmt":"2024-08-14T21:40:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=19716"},"modified":"2024-10-06T02:12:40","modified_gmt":"2024-10-06T00:12:40","slug":"die-langen-schatten-des-ersten-weltkriegs-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=19716","title":{"rendered":"Die langen Schatten des Ersten Weltkriegs (3)"},"content":{"rendered":"<h4>Teil 3: Diplomatische Winkelz\u00fcge pflastern den Weg in den Krieg<\/h4>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\">\u2192 Link zu Teil 1: <a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=19595\">Der lange Weg in das Verh\u00e4ngnis Europas<\/a><\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 10pt;\">\u2192 Link zu Teil 2:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=19644\">Keineswegs schlafwandelnd in den Krieg<\/a><\/span><\/p>\n<p><em>Kommentar von\u00a0<strong>Wolfgang Effenberger<\/strong><\/em><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\">Auch ver\u00f6ffentlicht als Tagesdosis vom 08.08.2024 auf <a href=\"https:\/\/apolut.net\/die-langen-schatten-des-ersten-weltkriegs-teil-3-von-wolfgang-effenberger\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">apolut.net<\/a><\/span><\/p>\n<p>Der Beitrag ist auch als Audiopodcast verf\u00fcgbar:<\/p>\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-19716-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/apolut.net\/multimedia_apolut\/podcast\/tagesdosis-20240808-apolut.mp3?_=1\" \/><a href=\"https:\/\/apolut.net\/multimedia_apolut\/podcast\/tagesdosis-20240808-apolut.mp3\">https:\/\/apolut.net\/multimedia_apolut\/podcast\/tagesdosis-20240808-apolut.mp3<\/a><\/audio>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\">Bereitgestellt von\u00a0<a href=\"https:\/\/apolut.net\/die-langen-schatten-des-ersten-weltkriegs-teil-3-von-wolfgang-effenberger\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">apolut.net<\/a><\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 10pt;\"><a href=\"https:\/\/apolut.net\/multimedia_apolut\/podcast\/tagesdosis-20240808-apolut.mp3\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Download<\/a><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach den l\u00e4rmend-ungest\u00fcmen russisch-franz\u00f6sischen Feiern in Petersburg beschleunigte sich die Fahrt in den Abgrund. Am 23. Juli 1914, dem Tag der Abreise des franz\u00f6sischen Staats-pr\u00e4sidenten Poincar\u00e9 und seines Ministerpr\u00e4sidenten Viviani aus Petersburg, \u00fcbergab um 18:00 Uhr der \u00f6sterreichische Gesandte Freiherr Wladimir Giesl von Gieslingen in Belgrad eine auf 48 Stunden befristete diplomatische Depesche mit 10-Punkten. Darin forderte \u00d6sterreich-Ungarn von Serbien, alle serbisch-nationalistischen Aktivit\u00e4ten sofort zu beenden und die Verantwortlichen des Attentats konsequent zu verfolgen. Am brisantesten waren die Punkte 5 und 6. Darin wurde gefordert, dass<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">\u201e\u2026<em>in Serbien Organe der K. u. K. Regierung bei der Unterdr\u00fcckung der gegen die territoriale Integrit\u00e4t der Monarchie gerichteten subversiven Bewegung mitwirken\u201c <\/em>(5) und in (6) <em>\u201e\u2026eine gerichtliche Untersuchung gegen jene Teilnehmer des Komplottes vom 28. Juni einzuleiten, die sich auf serbischem Territorium befinden; von der K. u. K. Regierung hierzu delegierte Organe wurden an den diesbez\u00fcglichen Erhebungen teilnehmen\u201c<\/em>.(1)<\/p>\n<p>In einer Beilage wurden die Untersuchungsergebnisse der \u00f6sterreichischen Ermittlungs-beh\u00f6rden dem Ultimatum beigef\u00fcgt: Die Pistolen und Bomben, deren sich die Verbrecher als Werkzeuge bedienten, entstammten einem serbischen Waffendepot, der ganze Plan sei in Belgrad unter Beihilfe von Major Vojislav Tankosi\u0107 ausgeheckt worden, und Milan Ciganovi\u0107 habe in der N\u00e4he von Belgrad die M\u00f6rder in der Handhabung der Granaten und Pistolen unter-wiesen. Die Einschleusung der gedungenen M\u00f6rder sei mithilfe der serbischen Grenzhauptleute und Zollorgane organisiert worden.<\/p>\n<p>Die deutsche Regierung reagierte unmittelbar und lie\u00df sofort in Petersburg, Paris und London erkl\u00e4ren, sie w\u00fcnsche dringend eine Lokalisierung des Konflikts zwischen \u00d6sterreich-Ungarn und Serbien, da jede Intervention einer anderen Macht infolge der verschiedenen B\u00fcndnisverpflichtungen unberechenbare Folgen herbeif\u00fchren k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Ehe am Nachmittag des 24. Juli 1914 der russische Ministerrat tagte, fand in der franz\u00f6sischen Botschaft eine Absprache zwischen Sergej Sasonow (RUS), Maurice Pal\u00e9ologue (F) und William Buchanan (GB) statt &#8211; ein ungew\u00f6hnlicher Vorgang! Der Ministerrat befasste sich dann in erster Linie mit der Frage, ob die innere Lage Russlands den Krieg gestatte. Diese Frage wurde anscheinend bejaht.<\/p>\n<p>Aus Belgrad lag auch ein Telegramm des serbischen Prinzregenten Alexander vor, der den Zaren um Rat bat:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>\u201eWir sind bereit, jene Forderungen \u00d6sterreich-Ungarns anzunehmen, die mit der Stellung eines unabh\u00e4ngigen Staates vereinbar sind sowie jene, deren Annahme Eure Majest\u00e4t uns anr\u00e4t.\u201c(2)<\/em><\/p>\n<p>War Russland friedlich gesinnt, so musste es Belgrad raten, sich zu f\u00fcgen. Doch das Kriegs-fieber hatte in Russland bereits die herrschenden Kreise erfasst. Kurz vor Mitternacht des 23. Juli 1914 gab der deutsche Gesandte in Belgrad ein Telegramm auf und informierte das Ausw\u00e4rtige Amt \u00fcber die serbischen Milit\u00e4rs, die kategorisch die Note ablehnen und Krieg fordern w\u00fcrden. Die Mobilisierung sei bereits in vollem Gange.(3)<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Frau Pa\u0161i\u0107 bereits sicher in Paris weilte, floh ihr Mann und Premierminister mit seiner Regierung \u00fcberst\u00fcrzt nach Saloniki.<\/p>\n<p>\u00dcber die Vorg\u00e4nge in Petersburg gut informiert, schrieb die &#8222;Rjetsch&#8220;:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>\u201eAugenscheinlich ist sich die russische Diplomatie des Ernstes der Lage nicht bewusst. Es ist nicht zu bezweifeln, dass Serbien nach der russischen Note eine nicht v\u00f6llig befriedigende Antwort geben wird und dass eine Ermunterung Serbiens bereits erfolgt ist, sodass ein Teil der Verantwortung f\u00fcr die Folgen Russland zuf\u00e4llt. Die einzige M\u00f6glichkeit f\u00fcr den Dreierverband, eine Hineinziehung in den Konflikt zu vermeiden, bleibt die Lokalisierung der serbischen Frage und die Vermeidung jeder Ermunterung Serbiens\u201c. <\/em><\/p>\n<p>Es scheint, dass Serbien wohl bereit gewesen w\u00e4re, die Note einfach anzunehmen. Aber in Russland empfand man sie als eine gegen Russland gerichtete Provokation, auf die Russland in Tagen antworten m\u00fcsse<em>.(4)<\/em><\/p>\n<p>Die K. u. K. Regierung erwartete die Antwort der k\u00f6niglichen Regierung Serbiens sp\u00e4testens bis Samstag, den 25. Juli 2014 um 18.00 Uhr. Sollte sie nicht zustimmend ausfallen, w\u00fcrde das den Abbruch der diplomatischen Beziehungen nach sich ziehen.<\/p>\n<p>Zweifelsohne gab es in \u00d6sterreich-Ungarn Kreise, die im Krieg gegen Serbien die einzige L\u00f6sung erblickten. Aber ebenso gab es auch andere Str\u00f6mungen. Am Ballhausplatz tobten erbitterte K\u00e4mpfe zwischen der Kriegspartei um Generalstabschef Conrad von H\u00f6tzendorf und der Friedenspartei rund um Au\u00dfenminister Graf Tisza, der sich erfolgreich daf\u00fcr eingesetzt hatte, dass Serbien unversehrt bleiben sollte.