{"id":1757,"date":"2017-09-16T19:34:23","date_gmt":"2017-09-16T17:34:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.freidenker.org\/fw17\/?p=1757"},"modified":"2018-02-18T15:55:19","modified_gmt":"2018-02-18T14:55:19","slug":"zwei-wege-zur-revolution-ein-weg-zur-unsterblichkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=1757","title":{"rendered":"Zwei Wege zur Revolution, ein Weg zur Unsterblichkeit"},"content":{"rendered":"<p>Aus: <a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=1089\">\u201eFREIDENKER\u201c Nr. 3-17<\/a>, September 2017, S. 3-8, 76. Jahrgang<\/p>\n<p>von <em><strong>Romina Tobar <\/strong><\/em>und <em><strong>Daniel Osorio<br \/>\n<\/strong><\/em><\/p>\n<blockquote><p>\u201eMit dieser Maschinenpistole werde ich die<br \/>\nRegierung verteidigen.\u201c<br \/>\n<em>Salvador Allende Gossens, am 11. September 1973<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote><p>\u201eWir m\u00fcssen stark werden, ohne je unsere<br \/>\nZ\u00e4rtlichkeit zu verlieren.\u201c<br \/>\n<em>Ernesto \u201aCh\u00e9\u2018 Guevara<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h5><strong>Im Pantheon der sozialistischen Weltrevolution finden sich unter anderem zwei gro\u00dfe Ikonen aus Lateinamerika: Dr. Salvador Allende Gossens und \u201eComandante\u201c Ernesto Ch\u00e9 Guevara.<\/strong><\/h5>\n<p>Der politische Werdegang dieser beiden Gr\u00f6\u00dfen der linken Bewegung verlief \u00fcber sehr unterschiedliche Wege. Im Tod haben beide jedoch wieder zusammengefunden, w\u00e4hrend sie gegen einen unvers\u00f6hnlichen Feind k\u00e4mpften, der von der CIA ausgebildet und von gro\u00dfen nordamerikanischen Konzernen finanziert wurde.<\/p>\n<p>Beide waren \u00c4rzte und ihre Geschichten und politische Strategien scheinen sehr unterschiedlich. Die Bewunderung und Hochachtung, die sie f\u00fcreinander hegten, zeugt jedoch von einer starken pers\u00f6nlichen und ideellen N\u00e4he. Sie waren gute Freunde.<\/p>\n<p>Ernesto Guevara de la Cerna verlie\u00df seine Geburtsstadt Rosario in Argentinien, um mit dem Motorrad ganz Lateinamerika zu bereisen. Am Ende dieser Reise lernte Ernesto durch Zufall Fidel Castro in Mexiko kennen, der mit seinen M\u00e4nnern bereits seine Landung in der Schweinebucht vorbereitete, um Kuba von der Diktatur Batistas zu befreien. An diesem Punkt wird Guevara de la Cerna eingeladen, das Schicksal des kubanischen Volkes durch eine radikale Revolution zu ver\u00e4ndern: die epische kubanische Revolution. Fidel war von der Intelligenz, der Bestimmtheit, der Schl\u00e4ue und der Kommandogewalt des charismatischen siebenundzwanzigj\u00e4hrigen Ernesto fasziniert, welcher zeitweise unter starken Asthmaanf\u00e4llen litt. Nach der Landung am kubanischen Strand erh\u00e4lt Ernesto Guevara de la Cerna seinen ber\u00fchmten Spitzname &#8222;Ch\u00e9&#8220; (typisches Ausrufwort in Argentinien) aufgrund seines starken argentinischen Akzents.