{"id":14310,"date":"2022-09-30T23:49:56","date_gmt":"2022-09-30T21:49:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=14310"},"modified":"2022-10-10T02:41:48","modified_gmt":"2022-10-10T00:41:48","slug":"randbemerkungen-gegen-eine-hypnose-durch-den-great-reset","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=14310","title":{"rendered":"Randbemerkungen gegen eine Hypnose durch den \u201eGreat Reset\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Aus:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=12821\">\u201eFREIDENKER\u201c Nr. 3-22<\/a>, September 2022, S. 9-13, 81. Jahrgang<\/p>\n<p><em>von <strong>Klaus Linder<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Der heutige Tag ist ein Resultat des gestrigen.<br \/>\n<\/em><em>Was dieser gewollt hat, m\u00fcssen wir erforschen,<br \/>\n<\/em><em>wenn wir zu wissen w\u00fcnschen, was jener will.<br \/>\n<\/em><span style=\"font-size: 10pt;\">(Heinrich Heine, Franz\u00f6sische Zust\u00e4nde)<\/span><\/p>\n<p>Das Buch \u201eThe Great Reset\u201c, deutsch: \u201eCovid-19 &#8211; Der gro\u00dfe Umbruch\u201c von Klaus Schwab und Thierry Malleret erschien im Jahr 2020. Es machte Furore und elektrisierte Freund und Feind. Hauptautor Schwab ist Gr\u00fcnder und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des World Eco\u00adnomic Forum (WEF). Bereits 1971 gr\u00fcndete er dessen Vorg\u00e4nger-Einrichtung als Stiftung unter dem Namen \u201eEuropean Management Forum\u201c. Genauere Ausk\u00fcnfte \u00fcber Schwab bis zur\u00fcck zur Bereicherung des Familien\u00adunterehmens durch Nazi-Kollaboration und Ausbeutung von Zwangsarbeitern bringt der Artikel von Johnny Vedmore \u201eDie Familien\u00adwerte des Klaus Schwab\u201c<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><sup>[1]<\/sup><\/a> .<\/p>\n<p>Den Grund f\u00fcr die alarmierende Wirkung, die von \u201eThe Great Reset\u201c ausging, beschreibt Vedmore so:<\/p>\n<p>\u201e<em>Denn der Great Reset ist eine umfassende Anstrengung, unsere globale Zivilisation zum aus\u00addr\u00fccklichen Nutzen der Eliten des Weltwirtschafts\u00adforums und ihrer Verb\u00fcndeten umzugestalten.<\/em>\u201c <a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\"><sup>[2]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Das entspricht zahllosen gleichlautenden Einsch\u00e4tzungen im Schwall der Folgelite\u00adratur, die innerhalb von zwei Jahren entstand.<\/p>\n<p>Auffallend ist, wie h\u00e4ufig Kritiker und WEF-Propagandisten darin \u00fcbereinstimmen, den Schwabschen Vorsto\u00df zum\u00a0 zentralen \u201efuturologischen\u201c Manifest der \u201eTransforma\u00adtion\u201c des zeitgen\u00f6ssischen\u00a0 Kapitalismus zu erkl\u00e4ren. Ob das zutrifft oder nicht &#8211; zu unter\u00adsuchen w\u00e4re dann die Frage: Welche Vorstel\u00adlungen \u00fcber Imperialismus werden durch diese Agenda eigentlich hervorgerufen? Die Frage ist zu erweitern. Wenn Auseinanderset\u00adzungen mit dem \u201eGreat Reset\u201c zur Sch\u00e4rfung unserer anti-monopolistischen Strategie und Taktik dienen sollen, ist herauszufinden: Welche ideologischen Verschleierungen gehen in Text und Auslegung als Selbstver\u00adst\u00e4ndlichkeiten ein, wo liegen die Fallen, in die wir tappen k\u00f6nnen, wenn wir Begrifflich\u00adkeiten und Vorstellungen als gegeben \u00fcber\u00adnehmen.<\/p>\n<h5>Imperialistische Gemeinwohlideologie<\/h5>\n<p>Allerdings ist das Ausr\u00e4umen von Fallstricken ein m\u00fchsames Gesch\u00e4ft \u2013 m\u00fchsamer, als sie zu legen. Die B\u00fccher des Vielschreibers Schwab bestehen aus modischen Schlagw\u00f6r\u00adtern im anglisierenden Jargon von CEOs, Unternehmenswerbung, PR und Think-Tank-Prosa. Der bornierten Vorstellungswelt der b\u00fcrgerlichen Betriebswirtschaftslehre ent\u00adsprungen, haben sie die Funktion der Ver\u00adschleierung und der Apologie (implizite Rechtfertigung und Besch\u00f6nigung) der mono\u00adpolkapitalistischen Verh\u00e4ltnisse. Charakteris\u00adtisch f\u00fcr die faschisierenden Tendenzen der herrschenden Demagogie werden die Wort\u00adh\u00fclsen so dargeboten, als ginge es dabei um nichts geringeres als um eine bevorstehende \u201eRevolution\u201c. Die Charakterisierung als <em>apo\u00adlogetisch<\/em> bedeutet: Es geht bei dieser pseudo-revolution\u00e4ren Rhetorik um die Rettung der kapitalistischen Produktions- und Eigentums\u00adverh\u00e4ltnisse, heute ganz ausdr\u00fccklich um den Preis drastischer Opferungen von Produktiv\u00adkr\u00e4ften und Produzenten.<\/p>\n<p>Ein Beispiel f\u00fcr die Aufbl\u00e4hung b\u00fcrger\u00adlicher Worth\u00fclsen: In einer neueren Video\u00adbotschaft gibt Schwab die \u201aOffenbarungen\u2018 zur Kenntnis, die bei seiner Forums-Gr\u00fcn\u00addung 1971 Pate gestanden h\u00e4tten; n\u00e4mlich die Entdeckung des \u201eStakeholder-Prinzips\u201c.<\/p>\n<p>Stakeholder sei der Gegenbegriff zu \u201eShareholder\u201c. Shareholder sind die, die von einer kapitalis\u00adtischen Unternehmung profitieren \u2013 Eigent\u00fc\u00admer \/ Mehrheitseigner, Aktion\u00e4re. \u201eStake\u00adholder\u201c, als Gesamtheit derer, die am Gedeih eines Unternehmens ein Interesse haben k\u00f6nnten und durch sein Verhalten beeinflu\u00dft werden, sind alle und keiner: Kunden, Liefe\u00adranten, Mitbenutzer von Infrastruktur, die Kitabetreiber f\u00fcr das Personal etc. ppp. \u2013 sie alle k\u00f6nnten eine irgendwie geartete Geneigt\u00adheit haben, da\u00df das Unternehmen fortbestehe, oder m\u00fcssen zittern, falls es untergeht. Wesentliche \u00f6konomische Realit\u00e4ten sind damit nicht ausgedr\u00fcckt: weder Klassen, noch Eigentumsverh\u00e4ltnisse, noch Ausbeutung, noch die Erzeugung und Verteilung des Mehr\u00adwerts.<\/p>\n<p>Unschwer ist zu erkennen, da\u00df wir hier eine ideologische Zurichtung der Privatisierungs\u00adpolitik durch \u201ePrivat-\u00d6ffentliche Partner\u00adschaften\u201c vor uns haben, die in der Periode des \u201eNeoliberalismus\u201c die Staats- und Volks\u00adeigentum in die Klauen der Finanzbour\u00adgeoisie brachte. Damit w\u00e4re die gesamte gepl\u00fcnderte \u00d6ffentlichkeit \u201eStakeholder\u201c. Der angemessene Ausdruck w\u00e4re \u201eGeisel\u00adnahme\u201c. Die Auspl\u00fcnderung auch der Repro\u00adduktionssph\u00e4re wurde damit l\u00e4ngst in Berei\u00adche verschoben, die gro\u00dfenteils keinen Mehr\u00adwert durch Ausbeutung menschlicher Arbeits\u00adkraft mehr erzeugen, etwa die gesamte \u00f6ffent\u00adliche Daseinsvorsorge.<\/p>\n<p>Gewi\u00df sind das Erscheinungen imperialisti\u00adscher Stagnation und F\u00e4ulnis \u2013 aber sie sind nichts wirklich Neues mitsamt ihren destruk\u00adtiven Auswirkungen. Der ganze \u201eStake\u00adhol\u00adder\u201c-Nebel ist ein Beispiel f\u00fcr das Verfahren, das generell hinter der \u201erevolution\u00e4ren\u201c be\u00adgrifflichen Aufbrezelung von Schwab und Konsorten steckt. Es dient dazu, die ver\u00adsch\u00e4rfte Ausbeutung und Auspl\u00fcnderung mit der Sauce einer falschen Gemeinwohl-Ideolo\u00adgie zu \u00fcbergie\u00dfen \u2013 auch das ein wesentliches Element von Faschisierung.<\/p>\n<h5>Der Mythos vom Ultra-Imperialismus ersteht wieder auf<\/h5>\n<p>Um sich das allgemeine Erschrecken vor den j\u00fcngsten Orakelspr\u00fcchen des Team Schwab besser zu erkl\u00e4ren, mu\u00df offenbar noch etwas Neues in Betracht gezogen werden. Der \u2013 be\u00adrechtigte \u2013 Alarm, den \u201eThe Great Reset\u201c aus\u00adl\u00f6ste, d\u00fcrfte darauf beruhen, da\u00df das kritische Publikum einen \u201eTurning the Screw\u201c-Moment wahrnahm \u2013 eine weitere Drehung der Schraube tief in anthropologische Berei\u00adche (Stichworte: Eugenik, Biotechnologie, \u201eTranshumanismus\u201c, Digitalisierung), die gerade auch lebensphilosophisch-existentia\u00adlistisch gestimmte Gem\u00fcter, die Martin Heideggers Vorbehalte gegen eine \u201eplanetari\u00adsche Herrschaft der Technik\u201c teilen, als die bisher sch\u00fctzenswerte Sph\u00e4re schlechthin an\u00adsehen. H\u00e4ufig geht das einher mit einer abs\u00adtrakten Ablehnung von \u201eTechnologie\u201c als sol\u00adcher, unabh\u00e4ngig von den gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnissen, Gesellschaftsformationen und demokratischen Planungsm\u00f6glichkeiten.