{"id":14784,"date":"2022-12-06T02:56:16","date_gmt":"2022-12-06T01:56:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=14784"},"modified":"2023-01-02T00:46:03","modified_gmt":"2023-01-01T23:46:03","slug":"wurzel-und-wirkung-des-holodomor-und-seine-offizielle-anerkennung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=14784","title":{"rendered":"Wurzel und Wirkung des Holodomor und seine offizielle Anerkennung"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der unfehlbare Deutsche Bundestag hat die Hungersnot in der Ukraine 1932\/1933 zum V\u00f6lkermord erkl\u00e4rt und ihn damit auf den unverr\u00fcckbaren Sockel der angeblichen historischen Wahrheit gestellt. Zugleich stellt ein neues Gesetz die Leugnung von Genozid unter Strafe. Aber die Lekt\u00fcre alter Zeitungsberichte ist wahrscheinlich noch straffrei. <\/strong><\/p>\n<p><em>Von <strong>Rainer Rupp<\/strong><\/em><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\">Erstver\u00f6ffentlichung am 01.12.2022 auf <a href=\"https:\/\/rtde.life\/meinung\/155944-wurzel-und-wirkung-holodomor-und\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">RT DE<\/a><\/span><\/p>\n<p>&#8222;Je weniger der Waffen- und Wirtschaftskrieg gegen Russland die erw\u00fcnschten Resultate bringt, desto intensiver und irrationaler wird der ideologische Feldzug gegen Moskau&#8220;,\u00a0<a href=\"https:\/\/www.jungewelt.de\/artikel\/439596.geschichtsrevisionismus-parlament-der-historiker.html\">meinte<\/a>\u00a0dieser Tage Arnold Sch\u00f6lzel in der linken Tageszeitung <em>junge Welt<\/em>, deren Chefredakteur er \u00fcber viele Jahre war. Sch\u00f6lzel bezog sich mit seiner Kritik auf die Holodomor-Resolution, die der Bundestag diese Woche nun beschlossen hat. Damit wurde die Hungersnot in weiten Teilen der Sowjetunion in den Jahren 1932 und 1933 offiziell als Genozid eingestuft, und zwar als angeblich gezielter Versuch der sowjetischen F\u00fchrung, die Menschen in der Ukraine zu vernichten.<\/p>\n<p>Der Begriff &#8222;Holodomor&#8220; wurde erst Ende der 1980er Jahre in Kreisen nationalistischer und faschistischer Ukrainer im West-Exil und ihrer US\/NATO-Unterst\u00fctzer etabliert. Laut\u00a0<a href=\"https:\/\/www.jungewelt.de\/artikel\/312978.der-erfundene-v%C3%B6lkermord.html\">Thanasis Spanidis Analyse in <em>junge Welt<\/em><\/a> ist &#8222;Holodomor eine ukrainische Wortneusch\u00f6pfung, die in etwa &#8218;Mord durch Hunger&#8216; bedeutet und deren klangliche \u00c4hnlichkeit mit dem Wort Holocaust wohl beabsichtigt ist&#8220;.<\/p>\n<p>Nachdem der Deutsche Bundestag im Zuge der &#8222;Plandemie&#8220; in seiner unendlichen Weisheit mit seinen Corona-Beschl\u00fcssen den Weg zur Zerst\u00f6rung der deutschen Wirtschaft und Gesellschaft geebnet hatte, hat er nun mit der Anerkennung des Holodomor als &#8222;V\u00f6lkermord&#8220; seine unfehlbare Kompetenz in Sachen Geschichtswissenschaft unter Beweis gestellt. Was auf den ersten Blick jedoch wie eine Bagatelle anmutet, ist politisch ein brandgef\u00e4hrlicher Schritt in Richtung weiterer Beschneidung der Presse- und Meinungsfreiheit hierzulande.<\/p>\n<p>Wer n\u00e4mlich jetzt den offiziell festgestellten Holodomor-Genozid infrage stellt, dem droht nicht nur der Verlust seines Jobs, wie wir das auch Corona-Cancel-Zeiten kennen, sondern \u2013 \u00e4hnlich wie beim Holocaust \u2013 Gef\u00e4ngnis. Daf\u00fcr hat sich die zunehmend autorit\u00e4re Bundesregierung inzwischen scharfe, juristische Instrumente geschaffen. Die daf\u00fcr notwendigen Gesetzes\u00e4nderungen gingen ohne substantielle Diskussion im Bundestag \u00fcber die B\u00fchne und blieben von der \u00d6ffentlichkeit weitgehend unbemerkt.