{"id":19644,"date":"2024-08-07T01:50:46","date_gmt":"2024-08-06T23:50:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=19644"},"modified":"2024-10-06T02:10:55","modified_gmt":"2024-10-06T00:10:55","slug":"die-langen-schatten-des-ersten-weltkriegs-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=19644","title":{"rendered":"Die langen Schatten des Ersten Weltkriegs (2)"},"content":{"rendered":"<h4>Teil 2: Keineswegs schlafwandelnd in den Krieg<\/h4>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\">\u2192 <a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=19595\">Link zu Teil 1: Der lange Weg in das Verh\u00e4ngnis Europas<\/a><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Kommentar von\u00a0<strong>Wolfgang Effenberger<\/strong><\/em><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\">Auch ver\u00f6ffentlicht als Tagesdosis vom 01.08.2024 auf <a href=\"https:\/\/apolut.net\/die-langen-schatten-des-ersten-weltkriegs-teil-2-von-wolfgang-effenberger\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">apolut.net<\/a><\/span><\/p>\n<p>Der Beitrag ist auch als Audiopodcast verf\u00fcgbar:<\/p>\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-19644-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/apolut.net\/multimedia_apolut\/podcast\/tagesdosis-20240801-apolut.mp3?_=1\" \/><a href=\"https:\/\/apolut.net\/multimedia_apolut\/podcast\/tagesdosis-20240801-apolut.mp3\">https:\/\/apolut.net\/multimedia_apolut\/podcast\/tagesdosis-20240801-apolut.mp3<\/a><\/audio>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\">Bereitgestellt von <a href=\"https:\/\/apolut.net\/die-langen-schatten-des-ersten-weltkriegs-teil-2-von-wolfgang-effenberger\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">apolut.net<\/a><\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 10pt;\"><a href=\"https:\/\/apolut.net\/multimedia_apolut\/podcast\/tagesdosis-20240801-apolut.mp3\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Download<\/a><\/span><\/p>\n<p>US-Pr\u00e4sidentenberater &#8222;Colonel&#8220; House machte sich im Fr\u00fchjahr 1914 in diplomatischer Mission auf den Weg nach Europa, wo er am 27. Mai mit dem deutschen Au\u00dfenminister von Jagow und Marineminister Admiral von Tirpitz dinierte. Letzterer kam im Gespr\u00e4ch auf die Thesen des US-Admiral Thayer Mahan zu sprechen. Mahan, Dozent f\u00fcr Marinegeschichte und Pr\u00e4sident des United States Naval War College, hatte 1890 eine revolution\u00e4re Analyse der Bedeutung der Seemacht als Faktor f\u00fcr den Aufstieg des britischen Empire ver\u00f6ffentlicht.(1) Von ihm stammt das Axiom:<\/p>\n<blockquote><p><em>Die Bedeutung einer Kriegsmarine ergibt sich aus dem Produkt der Kampfkraft aller Schiffe und der Anzahl der weltweiten St\u00fctzpunkte.\u00a0<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Letzter Faktor bewegte sich f\u00fcr Deutschland gegen Null!<\/p>\n<p>Nach diesem Disput unterstellte House dem Admiral von Tirpitz eine antibritische Einstellung und wurde sogleich konkret: Sollte Deutschland die \u00dcberlegenheit der britischen Seemacht gef\u00e4hrden, w\u00fcrde es untergehen.(2) Die genauen Vergleichszahlen der Kampfschiffe samt ihren operativen Einsatzm\u00f6glichkeiten zeigen indes deutlich auf, dass Deutschland zu keinem Zeitpunkt auch nur ann\u00e4hernd in der Lage gewesen w\u00e4re, England von den Weltmeeren zu fegen: Bis 1917 waren gerade einmal 58 Gro\u00dfkampfschiffe (Linienschiffe und Panzerkreuzer) gebaut worden &#8211; von England als &#8222;existenziell bedrohlich&#8220; empfunden &#8211; w\u00e4hrend der Inselstaat selbst 138, darunter 113 wesentlich modernere Schiffe, zum Einsatz bringen konnte. Daneben waren 55 franz\u00f6sische und 41 russische Gro\u00dfkampfschiffe im Dienst. Eine erstaunliche Analyse des Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisses ist im britischen <em>&#8222;Naval Annual&#8220;<\/em> von 1900 nachzulesen: Demnach konnte die deutsche Flotte die britische Seeherrschaft niemals gef\u00e4hrden.(3) Dazu fehlten einfach die weltweiten St\u00fctzpunkte. Basen in Kiel und Wilhelmshaven und einem einzigen \u00dcberseest\u00fctzpunkt in Laztschou in Nordostchina, konnten die ozeanischen Seeverbindungen der Navy nicht bedrohen. Diese Zusammenh\u00e4nge mussten House bekannt gewesen sein.<\/p>\n<p>Zwei Tage sp\u00e4ter schrieb House aus Berlin an US-Pr\u00e4sident Woodrow Wilson:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>\u201eEs gibt zu viel Hass, zu viele Eifers\u00fcchteleien. Wann immer England einwilligt, werden Frankreich und Russland Deutschland und \u00d6sterreich einschlie\u00dfen. England will nicht, da\u00df Deutschland v\u00f6llig zerschlagen wird, denn dann m\u00fc\u00dfte es allein mit seinem alten Feind Ru\u00dfland rechnen [Triple-Entente &#8211; 1907 geschlossenes informelles B\u00fcndnis zwischen dem\u00a0Vereinigten K\u00f6nigreich,\u00a0Frankreich\u00a0und\u00a0Russland, W.E.\u00a0]; aber wenn Deutschland auf einer immer gr\u00f6\u00dfer werdenden Flotte besteht, hat England keine andere Wahl\u201c<\/em>.(4)<\/p>\n<p>Die beste Chance f\u00fcr den Frieden erkannte House in einer Verst\u00e4ndigung zwischen England und Deutschland in Bezug auf die Mariner\u00fcstung, machte jedoch den Einwand, <em>\u201e\u2026dass es f\u00fcr uns von Nachteil sein k\u00f6nnte,<\/em> <em>wenn sich die beiden zu nahe kommen. Es ist ein fesselndes Problem und eines von enormer Tragweite. Ich w\u00fcnsche mir, dass es gel\u00f6st wird, und zwar zum ewigen Ruhm Ihrer Regierung und unserer amerikanischen Zivilisation. Ihr treuer und liebevoller E. M. HOUSE\u201c<\/em> .(5)<\/p>\n<p>Auch Washington spielte auf den Meeren sein geopolitisches Spiel:<\/p>\n<h5><em>Mahans Great White Fleet <\/em><\/h5>\n<p><em>\u201eUm weit zu kommen\u201c<\/em>, so ein afrikanisches Sprichwort, solle man <em>\u201esanft reden und einen dicken Kn\u00fcppel tragen\u201c<\/em>. Von dieser Weisheit hielt Roosevelt sehr viel und lie\u00df in diesem Sinn von Anfang Dezember 1907 bis Februar 1909 zur Freude Alfred Thayer Mahans und als Kr\u00f6nung seiner Pr\u00e4sidentschaft einen gro\u00dfen Teil der neuen Kriegsflotte in aufsehenerregender Fahrt um die Erde dampfen.(6) Die vorl\u00e4ufig zweitst\u00e4rkste Marine der Welt demonstrierte vor aller Augen ihre \u00dcberlegenheit, Schlagkraft und Mobilit\u00e4t.<\/p>\n<p>16 modern gepanzerte Schlachtschiffe und Kreuzer hatten auf der Reede von Hampton Roads ihre Anker gelichtet und dampften rund um die Welt.(7) Wem sollte diese Demonstration gelten?<\/p>\n<figure id=\"attachment_19647\" aria-describedby=\"caption-attachment-19647\" style=\"width: 400px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"19647\" data-permalink=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?attachment_id=19647\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Effenberger_Lange_Schatten2_01.jpg?fit=704%2C768&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"704,768\" data-comments-opened=\"0\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"Effenberger_Lange_Schatten2_01\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Effenberger_Lange_Schatten2_01.jpg?fit=704%2C768&amp;ssl=1\" class=\"wp-image-19647\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Effenberger_Lange_Schatten2_01.jpg?resize=400%2C436&#038;ssl=1\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"436\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Effenberger_Lange_Schatten2_01.jpg?resize=275%2C300&amp;ssl=1 275w, https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Effenberger_Lange_Schatten2_01.jpg?w=704&amp;ssl=1 704w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-19647\" class=\"wp-caption-text\">US-Machtdemonstration auf den Weltmeeren (1907-1909)(8)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Andererseits konnte Roosevelt auch \u00bbsanft\u00ab sprechen. Im Root-Takahari-Abkommen vom November 1908 akzeptierte er den im britischen Interesse gegen Russland gerichteten japanischen Einfluss in der Mandschurei, wogegen die Japaner den Status quo im Pazifik zu beachten versprachen.