<\/p>\n<p>Aber der Ch\u00e9 verdient sich auch aufgrund seiner K\u00fchnheit und seines Mutes im Kampf gegen Batistas Armee den Respekt seiner Kameraden und wird alsbald zum \u201eComandante\u201c der 2. Kolonne ernannt. Nach dem prek\u00e4ren Beginn der Revolution der \u201eBarbudos\u201c (die B\u00e4rtigen) wird der Charakter Guevaras durch den harten Kampf in der Sierra Maestra zur Legende: Er ist unerbittlich gegen\u00fcber Verr\u00e4tern aus den eigenen Reihen, zeigt aber den Soldaten von Batista Mitgef\u00fchl ist und tolerant gegen\u00fcber Fehltritten seiner M\u00e4nner. Er selbst k\u00fcmmert sich als Arzt um die verletzten Gefangenen und untersagt Erschie\u00dfungen durch Schnellverfahren und Folter aufs Strengste. Verrat gegen\u00fcber ist jedoch unvers\u00f6hnlich gestimmt. In seinen Memoiren erz\u00e4hlt er eine kleine Geschichte, welche den Charakter der revolution\u00e4ren Justiz versinnbildlicht: Einer der Guerilleros der Sierra Nevada hatte strategische Information an die Luftwaffe Batistas verraten, was beinahe zu einem Desaster f\u00fcr die Kolonne der Revolution\u00e4ren f\u00fchrte. Der Verr\u00e4ter wird entdeckt und vor Ort verurteilt. Er gesteht, dass er den Auftrag hatte, Fidel zu ermorden, und die genauen Stellungen der Guerilleros zu verraten. Als er merkt, dass sein Schicksal besiegelt ist, bittet er um den Schutz f\u00fcr seine Familie. Ch\u00e9 Guevara schreibt weiter in seinen Memoiren, dass die Revolution kurze Zeit sp\u00e4ter das Versprechen erf\u00fcllte: Die Kinder des Verr\u00e4ters erfuhren nie etwas \u00fcber seine Taten; sie wurden von der neuen revolution\u00e4ren Regierung erzogen und ausgebildet, wie alle andere Kinder auf Kuba.<\/p>\n<p>Als die Revolution in La Habana siegt, bringt sich der Ch\u00e9 aktiv in die Regierung ein, genauso wie Fidel, Ra\u00fal und die anderen Helden der Sierra Maestra. Es war noch nicht an der Zeit, die Revolution in andere unterdr\u00fcckte L\u00e4nder Lateinamerikas und Afrikas zu exportieren.<\/p>\n<p>W\u00e4hrenddessen erreichte Allende Kuba, am 20. Januar 1959, als die Begeisterung des Volkes \u00fcber den Sieg der Revolution noch auf den Stra\u00dfen von La Habana sp\u00fcrbar war. Allende erz\u00e4hlt davon im Gespr\u00e4ch mit R\u00e9gis Debray (&#8222;Conversaciones con Allende&#8220;, R\u00e9gis Debray. Siglo 21 Editores. S. 68-73):<\/p>\n<p><em>\u201eAn diesem Abend rief mich Aleida an, die damals die Sekret\u00e4rin des Ch\u00e9 war. Sie war noch nicht mit ihm verheiratet und sie sagte mir: \u201eDer Comandate Guevara schickt Ihnen ein Auto. Sie werden abgeholt. Er wartet auf Sie im Cuartel de la Caba\u00f1a.\u201c Ich kam, und der Ch\u00e9 lag dort mit nacktem Oberk\u00f6rper und bekleidet nur mit einer Hose auf einem Feldbett. In diesem Moment erlitt er einen starken Asthmaanfall. Ich wartete, bis er vorr\u00fcberging und nahm auf dem anderen Feldbett Platz. Dann sagte ich ihm: \u201eComandante\u2026\u201c, aber er unterbrach mich und sagte: \u201eWissen Sie Allende, ich wei\u00df ganz genau wer Sie sind. Ich hab zwei Reden von Ihnen f\u00fcr die Wahlkampagne von 1952 geh\u00f6rt: eine sehr gute und eine sehr schlechte. Daher sollten wir ganz im Vertrauen sprechen, denn ich habe mir schon eine klare Meinung \u00fcber Sie gebildet.