<\/p>\n<p>Vieles spricht daf\u00fcr, da\u00df Schwab, dessen Bedeutung eher die eines gut \u201evernetzten\u201c PR-Managers ist, nicht die eines \u201eDenkers\u201c, mit penetranter Gro\u00dfsprecherei genau auf diese Stimmungen kalkulierte, um zun\u00e4chst einmal gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichen Schock und Verwir\u00adrung ins Publikum zu tragen. Dazu tr\u00e4gt ein Ton bei, der st\u00e4ndig zwischen zwei Polen changiert: einerseits wird die \u201epr\u00e4stabilisiert harmonische\u201c Endzeit einer sozialtechno\u00adlogisch vollkommen durchorganisierten \u201ebes\u00adseren Welt\u201c suggeriert, zugleich werden s\u00e4mt\u00adliche apokalyptisch-\u201edystopischen\u201c Bilder\u00adwelten aus den Brunnen b\u00fcrgerlichen Krisen\u00adbewu\u00dftseins heraufbeschworen, die sich seit hundert Jahren im Fundus verkehrter Weltbil\u00adder ablagerten.<\/p>\n<p>F\u00fcr einen beabsichtigten Desorientierungs\u00adeffekt der Publikation spricht bereits die be\u00adwu\u00dfte Verkn\u00fcpfung mit \u201eCovid-19\u201c im deut\u00adschen Titel. Beim gleichzeitigen Erscheinen des Buches mit der Ausrufung einer \u201ewelt\u00adweiten Corona-Pandemie\u201c d\u00fcrfte es sich um wohlberechnetes Timing gehandelt haben.<\/p>\n<p>Es konnte nicht ausbleiben, da\u00df, zumindest f\u00fcr die naivere Wahrnehmung \u2013 sofern sie sich zum Widerstand gegen die Corona-Ausnahmezust\u00e4nde der imperialistischen L\u00e4nder, mit ihrer zutiefst staatsmono\u00adpolistisch deformierten \u201eGesundheitspolitik\u201c bis zur Biontech-Pfizer-Kampagne, bewegt sah \u2013 etwa die folgende Deutung fast zum feststehenden Muster b\u00fcrgerlicher Monopol\u00adkritik wurde:<\/p>\n<p><em>Eine kleine Elite hat sich in die Lage versetzt, \u201eweltweit\u201c einem geradlinigen Plan folgend, die Diktatur gegen \u201eden Rest der Menschheit\u201c aus einem einheitlichen Willlens- und Durchsetzungs\u00adzentrum zu instal\u00adlieren. Fr\u00fcher geteilte Bl\u00f6cke wachsen dabei zu einer \u201eWeltregierung\u201c zusam\u00admen. Das Resultat wird sein: eine \u201etotalit\u00e4re\u201c, \u00fcber den Planeten verh\u00e4ngte \u201eDystopie\u201c. Damit einher gehen Bev\u00f6lkerungsreduktion und -kontrolle, in ihrem Gefolge Eugenik, biologische, chemische, genetische, elektronische Konditionierung bis in die menschliche Natur, samt \u201etotaler\u201c \u00dcberwachung und \u201eGedankenkontrolle\u201c insbesondere bis in die vorgeschriebene Sprache.<\/em><\/p>\n<p>Zun\u00e4chst: Um Tendenzen imperialistischer Herrschaftstechniken zu beschreiben, liegt in einigem davon der Kern Wahrheit, den nicht zu sehen es tats\u00e4chlich der \u201eGehirnw\u00e4sche\u201c bed\u00fcrfte. Manches davon ist ganz richtig, anderes auch falsch. In jedem Falle gilt aber der entscheidende Einwand Lenins: \u201e<em>Der Verfasser hat vollkommen Recht. W\u00fcrden die Kr\u00e4fte des Imperialismus nicht auf Widerstand sto\u00dfen, so w\u00fcrden sie eben dahin f\u00fchren<\/em>\u201c<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\"><sup>[3]<\/sup><\/a>.<\/p>\n<p>Meine These ist stattdessen: Schwab \u2013 mit\u00adsamt seinem j\u00e4hrlichen Davoser Zirkus eher eine untergeordnete Charge der international agierenden Finanzbourgeoisie \u2013 ging es <em>nicht<\/em> darum, tats\u00e4chlich einen Arbeitsauftrag an die \u201einternationalen Eliten\u201c zur Durchsetzung eines \u201eglobal einheitlichen Programms\u201c zu erteilen. Er wei\u00df als Kapitalist selber, da\u00df die materiellen Voraussetzungen und der entspre\u00adchende zentralisierte \u00dcberbau daf\u00fcr fehlen.<\/p>\n<p>Das weltweit verschmolzene Supermono\u00adpol, das n\u00f6tig w\u00e4re, um einen solchen nach Art einer \u201eWeltregierung\u201c hervorzubringen, existiert nicht. Es d\u00fcrfte sich eher um das \u201ePfeifen im Walde\u201c vor dem sich l\u00e4ngst abzeichnende drohenden Hegemonieverlust der imperialistischen Zentren angesichts der aufstrebenden \u201emultipolaren Ordnung\u201c han\u00addeln, somit um den Versuch einer Konter-Offensive gegen die wachsenden antago\u00adnistischen Kr\u00e4fte des Widerstands, von denen Lenin spricht.<\/p>\n<p>Die Vorbereitung des NATO-Kriegs gegen Ru\u00dfland und China war zur Zeit der Aus\u00adrufung des \u201eGreat Reset\u201c l\u00e4ngst im Gange. Wieweit den Akteuren bewu\u00dft war, ob, wann und wie der entscheidende Schritt jenes Widerstandes, der Beginn der russischen milit\u00e4rischen Sonderoperation, bevorstand, wissen wir nicht. Das \u00e4ndert nichts daran, da\u00df der Imperialismus bereits in jenen \u201eEnd\u00adkampf\u201c-Modus \u00fcberging, von dem die Propa\u00adganda seither durchdrungen ist.<\/p>\n<p>Die Rhetorik Schwabs h\u00e4tte vor diesem Hintergrund zwei Zwecke zu erf\u00fcllen: Er\u00adstens, durch eine \u2013 blo\u00df vorget\u00e4uschte \u2013 straff organisierte Klassen-Allmacht l\u00e4hmende Ein\u00adsch\u00fcchterung zu bewirken; und zugleich Ab\u00adlenkung des antimonopolistischen Wider\u00adstandes auf den relativen Nebenschauplatz \u201eCorona\u201c.<\/p>\n<p>Zweitens: Der \u201eRappel \u00e0 l&#8217;Ordre\u201c, der Appell zu B\u00fcndelung und Sammlung an die internationale Bourgeoisie, um der anti-imperialistischen Herausforderung geschlos\u00adsener begegnen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Hier liegt nun, unter dem Stichwort \u201eVer\u00adwirrung des Gegners\u201c, eine Hauptgefahr. Ein Blick auf oben genannte Schlagworte \u2013 \u201eTota\u00adlitarismus, Eliten, Dystopie, \u00dcberbev\u00f6lke\u00adrung\u201c \u2013 zeigt, da\u00df es fast selbstverst\u00e4ndliche Begriffe b\u00fcrgerlicher Vorstellungswelten sind, die eine lange Vorgeschichte aufweisen.<\/p>\n<p>Mit dem Material \u201eGreat Reset\u201c werde ich mich im Folgenden nicht befassen. Statt\u00addessen versuche ich Schl\u00fcsselw\u00f6rter nachzu\u00adzeichnen, von denen ich meine, da\u00df sie f\u00fcr eine Gegenstrategie untauglich sind. Die Gefahr ist gegeben, da\u00df wir durch \u00dcber\u00adnahme dieser Begriffe der hypnotischen Wir\u00adkung der Schwab\u2018schen Demagogie eher erlie\u00adgen, anstatt sie zu durchbrechen.<\/p>\n<h5>Zur \u201eTotalitarismustheorie\u201c<\/h5>\n<p>Die \u201eTotalitarismustheorie\u201c geht in ihren Urspr\u00fcngen zur\u00fcck bis auf die Ausbildung des italienischen Faschismus und vor allem das gleichzeitige b\u00fcrgerliche und sozialdemokra\u00adtische Erschrecken vor der Oktoberrevolution und der Diktatur des Proletariats. Der Ver\u00adweis auf den Faschismus dient nur dazu, \u00fcber diesen Umweg den Sozialismus zu diskredi\u00adtieren. Der Sozialdemokrat Karl Kautsky war einer der ersten, die sich zur sch\u00e4ndlichen \u201eGleichsetzung\u201c des (italienischen) Faschis\u00admus und der Sowjetunion Lenins vermoch\u00adten. Hier gen\u00fcgt es, die Auspr\u00e4gung darzu\u00adstellen, die nach dem Ende der Anti-Hitler-Koalition und mit dem Beginn des Kalten Krieges zum Grundbestand imperialistischer antikommunistischer Ideologie wurde: dieje\u00adnige Fassung, die Hannah Arendt (1906\u20131975) in ihrem Buch \u201eElemente und Urspr\u00fcnge totalit\u00e4rer Herrschaft\u201c ab 1951 vorgelegte.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\"><sup>[4]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Zur Einordnung Arendts unter den konkur\u00adrierenden, aber in der Abwehr des Marxismus einigen Schulen imperialistischer Philoso\u00adphie: Ihr Denken ging aus Lebensphilosophie und Existentialismus hervor, Pr\u00e4gung Hei\u00addegger und Jaspers. Der eine Faschist, der andere rechts-konservativ.<\/p>\n<p>Es verwundert nicht, wenn ihre Geschichts\u00adauffassung sich der pessimistischen \u201eGe\u00adschichtszyklen\u201c-Mythologie Oswald Speng\u00adlers (\u201eDer Untergang des Abendlands\u201c) oder der \u201eewigen Wiederkehr\u201c Nietzsches ann\u00e4hert: \u201e<em>Wenn der letzte Sieger im Kampf um die Erde die ,Sterne nicht annektieren\u2019 kann, so bleibt ihm nur \u00fcbrig, sich selbst zu zerst\u00f6ren, damit der unendliche Prozess aufs neue beginnen kann.<\/em>\u201d <a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\"><sup>[5]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Angeblich sei Voraussetzung \u201etotalit\u00e4rer Herrschaft\u201c: der im Gang befindliche Zerfall sowohl des Nationalstaats als auch der Klassen. Arendt verschleppt in ihre Theorie die, einstmals dem Liberalismus zugeh\u00f6rige, Fiktion eines \u00fcber den Klassen stehenden Staates. Ihre Methode ist gegen den histori\u00adschen Materialismus gerichtet und antidialek\u00adtisch. Eine Dialektik von \u00f6konomischer Basis und \u00dcberbau liegt ihr fern.<\/p>\n<p>Das f\u00fchrt sie zu statisch-belanglosen Aller\u00adweltsaussagen wie die, \u201e<em>dass es eine von der Politik schlechthin unabh\u00e4ngige, ihren eigenen Gesetzen gehorchende, kapitalistische Entwicklung nicht geben kann und nie gegeben hat.