<\/p>\n<p>In einem\u00a0<a href=\"https:\/\/deutsch.rt.com\/meinung\/155704-holodomor-angeblicher-genozid-als-instrument-gegen-demokratie-in-deutschland\/\">Meinungsartikel auf\u00a0<em>RT-DE<\/em><\/a>\u00a0vom Dienstag dieser Woche erkl\u00e4rte Gert Ewen Ungar die politische Brisanz der offiziellen Anerkennung der Hungersnot von 1932 und 1933 in der Ukraine als V\u00f6lkermord. Denn dies m\u00fcsse &#8222;vor dem Hintergrund der unl\u00e4ngst erfolgten Versch\u00e4rfung des Paragraphen 130 des Strafgesetzbuchs&#8220; gesehen werden. Urspr\u00fcnglich stellte dieser Paragraph gezielt jegliche Leugnung des Holocaust unter Strafe. Aber der jetzt erweiterte Geltungsbereich des Paragraphen sei &#8222;in einer unspektakul\u00e4ren Gesetzesnovellierung ohne parlamentarische Debatte kurzerhand inhaltlich ausgeweitet&#8220; worden. Er stelle &#8222;jetzt ganz allgemein die Leugnung von V\u00f6lkermord unter Strafe. Der Paragraph sieht daf\u00fcr eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren vor&#8220;.<\/p>\n<p>Mit dieser Strafrechtsversch\u00e4rfung, so Ungar, habe &#8222;sich die herrschende deutsche Politik immer weiter von demokratischen Grundprinzipien und selbst von ihrer eigenen wertebasierten Floskel entfernt&#8220;. Neben den zunehmend repressiven innenpolitischen Wirkungen in Form von Beschneidung Presse- und Meinungsfreiheit, stelle die offizielle Deklaration des Holodomor als Genozid auch einen weiteren &#8222;aggressiven Akt gegen\u00fcber Russland&#8220; dar.<\/p>\n<p>Es brauche keine &#8222;gro\u00dfen seherischen F\u00e4higkeiten, um vorhersagen zu k\u00f6nnen, dass die Anerkennung als Genozid von einer nochmals gesteigerten antirussischen Kampagne begleitet werden wird, welche diese dann als Genozid anerkannte Hungersnot nutzt, um das Feindbild Russland m\u00f6glichst noch tiefer in der deutschen Gesellschaft zu verankern. Eine offene Diskussion wird nicht m\u00f6glich sein, da jeder, der das Narrativ infrage stellt, jetzt schon mit Strafverfolgung rechnen muss. Es ist in diesem Zusammenhang sogar zu erwarten und zu bef\u00fcrchten, dass notfalls daf\u00fcr Exempel statuiert werden&#8220;.<\/p>\n<p>Resigniert stellt Ungar fest: &#8222;Es wird wieder dunkel in Deutschland. Es entsteht ein immer umfassenderes Klima der Angst und der Repression. Diskussionen \u00fcber unterschiedliche Sichtweisen werden unm\u00f6glich gemacht. Man muss wohl k\u00fcnftig wieder sehr aufpassen, welche Themen man in welchem Rahmen mit wem bespricht. Politisch motivierte Freiheitsstrafen f\u00fcr eine zwar begr\u00fcndete, aber per Gesetz verbotene Meinung lassen sich k\u00fcnftig nicht mehr ausschlie\u00dfen.&#8220;<\/p>\n<p>Mit dem Genozid-Beschluss des Bundestages wird die Hungersnot von 1932\/1933 per Gesetz in den Stand einer nicht weiter diskussionsf\u00e4higen &#8222;Wahrheit&#8220; erhoben. Damit wird der sogenannte Holodomor auf denselben Stand des Holocaust gehoben, was zugleich jedoch das Gedenken an die Judenvernichtung weltweit besch\u00e4digen wird. Denn dem Rest der Welt ist nicht entgangen, dass der Bundestag mit dem Holodomor ein Thema aufgegriffen hat, mit dem die deutschen Nazis bereits 1933 ihre Propaganda gegen die kommunistische Sowjetunion gesch\u00fcrt hatten, wie man im Archiv der <em>New York Times<\/em> nachlesen kann.