{"id":13538,"date":"2022-06-18T17:16:07","date_gmt":"2022-06-18T15:16:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=13538"},"modified":"2022-07-09T16:49:09","modified_gmt":"2022-07-09T14:49:09","slug":"tendenz-der-faschisierung-vorbereitende-etappe-faschismus-an-der-macht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=13538","title":{"rendered":"Tendenz der Faschisierung \u2013 vorbereitende Etappe &#8211; Faschismus an der Macht?"},"content":{"rendered":"<h5>Vorbemerkungen f\u00fcr eine Diskussion der antifaschistischen Strategie<\/h5>\n<p><em>Vortrag von <strong>Klaus Linder<\/strong>, gehalten bei der Runde \u201eBerliner Freidenker im Gespr\u00e4ch\u201c am 14. Juni 2022<\/em><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"5428\" data-permalink=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?attachment_id=5428\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/video_icon_16x16.jpg?fit=16%2C16&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"16,16\" data-comments-opened=\"0\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"video_icon_16x16\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/video_icon_16x16.jpg?fit=16%2C16&amp;ssl=1\" class=\"alignnone size-full wp-image-5428\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/video_icon_16x16.jpg?resize=16%2C16&#038;ssl=1\" alt=\"\" width=\"16\" height=\"16\" \/> Der Vortrag kann auch als <a href=\"#video\">Video<\/a> angesehen werden.<\/span><\/p>\n<h5>I. Zangenangriff<\/h5>\n<p>Der Faschismus hat eine hundertj\u00e4hrige Geschichte, deshalb sollten einige Begriffe wieder besehen werden. Da sich mit der Entwicklung des Faschismus auch der Antifaschismus nur schrittweise, \u00fcber Fehler und Korrekturen entwickelte, und da diesen Lehren das gro\u00dfe Cancel Culture unserer Gegner droht, wenn wir sie nicht verbreiten, gehe ich in die Vergangenheit und erlaube mir dabei immer wieder den Schwenk in das Heute.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst zur Gegenwart. Der deutsche und der ukrainische Faschismus, die abermals in gemeinsamer Kriegsfront gegen Russland stehen, scheinen durch eine Art kommunizierender R\u00f6hren verbunden. S\u00e4mtliche Hakenkreuze, die in Westdeutschland jahrzehntelang unsichtbar gemacht wurden, um schlie\u00dflich die Bombardierung Belgrads als antifaschistischen Akt zu verkaufen, scheinen u.a. in den Katakomben von Asowstal in einer Art monstr\u00f6ser Fetischparty konzentriert wieder aufgetaucht zu sein. Ihre Tr\u00e4ger werden dort durch die russischen Antifaschisten unsch\u00e4dlich gemacht; wo das nicht geschieht, ist mit ihrem Re-Import ins Westreich zu rechnen, mitsamt gespendeter Waffen. Sie werden\u00a0 in einem EU-Schlagerwettbewerb beworben, der in den Jahren zuvor merklich zur Mobilisierung der Schwulenszene \u201egegen Putin\u201c unter den Zeichen des libert\u00e4r-kosmopolitischen EU-Imperialismus instrumentalisiert wurde. Das Vorspiel lie\u00df ahnen, dass unter der kosmopolitischen Maske eines Tages der nackte Chauvinismus hervorkommen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Den Vorbereitern und\u00a0 Aufrichtern des Faschismus in den Staaten und Staatenb\u00fcndnissen \u201edes Westens\u201c ist es egal, mit welchen Emblemen <em>ihre<\/em> Offensive die Gesellschaften durchdringt. Mal k\u00f6nnen es Hakenkreuze, Totenk\u00f6pfe und Schwarze Sonnen sein, woanders lieber Einh\u00f6rner und Regenb\u00f6gen, am liebsten: alles \u201ebunt\u201c gemischt. Das Bild des ideologischen Zangenangriffs wird erst vollst\u00e4ndig, wenn unter den schwarzen Sonnen die gr\u00fcnen Sonnenblumen stehen. Wer in Deutschland einen anschwellenden Strom der Faschisierung in den letzten Jahren unter dem Dreiklang Klima-Corona-Ukraine gewahrte, sieht seit Februar wie das auch wieder unter altbekannten Zeichen erscheint, als deren sozusagen jugendfreier Platzhalter hier die blau-gelbe Fahne fungiert. Dabei war in der Ukraine seit 2014 alles sichtbar. Aber ein popkulturelles Medien-System sorgt daf\u00fcr, dass zwischen scheinbar gegens\u00e4tzlichen Zeichen und Codes m\u00fchelos um-codiert und wieder zur\u00fcck-codiert werden kann. Das geht ganz einfach \u2013 durch den Kunstgriff der \u00c4sthetisierung der Politik. Der Nazi-Verbrecher Bandera ist z.B. in der Region Kalusch geboren, sein Vorname war Stepan (Stefan). Also nennt man eine faschistische Staatscombo \u201eKalusch\u201c, l\u00e4sst sie ihr Lied \u201eStefania\u201c betiteln und sie im B\u00fchnenlicht des European Song Contest, schummrig, aber eindeutig, die Arme zum Hitlergru\u00df f\u00fcr die Nazi-K\u00e4mpfer an der NATO-Front erheben. Es ist genau dieser mehrdeutig-eindeutige Nebel der Beleuchtungstechnik, es ist nicht der Hitlergru\u00df f\u00fcr sich genommen, der der heutigen Erscheinungsweise von Faschisierung unter der Regie von NATO und EU ihr pr\u00e4zises Gesicht verleiht. Wir werden diese kulturellen Umcodierungen und das stets kombinierte, sowohl \u201elibert\u00e4re\u201c als auch \u201etraditionell-faschistische\u201c Auftreten im Auge haben m\u00fcssen, um nicht dem Eindruck auf den Leim zu gehen, dass die Triebkr\u00e4fte des Faschismus <em>nur<\/em> dort auszumachen seien, wo die einschl\u00e4gigen T\u00e4towierungen wieder auftauchen. Wer als deutscher Antifaschist nur die Hakenkreuze und schwarzen Sonnen dokumentiert, \u00fcbertr\u00e4gt die Fehler des hiesigen sogenannten\u00a0 \u201eKampf gegen Rechts\u201c sogar noch auf die Ukraine, da er damit im Ukro-Faschismus nicht der Erscheinungsweise und dem Wesen des NATO-Faschismus gerecht wird, der die Macht \u00fcber diesen Faschismus h\u00e4lt und auf andere L\u00e4nder \u00fcbertragbar ist, wenn er dort nicht rechtzeitig erkannt wird. Denn der Faschismus ist kein Zeichensystem, er ist ein Herrschaftsverh\u00e4ltnis.<\/p>\n<p>Kurz nach Beginn der milit\u00e4rischen Sonderoperation schrieb ein Journalist: \u201eDie De-Nazifizierung der Ukraine bringt die Re-Nazifizierung Deutschlands\u201c. Da ist Wahres dran. Nur ist auch hier die Wahrnehmung vom Kopf auf die F\u00fc\u00dfe zu stellen: das zentrale Ereignis, der Brennpunkt ihrer Bestrebungen und Triumphe, war f\u00fcr die Re-Nazifizierung Deutschlands die Konterrevolution 1989-90 und die Liquidierung der DDR mitsamt ihrem theoretischen und praktischen Antifaschismus. Wer hierzulande erst die Ukraine br\u00e4uchte, um die Renazifizierung Deutschlands zu bemerken, hat sein eigenes nationales Drama nicht verstanden. Aber schlimmer: Gerade \u201evon links\u201c scheinen viele es selbst anhand der Ukraine und des verordneten blau-gelben Rausches immer noch nicht zu verstehen.