(9)<\/p>\n<p>In London f\u00fchlte sich House wohler als w\u00e4hrend seines Besuchs in Berlin. Bei vielen Gespr\u00e4chen wurde er von seinem Freund, dem US-Botschafter Walter Hines Page, begleitet.<\/p>\n<p>Ein Tag vor dem Attentat in Sarajewo, am 27. Juni 1914, speisten House und Page mit Grey, auf dessen Sympathie die US-Regierung z\u00e4hlen konnte, sowie mit dem Sondergesandten Sir William Tyrrell. Dieser hatte am 13. November 1913 gegen\u00fcber House ge\u00e4u\u00dfert: <em>\u201eWenn uns die Diplomaten der alten Schule h\u00f6ren k\u00f6nnten, w\u00fcrden sie einen Schw\u00e4cheanfall bekommen\u201c. <\/em>Im Weiteren wurde dringend von vorzeitigen Vermittlungsschritten abgeraten, bevor der<em> \u201egeeignete Augenblick\u201c<\/em> gekommen sei.(10)<\/p>\n<p>Am Sonntag, den 28. Juni 1914, schoss kurz nach 11.00 Uhr vormittags der aus Bosnien stammende muslimische Oberrealsch\u00fcler Gavrilo Princip in Sarajewo auf den \u00f6sterreichischen Thronfolger und traf t\u00f6dlich F\u00fcrstin Sophie von <em>Hohenberg<\/em> und deren Gemahl, den Thronfolger Franz Ferdinand, der eine vielversprechende Neuordnung der K.u.K.-Monarchie umsetzen wollte.<\/p>\n<p>Die beiden Sch\u00fcsse, am Jahrestag der 525sten Wiederkehr der Schlacht auf dem Amselfeld (Kosovo Polje) und in der aufgeheizten Atmosph\u00e4re der beiden Balkankriege abgegeben, hallten in der ganzen Welt wider. Gavrilo Princip hatte die Lunte an das von vielen anderen bereits aufgef\u00fcllte <em>&#8222;Pulverfass Europa&#8220;<\/em> gelegt.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Ermordung des \u00f6sterreichischen Thronfolgers den Explosionspunkt der gro\u00df-serbischen Propaganda bildete, zerstoben die Hoffnungen im Vielv\u00f6lkerstaat \u00d6sterreich-Ungarn. Wollte doch Franz Ferdinand den Weg ebnen f\u00fcr eine friedliche Teilung des Donaustaates in die drei Hauptv\u00f6lker der Deutschen, Ungarn und S\u00fcdslawen auf Grundlage des Selbstbestimmungsrechts der V\u00f6lker.<\/p>\n<p>Mit Bosnien sollte ein s\u00fcdslawischer Reichsteil entstehen. Das richtete sich gegen die Pl\u00e4ne eines Gro\u00df-Serbiens und auch gegen die Idee des Panslawismus. Doch nicht alle S\u00fcdslawen wollten sich in die F\u00e4nge Serbiens begeben. So erz\u00fcrnte sich in Sarajewo die bosnische Bev\u00f6lkerung \u00fcber den Doppelmord und zerst\u00f6rte in ihrer Wut serbische Einrichtungen. Auch die Weltpresse war emp\u00f6rt und stellte sich auf die Seite Habsburgs. In Serbien hingegen verherrlichten die Zeitungen den Mord.(11) In dieser Lage versicherte Kaiser Wilhelm II. Wien die <em>&#8222;unbedingte B\u00fcndnistreue&#8220;<\/em>. Damit handelte er zwar vertragskonform,(12) gab aber ein gef\u00e4hrliches Zeichen.(13)<\/p>\n<p>Nach den Anschl\u00e4gen vom 11. September 2001 sagte der damalige Bundeskanzler Gerhard Schr\u00f6der den USA die <em>\u201euneingeschr\u00e4nkte Solidarit\u00e4t\u201c<\/em>(14) Deutschlands zu.<\/p>\n<p>Das war auch noch vertragskonform, da Deutschland NATO-Verb\u00fcndeter war. Nicht vertrags-konform sind dagegen die Handlungen des Kanzlers Olaf Scholz, der am 16. Februar 2004 mit der Ukraine einen auf vorl\u00e4ufig 10 Jahre befristeten Sicherheitspakt geschlossen hat &#8211; einschlie\u00dflich der R\u00fcckeroberung der Krim. Scholz hat damit das Schicksal Deutschlands an das Schicksal der Ukraine gekettet. Zu diesem Zeitpunkt f\u00fcr jeden erkennbar!<\/p>\n<p>Dem Terroranschlag von Sarajewo waren 1913 und im Mai 1914 weitere Attentate voraus-gegangen. Die \u00f6sterreichischen Beh\u00f6rden waren gewarnt. Doch die jungen Terroristen entgingen allen Kontrollen. Gavrilo Princip und seine Freunde waren als Oberrealsch\u00fcler f\u00fcr den \u00f6sterreichischen Geheimdienst noch unbeschriebene Bl\u00e4tter. Bis heute sind die Motive f\u00fcr die Anschlagsserie und die Ermordung des Erzherzogs und seiner Gemahlin nicht hinreichend gekl\u00e4rt. Es ist verst\u00e4ndlich, dass Serbien nahestehende Geschichtsforscher &#8211;\u00a0 wie der historisierende Philosoph Karl-Heinz Deschner und dessen Mitautor Milan Petrovic &#8211;\u00a0 trotz gegenteiliger Faktenlage als f\u00fchrende K\u00f6pfe f\u00fcr Vorbereitung und Abwicklung des Mordplanes nur die serbischen Geheimdienstoffiziere Oberst Dragutin Dimitrijevic-Apis und den Major Vojislav Tankosic sehen wollen.(15)<\/p>\n<p>Historiker mit besonderem Gesp\u00fcr f\u00fcr <em>&#8222;Political Correctness&#8220; <\/em>lassen bis heute nur die Mitglieder der serbischen Geheim-Organisation &#8222;Crna Ruka&#8220; (Schwarze Hand) als Drahtzieher des Komplotts gelten(16).<\/p>\n<p>So scheint es sich &#8211; oberfl\u00e4chlich besehen &#8211; um ein sinnloses Verbrechen zu handeln. In seinem Wesen und den explosiven Zeitumst\u00e4nden nach war es ein politischer Schachzug, der \u00fcber Serbien hinaus seine Zustimmung erfahren haben muss. Unstrittig ist die Verwicklung des serbischen Ministerpr\u00e4sidenten Nikola Pa\u0161ic in den Anschlag. Die Version der Alleinschuld des Geheimdienstes l\u00e4sst sich in keiner Weise aufrechterhalten.<\/p>\n<p>Im Wiener Heeresgeschichtlichen Museum war ein aufschlussreiches Beweisdokument aus-gestellt. Neben anderen Requisiten dieses Terroranschlags lag in einer Glasvitrine eine Anfang Juni 1914 vom damaligen serbischen Regierungschef Nikola Pa\u0161ic handschriftlich gefertigte Anweisung aus. Auf informellem Papier wurden der Pa\u0161ic-Vertraute General Jankovi\u0107, der Major Tankosi\u0107 sowie der Narodna Odbrana-Resident Boda Milanovi\u0107 angewiesen<em>, <\/em>den Sch\u00fclern Waffen und Munition auszuh\u00e4ndigen:<\/p>\n<figure id=\"attachment_19648\" aria-describedby=\"caption-attachment-19648\" style=\"width: 571px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"19648\" data-permalink=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?attachment_id=19648\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Effenberger_Lange_Schatten2_02.jpg?fit=571%2C196&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"571,196\" data-comments-opened=\"0\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"Effenberger_Lange_Schatten2_02\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Effenberger_Lange_Schatten2_02.jpg?fit=571%2C196&amp;ssl=1\" class=\"wp-image-19648 size-full\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Effenberger_Lange_Schatten2_02.jpg?resize=571%2C196&#038;ssl=1\" alt=\"\" width=\"571\" height=\"196\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Effenberger_Lange_Schatten2_02.jpg?w=571&amp;ssl=1 571w, https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Effenberger_Lange_Schatten2_02.jpg?resize=300%2C103&amp;ssl=1 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 571px) 100vw, 571px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-19648\" class=\"wp-caption-text\">Offizieller \u00dcbersetzungstext der Pa\u0161ic-Anweisung: \u201e2 Sch\u00fcler des Ober-Realgymnasiums Tri\u0161a des Mladen&#8230;..6 Bomben, 4 Revolver von der Narodna Odbrana dem Jankovi\u0107 dem Boda Milanovi\u0107 und dem Tankosi\u0107, Vertrauensmann des zweiten, und dieser des dritten, in Trnovo, in Priboj, in Tuzla, in Sarajewo\u201c(17).<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die serbische Kleinstadt Priboy grenzt im Westen an Bosnien und Herzegowina, Tuzla liegt im Nordosten, Trnovo im Osten und die Hauptstadt Sarajewo im S\u00fcdosten Bosniens und der Herzegowina.<\/p>\n<h5>Die probritische Rolle des serbischen Ministerpr\u00e4sidenten Pa\u0161ic<\/h5>\n<p>Gegen\u00fcber dem fr\u00fcheren serbischen Gesch\u00e4ftstr\u00e4ger in Berlin, Mosil Boghitschewitsch bekannte sich Ministerpr\u00e4sident Nikola Pa\u0161ic dazu, dass er, um Bosnien und die Herzegowina zu erwerben, es schon im ersten Balkankrieg auf den europ\u00e4ischen Krieg h\u00e4tte ankommen lassen. Er habe aber zun\u00e4chst den Besitz Mazedoniens f\u00fcr Serbien sichern wollen, <em>\u201e\u2026um dann erst zur Erwerbung Bosniens und der Herzegowina schreiten zu k\u00f6nnen\u201c<\/em>.(18)<\/p>\n<p>Es l\u00e4sst sich unzweifelhaft nachweisen, dass die Au\u00dfenpolitik von Pasic und seiner radikalen Partei darauf abzielte, bei einer k\u00fcnftigen Aufteilung \u00d6sterreich-Ungarns die s\u00fcdslawischen Gebiete der K.u.K.