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter haben die ukrainischen Nationalisten und Faschisten, die w\u00e4hrend des Zweiten Weltkrieges in Kollaboration mit Nazi-Deutschland an der Seite der SS in der Ukraine und Polen hunderttausendfach Juden, Kommunisten und Andersdenkende ermordet haben, das Narrativ &#8222;V\u00f6lkermord durch Hunger&#8220; \u00fcbernommen. Nach dem Krieg haben die ukrainischen Nazis dieses Narrativ in den USA, aber vor allem in Kanada, weiter gepflegt. Dort hatten sie einen sicheren Hafen gefunden.<\/p>\n<p>Als Rechtfertigung f\u00fcr ihre Zusammenarbeit mit den deutschen Nazis behaupten die ukrainischen ehemaligen SS-Schergen, sie h\u00e4tten an den Russen und Kommunisten nur Rache ge\u00fcbt, weil Josef Stalin die Hungersnot in der Ukraine mit Absicht herbeigef\u00fchrt h\u00e4tte. Mit dem Argument konnte man im Kalten Kriegen gut Sympathien gewinnen. Da wurde die Frage, warum sie auch Zigtausende von Juden und \u2013 laut offiziellen Zahlen aus Warschau \u2013 Hunderttausende Polen, M\u00e4nner Frauen Kinder, ermordet haben, gar nicht erst gestellt.<\/p>\n<p>Nach der Aufl\u00f6sung der Sowjetunion im Jahr 1991 kamen dann die Kinder und Enkel der faschistischen ukrainischen M\u00f6rderbanden aus ihrem Exil in den USA und Kanada in die nun unabh\u00e4ngige Ukraine zur\u00fcck. Mit politischer und finanzieller Hilfe ihrer westlichen Sponsoren wurden sie alsbald eine nicht mehr wegzudenkende Kraft in westlichen Gebieten der Ukraine, wo sich schon immer die Hochburgen der Faschisten befanden. Im Rahmen des Maidan-Putsches kamen sie dann in Kiew an die Macht, wo sie sich schnell in Schl\u00fcsselpositionen in der Regierung und in den Ministerien der Exekutive wie Milit\u00e4r, Polizei, Justiz und Geheimdienste etabliert haben. So wurde auch ihr Narrativ vom Holodomor zum Gr\u00fcndungsmythos der neuen Ukraine, die sie mit Hilfe des Westens in den letzten acht Jahren zum milit\u00e4rischen Rammbock gegen Russland gemacht haben.<\/p>\n<p>Bis dato erkennen weltweit 24 Regierungen den &#8222;Holodomor&#8220; als V\u00f6lkermord an, darunter Polen, Australien, Kanada, die USA, Spanien, Tschechien, die baltischen Gift-Zwergstaaten und andere US-Vasallen. Auch das EU-Parlament bezeichnete 2008 den &#8222;Holodomor&#8220; als Verbrechen gegen die Menschlichkeit. In diesem Jahr hatte das EU-Parlament in Br\u00fcssel auch seine G\u00e4nge und \u00f6ffentlichen Hallen f\u00fcr eine in der Ukraine vorbereitete, umfangreiche Holodomor-Fotoausstellung von Hungertoten zur Verf\u00fcgung gestellt. Die Ausstellung begleitete die\u00a0<a href=\"https:\/\/op.europa.eu\/en\/publication-detail\/-\/publication\/1338c30b-1618-47b2-a2b7-6e19bdafe751\/language-en\">Resolution des EU-Parlaments<\/a>\u00a0vom 23. Oktober 2008 mit dem Titel &#8222;Zum Gedenken an den Holodomor, die wissentlich herbeigef\u00fchrte Hungersnot von 1932\/1933 in der Ukraine&#8220;.<\/p>\n<p>Derweil hat sich die oben ge\u00e4u\u00dferte Bef\u00fcrchtung des <em>RT-DE<\/em>-Autors Ungar inzwischen schon bewahrheitet, dass n\u00e4mlich die Holodomor-Anerkennung als V\u00f6lkermord zu &#8222;einer nochmals gesteigerten antirussischen Kampagne&#8220; genutzt wird, &#8222;um das Feindbild Russland m\u00f6glichst noch tiefer in der deutschen Gesellschaft zu verankern&#8220;:<\/p>\n<p>So erkl\u00e4rte der neue ukrainische Botschafter in Deutschland, Oleksij Makejew, gegen\u00fcber dem <em>RedaktionsNetzwerk Deutschland<\/em> (<em>RND<\/em>), dass