<\/p>\n<p>Schon in den fr\u00fchen Morgenstunden des 25. Juli 1914 liefen die ersten Telegramme aus Petersburg in Belgrad ein. Um 04.00 Uhr wurde telegrafiert, dass Serbien mit Russlands Hilfe rechnen k\u00f6nne. Sechs Stunden sp\u00e4ter wurde Serbien geraten, es solle erkl\u00e4ren, dass es sich nicht mit Waffen gegen eine Gro\u00dfmacht verteidigen wolle und k\u00f6nne &#8211; das entsprach noch den provisorischen Entschl\u00fcssen des russischen Ministerrates vom Tag zuvor. Um 11.30 Uhr wurde nach Belgrad gemeldet, dass der russische Ministerrat beschlossen habe, zur Mobilisierung zu schreiten. Zwischen 11.00 Uhr und 12.00 Uhr wurde in Petersburg vom Kronrat beschlossen, die Mobilmachung vorl\u00e4ufig nicht zu verk\u00fcnden, daf\u00fcr aber die im M\u00e4rz 1913 eingef\u00fchrte <em>&#8222;Kriegsvorbereitungsperiode&#8220; <\/em>anzuordnen.<\/p>\n<p>Im Kronrat habe der Zar in aller Deutlichkeit die Notwendigkeit, Serbien zu unterst\u00fctzen, vor Augen gef\u00fchrt,<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">\u201e\u2026<em>auch wenn man dazu die Mobilmachung erkl\u00e4ren und Kriegshandlungen beginnen m\u00fcsse, jedoch nicht eher, als bis \u00f6sterreichische Truppen die serbische Grenze \u00fcberschritten h\u00e4tten\u201c.(5) <\/em><\/p>\n<p>Diesem Kronrat h\u00e4tten auch Nikolai Nikolajewitsch und der Generalstabschef beigewohnt. Nach seiner R\u00fcckkehr aus Zarskoje Selo berichtete der franz\u00f6sische Milit\u00e4rattach\u00e9 General de Laguiche:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>\u201eDer Kriegsrat habe die gr\u00f6\u00dfte Kriegslust gezeigt und den Beschluss gefasst, zum Schutze Serbiens bis zum \u00c4u\u00dfersten zu gehen, insbesondere habe der Zar durch seine Entschlossenheit alle \u00fcberrascht.\u201c(6)<\/em><\/p>\n<p>Der franz\u00f6sische Botschafter Pal\u00e9ologue fasste als Ergebnis dieser Sitzung zusammen: Russland wird 13 Armeekorps (bzw. 39 Divisionen) gegen \u00d6sterreich mobilisieren, diese Ma\u00dfnahme jedoch erst dann ver\u00f6ffentlichen, wenn \u00d6sterreich Serbien mit Waffengewalt zwingt. Nach Paris telegrafierte er, dass f\u00fcr die Milit\u00e4rdistrikte Kiew, Odessa, Kasan und Moskau Mobilmachung anbefohlen sei. F\u00fcr die Milit\u00e4rbezirke Wilna, Warschau und Petersburg seien geheime Weisungen ergangen.(7) \u00dcber die St\u00e4dte und Gouvernements St. Petersburg und Moskau sei der Belagerungszustand verh\u00e4ngt worden.(8)<\/p>\n<p>Am Nachmittag gegen 16.00 Uhr hie\u00df es dann aus Petersburg:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>\u201eAlle Vorbereitungen f\u00fcr die Mobilisierung angeordnet, welche sogleich verk\u00fcndet werden, falls der \u00f6sterreichisch-ungarische Gesandte Belgrad verlassen w\u00fcrde\u201c<\/em>.(9)<\/p>\n<p>Zu diesem Zeitpunkt erwartete der \u00f6sterreichische Gesandte Wladimir Freiherr Giesel keine Antwort mehr und begann, seine Koffer zu packen, um nach Ablauf der Frist noch um 18.30 Uhr den Schnellzug nach Budapest nehmen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Doch nur wenige Minuten vor 18.00 Uhr erschien zu seiner Verbl\u00fcffung der serbische Ministerpr\u00e4sident Nikola Pa\u0161i\u0107 und \u00fcberreichte ihm eine in aller diplomatischer Raffinesse abgefasste Antwort-Note, die der Gesandte Giesel nur \u00fcberfliegen konnte. Umgehend \u00fcbergab er Pa\u0161i\u0107 die vorbereitete \u00f6sterreichische Antwort, die der serbischen Regierung den Abbruch der diplomatischen Beziehungen mitteilte. Giesel erreichte gerade noch seinen Zug in Richtung. Budapest. Serbien leitete inzwischen die R\u00e4umung Belgrads ein.<\/p>\n<p>Zur gleichen Zeit erfolgte einige Tausend Kilometer ostw\u00e4rts die Bef\u00f6rderung der jungen russischen Offiziere, die eigentlich nach der Tradition erst am 18. August 1914 stattfinden sollte.<\/p>\n<p>In ihrer Antwortnote hatte sich die serbische Regierung viel M\u00fche gegeben, die meisten Forderungen von \u00d6sterreich-Ungarn elegant und nichtssagend zur\u00fcckzuspielen. Die von Wien geforderte Erkl\u00e4rung:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">\u201e<em>Die K\u00f6nigliche Regierung bedauert, dass serbische Offiziere und Funktion\u00e4re &#8230; mitgewirkt haben&#8230;.\u201c<\/em> wurde \u00fcbernommen und auf raffinierte Weise modifiziert. Sie lautete: <em>\u201eDie K\u00f6nigliche Regierung bedauert, dass laut der Mitteilung der K.u.K. Regierung gewisse serbische Offiziere und Funktion\u00e4re an der eben genannten Propaganda mitgewirkt und dass diese damit die freundnachbarlichen Beziehungen gef\u00e4hrdet h\u00e4tten, zu deren Beobachtung sich die K\u00f6nigliche Regierung durch die Erkl\u00e4rung vom 31. M\u00e4rz 1909 feierlich verpflichtet hatte.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Auf den ersten Blick eine zustimmende Antwort &#8211; doch nur auf den ersten! Mit dem Beisatz <em>\u201e\u2026laut der Mitteilung der K.u.K. Regierung\u201c <\/em>vermied die serbische Regierung jede Mit-verantwortung und behielt sich f\u00fcr die Zukunft freie Hand. Den anderen Forderungen wurden in \u00e4hnlicher Manier zugestimmt; nur die Forderung 5 wurde indirekt und die Forderung 6 direkt abgelehnt. Letztere erregte heftigen Widerspruch, da sie angeblich nicht mit der serbischen Souver\u00e4nit\u00e4t vereinbar sei. Unter diesem Punkt verlangte das Ultimatum die Teilnahme \u00f6sterreichisch-ungarischer Organe an den das Komplott betreffenden Ermittlungen.(10)<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>\u201eDa der Versuch, die serbischen Mitschuldigen bei dieser Tat zu strafen, Ausfl\u00fcchten begegnete\u201c<\/em>, schrieb Bertrand Russell, <em>\u201egriff \u00d6sterreich nach einiger Zeit zu einem Ultimatum, welches unter anderem forderte, dass beim Gerichtsverfahren gegen verd\u00e4chtige Serben auch \u00f6sterreichische Beamte teil\u00adnehmen. W\u00e4re der Prinz von Wales an den Grenzen Afghanistans ermordet worden und wir h\u00e4tten Grund, zu glauben, dass die Afghanen an seiner Ermordung schuldig sind, dann h\u00e4tten wir wahrscheinlich mit der vollen Unterst\u00fctzung von Englands \u00f6ffentlicher Meinung ein \u00e4hnliches Begehren gestellt.\u201c(11)<\/em><\/p>\n<p>Im Gegensatz zu Russell hatte der englische Au\u00dfenminister Edward Grey kein Verst\u00e4ndnis f\u00fcr \u00d6sterreich und verstieg sich sogar dazu, das Ultimatum als \u201edas \u00fcbelste Schriftst\u00fcck, das je von einem Staat an einen anderen gerichtet wurde\u201c (12) zu bezeichnen.<\/p>\n<p>Schon drei Stunden nach \u00dcbergabe der Antwort-Note erfolgte die serbische Mobilmachung.(13) Die Donau-Monarchie antwortete sechs Stunden sp\u00e4ter ihrerseits mit der Teilmobilmachung von acht Armeekorps.(14) Wie die K\u00e4mpfe sp\u00e4ter zeigten, konnte Serbien schnell, umfassend und sehr erfolgreich mobilisieren &#8211; unerwartet kam da anscheinend nichts.<\/p>\n<p>So geriet in der Zeit zwischen dem 23. Juli 1914 (18.00 Uhr) und derselben Stunde des 25. Juli 1914 das R\u00e4derwerk der Kriegsmaschine unaufhaltsam in Bewegung.<\/p>\n<p>Bis dahin hatte Kaiser Wilhelm II. den Rat seines Kanzlers befolgt, weder die deutsche Flotte in die Heimath\u00e4fen zu beordern, noch selbst in die Heimat zur\u00fcckzukehren.<\/p>\n<p>Im norwegischen Gew\u00e4sser Odde am Utnefjord hatte am 25. Juli 1914 die deutsche Marinef\u00fchrung die Meldung erreicht, dass sich die englische Flotte (Home-Fleet) nach der Man\u00f6ver-Revue von Spithead nicht wie \u00fcblich aufl\u00f6ste, sondern als Verband in den Nordseeh\u00e4fen verblieb.(15) Daraufhin wurde die allj\u00e4hrliche Nordlandreise abgebrochen und die vor J\u00fctland liegende deutsche Flotte kehrte nach Wilhelmshaven und Kiel zur\u00fcck.<\/p>\n<h5>Sonntag, 26. Juli 1914<\/h5>\n<p>Die Absicht Serbiens und Russlands, die Frage der \u00f6sterreichisch-ungarischen S\u00fchne-forderungen zu einer Machtfrage zwischen den europ\u00e4ischen B\u00fcndnisgruppen eskalieren zu lassen, wollte Berlin im Interesse des Friedens unterlaufen. Die Gefahr einer Eskalation wurde offenbar in London und Paris ebenso gesehen. Daher war am 26. Juli 1914 bei der Aussprache zwischen Sasonow und Pourtales von einer <em>\u201eRevision der \u00f6sterreichischen Untersuchung durch Europa nicht mehr die Rede\u201c.