-Monarchie zu beerben. Am 2. Februar 1914 berichtete Pasic seinem K\u00f6nig von der Audienz beim Zaren.<\/p>\n<p>Er habe dem Zaren im Namen des serbischen K\u00f6nigs und des serbischen Volkes Russland daf\u00fcr gedankt, dass es w\u00e4hrend der ganzen Zeit der Balkankrise Wache stand und <em>\u201e\u2026auf diese Weise die Einmischung \u00d6sterreichs in den Balkankrieg verhindert\u201c<\/em>.(19)<\/p>\n<p>Darauf h\u00e4tte der Zar geantwortet, <em>\u201e\u2026dass Russland nur seine slawische Pflicht erf\u00fcllt habe, wenn es seine Armee an der \u00f6sterreichischen Grenze aufmarschieren lie\u00df, denn es wollte nicht zugeben, dass \u00d6sterreich die Befreiung der Balkanstaaten verhindere.\u201c<\/em>(20)<\/p>\n<p>Aus der Hand des Zaren erhielt Pasic den Alexander-Newsky-Orden mit Brillanten, der sich dann mit den Worten verabschiedete: <em>\u201eF\u00fcr Serbien werden wir alles tun\u201c<\/em>.(21)<\/p>\n<p>Derart euphorisch gestimmt, sandte Pa\u0161i\u0107 eine Geheimbotschaft an die serbisch-kroatische Gruppe in Zagreb: Serbien werde mit Hilfe von Russland die jugoslawische Frage l\u00f6sen.(22)Strebte Oberst Dimitrijevic ein Gro\u00dfserbien an, so wollte der geb\u00fcrtige Bulgaro-Mazedonier Pasic Serbien zum Zentrum der jugoslawischen Einigung machen.(23)<\/p>\n<p>Durch die siegreichen Balkankriege und dank einer unverh\u00fcllten G\u00f6nnerschaft durch die Entente schien nun f\u00fcr die serbischen Chauvinisten der Traum vom Gro\u00dfreich in greifbarer N\u00e4he.(24) Seine Verwirklichung war aber nur mit R\u00fcckendeckung Russlands m\u00f6glich. Wusste die Regierung in St. Petersburg vom Attentat, billigte sie es oder lag aktive Unterst\u00fctzung vor? Oder waren nur die national-chauvinistischen russischen Kreise des <em>&#8222;Schwarzen Hunderts&#8220;<\/em> eingeweiht?<\/p>\n<p>F\u00fcr die gro\u00dfserbischen Phantasien hatte der serbische Chef der Nachrichtenabteilung des Generalstabs, Oberst Dragutin Dimitrijevic-Apis und dessen Major Vojislav Tankosic &#8211; beide Mitglieder der serbischen Organisation <em>&#8222;Schwarze Hand&#8220;<\/em> &#8211; \u00fcber Monate einen gro\u00dfen Schlag geplant und eine Menschheitskatastrophe billigend in Kauf genommen.(25) Dem analytisch denkenden und patriotisch f\u00fchlenden Dimitrijevic war bewusst, dass eine \u00fcberzogene serbische Provokation \u00d6sterreichs unweigerlich Krieg mit dem Nachbarn bedeutet. Und bei einer Niederlage &#8211; Serbien war durch die beiden vorangegangenen Balkankriege geschw\u00e4cht &#8211; h\u00e4tten sich die gro\u00dfserbischen Tr\u00e4ume in Nichts aufgel\u00f6st. Dieses Risiko w\u00e4re der kluge patriotische Fuchs Dimitrijevic auf keinen Fall eingegangen. Es m\u00fcssen also noch weit h\u00f6here Interessen im Spiel gewesen sein.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich schockiert wie beim Anschlag von 9\/11 reagierte die europ\u00e4ische \u00d6ffentlichkeit 1914. Fast alle Kabinette waren der einheitlichen Auffassung, dass Serbien der K.u.K. Monarchie Genugtuung schuldig sei, denn eine zumindest indirekte Verantwortung der serbischen Regierung f\u00fcr das Attentat schien durch deren Duldung eines ganzen Netzes gro\u00dfserbischer Geheimorganisationen au\u00dfer Frage zu stehen.<\/p>\n<p>Besonders aufschlussreich ist ein Passus im Gest\u00e4ndnis des Obersten Dragutin Dimitrijevic-Apis: <em>\u201eBevor ich den endg\u00fcltigen Entschluss fasste, dass das Attentat ver\u00fcbt werden sollte, holte ich von Oberst Artamanow ein Gutachten ein (was Russland tun w\u00fcrde), falls \u00d6sterreich uns (Serbien) angriffe.\u201c<\/em>(26)<\/p>\n<p>Neben Pa\u0161ic sollen nach Aussagen des serbischen Geheimdienstchefs auch der serbische Thronfolger Aleksandar Kara\u0111or\u0111evi\u0107 sowie der russische Gesandte in Belgrad, Nikola von Hartwig, von dem Komplott sehr wohl gewusst haben.(27) Der Schirmherr des Terroranschlags soll der russische Milit\u00e4rattach\u00e9, Oberst Victor Alexejewitsch Artamanow (1873-1942) gewesen sein, der schon in einem fr\u00fchen Stadium dem Chef des serbischen Geheimdienstes anvertraut hatte: <em>\u201eMacht vorw\u00e4rts. Wenn ihr angegriffen werdet, seid ihr nicht alleine.\u201c<\/em>(28)<\/p>\n<p>Damit d\u00fcrfte der russische Milit\u00e4rattach\u00e9 nicht falsch gelegen haben. Bereits von 1911 an war die Serie von Krisen kaum mehr abgerissen: Zwischenf\u00e4lle in Nordafrika sowie zwei Balkan-kriege. Russland mit dem Drang zum Mittelmeer, Frankreichs Revanchegedanken f\u00fcr die Schmach von 1871 und England, das der deutschen kulturellen und wirtschaftlichen Prosperit\u00e4t gerne einen D\u00e4mpfer gegeben h\u00e4tte.(29) Am 29. Mai 1914 berichtete &#8222;Colonel&#8220; Edward House, Berater von Pr\u00e4sident Wilson und Amerikas Graue Eminenz hinter dem anglo-amerikanischen imperialen B\u00fcndnis, seinem Pr\u00e4sidenten aus seiner Dienstreise nach Europa: <em>\u201eWann immer England zustimmt, werden Frankreich und Russland in Deutschland und \u00d6sterreich eindringen\u201c.(30)<\/em><\/p>\n<p>Der zaristisch-russische Geheimdienstoffizier und Milit\u00e4rattach\u00e9, Oberst Artamanow soll durch eine fingierte Meldung vom bevorstehenden \u00f6sterreichisch-ungarischen Einmarsch den serbischen Geheimdienst zum Handeln veranlasst haben. Ab 1915 war Artamanow als Generalmajor im russischen Generalstab t\u00e4tig, um sich nach der Oktoberrevolution der serbischen Armee anzuschlie\u00dfen. Ab 1920 diente der ehemalige russische Milit\u00e4rattach\u00e9 als General in der jugoslawischen Armee.<\/p>\n<h5><strong>Doch zur\u00fcck zum schicksalsbeladenen 28. Juni 1914:<\/strong><\/h5>\n<p>Beim Eintreffen der Nachricht von der Ermordung des Erzherzogs von \u00d6sterreich-Ungarn Franz Ferdinand soll der russische Gesandte Nikolaus von Hartwig in den Ausruf verfallen sein: \u201eAu nom du Ciel! Pourvu que \u00e7a ne soit pas un Serbe.&#8220; (In Himmels Namen! Hoffentlich ist das nicht ein Serbe [der gefasste Attent\u00e4ter war gl\u00fccklicherweise ein Bosnier, W.E.].) Die Gesellschaft, die der russische Gesandte f\u00fcr den Abend des 28. Juni 1914 zu sich geladen hatte, wurde trotz der schon am Nachmittag bekannten Nachricht des Attentats nicht abgesagt und zur Zeit des Requiems f\u00fcr den ermordeten Thronfolger wurde die russische Gesandtschafts-flagge &#8211; als einzige der fremden Vertretungen &#8211; nicht auf Halbmast gehisst.(31)<\/p>\n<p>Vom russischen Botschafter in Paris, Alexander P. Iswolski, ist \u00fcberliefert, dass ihm unmittelbar nach dem Mord ein Bote des K\u00f6nigs von Serbien die Meldung \u00fcberbrachte: \u201e<em>Wir haben soeben ein gutes St\u00fcck Arbeit verrichtet.\u201c<\/em>(32)<\/p>\n<p>Eine Arbeit, die den Frieden nachhaltig zunichte machte, denn Thronfolger Franz Ferdinand wollte die S\u00fcdslawen unter habsburgischem Zepter einigen. Er vertrat dabei den Gedanken des <em>&#8222;Trialismus&#8220;<\/em>, d. h. der Dreiteilung des Donaustaates in die drei Hauptv\u00f6lker der Deutschen, Ungarn und S\u00fcdslawen. Das war aber genau das, was die Panslawisten unbedingt verhindern wollten.<\/p>\n<p>\u00dcber die Hintergr\u00fcnde des Attentats brachte am 29. Juni 1914 die in London erscheinende liberale <em>\u201eDaily Chronicle\u201c<\/em> eine beachtenswerte Analyse:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">\u201e<em>Der Erzherzog [Franz Ferdinand, W.E.] bildete zweifellos das ernsteste Problem f\u00fcr den russischen Ehrgeiz in S\u00fcdost-Europa. Er war bereits sehr einflussreich, er war vielleicht ein starker Mann, sicherlich ein willensstarker Mann und ein Mann mit klaren Zielen, und es ist ein widerliches Faktum in Russlands \u00e4u\u00dferer Politik und nur durch die traditionelle Hintert\u00fcr-Politik und die Unverantwortlichkeit seiner ausw\u00e4rtigen Vertreter erkl\u00e4rbar, sowie dadurch, dass Russland in diesen weniger zivilisierten Gegenden sehr unzivilisierte Werkzeuge zu ben\u00fctzen pflegt, dass fast jeder Mensch, der im Balkan in moderner Zeit Russlands Gegner war, durch M\u00f6rderhand gefallen ist. Die Ermordung des letzten K\u00f6nigs von Serbien, die Ermordung [des bulgarischen Ministers, W.E.] Stambulows, die Entf\u00fchrung des F\u00fcrsten Alexander von Bulgarien, der ermordet worden w\u00e4re, wenn er nicht abgedankt h\u00e4tte, alles das sind nur die bemerkenswerten F\u00e4lle einer schrecklichen Liste, von der &#8211; wie wir f\u00fcrchten &#8211; auch die Sarajevoer Trag\u00f6die nicht v\u00f6llig zu trennen ist.