damit &#8222;nun die Wahrheit \u00fcber die Verbrechen Stalins anerkannt&#8220; w\u00fcrden, &#8222;die man jahrzehntelang versucht hatte zu vertuschen&#8220;. Und er f\u00fcgte hinzu, dass diese Anerkennung &#8222;auch f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis und die Verarbeitung des historischen Kontexts der heutigen russischen genozidalen Kriegsf\u00fchrung extrem wichtig&#8220; sei. Kritische Fragen zu dieser in vieler Hinsicht fragw\u00fcrdigen Aussage brauchte der &#8222;ukrainische Diplomat&#8220; von deutschen Qualit\u00e4tsmedien nicht zu f\u00fcrchten.<\/p>\n<p>Ich werde mich tunlich h\u00fcten, die neue Holodomor-Wahrheit der Bundestages in Frage zu stellen, stehen darauf doch \u2013 laut j\u00fcngster Versch\u00e4rfung des Paragraphen 130 des Strafgesetzbuchs \u2013 bis zu 3 Jahre Gef\u00e4ngnis. Au\u00dferdem glaube ich an die alte Volksweisheit, wonach viele Dumme oft kl\u00fcger sind als ein Gescheiter.<\/p>\n<p>Bei historischen Belangen ist jedoch immer wieder interessant, sich Berichte von Zeitzeugen des jeweiligen Geschehens zu lesen. Die findet man beispielsweise in dem sehr umfangreichen, aber gut geordneten Archiv der <em>New York Times<\/em> (<em>NYT<\/em>), die damals zu Recht als die am besten informierte und zuverl\u00e4ssigste Zeitung der Welt bekannt war und deren Artikel auch heute noch \u2013 laut Auskunft der Webseiten deutscher Universit\u00e4ten \u2013 in wissenschaftlichen Arbeiten zitierf\u00e4hig sind.<\/p>\n<p>Die wichtigsten Quellen der <em>NYT<\/em> in der Sowjetunion war Walter Duranty. Der in England geborene amerikanische Journalist war 14 Jahre lang, n\u00e4mlich von 1922 bis 1936, der B\u00fcrochef dieser Zeitung in Moskau. Auch nach seinem Weggang aus Moskau behielt die <em>NYT<\/em> Duranty bis 1941 als Sonder-Korrespondenten f\u00fcr Spezialauftr\u00e4ge an Bord.<\/p>\n<p>1932 erhielt Duranty den <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Pulitzer_Prize\">Pulitzer-Preis<\/a>, die h\u00f6chste journalistische Auszeichnung in den USA, f\u00fcr eine Reihe von Berichten \u00fcber die <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Soviet_Union\">Sowjetunion<\/a>, u.a. \u00fcber die Lage in der Ukraine. In seinen Artikeln thematisierte er auch die Hungersnot in den Jahren 1932\/1933. Allerdings habe diese Hungersnot nicht nur die Ukraine, sondern auch einige andere Regionen Russlands (Wolga und Kaukasus) besonders stark getroffen, wobei sich die normale Sterblichkeit &#8222;mindestens verdreifacht&#8220; habe. Von einer politischen Entscheidung Stalins oder der Kommunisten, die Ukrainer auszurotten, gab es in Durantys Berichten nicht den geringsten Hinweis. Vielmehr kritisierte er in seinen <em>NYT<\/em>-Artikeln einige West-Journalisten und interessierte Kreise scharf, die die Hungersnot zu einem Propagandafeldzug gegen die junge Sowjetunion auszunutzen versuchten.<\/p>\n<p>Ein nachfolgend geschildertes Ereignis zeigt, dass der mediale Kampf um die Deutungshoheit der Hungersnot von 1932\/1933 in Russland und der Ukraine bereits 1933 begonnen hatte, wobei Duranty seiner n\u00fcchternen aber pr\u00e4zisen Berichterstattung treu blieb, f\u00fcr die er das Jahr zuvor mit dem Pulitzer Preis ausgezeichnet worden war.