<\/em>(16) Welchem Umstand war das Entgegenkommen Sasonows geschuldet?<\/p>\n<p>Am selben Tag hatte aus London der russische Botschafter Benckendorff einen Situations-bericht geschickt, in dem es hie\u00df:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>\u201eSir E. Grey h\u00f6rt nicht auf, mir zu wiederholen, dass seine nach Berlin gerichteten Erkl\u00e4rungen dort auf keinen Fall gestatten, auf die Neutralit\u00e4t Englands im Falle eines Krieges zu rechnen. Lichnowsky war in der Tat sehr verwirrt, aber das kommt daher, weil es ihm wehtat, dass es zum Kriege kommt. Ich bin gar nicht sicher, dass er die Worte Greys so verstanden hat, wie Grey es w\u00fcnschte<\/em>.\u201c(17)<\/p>\n<p>Dieses fatale Missverst\u00e4ndnis zwischen dem englischen Au\u00dfenminister und dem deutschen Botschafter mag zum einen an der diplomatisch verklausulierten Sprache Greys und zum anderen an der anglophilen Einstellung Lichnowskys gelegen haben. M\u00f6glicherweise wollte Grey auch nicht eindeutig von Lichnowsky verstanden werden. Au\u00dferdem musste Grey nicht nur im Verh\u00e4ltnis zu Lichnowsky, sondern auch f\u00fcr die britische \u00d6ffentlichkeit jede Kriegs-rhetorik unterlassen, denn die britische Bev\u00f6lkerung war durch die b\u00fcrgerkriegs\u00e4hnlichen Auseinandersetzungen in Irland vorerst nicht f\u00fcr einen weiteren &#8222;Kriegsschauplatz&#8220; zu gewinnen.<\/p>\n<p><em>\u201eEs ist wahr\u201c<\/em>, schlie\u00dft Benckendorff seinen Bericht ab, <em>\u201edass \u00d6sterreich, wie man sagt, nicht auf einmal den Krieg beginnen wird. Vorl\u00e4ufig besteht noch ein Hoffnungsstrahl. Was die Rolle Deutschlands anbetrifft, so erscheint mir dieselbe in dunklerem Lichte als allen \u00fcbrigen. Und darauf st\u00fctze ich mich eben hier: England f\u00fcrchtet sich nicht so vor dem Vorrang \u00d6sterreichs auf der Balkanhalbinsel, wie vor dem Vorrang Deutschlands in der Welt\u201c.<\/em>(18) (!!)<\/p>\n<p>Als aber gegen Mittag des 25. Juli 1914 dringende Depeschen aus dem Ausw\u00e4rtigen Amt u.a. \u00fcber die Man\u00f6vert\u00e4tigkeit der britischen Kriegsmarine auf dem Schiff des Kaisers eintrafen, musste Admiral Georg Alexander von M\u00fcller, Chef des Marinekabinetts, eine Entscheidung treffen. Um 15.00 Uhr befahl er dem Kapit\u00e4n der \u201eHohenzollern\u201c eigenm\u00e4chtig, die Kessel f\u00fcr die 22 Stunden lange Fahrt zur\u00fcck nach Cuxhaven anzuheizen.<\/p>\n<p>Am Morgen des 27. Juli 1914 traf Kaiser Wilhelm II. in Kiel ein und wurde nachmittags um 15.00 Uhr in Berlin von seinem Kanzler Bethmann in dem\u00fctiger Haltung empfangen.<\/p>\n<p>In scharfer Form stellte ein zornig erregter Kaiser die Frage, wie das alles gekommen sei? Die Erregung des Kaisers war begreiflich, denn der Kanzler hatte seiner Majest\u00e4t bis zuletzt versichert, <em>\u201e\u2026dass dem Frieden keine Gefahr drohe und dass er insbesondere mit England in steter F\u00fchlungnahme und in bestem Einvernehmen st\u00fcnde.\u201c <\/em>Ein sichtlich zerschmetterter Kanzler gab mit verst\u00f6rtem Gesicht zu, sich in jeder Richtung get\u00e4uscht zu haben und bat um seinen Abschied, den der Kaiser mit den Worten verwehrte:<em> \u201eSie haben mir diese Suppe eingebrockt, nun sollen Sie sie auch ausfressen!\u201c<\/em>(19).<\/p>\n<p>Am folgenden Morgen legte der Kanzler seinem Souver\u00e4n den Text der inzwischen zwei Tage alten serbischen Antwort-Note auf den Tisch:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>\u201eEine brillante Leistung f\u00fcr eine Frist von 48 Stunden\u201c<\/em>, vermerkte Wilhelm II., <em>\u201edas ist mehr, als man erwarten konnte! Damit f\u00e4llt jeder Kriegsgrund fort, Giesl h\u00e4tte ruhig in Belgrad bleiben sollen! Darauf h\u00e4tte ich niemals Mobilmachung befohlen!\u201c<\/em>(20).<\/p>\n<p>Unverz\u00fcglich lie\u00df Wilhelm II. daraufhin seinen Generaladjutanten Plessen an den Chef des Generalstabes, Moltke, telegrafieren, dass f\u00fcr \u00d6sterreich-Ungarn jeder Anlass zum Krieg fortfalle. Hier hat sich der Kaiser, beseelt vom Wunsch nach Frieden, vom diplomatischen Meisterst\u00fcck aus Belgrad wohl einfangen lassen! Dabei scheint ihm der ambivalente Charakter mancher Teilantworten nicht aufgefallen zu sein. Er scheint auch \u00fcbersehen zu haben, dass Serbien drei Stunden nach Ablauf des Ultimatums &#8211; also um 21.00 Uhr &#8211; zur Mobilmachung schritt. Erst um 24.00 Uhr folgte \u00d6sterreich-Ungarns Mobilmachung.<\/p>\n<p>Der deutsche Botschafter in Paris hatte am 24. Juli 1914 dem kommissarischen Leiter des Au\u00dfenministeriums am Quai d\u00b4Orsay eine Note verlesen, mit der die deutsche Reichsleitung ihrer Forderung nach einer Lokalisierung des Konflikts zwischen der Habsburgermonarchie und Serbien Ausdruck gab. <em>\u201eWir w\u00fcnschen dringend die Lokalisierung\u201c, <\/em>hatte sich Bethmann Hollweg in dieser Adresse vernehmen lassen<em>, \u201eweil jedes Eingreifen einer anderen Macht infolge der verschiedenen B\u00fcndnisverpflichtungen unabsehbare Konsequenzen nach sich ziehen w\u00fcrde\u201c<\/em>.(21) Als diese Demarche des deutschen Botschafters Freiherr von Schoen Poincar\u00e9 am 25. Juli 1914 bekannt wurde, hatte er sie umgehend als eine <em>\u201ekaum verh\u00fcllte Drohung\u201c<\/em> (22) bewertet. Am Morgen des 27. Juli 1914 erreichte Poincar\u00e9 &#8211; nun an Bord der <em>&#8222;France&#8220;<\/em> &#8211; ein Telegramm, wonach der britische Au\u00dfenminister Sir Grey, dem Bethmann Hollwegs Note am 25. Juli 1914 zur Kenntnis gebracht wurde, sich von dieser <em>\u00bbDrohung\u00ab<\/em> nicht sonderlich beeindruckt zeigte, sondern dem deutschen Botschafter zu verstehen gab, dass \u201e\u2026<em>wenn der Krieg auszubrechen drohe, keine Macht in Europa davon unber\u00fchrt bleiben k\u00f6nne\u201c<\/em>;\u00a0 er habe gegen\u00fcber dem russischen Botschafter bekr\u00e4ftigt, dass <em>\u201e\u2026er keinen Zweifel an der wahrscheinlichen [Kriegs- W.E.]Teilnahme Englands hegt\u201c<\/em>.(23)<\/p>\n<p>In ihrer Antwort unterbreiteten die Serben den Vorschlag, das internationale Gericht in Den Haag oder die Gro\u00dfm\u00e4chte &#8211; die an der Ausarbeitung der von der serbischen Regierung am 31. M\u00e4rz 1909 abgegebenen Erkl\u00e4rung mitgewirkt haben &#8211; mit einem Schiedsverfahren zu betrauen. Als der Zar das serbische Ansinnen bekr\u00e4ftigte, instruierte der Reichskanzler den deutschen Botschafter in St. Petersburg, dass ein Schiedsverfahren nat\u00fcrlich in diesem Falle ausgeschlossen sei. Das brachte der deutschen Regierung den Vorwurf ein, ausschlie\u00dflich in Machtbegriffen zu denken. Dagegen verwahrte sich der Reichstagsausschuss und verwies auf die Erfahrung Deutschlands, dass es in zwei wichtigen F\u00e4llen mit England und den USA die Erfahrung gemacht habe, \u201e\u2026<em>dass diese beiden Schl\u00fcsselstaaten die Schiedsvertr\u00e4ge nicht nach Treu und Glauben einhielten, sondern sich dem Schiedsverfahren durch Hinweise auf nationale Rechtsvorg\u00e4nge und Verfassungsschwierigkeiten entz\u00f6gen\u201c(24).<\/em> \u00c4hnlich negative Erfahrungen hatten Chile und Italien mit Amerika gemacht. Auch konnte ein schweizerisch-italienischer Zwischenfall nicht schiedsgerichtlich gel\u00f6st werden(25).<\/p>\n<p>Noch entt\u00e4uschender waren hingegen Deutschlands Erfahrungen mit einer Seekriegsrechts-Konferenz in London. Sie war als Gegenst\u00fcck zur vierten Haager Konvention (1908\/09) \u00fcber das Kriegsrecht abgehalten worden. Einstimmig wurde damals eine Seekriegsrechts-Erkl\u00e4rung angenommen, welche in der Tat die Handlungsfreiheit des &#8222;Beherrschers der See&#8220; stark beeintr\u00e4chtigte &#8211; ebenso wie die Macht des deutschen Heeres durch die vorangegangene Konvention \u00fcber den Landkrieg geschm\u00e4lert wurde.