<\/em>\u201d<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\"><sup>[6]<\/sup><\/a>; oder aber zu Fehldiagnosen wie:\u00a0 \u201e<em>Das Profit\u00adinteresse, dessen Bedeutung f\u00fcr die imperialistische Politik auch in der Vergangenheit h\u00e4ufig \u00fcbersch\u00e4tzt wurde, ist heute g\u00e4nzlich in den Hintergrund getreten, nur sehr reiche und sehr m\u00e4chtige L\u00e4nder k\u00f6nnen sich die riesigen Verluste leisten, die der Imperialismus mit sich bringt.<\/em>\u201d <a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\"><sup>[7]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Hier ist nicht die Gelegenheit, die Lenin\u00adsche Imperialismustheorie auszuf\u00fchren. Aber soviel ist festzuhalten: Arendt, wie so viele b\u00fcrgerliche Philosophie, befindet sich im fort\u00adw\u00e4hrenden polemischen Bezug gegen dieselbe, ohne das jedoch explizit zu machen. Soweit dem Verst\u00e4ndnis n\u00f6tig, folgende Bemerkung: Bei Lenin bringt der \u00dcbergang zum Imperialismus zwar bedeutende Ver\u00e4n\u00adderungen im Klassengef\u00fcge mit sich, indem das Monopol zur Grundlage der kapitalisti\u00adschen \u00d6konomik wird. Das betrifft sowohl die Herausbildung der Arbeiteraristokratie als auch die der Finanzbourgeoisie.<\/p>\n<p>Der von ihm analysierte \u201eparasit\u00e4re, fau\u00adlende Kapitalismus\u201c setzt aber die von Marx behandelten grundlegenden \u00f6kono\u00admischen Gesetze nicht au\u00dfer Kraft. Weder das Wertgesetz, noch Akkumulation des Kapi\u00adtals, Mehrwert, Profit und, bei allen Form\u00adver\u00e4nderungen (Aktienwesen, oder heutige Verm\u00f6gensverwaltungsgesellschaften z.B.) auch nicht den \u201eBesitzbegriff\u201c. Expansion und Neuaufteilung der Welt, Kapitalexport, erfolgen just aus Akkumulationszwang und Sicherung von Profitraten.<\/p>\n<p>Wir haben also in der folgenden Aussage Arendts einen Kunstgriff der bewu\u00dften Verschleierung der (monopol-)kapitalisti\u00adschen Klassenverh\u00e4ltnisse, die die Grundlage bildet, um den \u201eToatalitarismus\u201c zu einer von der Gesellschaftsformation unabh\u00e4ngigen Angelegenheit zu erkl\u00e4ren. Darauf baut ihre Theorie auf.<\/p>\n<p>Der Imperialismus als Wiedereinglie\u00adderungs- und Parasitismus-Verhinderungs-Programm f\u00fcr die Bourgeoisie entbehrt dabei nicht der Komik: \u201e<em>Wichtiger fast noch als die Sicherung der Profitrate war die Wiederein\u00adgliederung dieser Eigent\u00fcmer in den nationalen K\u00f6rper. Der Imperialismus rettete die Bourgeoisie davor, parasit\u00e4r zu werden, und verhalf ihr dazu, gerade in dem Augenblick eine Rolle zu spielen, als ihr Besitzbegriff sich als \u00fcberaltert herausgestellt hatte, weil ihr Reichtum in der nationalen Produktion nicht mehr gebraucht werden konnte und sie so mit dem Produktionsideal einer Gesellschaft in Konflikt geraten war, an dem alles andere gemessen wurde.<\/em>\u201d <a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\"><sup>[8]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Es ist nicht allzu schwer, die Grundmotive heutiger sogenannter \u201eIdentit\u00e4tenpolitik\u201c in folgender, skandal\u00f6ser Stelle bei Arendt vorgebildet zu finden. Sie setzt die Politik der Rassenvernichtung mit dem Klassenkampf auf eine \u201eerkenntnistheoretische\u201c Stufe:\u00a0 \u201e<em>Es ist gleichg\u00fcltig, ob ,geschichtliche Gesetze\u2019 die Klas\u00adsen oder ihre Vertreter ,absterben\u2019 lassen oder ob ,Naturgesetze\u2019 alle die, welche ohnehin nicht ,lebensf\u00e4hig\u2019 sind \u2013 Demokraten, Juden, \u00f6stliche Untermenschen, unheilbare Kranke ,ausmerzen\u2019.<\/em>\u201d<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\"><sup>[9]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Die Schlu\u00dffolgerungen dieser hyper\u00adidealis\u00adtischen und ahistorischen Geschichts\u00adauf\u00adfassung sind widersinnig, aber konsequent. Widerstand gegen den zum \u201eTotalitarismus\u201c umdefinierten Imperialis\u00admus und Faschismus w\u00e4re nicht mehr m\u00f6glich, organisierte Stra\u00adtegie undenkbar, da unter dem angeblichen Zerfall von Klassen und Nationalstaaten nur die abstrakte Gegen\u00ad\u00fcberstellung des \u201egeis\u00adtigen\u201c, \u201eliberalen\u201c, \u201eaufgekl\u00e4rt-erwachten\u201c Individu\u00adums gegen \u201eMob\u201c und Masse\u201c bleibt. Das f\u00fchrt zur Verkennung und Zur\u00fcck\u00adweisung aller geschichtsm\u00e4chtigen Wider\u00adstandskr\u00e4fte in der Epoche, in der Arendt lebte. Das betrifft auch die Weimarer Re\u00adpublik, in der die KPD die f\u00fchrende Kraft des Antifaschismus war:<\/p>\n<p>\u201e<em>Wesentlicher war, dass der Imperialismus das erste Ph\u00e4nomen war, dem gegen\u00fcber die marxis\u00adtische Theorie der Wirtschaft versagte. Denn f\u00fcr den Marxismus war das neue B\u00fcndnis zwischen Mob und Kapital so unnat\u00fcrlich, schlug so sehr der Lehre vom Klassenkampf ins Gesicht, dass die unmit\u00adtelbaren Gefahren des imperialistischen Expe\u00adriments, sein Versuch, die Menschheit in Herren- und Sklavenrassen, in farbige und wei\u00dfe V\u00f6lker zu teilen und das in Klassen gespaltene Volk auf der Basis der Weltanschauung des Mob zu eini\u00adgen, gar nicht zur Kenntnis genommen wurden.<\/em>\u201d<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\"><sup>[10]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>So kommt sie zu dem grotesken Schlu\u00df: \u201e<em>Es ist immerhin merkw\u00fcrdig, dass es nie eine wirklich popul\u00e4re Opposition gegen imperialistische Politik gegeben hat<\/em>.\u201d<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\"><sup>[11]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Die \u201etheoretische\u201c Ausschaltung der Kom\u00admunisten als antifaschistische Kraft wird durch Geschichtsf\u00e4lschung folgender Art \u201ebelegt\u201c. W\u00e4hrend die KPD in der uns bekannte Wirklichkeit mit der richtigen Losung antrat \u201eWer Hindenburg w\u00e4hlt, w\u00e4hlt Hitler, wer Hitler w\u00e4hlt, w\u00e4hlt Krieg\u201c behaup\u00adtet Arendt, die KPD-Losung sei gewesen: \u201e<em>\u201aWer Hitler w\u00e4hlt, w\u00e4hlt Hindenburg.\u2019<\/em>\u201d So ent\u00adsteht der Eindruck, die &#8218;totalit\u00e4ren&#8216; Kommu\u00adnisten h\u00e4tten in heimlicher Komplizenschaft den Faschismus als das kleinere \u00dcbel gegen\u00ad\u00fcber dem Pr\u00e4sidenten der Noch-Demokratie erachtet.<\/p>\n<p>Mit derartigen Taschenspielereien wurden die Grundlagen der Gleichsetzung von Nazis und Kommunismus geschaffen. Nach den Siegen der Roten Armee \u00fcber den Faschismus erforderte das zun\u00e4chst die Gleichsetzung der Hitlerdiktatur mit dem \u201eStalinismus\u201c, ergo der Sowjetunion. Als der Popanz \u201eStalin\u201c nicht mehr zur Verf\u00fcgung stand, empfahl Arendt, durchaus vorausschauend f\u00fcr sp\u00e4tere Anwendungen ihrer \u201eTheorie\u201c, eine Umori\u00adenterung auf die Volksrepublik China. Sie forderte<em>, die verschiedenen kommunistischen Einparteiendiktaturen, denen wir in der Realit\u00e4t gegen\u00fcberstehen, von einem echten totalit\u00e4ren Sys\u00adtem zu unterscheiden, wie es sich in China, wenn auch in einer neuen Form, herausbilden k\u00f6nnte.<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\"><sup><strong>[12]<\/strong><\/sup><\/a> <\/em><\/p>\n<p><em>Hiermit ist ein \u201ezeitloser\u201c Vorzug der \u201eTotalita\u00adrismustheorie\u201c zur Spaltung des Antiimperialismus angezeigt. Sie ist biegsam genug, um sich je nach Bedarf gegen jeden jeweils aktuellen Hauptfeind als neue Verk\u00f6rperung des \u201eTotalitarismus\u201c zu wen\u00adden, auf den das Visier des imperialistischen An\u00adgriffsb\u00fcndnisses sich richtet. Die Hauptfeinde sind immer genau da, wo der Kampf gegen Imperialis\u00admus und Faschismus <\/em>siegreich<em> ist. So abgestanden die Aussagen im Einzelnen sind: Die \u201eTotalitaris\u00admustheorie\u201c bleibt ein unerl\u00e4\u00dfliches Element ge\u00adrade auch zur propagandistischen Mobilisierung des NATO-Kriegs nach au\u00dfen und der Manipula\u00adtion des Hinterlandes nach innen. Es sollte offen\u00adsichtlich sein, da\u00df wir gegen das \u201aImperium der L\u00fcgen\u2018 nicht standhalten k\u00f6nnen, wenn wir uns auch nur mit Anleihen bei der Arendtschen Ideolo\u00adgie und allem, was daraus abgeleitet wird, bedie\u00adnen.<\/em><\/p>\n<h5>Elitenherrschaft, \u201eDystopie\u201c<\/h5>\n<p>Es liegt nahe, da\u00df die \u201eTotalitarismustheorie\u201c mit ihrer beliebigen Ausrichtung, mal gegen die Sowjetunion, mal gegen China, mal gegen die DDR, ein Tummelplatz von Trotzkisten verschiedener Observanzen ist. Ein solcher war James Burnham (1905-1987), der zu erin\u00adnern ist, weil er bereits 1941 einem Dogma zur Popularit\u00e4t verhalf, das heute fast fraglos zur Verschleierung monopolkapitalistischer Herrschaft eingesetzt wird \u2013 mal unter der Maske vehementer Gesellschaftskritik, mal im Gebaren herrschender Politikfunktion\u00e4re selber.