<\/p>\n<p>Am 31. M\u00e4rz 1933 prangerte Walter Duranty in der <em>New York Times<\/em> eine pl\u00f6tzlich &#8222;wie auf Kommando&#8220; erschienene Ansammlung von Berichten als Fake an, die rei\u00dferisch \u00fcber die Notlage in der Ukraine mit Hunderttausenden, wom\u00f6glich Millionen vom Hungertod bedrohten Menschen berichteten. Vor allem richtete er seine Kritik gegen Gareth Jones, einen britischen Journalisten und vormaligen Sekret\u00e4r des britischen Premierministers David Lloyd George, der zwei Tage zuvor in Berlin eine weit verbreitete Pressemitteilung herausgegeben hatte. Darin behauptete Jones, dass er sich bei einer Reise durch die Ukraine pers\u00f6nlich ein Bild von der menschlichen Trag\u00f6die habe machen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Duranty setzte dem rei\u00dferischen Artikel von Jones, der die antisowjetischen Kreise im Westen in ihren Vorurteilen bediente, einen n\u00fcchternen Artikel entgegen, und zwar unter dem Titel &#8222;<a href=\"https:\/\/timesmachine.nytimes.com\/timesmachine\/1933\/03\/31\/99218053.html?pageNumber=13\">Die Russen sind hungrig, aber sie sind nicht am Verhungern<\/a>&#8222;. Als Untertitel folgte &#8222;Todesf\u00e4lle durch von Unterern\u00e4hrung verursachten Krankheiten&#8220;.<\/p>\n<p>Im nachfolgenden Text setzte Duranty dann den Artikel von Jones in den gr\u00f6\u00dferen Zusammenhang des gerade stattfindenden &#8222;diplomatischen Duells&#8220; zwischen Gro\u00dfbritannien und der Sowjetunion, n\u00e4mlich um die britischen Ingenieure der Firma Metropolitan-Vickers, die in sowjetischer Haft sa\u00dfen. Ihnen wurde vorgeworfen, ihre Arbeit beim Aufbau eines Industrieprojektes dazu genutzt zu haben, um dieses Projekt insgeheim zu sabotieren. Ausgerechnet w\u00e4hrend dieser hohe Wogen schlagenden diplomatischen Auseinandersetzung um die Ingenieure \u2013 so Duranty weiter \u2013 tauche dann pl\u00f6tzlich aus britischer Quelle in der amerikanischen Presse eine gro\u00dfe Schreckensgeschichte \u00fcber die Hungersnot in der Sowjetunion auf, mit &#8222;bereits Tausenden Toten und Millionen vom Hungertod bedrohten Menschen&#8220;, wie Jones berichtet hatte.<\/p>\n<p>Im Anschluss wendet sich Duranty in diesem Artikel seinem Widersacher Jones pers\u00f6nlich zu und schreibt, dass dieser sich j\u00fcngst drei Wochen in der Sowjetunion aufgehalten habe und zu dem Schluss gekommen w\u00e4re, dass das Land &#8222;am Rande eines schrecklichen Zusammenbruchs stand&#8220;. Das \u2013 so Duranty \u2013 habe Jones ihm gegen\u00fcber pers\u00f6nlich erkl\u00e4rt. Im n\u00e4chsten Schritt charakterisierte er Jones als einen emsigen Mann, der sich sogar die M\u00fche gegeben habe, Russisch zu lernen, das er einigerma\u00dfen flie\u00dfend beherrsche. Allerdings sei die Lageeinsch\u00e4tzung von Jones zu voreilig. W\u00f6rtlich hei\u00dft es weiter in dem Artikel:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">&#8222;Als ich ihn [Jones] fragte, worauf er denn sein Urteil fundiert, erfuhr ich, dass Jones einen 40-Meilen-Trip durch einige D\u00f6rfer in der Nachbarschaft von Charkow gemacht habe und dabei traurige Bedingungen vorgefunden hat. Auf seine Frage hin habe Jones ihm erz\u00e4hlt, dass es in den D\u00f6rfer, die er besucht hatte, &#8222;so gut wie kein Brot gegeben hat und dass die Erwachsenen ausgemergelt und apathisch aussahen&#8220;. Dazu meinte ich ihm gegen\u00fcber, dass das ein ziemlich unzureichender Querschnitt eines gro\u00dfen Landes sei, um einen schrecklichen Zusammenbruchs vorherzusagen. Aber nichts konnte seine \u00dcberzeugung \u00e4ndern. Erkl\u00e4rend f\u00fcgte Duranty dann in seinem Artikel hinzu, dass diese Art von Weltuntergangsprognosen f\u00fcr die Sowjetunion vor allem unter Briten sehr verbreitet ist, aber bisher immer falsch gewesen seien.