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Deutschland den Vertrag ratifizierte, zog England die Verhandlungen in die L\u00e4nge und unterlie\u00df es, bis zum Kriegsbeginn die Vereinbarungen zu ratifizieren.\u00a0 Daher kommt der Weigerung Englands, den Seekrieg v\u00f6lkerrechtlich zu regeln, erhebliche Bedeutung zu.(26)<\/p>\n<p>Aus heutiger Sicht mag es nicht sonderlich klug gewesen sein, angesichts der Gefahr des Mehrfrontenkrieges auf die schiedsgerichtlichen M\u00f6glichkeiten ver\u00adzichtet zu haben, zumal laut Christopher Clark (\u201eDie Schlafwandler\u201c) damals in Europa sowohl Institutionen als auch akzeptierte Rechtsnormen f\u00fcr eine internationale Behandlung von Konflikten fehlten. Besonders auff\u00e4llig schien Clark auch die Tendenz der Entente-M\u00e4chte, \u00d6sterreich-Ungarn abzuschreiben.(27) Aber auch die Angst, durch eine Verz\u00f6gerung ins Hintertreffen zu geraten und dadurch die einzige Trumpfkarte &#8211; die milit\u00e4rische Schnelligkeit &#8211; zu verlieren, mag angesichts der gegnerischen \u00dcberlegenheit ausschlaggebend gewesen sein.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zum sp\u00e4ten Nachmittag des 27. Juli 1914. Gegen 17.00 Uhr fand sich der bulgarische Gesandte Tschapratschikoff bei Pa\u0161i\u0107 ein, der ihm er\u00f6ffnete, dass die Lage gef\u00e4hrlich sei, er aber aus Petersburg die Nachricht habe, <em>\u201e\u2026da\u00df Russland entschlossen unseren Schutz \u00fcbernommen hat\u201c. <\/em>Frankreich sei mit Ru\u00dfland solidarisch und<em> \u201eEngland w\u00fcnscht sehr, dass der Krieg vermieden werde. Wenn er erkl\u00e4rt wird, wird es nicht neutral bleiben, es wird sich einmischen\u201c.(28)<\/em> Im weiteren Gespr\u00e4ch stellte Pa\u0161i\u0107 f\u00fcr den B\u00fcndnisfall den Bulgaren <em>&#8222;gute Folgen&#8220;<\/em> in Aussicht und unterstrich die g\u00fcnstige Lage Serbiens unter den europ\u00e4ischen M\u00e4chten.<\/p>\n<p>Am Morgen des 28. Juli 1914 proklamierte Kaiser Franz Joseph (1830-1916) aus seiner Villa in Bad Ischl die Kriegserkl\u00e4rung an Serbien: <em>\u201eAn Meine V\u00f6lker! Es war Mein sehnlichster Wunsch, die Jahre, die Mir durch Gottes Gnade noch beschieden sind, Werken des Friedens zu weihen und Meine V\u00f6lker vor den schweren Opfern und Lasten des Krieges zu bewahren. Im Rate der Vorsehung ward es anders beschlossen. <\/em><em>Die Umtriebe eines hasserf\u00fcllten Gegners zwingen Mich &#8211; zur Wahrung der Ehre Meiner Monarchie, zum Schutze ihres Ansehens und ihrer Machtstellung und zur Sicherung ihres Besitzstandes &#8211; nach langen Jahren des Friedens wieder zum Schwerte zu greifen<\/em>.\u201c(29) In der Tat: Seit 1871, dem Jahr der Proklamation des deutschen Kaisers in Versailles, f\u00fchrten Deutschland wie auch \u00d6sterreich-Ungarn im Gegensatz zu ihren Nachbarn keine imperialen Kriege:<\/p>\n<ul>\n<li>1877-1878 Russisch-Osmanischer Krieg<\/li>\n<li>1878-1880 Zweiter Britisch-Afghanischer Krieg<\/li>\n<li>1880-1881 Erster Krieg der Briten gegen die Buren<\/li>\n<li>1882: Britisch-\u00c4gyptischer Krieg<\/li>\n<li>1884-1885 Franz\u00f6sisch-Chinesischer Krieg<\/li>\n<li>1885-1886 Serbisch-Bulgarischer Krieg<\/li>\n<li>1885-1886 Dritter Britisch-Birmanischer Krieg<\/li>\n<li>1894-1895 Erster Japanisch-Chinesischer Krieg<\/li>\n<li>1897: T\u00fcrkisch-Griechischer Krieg<\/li>\n<li>1898: Krieg der USA gegen Spanien<\/li>\n<li>1899-1902 Krieg der USA gegen Philippinen<\/li>\n<li>1899-1902 Zweiter Krieg der Briten gegen die Buren<\/li>\n<li>1900: Russisch-Chinesischer Krieg<\/li>\n<li>1903-1904 Britischer Tibet-Feldzug<\/li>\n<li>1904-1905 Russisch-Japanischer Krieg<\/li>\n<li>1911-1912 Italienisch-T\u00fcrkischer Krieg und<\/li>\n<li>1912-1913 Balkankriege<\/li>\n<\/ul>\n<p>So wundert es nicht, dass der Deutsche Kaiser Wilhelm II. im Fr\u00fchjahr 1913 anl\u00e4sslich seines 25-j\u00e4hrigen Thronjubil\u00e4ums weltweit als Friedensstifter gefeiert wurde. W\u00e4hrend die Balkankrise die europ\u00e4ische Diplomatie in Atem hielt, bereitete sich Berlin Anfang Juni 1913 auf ein gro\u00dfes politisches Ereignis vor: Die viert\u00e4gigen Feierlichkeiten zum 25-j\u00e4hrigen Thronjubil\u00e4um von Wilhelm II.\u00a0 Auf der Titelseite der<em> \u201eAllgemeinen Zeitung des Judentums\u201c <\/em>hob deren Herausgeber<em>, <\/em>Ludwig Geiger die 25 Regierungsjahre des Kaisers als eine Zeit gesegneten Friedens hervor. Geiger stellte ihn als leuchtendes Beispiel unerm\u00fcdlicher, vielseitiger T\u00e4tigkeit hin und ging auch auf seine Reden ein. Sie seien<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>\u201e\u2026von einem ungeheuren Schwung, oft von einer elementaren Kraft und bezeugen ein hei\u00dfbl\u00fctiges Temperament, das &#8211; wie es in dem Wesen einer solchen Eigenart liegt &#8211; gelegentlich auch zu Entgleisungen und Ausschreitungen f\u00fchrt\u201c.<\/em>(30)<\/p>\n<p>Besonders gew\u00fcrdigt wurden der unerm\u00fcdliche Einsatz des Kaisers f\u00fcr die Sozialreform und hier der nationale Arbeiterschutz. Es sei des Kaisers fester Wille,<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>\u201e\u2026dass die Gesetzgebung auf dem Gebiete der sozialpolitischen F\u00fcrsorge nicht ruhe und auf den Schutz und das Wohl der Schwachen und Bed\u00fcrftigen fortgesetzt bedacht sei\u201c<\/em>. Im kurzen R\u00fcckblick wurde konstatiert<em>, \u201e\u2026dass Preu\u00dfen und Deutschland eine f\u00fchrende Rolle in der Welt spielen, zwar viel beneidet und angefeindet, nicht \u00fcberall geliebt, vielleicht auch manchmal befehdet und zur\u00fcckgedr\u00e4ngt, aber dass es im allgemeinen mit Stolz auf die Vergangenheit sehen und mit Ruhe, wenn sich auch in sie gelegentlich Bangigkeit einmischt, der Zukunft entgegensehen kann\u201c<\/em>.(31)<\/p>\n<p>Von US-Pr\u00e4sident Wilson lag ein Gratulationstelegramm vor:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>\u201eIn der aufrichtigen Hoffnung, dass eine lange Dauer Eurer Majest\u00e4t segensreicher, friedlicher Regierung dem gro\u00dfen deutschen Volke wachsenden Segen bringen m\u00f6ge, bringe ich Euer Majest\u00e4t die herzlichsten Gl\u00fcckw\u00fcnsche der Regierung und des Volkes zum 25j\u00e4hrigen Tage von Euer Thronbesteigung dar\u201c<\/em>.(32)<\/p>\n<p>In der Ergebenheitsadresse der englischen Kirchen betonte Bischof Boyd Carpenter den au\u00dfergew\u00f6hnlichen Fortschritt in der materiellen, moralischen und intellektuellen Wohlfahrt des deutschen und seines eigenen Volkes, um dann festzustellen:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>\u201eEin solcher Fortschritt ist nur m\u00f6glich, wenn die V\u00f6lker frei sind von den Besorgnissen und St\u00f6rungen des Krieges, und wir erkennen es mit Dankbarkeit an, dass die Erhaltung des europ\u00e4ischen Friedens n\u00e4chst Gott in nicht geringem Ma\u00dfe auf den fr\u00fch gebildeten und unerm\u00fcdlich festgehaltenen Entschluss Eurer Majest\u00e4t zur\u00fcckzuf\u00fchren ist, die Segnungen des Friedens zu f\u00f6rdern und zu erhalten\u201c<\/em>.(33)<\/p>\n<p>Das sollte sich in diesen Jahren jedoch als \u00e4u\u00dferst schwierig erweisen.<\/p>\n<p>Nachdem \u00d6sterreich-Ungarn Serbien den Krieg erkl\u00e4rt hatte, telegraphierte der deutsche Kaiser an den Zaren Nikolaus II., seinen ganzen Einfluss einzusetzen, um \u00d6sterreich-Ungarn dazu zu bewegen, eine offene und befriedigende Verst\u00e4ndigung mit Russland anzustreben.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>\u201eIch hoffe zuversichtlich, dass Du mich in allen meinen Bem\u00fchungen, alle Schwierigkeiten, die noch entstehen k\u00f6nnen, zu beseitigen, unterst\u00fctzen wirst. Dein sehr aufrichtiger und ergebener Freund und Vetter, gez. Wilhelm\u201c.