\u201c(33)<\/em><\/p>\n<p>Der Redakteur vom <em>&#8222;Wiener Journal&#8220;<\/em> sch\u00f6pfte aus den Trauerreden von Sir Edward Grey und Premierminister Asquith gewisse Hoffnungen: <em>\u201eWenn ein englischer Minister in einer traurig-feierlichen Stunde Gelegenheit hat, in seinen Worten die Gef\u00fchle des Weltb\u00fcrgertums aufschwingen zu lassen, dann treten alle Entente-Bedenken zur\u00fcck und vor sie tritt das Gef\u00fchl der Zusammengeh\u00f6rigkeit, das die weltumspannende englische Nation mit den alten Kulturv\u00f6lkern des Donaureiches verbinden muss\u201c<\/em>.(34) Bereitwillig wurde das Wissen um die weltstrategische Rolle Englands sowie die politische N\u00e4he Englands zu Ru\u00dfland verdr\u00e4ngt. Kaum jemand wollte in diesen Tagen der Trauer an Krieg denken. Gern glaubte man den Worten und den Gef\u00fchlsbeteuerungen. Doch was sollte eine weltumspannende Handelsmacht mit ein paar wenigen Bauernv\u00f6lkern auf dem Balkan verbinden? Nichts! Es war nur die Rhetorik und der Weihrauch von Kaufleuten.<\/p>\n<p>Am 1. Juli 1914 ver\u00f6ffentlichte das k\u00f6niglich serbische Presseb\u00fcro eine Erkl\u00e4rung der serbischen Regierung. Sie gab darin dem Abscheu Serbiens \u00fcber die in Sarajewo ver\u00fcbten Morde und dem Willen der serbischen Regierung Ausdruck, die Umtriebe verd\u00e4chtiger Elemente mit Aufmerksamkeit zu verfolgen und nichts zu unterlassen, was zur Beruhigung der Geister beizutragen verm\u00f6chte.(35) Alle Angriffe der Wiener und der Budapester Presse wurden im Namen der serbischen Regierung und im Namen des offiziellen Serbien zur\u00fcckgewiesen und es wurde unterstrichen, dass die Schuld an dem Sarajevo-Attentat nur einen einzigen Menschen treffe, der noch dazu ein Staatsangeh\u00f6riger der habsburgischen Monarchie sei: den muslimischen Bosnier Gavrilo Princip.<\/p>\n<p>101 Jahre sp\u00e4ter enth\u00fcllte Serbiens Regierung in der Innenstadt von Belgrad eine zwei Meter hohe Statue des serbischen (?) Nationalisten Gavrilo Princip. <em>&#8222;Heute haben wir keine Angst vor der Wahrheit&#8220;<\/em>, sagte Pr\u00e4sident Tomislav Nikolic. <em>&#8222;Gavrilo Princip war ein Held, ein Symbol f\u00fcr die Idee der Freiheit, der M\u00f6rder eines Tyrannen und ein Tr\u00e4ger der europ\u00e4ischen Idee der Befreiung von der Sklaverei\u201c<\/em>.(36)\u00a0Auch so l\u00e4sst sich Geschichte aufarbeiten.<\/p>\n<h5>Einen Tag nach Sarajewo: Das Attentat auf Rasputin<\/h5>\n<p>Maurice Pal\u00e9ologue (1859-1944) war von 1914 bis 1917 franz\u00f6sischer Botschafter in Ru\u00dfland. Dem Diplomaten mit dem Hang zu literarischen Ambitionen verdanken wir Einblicke in die Verh\u00e4ltnisse am Zarenhof. F\u00fcr sein kriegsstabilisierendes Eintreten am Zarenhof ernannte ihn Premier Georges Benjamin Clemenceau (1841-1929) nach Kriegsende zum Generalsekret\u00e4r des Quai d&#8217;Orsay und damit zum gesch\u00e4ftsf\u00fchrenden Leiter des franz\u00f6sischen Diplomatie-Apparates.<\/p>\n<p>Im Jahr 1925 erschien in Deutschland sein dreib\u00e4ndiges Tagebuch <em>&#8222;Am Zarenhofe w\u00e4hrend des Weltkrieges&#8220;<\/em>. Es galt eine Zeitlang als wichtige Quelle f\u00fcr die These der deutschen Alleinschuld am ersten Weltkrieg(37).<\/p>\n<p>Trotz scharfer politischer Gegnerschaft hinterl\u00e4sst Pal\u00e9ologue Rasputin, M\u00f6nch, Friedens- freund, Wanderprediger und Friedensapostel am Hofe des Zaren ein literarisches Denkmal:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>\u201e\u2026alle Beobachter sind sich dar\u00fcber einig, dass von seiner Person eine hypnotische Gewalt ausstr\u00f6mt, die alles in ihren Bann schl\u00e4gt. Es nimmt daher nicht wunder, dass auch die banalsten Ausspr\u00fcche von seiner verz\u00fcckten Anbeterin [die Zarin Alexandra, W.E.] als heilige Offenbarungen betrachtet werden<\/em>.\u201c(38)<\/p>\n<p>Am Morgen des 29. Juni 1914 &#8211; keine 24 Stunden nach den Sch\u00fcssen in Sarajewo <strong>&#8211; <\/strong>brachte der Postbote die Telegramme des Zaren zum Hause Rasputins in dessen sibirischem Heimatdorf Pokrowskoje. In dem Augenblick, als Rasputin aus dem Haus trat, bat die als Bettlerin verkleidete 33j\u00e4hrige Prostituierte Chinia Gussewa um ein Almosen. Als Rasputin begann, Geld in seinen Taschen zu suchen, stie\u00df sie ihm den Dolch zweimal in den Unterleib. <em>\u201eMit den H\u00e4nden seine Ged\u00e4rme, die sich durch die Wunde dr\u00e4ngten, festhaltend, versuchte Rasputin sein Haus zu erreichen\u201c<\/em>, so die \u00dcberlieferung des <strong>Chefs der geheimen Sicherheitspolizei am Hof Nikolaus II., General <\/strong>Spiridowitsch. <em>\u201eDie Gussewa folgte ihm. Mit der Linken immer noch die Wunde zuhaltend, griff er mit der Rechten nach einem Stock und schlug auf die Frau ein, bis er sie entwaffnet hatte. Von allen Seiten kamen die Bauern herangelaufen. Man warf sich auf die Gussewa, die schrie, dass sie den Anti-Christ get\u00f6tet habe\u201c<\/em>.(39) Durch diese Tat hoffte sie &#8211; so ihre Angabe &#8211; den Herrn zu r\u00e4chen.(40)<\/p>\n<p>Das Attentat l\u00f6ste im Zarenhof gro\u00dfe Best\u00fcrzung aus und veranlasste den Zaren, an seinen Innenminister Nikolai Alexejewitsch pers\u00f6nlich zu schreiben:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>\u201eIch h\u00f6re, dass gestern im Dorfe Pokrowskoje im Gouvernement Tobolsk ein Attentat ver\u00fcbt worden ist auf die Person des Staretz Grigori Jefimowitsch Rasputin, f\u00fcr den wir eine gro\u00dfe Verehrung empfinden. Er ist am Bauch von einer Frau verwundet worden. Da ich bef\u00fcrchte, dass eine ganze Bande verabscheuenswerter Leute sich mit b\u00f6sen Absichten in Bezug auf den Staretz tr\u00e4gt, beauftrage ich Sie hiermit, diese Angelegenheit ganz gr\u00fcndlich zu untersuchen und ihn bewachen zu lassen, damit sich solches Attentat nicht wiederholen kann\u201c<\/em>.(41)<\/p>\n<p>Rasputin wurde in der Nacht auf den 30. Juni in seinem Haus operiert und am 3. Juli in das Krankenhaus von Tobolsk verlegt. Dort blieb er bis zum 20. August 1914.<\/p>\n<p>Von dort aus schickte er an die 20 Telegramme an den Zarenhof. Das erste Telegramm lautete: <em>\u201eSchwarze Wolken \u00fcber Russland: Not, viel Leid, kein Hoffnungsschimmer [&#8230;] ich wei\u00df, alle wollen von dir den Krieg, auch die Treuen, die nicht wissen, dass er der Untergang ist. Gottes Strafe wird schlimm. Du bist der Zar [&#8230;] Lass die Irren nicht triumphieren und sich und das Volk zugrunde richten. Alles wird in einem gro\u00dfen Blutbad untergehen<\/em>.\u201c(42)<\/p>\n<p>Die Attent\u00e4terin wurde im Prozess die Unzurechnungsf\u00e4higkeit nachgewiesen.\u00a0 Man brachte Chionia Gussewa in die Tomsker Nervenheilanstalt, wo sie dann auch starb.<\/p>\n<p>Mit diesem ersten Attentat auf Rasputin wurde einer der wenigen Menschen, die vielleicht den Frieden h\u00e4tte bewahren k\u00f6nnen, vorerst zum Schweigen gebracht.(43)<\/p>\n<p>In der Zeit vom 29. Juni bis zum 6. Juli 1914 verfolgte Kaiser Wilhelm II. von Potsdam aus die weitere Entwicklung und entschloss sich dann auf Anraten des Kanzlers zum Antritt der gewohnten Nordlandreise. Damit hoffte er, Russland sein Vertrauen zu beweisen. Im Gegenzug erwartete er, dass man sich in St. Petersburg genauso desinteressiert an den serbischen Vorg\u00e4ngen zeige wie in Deutschland. Wollte der Kaiser mit dieser Reise die Entente t\u00e4uschen und in Sicherheit wiegen, wie manche Kritiker noch heute behaupten?<\/p>\n<p>In seinen Memoiren schrieb Kaiser Wilhelm II., dass der vielbesprochene sogenannte <em>\u201ePotsdamer Kronrat\u201c<\/em> vom 5. Juli 1914 in Wirklichkeit gar nicht stattgefunden hat und die Erfindung B\u00f6swilliger sei. Er habe vor seiner Abreise wie immer einzelne Minister empfangen, um sich \u00fcber deren Ressort Bericht erstatten zu lassen. \u201e<em>Auch ein Ministerrat hat nicht getagt, und von Kriegsvorbereitungen ist bei keiner einzigen Besprechung die Rede gewesen<\/em>.