<\/p>\n<p>F\u00fcnf Monate sp\u00e4ter, am 23. August 1933, schrieb Duranty in einem weiteren Artikel\u00a0der<em> New York Times<\/em>:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">&#8222;Jeder Bericht \u00fcber eine aktuelle Hungersnot in Russland ist eine \u00dcbertreibung oder b\u00f6sartige Propaganda. Die Nahrungsmittelknappheit, von der im letzten Jahr die gesamte Bev\u00f6lkerung und insbesondere in den getreideproduzierenden Provinzen betroffen war, vor allem in der Ukraine, im Nordkaukasus und in der unteren Wolga-Region, hat jedoch zu schweren Verlusten an Menschenleben gef\u00fchrt.&#8220; Dann machte Duranty seinen eigenen Worten zufolge eine &#8222;konservative Sch\u00e4tzung&#8220;, wonach &#8222;anzunehmen ist&#8220;, dass sich die normale Sterblichkeit in bestimmten Provinzen mit einer Gesamtbev\u00f6lkerung von \u00fcber 40 Millionen &#8222;mindestens verdreifacht&#8220; habe. Das ist schlimm, aber dennoch weit entfernt von den im Westen von interessierten Krisen verbreiteten Schreckensnachrichten vom millionenfachen Hungertod.<\/p>\n<p>Aber Duranty war nicht der einzige Westbesucher in Russland zu dieser Zeit, der die rei\u00dferischen Medienberichte \u00fcber massenhaften Hungertod in Russland und in der Ukraine zur\u00fcckwies. Mit Datum vom 18. September 1933 ver\u00f6ffentlichte die <em>New York Times<\/em>\u00a0<a href=\"https:\/\/timesmachine.nytimes.com\/timesmachine\/1933\/09\/18\/issue.html?auth=login-ml\">eine Notiz<\/a>\u00a0unter dem Titel: &#8222;Herriot verspottet Geschw\u00e4tz \u00fcber die Hungersnot&#8220;. Der kurze Artikel berichtet \u00fcber den ehemaligen franz\u00f6sischen Premierminister <a href=\"https:\/\/fr.wikipedia.org\/wiki\/%C3%89douard_Herriot\">\u00c9douard Herriot<\/a>, der gerade von einem Besuch in Russland zur\u00fcckgekommen war. Bei einer politischen Versammlung in der N\u00e4he seiner Heimatstadt Lyon habe der erkl\u00e4rt: &#8222;Wenn behauptet wird, dass die Ukraine durch eine Hungersnot verw\u00fcstet wurde, dann erlauben Sie mir bitte, dass ich meinen Kopf sch\u00fcttele. Im Gegenteil, in Russland habe ich Leute gesehen, die gerade eine enorme Anstrengung gemacht haben, die allgemeine Schulpflicht einzuf\u00fchren und das Land auf der Basis der Gesetze der Wissenschaft zu industrialisieren.&#8220;<\/p>\n<p>In einer weiteren\u00a0<a href=\"https:\/\/timesmachine.nytimes.com\/timesmachine\/1933\/10\/02\/105806686.html?pageNumber=8\">Notiz vom 2. Oktober 1933<\/a>\u00a0\u00fcber den ehemaligen franz\u00f6sischen Premierminister unter dem Titel &#8222;Herriot besorgt \u00fcber Nazis in der Ukraine&#8220; zitiert die <em>New York Times<\/em> aus einem Artikel des Pariser Wirtschaftsblattes &#8222;Agence \u00c9conomique et Financi\u00e8re&#8220;. Darin hatte Herriot geschrieben:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">&#8222;Derzeit gibt es kein anderes Land in der Welt, \u00fcber das so viel dummes Zeug geschrieben wird, wie \u00fcber Russland. Aktuell gibt es \u00fcberall eine Kampagne \u00fcber die angebliche Hungersnot in der Ukraine. Ich habe davon nichts gesehen, nat\u00fcrlich hier und da und dort Probleme die Bev\u00f6lkerung hinreichend zu ern\u00e4hren oder Probleme mit unzureichender Produktion, aber eine echte Hungersnot habe ich nirgendwo gesehen, nicht einmal in den Deutschen D\u00f6rfern, die ich in der Region besucht habe. Was ich dagegen sehr deutlich gesehen habe ist eine Hitler-artige Kampagne, die auf dem ganz offensichtlichen Wunsch einer deutschen Expansion in Richtung Osten basiert&#8220;, so Herriot.