<\/em>(34)<\/p>\n<p>In seiner Antwort bat der Zar seinen Vetter Wilhelm II., alles M\u00f6gliche zu tun, um den Bundesgenossen zur\u00fcckzuhalten. Umgehend informierte Kaiser Wilhelm II. dann den Zaren von seinen Umstimmungsversuchen in Wien.<\/p>\n<p>Sobald die \u00f6sterreichische Kriegserkl\u00e4rung an Serbien an die Festung L\u00fcttich gedrahtet war, befahl der Gouverneur von L\u00fcttich, General Leman, Alarm auszul\u00f6sen und die ihm anvertraute Festung in den Verteidigungsstand zu versetzen. Dazu wurde das Schussfeld frei gemacht, die Minenkammern der zur Sprengung vorgesehenen Tunnel, Eisenbahn- und Stra\u00dfenbr\u00fccken geladen und die von Aachen \u00fcber Herve nach L\u00fcttich f\u00fchrende Stra\u00dfe mit Hindernissen versehen.<\/p>\n<p>Am Nachmittag des 28. Juli 1914 gab der 39j\u00e4hrige Marineminister Winston Churchill Order an die Flotte, sich unter gr\u00f6\u00dfter Geheimhaltung auf Gefechtsstand nach Scapa Flow auf die n\u00f6rdlichen Orkney-lnseln zu begeben. Gegen Mitternacht schrieb er aus der Admiralty noch ein paar Zeilen an seine Frau Clementine, die gerade mit den beiden Kindern Diana und Randolph ein Feriendomizil an der See in Nordfolk bezogen hatte:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>\u201e28 July Midnight \/ My darling One &amp; beautiful &#8211; Alles treibt auf Katastrophe und Zusammenbruch zu. Ich bin interessiert, in vollem Gang und gl\u00fccklich. Ist es nicht schrecklich, so gebaut zu sein? Die Vorbereitungen \u00fcben auf mich eine widerliche Faszination aus. Ich bete zu Gott, dass er mir solche furchtbaren Anwandlungen der Leichtigkeit verzeiht\u201c.(35)<\/em><\/p>\n<p>Gl\u00fccklich im Angesicht der Katastrophe? Als Korrespondent im Burenkrieg hatte Churchill den modernen Krieg und dessen Vernichtungskraft bereits mit eigenen Augen erleben k\u00f6nnen. Auch musste ihm nach dieser Erfahrung bewusst sein, dass im neuzeitlichen Krieg Zivil-personen dem Krieg nicht mehr entfliehen konnten. In der Nacht auf den 29. Juli 1914 versuchte der deutsche Reichskanzler Bethmann Hollweg Englands Absicht f\u00fcr den Fall auszuloten, dass sich der Balkankonflikt auf Frankreich und Deutschland ausweiten sollte. Dem englischen Botschafter in Berlin, Sir Goschen, erkl\u00e4rte Bethmann Hollweg, dass Deutschland mit England Frieden halten wolle und im Falle einer Ausweitung des Krieges auf Frankreich keine Gebietserwerbungen auf Kosten Frankreichs beabsichtige.<\/p>\n<h5>Mittwoch, 29. Juli 1914: Grey setzt sein Doppelspiel fort<\/h5>\n<p>In seiner ersten Unterredung beteuerte Bethmann Hollweg dem englischen Botschafter Goschen erneut den deutschen Friedenswillen und unterrichtete Goschen im tiefsten Vertrauen \u00fcber die kaiserliche Note nach Wien mit dem geforderten <em>&#8222;Halt in Belgrad&#8220;<\/em>. Fritz Fischer (<em>\u201eDeutschlands Griff zur Weltmacht\u201c<\/em>) will hier lediglich erkennen, dass Berlin damit nur <em>\u201eden Eindruck zu erwecken suchte, er wirke stark bremsend auf Wien ein\u201c.<\/em>(36)<\/p>\n<p>Nach Bethmann Hollwegs Vorsto\u00df informierte der britische Au\u00dfenminister Sir Grey den deutschen Botschafter in London, F\u00fcrst Karl Max Lichnowsky, und teilte ihm mit, dass sein Land gedenke, nur solange neutral zu bleiben, wie sich der Krieg auf Russland und \u00d6sterreich beschr\u00e4nke. Sollten aber Deutschland und Frankreich in diesen Krieg hineingezogen werden, k\u00f6nne England nicht mehr lange abseits stehen.(37) Das war die erste leise Drohung an die Adresse Deutschlands und die zweite seit dem Jahr 1911.<\/p>\n<p>Grey, der britische Gentleman, versuchte noch, dem deutschen Botschafter F\u00fcrst Lichnowsky die Augen zu \u00f6ffnen:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>\u201eEr solle sich durch den freundschaftlichen Ton der Unterhaltung nicht \u00fcber den Weg t\u00e4uschen lassen, den die britischen Interessen nehmen w\u00fcrden\u201c.<\/em>(38)<\/p>\n<p>Gleichzeitig instruierte Grey den franz\u00f6sischen Botschafter in London, Paul Cambon verklausuliert \u00fcber den Umfang der britischen Interessen bei einem Kampf um die Hegemonie von Europa. Auf diskrete Weise erfuhr nun Frankreich, \u201e\u2026<em>dass es im Streit der Russen, \u00d6sterreicher und Serben freie Fahrt zum Krieg mit Deutschland hat\u201c.(39)<\/em> Es kann sich &#8211; das dr\u00fcckt Grey so aus &#8211; getrost in einen Krieg <em>&#8222;hineinziehen&#8220;<\/em> lassen.<\/p>\n<p>Sp\u00e4t in der Nacht vom 29. auf den 30. Juli 1914 versuchte Bethmann Hollweg \u00fcber den britischen Botschafter Goschen England auf den Abschluss eines zuk\u00fcnftigen allgemeinen Neutralit\u00e4tsabkommens festzulegen. Dazu versicherte er dem britischen Botschafter:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>&#8222;Wir k\u00f6nnen dem englischen Kabinett &#8211; voraussetzlich dessen neutraler Haltung &#8211; versichern, dass wir selbst im Falle eines siegreichen Krieges keine territoriale Bereicherung auf Kosten Frankreichs in Europa anstreben\u201c<\/em>.(40)<\/p>\n<p>Weiter erkl\u00e4rte sich der deutsche Kanzler bereit, die Neutralit\u00e4t und Integrit\u00e4t Hollands zu achten, falls die Gegner Deutschlands sie ebenfalls <em>&#8222;respektieren&#8220;<\/em> w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Es war von Berlin \u00e4u\u00dferst naiv, zu hoffen, dass ein dritter Balkankrieg ebenso zu begrenzen sei wie die zwei davor. Mit Deutschland als B\u00fcndnispartner von \u00d6sterreich-Ungarn hatte die Krise von Anfang an einen europ\u00e4ischen Charakter angenommen, bei dem die Weltmacht Gro\u00dfbritannien unter anderem daf\u00fcr sorgen musste, dass sich auf dem Kontinent keine Hegemonialmacht bildete.<\/p>\n<p>Am Nachmittag des 30. Juli 1914 meldete der britische Botschafter in Wien, Maurice de Bunsen, an Grey den Inhalt eines von ihm als geheim eingestuften Gespr\u00e4chs zwischen dem serbischen Gesandten Jowanowitsch und dem franz\u00f6sischen Botschafter. Der serbische Gesandte \u00e4u\u00dferte, dass die Zeit f\u00fcr Serbien arbeite. Die s\u00fcdslawischen Provinzen seien innerhalb von drei Jahren bereit, sich gegen \u00d6sterreich-Ungarn zu erheben, ohne dass <em>\u201eSerbien auch nur den kleinen Finger zu r\u00fchren brauche\u201c.<\/em>(41) So habe sich \u00d6sterreich zum Krieg entschlossen, von dem es anscheinend durch nichts abgehalten werden k\u00f6nne.<\/p>\n<p><em>\u201eNach Ansicht des franz\u00f6sischen Botschafters geht daraus hervor, dass der Konflikt nicht Folge deutscher Anstiftung ist; auch gehe nicht unbedingt daraus hervor, dass Deutschland europ\u00e4ischen Krieg w\u00fcnscht, wie viele in Frankreich glauben\u201c.<\/em>(42)<\/p>\n<p>Als erster erfuhr Pal\u00e9ologue am 29. Juli 1914 um 23.00 Uhr von der allgemeinen russischen Mobilmachung durch den stellvertretenden Direktor im Ministerium des \u00c4u\u00dferen, Basily. 13 Armeekorps waren gegen \u00d6sterreich-Ungarn mobilisiert und heimlich war die allgemeine Mobilisierung befohlen worden. Das bedeutete Krieg! <em>\u201eIch bin der Ansicht\u201c, <\/em>so Pal\u00e9ologue zu Basily,<em> \u201e\u2026dass der russische Generalstab keine Ma\u00dfnahmen ergreifen sollte, ohne sich dar\u00fcber vorher mit dem franz\u00f6sischen verst\u00e4ndigt zu haben\u201c.<\/em>(43) Pal\u00e9ologues Mahnung zur Vorsicht gegen\u00fcber Sasonow hatte offenbar keine Fr\u00fcchte getragen.<\/p>\n<h5>Donnerstag, 30. Juli 1914<\/h5>\n<p>In ihrem Leitartikel schrieb an diesem Tag die Londoner Times: <em>\u201eEs ist ein offenes Geheimnis, dass Deutschland sein M\u00f6glichstes tut, um den Draht zwischen der russischen und der \u00f6sterreichischen Hauptstadt wieder anzukn\u00fcpfen &#8211; to restore the wire\u201c<\/em>.