<\/p>\n<p>Gemeint ist das Dogma von der \u201eEliten- oder Managerherrschaft\u201c, die sich angeblich \u00fcber s\u00e4mtliche sogenannte \u201eIndustriegesell\u00adschaften\u201c erstrecke, mit Tendenz zur Bildung eines \u201eweltweiten Systems\u201c. Wie bei Arendt werden die Merkmale gegens\u00e4tzlicher \u00f6kono\u00admischer Gesellschaftsformationen verwischt und zum Verschwinden gebracht.<\/p>\n<p>Als Trotzkist war Burnham in den USA 1934 Mitbegr\u00fcnder der \u201eSocialist Workers Party\u201c. In dem Ma\u00dfe, wie der Angriff des faschistischen Deutschlands auf die Sowjet\u00adunion n\u00e4herr\u00fcckte, entdeckte Burnham die Sowjetunion als Hauptobjekt seines politi\u00adschen Hasses, \u00fcberaus \u00e4hnlich denjenigen, die heute angesichts der offenen Zerst\u00f6rung der Demokratie im imperialistischen Deutsch\u00adland das \u201etotalit\u00e4re China\u201c als einen Urheber des Wegs in den Ausnahmezustand auszu\u00admachen w\u00e4hnen.<\/p>\n<p>Der \u201eAntistalinismus\u201c lie\u00df ihn im Land der Think Tanks, Politik- und Pr\u00e4sidentenberater, geostrategischen Futurologen und Propheten daraufhin Karriere machen. Deren Kr\u00f6nung war die \u00dcberreichung der h\u00f6chsten Auszeich\u00adnung durch einen US-Pr\u00e4sidenten, der Frei\u00adheitsmedaille, die dem Ultrareaktion\u00e4r Burn\u00adham 1983 durch Ronald Reagan verliehen wurde.<\/p>\n<p>In den Jahrzehnten zuvor wirkte er als \u201eTheoretiker\u201c der (neo-)konservativen Bewe\u00adgung, CIA-Mitarbeiter, entschiedener anti\u00adkommunistischer Kalter Krieger, ma\u00dfgebli\u00adcher Redakteur der konservativen \u201eNational Revue\u201c. F\u00fcr den CIA wirkte er insbesondere auf dem Felde der kulturellen Unterwande\u00adrungsarbeit. Er war Mitbegr\u00fcnder des CIA-gesteuerten \u201eCongress for Cultural Free\u00addom\u201c, bei dem es darum ging, liberale und linke europ\u00e4ische Intellektuelle, immer unter dem Banner des \u201eAntistalinismus\u201c, f\u00fcr die imperialistische Front zu gewinnen.<\/p>\n<p>Das Buch, das ihm Ruhm in der westlichen Welt brachte, erschien bereits 1941 unter dem Titel \u201eThe Managerial Revoution\u201c (deutsch: \u201eDas Regime der Manager\u201c). Bereits im futu\u00adristisch-prognostischen Stil geschrieben, wur\u00adden darin \u201eVoraussagen\u201c der folgenden Art gemacht, deren Widerhall bis in die Auf- und Erg\u00fcsse Schwabs nicht zu \u00fcberh\u00f6ren ist: Die kapitalistische Gesellschaft werde \u00fcberwun\u00adden, aber nicht durch den Sieg der Arbeiter\u00adklasse und eine sozialistische Gesellschaft sondern \u201eetwas Drittes\u201c. Es komme zu einer irgendwie auf \u201eKollektiveigentum\u201c basieren\u00adden Gesellschaft, die durch eine Manager-Elite beherrscht werde, die alle \u00fcbrigen Gesellschaftsmitglieder irgendwie ausbeuten k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Diese Variante der \u201eTotalitarismustheorie\u201c entstand noch vor dem Buch Hannah Arendts. Die gemeinsame doppelte Sto\u00dfrich\u00adtung ist die gleiche: einerseits Verschleierung der \u00f6konomischen Grundlagen des Monopol\u00adkapitalismus, und damit auch des tats\u00e4chli\u00adchen Faschismus, andererseits die erbitterte Abwehr des revolution\u00e4ren Klassenkampfes und des Sozialismus. Auch der Ahistorismus ist der gleiche, mit dem ein fiktiver gesell\u00adschaftlicher \u00dcberbau ohne erkennbare \u00f6kono\u00admische Basis absolut gesetzt wird. Die arbeits\u00adteiligen Funktionen, aus denen sich nach Burnham die angebliche internationale Klasse der Eliten oder Manager in ununterscheid\u00adbaren \u201eIndustriegesellschaften\u201c zusammen\u00adsetzen soll, sind aus verschiedensten Berei\u00adchen der Produktions- und Reproduktions\u00adsph\u00e4re bunt zusammengew\u00fcrfelt (Adminis\u00adtratoren, Experten, leitende Ingenieure, Pro\u00adduktionsleiter, Propagandaspezialisten und Technokraten).<\/p>\n<p>Ihr T\u00e4tigkeitsfeld ist das \u201ePlanen\u201c, \u201e\u00dcber\u00adwachen\u201c und \u201eZusammenf\u00fcgen\u201c der gesell\u00adschaftlichen Prozesse. Geschichte ist in dieser, einmal mehr mit der Zweifelsfreiheit des Orakels vorgebrachten, \u201eVision\u201c das Ent\u00adstehen und Vergehen \u201eder Eliten\u201c. Sozialisti\u00adsche Revolutionen bringen unter diesem begrifflichen Verwirrspiel angeblich ebenfalls \u201eManager\u201c an die Macht, die die Massen durch die Vort\u00e4uschung von Sozialismus fop\u00adpen. (Abermals sei auf die geschickte Camouf\u00adlage des Klaus Schwab verwiesen, der von vielen seiner Kritiker, wie auch das seinem \u201eGeiste\u201c entsprungene gr\u00fcne Faschisierungs\u00adpersonal in Deutschland, als Exponent eines \u201elinken kapitalistisch-sozialistischen Trans\u00adformationsprojektes\u201c angesehen wird.) In einem f\u00fcr trotzkistische Parteizusammen\u00adh\u00e4nge verfa\u00dften Schriftst\u00fcck von 1940 formu\u00adlierte Burnham die Quintessenz seiner reakti\u00adon\u00e4ren Eliten-Theorie:<\/p>\n<p>\u201e<em>Ich erachte, da\u00df auf der Basis der uns nun zug\u00e4nglichen Beweise eine neue Form der Ausbeu\u00adtungsgesellschaft (die ich Managergesellschaft nenne) nicht nur m\u00f6glich, nicht nur eine m\u00f6gliche Alternative zum Kapitalismus, sondern ein wahr\u00adscheinlicherer Ausgang der gegenw\u00e4rtigen Periode als der Sozialismus ist. Wie ihr wi\u00dft, bin ich nicht der Meinung, da\u00df Ru\u00dfland in irgendeinem einseh\u00adbaren Sinn als Arbeiterstaat bezeichnet werde kann. Diese Auffassung ist jedoch mit weit grunds\u00e4tzli\u00adcheren Schlu\u00dffolgerungen verbunden: zum Beispiel mu\u00df der Stalinismus als Manifestation derselben historischen Kr\u00e4fte verstanden werden, deren andere Manifestation der Faschismus ist<\/em>\u201c<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\"><sup>[13]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Das wahre Ziel des Sozialismus sei nach Burnham die Erhaltung des Kapitalismus.<\/p>\n<p>Dergleichen antikommunistische Wirrsal konnte den Rekrutierungsbem\u00fchungen des Vorl\u00e4ufers der CIA, dem OSS, im Jahre 1944, schon in Vorbereitung eines Kalten oder Hei\u00dfen Krieges gegen die Sowjetunion, nicht entgehen. Burnham wurde Analyst f\u00fcr die Beh\u00f6rde. Der Ausgangspunkt seiner Ein\u00adsch\u00e4tzungen war: 1944 hat der Dritte Welt\u00adkrieg, der Endkampf f\u00fcr das angestrebte ame\u00adrikanische Weltreich begonnen. (Der USA-Exzeptionalismus dieser Perspektive war Pro\u00adgramm.). Man k\u00f6nnte das als den imperialis\u00adtischen \u201eGreat Reset\u201c-Versuch anno 1945 bezeichnen. Die \u201eStaatstheorie\u201c, die daraus gebildet wurde, basierte auf folgenden Punk\u00adten:<\/p>\n<p>Die angebliche \u201eManagerrevolution\u201c be\u00adzeichnet den \u00dcbergang zu einer neuen \u201eGesellschaftsformation\u201c. Alle kapitalisti\u00adschen, auch die faschistischen, und sozialisti\u00adschen Gesellschaften flie\u00dfen in dieser zusam\u00admen. Die \u201eManager\u201c als \u201eElite\u201c bringen damit die Rest-Gesellschaft unter ihre Herr\u00adschaft. Wunderwaffe dieser neuen Klassen\u00admacht sei \u201eTechnisierung\u201c und \u201cVerwissen\u00adschaftlichung\u201c. Demokratie als \u201eVolksvertre\u00adtung\u201c oder \u201eSelbstverwaltung\u201c ist zur\u00fcckzu\u00adweisen, da die Herrschaft einer Minderheit \u00fcber die Mehrheit der menschlichen Natur entspringe. Die Manager-Eliten-Gesellschaft werde nicht mehr aus unabh\u00e4ngigen Natio\u00adnalstaaten bestehen. Die wie oben umdefi\u00adnierte \u201eSouver\u00e4nit\u00e4t\u201c wird verlagert in zentra\u00adlisierte \u201eSuperstaaten\u201c, die sich um die indus\u00adtriellen Zentren Europa, Asien und Amerika gruppieren. Die Gesellschaft wird hierar\u00adchisch sein, von den Eliten herab bis zu Halb\u00adsklaven. Die \u201eManager\u201c werden die Kapita\u00adlistenklasse eliminieren, die Arbeiterklasse zerschlagen, Privateigentum zerst\u00f6ren aber gleichwohl Macht und \u00f6konomische Privile\u00adgien in ihren H\u00e4nden halten.<\/p>\n<p>Wenn nun gefragt w\u00fcrde, ob das \u201etragisch-dystopisch\u201c oder \u201eeuphorisch-harmonisch\u201c gemeint sei, w\u00e4re zu antworten: Das spielt keine Rolle mehr. Das b\u00fcrgerlich-imperialisti\u00adsche Krisenbewu\u00dftsein hat nur noch den fata\u00adlistischen Ton des \u201eSo wird es sein, weil es anders nicht kommen kann\u201c zur Verf\u00fcgung. Seiner historischen Perspektivlosigeit ist, um Zeit zu gewinnen, alles recht \u2013 au\u00dfer der proletarischen Revolution.