<\/p>\n<p>In einer weiteren\u00a0<a href=\"https:\/\/timesmachine.nytimes.com\/timesmachine\/1933\/10\/28\/105811947.html?pageNumber=16\">Notiz der <em>New York Times<\/em> vom 20. Oktober 1933<\/a>, kurz vor der Anerkennung der Sowjetunion durch die Vereinigten Staaten, hei\u00dft es, dass eine Delegation der &#8222;Vereinigten Ukrainischen Organisationen&#8220; der USA, also eine Delegation von Exil-Ukrainern US-Pr\u00e4sident Roosevelt eine Resolution \u00fcberreichen werde, in der vor der Anerkennung der UdSSR &#8222;eine unparteiliche Untersuchung der Zust\u00e4nde in der Ukraine&#8220; gefordert wird.<\/p>\n<p>Die Anerkennung der Sowjetunion sei nichts anderes als die Anerkennung der Fremdherrschaft einer brutalen Macht \u00fcber die Ukraine. Weiter hei\u00dft es in dem Memorandum der Vereinigten Ukrainischen Organisationen: &#8222;Wir sind fest davon \u00fcberzeugt, dass die Hungersnot in der Ukraine nicht das Resultat einer schlechten Ernte oder der Trockenheit war, sondern im Gegenteil, es war das Resultat eines politischen und kulturellen Konfliktes zwischen ukrainischen nationalistischen Ambitionen und Moskaus imperialistischen und zentralistischen Vorhaben. Sie [die Hungersnot] war der H\u00f6hepunkt einer unerbittlichen und grausamen Verfolgung.&#8220;<\/p>\n<p>Am\u00a0<a href=\"https:\/\/timesmachine.nytimes.com\/timesmachine\/1933\/11\/04\/90650352.html?pageNumber=3\">4. November 1933 berichtete dann die <em>NYT<\/em><\/a>\u00a0von einem weiteren Vorsto\u00df der &#8222;Vereinigten Ukrainischen Organisationen&#8220; in den USA, die diplomatische Anerkennung der Sowjetunion durch Washington doch noch zu verhindern. In einer erneuten Resolution an Roosevelt warfen sie der Sowjetregierung in Moskau vor, &#8222;den verhungernden Ukrainern weder Hilfe zu leisten noch fremde Hilfeleistungen zu erlauben&#8220;. Alle Amerikaner ukrainischer Herkunft wurden aufgerufen, &#8222;gegen die brutale Behandlung der Ukrainer unter sowjetischem Joch zu protestieren&#8220; und an einer Gedenkveranstaltung &#8222;f\u00fcr die Opfer der skrupellosen Vernichtungspolitik der Russen teilzunehmen&#8220;.<\/p>\n<p>Wie wir gesehen haben, hat sich an dem Russen-Hass der der derzeit in der Ukraine tonangebenden nationalistischen und faschistischen Organisationen und ihrer westliche Unterst\u00fctzer in den letzten 90 Jahren nicht viel ge\u00e4ndert. Selbst im Westen ist die Geschichte der Hunger-Jahres 1932\/1933 umgeschrieben worden, um das Feindbild Russland m\u00f6glichst noch tiefer in der deutschen Gesellschaft zu verankern und in deren Fahrwasser zu versuchen, die seit Jahrzehnten gehegten Gel\u00fcste nach freiem Zugriff auf russische Rohstoffe wahr zu machen.<\/p>\n<p>Als Resultat der Ende der 1980er Jahre im Westen erneut begonnenen graduellen Entwicklung hin zu ukrainischen Faschisten-Verstehern blieb auch das Erbe von Walter Duranty nicht verschont. Mit der zeitgleichen Entstehung der Holodomor-Bewegung in den USA und Kanada wurde der 1957 verstorbene Duranty wegen seiner angeblichen Leugnung der Hungersnot in der Ukraine mit &#8222;Millionen Toten&#8220; immer heftiger attackiert.