\u201c(44)<\/p>\n<p>Die f\u00fchrenden Milit\u00e4rs waren jedenfalls nicht in Potsdam. Der Chef des Generalstabs, Helmuth von Moltke, kurte bereits am Tag des Attentats in Karlsbad.(45) Auch Kriegsminister Falkenhayn, der Marine-Staatssekret\u00e4r Tirpitz sowie der Chef des Admiralstabs hatten inzwischen ihren Sommerurlaub angetreten.<\/p>\n<p>So empfing der reisefertige Kaiser unter anderen den Vertreter des beurlaubten Gro\u00dfadmirals, <em>Admiral<\/em> Eduard von Capelle, dem er nachfolgende Weisung mitgab: \u201e<em>An gr\u00f6\u00dfere kriegerische Verwicklungen glaube ich nicht. Der Zar wird sich nicht auf die Seite der Prinzenm\u00f6rder stellen. Au\u00dferdem sind weder Russland noch Frankreich bereit. Um keine Beunruhigung zu schaffen, werde ich auf Rat des Reichskanzlers die Nordlandreise antreten. Wollte Sie nur von der gespannten Situation unterrichten, damit Sie sich das Weitere \u00fcberlegen.<\/em>\u201c(46)<\/p>\n<p>Der Kaiser hatte sich lange gegen den Rat des Reichskanzlers von Bethmann gestr\u00e4ubt, der ihm aber kurz und b\u00fcndig erkl\u00e4rt hatte: <em>\u201ewenn ich den nun einmal bekannten Reiseplan jetzt noch aufgeben w\u00fcrde, so werde das dazu f\u00fchren, die Lage ernster erscheinen zu lassen, als sie bisher sei, und m\u00f6glicherweise zum Ausbruch des Krieges beitragen, f\u00fcr den ich dann verantwortlich gemacht werden k\u00f6nne.<\/em>\u201c(47) Als auch der Chef des Generalstabs dem Kaiser zur Nordlandfahrt riet, entschloss sich Wilhelm II. am 7. Juli 1914 schweren Herzens, sich an Bord der <em>Hohenzollern <\/em>zu begeben<em>.<\/em>(48) Am 8. Juli meldete sich der Stellvertreter Moltkes, Graf Waldersee, in seinen Erholungsurlaub ab und der Reichskanzler zog sich auf sein Gut in Hohenfinow zur\u00fcck. Von dort aus regierte er per Telefon.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Kaiser durch die nordischen Meere rauschte, befanden sich die politischen und milit\u00e4rischen Spitzen des Deutschen Reichs im Sommerurlaub und erwarteten vom lokalen bosnischen Ereignis keinen gr\u00f6\u00dferen Konflikt. Die Presse wurde gebeten, die Kriegsgefahr nicht zu thematisieren. Das Bild einer kriegsl\u00fcsternen Regierung? In den anderen europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten war niemand in Urlaub gegangen!<\/p>\n<p>In Wien hielt am 7. Juli 1914 der \u00f6sterreichische Ministerpr\u00e4sident Karl Graf St\u00fcrgkh eine Ministerkonferenz ab. Es wurden sch\u00e4rfere Kontrollen panslawistischer Gruppen im s\u00fcd\u00f6st-lichen Landesteil Bosniens beschlossen. Auch war sich die Regierung einig, dass Anh\u00e4nger des Panslawismus hinter dem Attentat auf den \u00f6sterreichisch-ungarischen Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand in Sarajewo standen.<\/p>\n<p>In Paris wurde am 7. Juli 1914 im Parlament ein Kredit von 400.000 Franc f\u00fcr eine Reise von Pr\u00e4sident Raymond Poincar\u00e9 nach Russland bewilligt. Die sozialistischen Abgeordneten verweigerten ihre Zustimmung. Der Sozialistenf\u00fchrer Jean Jaur\u00e8s sah eine damit verbundene erh\u00f6hte Kriegsgefahr und warnte in der Debatte vor einer zu starken politischen Bindung Frankreichs an Russland.<\/p>\n<p>So r\u00fcsteten sich wenig sp\u00e4ter Staatspr\u00e4sident Raymond Poincar\u00e9 und Ministerpr\u00e4sident Ren\u00e9 Rapha\u00ebl Viviani (1863-1925), der zugleich das Au\u00dfenamt bekleidete, f\u00fcr die Zeit vom 20. bis 23. Juli 1914 zu einem ungew\u00f6hnlich gro\u00dfen Staatsbesuch in Petersburg. Poincar\u00e9 war die beherrschende Figur am Quai d&#8217;Orsay. Bis zu seiner Wahl zum Staatspr\u00e4sidenten 1913 hatte er w\u00e4hrend der Balkankriege die franz\u00f6sische B\u00fcndnispolitik intensiviert und \u00fcbte auch als Pr\u00e4sident der Republik weiterhin einen bestimmenden Einfluss aus.Viviani hingegen verblasste neben der dominierenden Figur Poincar\u00e9s.<\/p>\n<p>Er war urspr\u00fcnglich Sozialist, wurde jedoch von seiner Partei ausgeschlossen, als er Apologet des nationalistischen Georges Clemenceau wurde. Eine solche Reise der beiden h\u00f6chsten Repr\u00e4sentanten Frankreichs in einer derart angespannten Situation muss als deutliches Signal an die kriegsbef\u00fcrwortenden Kreise in ganz Europa gesehen werden.<\/p>\n<p>In London trafen Marinestaatssekret\u00e4r Churchill und der Erste Seelord Prinz von Battenberg in aller Stille ihre Vorbereitungen f\u00fcr den Krieg und ordneten f\u00fcr die Zeit vom 15. bis 25. Juli 1914 eine Mobilmachungs\u00fcbung der Royal Navy an(49). Auch das war ein un\u00fcbersehbares Zeichen der Kriegsbereitschaft Englands.<\/p>\n<p>Kaiser Wilhelm II. befand sich nur wenige Tage auf See, als am 11. Juli 1914 in Russland die Nachricht von einer f\u00f6rmlichen Milit\u00e4rkonvention mit England verbreitet wurde. Die <em>&#8222;Nowoje Zwene&#8220;<\/em> schrieb, die Konvention sei nicht nur defensiv, sondern sehe auch die Landung der Engl\u00e4nder in Holland vor:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>\u201e\u2026kraft der Konvention tritt die russisch-baltische Flotte im Krieg unter das Kommando eines englischen Geschwader-Kommandanten. Es wird, gest\u00fctzt auf die freundschaftliche Neutralit\u00e4t D\u00e4nemarks, sofort bei Er\u00f6ffnung der milit\u00e4rischen Operationen erscheinen, um unser Ufer zu sch\u00fctzen. Wir begl\u00fcckw\u00fcnschen die russische Regierung zu diesem Erfolg, der ein Verdienst des in England popul\u00e4ren Botschafters Benkendorff ist. Jetzt k\u00f6nnen wir gest\u00fctzt auf die englische Flotte und unsere endlich vollkommen bereite Armee, das Ende jener Politik der Abh\u00e4ngigkeit von Berlin fordern, die unvereinbar ist sowohl mit unserer W\u00fcrde als auch mit unserer internationalen Geltung.<\/em>\u201c(50)<\/p>\n<p>Geniale Diplomatie Englands oder v\u00f6llige Unbedarftheit der Russen? Schlie\u00dflich hatte Gro\u00dfbritannien nur 10 Jahre zuvor Japan Sch\u00fctzenhilfe bei der Vernichtung des russischen Asiengeschwaders gegeben!<\/p>\n<p>Im April 1914 hatte der britische Au\u00dfenminister Grey in Paris mit Pr\u00e4sident Poincar\u00e9 wegen eines britisch-russischen Flottenabkommens Verhandlungen aufgenommen. Bei den Gespr\u00e4chen stellte Grey fest, dass in franz\u00f6sischen Regierungskreisen jedermann ungeheuer beeindruckt von der zunehmenden St\u00e4rke Russlands, seinen enormen Hilfskr\u00e4ften, seiner potentiellen Macht und seinem Reichtum war. Er selbst teilte diese \u00dcberzeugung und erkl\u00e4rte Poincar\u00e9, <em>\u201e\u2026dass Deutschland im Laufe der Zeit der Atem ausgehen wird, auch wenn wir Russland nicht helfen<\/em>.\u201c(51) Nachdem das Ausw\u00e4rtige Amt von \u201eDritten\u201c Informationen \u00fcber die Verhandlungen eines britisch\/russischen Flottenabkommens erhalten hatte, bat Au\u00dfenminister Jagow den Leiter der Hapag-Lloyd-Linie, Ballin, bei Grey nachzufragen ob a) ein solches Abkommen best\u00fcnde oder b) mit dem Abschluss eines solchen Abkommens zu rechnen w\u00e4re, verneinte Grey beides(52).<\/p>\n<p>Da sich Frankreich gegen Deutschland nicht allein milit\u00e4risch behaupten konnte, hatte die Franz\u00f6sische Republik 1892\/1894 ein Geheimabkommen mit dem Zarenreich geschlossen.<\/p>\n<p>Dieses war von ausschlaggebender Bedeutung und bedurfte st\u00e4ndiger diplomatischer und milit\u00e4rischer Bem\u00fchungen. War f\u00fcr Frankreich Deutschland der Hauptfeind, so war f\u00fcr Russland \u00d6sterreich das Objekt der Begierde. In Deutschland kam f\u00fcr die Russen bestenfalls eine begrenzte Aktion gegen Ostpreu\u00dfen in Frage. Das h\u00e4tte aber nur wenige deutsche Truppen gebunden und war f\u00fcr die franz\u00f6sische Seite inakzeptabel, da gem\u00e4\u00df &#8222;Schlieffen-Plan&#8220; das Gros der deutschen Truppen gegen Frankreich antreten w\u00fcrde. Bereits 1912, als die gemeinsame Strategie festgelegt wurde, hatte Frankreich darauf gedrungen, da\u00df Russland sich auf ein System der <em>&#8222;Pr\u00e4ventiven Mobilmachung&#8220;<\/em> festlegte. Dazu schrieb der sowjetische Historiker Boris Adamow:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>\u201ePoincar\u00e9 und Millerand konnten, indem sie die pr\u00e4ventive Mobilmachung Russlands zu erreichen suchten, nat\u00fcrlich nichts anderes tun als f\u00fcr Frankreich die Verpflichtung zu \u00fcbernehmen, einen Krieg zu f\u00fchren, falls Russland das Auftreten \u00d6sterreichs gegen Serbien mit Mobilmachung beantworten w\u00fcrde<\/em>.