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte ermuntern, aufzuh\u00f6ren, wenn von Faschismus die Rede ist, immer nur auf die Erscheinungen, die Ideologie und die Methoden des Hitlerfaschismus zu starren und darauf zu warten, hinter welcher Stra\u00dfenecke er genau im selben Kost\u00fcm wieder hervorkommen k\u00f6nnte. Das genau kennzeichnet die b\u00fcrgerliche Faschismustheorie der BRD. Man behauptet, der Faschismus sei eine Ideologie und findet dann \u00dcberreste angeblich zeitlos fixierter \u201eIdeologie-Versatzst\u00fccke\u201c, die man f\u00fcr faschistische Invarianten erkl\u00e4rt. Auf diese Weise verlegt man den Faschismus in das Bewu\u00dftsein beliebig zusammengew\u00fcrfelter gesellschaftlicher Gruppen oder Individuen. Weil sie unbestimmt und unwissenschaftlich ist und deshalb Popanze errichtet, kann diese Methode im Zuge <em>der Faschisierung selber<\/em> dazu eingesetzt werden, als Resonanzverst\u00e4rker f\u00fcr den inneren Feindbildaufbau zu wirken, ob das nun gerade \u201eCoronaleugner\u201c, \u201eKlimaleugner\u201c, \u201eImpfverweigerer\u201c, \u201eVerschw\u00f6rungsideologen\u201c, angebliche \u201eautorit\u00e4re Charaktere\u201c, Bef\u00fcrworter nationaler Souver\u00e4nit\u00e4t, Russen oder Russenfreunde oder Gegner des NATO-Krieges sind. Um die Sache jederzeit auch gegen Kommunisten, ihre Organisationen und Staaten\u00a0 wenden zu k\u00f6nnen, hat man als Zwischenboden nach 1945 die sogenannte Totalitarismustheorie eingezogen.<\/p>\n<p>Der b\u00fcrgerliche \u201eAntifaschismus\u201c ist subjektiv-idealistisch. Er glaubt, das Sein des Faschismus entspringe aus dem Bewu\u00dftsein irgendwelcher Gruppen oder Individuen, deren Denkhaltungen zuvor als die faschistischen definiert werden. Das sind aber weitgehend diejenigen, die seine Opfer sind.<\/p>\n<p>Seit sich die Russische F\u00f6deration, dem Hilferuf der Volksrepubliken folgend, zu einer antifaschistischen Operation historischen Ma\u00dfstabs gegen die neuen Herrenmenschen entschied, fallen im Westen die Masken, die Erscheinungen passen sich dem Wesen an. \u00dcber dieses Wesen m\u00fcssen wir also reden. So sehr der Hitler-Faschismus sich hervortat: Wir m\u00fcssen Faschismus zun\u00e4chst als Gattungsbegriff verstehen, um festzustellen, was den Spielarten gemeinsam ist. Auch der deutsche Faschismus des XX. Jahrhunderts ist nur eine Spezies neben anderen. Zweitens: Er war nur <em>eine<\/em> Etappe einer bemerkenswert konstanten Programmatik der imperialistischen Gro\u00dfbourgeoisie. Und: Wir w\u00fcrden am Ende nichts Brauchbares \u00fcber Faschisierung und Faschismus in Deutschland und in der Ukraine sagen k\u00f6nnen, wenn wir dann nicht das gesamte Bild enth\u00fcllen, mit der entscheidenden Rolle der USA und der NATO und ihrem Sub-Unternehmen EU.<\/p>\n<h5>II. Dimitroff<\/h5>\n<p>Ich setze nun da ein, wo die Faschismusanalyse der konsequentesten Antifaschisten klassische Reife erlangte und eine wirksame antifaschistische Strategie formulierte: mit dem VII. Weltkongre\u00df der Kommunistischen Internationale, der im Jahr 1935 in Moskau stattfand.<\/p>\n<p>Der Vortrag von Georgi Dimitroff dort trug den Titel: \u201eDie Offensive des Faschismus und die Aufgaben der Kommunistischen Internationale im Kampf f\u00fcr die Einheit der Arbeiterklasse gegen den Faschismus\u201c.<\/p>\n<p>Zuerst weist Dimitroff daraufhin, dass die KI schon zu Beginn der kapitalistischen Wirtschaftskrise feststellte, \u201eda\u00df faschistische Tendenzen und Keime einer faschistischen Bewegung fast \u00fcberall zu finden sind.\u201c (1)<\/p>\n<p>Dann beantwortet er die Frage: \u201eWozu brauchen sie den Faschismus?\u201c anhand dreier Punkte.<\/p>\n<p>Erstens: \u201eDie imperialistischen Kreise suchen die <em>ganze<\/em> Last der Krise auf die Schultern der Werkt\u00e4tigen abzuw\u00e4lzen. <em>Dazu brauchen sie den Faschismus<\/em>.\u201c (2)<\/p>\n<p>Zweitens und drittens: \u201eSie wollen das Problem der M\u00e4rkte durch Versklavung der schwachen V\u00f6lker, durch Steigerung der kolonialen Unterdr\u00fcckung und durch eine Neuaufteilung der Welt auf dem Wege des Krieges l\u00f6sen. <em>Dazu brauchen sie den Faschismus<\/em>.\u201c (3)<\/p>\n<p>Faschismus bedeutet Krieg.<\/p>\n<p>Diese drei Seiten sollten wir gegenw\u00e4rtig haben, wenn wir uns heute umschauen, wer die Kr\u00e4fte sind, die am meisten am Faschismus interessiert, seine Urheber sind. Sie werden folgendes zielstrebig betreiben: Erstens die eigene ungeheure Bereicherung durch radikale Abw\u00e4lzung der Lasten der verheerenden Wirtschaftskrise auf breiteste Schichten der Werkt\u00e4tigen, d.h.: die <em>gesamte<\/em> Arbeiterklasse, sowie Bauern, Gewerbetreibende, Mittelschichten, auch kleinere Unternehmer, die durch die weitere Monopolbildung ausgek\u00e4mmt werden. Zweitens: Ihre au\u00dfenpolitischen Ziele sind forcierte Unterdr\u00fcckung, wirtschaftliche und politische Sch\u00e4digung sowie Auspl\u00fcnderung schw\u00e4cherer L\u00e4nder aller Kontinente \u2013 also Kolonialismus im umfassenden Sinne. Und drittens: Der Faschismus ist, im Zuge der imperialistischen Aufteilung der Welt, und zugleich des <em>Niederhaltens der internationalen Gegenkr\u00e4fte<\/em>, untrennbar mit der Kriegspolitik und den milit\u00e4rischen Expansionszielen der herrschenden Klasse verbunden, denen die gesamte Volkswirtschaft untergeordnet wird.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen also heute nicht lange suchen, um festzustellen, dass diese Kreise bereits in einer Art Syndikat von Parteien, Medien und sogenannten zivilgesellschaftlichen Bewegungen in Deutschland regieren, an den supranationalen Instrumenten und B\u00fcndnissen von EU und NATO, G7 und anderen teilhaben und zumal mit den GR\u00dcNEN den direktesten, unterw\u00fcrfigsten Arm der USA in die deutsche Regierung schoben, der sich durch keinerlei Interessensunterschied zu den transatlantischen kommandierenden Kreisen mehr auszeichnet, keine nationalen R\u00fccksichten in irgendeiner lebenswichtigen Frage achtet, seit langem mit keinem Widerspruch durch eine reale Parteibasis zu rechnen h\u00e4tte, aber stattdesssen \u00fcber gut gesteuerte \u201eau\u00dferparlamentarische\u201c Bodentruppen und Influencer verf\u00fcgt, die zu wichtigen Anl\u00e4ssen in Form von sozialreaktion\u00e4ren Pseudoprotesten auf der Stra\u00dfe, wie etwa sogenannten Klimastreiks zur Auspl\u00fcnderung der Werkt\u00e4tigen durch sogenannte CO2-Abgaben, in Bewegung gesetzt werden und daf\u00fcr noch pseudo-antikapitalistischen Applaus ernten. Allerdings erf\u00fcllen die Gr\u00fcnen diese Aufgabe im Parteienkonzert bis heute nur als <em>Speerspitze <\/em>f\u00fcr Faschisierung und Kriegspolitik. Das bedeutet noch nicht, dass die Bourgeoisie die einigende Kraft h\u00e4tte, sie zu einer <em>Zentralgewalt<\/em> der Faschisierung auszubauen, zumal die Aussichten auf Erweiterung ihrer an die oberen Mittelschichten gebundenen Massenbasis offenkundig begrenzt sind. Ich gebe damit nicht Entwarnung. Denn eine zentrale Frage wird sein, ob bei der m\u00f6glichen Vorbereitung des Faschismus unter heutigen Bedingungen der nationalen Massenbasis \u00fcberhaupt noch die entscheidende Rolle zukommt.