\u201c So bemerkte ich seine intellektuelle F\u00e4higkeit, seine Liebe zum Menschen und seine realistische Vision f\u00fcr den Kampf der unterdr\u00fcckten V\u00f6lker. Als ich zum ersten Mal nach Kuba kam und Kontakt mit ihm aufnahm, empfand ich Zuneigung f\u00fcr ihn und lernte, ihn zu respektieren. Ich w\u00fcrde sagen, ich war ein Freund von ihm. Hier habe ich eine Portraitaufnahme des Ch\u00e9, mit einer Widmung von ihm: \u201eF\u00fcr Carmen Paz, Beatriz und Mar\u00eda Isabel, mit Zuneigung der Revolution und von mir\u201c. Er wusste, dass unsere Familie ihn sch\u00e4tzte. Aber ich m\u00f6chte dir etwas zeigen, was f\u00fcr mich sehr wichtig ist, etwas einzigartiges, das ich wie einen Schatz h\u00fcte: Es ist das Buch \u201eDer Partisanenkrieg\u201c vom Ch\u00e9, welches auf seinem Schreibtisch lag. Die Widmung lautet: \u201eF\u00fcr Salvador Allende, der, mit anderen Mitteln, dasselbe sucht. Herzlich, Ch\u00e9\u201c.<\/em><\/p>\n<p>Das war die erste von vielen weiteren Begegnungen, die beide im Rahmen ihrer politischen Arbeit hatten. Allende sagt weiter:<\/p>\n<p><em>\u201eIch habe viele Pers\u00f6nlichkeiten mit gro\u00dfen Verantwortungen kennengelernt, es sind aber nur zwei, die mich durch ihren Blick sehr stark beeindruckt haben: Ch\u00e9 Guevara und Chou En Lai. Ihre Blicke zeigten eine innerliche St\u00e4rke, Unersch\u00fctterlichkeit und auch Ironie. Als ich mit dem Comandante Guevara sprach, und ihn sah, wusste ich sofort die Antwort, bevor er sie mit Worten ausdr\u00fcckte. In seinen Augen sah ich oft Z\u00e4rtlichkeit und Einsamkeit. Das hat mich tats\u00e4chlich ersch\u00fcttert: seine Antwort, die ich in seinen Augen sah, noch bevor sie ausgesprochen war.\u201c<\/em><\/p>\n<p>In diesem Interview mit R\u00e9gis Debray, erkl\u00e4rt Salvador Allende auch sehr kurz, wie er an dem Einsatz f\u00fcr die Rettung der drei Guerilleros des Ch\u00e9 teilnahm, welche den Kampf in El Yuro \u00fcber\u00fcberlebt hatten und nach dem Tod Guevaras in La Higuera (Bolivien) im Oktober 1967 vor amerikanischen Rangers und der bolivianischen Armee flohen. Diese Geschichte wird noch ausf\u00fchrlicher von Alejandro Catal\u00e1n und Julio Ulloa erz\u00e4hlt, Mitglieder der Sozialistischen Partei (PS) Chiles, die aktiv an der Rettung der \u00dcberlebenden teilnahmen.<\/p>\n<p>In einem Interview mit dem Journalisten Andr\u00e9s Figueroa sagt Catal\u00e1n, dass Salvador Allende, damals Pr\u00e4sident des chilenischen Parlaments, wichtigen Mitgliedern der Partei den Auftrag gab, eine Arbeitsgruppe zu bilden, um die Guerilleros des Ch\u00e9 zu retten. Diese Gruppe m\u00fcsse die notwendige Sicherheit, Logistik und Infrastruktur bereitstellen, die eine Mission dieses Umfangs ben\u00f6tige.<\/p>\n<p>F\u00fcr Allende war es sehr wichtig, die wenigen \u00fcberlebenden K\u00e4mpfer zu retten. Selbst die Tochter Allendes, Beatriz \u201eTati\u201c Allende fuhr zusammen mit einer Gruppe zur chilenisch-bolivianischen Grenze, um die Verfolgten zu empfangen. Und auch Bergarbeiter und weitere Mitglieder dieses neuen, von Allende gegr\u00fcndeten Unterst\u00fctzungsnetzwerkes, fuhren zur Grenze. W\u00e4hrenddessen berichtete die Presse, dass die Guerilleros nach Chile fl\u00fcchteten.<\/p>\n<p>Der Staatssekret\u00e4r des Inneren, der Christdemokrat Enrique Krauss, wies kategorisch darauf hin, dass \u201edie chilenische Regierung den Guerilleros aus Bolivien kein politisches Asyl gew\u00e4hren wird. Sie werden sofort verhaftet.