\u201c(53)<\/p>\n<p><em>\u201eWenn ein Krieg ausbr\u00e4che\u201c<\/em>, \u00fcberschrieb am 20. Juli 1914 &#8211; dem Tag der Anreise der Spitzenvertreter Frankreichs &#8211; der Sonderkorrespondent des <em>&#8222;Matin&#8220;<\/em> in Petersburg seine Depesche und f\u00fchrte aus:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>\u201eDie russische Armee umfasst 44 Armeekorps, davon k\u00f6nnen 32 an der westlichen Grenze verteilt werden. Deutschland kann dieser Armee auch nicht ann\u00e4hernd eine gleiche Zahl von Menschen entgegenstellen; es hat nur 25 Armeekorps, von denen 19 an der franz\u00f6sischen Grenze ben\u00f6tigt werden, also sind nur sechs f\u00fcr die russische Grenze verwendbar. Die russische Mobilisierung kann dank dem ununterbrochenen Bau strategischer Eisenbahnlinien in 16 Tagen beendet sein gegen 10 Tage, die Deutschland braucht. Seit einem Jahr hat in Russland die Offensivtheorie gro\u00dfe Fortschritte gemacht. Wenn Deutschland heute seinen Effektivbestand um 50.000 Mann erh\u00f6hen w\u00fcrde, wird Russland sofort den seinigen um das Doppelte und Dreifache erh\u00f6hen. Auch die \u00f6sterreichische Armee ist nicht mehr gef\u00e4hrlich; seit den letzten Balkankriegen ist die slawische Str\u00f6mung in \u00d6sterreich-Ungarn so stark geworden, das man einen Bruch der Disziplin in der Armee erwarten muss, wenn die aus so vielen Nationalit\u00e4ten zusammengesetzten Truppen gegen Russland verwendet werden sollten.\u201c(54)<\/em><\/p>\n<p>Am 22. Juli 1914, warf der Panzerkreuzer &#8222;France&#8220; auf der Reede von Kronstadt Anker. Anschlie\u00dfend wurde Poincar\u00e9 samt Gefolge von Zar Nikolaus nach Petersburg geleitet. Im Festsaal der Kaiserin Elisabeth, bei feenhaftem Glanze, erging sich Poincar\u00e9 w\u00e4hrend der Galatafel in pathetischen Freundschaftsbekundungen: <em>\u201eGetreu der \u00dcberlieferung meiner Vorg\u00e4nger habe ich Russland das feierliche Zeugnis von Gef\u00fchlen bringen wollen, die unver\u00e4nderlich in allen franz\u00f6sischen Herzen wohnen, beinahe 25 Jahre sind vergangen, seit unsere L\u00e4nder in einer klaren Vision ihrer Geschichte die Anstrengungen ihre Diplomaten vereinigt haben \u2026\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eSeid willkommen, teure G\u00e4ste!\u201c<\/em>, \u00fcberschrieb das &#8222;Amtsblatt des russischen Kriegsministeriums&#8220; seinen Artikel, der sich wie eine vorweggenommene Kriegserkl\u00e4rung liest: <em>\u201eMit freudiger Erregung begr\u00fc\u00dft euch das milit\u00e4rische Russland, das mit geistigem Auge \u00fcber Frankreich bereits die alten Siegeskr\u00e4nze erblickt, ihre wunderbare Bedeutung kennt und wei\u00df, dass in der Stunde des furchtbaren Kampfes zwei M\u00e4chte durch einm\u00fctige Anstrengungen von Osten und von Westen den feindlichen Willen brechen werden, dem Kampfe neue Lorbeeren f\u00fcr Frankreich und Russland entrei\u00dfen, ihren L\u00e4ndern das Recht auf Ehre, Leben und Gl\u00fcck erlangen werden und jenen Heldengeist nicht entehren werden, der seit Ewigkeit \u00fcber beiden Armeen und \u00fcber beiden Flotten geschwebt hat, der aus Frankreich herbeigeeilt ist, um die k\u00fcnftigen Kampfgenossen zu besuchen.<\/em>\u201c(55)<\/p>\n<p>Es gab aber auch kritische Zeitungen wie die &#8222;Rjetsch&#8220;, die am 21. Juli 1914 vor derartigen chauvinistischen \u00c4u\u00dferungen der allslawischen und franz\u00f6sischen Presse warnte: <em>\u201eDie Idee eines Pr\u00e4ventivkrieges kann bei solchen Fanfaren einen pl\u00f6tzlichen Erfolg haben. Dem russischen Volk liegt es wie ein Alp auf der Seele, und es verlangt absolut nicht nach Festtagen und kriegerischen Fanfaren<\/em>.\u201c(56)<\/p>\n<p>Dementsprechend nahm das russische Volk wenig Anteil am Besuch. Von Interesse war h\u00f6chstens, dass streikende Arbeiter mit der Polizei in Konflikt gerieten.<\/p>\n<p>Vision\u00e4r sah Rasputin das Unheil auf Ru\u00dfland zukommen und versuchte, auf den Zaren einzuwirken. Vom Krankenbett schrieb er in diesen letzten Friedenstagen dem Zaren:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>\u201eLieber Freund &#8211; ich wiederhole es Dir noch einmal. Eine schreckliche Wolke breitet sich \u00fcber Russland aus. Ungl\u00fcck! &#8211; Ungez\u00e4hlte Leiden! &#8211; von allen Seiten her verdunkelt es sich, und nirgends am Horizont kann ich einen Schimmer von Hoffnung erblicken &#8211; \u00dcberall Tr\u00e4nen, ein Ozean von Tr\u00e4nen &#8211; und das Blut! Ich finde keine Worte! Der Schrecken ist unbeschreiblich. Und ich wei\u00df dennoch, dass alles von Dir abh\u00e4ngt. Die, welche den Krieg wollen, wissen nicht, dass er unser Verderben ist. <\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>Schwer ist die S\u00fchne des Himmels, wenn Gott uns die Vernunft nimmt; denn das ist der Anfang vom Ende. Du bist der Zar, der Vater des Volkes, lass doch nicht die Wahnsinnigen triumphieren und sich selbst mit dem ganzen Volk ins Verderben st\u00fcrzen. Wir werden Deutschland besiegen, ja, doch was wird aus Russland werden? In Wahrheit, ich sage Dir: Trotz unseres Sieges wird es seit Anbeginn der Zeiten kein furchtbareres Martyrium gegeben haben als das Russlands. Es wird ganz in Blut ertrinken. Sein Untergang wird vollst\u00e4ndig sein. Unendliche Trauer! Grigori\u201c(57)<\/em><\/p>\n<p>Am dritten Tag des Jubil\u00e4umsbesuches, den 25. Juli 1914, \u00a0lud das Haupt der russischen Kriegspartei, Gro\u00dff\u00fcrst Nikolaus Nikolajewitsch, der machthungrige Verwandte des Zaren, zur Festtafel nach Krasnoje-Selo ein. Am letzten Tag des Besuches hatte Poincar\u00e9 nach gl\u00e4nzender Truppenschau in Krasnoje-Selo zum Abschiedsmahl auf dem franz\u00f6sischen Panzerkreuzer &#8222;France&#8220; geladen.<\/p>\n<p>Im gleichen Geist spiegelte der Zar den Trinkspruch Poincar\u00e9s: <em>\u201eDas verabredete Vorgehen unserer Diplomaten und die Bruderschaft zwischen unseren Armeen zu Lande und zu Wasser werden die Aufgaben unserer Regierungen erleichtern, die dazu berufen sind, \u00fcber die Interessen der beiden verb\u00fcndeten V\u00f6lker im Bewusstsein ihrer St\u00e4rke<\/em> <em>zu handeln\u201c<\/em>.(58)<\/p>\n<p>Inzwischen kann es als gesichert gelten, dass Poincar\u00e9 bei seinen Besprechungen in der russischen Hauptstadt den Krieg forciert hat.(59) Leider gibt es \u00fcber die Petersburger Besprechungen so gut wie keine seri\u00f6se Dokumentation. Das hat die Herausgeber des franz\u00f6sischen Aktenwerkes veranlasst, von einer <em>&#8222;Anomalie&#8220;<\/em> zu sprechen.(60) Aus einer Reihe von Indizien glaubt Stefan Schmidt den Schluss ziehen zu k\u00f6nnen, dass der Pr\u00e4sident eine <em>&#8222;Zusicherung unbegrenzten Beistandes&#8220;<\/em> gegeben hat.(61) Poincar\u00e9s Abschiedstoast habe seinen Standpunkt deutlich gemacht, als er von einem f\u00fcr beide M\u00e4chte verbindlichen <em>&#8222;Frieden der St\u00e4rke, der Ehre und der W\u00fcrde&#8220;<\/em> gesprochen hat.<\/p>\n<p>Vor dem Hintergrund der intensiven Kriegsvorbereitungen in den Jahren zuvor zeigen die Gesten des Petersburger Besuches ihr wahres Gesicht. Denn sie best\u00e4tigen die Politik, die in den Jahren zuvor planm\u00e4\u00dfig entwickelt wurde. Paris und Petersburg waren sich v\u00f6llig einig und begingen gemeinsam einen verh\u00e4ngnisvollen Denkfehler: Die Bewahrung des europ\u00e4ischen Gleichgewichts erforderte die Erhaltung von \u00d6sterreich-Ungarn, nicht dessen Zerst\u00f6rung.<\/p>\n<p>Auf dem Eucharistischen Weltkongress\u00a0in Lourdes (25.