<\/p>\n<p>Nun gibt es einen vierten Punkt bei Dimitroff, der\u00a0 f\u00fcr die antifaschistische Volksfrontstrategie bedeutsam ist: Die Bourgeoisie greift zum Faschismus aus dem <em>Unverm\u00f6gen<\/em>, weiter mit den Methoden des Parlamentarismus und der b\u00fcrgerlichen Demokratie zu herrschen und die Arbeiterklasse niederzuhalten. Sie ist <em>gen\u00f6tigt<\/em>, zur Kriegspolitik zu greifen, da sie auf dem Boden einer friedlichen Au\u00dfenpolitik <em>keinen Ausweg <\/em>aus ihrer Lage mehr findet.<\/p>\n<p>Der Faschismus ist also nicht nur ein Ausdruck von St\u00e4rke der Bourgeoisie \u2013 was Dimitroff sagen lie\u00df: \u201eEr ist eine grausame, aber keine feste Macht\u201c &#8211; , aber er ist die \u00e4u\u00dferste Konsequenz des dem Imperialismus innewohnenden Drangs nach Gewalt, und das meint auch die Ausschaltung der b\u00fcrgerlichen Demokratie. Deshalb ist f\u00fcr eine antifaschistische Aktionseinheit die damalige Orientierung von Wilhelm Pieck grundlegend: \u201eSolange wir nicht die b\u00fcrgerliche Demokratie durch die proletarische Demokratie, durch die Diktatur des Proletariats ersetzen k\u00f6nnen, ist das Proletariat <em>an jedem Fetzen <\/em>b\u00fcrgerlicher Demokratie interessiert (\u2026)\u201c. (4)<\/p>\n<p>Im selben Geiste Piecks, und dem der KPD, sagte 1949 Max Reimann vor dem Parlamentarischen Rat, im historischen Moment der Beschlie\u00dfung des von den Westm\u00e4chten aufgedrungenen und nicht vom Volke verabschiedeten Grundgesetzes: \u201eDie Gesetzgeber aber werden im Verlauf ihrer volksfeindlichen Politik ihr eigenes Gesetz brechen. Wir Kommunisten aber werden die im Grundgesetz <em>verankerten wenigen demokratischen Rechte<\/em> gegen die Verfasser des Grundgesetzes verteidigen.\u201c (5)<\/p>\n<p>Das sagte Reimann in Begr\u00fcndung der <em>Ablehnung<\/em> dieses Grundgesetzes des westdeutschen Separatstaates f\u00fcr die KPD. Er sagte: Wir werden die wenigen demokratischen Rechte verteidigen. Er sagte nicht, wie oft behauptet wird: Wir werden <em>dieses Grundgesetz<\/em> verteidigen. Das w\u00e4re auch heute keine richtige Losung f\u00fcr die antifaschistische Aktionseinheit, sondern w\u00fcrde sie opportunistisch behindern. Was aber hingegen die Verteidigung von \u201ejedem Fetzen b\u00fcrgerlicher Demokratie\u201c und der im GG \u201everankerten wenigen demokratischen Rechte\u201c betrifft: so liegt hier ein Kern antifaschistischer Strategie vor. Marxisten in Deutschland werden sich z.B. fragen lassen m\u00fcssen, wie sie es mit der Verteidigung dieser wenigen demokratischen Rechte etwa angesichts einer vorbereitenden reaktion\u00e4ren Ma\u00dfnahme wie dem \u201e3. Infektionsschutzgesetz\u201c gehalten haben, bis hin zur Terrorisierung der Werkt\u00e4tigen durch die sogenannte Impfpflicht und -n\u00f6tigung.<\/p>\n<p>Nun k\u00f6nnte man einwenden: Was du beschreibst &#8211; machen das nicht die Kapitalisten sowieso? Brauchen wir da den Spezialbegriff \u201eFaschismus\u201c?<\/p>\n<p>Antwort: Ja, wir brauchen ihn. Die Tendenz des Imperialismus zur reaktion\u00e4ren Umgestaltung bis Vernichtung aller demokratischen Institutionen ist ein Proze\u00df, der im Faschismus in eine neue Regierungsform umschl\u00e4gt; es ist kein blo\u00dfer Regierungswechsel, sondern ein Wechsel der Staatsform der Klassenherrschaft der Bourgeoisie.\u00a0 Das ist der Faschismus an der Macht.<\/p>\n<p>Uns fehlt also noch eine Definition, die die spezifische Differenz des Faschismus enth\u00e4lt. Es ist die damals ebenfalls von Dimitroff vorgetragene:<\/p>\n<p>\u201eDer Faschismus an der Macht, Genossen, ist \u2026 <em>die offene terroristische Diktatur der reaktion\u00e4rsten, am meisten chauvinistischen, am meisten imperialistischen Elemente des Finanzkapitals.\u201c (6)<\/em><\/p>\n<p>Dem ist aber gleich Dimitroffs Ausf\u00fchrung an die Seite zu stellen, \u201eda\u00df vor der Errichtung der faschistischen Diktatur die b\u00fcrgerlichen Regierungen in der Regel verschiedene Etappen durchlaufen und eine Reihe reaktion\u00e4rer Ma\u00dfnahmen durchf\u00fchren, die den Machtantritt des Faschismus vorbereiten und unmittelbar f\u00f6rdern. Wer in diesen Vorbereitungsetappen nicht gegen die reaktion\u00e4ren Ma\u00dfnahmen der Bourgeoisie und gegen den anwachsenden Faschismus k\u00e4mpft, <em>der ist nicht imstande, den Sieg des Faschismus zu verhindern, der f\u00f6rdert ihn vielmehr<\/em>.\u201c (7)<\/p>\n<p>Es sind also drei Dinge zusammenzudenken und gleichzeitig sauber zu unterscheiden. Das sind: Die <em>Tendenz<\/em> der Faschisierung, die unmittelbaren <em>Vorbereitungsetappen<\/em> vor der Errichtung der faschistischen Diktatur und der Faschismus <em>an der Macht.<\/em><\/p>\n<p>Vergessen wir also nie: Auch der Faschismus ist nur in \u00dcbergangsformen, Zwischenschritten m\u00f6glich, bei denen kein Kettenglied ausgelassen werden kann. Unsere Aufgabe ist es, dem Faschismus bereits die <em>Kettenglieder<\/em> aus der Hand zu schlagen.<\/p>\n<p>Dimitroffs Faschismusdefinition bedarf heute einiger Worterkl\u00e4rungen.<\/p>\n<p>Erstens spricht er von der <em>offenen<\/em> Diktatur; also im Gegensatz zur verdeckten Diktatur, mit der <em>dieselb<\/em>e Bourgeoisie in der vorfaschistischen, parlamentarisch-demokratischen, Phase ihre Macht bereits aus\u00fcbt.<\/p>\n<p>Zweitens spricht er nicht von der Diktatur der Bourgeoisie oder der Kapitalisten schlechthin, sondern von der der Finanzbourgeoisie. Dieser Begriff geht auf Lenins Imperialismustheorie zur\u00fcck. Er besagt in K\u00fcrze, dass der Kapitalismus der freien Konkurrenz zum Imperialismus \u00fcbergegangen ist. Dessen Grundlage ist das aus Konzentration und Zentralisation von Produktionsmitteln und Kapital hervorgegangene Monopol. Dieser Vorgang f\u00fchrt, sobald das Monopol der Kern der \u00d6konomik wurde, zu Ver\u00e4nderungen im Klassengef\u00fcge. Aufseiten der Kapitalisten durch Herausbildung der Finanzbourgeoisie. Sie entsteht aus der Verschmelzung des Bankkapitals mit dem Industriekapital \u2013 zum Finanzkapital. Das ist keine harmonische Vereinigung, denn die \u00f6konomische Grundlage ihres widerstreitenden Verh\u00e4ltnisses ist die Aufspaltung des der Arbeiterklasse abgepressten Mehrwerts in Unternehmergewinn und den Zins f\u00fcr die Banken.<\/p>\n<p>Das Monopol bringt auch nicht die Konkurrenz unter den Kapitalien zum Absterben. Es steigert sie, nach innen und nach au\u00dfen unter den international agierenden und expandierenden Monopol-Gruppen.<\/p>\n<p>Das nur als Beispiele, damit nicht der falsche Eindruck entsteht, das Monopol w\u00fcrde eine Art innere Harmonisierung erzeugen und die nationalen und internationalen Gegens\u00e4tze und Klassenauseinandersetzungen nach und nach d\u00e4mpfen. Im Gegenteil, es sch\u00e4rft sie aufs \u00e4u\u00dferste.