<\/p>\n<p>Aus zwei Gr\u00fcnden erfolgt hier die Darstel\u00adlung dieser scheinbar vergessenen Ideologien:<\/p>\n<ol>\n<li>Trotz ihrer in sich widerspr\u00fcchlichen und realit\u00e4tsfernen Voraussetzungen begegnen uns dergleichen Vorstellungen heute auf Schritt und Tritt, gerade in der Literatur um den \u201eGreat Reset\u201c. Die Verschleierung der tats\u00e4chlichen Klassenmachtverh\u00e4ltnisse wirkt sich leider h\u00e4ufig auch auf die Kritiker aus, die die Phantastik der Manager- und Elitenherr\u00adschaft f\u00fcr bare M\u00fcnze nehmen.<\/li>\n<li>hatte Burnhams Arbeit eine unmittelbare Nachahmerschaft in Science Fiction, die heute noch beliebter ist, um eine irref\u00fchrende Auffassung von Faschismus und Faschisie\u00adrung zum Ausdruck zu bringen. Gemeint ist der 1949 erschienene \u201edystopische\u201c Roman von George Orwell: \u201e1984\u201c.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Diese Utopie eines \u201etotalit\u00e4ren Staates\u201c in Romanform kn\u00fcpft unmittelbar an Burnham an, der Orwell dazu inspirierte. Auch hier ist die Totalitarismustheorie aus der b\u00fcrgerlichen Abwehr des Kommunismus motiviert, durch dessen verzerrte \u201eDarstellung\u201c sich s\u00e4mtliche Elemente brechen, die sich eventuell als Be\u00adschreibung von Orwells eigener kapitalisti\u00adschen Gesellschaft lesen lie\u00dfen.<\/p>\n<p>Durch den Trotzkismus gepr\u00e4gt wie sein Vorbild, richtet Orwell die \u201eUtopie\u201c in erster Linie gegen die von einem erbitterten Antikommunisten imaginierte Sowjetunion (in die er niemals einen Fu\u00df setzte). Es w\u00e4re erm\u00fcdend, die in der Orwell-Literatur aus\u00adgiebig dargelegten, letztlich monotonen und schematischen Analogien, Allegorien, An\u00adspielungen gegen die Sowjetunion aufzu\u00adz\u00e4hlen. Sie ziehen sich durch die kleinsten Einf\u00e4lle, von den beliebten Wortabk\u00fcrzungen (Akronymen) bis zur Modellierung des wirklichen oder fiktiven Haupt-Staatsfeindes \u201edes Systems\u201c anhand der Figur Trotzki. Der Orwellsche Staat wird beherrscht von einer \u201eSozialistischen Partei Englands\u201c. Angeblich sei es, laut Orwell-Literatur, eine Wiedergabe der Sowjetgesellschaft, da\u00df die \u201eHerrschafts\u00adpyramide\u201c aus innerer Partei, \u00e4u\u00dferer Partei und Arbeitern (Proles, Massen) bestehe.<\/p>\n<p>Der Roman konnte sich vor allem lebendig erhalten aufgrund einer F\u00fclle einzelner Einf\u00e4lle, die allesamt die Oberfl\u00e4chenstruktur der Handlung betreffen, n\u00e4mlich die zahl\u00adreichen Erfindungen \u00fcber Herrschaftstech\u00adniken, besonders zur Kontrolle des Bewu\u00dftseins, nebst ihren Bezeichnungen, die zum Teil sprichw\u00f6rtlich wurden (\u201eWahrheits\u00administerium\u201c, \u201eGro\u00dfer Bruder\u201c).<\/p>\n<p>Von Burnham \u00fcbernommen wurde die Auf\u00adfassung, da\u00df der \u201eTotalitarismus\u201c zu, einer \u201eWeltregierung\u201c zustrebenden, \u201eSuperstaa\u00adten\u201c f\u00fchre, die in drei geographische Bl\u00f6cke aufgeteilt sind. Wie bei Burnham und Arendt dient die Oberfl\u00e4chenbeschreibung des \u201eTota\u00adlitarismus\u201c zur Verschleierung des Zusam\u00admenhangs von Kapitalismus, Imperialismus und Faschismus. Da es sich um kleinb\u00fcrger\u00adlich-individualistische Gedankengeb\u00e4ude han\u00ad delt, nimmt es nicht Wunder, da\u00df der Be\u00adwu\u00dftseins- und Gedankenkontrolle und -\u00fcberwachung ein \u00fcberproportionaler Raum in der Darstellung dessen zukommt, was man als \u201eElemente des Faschismus\u201c \u00fcbersetzen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Echte Klassenk\u00e4mpfe kommen hier so wenig vor wie die materiellen Grundlagen dieser undefinierten Elitenherrschaft. Es gibt eben zum statischen \u201eSystem\u201c erhobene \u201eHerrschaft\u201c. Entsprechend ist, wie bei Arendt, Widerstand nur als kleinb\u00fcrgerlich vereinzelte Auflehnung \u201eAufgewachter\u201c gegen die \u201eGemeinschaft\u201c, die \u201eMasse\u201c, das \u201eSystem\u201c denkbar und spielt vornehmlich im Bereich des Selbstbewu\u00dftseins. Das macht die eigentliche Romanhandlung erm\u00fcdend sche\u00admatisch, da sie \u00fcber den abstrakten Gegensatz \u201eIndividuum\u201c und \u201ebeherrschte Masse\u201c nicht hinauskommt. Die Starre dieser in eine vordergr\u00fcndige Handlung gegossenen politi\u00adschen Thesen ist nicht nur eine literarische Schw\u00e4che. Sie \u00fcbertr\u00e4gt sich auch auf die fatale politische Botschaft, die sich wie bei Arendt ergibt:<\/p>\n<ol>\n<li>werden Gesellschaftsformationen so unerkennbar gemacht, da\u00df die Grundlage his\u00adtorischer Widerstandsbewegungen ebenfalls nicht zu erkennen ist.<\/li>\n<li>wird der Begriff organisierten Widerstan\u00addes absorbiert durch den Kult des \u201efreieren\u201c Individuums, das allenfalls eine \u201eh\u00f6here Bewu\u00dftseinsstufe\u201c gegen\u00fcber den \u201eschlafen\u00adden Massen\u201c halten kann.<\/li>\n<li>wird, bei aller absichtsvollen Verwischt\u00adheit des Charakters der Gesellschaftsform, die Sache so gewendet, da\u00df am Ende immer \u201eder Kommunismus\u201c als Vorbild f\u00fcr das \u201eEnde der Geschichte\u201c in Form des \u201etotalit\u00e4ren \u00dcberwachungsstaats einer Elitenherrschaft\u201c herhalten mu\u00df.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Vorstellungen von \u201eTotalitarismustheorie\u201c, \u201eElitenherrschaft\u201c und \u201eDystopie\u201c konditio\u00adnieren auch heute das Bewu\u00dftsein b\u00fcrgerli\u00adcher Schichten durch die herrschende Ideolo\u00adgie. Erstaunlich w\u00e4re nur, wenn es nicht so w\u00e4re. Es ist davon auszugehen, da\u00df sich das in Entscheidungsmomenten l\u00e4hmend aus\u00adwirkt, wo diese Schichten bereits in Wider\u00adspruch gerieten mit dem, was sie als faschisti\u00adsche Tendenz des Monopolkapitalismus re\u00adgistrieren. H\u00e4ufig ist die Spontaneit\u00e4t da sogar weiter als das, was als \u201epolitische Theorie\u201c \u00fcbergest\u00fclpt wird.<\/p>\n<p>Wenn die Diversionstechniken, die im Hegemoniebereich der USA seit 1945 gang und g\u00e4be sind, auf sie angesetzt werden, kann das im NATO-Sinne gegen einen ganz vagen Begriff von \u201eWeltimperium\u201c gewendet wer\u00adden, oder gegen Ru\u00dfland und China, die dann sogar, in Verkennung der \u00fcberdeutlichen wirklichen Frontstellung, als \u201eKomplizen des Great Reset\u201c eingeordnet werden. Da diese Diversionstechniken \u00fcber gen\u00fcgend konzep\u00adtive Ideologen und Auf\u00adtragst\u00e4ter verf\u00fcgen, um antifaschistisch-demokratische Protest\u00adregungen auf den falschen Gegner zu lenken, ist dem beharrlich entgegenzuarbeiten.<\/p>\n<h5>Club of Rome<\/h5>\n<p>Fast gleichzeitig, und das nicht zuf\u00e4llig, mit der Gr\u00fcndung des ersten \u201eManager-Eliten-Forums\u201c durch Klaus Schwab 1971 erschien 1972 die wesentlich von der Rockefeller Stif\u00adtung finanzierte und beauftragte \u201eStudie\u201c \u201eThe Limits to Growth\u201c (\u201eDie Grenzen des Wachstums\u201c). Vor dem Hintergrund nicht nur der allgemeinen Krise des Kapitalismus, sondern auch der \u00fcberwunden geglaubten, nun erneut hereinbrechenden zyklischen Krise mit Rezession, Stagflation und \u201eDollar\u00adschock\u201c, nebst \u201e\u00d6lkrise\u201c, wurde hier, als Stra\u00adtegie der finanzmonopolistischen Krisenbe\u00adw\u00e4ltigung, die Weichenstellung zur Ideologie der \u201ekontrollierten\u201c Produktivkraftzerst\u00f6rung (und \/ oder -auslagerung) vollzogen.<\/p>\n<p>Die staatsmonopolistischen makrok\u00f6nomi\u00adschen Steuerungs-Theorien gingen, mit dem Scheitern des Keynesianismus und dem Ein\u00adzug der \u201eneoliberalen\u201c Glaubenss\u00e4tze, von der \u201eharmonischen\u201c in die \u201eapokalyptische\u201c Phase \u00fcber, in der sie sich bis heute befinden.<\/p>\n<p>Der vermeintliche Sieg der Kon\u00adterrevolution 1990 hat daran nichts ge\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Die Antiproduktivkraft-Ideologie erschien zun\u00e4chst unter zahlreichen \u201egr\u00fcnen\u201c Bem\u00e4n\u00adtelungen, jahrzehntelang, bis sie heute als chauvinistischste Variante transatlantischer Kriegspolitik kenntlich wurde. Sie beinhaltet immer einen massiven Angriff gegen die Arbeiterklasse (und Bauern) der imperialisti\u00adschen L\u00e4nder und zugleich gegen die Pro\u00adduktivkraftentwicklung und souver\u00e4ne Staat\u00adlichkeit abh\u00e4ngig gehaltener L\u00e4nder.<\/p>\n<p>Damit taugte sie auch vorz\u00fcglich zur Destabilisierung und Unterwanderung der sozialistischen L\u00e4nder. Die vermeintlich \u00fcber den Klassen, \u00fcber den Nationen stehende, \u201euniversale\u201c Gemeinwohlideologie, die hier propagiert wurde, wechselte in einem halben Jahrhundert mehrmals ihr Gesicht. 