\u201c Nach einer Verhaftung k\u00e4men die Auslieferung nach Bolivien und danach der Tod. Dies hatten die bolivianischen Gener\u00e4le geschworen, welche es kaum erwarten konnten, die ihnen entwischte Beute wiederzuerlangen.<\/p>\n<p>Trotz allem wurde die Operation fortgef\u00fchrt. Aber es folgten neue Schwierigkeiten: durch das schlechte Wetter und den \u201ebolivianischen Winter\u201c erhielt die Ankunft von \u201ePombo\u201c, \u201eUrbano\u201c und \u201eBenigno\u201c surrealistische Z\u00fcge: als sie die chilenische Grenze \u00fcberqueren, erwartet sie dort niemand. Der gewaltige Sturm verhinderte, dass die Mitglieder der Unterst\u00fctzungsnetzwerkes, die f\u00fcr den Empfang der Guerilleros verantwortlich waren, zum Treffpunkt kommen. Noch schlimmer, diese Helfer werden von der chilenischen Polizei festgenommen, die sie f\u00fcr Schmuggler h\u00e4lt. Die drei Guerilleros mit ihren bolivianischen Helfern warteten drei Tage lang vergeblich an der Grenze, ohne Wasser und Essen, bei Minusgraden. Inmitten der Unendlichkeit der Atacama W\u00fcste erscheint ein Zeitungsjournalist, der zuf\u00e4llig eine Reportage \u00fcber den Norden Chiles macht.<\/p>\n<p>Seine journalistische Intuition bringt ihn zum \u00fcberhaupt ersten Interview mit den \u00fcberlebenden K\u00e4mpfern des Ch\u00e9, welches er mitten in der chilenischen W\u00fcste durchf\u00fchrt und so die Nachricht weltweit verbreitet. Er bringt die Guerilleros zu einer Polizeiwache. Aus der geheimen Rettungsaktion wird nun eine dringliche diplomatische Operation, die legalen Handlungsspielraum erfordert. Auch hier spielt Allendes politisches Geschick wieder eine tragende Rolle.<\/p>\n<p>Die Kameraden des Ch\u00e9 werden wie Helden von der Bev\u00f6lkerung empfangen. Selbst Allende fliegt in den Norden, um die Guerilleros offiziell zu empfangen, allen politischen Kosten dieser Geste zum Trotz. Die Fl\u00fcchtlinge beantragen sofort politisches Asyl, was zu einem gro\u00dfen Problem f\u00fcr die christlich-demokratische Regierung von Eduardo Frei wird. Um die Auslieferung zu verhindern, muss Allende intensiv mit der Regierung und dem Parlament verhandeln, da die Sicherheit der K\u00e4mpfer in Gefahr war. Frei entschlie\u00dft sich, sie in ein drittes Land abzuschieben, was den K\u00e4mpfern die R\u00fcckkehr nach Kuba erm\u00f6glicht. Allende selbst plant minuti\u00f6s diese Reise und begleitet die Gefl\u00fcchteten bis nach Tahiti, wo diese von den franz\u00f6sischen Beh\u00f6rden empfangen werden. Ein paar Tage sp\u00e4ter landen die Helden von El Yuro endlich in La Habana. Fidel bedankt sich bei Allende und dieser sagt zur Presse: \u201eDas ist das mindeste, was ich in Gedenken an den Ch\u00e9 machen kann.\u201c<\/p>\n<p>Es ist ein wenig widerspr\u00fcchlich, dass Allende, trotz seiner Bewunderung f\u00fcr die vom Ch\u00e9 gegr\u00fcndete revolution\u00e4re internationalistische Bewegung, immer noch \u00fcberzeugt war, dass \u201eder chilenische Weg zum Sozialismus\u201c, oder \u201edie Revolution, die nach Empanadas und Wein schmeckt\u201c, der richtige Weg f\u00fcr die Befreiung seines Volkes sein w\u00fcrde. Denn damit meint er, dass die Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten des Staates und die traditionellen demokratischen Strukturen respektieren werden m\u00fcssten und einer bewaffneten Revolution, wie der Ch\u00e9 sie vorschlug, vorzuziehen seien.