<\/p>\n<p>Dies ist n\u00f6tig in Erinnerung zu rufen. Das Gesetz der ungleichzeitigen Entwicklung kapitalistischer L\u00e4nder, die Neuaufteilung der Welt unter den Haupt-Imperialisten und die alles durchdringende Konkurrenz bewirken, dass Konzentration und Zentralisierung nicht zu einem gleichf\u00f6rmig in eins verschmolzenen \u00f6konomischen Super-Welt-Monopol f\u00fchren k\u00f6nnen. Damit wird es aber auch nicht zu einem politischen Super-\u00dcberbau in Form einer zentralen kapitalistischen \u201eWeltregierung\u201c oder gar eines \u201eWeltfaschismus\u201c kommen k\u00f6nnen. Ich f\u00fcge das hier ein, weil sp\u00e4testens seit Corona zuweilen das Gegenteil behauptet wird. Besonders absurd werden solche \u201eTheorien\u201c, wenn dann noch behauptet wird, diese \u201eWeltregierung\u201c w\u00fcrde von den \u00fcblichen Verd\u00e4chtigen\u00a0 des US-Finanzkapitals <em>gemeinsam<\/em> mit der F\u00fchrung der Volksrepublik China ausge\u00fcbt, sozusagen von Dr. Fu Mandschu und Dr. Mabuse in finsterer Personal-Einheit, mit einem irgendwo um die Weltgesundheitsorganisation lokalisierten Willens- und Entscheidungszentrum, in dem sich \u201edie Eliten\u201c den ganzen Rest der Menschheit unterwerfen. Seit dem Sanktionen-Krieg gegen Russland und China und deren demokratischer Gegenreaktion zusammen mit anderen L\u00e4ndern sind solche Weltregierungs-Fantasien offenkundig schlechte Science Fiction.<\/p>\n<p>Schie\u00dfen wir also nicht \u00fcbers Ziel hinaus, indem wir einen fiktiven weltfaschistischen \u00dcberstaat an die Wand malen. Lassen wir uns aber auch nicht dahingehend desorientieren, die antifaschistische Strategie k\u00f6nne hier und heute auf die Verballhornung der Losung gegr\u00fcndet werden \u201eDer Hauptfeind steht im eigenen Land\u201c. Bleiben wir bei dem, was die internationalen Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse nahelegen, wenn wir die Faschisierung an der Wurzel bek\u00e4mpfen wollen. Es wird heute, so meine These, in Europa keine Errichtung irgendeines Faschismus geben ohne kontrollierende Vorbereitung und operative Intervention durch die NATO und jene, die sie kommandieren &#8211;\u00a0 und schon gar nicht <em>gegen<\/em> deren zustimmende Entscheidung. Sie haben sich ja gerade sogar <em>Nordstream<\/em> durch \u201eBiden\u201c und seine Handpuppen verbieten lassen! Denn ein solcher Faschismus h\u00e4tte heute, wie in der Ukraine, als Sto\u00dftrupp zur Rettung des vereinigten Imperialismus unter der schwankenden Hegemonie der USA zu dienen \u2013 erst recht in einem Land, das von strategischen US- und NATO-Basen samt Atombomben nur so strotzt wie Deutschland. Auch die zu begr\u00fc\u00dfenden Desintegrationstendenzen der EU werden das f\u00fcr sich genommen nicht \u00e4ndern, sondern, solange nicht eine wirkliche Befreiung von der EU stattfindet, eher forcieren, da die Hauptklammer, die sie noch zusammenh\u00e4lt, der politische, wirtschaftliche und milit\u00e4rische NATO-Krieg gegen Russland und China ist. Und seitdem die USA durch das Sanktionen-Kamikaze die EU noch tiefer und auswegloser sich untergeordnet haben, gilt das mehr noch als zuvor. Nur \u2013 ich bitte nicht mi\u00dfverstanden zu werden: Diese NATO-Dominanz macht hier den Faschismus nicht unwahrscheinlicher, sondern sie macht ihn eben wahrscheinlicher. <em>Darum<\/em> meine ich, da\u00df \u201eDer Hauptfeind steht im eigenen Land\u201c eine opportunistische Behinderung der antifaschistischen Strategie w\u00e4re.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zu unserer Faschismus-Definition. Dort h\u00f6rten wir, dass es sich nicht einmal um die Finanzbourgeoisie als solche, sondern um ihre <em>reaktion\u00e4rsten Kreise<\/em> handele. Das sind die Teile der Finanzoligarchie, die aufgrund ihrer internationalen und nationalen Lage am meisten auf Krieg, auf die totale Unterordnung nicht nur <em>einzelner<\/em> Industrie- oder Agrarzweige, Rohstoffe, L\u00e4nder, die vollst\u00e4ndige und blutige Niederhaltung der Arbeiterklasse und tendenziell zu versklavender ganzer Bev\u00f6lkerungen angewiesen sind. Sie sind auf die Errichtung des politischen \u00fcber dem \u00f6konomischen Monopol zur Erzielung von Extraprofiten gnadenlos angewiesen. Dazu bed\u00fcrfen sie, obwohl sie nur die \u00f6konomische Gesetzm\u00e4\u00dfigkeit durchsetzen, die sie hervorbrachte, eines dauernden Einsatzes au\u00dfer\u00f6konomischer Gewalt und nat\u00fcrlich auch der Absprachen untereinander, im Volksmund Verschw\u00f6rungen genannt. Offenkundig handelt es sich bei dieser am meisten reaktion\u00e4ren Finanzoligarchie um eine zahlenm\u00e4\u00dfig recht \u00fcberschaubare Truppe. Sie k\u00f6nnen deshalb den Faschismus weder an die Macht bringen noch daran halten, wenn sie nicht Klassenb\u00fcndnisse bilden. Und es m\u00fcssen auch solche Schichten verf\u00fchrt und bestochen werden, deren Klasseninteresse dem ihrigen objektiv entgegengesetzt ist.<\/p>\n<h5>III. Faschistische Ideologie<\/h5>\n<p>Damit kommen wir zur Frage der faschistischen Ideologie. Dass der Faschismus eine Herrschaftsform, aber keine Ideologie ist, klingt paradox. Es scheint doch sein hervorstechendes Merkmal zu sein, dass er auf pausenlose Beschallung mit Ideologie, Demagogie, psychologischer Kriegsf\u00fchrung, Psy-Op angewiesen ist, und zwar zunehmend vereinheitlicht \u2013 oder, wie die Nazis gesagt h\u00e4tten: \u201egleichgeschaltet\u201c. Was bewirkt das?<\/p>\n<p>Warum die Beispiele immer in der Vergangenheit suchen. Man fragt sich heutigentags, z.B.: Braucht das die Faschisierung wirklich, dass heute selbst Kindergartenkinder mit gelb-blauen Fahnen im Carr\u00e9e marschieren m\u00fcssen &#8211; \u201egegen Putin, Putin ist doof!\u201c? Ja, die Faschisierung braucht das, denn sie w\u00e4re nicht Faschisierung, wenn sie eine unber\u00fchrte Grenze gelten lie\u00dfe, an der sie negiert werden kann. Zun\u00e4chst mal ist die Infantilisierung des Politischen, die sich bereits mit \u201eFridays for Future\u201c weit bis ans Grundschulalter herangearbeitet hatte, grunds\u00e4tzlich von Vorteil f\u00fcr die ideologische Faschisierung. Zugleich wird z.B. mit gelb-blauen Kita-Kinder-Prozessionen dem Betrachter vorget\u00e4uscht, es gebe das, was es in Deutschland derzeit in Wirklichkeit trotz allem NICHT gibt: n\u00e4mlich eine vereinigte antirussische \u201eVolksgemeinschaft\u201c. Der Haupteffekt der Propaganda w\u00e4re dann der, glauben zu machen, ihre Inhalte w\u00fcrden zusammenfallen mit dem, was in den K\u00f6pfen der Bev\u00f6lkerungsmehrheit geschieht, als w\u00e4re deren Bewu\u00dftsein ein direktes Abbild der Propaganda. Das verleiht der Propaganda eine vermeintliche Klassenautorit\u00e4t, die sie in Wirklichkeit nicht hat. Wer an die Identit\u00e4t von Propaganda und tats\u00e4chlichem Massenbewusstsein glaubt, sitzt bereits der Faschisierung auf. Eine antifaschistische Strategie mu\u00df sich dem entgegenstellen. Darum ist z.B. auch die Annahme, man selber erweise sich als aufgewacht und der Rest der Bev\u00f6lkerung als Schlafschafe, t\u00f6dlich f\u00fcr die Bildung der antifaschistischen Einheitsfront, auch wenn diejenigen, die das so sehen, die Faschisierung selber im Ansatz durchaus richtig registrieren m\u00f6gen.