<\/p>\n<p>Laut <em>NYT<\/em> haben ab 1990 vor allem &#8222;ukrainisch-amerikanische und andere Organisationen das Pulitzer-Preiskomitee wiederholt aufgefordert, Durantys Preis zu annullieren&#8220;. Dagegen habe es der Pulitzer-Vorstand zweimal abgelehnt, den Preis zur\u00fcckzuziehen, zuletzt im November 2003, mit der Begr\u00fcndung, er habe &#8222;keine klaren und \u00fcberzeugenden Beweise f\u00fcr eine vors\u00e4tzliche T\u00e4uschung&#8220; in der Serie von Durantys Artikeln gefunden, die den Preis gewonnen hatten,\u00a0<a href=\"https:\/\/www.nytco.com\/company\/prizes-awards\/new-york-times-statement-about-1932-pulitzer-prize-awarded-to-walter-duranty\/\">so die <em>NYT<\/em><\/a>.<\/p>\n<p>Dessen ungeachtet hat nun der unfehlbare Deutsche Bundestag die Version der ukrainischen Nationalisten, Faschisten und Russen-Hasser auf den unverr\u00fcckbaren Sockel der historischen Wahrheit gestellt.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Rainer Rupp ist Mitglied des Beirats des Deutschen Freidenker-Verbandes<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\">Bild: Gem\u00e4lde &#8222;Brot&#8220; von Tetjana Jablonska<span class=\"mw-mmv-title\">, 1949<\/span><\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 10pt;\">Repro: Silar, <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/4.0\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">CC BY-SA 4.0<\/a>, <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 10pt;\">Quelle: <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=114121085\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=114121085<\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Beitrag von Rainer Rupp<\/b><br \/>\n[Mit der] Holodomor-Resolution, die der Bundestag diese Woche nun beschlossen hat &#8230; wurde die Hungersnot in weiten Teilen der Sowjetunion in den Jahren 1932 und 1933 offiziell als Genozid eingestuft, und zwar als angeblich gezielter Versuch der sowjetischen F\u00fchrung, die Menschen in der Ukraine zu vernichten. &#8230; Nachdem der Deutsche Bundestag im Zuge der &#8222;Plandemie&#8220; in seiner unendlichen Weisheit mit seinen Corona-Beschl\u00fcssen den Weg zur Zerst\u00f6rung der deutschen Wirtschaft und Gesellschaft geebnet hatte, hat er nun mit der Anerkennung des Holodomor als &#8222;V\u00f6lkermord&#8220; seine unfehlbare Kompetenz in Sachen Geschichtswissenschaft unter Beweis gestellt. Was auf den ersten Blick jedoch wie eine Bagatelle anmutet, ist politisch ein brandgef\u00e4hrlicher Schritt in Richtung weiterer Beschneidung der Presse- und Meinungsfreiheit hierzulande.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":14812,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","advanced_seo_description":"","jetpack_seo_html_title":"","jetpack_seo_noindex":false,"jetpack_post_was_ever_published":false,"footnotes":""},"categories":[12,1162],"tags":[477,1589,491,1677,1213,222,430,1111],"class_list":["post-14784","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-demokratie-medien-aufklaerung","category-geschichte","tag-bundestag","tag-genozid","tag-geschichte","tag-hungersnot","tag-landwirtschaft","tag-russland","tag-sowjetunion","tag-ukraine"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Tatyana_Yablonka_1949_Bread_800x450.jpg?fit=800%2C450&ssl=1","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p9stpK-3Qs","jetpack-related-posts":[{"id":14769,"url":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=14769","url_meta":{"origin":14784,"position":0},"title":"Holodomor: Ein angeblicher &#8222;Genozid&#8220; als Instrument zum Aushebeln der Demokratie","author":"Webredaktion","date":"30. 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