(44)<\/p>\n<p>W\u00e4hrend in Russland die Befehle f\u00fcr die Generalmobilmachung ausgefertigt wurden, tele-grafierte der Zar an Kaiser Wilhelm II:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>\u201eDie milit\u00e4rischen Ma\u00dfnahmen, die jetzt in Kraft getreten sind, wurden vor f\u00fcnf Tagen, also am 25. Juli 1914, zum Zwecke der Verteidigung wegen der Vorbereitung \u00d6sterreichs (gegen Serbien!) getroffen<\/em>\u201c.(45)<\/p>\n<p>Nur Stunden sp\u00e4ter kl\u00e4rte der russische Kriegsminister Suchomlinow den Zaren dahingehend auf, dass eine R\u00fccknahme der am 30. Juli 1914 um 18.00 Uhr angeordneten Gesamtmobil-machung technisch unm\u00f6glich sei und Frankreich noch am gleichen Tag Waffenhilfe f\u00fcr Russland zugesichert habe. Daraufhin schrieb Nikolaus seinem Vetter:<\/p>\n<p><em>\u201eIch danke Dir von Herzen f\u00fcr Deine Vermittlung, die eine Hoffnung aufleuchten l\u00e4sst, dass noch alles friedlich enden k\u00f6nnte. Es ist technisch unm\u00f6glich, unsere milit\u00e4rischen Vorkehrungen einzustellen, die durch \u00d6sterreichs Mobilisierung notwendig geworden sind\u201c<\/em>.(46)<\/p>\n<p>An diesem hilflosen Schreiben des Zaren an seinen Vetter in Berlin wird deutlich, dass Nikolaus II. nur Spielball der administrativen Kr\u00e4fte war. Damit teilte er das Schicksal seines Vetters in Berlin.\u00a0 Aus einer l\u00e4ngeren Randbemerkung zur Depesche des deutschen Botschafters in Peters-burg vom 30. Juli 1914 l\u00e4sst sich die Stimmung Wilhelms II. ablesen:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">\u201e<em>Also die ber\u00fchmte \u201aEinkreisung\u2018 Deutschlands ist nun doch endlich zur vollsten Tatsache geworden, trotz aller Versuche unserer Politiker und Diplomaten, sie zu hindern. Das Netz ist uns pl\u00f6tzlich \u00fcber dem Kopf zugezogen worden und hohnl\u00e4chelnd hat England den gl\u00e4nzendsten Erfolg seiner beharrlich durchgef\u00fchrten puren antideutschen Weltpolitik &#8211; gegen die wir uns machtlos erwiesen haben -\u201aindem es uns, isoliert im Netze zappelnd aus unserer Bundestreue zu \u00d6sterreich den Strick zu unserer politischen und \u00f6konomischen Vernichtung dreht. Eine gro\u00dfartige Leistung, die Bewunderung erweckt selbst bei dem, der durch sie zugrunde geht\u201c.(47)<\/em><\/p>\n<p>Waren dem deutschen Kaiser, Sohn der Royal Highness Victoria Adelaide und Lieblingsenkel der Queen Victoria, bef\u00f6rdert zum Field Marshall der British Army und Admiral der Britisch Navy, die Vorg\u00e4nge in England bis dahin verborgen geblieben? Hatte er die englische Politik der <em>&#8222;Balance of Power&#8220;<\/em>, die auf dem Kontinent keine Freunde, sondern jeweils wechselnde Partner f\u00fcr ihren Festlandsdegen suchte, nicht rechtzeitig durchschaut? Hatte er vergessen, dass England seit Elisabeth I. jede europ\u00e4ische Gro\u00dfmacht erfolgreich vernichtet hatte, so Spanien 1588, Holland 1654 und Frankreich 1763? Wie konnte sich der deutsche Kaiser derart von der englischen Regierungsb\u00fcrokratie einwickeln lassen? In dieser Beziehung muss das Verhalten des deutschen Kaisers wohl als ziemlich naiv und wenig verantwortungsvoll bezeichnet werden. Man kann nur vermuten, dass ihn die positive famili\u00e4re Bindung an das englische K\u00f6nigshaus f\u00fcr die raffinierte geostrategische Politik der englischen Administration blind gemacht hatte &#8211; er konnte es sich schlichtweg nicht vorstellen. Zus\u00e4tzlich war er offensichtlich in gr\u00f6\u00dferen milit\u00e4risch-strategischen Zusammenh\u00e4ngen nicht bewandert genug, denn er besch\u00e4ftigte sich lieber akribisch mit den Entw\u00fcrfen seiner von vornherein wirkungslosen Kriegsflotte, um der drohenden Gefahr f\u00fcr Deutschland zu begegnen. Wie dem auch sei &#8211; Wilhelm II. vers\u00e4umte es an diesem schicksalsschweren Krisentag, die T\u00e4tigkeiten von Kabinett und Milit\u00e4r zu b\u00fcndeln und den Chef des Generalstabs, General von Moltke, auf seine Friedens-Linie einzuschw\u00f6ren.(48) Dieser dr\u00e4ngte im Bann der aufziehenden milit\u00e4rischen Gefahr f\u00fcr Deutschland seinen \u00f6sterreichischen Kameraden, General von H\u00f6tzendorf, die allgemeine Mobilmachung zu beschleunigen. Einen gegenl\u00e4ufigen Impuls gibt am gleichen Tag der deutsche Kanzler dem \u00f6sterreichischen Au\u00dfenminister Graf Berchtold. Er r\u00e4t ihm dringend vom Krieg gegen Serbien ab.<\/p>\n<p>Am Abend des 30. Juli 1914 war die \u00f6sterreichisch-ungarische Regierung bereit, den deutschen Vorschl\u00e4gen zur De-Eskalierung weitgehend entgegenzukommen. Doch die russische Gesamtmobilmachung machte jede weitere deutsche Vermittlungst\u00e4tigkeit obsolet.(49) Inzwischen hatte Frankreich die Mobilmachung des Grenzschutzes befohlen und Deutschland die <em>&#8222;Sicherung&#8220;<\/em> f\u00fcr die Flotte angeordnet.<\/p>\n<p>Am fr\u00fchen Morgen des 31. Juli 1914 prangten an allen Stra\u00dfenecken in Petersburg die Mobilmachungsanschl\u00e4ge. Nun war jeder Zweifel ausgeschlossen. Der deutsche Botschafter Pourtales meldete diesen Schritt nach Berlin und bem\u00fchte sich nach Kr\u00e4ften um die R\u00fccknahme des Mobilmachungsbefehls. Doch ohne Erfolg. Vielmehr versuchte die russische Regierung, diesen Schritt vor dem Ausland zu verschleiern. So erkl\u00e4rte der britische Premier Asquith am 31. Juli 1914 im Unterhaus:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">\u201e<em>Wir haben soeben, nicht aus Petersburg, sondern aus Deutschland erfahren, dass Russland eine allgemeine Mobilmachung seines Heeres und seiner Flotte verk\u00fcndet hat.\u201c(50)<\/em><\/p>\n<p>Mit der Bitte, die von ihm aufgenommenen Vermittlungsaktivit\u00e4ten zwischen Russland und \u00d6sterreich-Ungarn nicht durch weitere Kriegsvorbereitungen an der \u00f6stlichen Grenze zu gef\u00e4hrden, wandte sich Wilhelm II. an Nikolaus II.<\/p>\n<p>Er w\u00e4re sonst zu defensiven Gegenma\u00dfnahmen gezwungen. Diese Bitte endete mit einem letzten Appell, alle Deutschland bedrohenden Milit\u00e4rma\u00dfnahmen einzustellen.(51)<\/p>\n<p>Telegramm an die Badische Presse vom 31. Juli 1914 12 Uhr 10(52)<\/p>\n<p>\u00d6sterreich-Ungarn hatte in den Morgenstunden den Grenzschutz gegen Ru\u00dfland und um 12.23 Uhr die Gesamtmobilmachung befohlen. Da Petersburg auf die deutschen diplomatischen Bem\u00fchungen nicht mehr reagierte, forderte Berlin in einem auf zw\u00f6lf Stunden befristeten Ultimatum Russland auf, seine Kriegsma\u00dfnahmen einzustellen.(53) Gleichzeitig wurde f\u00fcr das Deutsche Reich die <em>&#8222;Drohende Kriegsgefahr&#8220;<\/em> verk\u00fcndet. Diese Ma\u00dfnahme l\u00f6ste schon fieberhafte Aktivit\u00e4ten aus.<\/p>\n<p>Der amerikanische Diplomat und Historiker George Kennan hat den gef\u00e4hrlichen Automatismus der russisch-franz\u00f6sischen Milit\u00e4rkonvention beleuchtet: Sobald eine der Dreibundm\u00e4chte ihre Streitkr\u00e4fte mobilisieren w\u00fcrde, sollten Frankreich und Russland zur Gesamtmobilmachung \u00fcbergehen; Mobilmachung und Er\u00f6ffnung der Kriegshandlungen aber sollten faktisch identisch sein. Die in der Milit\u00e4rkonvention vorgesehene Verklammerung von Mobilmachung und Kriegsbeginn verschaffte, so Kennan, den russischen Milit\u00e4rs die M\u00f6glichkeit, <em>\u201e\u2026einen gro\u00dfen europ\u00e4ischen Krieg zu entfesseln, wann immer es ihnen in den Kram passte\u201c.<\/em>(54)<\/p>\n<p>Doch f\u00fcr die damaligen Zeitgenossen bedeutete eine Gesamtmobilmachung Krieg. Bei den franz\u00f6sisch-russischen Verhandlungen \u00fcber die Milit\u00e4rkonvention mit Zar Alexander III. hatte der franz\u00f6sische General Boisdeffre am 18. August 1892 erkl\u00e4rt, dass die Mobilmachung einer Kriegserkl\u00e4rung gleichkomme. Mobilisieren hei\u00dfe, seinen Gegner zwingen, das Gleiche zu tun. Mit der Mobilmachung wird ein gigantisches R\u00e4derwerk in Gang gesetzt. Strategische Transporte rollen an und Truppen werden zusammengezogen &#8211; an der ostpreu\u00dfischen Grenze damals zwei russische Armeen &#8211; also etwa eine Million Mann.