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte hierzu eine Beobachtung des K\u00fcnstlers Pier Paolo Pasolini anf\u00fchren. Er schrieb im Jahr 1975:<\/p>\n<p>\u201e&#8230; Etwas, was selbst der faschistische Faschismus nicht erreicht hatte, denn damals war das \u00e4u\u00dfere Verhalten v\u00f6llig vom Bewu\u00dftsein getrennt. Vergeblich versuchte der &#8218;totalit\u00e4re&#8216; Herrschaftsapparat immer und immer wieder, seine Verhaltensmaximen bei den Leuten durchzusetzen \u2013 ihr Bewu\u00dftsein blieb von all dem unber\u00fchrt. Die faschistischen &#8218;Modelle&#8216; waren nichts als Masken, die man aufsetzte und wieder abnahm. Als der faschistische Faschismus dann zusammengebrochen war, wurde alles wieder wie zuvor. Das hat sich auch in Portugal gezeigt: nach vierzig Jahren Faschismus hat das portugiesische Volk den 1. Mai gefeiert, als sei es das letzte Mal ein Jahr zuvor gewesen.\u201c (8)<\/p>\n<p>Auch wenn wir die Bemerkung Pasolinis \u00fcber die Unber\u00fchrtheit des Bewu\u00dftseins nicht in Absolutheit teilen m\u00fcssen: Hier ist ein Punkt benannt, den die antifaschistische Strategie erfordert zur Kenntnis zu nehmen und auszunutzen gegen jede Form der Spaltung: Das Bewusstsein und Verhalten der Unterdr\u00fcckten und Geg\u00e4ngelten erweist sich als <em>nicht identisch<\/em> mit dem, was sie durch die Propaganda und deren Sprache \u00fcber sich ergehen lassen m\u00fcssen, selbst, wenn das jahrelang so geht; und sie d\u00fcrfen auf keinen Fall anders angesprochen werden. Anders gesagt: Die Propaganda t\u00e4uscht vor, als ob diejenigen, die sie andauernd zum blo\u00dfen Objekt macht, ihre Subjekte w\u00e4ren. Der Pseudo-Antifaschismus springt genau darauf an und wird damit zur Verl\u00e4ngerung der Propaganda. Aber, mit Pasolini: Sobald bei <em>einer<\/em> Gelegenheit die Masken fallen \u2013 und das ist im Lauterbach-Land sowohl w\u00f6rtlich als auch bildlich aufzufassen\u00a0 -, kommt das zum Vorschein, was \u00fcber Generationen hinweg eine Klasse verbindet und sozusagen ihre Infrastruktur und Lebensweise ausmacht. Antifaschistische Strategie muss st\u00e4ndig suchen, wo Breschen f\u00fcr diese \u201eInfrastruktur\u201c zu schlagen sind. Antifaschismus ist eine soziale Praxis und nicht nur ein Bekenntnis.<\/p>\n<p>Formierte Stra\u00dfen-Performances wie die reaktion\u00e4ren Kinderumz\u00fcge sind dagegen eine Machtdemonstration, denn mancher B\u00fcrger ahnt, dass da, wo so etwas einmal unbeanstandet durchgeht, und ja beispielsweise eine Vielzahl von Familienangeh\u00f6rigen, Erziehern, Lehrern, Zuschauern, Zeugen zustimmend einbezogen sein mu\u00df, &#8211; dass da statt blo\u00dfen Schmierentheaters im gegebenen Moment auch Zwang und Terror greifen k\u00f6nnte. Die faschistischen Ideologien &#8211; auch nun der extreme, jede Realit\u00e4t verlassen habende Chauvinismus des \u201eWIR werden Russland ruinieren\u201c &#8211;\u00a0 sind so br\u00fcchig und uneinheitlich, dass sie auf Wechselwirkung mit terroristischen Methoden durch den autorit\u00e4ren Ma\u00dfnahmenstaat angewiesen sind. Es ist nicht so, dass der Massenbetrug nur in die Demokratie und der Terror nur in den Faschismus geh\u00f6rt. Terror greift schon in der Vorbereitungsetappe und nach dem Machtantritt des offenen Terrors muss der Massenbetrug gesteigert werden\u00a0 \u2013 siehe Reichstagsbrand. Denn selbstverst\u00e4ndlich kann die Ideologie gestrickt sein wie sie will: Es bleibt ein Imperium der L\u00fcgen.<\/p>\n<p>Der Grund ist einfach und folgt aus dem Klassencharakter des Faschismus: Der Inhalt der faschistischen Ideologie ist Massenbetrug, und dazu nimmt sie alles, was sich anbietet, inklusive halbwahrer Kerne und Pseudo-Antikapitalismus, um diejenigen, deren Interessen der Faschismus widerspricht, einzubinden.<\/p>\n<p>Das ist in der Sprache marxistisch-leninistischer Dialektik: der unaufhebbare Widerspruch von Klasseninhalt und Massenbasis des Faschismus.<\/p>\n<p>Es wurde vielfach beschrieben: Die Ideologien des Faschismus sind ein zusammengew\u00fcrfeltes Gemisch chauvinistischer, sozialdarwinistischer, herren-rassistischer, irrationaler, mystizistischer und sozialdemagogischer \u201eTheorien\u201c.<\/p>\n<p>Dazu z\u00e4hlt \u00fcbrigens auch der Neo-Malthusianismus seit dem XX. Jahrhundert, also die unwissenschaftliche \u201eBev\u00f6lkerungslehre\u201c, wonach das Bev\u00f6lkerungswachstum nach ewigen Naturgesetzen vor sich gehe, und die Menschheit unweigerlich schneller wachse als die Produktion von Nahrungs- und Produktionsmitteln, was erwiesenerma\u00dfen Unsinn ist und heute, schon verzweifelt penetrant, als Rechtfertigung f\u00fcr die Produktivkraftzerst\u00f6rung durch die Finanzbourgeoisie vorgeschoben wird. Das f\u00fchrt auch die Eugenik im Schlepptau. Vieles davon ist uns seit Beginn der 1970er Jahre vom Club of Rome mit seiner &#8218;Studie&#8216; \u201eDie Grenzen des Wachstums\u201c wieder aufgetischt worden und erf\u00e4hrt seine Fortf\u00fchrung in \u201eGreen New Deal\u201c oder \u201eGreat Reset\u201c. Die Gr\u00fcndung der Gr\u00fcnen w\u00e4re ohne das nicht denkbar gewesen.<\/p>\n<p>H\u00e4ufig bedient sich faschistische Ideologie auch bei Elementen der Sozialdemokratie, vor allem ihren diversen Konzepten der Klassenzusammenarbeit. In dem Zusammenhang sollten wir auch die korporativen oder st\u00e4ndischen Ideologien beachten, die der Zersplitterung der Gesamtarbeiterklasse dienen und damit deren Entwaffnung im Sinne der Faschisierung bef\u00f6rdern. Das l\u00e4uft seit l\u00e4ngerem gerne verschleiert durch die Einstiegsdroge harmlos klingender Propagandaworte wie\u00a0 \u201ebunt\u201c, oder \u201eVielfalt\u201c, oder \u201edivers\u201c. Eindeutig liegt diese Spaltungsmethode vor, wenn unter einer Generaloffensive gegen die Arbeiterklassse als ganze dann nur Pflegepersonal und Kassierer in Superm\u00e4rkten ihre symbolischen Sonderapplause erhalten. Man wird \u00fcbrigens niemals erleben, dass bei solchen Applaus-Veranstaltungen die sorgf\u00e4ltig aus dem Blick genommene Produktionssph\u00e4re erscheint.<\/p>\n<p>Weiterhin m\u00f6chte ich als immer wieder eingesetztes Spaltungs-Element faschistischer Ideologie eines erw\u00e4hnen, das, wie der Pseudo-Antikapitalismus, gerne als ihr absolutes Gegenteil auftritt. Dieses Element erhielt starke Aufwertung, seit die sogenannte neoliberale Ideologie anfangs der 1970er Jahre das Zepter in der imperialistischen Welt \u00fcbernahm. Damit ist die absolute Zersplitterung aller Gesellschaft und sozialen Infrastruktur in vermeintliche Individuen und vermeintliche Identit\u00e4ten gemeint, und die Z\u00fcchtung solcher Vereinzelung als Kultur-, Sozial- und Lebensgef\u00fchl ganzer Generationen. Eine bessere Knetmasse kann sich der Faschismus nicht w\u00fcnschen. Sowohl der Begriff als auch die Wahrnehmung von Klassenzusammenhang, Klasseninteresse, Klassenbewu\u00dftsein, aber auch geschichtlichem Zusammenhang sollen damit unterbunden werden und vor allem nat\u00fcrlich jede entsprechende gesellschaftliche Praxis.\u00a0 Als Kernsatz dieser Ideologie, gerne bis zur Hymne gesteigert, kann gelten die leere Tautologie: \u201eI am what I am.