<\/p>\n<p>Salvadors Beginn auf der politischen B\u00fchne unterscheidet sich sehr stark von dem Ernestos. Allende kam aus einer wohlhabenden Familie, und wurde von den linken Parteien in Lateinamerika und Chile als \u201ePije\u201c &#8211; jemand der sich immer sehr gut und elegant kleidet \u2013 angesehen, trotz seiner \u00dcberzeugung f\u00fcr den Sozialismus. Dank seiner politischen Begabung begann er fr\u00fch einen ganz eigenen Entwurf f\u00fcr einen neuen Weg zum Sozialismus zu zeichnen: ein demokratisch gew\u00e4hlter Sozialismus. Er kandidiert vier Mal, davon \u00fcberzeugt, dass das Volk reif genug f\u00fcr notwendige Reformen und strukturellen Wandel ist. 1970 wird er zum Pr\u00e4sident der Republik Chile gew\u00e4hlt. Und er ist der erste Marxist, welcher durch eine demokratische Wahl die Macht erreicht.<\/p>\n<p>Im selben Interview fragt Debray weiter: \u201eAls Sie Ihre erste politische Rede als Pr\u00e4sident im Estadio Nacional hielten, war dort auch ein Portrait von Ch\u00e9 Guevara. Sie nannten ihn ein Vorbild f\u00fcr die chilenische Jugend. Warum sprechen Sie noch f\u00fcr den Ch\u00e9, f\u00fcr die kubanische Revolution und f\u00fcr die internationale Bewegung Lateinamerikas, obwohl Sie eigentlich andere politische Positionen als die des Ch\u00e9 verteidigen?<\/p>\n<p>Die Antwort Allendes zeigt, dass er Guevara trotz der scheinbar strategischen Unterschiede, politisch sehr nah stand:<\/p>\n<p><em>\u201eIch glaube unbestreitbar, dass es kaum oder nie einen Mann in Lateinamerika gab, der so konsequent und gro\u00dfz\u00fcgig war, wie der Ch\u00e9. Er hatte alles, und hat auf alles verzichtet, um den kontinentalen Kampf zu erm\u00f6glichen. Die Antwort liegt eigentlich in der Widmung des Ch\u00e9: \u201eF\u00fcr Salvador, der, mit anderen Mitteln, dasselbe sucht.\u201c Nat\u00fcrlich habe ich mit dem Ch\u00e9 Meinungsverschiedenheiten gehabt, aber nur formal. Wir hatten eigentlich sehr \u00e4hnliche Positionen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Als Allende die F\u00fchrung des Landes \u00fcbernimmt, merkt er eindeutig, dass die chilenische Rechte, und andere b\u00fcrgerliche Parteien wie die Christdemokratische Partei, die von der CIA und der ITT finanziert wurden, entschlossen waren, seine Regierung zu st\u00fcrzen. Und dass sie sogar einen B\u00fcrgerkrieg beginnen w\u00fcrden. Schon 1971 hatte er das Gef\u00fchl, dass er den Regierungspalast <em>La Moneda<\/em> nicht mehr lebendig verlassen w\u00fcrde. Das teilt er seinen Beratern mit, und sagt dazu, dass er sein Amt jedoch nie niederlegen wird.