<\/p>\n<p>Der amerikanische Neuzeithistoriker William Leonard Langer (1896-1977), der sich speziell mit der Vorgeschichte des Ersten Weltkriegs befasst hat, kommt heute zu einem \u00e4hnlichen Schluss.\u00a0In einem Interview vom 29. September 2013 antwortete er auf den Verweis des F.A.Z. Journalisten Andreas Kilb zur Logik des deutschen Generalstabs:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>&#8222;<strong>Wir m\u00fcssen jetzt die Russen schlagen, damit wir nicht in drei Jahren von ihnen geschlagen werden. <\/strong>In Deutschland gibt es seit dem Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieg ein spezielles Trauma, das sich in jeder Generation erneuert: das Gef\u00fchl, durch die Lage in der Mitte Europas fremden Invasoren gegen\u00fcber verletzlich zu sein. Der Rest ist schiere Mathematik. Die franko-russische Allianz ist das aggressivste B\u00fcndnis auf dem europ\u00e4ischen Kontinent. Es existiert nur, um gemeinsam Krieg gegen eine dritte Macht zu f\u00fchren: das Deutsche Reich. Wenn die Deutschen sich ausrechnen, wie viele Soldaten dieses B\u00fcndnis gegen sie aufbieten kann, w\u00e4chst der Abstand mit jedem Jahr.\u201c(55)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Wolfgang Effenberger ist Mitglied des Deutschen Freidenker-Verbandes und seines Beirats<\/em><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\">Demn\u00e4chst folgt Teil 4: <a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=19803\">Das Abendland marschiert in den Abgrund<\/a><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Anmerkungen und Quellen<\/strong><\/p>\n<p>1) Effenberger\/Wimmer 2014, S. 178\/179<\/p>\n<p>2) Richard Kralik: Geschichte des V\u00f6lkerkrieges (1914-1919), Paderborn 1923, S. 24<\/p>\n<p>3) Boghitschewitsch 1929, Bd. II, S. 546<\/p>\n<p>4) Ebenda<\/p>\n<p>5) Zitiert nach Berliner Monatshefte, XIV. Jahrg., 1936, S. 292 f.<\/p>\n<p>6) Zitiert nach Possony S. 234; siehe auch Paleologue, a. a. O., S. 251<\/p>\n<p>7) Janusz Piekalkiewicz: Der Erste Weltkrieg, D\u00fcsseldorf\/Wien 1988, S. 22Piekalkiewicz, S. 28<\/p>\n<p>8) Pal\u00e9ologue in einem Telegramm vom 26. Juli 1914; siehe Pal\u00e9ologues Tagebuch, a. a. O., S. 250 sowie\u00a0 Bericht an den franz\u00f6sischen Senat &#8211; 704\/1919 &#8211; S. 39, 127.<\/p>\n<p>9) Possony, S. 233<\/p>\n<p>10) Unter <a href=\"http:\/\/www.forost.ungarisches-institut.de\/pdf\/19140722-1.pdf\">http:\/\/www.forost.ungarisches-institut.de\/pdf\/19140722-1.pdf<\/a><\/p>\n<p>11) Russell, Bertrand:\u00a0 Der Krieg, ein Kind der Furcht (deutsch von F. Beran), Z\u00fcrich 1915, S. 10 f.<\/p>\n<p>12) Sir Edward Grey am 24. Juli 1914 in einem Telegramm an Sir M. de Bunsen, Britische Dokumente Bd. I, Nr. 91, S. 123; vgl. dazu: Heinrich Jaenecke: \u00bbDas Attentat\u00ab, in: GeoEpoche, Nr. 14\/2004, S. 31, 32.<\/p>\n<p>13) Nach Piekalkiewicz aus rein <em>\u00bbdefensivem Charakter\u00ab <\/em>(S. 24), was die \u00d6sterreicher aber nicht wissen konnten oder wollten<\/p>\n<p>14) Janusz Piekalkiewicz: Der Erste Weltkrieg, D\u00fcsseldorf\/Wien 1988, S. 22Piekalkiewicz, S. 24.<\/p>\n<p>15) Wolfgang Effenberger\/ Konrad L\u00f6w: Pax americana, M\u00fcnchen 2004, S. 203<\/p>\n<p>16) Deutsche Dokumente Nr. 217<\/p>\n<p>17) B.W. von B\u00fclow: Die Grundlinien der diplomatischen Verhandlungen bei Kriegsausbruch, in &#8222;Die Deutschen Dokumente zum Kriegsausbruch&#8220;,\u00a0 F\u00fcnfter Band, hrsg. vom Ausw\u00e4rtigen Amt, Berlin o.J., S. 55<\/p>\n<p>18) Ebda.; Deutsche Allgemeine Zeitung vom 28. August 1919.<\/p>\n<p>19) B\u00fclow 1930\/31, S. 165<\/p>\n<p>20) Gerhart Binder: Epoche der Entscheidungen, Eine Geschichte des 20. Jahrhunderts, Stuttgart-Degerloch 1960, S. 42<\/p>\n<p>21) 176 Zit. Runderla\u00df Bethmann Hollwegs an Pourtal\u00e9s, Schoen, Lichnowsky, 21. 7. 1914, in Deutsche Dokumente (DD) 1, 100<\/p>\n<p>22) \u201emenace \u00e0 peine d\u00e9guis\u00e9e 177 Zit. Notes journali\u00e8res, in NL Poincar\u00e9, BNF, Nafr. 16027, fol. 115 (Eintrag vom 25. 7. 1914).<\/p>\n<p>23) Im Original: \u201eque si la guerre venait \u00e0 \u00e9clater aucune Puissance en Europe ne pourrait s\u00e9n d\u00e9sint\u00e9resser et a affirm\u00e9 \u00e0 l`Ambassadeur de Russie qu\u00edl n`avait pas laiss\u00e9 de doute sur la participation probable de l`Angleterre\u201c. 178 Zit. Bienvenu-Martin an Paul Cambon, Jules Cambon, Pal\u00e9ologue, Barr\u00e8re, Dumaine und Bapst, in: DDF 3, 11, 90. Vgl. Paul Cambon an Bienvenu-Martin, 25. 7. 1914, in DDF 3, 11, 58.<\/p>\n<p>24) Possony 1968, S. 73<\/p>\n<p>25) Die Vorgeschichte des Weltkrieges, a.a.O., Band V\/2, 5. 191 f.<\/p>\n<p>26) Possony 1968, S. 73<\/p>\n<p>27) Andreas Kilb:\u00a0 &#8222;Alle diese Staaten waren B\u00f6sewichte&#8220; vom 29. September 2013, Kilb im Gespr\u00e4ch mit Christopher Clark\u00a0 in &#8222;Aktuell Feuilleton&#8220; der F.A.Z. unter <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/-gqz-7hsa5\">http:\/\/www.faz.net\/-gqz-7hsa5<\/a> [3. Januar 2014]<\/p>\n<p>28) Bulgarisches Orangebuch Bd. I Nr. 218<\/p>\n<p>29) <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20140625111303\/http:\/www.onb.ac.at\/ausstellungen\/anmeinevoelker\/\">https:\/\/web.archive.org\/web\/20140625111303\/http:\/www.onb.ac.at\/ausstellungen\/anmeinevoelker\/<\/a><\/p>\n<p>30) <em>Allgemeine Zeitung des Judentums<\/em>, 77. Jahrgang, Nr. 24 vom 13. Juni 1913, Seite 1<\/p>\n<p>31) <em>Ebda.<\/em>, Seite 2<\/p>\n<p>32) Bayerische Staatszeitung, M\u00fcnchen, vom Montag, den 16. Juni 1913, S. 3<\/p>\n<p>33) Ebda., vom Mittwoch, den 18. Juni 1913, S. 2<\/p>\n<p>34) Zitiert aus: Stark, Hans-G\u00fcnther: In Europa gehen die Lichter aus. In: Deutsche Geschichte Nr. 71 3\/2004, S. 27 f.<\/p>\n<p>35) Thomas Kielinger und Florian Stark: Britischer Minister gibt Deutschen die Kriegsschuld, in DIE WELT vom 9. Januar 2014 unter <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article123683306\/Britischer-Minister-gibt-Deutschen-die-Kriegsschuld.html\">http:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article123683306\/Britischer-Minister-gibt-Deutschen-die-Kriegsschuld.html<\/a> [9.2.2014]<\/p>\n<p>36) Fritz Fischer: Jetzt oder nie &#8211; Die Julikrise 1914, vom 27.Mai 1964, in &#8222;DER SPIEGEL&#8220; unter <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/print\/d-46173734.html\">http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/print\/d-46173734.html<\/a> [20. Januar 2014]<\/p>\n<p>37) Gerhard Binder, Epoche der Entscheidungen, Eine Geschichte\u00a0 des 20. Jahrhunderts, Stuttgart-Degerloch 1960, S. 42<\/p>\n<p>38) Dietrich Sch\u00e4fer, 1916, S. 133<\/p>\n<p>39) Hermann Stegemann\u00a0: Geschichte des Krieges, I. Band, Stuttgart\/Berlin, 1917, S. 359; Rhonhof 2007, S. 60<\/p>\n<p>40) Fritz Fischer Spiegel 1964<\/p>\n<p>41) Britische Dokumente Bd. I, Nr. 265, S. 271<\/p>\n<p>42) Boghitschewitsch 1929, Bd. II, S. 560 u.a. Fu\u00dfnote 3)Im englischen Blaubuch von 1914 ist dieser Bericht unter Nr. 79 \u00fcbernommen.<\/p>\n<p>43) Pal\u00e9ologue, a. a. O., S. 257<\/p>\n<p>44) Montgelas, Glossen, S. 22.<\/p>\n<p>45) Deutsche Dokumente Nr. 390<\/p>\n<p>46) Pal\u00e9ologue, a. a. O., S. 257<\/p>\n<p>47) Reventlow 1940, S. 445<\/p>\n<p>48) Schultze-Rhonhof 2003, S. 45 f.<\/p>\n<p>49) Deutsche Dokumente Nr. 502, 503<\/p>\n<p>50) B\u00fclow Grundlinien S. 88, vgl. Wei\u00dfbuch Nr. 576\/ Nr. 518.<\/p>\n<p>51) Zitiert aus: Stark, Hans-G\u00fcnther: In Europa gehen die Lichter aus. In: Deutsche Geschichte Nr. 71 3\/2004, S. 27 f.