\u201c Die zusammenfassende Formel dieser so Faschismus-tauglichen Ideologie lieferte Margaret Thatcher gleich zu Beginn der neoliberalen Krisen-Offensive: \u201eThere is no such thing as society.\u201c (\u201eSowas wie Gesellschaft gibt es nicht.\u201c).<\/p>\n<p>Aber der Anspruch dieser \u00c4u\u00dferung auf Originalit\u00e4t darf in Frage gestellt werden. Ich erinnere an die folgende Deklaration von Benito Mussolini aus dem Jahre 1919, wo er ein wenig den Ton der futuristischen Manifeste aufgreifend verk\u00fcndete:<\/p>\n<p>\u201eGenug ihr roten und schwarzen Theologen aller Kirchen, mit euren abstrakten und falschen Vorstellungen eines Paradieses, das nie kommen wird!<\/p>\n<p>Genug ihr Politiker aller Schulen, mit euren kl\u00e4glichen &#8218;Akademien&#8216;!<\/p>\n<p>Genug, ihr l\u00e4cherlichen Erretter der Menschheit, die auf eure &#8218;Entdeckungen&#8216; pfeift, die ihr unfehlbar das Gl\u00fcck bringen werden!<\/p>\n<p>La\u00dft den Weg frei f\u00fcr die Elementarkr\u00e4fte des Individuums; denn es gibt keine andere menschliche Realit\u00e4t als das Individuum!\u201c (9)<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich kann eine so irrationale, elit\u00e4re Beschw\u00f6rung des Individuums wie die durch Mussolini, sobald man eine Gemeinwohldemagogie nach dem Nazi-Spruch \u201eGemeinnutz geht vor Eigennutz\u201c einf\u00fchrt, jederzeit umgem\u00fcnzt werden in den Versuch, eine \u201e\u00fcber allen Parteien stehende\u201c, \u201eunteilbare\u201c\u201eVolksgemeinschaft\u201c aus der Retorte zu erzeugen. Diese verschleiert die Klassenwirklichkeit ja genauso wie der Kult des abstrakten Individuums, es sind zwei Seiten derselben Medaille. Und pl\u00f6tzlich h\u00fcpfen dann, vom Lernen befreit, lauter \u201eelementare Individuen\u201c, zum Wohlgefallen der Kusinen Reemtsma, im absoluten Gleichtakt zur Losung des Irrationalismus: \u201eWe don&#8217;t have time! Follow the science!\u201c. Wobei allerdings das <em>H\u00fcpfen <\/em>von den antirussischen Rassisten des Kiewer Maidan \u00fcbernommen wurde.<\/p>\n<p>Soweit Mussolini. Wer heute sich ein wenig durch Traktate der Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen des Kriegsimperialismus liest, die die Faschisierung mit dem Firnis \u201ezivilgesellschaftlicher\u201c Ert\u00fcchtigung versehen, hei\u00dfen sie nun Heinrich B\u00f6ll Stiftung, Antonio Amadeu Stiftung oder Zentrum Liberale Moderne, der wird dem Inhalt des Mussolini-Zitats auf Schritt und Tritt begegnen. Nur wird er auch auf das sto\u00dfen, was ich eingangs \u201eUmcodierung\u201c nannte. Denn dort wird <em>jede <\/em>Beziehung des mythischen Individuums auf\u00a0 einen Gruppen- oder Kollektivbegriff &#8211; und letztlich sind damit immer objektive Realit\u00e4ten wie Klasse, Volk, Nation gemeint &#8211; als \u201erechtsaffin, v\u00f6lkisch, autorit\u00e4r\u201c usw. qualifiziert und zur Denunziation freigegeben. Ein ur-faschistoider Irrationalismus, den wir soeben aus dem Munde Mussolinis vernahmen, wird hier als h\u00f6chstes\u00a0 Kriterium f\u00fcr Antifaschismus in Anspruch genommen.<\/p>\n<p>Das erzeugte l\u00e4ngst ein gesellschaftliches Klima, f\u00fcr das \u201eInquisition\u201c oder \u201eMcCarthyismus\u201c nur noch Behelfsausdr\u00fccke sind. Es ist das, was Pier Paolo Pasolini schon 1974 weitblickend nannte: \u201eDer Faschismus der Antifaschisten\u201c.<\/p>\n<p>Das hei\u00dft aber, und es ist, seitdem Fischer, Albright und Konsorten Jugoslawien angeblich \u201ewegen Auschwitz\u201c bombardieren lie\u00dfen, heute tausendfach zu belegen und mu\u00df als Tatsache f\u00fcr jede antifaschistische Strategie und B\u00fcndnispolitik akzeptiert werden: Die immer offenere Durchsetzung der Ziele von Faschisierung und Faschismus und Kriegspolitik erscheint seit Jahren unter der Maske des Antifaschismus. Und es w\u00e4re durchg\u00e4ngig noch so, wenn nicht der entschlossene Widerstand des Volkes des Donbass und der Russischen F\u00f6deration den Imperialismus, als \u201ekollektiven Westen\u201c, gezwungen h\u00e4tte, die Maske fallen zu lassen und seine wahre Fratze wieder zu zeigen, da er anders seine einbrechende Hegemonie nicht mehr verteidigen kann. Jeder aufrichtige Demokrat, Friedensbewegte, Sozialist, Kommunist, der sich heute fragt: Wie konnte es soweit kommen?, kann dem schmerzlichen Eingest\u00e4ndnis nicht aus dem Weg gehen, dass vielleicht auch er seit \u00fcber drei\u00dfig Jahren weitgehend eine v\u00f6llig verfehlte <em>anti<\/em>proletarische B\u00fcndnispolitik st\u00fctzte. Antifaschistische Strategie bedeutet auch: Die f\u00e4llige Korrektur endlich konsequent zu durchzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Im\u00a0 \u00fcbrigen ist die faschistische Ideologie vor allem eins: ein Cham\u00e4leon.<\/p>\n<p>Ihr wirklich fester und konstanter Kern ist, au\u00dfer dem durchg\u00e4ngigen Antihumanismus, ein ins Extreme gesteigerter Antikommunismus, der nach Bedarf auch als \u201eTotalitarismustheorie\u201c erscheint, wo immer nicht genau gezeigt werden darf, auf welcher Seite man wirklich mit allen Konsequenzen steht.<\/p>\n<h5>IV. Der Aufstieg des Faschismus folgt keiner Zwangsl\u00e4ufigkeit<\/h5>\n<p>Es geht also dem Monopolkapital mit seiner Demagogie darum, eine Massenbasis zu organisieren.\u00a0 Das ist wohl auch ein Grund, warum sich bei der Faschismusfrage alle Augen der Weimarer Republik zuwenden, denn hier war diese Problematik, aus Gr\u00fcnden des Klassenkr\u00e4fteverh\u00e4ltnisses, besonders akut. Nach dem Kapp-L\u00fcttwitz-Putsch, der 1920 von der Arbeiterklasse abgeschmettert wurde, konnte die Finanzbourgeoisie ihre Diktatur nur auf \u201elegalem\u201c, \u201everfassungsm\u00e4\u00dfigem\u201c Wege an die Macht bringen. Dazu brauchte sie eine, sei es auch labile, Massenbasis, und entsprechend raffiniert aufgef\u00e4delte Massenorganisationen. Die Absicht war, diese tief in die Arbeiterschaft zu senken. Darum die Experimente mit einer \u201enationalen Arbeiterpartei\u201c. Das mi\u00dflang im Prinzip. Es\u00a0 verfing haupts\u00e4chlich, blieb sozusagen h\u00e4ngen, bei breiteren Teilen des Kleinb\u00fcrgertums und wenigen der r\u00fcckst\u00e4ndigsten Schichten des Proletariats. H\u00e4tten sie die wahre Natur des Faschismus begriffen, w\u00e4ren sie ihm nicht gefolgt. Deshalb ist der Faschismus an jedem Punkt seiner Entwicklung durchaus zu verhindern, gerade sein Bedarf nach einer Massenbasis macht ihn verwundbar. Am Klasseninhalt des Faschismus \u00e4ndert die Massenbasis nichts. Er ist nicht die Macht des Kleinb\u00fcrgertums oder Lumpenproletariats \u00fcber das Finanzkapital, sondern die Macht des Finanzkapitals selbst.