<\/p>\n<p>Am 11. September 1973 beginnt fr\u00fchmorgens der Milit\u00e4rputsch, welcher die demokratisch gew\u00e4hlte sozialistische Regierung zu st\u00fcrzen versucht. Vielleicht denkt Allende an diesem Morgen an seinen Freund den Ch\u00e9, und an dessen \u00dcberzeugung f\u00fcr die Notwendigkeit des bewaffneten Kampfes, um den Feind zu besiegen. Oder vielleicht denkt er, dass sein Freund Ernesto schon vor sechs Jahren entschlossen war, Widerstand zu leisten, w\u00e4hrend die Rangers seine Kolonne in El Yuro fast komplett umzingelte. Er wollte damals den R\u00fcckzug seiner M\u00e4nner verteidigen, die krank und verwundet waren. Und er blieb dort. Allende bleibt auch in <em>La Moneda<\/em>, und ist auch entschlossen, den Regierungspalast zusammen mit seinen treuen Beratern zu verteidigen. In der Hand h\u00e4lt er eine Maschinenpistole, die Fidel ihm schenkte. Die Schlacht um La Moneda beginnt. Er wird starken Widerstand mit Waffen leisten. Wie sein Freund, Guevara de la Cerna.<\/p>\n<p>Jahren sp\u00e4ter erz\u00e4hlt einer seiner Berater, dass Salvador, w\u00e4hrend die Panzer Pinochets <em>La Moneda<\/em> gnadenlos beschie\u00dfen, w\u00fctend und zornig zu einer Bazooka greift. Er nimmt an einem Fenster seines B\u00fcros Platz und schie\u00dft eine Rakete gegen einen Panzerwagen, der teilweise zerst\u00f6rt wird. Diese k\u00fchne Aktion wird sofort von dem Berater kontrolliert, der auf Allende springt, um ihn zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>Die Artillerie der Putschisten antwortete sofort auf den Beschuss und er\u00f6ffnet das Feuer. Beide m\u00fcssen schnell den Raum verlassen. W\u00e4hrend Allende weiter k\u00e4mpft, erinnert er sich vielleicht wieder an seine Gespr\u00e4che mit Ernesto Rafael: \u00fcber die Bedeutung der Verteidigung strategischer Positionen. Vielleicht denkt Salvador an den Selbstmord seines Partisanenfreundes in El Yuro, als er dort blieb, um Zeit f\u00fcr die Flucht seiner kranken Kameraden zu gewinnen. \u201ePombo\u201c, einer der \u00fcberlebenden Guerilleros sagt in einem Interview:<\/p>\n<p>\u201e<em>Ich bin mir sicher, er h\u00e4tte fliehen k\u00f6nnen. Aber es gab kranke K\u00e4mpfer in seiner Kolonne, die nur langsam vorankamen. Als die Armee uns zu verfolgen begann, entschied er zu halten. Dann sagte er den kranken Leuten, sie sollen weiter gehen. W\u00e4hrenddessen wurde er langsam eingekesselt. Die Kranken schafften es aber zu fliehen. Und die Feinde waren eigentlich langsamer als die verletzen K\u00e4mpfer. Der Ch\u00e9 konnte den Angriff durchhalten. Als er jedoch weiter laufen wollte, war der Kessel bereits zu eng. Aber wenn er mit den Kranken gegangen w\u00e4re, h\u00e4tte er sich retten k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Allende merkt schnell, dass die Schlacht um <em>La Moneda<\/em> kurz vor dem Ende steht. Eine Sondereinheit der MIR (Bewegung der revolution\u00e4ren Linken) bietet Salvador an, durch einen geheimen Tunnel den R\u00fcckzug zu organisieren. Salvador lehnt das Angebot kategorisch ab. In der Zwischenzeit knurren, br\u00fcllen, drohen, schimpfen die Gener\u00e4le. Mittags beginnt die Luftwaffe Leighs die Bombardierung des Regierungspalastes mit Raketen an die Nordseite des Geb\u00e4udes. Allende entscheidet, dass es Zeit ist zu handeln, zum letzten Mal. Das Leben seiner Getreuen muss gerettet werden. Seine Tochter \u201eTati\u201c Allende ist auch dabei. In einer kurzen Feuerpause werden alle evakuiert, au\u00dfer Allende. Es ist bis heute nicht bekannt, was danach geschah, als die Soldaten mit Sch\u00fcsse aus dem Hinterhalt hinein kamen. Pl\u00f6tzlich lag Allende tot im Saal \u201eIndependencia\u201c. Mit zwei merkw\u00fcrdigen Sch\u00fcssen im Kopf.