<\/p>\n<p>52) &#8222;petersburg weicht \u2013 wiederholten \u2013 anfragen deutschlands aus . auch heut . es will nur gewehr bei fusz stehen . privater telegrammverkehr zwischen kaiser und zar trotz zunehmender kriegsspannung noch nicht abbruch gekommen = korrespondenzgesellschaft&#8220;<\/p>\n<p>53) B\u00fclow Grundlinien S. 88; Wei\u00dfbuch Nr. 490<\/p>\n<p>54) George F. Kennan, Die schicksalhafte Allianz. Frankreich und Russland am Vorabend des Ersten Weltkrieges, K\u00f6ln 1990, S. 337<\/p>\n<p>55) Andreas Kilb:\u00a0 &#8222;Alle diese Staaten waren B\u00f6sewichte&#8220; vom 29. September 2013, Kilb im Gespr\u00e4ch mit Christopher Clark\u00a0 in &#8222;Aktuell Feuilleton&#8220; der F.A.Z. unter <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/-gqz-7hsa5\">http:\/\/www.faz.net\/-gqz-7hsa5<\/a> [3. Januar 2014]<\/p>\n<hr \/>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\">Bild oben: Feldpostkarte von 1914: Beschie\u00dfung der Festung Reims<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 10pt;\">Bild: G.Garitan,\u00a0<a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/4.0\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">CC BY-SA 4.0<\/a><\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 10pt;\">Quelle:\u00a0<a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=38722678\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=38722678<\/a><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Teil 3: Diplomatische Winkelz\u00fcge pflastern den Weg in den Krieg<\/b><br \/>\n<b>Kommentar von\u00a0Wolfgang Effenberger<\/b><br \/>\nNach den l\u00e4rmend-ungest\u00fcmen russisch-franz\u00f6sischen Feiern in Petersburg beschleunigte sich die Fahrt in den Abgrund. Am 23. Juli 1914, dem Tag der Abreise des franz\u00f6sischen Staats-pr\u00e4sidenten Poincar\u00e9 und seines Ministerpr\u00e4sidenten Viviani aus Petersburg, \u00fcbergab um 18:00 Uhr der \u00f6sterreichische Gesandte Freiherr Wladimir Giesl von Gieslingen in Belgrad eine auf 48 Stunden befristete diplomatische Depesche mit 10-Punkten. Darin forderte \u00d6sterreich-Ungarn von Serbien, alle serbisch-nationalistischen Aktivit\u00e4ten sofort zu beenden und die Verantwortlichen des Attentats konsequent zu verfolgen. Am brisantesten waren die Punkte 5 und 6. Darin wurde gefordert, dass <i>\u201e\u2026in Serbien Organe der K. u. K. Regierung bei der Unterdr\u00fcckung der gegen die territoriale Integrit\u00e4t der Monarchie gerichteten subversiven Bewegung mitwirken\u201c<\/i><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":19717,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","advanced_seo_description":"","jetpack_seo_html_title":"","jetpack_seo_noindex":false,"jetpack_post_was_ever_published":false,"footnotes":""},"categories":[1162],"tags":[473,1406,1027,1038,2286,188,2285,2284,2168,222,764,185],"class_list":["post-19716","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-geschichte","tag-1-weltkrieg","tag-diplomatie","tag-frankreich","tag-grossbritannien","tag-intervention","tag-krieg","tag-mobilisierung","tag-monarchie","tag-oesterreich-ungarn","tag-russland","tag-serbien","tag-usa"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Bombardement_allemand_sur_Reims_01_800x450_t3.jpg?fit=800%2C450&ssl=1","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p9stpK-580","jetpack-related-posts":[{"id":19803,"url":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=19803","url_meta":{"origin":19716,"position":0},"title":"Die langen Schatten des Ersten Weltkriegs (4)","author":"Webredaktion","date":"7. 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Kaum jemand fragte sich, welche Kr\u00e4fte die minderj\u00e4hrigen Attent\u00e4ter f\u00fcr diesen Terroranschlag instrumentalisiert und welche Motive hinter diesem Anschlag\u2026","rel":"","context":"In &quot;Geschichte&quot;","block_context":{"text":"Geschichte","link":"https:\/\/www.freidenker.org\/?cat=1162"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Bombardement_allemand_sur_Reims_01_800x450_t4.jpg?fit=800%2C450&ssl=1&resize=350%2C200","width":350,"height":200,"srcset":"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Bombardement_allemand_sur_Reims_01_800x450_t4.jpg?fit=800%2C450&ssl=1&resize=350%2C200 1x, https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Bombardement_allemand_sur_Reims_01_800x450_t4.jpg?fit=800%2C450&ssl=1&resize=525%2C300 1.5x, https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Bombardement_allemand_sur_Reims_01_800x450_t4.jpg?fit=800%2C450&ssl=1&resize=700%2C400 2x"},"classes":[]},{"id":19181,"url":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=19181","url_meta":{"origin":19716,"position":1},"title":"Immanuel Kants 300. 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Die monumentale Freiluftausstellung\u2026","rel":"","context":"In &quot;Demokratie \u2013 Medien \u2013 Aufkl\u00e4rung&quot;","block_context":{"text":"Demokratie \u2013 Medien \u2013 Aufkl\u00e4rung","link":"https:\/\/www.freidenker.org\/?cat=12"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Patriotic_Service_League_512626_800x450_v2.jpg?fit=800%2C450&ssl=1&resize=350%2C200","width":350,"height":200,"srcset":"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Patriotic_Service_League_512626_800x450_v2.jpg?fit=800%2C450&ssl=1&resize=350%2C200 1x, https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Patriotic_Service_League_512626_800x450_v2.jpg?fit=800%2C450&ssl=1&resize=525%2C300 1.5x, https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Patriotic_Service_League_512626_800x450_v2.jpg?fit=800%2C450&ssl=1&resize=700%2C400 2x"},"classes":[]},{"id":13311,"url":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=13311","url_meta":{"origin":19716,"position":5},"title":"Frieren und hungern f\u00fcr den Endsieg","author":"Webredaktion","date":"4. Juni 2022","format":false,"excerpt":"Beitrag von Willy Wimmer Trump hatte etwas Gutes. Er vermied es, den \u00fcblichen amerikanischen Pr\u00e4sidenten-Krieg anzuzetteln.\u00a0Das sind jene Kriege, die ein Pr\u00e4sident dann exekutieren muss, wenn den amerikanischen Strukturen danach ist und das Washingtoner System die Lage eskalierend f\u00fcr reif h\u00e4lt. Die von Trump ausgehende Unlust auf einen solchen Krieg\u2026","rel":"","context":"In &quot;Frieden - Antifaschismus - Solidarit\u00e4t&quot;","block_context":{"text":"Frieden - Antifaschismus - Solidarit\u00e4t","link":"https:\/\/www.freidenker.org\/?cat=13"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/sculpture-18142_800x450.jpg?fit=800%2C450&ssl=1&resize=350%2C200","width":350,"height":200,"srcset":"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/sculpture-18142_800x450.jpg?fit=800%2C450&ssl=1&resize=350%2C200 1x, https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/sculpture-18142_800x450.jpg?fit=800%2C450&ssl=1&resize=525%2C300 1.5x, https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/sculpture-18142_800x450.jpg?fit=800%2C450&ssl=1&resize=700%2C400 2x"},"classes":[]}],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.freidenker.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19716","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.freidenker.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.freidenker.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freidenker.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freidenker.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=19716"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.freidenker.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19716\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freidenker.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/19717"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.freidenker.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=19716"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freidenker.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=19716"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freidenker.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=19716"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}