-26. Juli 1914)\u00a0 deutete der Erzbischof von New York<strong>,<\/strong> Kardinal Murphy Farley<strong>, <\/strong>die Entwicklung vision\u00e4r:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>\u201eDer Krieg, der in Vorbereitung ist, wird ein Kampf zwischen dem internationalen Kapital und den regierenden Dynastien sein. Das Kapital w\u00fcnscht niemanden \u00fcber sich zu haben, kennt keinen Gott oder Herrn und m\u00f6chte alle Staaten als gro\u00dfes Bankgesch\u00e4ft regieren lassen. Ihr Gewinn soll zur alleinigen Richtschnur der Regierenden werden. Business einzig und allein\u201c.(62)<\/em><\/p>\n<p>Nun waren es nur noch 9 Tage bis in den Abgrund.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Wolfgang Effenberger ist Mitglied des Deutschen Freidenker-Verbandes und seines Beirats<\/em><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\">Demn\u00e4chst folgt Teil 3: <a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=19716\">Diplomatische Winkelz\u00fcge ebnen den Weg in den Krieg<\/a><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Anmerkungen und Quellen<\/strong><\/p>\n<p>1) Thayer Mahan &#8222;The Influence of Sea Power upon History, 1660-1783&#8220;<\/p>\n<p>2) Colonel House: The Intimate Papers of Colonel House Behind the Political Certain 1912-1915, Cambridge 1926, Bd. I, S. 249-251<\/p>\n<p>3) Naval Annual 1900, S. 2 ff. und 429 ff., zitiert bei F. Uhle -Wettler 1996, S. 435 f.<\/p>\n<p>4) Colonel House: The Intimate Papers of Colonel House Behind the Political Certain 1912-1915, Cambridge 1926, S. 249<\/p>\n<p>5) Ebda.<\/p>\n<p>6) Wolfgang Effenberger: Pfeiler der US-Macht. Seefahrermentalit\u00e4t und Puritanismus. Gauting 2005, S. 129f. f<\/p>\n<p>7) Sautter, Udo: Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika. Stuttgart 1976, S. 322<\/p>\n<p>8) Collage von Wolfgang Effenberger, in: Pfeiler der US-Macht. Gauting 2005<\/p>\n<p>9) Als Bewunderer der Macht und Imperialist der Mahan-Schule hatte Theodore Roosevelt (erster amerikanischer Friedensnobelpreistr\u00e4ger 1906) eine \u00bbkr\u00e4ftige\u00ab Au\u00dfenpolitik verfolgt, die sogar \u00fcber das hinausgriff, was zuvor erobert worden war:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><strong>1901\/1902 Kolumbien:<\/strong> Truppen halten auf dem Isthmus die Transitlinien offen und sch\u00fctzen amerikanisches Eigentum w\u00e4hrend schwerer revolution\u00e4rer Unruhen<br \/>\n<strong>1903 Honduras:<\/strong> Truppen sch\u00fctzen das amerikanische Konsulat und die Dampfschiffe in Puerto Cortez w\u00e4hrend einer Periode von revolution\u00e4ren Aktivit\u00e4ten.<br \/>\n<strong>Dominik. Rep.: <\/strong>W\u00e4hrend revolution\u00e4rer Unruhen landete ein Marine-Detachment in der Stadt Santo Domingo zum Schutz amerikanischer Interessen<br \/>\n<strong>Syrien: <\/strong>Wegen einer bef\u00fcrchteten Moslemerhebung sch\u00fctzen Truppen das amerikanische Konsulat in Beirut.<br \/>\n<strong>Kolumbien:<\/strong> Amerikanische Marine unterst\u00fctzte am 3. November die Losl\u00f6sung Panamas von Kolumbien und sch\u00fctzte im Anschluss US-Interessen beim Bau des Isthmus-Kanals.<br \/>\n<strong>1904 Marokko:<\/strong> &#8222;We want either Perdicaris alive or Raisuli dead.&#8220; Das Atlantik-Geschwader wurde als Druckmittel zur Befreiung eines gekidnappten Griechen mit abgelegter US-B\u00fcrgerschaft nach Tanger entsandt<br \/>\n<strong>Korea: <\/strong>W\u00e4hrend des russisch-japanischen Krieges wurde eine Marineeinheit zum Schutz der amerikanischen Gesandtschaft in Seoul abgestellt.<br \/>\n<strong>1905 Dominik. Rep.: <\/strong>W\u00e4hrend revolution\u00e4rer K\u00e4mpfe errichteten britische und amerikanische Marinestreitkr\u00e4fte eine Sicherheitszone und sch\u00fctzten amerikanische Interessen in Puerto Plata, Sosusa und Santo Domingo City. Da dieser Staat bei europ\u00e4ischen und amerikanischen Gl\u00e4ubigern Millionensummen schuldete, \u00fcbernahmen die USA den dominikanischen Zolldienst<br \/>\n<strong>1906 Kuba:<\/strong> Nach schweren revolution\u00e4ren Aktivit\u00e4ten wurde unter dem Schutz der US-Truppen zur Sicherung der amerikanischen Interessen eine stabile Regierung installiert: Waren doch die \u00d6lraffinerien, die Zuckerplantagen, der Telefon- und Telegraphendienst und fast alle Bergwerke in den H\u00e4nden der Nordamerikaner.<br \/>\n<strong>1907 Honduras:<\/strong> Zum Schutz amerikanischer Interessen, hier vor allem die in den Bananenpflanzungen steckenden Dollars, wurden w\u00e4hrend des Krieges zwischen Honduras und Nicaragua Truppen in Trujillo, Ceiba, Puerto Cortez, San Pedro Laguna and Choloma stationiert.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">Der Stratege Roosevelt verfolgte ein altes Anliegen der amerikanischen Politik: den Anspruch auf Hegemonie in der westlichen Hemisph\u00e4re, der untrennbar mit einem durch die USA gesicherten zentralamerikanischen Isthmus verbunden war. Von dieser strategischen Bedeutung hing nach Roosevelt die Existenz der Union ab.<\/p>\n<p>10) Siehe Effenberger\/Wimmer 2014 Abschnitt Das Attentat von Sarajewo S. 159- 164<\/p>\n<p>11) Gebhardt, Bruno (Hrsg.): Handbuch der deutschen Geschichte 1973, Band 4\/I, Seite 42<\/p>\n<p>12) Schultze-Rhonhof, Gerd: Der Krieg der viele V\u00e4ter hatte. M\u00fcnchen 2003, S. 42<\/p>\n<p>13) Ebenso wie 87 Jahre sp\u00e4ter Bundeskanzler Schr\u00f6der mit seiner \u00bbuneingeschr\u00e4nkten Solidarit\u00e4t\u00ab nach den Terroranschl\u00e4gen auf New York und Washington.<\/p>\n<p>14) <a href=\"https:\/\/vorwaerts.de\/geschichte\/gerhard-schroder-uneingeschrankte-solidaritat-war-wohluberlegt\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/vorwaerts.de\/geschichte\/gerhard-schroder-uneingeschrankte-solidaritat-war-wohluberlegt\u00a0<\/a><\/p>\n<p>15) Deschner\/Petrovic, Krieg der Religionen, 199, S. 145<\/p>\n<p>16) z.B. Professor Dr. Ulrich Lappenk\u00fcper (Otto-von-Bismarck-Stiftung, Friedrichsruh) in seinem am 28. Juni 2013 (!) \u201eNibelungentreue versus B\u00fcndnisfreiheit. Deutsche Au\u00dfenpolitik 1871-1914 auf einer Expertentagung in Wildbad-Kreuth.<\/p>\n<p>17) Der undatierte Zettel mit eigenh\u00e4ndiger Notiz des serbischen Ministerpr\u00e4sidenten Nikola Pa\u0161ic wurde wahrscheinlich zwischen 2. und 13. Juni 1914 niedergeschrieben.<\/p>\n<p>18)Boghitschewitsch, Milos: Kriegsursachen. Z\u00fcrich 1919, S. 65<\/p>\n<p>19)Boghitschewitsch, Milos (Hrsg.): Die Ausw\u00e4rtige Politik Serbiens, Band I, Berlin 1931, S. 414<\/p>\n<p>20) Ebda.<\/p>\n<p>21) Ebda. S. 421<\/p>\n<p>22) Elisabeth Haberl: \u201eDas Nationalit\u00e4tenproblem der \u00d6sterreichisch-Ungarischen Monarchie und das V\u00f6lkermanifest als letzter Rettungsversuch durch Kaiser Karl und Maximilian Hussarek\u201c Wien 2011, S. 113 unter <a href=\"http:\/\/othes.univie.ac.at\/13647\/1\/2011-01-14_7505557.pdf\">http:\/\/othes.univie.ac.at\/13647\/1\/2011-01-14_7505557.pdf<\/a>]<\/p>\n<p>23) Elisabeth Haberl: \u201eDas Nationalit\u00e4tenproblem der \u00d6sterreichisch-Ungarischen Monarchie und das V\u00f6lkermanifest als letzter Rettungsversuch durch Kaiser Karl und Maximilian Hussarek\u201c Wien 2011, S. 113 unter <a href=\"http:\/\/othes.univie.ac.at\/13647\/1\/2011-01-14_7505557.pdf\">http:\/\/othes.univie.ac.at\/13647\/1\/2011-01-14_7505557.pdf<\/a> []<\/p>\n<p>24) Vgl. W\u00fcrthle, Die Spur f\u00fchrt nach Belgrad, 1975<\/p>\n<p>25) Vgl. Max von Montgelas in der \u201eKriegsschuldfrage\u201c, Oktober 1923, S.79 ff.; Siehe auch St. Stanojewitsch, Die Ermordung des Erzherzogs Franz Ferdinand, Frankfurt 1923.<\/p>\n<p>26) Zitiert nach W\u00fcrthle, Friedrich. Dokumente zum Sarajevo-Prozess. Wien 1978, S. 124<\/p>\n<p>27) Boghitschewitsch 1931, Seite 201 sowie <em>W\u00fcrthle<\/em>, Friedrich : Die Spur f\u00fchrt nach Belgrad &#8211; Die Hintergr\u00fcnde des Dramas von Sarajevo 1914. Wien &#8211; M\u00fcnchen &#8211; Z\u00fcrich <em>1975, Seiten 198, 214<\/em><\/p>\n<p>28) Stoyan Gavrilovic, \u00abNew Evidence on the Sarajevo Assassination\u00bb, The Journal of Modern History, Bd. 27, Heft 4 (Dez. 1955), S. 410 \u2013 413<\/p>\n<p>29) Quigley, Carroll: <em>Tragedy and Hope<\/em>, New York 1966., S. 221<\/p>\n<p>30) Owen, Robert:<em> Russian Imperial Conspiracy, <\/em>o.O. 1927, S. 15.