1972 behauptete sie die angebliche absolute End\u00adlichkeit der Ressourcen. Nebenbei errichtete die bourgeoise Apokalyptik in der BRD noch eine irrationale Kampagne gegen \u201eAtom\u00adkraft\u201c als solche, mit der die westdeutsche Friedensbewegung \u201enachhaltig\u201c (hier stimmt das Wort) desorientiert wurde.<\/p>\n<p>Als die Schlagkraft des Club of Rome \u2013 auch aufgrund sich bald als falsch heraus\u00adstellender Berechnungen \u2013 sich ersch\u00f6pfte, sattelte man um auf die aufw\u00e4ndige Propa\u00adgierung des neuen Dogmas, da\u00df n\u00e4mlich ganz unabh\u00e4ngig von der Endlichkeit dieser Ressourcen (fossile Energietr\u00e4ger) die angeb\u00adliche Rettung des \u201eWeltklimas\u201c ihre Nutzung sowieso \u201everbiete\u201c.<\/p>\n<p>Schuld seien nun geringe Mengen des Gases CO2 in der Atmosph\u00e4re, genauer: die noch viel geringere Menge seines \u201emenschen\u00adgemachten\u201c Anteils, noch genauer: \u201edie Industrialisierung\u201c. Wer Kr\u00e4fte komman\u00addieren kann, die \u00fcber den dogmengl\u00e4ubigen Fanatismus verf\u00fcgen, solche Ideologien mit allen Konsequenzen zumindest vorl\u00e4ufig durchzusetzen, verf\u00fcgt \u00fcber ein m\u00e4chtiges Instrument, um gesellschaftlichen, \u00f6kono\u00admischen, sozialen Fortschritt offensiv zu sabotieren und zu unterbinden.<\/p>\n<p>Es war nicht nur eine faschisierungstaug\u00adliche \u201eGemeinwohlideologie \u00fcber den ka\u00adpitalistischen Widerspr\u00fcchen\u201c gefunden wor\u00adden. Diese vollzog zugleich eine deutliche an\u00adtihumanistische Wende, indem \u201eder Mensch\u201c durch seine \u00f6konomisch-industrielle T\u00e4tig\u00adkeit, ja bereits durch die Meisterung der Naturkr\u00e4fte, zur \u201eErbs\u00fcnde\u201c der Natur, des Planeten, des Kosmos wurde.<\/p>\n<p>Bei allem Positivismus der Methodik: die existentialistische Lebensphilosophie feierte Feste. Aus marxistischer Sicht charakteri\u00adsierte Andr\u00e1s Ged\u00f6 diese Ideologie im Jahre 1978 folgenderma\u00dfen:<\/p>\n<p>\u201eDieser mit technizistischen Mitteln konstruierte antitechnizistische Krisenmythos m\u00fcndet in die \u201asozialtechnologischen\u2018 Illusionen des Zum-Stillstand-Bringens des Wachstums, des Erreichens des \u201aglobalen Gleichgewichts\u2018. Die Vorstellungen der \u201aGrenzen des Wachstums\u2018 reflektieren zum einen die wirklichen \u00f6kologischen Krisen\u00aderscheinungen des gegenw\u00e4rtigen Kapita\u00adlismus, wobei ihre Deutung dieser Er\u00adscheinungen das Gesellschaftlich-\u00d6kono\u00admische aus der \u00f6kologischen Krise aus\u00adschaltet; sie bringen zum anderen den \u00dcber\u00adgang zur neuen Phase der allgemeinen Krise des Kapitalismus im Spiegel der Apologie zum Ausdruck, insofern sie der Gesellschafts\u00adkritik, die das kapitalistische System in Frage stellt, die antitechnizistische Verurteilung der Produktivkr\u00e4fte, letztlich die Idee der techni\u00adschen \u201aErbs\u00fcnde\u2018 des Menschen, die Ableh\u00adnung der auf Wachstum und Konsumtion dr\u00e4ngenden philosophischen und morali\u00adschen Einstellung entgegensetzt.\u201c<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\"><sup>[14]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Die dritte Umwandlung dieser Ideologie der Produktivkraft-Verhinderung und des radikalen \u00fcber die arbeitenden Klassen ver\u00adh\u00e4ngten Konsum-Verzichts wurde heute erreicht \u2013 und damit der Maskenfall, der ihren nackten imperialistischen Kern enth\u00fcllt. Ihre katastrophische Durchsetzung, wird nun weder durch \u201eEndlichkeit der Ressourcen\u201c, noch durch \u201eplanetarische Klimarettung\u201c begr\u00fcndet, sondern als offener \u00dcbergang (\u201eZeitenwende\u201c genannt) zur Kriegswirt\u00adschaft gegen Ru\u00dfland (und China), mit den f\u00fcr das nationale Wirtschaftsgef\u00fcge vollends zerst\u00f6rerischen \u201eSanktionen gegen Putin\u201c.<\/p>\n<p>Nicht anders als heute bei der sozialreaktio\u00adn\u00e4ren \u201eFridays for Future\u201c-Bewegung, hing sich die bourgeoise Verzichts-Ideologie auch damals ein \u201eantikapitalistisches\u201c M\u00e4ntelchen um und pr\u00e4sentierte sich als \u201eanthropologi\u00adsche Revolution\u201c. So \u00e4u\u00dferte Sicco Mansholt, der damalige Pr\u00e4sident der Europ\u00e4ischen Kommission, 1973:<\/p>\n<p>\u201eDiese Gegenkr\u00e4fte k\u00f6nnen wir nur entwi\u00adckeln, wenn es uns gelingt, Mentalit\u00e4t und Denkweisen der Menschen in unserer Gesell\u00adschaft grundlegend zu \u00e4ndern. Wir m\u00fcssen eine Gesellschaft anstreben, die bereit ist, einen Stillstand, ja auch ein materielles Absin\u00adken des Konsums ohne Murren hinzuneh\u00admen. F\u00fcr den Konsumenten hei\u00dft das: weni\u00adger Autos, weniger Farbfernseher, weniger Wochenendh\u00e4user. Es hei\u00dft: Bescheidung. Es bedeutet: einfacher zu leben.\u201c<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\"><sup>[15]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Es will scheinen, da\u00df das Gebet des dama\u00adligen EU-Kommissionspr\u00e4sidenten im Jahre 1 der \u00c4ra \u201eFrieren und Hungern f\u00fcr den ukra\u00adinischen Faschismus\u201c in Deuropa erh\u00f6rt wurde, zum Wohlgefallen der herrschenden Kreise der USA. Fraglich ist nun (Stand Herbst 2022), ob es \u201euns\u201c gelang, eine Gesell\u00adschaft zu formieren, die das tats\u00e4chlich \u201eohne Murren hinzunehmen\u201c bereit sein wird.<\/p>\n<p>Die \u201eGrenzen des Wachstums\u201c-Ideologie, zumal mit ihrem immer mitgemeinten Angriff gegen die sozialistische industrialisierte Land\u00adwirtschaft, war nicht nur gegen die Entwick\u00adlungsm\u00f6glichkeiten des sogenannten \u201egloba\u00adlen S\u00fcdens\u201c gerichtet, sondern ein Ramm\u00adbock zur Unterwanderung und Zersetzung der Sowjetunion und der sozialistischen Staa\u00adten. Das \u201eNord-S\u00fcd-Gef\u00e4lle\u201c wurde bem\u00fcht, um den Klassenkampf nach innen zu stoppen \u2013 gegen Forderungen von Gewerkschaften, denen \u201emangelnde Solidarit\u00e4t\u201c vorgeworfen wurde. China hingegen war damals noch aus\u00adersehen als billige Werkbank f\u00fcr die kapitalis\u00adtischen Zentren. Mansholt brachte es zum Ausdruck: \u201eVielleicht bieten andere politische Systeme bessere Alternativen. Nicht unbe\u00addingt sozialistische Systeme; denn auch der Staatssozialismus sowjetischer Pr\u00e4gung basiert auf Wachstum, hat prim\u00e4r Wachstum zum Ziel. Vielleicht sollte man die Entwick\u00adlungen in China k\u00fcnftig studieren.\u201c<a href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\"><sup>[16]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Heute wissen wir, da\u00df \u201eder Westen\u201c im Hinblick auf die weitere Entwicklung Chinas einer kolossalen Fehleinsch\u00e4tzung unterlag. Die \u00fcberwundene Spaltung Ru\u00dflands und Chinas wird nun zur praktischen Widerle\u00adgung der \u201eGrenzen des Wachstums\u201c-Ideolo\u00adgie und zur Grenze, an der der \u201eGreat Reset\u201c verpufft.<\/p>\n<p>Die in der Literatur seit f\u00fcnfzig Jahren nachgewiesene innere Fehlerhaftigkeit und abwegige Methodik beim Erstellen des \u201eWelt\u00admodells\u201c des Club of Rome soll hier nicht nachgezeichnet werden. Es gen\u00fcge der Hin\u00adweis, da\u00df auch die Aussagen \u00fcber die End\u00adlichkeit der Rohstoffe und Ressourcen sich zwar als Fehlberechnungen erwiesen, die dadurch erzeugte Stimmungsmache jedoch ausreichte, um eine vor\u00fcbergehende gesell\u00adschaftliche Akzeptanz f\u00fcr die sogenannte Energiewende einzusammeln.<\/p>\n<p>Hier soll nur auf einen inhaltlichen Aspekt des \u201eWeltmodells\u201c eingegangen werden, n\u00e4mlich den unter den erneut aufbrechenden kapitalistischen Krisenerscheinungen mit Macht aus der Vulg\u00e4r\u00f6konomie des XIX. Jahrhunderts sich zur\u00fcckmeldenden Malthu\u00adsianismus. Dennis Meadows, ein federf\u00fch\u00adrender Autor der \u201eGrenzen des Wachstums\u201c gab das unumwunden als Kern der ganzen Veranstaltung an: \u201eWir w\u00e4hlten deshalb f\u00fcr unsere Untersuchungen die Malthussche Sicht einer begrenzten Welt, weil unsere Eindr\u00fccke und empirische Daten nahelegen, da\u00df die Welt in einigen Aspekten endlich ist.\u201c<a href=\"#_ftn17\" name=\"_ftnref17\"><sup>[17]<\/sup><\/a>.