<\/p>\n<p>Der Weg zur Macht\u00fcbertragung mittels Massenorganisation verl\u00e4uft auch nicht so, als h\u00e4tte die Bourgeoisie von Anfang an ihr Rennpferd fertig gesattelt im Stall, das auf gerader Strecke losl\u00e4uft, alle Hindernisse \u00fcberspringt, bis der Pokal geholt ist. An jeder entscheidenden Wendung steht einerseits die Abwehrf\u00e4higkeit der Arbeiterklasse und demokratischen Schichten, andererseits irgendein neuer Kuhhandel unter den reaktion\u00e4rsten Akteuren. Es gab und gibt auf dem reaktion\u00e4ren Laufsteg ein Get\u00fcmmel an Aspiranten und gravierende Uneinigkeiten unter den Gruppen der Bourgeoisie selber. Auf weniger verschlungenen Wegen ist auch der blutige, anfangs ach so liberal-libert\u00e4re Clown Zelensky nicht zum Pr\u00e4sidenten seines faschistischen Un-Staates geworden. Und aus denselben Gr\u00fcnden wurden schon auf dem \u201eEuro-Maidan\u201c die Verh\u00e4ltnisse f\u00fcr die USA und ihre Marionette Jazenjuk ein f\u00fcr alle mal gegen die BRD und EU mit ihrer Marionette Klitschko entschieden &#8211; \u201eFuck the EU\u201c. Das Ergebnis ist bekannt: \u201eFrieren gegen Putin\u201c.<\/p>\n<p>F\u00fcr eine antifaschistische Strategie ist es \u00e4u\u00dferst wichtig zu erkennen, wo die Kr\u00e4fte herangereift sind, die die reaktion\u00e4rsten Kreise f\u00fcr Faschismus und Krieg ausbauen und einsetzen k\u00f6nnten. Diese Gedanken machte sich 1992 auch der kommunistische Dichter Peter Hacks. Die Frage stand nach der Konterrevolution: \u201eWas k\u00f6nnte die Organisation sein, die die Faschisierung in die n\u00e4chste Etappe oder zum Ziel tr\u00e4gt?\u201c. Hacks&#8216; Antwort fiel so aus:<\/p>\n<p>\u201eAlle kapitalistischen Parteien sind ein Federbett und ein Hintergrund und ein N\u00e4hrboden, aber sie sind nicht geeignet, die Organisation hervorzubringen. Sondern daf\u00fcr braucht man zun\u00e4chst eine Splittergruppe, die sich entschlie\u00dft, dieses Gesch\u00e4ft zu \u00fcbernehmen. Ich nehme an, in Deutschland werden es die GR\u00dcNEN und dieses sogenannte B\u00fcndnis 90 sein. Also, es werden nicht die Nazis von Herrn Frey und es werden nicht die Nazis von Herrn Sch\u00f6nhuber sein, sondern es werden die sein. (\u2026) was ich versuche zu sagen, gucken Sie, auch Herr Hitler war nat\u00fcrlich ein Wurmfortsatz der Deutschnationalen und der Harzburger Front. Aber seine Partei wurde die Nazipartei, und die ganzen Leute blieben im Hintergrund und abserviert und wurden im Horst-Wessel-Lied noch als Reaktion angep\u00f6belt. Also die sind der Scho\u00df, aber der Scho\u00df ist nicht die Sache. Und die Sache mu\u00df irgendwo aus einer Keimzelle keimen.\u00a0 (\u2026) das ist ein Gesetz: Wer einmal geschlagen ist, kann nicht unter dem selben Namen wiederkommen. Der braucht eine neue Maske. (\u2026) Deswegen glaub ich auch, das eben in Deutschland nicht die beiden Nazi-Parteien die Keimzelle werden, sondern jemand, auf den man nicht kommt. Und diese weinenden Kleinb\u00fcrgerorganisationen, die gegen alles sind, was ist mit Recht, und \u00fcberhaupt nicht wissen, wof\u00fcr sie sind, die eignen sich. Es ist ein bi\u00dfchen Prophezeiung drin. Wir werden es sehen.\u201c (10)<\/p>\n<p>Hacks prohezeite 1992 ziemlich gut.<\/p>\n<p>Eine letzte Bemerkung zur Zielstrebigkeit der Durchsetzung des Faschismus.<\/p>\n<p>Beim italienischen Faschismus ging die \u201eExperimentierphase\u201c weit \u00fcber seine Gr\u00fcndung hinaus.<\/p>\n<p>Der Faschismus selber schuf nun im Nachhinein den Mythos als sei sein aufhaltsamer Aufstieg zur Macht, in Italien etwa seit dem Marsch auf Rom 1920, \u201eeinem genau auskalkulierten, von vornherein festgelegten Plan hinsichtlich der diktatorischen Herrschaftsform (&#8230;) vorgegangen.\u201c Palmiro Togliatti bemerkte dazu: \u201e&#8230; geht man von dieser Konzeption aus, akzeptiert man unweigerlich Pr\u00e4missen der faschistischen Ideologie, d.h. in der einen oder anderen Weise befindet man sich schon unter dem direkten oder indirekten Einflu\u00df des Faschismus. In der Tat sind es die Faschisten, die versuchen, glaubhaft zu machen, da\u00df alle ihre Aktionen sich auf der Grundlage von ausgearbeiteten Pl\u00e4nen vollzogen haben.\u201c (11)<\/p>\n<p>Das sollten wir verallgemeinern: Wir d\u00fcrfen nicht auf den Mythos der reaktion\u00e4rsten Kreise hereinfallen, dass das was sie tun und in den n\u00e4chsten Jahren zu tun vorhaben, einem ausgereiften, vorbestimmten Plan entspringe, den sie die Allmacht h\u00e4tten, auszuf\u00fchren, als sei ihnen \u201eplanetarische\u201c Alleinherrschaft eigen. Der Grundwiderspruch dieser Bourgeoisie ist der von Produktionsverh\u00e4ltnissen und Produktivkr\u00e4ften. Um die kapitalistischen Produktionsverh\u00e4ltnisse zu retten, sind sie gen\u00f6tigt, die Entwicklung vergesellschafteter Produktivkr\u00e4fte zu behindern, wo sie nur k\u00f6nnen. Ihre den Interessen der Monopole unterworfenen Staaten k\u00f6nnen nicht einmal mehr eine innenpolitische Krise wie \u201eCorona\u201c planend meistern. Ihre Eigentumsverh\u00e4ltnisse stehen ihren gro\u00dfangek\u00fcndigten \u201eglobalen\u201c, technokratisch-futurologischen Weltherrschafts- und Transformations-Entw\u00fcrfen im Wege, selbst wenn sie von hunderten Think-Tanks und \u201eGlobal Conferences\u201c ausgearbeitet wurden. Wer ihnen diese steuernde Durchsetzungskraft noch abnimmt, verh\u00e4lt sich so, als h\u00e4tte er seine m\u00e4chtigen Verb\u00fcndeten und die Gegenkr\u00e4fte in der Welt und im eigenen Land, die solche Pl\u00e4ne durchkreuzen, noch gar nicht wahrgenommen. Weniges ist sch\u00e4dlicher f\u00fcr eine antifaschistische Strategie, als der Bourgeoisie ihre Behauptung von steuernder Planungs- und handlungsleitender Prognosef\u00e4higkeit abzukaufen, anstatt ihre enormen inneren Widerspr\u00fcche zu begreifen. Das gilt auch angesichts des Geschwurbels, man verzeihe mir den Ausdruck, des Herrn Klaus Schwab.<\/p>\n<p>Das einzige \u201eglobale\u201c zukunftsweisende Konzept der letzten Jahrzehnte, das immer deutlicher weltgeschichtliche Konturen und Wirkungsmacht annimmt, ist entgegengesetzten Klassenursprungs. Es ist die zuerst von Jewgeni Primakow in den 1990er Jahren konzipierte \u201emultipolare Welt\u201c. Die Kommunistische Partei der Russischen F\u00f6deration hat erkannt, dass hier ein Kettenglied f\u00fcr den internationalen und nationalen Klassenkampf liegt, und zugleich die vorderste Front des Antifaschismus. Mit dem Antrag auf Anerkennung der Lugansker und Donezker Volksrepubliken, dem die Regierung der Russischen F\u00f6deration stattgab, hat sie das Kettenglied im gebotenen Moment ergriffen. Was soll das anderes gewesen sein, wenn nicht angewandte Volksfrontstrategie?<\/p>\n<h5>V. Schluss<\/h5>\n<p>Fragtet ihr mich nun: Wie sieht es denn nun hier aus? Wo stehen wir in Deutschland \u2013 Allgemeine faschistische Tendenz, vorbereitende Etappe, Faschismus an der Macht?<\/p>\n<p>Dann w\u00fcrde ich sagen: Ich tippe auf Nr.2. Wir befinden uns schon in einer Etappe der Vorbereitung der m\u00f6glichen Aufrichtung eines Faschismus. ABER: Dieser kann verhindert werden.<\/p>\n<p>Wenn ihr jetzt noch fragtet: Von wo kommt er?