<\/p>\n<p>31) Bericht aus Belgrad d. d. 29. Juni, Nr. S71P. A-B in Roderich Goos: DAS WIENER KABINETT\u00a0 UND DIE ENTSTEHUNG\u00a0 DES WELTKRIEGES. Mit Erm\u00e4chtigung des Leiters des Deutsch-\u00f6sterreichischen Staatsamtes f\u00fcr \u00c4u\u00dferes auf Grund aktenm\u00e4\u00dfiger Forschung dargestellt. Wien 1919<\/p>\n<p>32) Barnes, Harry: Die Entstehung des Weltkrieges, Stuttgart 1928, S. 128\/129<\/p>\n<p>33) Zitiert in der <em>Wiener Zeitung<\/em> Nr. 149, vom Dienstag, den 30. Juni 1914<\/p>\n<p>34) <em>Wiener Journal<\/em> vom 30. Juni 1914<\/p>\n<p>35) Roderich Goos: &#8222;Das Wiener Kabinett und die Entstehung des Weltkrieges; mit Erm\u00e4chtigung des Leiters des deutsch-\u00f6sterreichischen Staatsamtes f\u00fcr \u00c4usseres auf Grund aktenm\u00e4ssiger Forschung&#8220;, Wien 1919S unter <a href=\"http:\/\/archive.org\/stream\/wienerkabinett00goos\/wienerkabinett00goos_djvu.txt\">http:\/\/archive.org\/stream\/wienerkabinett00goos\/wienerkabinett00goos_djvu.txt<\/a> [20.06.2013], S. 70f.<\/p>\n<p>36) <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/serbien-enthuellt-denkmal-fuer-gavrilo-princip-in-belgrad-a-1041093.html\">https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/serbien-enthuellt-denkmal-fuer-gavrilo-princip-in-belgrad-a-1041093.html<\/a><\/p>\n<p>37) DREYFUS-AFF\u00c4RE in\u00a0 DER SPIEGEL\u00a05\/1956 unter <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/print\/d-31587337.html\">http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/print\/d-31587337.html<\/a><\/p>\n<p>38) Zitiert aus Heinz Liepman: Rasputin Ein historischer Report, Z\u00fcrich 1976, S. 110\/111.<\/p>\n<p>39) Spiridowitsch: Rasputin nach amtlichen Unterlagen und mit 16 zum Teil unver\u00f6ffentlichten Abbildungen, Bern 1939, S. 143; Elisabeth Heresch: <em>Rasputin. Das Geheimnis seiner Macht<\/em>, M\u00fcnchen 1985,\u00a0 S. 283<\/p>\n<p>40) Stein, Frank N.: Rasputin &#8211; Teufel im M\u00f6nchsgewand?, M\u00fcnchen 1997,\u00a0 S. 93 ff.<\/p>\n<p>41) Spiridowitsch: Rasputin nach amtlichen Unterlagen und mit 16 zum Teil unver\u00f6ffentlichten Abbildungen, Bern 1939, S. 144<\/p>\n<p>42) Radsinski, Edward S.: Die Geheimakte Rasputin, M\u00fcnchen 2000, S. 274<\/p>\n<p>43) Liepman, Heinz: Rasputin. Z\u00fcrich 1976,\u00a0 S. 208<\/p>\n<p>44) Wilhelm II. : Ereignisse und Gestalten 1878 \u2013 1918, Leipzig\/Berlin 1922, S. 210<\/p>\n<p>45) Marschall 1991, S. 169<\/p>\n<p>46) Zitiert aus Emil Ludwig: Juli 14 Vorabend zweier Weltkriege, Hamburg 1961, S. 58<\/p>\n<p>47) Wilhelm II. : Ereignisse und Gestalten 1878 \u2013 1918, Leipzig\/Berlin 1922, S. 209; Marschall, Birgit: Reisen und Regieren. Hamburg 1991, S. 169<\/p>\n<p>48) Ebda, S. 168 f.<\/p>\n<p>49) Frost, Holloway: Grand Fleet. Berlin 1938, S. 22<\/p>\n<p>50) Richard Kralik: Geschichte des V\u00f6lkerkrieges (1914-1919), Paderborn 1923, S. 25<\/p>\n<p>51) Barbara Tuchman: Daheim wenn das Laub f\u00e4llt Wie es zum Ersten Weltkrieg kam, vom 8. April 1964unter <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/print\/d-46174350.html\">http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/print\/d-46174350.html<\/a> [18. Juni 2013]<\/p>\n<p>52) Vgl. Klaus Dorst, Wolfgang W\u00fcnsche: Der erste Weltkrieg 1914-1918. Erscheinung und Wesen Milit\u00e4rverlag Brandenburgisches V.-H. 1989.<\/p>\n<p>53)Zitiert aus Stefan T. Possony: Zur Bew\u00e4ltigung der Kriegsschuldfrage, K\u00f6ln\/Opladen 1968, S. 215<\/p>\n<p>54) Richard Kralik: Geschichte des V\u00f6lkerkrieges (1914-1919), Paderborn 1923, S. 25<\/p>\n<p>55) Ebda, S. 26<\/p>\n<p>56) Ebda<\/p>\n<p>57) Zitiert aus Wenzel Jaksch: Europas Weg nach Potsdam, Stuttgart 1958, S. 155 (Anm.)<\/p>\n<p>58) Richard Kralik: Geschichte des V\u00f6lkerkrieges (1914-1919), Paderborn 1923, S. 26<\/p>\n<p>59) Theodor Wolff: The Eve of 1914, London 1935, S. 531<\/p>\n<p>60) HENNING K\u00d6HLER Abschiedstoast in St. Petersburg\u00a0 Frankreich ordnete sich in der Julikrise 1914 Russland bedingungslos unter, in Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.02.2010, Nr. 26 \/ Seite 6 unter <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/buecher\/rezensionen\/2.1715\/abschiedstoast-in-st-petersburg-1943115.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/buecher\/rezensionen\/2.1715\/abschiedstoast-in-st-petersburg-1943115.html<\/a>]<\/p>\n<p>61) Stefan Schmidt: Frankreichs Au\u00dfenpolitik in der Julikrise 1914. Ein Beitrag zur Geschichte des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges. M\u00fcnchen 2009<\/p>\n<p>62) Michael von Taube: Der gro\u00dfe Katastrophe entgegen, Leipzig 1937, S.379<\/p>\n<hr \/>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\">Bild oben: Feldpostkarte von 1914: Beschie\u00dfung der Festung Reims<br \/>\nBild: G.Garitan, <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/4.0\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">CC BY-SA 4.0<\/a><br \/>\nQuelle: <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=38722678\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=38722678<\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Teil 2: Keineswegs schlafwandelnd in den Krieg<\/b><br \/>\n<b>Kommentar von\u00a0Wolfgang Effenberger<\/b><br \/>\nUS-Pr\u00e4sidentenberater &#8222;Colonel&#8220; House machte sich im Fr\u00fchjahr 1914 in diplomatischer Mission auf den Weg nach Europa, wo er am 27. Mai mit dem deutschen Au\u00dfenminister von Jagow und Marineminister Admiral von Tirpitz dinierte. Letzterer kam im Gespr\u00e4ch auf die Thesen des US-Admiral Thayer Mahan zu sprechen. Mahan, Dozent f\u00fcr Marinegeschichte und Pr\u00e4sident des United States Naval War College, hatte 1890 eine revolution\u00e4re Analyse der Bedeutung der Seemacht als Faktor f\u00fcr den Aufstieg des britischen Empire ver\u00f6ffentlicht. Von ihm stammt das Axiom: <i>Die Bedeutung einer Kriegsmarine ergibt sich aus dem Produkt der Kampfkraft aller Schiffe und der Anzahl der weltweiten St\u00fctzpunkte.<\/i> Letzter Faktor bewegte sich f\u00fcr Deutschland gegen Null!<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":19650,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","advanced_seo_description":"","jetpack_seo_html_title":"","jetpack_seo_noindex":false,"footnotes":"","jetpack_post_was_ever_published":false},"categories":[1162],"tags":[473,1096,2164,1406,1027,1038,188,2280,2276,56,222,2279,764,675,185,2281],"class_list":["post-19644","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-geschichte","tag-1-weltkrieg","tag-attentat","tag-balkan","tag-diplomatie","tag-frankreich","tag-grossbritannien","tag-krieg","tag-kriegsmarine","tag-kriegsvorbereitung","tag-nato","tag-russland","tag-seemacht","tag-serbien","tag-terroranschlaege","tag-usa","tag-wihelm-ii"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Bombardement_allemand_sur_Reims_01_800x450_t2.jpg?fit=800%2C450&ssl=1","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p9stpK-56Q","jetpack-related-posts":[{"id":19595,"url":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=19595","url_meta":{"origin":19644,"position":0},"title":"Die langen Schatten des Ersten Weltkriegs (1)","author":"Webredaktion","date":"30. 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Jahrestags brachten im Juli 2014 Willy Wimmer und Wolfgang Effenberger das Buch \"Wiederkehr der Hasardeure - Schattenstrategen, Kriegstreiber, stille\u2026","rel":"","context":"In &quot;Geschichte&quot;","block_context":{"text":"Geschichte","link":"https:\/\/www.freidenker.org\/?cat=1162"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bombardement_allemand_sur_Reims_01_800x450.jpg?fit=800%2C450&ssl=1&resize=350%2C200","width":350,"height":200,"srcset":"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bombardement_allemand_sur_Reims_01_800x450.jpg?fit=800%2C450&ssl=1&resize=350%2C200 1x, https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bombardement_allemand_sur_Reims_01_800x450.jpg?fit=800%2C450&ssl=1&resize=525%2C300 1.5x, https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bombardement_allemand_sur_Reims_01_800x450.jpg?fit=800%2C450&ssl=1&resize=700%2C400 2x"},"classes":[]},{"id":19181,"url":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=19181","url_meta":{"origin":19644,"position":1},"title":"Immanuel Kants 300. 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