<\/p>\n<p>Was war mit \u201eMalthussche Sicht\u201c gemeint? Nichts anderes als die Wiedereinf\u00fchrung eines fiktiven Naturgesetzes, wonach die Bev\u00f6lkerung in exponentiellem Wachstum sich vergr\u00f6\u00dfere, w\u00e4hrend die Produktion von Produktions- und Nahrungsmitteln \u201eunwei\u00adgerlich\u201c dahinter zur\u00fcckbleibe. Damit erweise sich ein wachsender Teil der werkt\u00e4tigen Population als \u201enaturgem\u00e4\u00df \u00fcberfl\u00fcssig\u201c und sei somit zu reduzieren. Der Club of Rome, und mit ihm Weltbank und Weltw\u00e4hrungs\u00adfond, konnten der Apokalyptik der \u201eendlichen Ressourcen\u201c nun noch die der \u201eexplodieren\u00adden Bev\u00f6lkerung\u201c hinzuf\u00fcgen.<\/p>\n<h5>Malthusianismus<\/h5>\n<p>Was bedeutet also \u201eMalthusianismus\u201c? Ihren Namen hat die Sache von dem englischen Pfaffen und \u00d6konomen Thomas Robert Malthus, Verfasser einer reaktion\u00e4ren Theorie der \u00dcberbev\u00f6lkerung, die das Elend der Werkt\u00e4tigen rechtfertigen soll. Damit war der Pauperismus, die Verarmung und Ver\u00adelen\u00addung der werkt\u00e4tigen Massen, zum \u201euniver\u00adsalen Naturgesetz\u201c erhoben \u2013 unabh\u00e4ngig von der historischen Produktionsweise.<\/p>\n<p>Wie das in England angewandt wurde, um die Arbeiter zu entrechten und in \u201eWorking Houses\u201c zu pressen, beschrieb Marx 1844 so:<\/p>\n<p>\u201e<em>Was den Pauperismus im allgemeinen betreffe, so sei er ein ewiges Naturgesetz, nach der Theorie von Malthus:<\/em><\/p>\n<p><em>&#8218;Da die Bev\u00f6lkerung unaufh\u00f6rlich die Subsis\u00adtenzmittel zu \u00fcberschreiten strebt, so ist die Wohlt\u00e4\u00adtigkeit eine Narrheit, eine \u00f6ffentliche Aufmunte\u00adrung f\u00fcr das Elend. Der Staat kann daher nichts tun, als das Elend seinem Schicksal \u00fcberlassen, und h\u00f6chstens den Tod der Elenden erleichtern.&#8216;<\/em><\/p>\n<p><em>Mit dieser menschenfreundlichen Theorie verbin\u00addet das englische Parlament die Ansicht, da\u00df der Pauperismus das selbstverschuldete Elend der Arbeiter sei, dem man daher nicht als einem Un\u00adgl\u00fcck zuvorzukommen, das man vielmehr als ein Verbrechen zu unterdr\u00fccken, zu bestrafen habe.<\/em>\u201c<a href=\"#_ftn18\" name=\"_ftnref18\"><sup>[18]<\/sup><\/a>.<\/p>\n<p>Schon 1843 formulierte Friedrich Engels den weitblickenden Hinweis auf den inneren Zusammenhang zwischen Malthusianismus und \u201eMonopolsystem\u201c:<\/p>\n<p>\u201e<em>Die Handelsfreiheit Adam Smiths ist in die wahnsinnige Konsequenz der Malthusschen Bev\u00f6l\u00adkerungstheorie hineingetrieben worden und hat nichts produziert als eine neue zivilisiertere Gestalt des alten Monopolsystems &#8230;<\/em>\u201c<a href=\"#_ftn19\" name=\"_ftnref19\"><sup>[19]<\/sup><\/a>.<\/p>\n<p>In seinen fr\u00fchen \u201eUmrissen zu einer Kritik der National\u00f6konomie\u201c schrieb er:<\/p>\n<p>\u201e<em>So nahm die \u00d6konomie einen menschenfreund\u00adlichen Charakter an; sie entzog ihre Gunst den Produzenten und wandte sich den Konsumenten zu \u2026 und erkl\u00e4rte den Handel f\u00fcr ein Band der Freundschaft und Einigung zwischen Nationen wie zwischen Individuen \u2026 aber die Voraussetzungen machten sich bald genug wieder geltend und erzeug\u00adten im Gegensatz zu dieser glei\u00dfenden Philantropie die Malthussche Bev\u00f6lkerungstheorie, das rauhste barbarischste System, das je existierte, ein System der Verzweiflung, das alle jene sch\u00f6nen Redensar\u00adten von Menschenliebe und Weltb\u00fcrgertum zu Boden schlug<\/em>\u201c.<a href=\"#_ftn20\" name=\"_ftnref20\"><sup>[20]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Das heute bei der Mystifizierung gesell\u00adschaftspolitischer Vorg\u00e4nge zu \u201eNaturvor\u00adg\u00e4ngen\u201c so beliebte \u201eexponentielle Wachs\u00adtum\u201c war bei Malthus geometrische Progres\u00adsion:<\/p>\n<p>\u201e<em>Das Kapital steigert sich t\u00e4glich; die Arbeits\u00adkraft w\u00e4chst mit der Bev\u00f6lkerung, und die Wissen\u00adschaft unterwirft den Menschen die Naturkraft t\u00e4g\u00adlich mehr und mehr. Diese unerme\u00dfliche Produkti\u00adonsf\u00e4higkeit, mit Bewu\u00dftsein und im Interesse aller gehandhabt, w\u00fcrde die der Menschheit zufallende Arbeit bald auf ein Minimum verringern; der Kon\u00adkurrenz \u00fcberlassen, tut sie dasselbe, aber innerhalb des Gegensatzes. Ein Teil des Landes wird aufs beste kultiviert, w\u00e4hrend ein andrer w\u00fcst daliegt. Ein Teil des Kapitals zirkuliert mit ungeheurer Schnelligkeit, ein andrer liegt tot im Kasten. Ein Teil der Arbeiter arbeitet vierzehn, sechzehn Stun\u00adden des Tages, w\u00e4hrend ein andrer faul und unt\u00e4tig dasteht und verhungert. \u2026 <\/em><\/p>\n<p><em>Diese Entwicklung der Sache darf der \u00d6konom nicht f\u00fcr die richtige erkennen; er m\u00fc\u00dfte sonst, wie gesagt, sein ganzes Konkurrenzsystem aufgeben; er m\u00fc\u00dfte die Hohlheit seines Gegensatzes von Produktion und Konsumtion, von \u00fcberfl\u00fcssiger Bev\u00f6lkerung und \u00fcberfl\u00fcssigem Reichtum einsehen. Um aber, da das Faktum einmal nicht zu leugnen war, dies Faktum mit der Theorie ins gleiche zu bringen, wurde die Bev\u00f6lkerungstheorie erfunden. <\/em><\/p>\n<p>\u2026<em>Kommen wir indes, um der Bev\u00f6l\u00adkerungsfurcht alle Basis zu nehmen, noch einmal auf das Verh\u00e4ltnis der Produktionskraft zur Be\u00adv\u00f6lkerung zur\u00fcck. Malthus stellt eine Berechnung auf, worauf er sein ganzes System basiert. Die Bev\u00f6lkerung vermehre sich in geometrischer Progression: <\/em><\/p>\n<p><em>1+2+4+8+16+32 usw., die Produktivkraft des Bodens in arithmetischer: 1+2+3+4+5+6. Die Differenz ist augenscheinlich, ist schreckerregend; aber ist sie richtig? Wo steht erwiesen, da\u00df die Ertragsf\u00e4higkeit des Bodens sich in arithmetischer Progression vermehre? Die Ausdehnung des Bodens ist beschr\u00e4nkt, gut. Die auf diese Fl\u00e4che zu verwen\u00addende Arbeitskraft steigt mit der Bev\u00f6lkerung; neh\u00admen wir selbst an, da\u00df die Vermehrung des Ertrags durch Vermehrung der Arbeit nicht immer im Verh\u00e4lt\u00adnis der Arbeit steigt; so bleibt noch ein drit\u00adtes Element, das dem \u00d6konomen freilich nie etwas gilt, die Wissenschaft, und deren Fortschritt ist so unendlich und mindestens ebenso rasch als der der Bev\u00f6lkerung.<\/em>\u201c<a href=\"#_ftn21\" name=\"_ftnref21\"><sup>[21]<\/sup><\/a><\/p>\n<h5>Dem Kulminationspunkt entgegen<\/h5>\n<p>Andr\u00e1s Ged\u00f6 bemerkte 1978, da\u00df die Illusio\u00adnen des Malthusianismus \u2013 der, nach Marx \u201eoffenen Kriegserkl\u00e4rung an das Proletariat\u201c<a href=\"#_ftn22\" name=\"_ftnref22\"><sup>[22]<\/sup><\/a> \u2013 mit der neoliberalen Ideologie einen neuen Aufschwung nehme und stellte fest: \u201e<em>Die Lebendigkeit des Malthusianismus deutet auch auf die Kontinuit\u00e4t der bei Marx untersuchten Formen der Apologie und ihrer gegenw\u00e4rtigen Varianten hin; diese Lebendigkeit ist besonders dann wahrzu\u00adnehmen, wenn die Illusionen einer Harmonie schei\u00adtern \u2013 um sp\u00e4ter, nach Linderung der akuten Krise, wieder aufzuerstehen; so erscheinen Malthussche Gebilde wieder hinter den Weltuntergangspro\u00adphezeiungen der &#8218;Weltmodelle&#8216;, den an Computern ausgerechneten und vermeintlich authentisierten Wahrsagungen und Programmen der &#8218;Grenzen des Wachstums&#8216;<\/em>.\u201c<a href=\"#_ftn23\" name=\"_ftnref23\"><sup>[23]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Auf diesen Zusammenhang kann man sozusagen die Uhr stellen. Mit jedem Krisen\u00adschub dr\u00e4ngt sich mit den Wahrsagereien auch der Malthusianismus der heutigen Mo\u00adnopolbourgeoisie wieder in den Vordergrund, und je heftiger die Vertiefung der Krise, mit desto brutalerer Macht und desto irratio\u00adnalerem Endzeit-Pathos. Dazu brauchte es nicht erst des hohlen Geschwafels des Schwabschen Machwerks. Denn dieses hat die hier angesprochenen Tendenzen nur zusammenfassend geb\u00fcndelt.<\/p>\n<p>Wie sehr die herrschenden imperialisti\u00adschen Kreise auf das Dogma \u201eWohlstand durch Vernichtung von Bev\u00f6lkerung und Produktivkr\u00e4ften\u201c \u2013 etwa durch Seuchen oder Kriege \u2013 vereidigt ist, konnte man nach dem Kriseneinbruch 2008 der ganz normalen b\u00fcrgerlichen Wirtschafts\u00adpresse entnehmen. So schrieb das Handelsblatt am 4.8.2009 unter der \u00dcberschrift \u201eDas traurige Geheimnis un\u00adseres Wohlstands\u201c \u2013 es sei stellvertretend f\u00fcr viele zitiert:<\/p>\n<p>\u201e<em>300 Jahre sp\u00e4ter jedoch hatte Europa China wirtschaftlich \u00fcberholt. Um 1700 \u2013 noch vor Beginn der industriellen Revolution \u2013 war das Pro-Kopf-Einkommen in England real mehr als doppelt so hoch wie in Indien oder China. \u2026 Ohne die Pest und die vielen Kriege \u2026 h\u00e4tte es den Aufstieg Europas zwischen 1400 und 1700 nicht gegeben. .. Aus diesem Teufelskreis, den der Brite Thomas Malthus im fr\u00fchen 19. Jahrhundert beschrieb, habe die Menschheit in Europa erst durch die Pest aus\u00adbrechen k\u00f6nnen \u2026 Ein einmaliger Anstieg des Pro-Kopf-Einkommens ist eine Voraussetzung daf\u00fcr, dass es zu dauerhaftem Wirtschaftswachstum kom\u00admen kann.