<\/p>\n<p>Als Ernesto und Salvador im Kampf fielen, erleidet die Bewegung f\u00fcr die Befreiung Lateinamerikas die gr\u00f6\u00dfte Krise aller Zeiten. Nur die sandinistische Revolution, Jahre sp\u00e4ter, konnte den unterdr\u00fcckten V\u00f6lkern eine neue Hoffnung geben. Und an einer friedlichen demokratischen lateinamerikanischen Revolution wird viele Jahre lang gezweifelt.<\/p>\n<p>Aber der Ch\u00e9 und \u201eEl Chicho&#8220; werden fest im Ged\u00e4chtnis der neuen Generationen bleiben. Sie waren es, die den Kampf bis zum Tod nicht aufgegeben haben weil sie zusammen aufbrachen und ihr Marsch, \u201eder Marsch der Giganten, niemals haltmachen wird.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Romina (Management, Stimme, Gitarre, Tiple, Cuatro, Charango, Percussion, Panfl\u00f6te) und Daniel<\/em> <em>(K\u00fcnstlerische Leitung, Bariton, Gitarre, Charango, Cuatro, Tiple, Panfl\u00f6te, Kena, Moxe\u00f1o, Querfl\u00f6te, Percussion, Akkordeon, Klavier) gr\u00fcndeten 2008 <\/em><em>das Projekt MUSIKANDES in Saarbr\u00fccken. Sie sind regelm\u00e4\u00dfig beim \u201eLinken Liedersommer\u201c der Freidenker auf Burg Waldeck zu Gast.<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<h5>Download<\/h5>\n<p>Der Artikel kann auch als PDF-Dokument angesehen und heruntergeladen werden:<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"1076\" data-permalink=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?attachment_id=1076\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/pdf_icon-2.png?fit=32%2C32&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"32,32\" data-comments-opened=\"0\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"pdf_icon\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/pdf_icon-2.png?fit=32%2C32&amp;ssl=1\" class=\"alignnone size-full wp-image-1076\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/pdf_icon-2.png?resize=32%2C32\" alt=\"\" width=\"32\" height=\"32\" \/>\u00a0\u00a0\u00a0<a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Freidenker_2017-03_ZweiWegeZurRevolution.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Romina Tobar, Daniel Osorio: Zwei Wege zur Revolution, ein Weg zur Unsterblichkeit<\/a> (Auszug aus FREIDENKER 3-17, ca. 650 KB)<\/p>\n<hr \/>\n<p>Foto oben: <a href=\"https:\/\/pixabay.com\/de\/users\/Edvard-Grieg-469195\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/pixabay.com\/de\/users\/Edvard-Grieg-469195\/<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><strong>Beitrag von Romina Tobar und Daniel Osorio aus: \u201eFREIDENKER\u201c Nr. 3-17<\/strong><br \/>\nIm Pantheon der sozialistischen Weltrevolution finden sich unter anderem zwei gro\u00dfe Ikonen aus Lateinamerika: Dr. Salvador Allende Gossens und \u201eComandante\u201c Ernesto Ch\u00e9 Guevara. &#8230; Beide waren \u00c4rzte und ihre Geschichten und politische Strategien scheinen sehr unterschiedlich. 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