<\/em>\u201c<\/p>\n<p>Eine \u201eschlagende\u201c \u00f6konomische Naturge\u00adsetzlichkeit: Man vernichte ein Maximum der \u201eK\u00f6pfe\u201c der arbeitenden Bev\u00f6lkerung und schon steigt das \u201ePro-Kopf-Einkommen\u201c in den kommenden Jahrhunderten \u201ef\u00fcr alle\u201c.<\/p>\n<p>Diese dem heutigen Kapitalismus unter der Herrschaft des Finanzkapitals innewohnen\u00adden Tendenzen zur Barbarei, zur Bestialit\u00e4t, haben im gegenw\u00e4rtigen Zustand \u00fcbergreifen\u00adder Faschisierung unter dem Aggressions\u00adschirm der NATO, in der Kombination von Klima- und Corona-Ausnahmezust\u00e4nden mit der offenen Kriegspolitik der produktivkraft-zerst\u00f6renden, in Hunger und Elend treiben\u00adden \u201eSanktionen gegen Ru\u00dfland\u201c, nun einen Kulminationspunkt erreicht.<\/p>\n<p>Die Ank\u00fcndigungen des \u201eGreat Reset\u201c sind ernst zu nehmen. Nicht ernst zu nehmen ist die Gro\u00dfsprecherei, als st\u00fcnde die Agenda von Davos vor der Bildung einer \u201etotalen Weltregierung\u201c eines \u201eSuperstaates\u201c nach den fiktiven Vorgaben der Burnham, Huxley, Orwell.<\/p>\n<p>Noch einmal Lenin: \u201e<em>Der Verfasser hat voll\u00adkommen Recht. W\u00fcrden die Kr\u00e4fte des Imperialis\u00admus nicht auf Widerstand sto\u00dfen, so w\u00fcrden sie eben dahin f\u00fchren<\/em>\u201c.<\/p>\n<p>Ob und in welcher Form es zu diesem Widerstand auf nationaler Ebene kommen wird, in Deutschland und den L\u00e4ndern der EU, wird die n\u00e4here Zukunft erweisen. Unge\u00adachtet dessen entscheidet sich diese Frage gleichwohl bereits auf den Schlachtfeldern des Donbass und vor Taiwan \u2013 und es wird keine Entscheidung im Sinne der historisch perspek\u00adtivlosen, ihren eigenen Untergang als Apoka\u00adlypse verk\u00fcndenden Klasse sein, f\u00fcr die Klaus Schwab das j\u00e4hrliche Theaterst\u00fcck seines World Economic Forum inszeniert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Klaus Linder ist Mitglied des Gesch\u00e4ftsf\u00fchrenden Verbandsvorstandes und Vorsitzender des Freidenker-Landesverbands Berlin<\/em><\/p>\n<p><strong>Quellen<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> in deutscher \u00dcbersetzung hier: <a href=\"https:\/\/www.nomonoma.de\/die-familienwerte-des-klaus-schwab\/\">https:\/\/www.nomonoma.de\/die-familienwerte-des-klaus-schwab\/<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> ebenda<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Lenin, Werke, Bd. 22, S. 285<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Hannah Arendt: \u201eElemente und Urspr\u00fcnge totalit\u00e4rer Herrschaft\u201c, 4. Auflage, M\u00fcnchen 1995.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> ebenda, S. 252<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> ebenda, S. 254<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> ebenda, S. 213<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> ebenda, S. 257<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> ebenda, S. 557<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> ebenda, S. 259<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> ebenda, S. 260<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> ebenda, S. <em>478 f.<\/em><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> Stefan Holz, James Burnham Trotzkist und Theoretiker des Ultra\u00adimperialismus, 2014; \u00dcbersetzung des Zitats K.L.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> Andr\u00e1s Ged\u00f6, Philosophie der Krise, Berlin 1978, S. 164<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> Meadows &amp; al., Wachstum bis zur Katastrophe?, M\u00fcnchen 1974, S. 168<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref16\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a> ebenda, S. 169<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref17\" name=\"_ftn17\">[17]<\/a> ebenda, S. 16<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref18\" name=\"_ftn18\">[18]<\/a> MEW Bd. 1, S. 398<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref19\" name=\"_ftn19\">[19]<\/a> MEW Bd. 1, S. 369<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref20\" name=\"_ftn20\">[20]<\/a> MEW Bd.1, S. 500<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref21\" name=\"_ftn21\">[21]<\/a> ebenda, S. 517ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref22\" name=\"_ftn22\">[22]<\/a> MEW2, 439<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref23\" name=\"_ftn23\">[23]<\/a> Ged\u00f6 1978, S. 59<\/p>\n<hr \/>\n<h5>Download<\/h5>\n<p>Der Artikel kann auch als PDF-Dokument angesehen und heruntergeladen werden:<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"1076\" data-permalink=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?attachment_id=1076\" 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rel=\"noopener\">https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=50065028<\/a><\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 10pt;\">Das Logo wurde grafisch hinzugef\u00fcgt<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Beitrag von Klaus Linder aus FREIDENKER 3-22<\/b><br \/>\nDas Buch \u201eThe Great Reset\u201c, deutsch: \u201eCovid-19 &#8211; Der gro\u00dfe Umbruch\u201c von Klaus Schwab und Thierry Malleret erschien im Jahr 2020. Es machte Furore und elektrisierte Freund und Feind. Hauptautor Schwab ist Gr\u00fcnder und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des World Eco\u00adnomic Forum (WEF). &#8230; Genauere Ausk\u00fcnfte \u00fcber Schwab bis zur\u00fcck zur Bereicherung des Familien\u00adunterehmens durch Nazi-Kollaboration und Ausbeutung von Zwangsarbeitern bringt der Artikel von Johnny Vedmore \u201eDie Familien\u00adwerte des Klaus Schwab\u201c. Den Grund f\u00fcr die alarmierende Wirkung, die von \u201eThe Great Reset\u201c ausging, beschreibt Vedmore so: \u201eDenn der Great Reset ist eine umfassende Anstrengung, unsere globale Zivilisation zum aus\u00addr\u00fccklichen Nutzen der Eliten des Weltwirtschafts\u00adforums und ihrer Verb\u00fcndeten umzugestalten.\u201c<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":14313,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","advanced_seo_description":"","jetpack_seo_html_title":"","jetpack_seo_noindex":false,"jetpack_post_was_ever_published":false,"footnotes":""},"categories":[12,16],"tags":[1609,162,1608,404,1610,441,1618,489,1212],"class_list":["post-14310","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-demokratie-medien-aufklaerung","category-weltanschauung-philosophie","tag-anti-utopie","tag-demokratie","tag-great-reset","tag-imperialismus","tag-kapital-und-arbeit","tag-kapitalismus","tag-totalitarismustheorie","tag-widerstand","tag-zukunft"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/World_Economic_Forum_mLogo_800x450.jpg?fit=800%2C450&ssl=1","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p9stpK-3IO","jetpack-related-posts":[{"id":17919,"url":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=17919","url_meta":{"origin":14310,"position":0},"title":"Klaus Schwab (WEF): &#8222;Das gegenseitige Vertrauen zwischen Menschen und Nationen ist gest\u00f6rt&#8220;","author":"Webredaktion","date":"21. 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August Tim Schwab im CJR-Magazin\u2026","rel":"","context":"In &quot;Demokratie \u2013 Medien \u2013 Aufkl\u00e4rung&quot;","block_context":{"text":"Demokratie \u2013 Medien \u2013 Aufkl\u00e4rung","link":"https:\/\/www.freidenker.org\/?cat=12"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/dollar-1968710_800x450.jpg?fit=800%2C450&ssl=1&resize=350%2C200","width":350,"height":200,"srcset":"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/dollar-1968710_800x450.jpg?fit=800%2C450&ssl=1&resize=350%2C200 1x, https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/dollar-1968710_800x450.jpg?fit=800%2C450&ssl=1&resize=525%2C300 1.5x, https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/dollar-1968710_800x450.jpg?fit=800%2C450&ssl=1&resize=700%2C400 2x"},"classes":[]},{"id":19798,"url":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=19798","url_meta":{"origin":14310,"position":5},"title":"Klaus Hartmann spricht Klartext: Deutsche Regierung ist rechts!","author":"Webredaktion","date":"1. 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