<\/p>\n<p>Dann habe ich meine Meinung bereits angedeutet. Ich antworte abschlie\u00dfend mit einem Zitat von Kurt Gossweiler aus dem Jahre 1974:<\/p>\n<p>\u201eGegenw\u00e4rtig geht die Hauptgefahr f\u00fcr die demokratischen Rechte der Massen und f\u00fcr den b\u00fcrgerlichen Parlamentarismus in den imperialistischen Hauptl\u00e4ndern nicht von den dort vorhandenen faschistischen Organisationen aus, sondern von den Hauptparteien der imperialistischen Bourgeoisie (\u2026), von den reaktion\u00e4ren Regierungen und den imperialistischen Milit\u00e4rkoalitionen, insbesondere der NATO. Das Beispiel Griechenlands hat demonstriert, da\u00df beim Ausbleiben einer faschistischen Massenbasis die NATO an deren Stelle treten kann, um zu helfen, in einem als strategisch wichtig angesehenen Lande eine faschistische Diktatur gegen das Volk in den Sattel zu heben.\u201c (12)<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Klaus Linder ist Vorsitzender des Landesverbandes Berlin des Deutschen Freidenker-Verbandes und <\/em><em>Mitglied des gesch\u00e4ftsf\u00fchrenden Verbandsvorstandes\u00a0<\/em><\/p>\n<p><strong>Quellen:<\/strong><\/p>\n<ol>\n<li>Georgi Dimitroff, Die Offensive des Faschismus und die Aufgaben der Kommunistischen Internationale im Kampf f\u00fcr die Einheit der Arbeiterklasse gegen den Faschismus, in: Wilhelm Pieck, Georgi Dimitroff, Palmiro Togliatti: Die Offensive des Faschismus und die Aufgaben der Kommunisten im Kampf f\u00fcr die Volksfront gegen Krieg und Faschismus, Berlin 1957, S.85<\/li>\n<li>ebd., S. 85<\/li>\n<li>ebd., S. 85f.<\/li>\n<li>Wilhelm Pieck, \u00dcber die T\u00e4tigkeit des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale, in: Wilhelm Pieck, Georgi Dimitroff, Palmiro Togliatti: Die Offensive des Faschismus und die Aufgaben der Kommunisten im Kampf f\u00fcr die Volksfront gegen Krieg und Faschismus, Berlin 1957, S. 36<\/li>\n<li>Max Reimann, Ludwig Landwehr, Willi Mohn, Otto Niebergall, KPD-Verbot. Ursachen und Folgen, Frankfurt am Main 1971, S. 15<\/li>\n<li>Dimitroff a.a.O., S. 88<\/li>\n<li>ebd., S. 89<\/li>\n<li>Pier Paolo Pasolini, Freibeuterschriften, Berlin 1979, S. 70<\/li>\n<li>Benito Mussolini, Alte Br\u00e4uche, 12. Dezember 1919, zitiert nach: Opera omnia di Benito Mussolini. Bd. XIV, Firenze 1954, S. 194<\/li>\n<li>Peter Hacks, Marxistische Hinsichten, Berlin 2018, S. 302ff.<\/li>\n<li>Palmiro Togliatti, Lektionen \u00fcber den Faschismus, Frankfurt am Main 1973, S. 19f.<\/li>\n<li>Kurt Gossweiler, Aufs\u00e4tze zum Faschismus, Berlin 1986, S. 340<\/li>\n<\/ol>\n<hr \/>\n<h5>Download<\/h5>\n<p><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"1076\" data-permalink=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?attachment_id=1076\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/pdf_icon-2.png?fit=32%2C32&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"32,32\" data-comments-opened=\"0\" 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rel=\"noopener\">Vortrag als PDF-Dokument<\/a> ansehen oder herunterladen (ca. 291 KB)<\/p>\n<hr \/>\n<h5><a id=\"video\"><\/a>Video<\/h5>\n<p><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"5427\" data-permalink=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?attachment_id=5427\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/video_icon_32x32.jpg?fit=32%2C32&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"32,32\" data-comments-opened=\"0\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"video_icon_32x32\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" 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Die Download-Datei ist 1,6 GB gro\u00df.<\/span><\/p>\n<hr \/>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\">Bild oben: Dimitroff mit (gek\u00fcrztem) Zitat: &#8222;<\/span><em style=\"font-size: 10pt;\">Der Faschismus ist die offene terroristische Diktatur der am meisten reaktion\u00e4rsten, am meisten chauvinistischen, am meisten imperialistischen Elemente des Finanzkapitals.&#8220;<br \/>\n<\/em><span style=\"font-size: 10pt;\">Grafik: Worker, gemeinfrei<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 10pt;\">Quelle: <a href=\"https:\/\/openclipart.org\/detail\/213762\/georgi-dimitrovs-definition-of-fascism\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/openclipart.org\/detail\/213762\/georgi-dimitrovs-definition-of-fascism<\/a>\u00a0<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Vortrag von Klaus Linder, gehalten am 14. Juni 2022<\/b><br \/>\nDer Faschismus hat eine hundertj\u00e4hrige Geschichte, deshalb sollten einige Begriffe wieder besehen werden. Da sich mit der Entwicklung des Faschismus auch der Antifaschismus nur schrittweise, \u00fcber Fehler und Korrekturen entwickelte, und da diesen Lehren das gro\u00dfe Cancel Culture unserer Gegner droht, wenn wir sie nicht verbreiten, gehe ich in die Vergangenheit und erlaube mir dabei immer wieder den Schwenk in das Heute.<br \/>\nZun\u00e4chst zur Gegenwart. Der deutsche und der ukrainische Faschismus, die abermals in gemeinsamer Kriegsfront gegen Russland stehen, scheinen durch eine Art kommunizierender R\u00f6hren verbunden. S\u00e4mtliche Hakenkreuze, die in Westdeutschland jahrzehntelang unsichtbar gemacht wurden, um schlie\u00dflich die Bombardierung Belgrads als antifaschistischen Akt zu verkaufen, scheinen u.a. in den Katakomben von Asowstal in einer Art monstr\u00f6ser Fetischparty konzentriert wieder aufgetaucht zu sein.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":13545,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","advanced_seo_description":"","jetpack_seo_html_title":"","jetpack_seo_noindex":false,"jetpack_post_was_ever_published":false,"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[370,1547,1546,452,876,1088,451,470,404,1111],"class_list":["post-13538","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-frieden-antifaschismus-solidaritaet","tag-antifaschismus","tag-bewusstsein","tag-bourgeoisie","tag-deutschland","tag-dialektik","tag-diktatur","tag-faschismus","tag-ideologie","tag-imperialismus","tag-ukraine"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/dimitroff_v2_800x450.jpg?fit=800%2C450&ssl=1","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p9stpK-3wm","jetpack-related-posts":[{"id":821,"url":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=821","url_meta":{"origin":13538,"position":0},"title":"FREIDENKER 1-15 &#8211; 70 Jahre Befreiung von Faschismus und Krieg","author":"Webmaster","date":"16. 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Allerdings ist ein B\u00fcndnis der Versuch, in\u2026","rel":"","context":"In &quot;Frieden - Antifaschismus - Solidarit\u00e4t&quot;","block_context":{"text":"Frieden - Antifaschismus - Solidarit\u00e4t","link":"https:\/\/www.freidenker.org\/?cat=13"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Linder_Rotfuchs._800x450jpg.jpg?fit=800%2C450&ssl=1&resize=350%2C200","width":350,"height":200,"srcset":"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Linder_Rotfuchs._800x450jpg.jpg?fit=800%2C450&ssl=1&resize=350%2C200 1x, https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Linder_Rotfuchs._800x450jpg.jpg?fit=800%2C450&ssl=1&resize=525%2C300 1.5x, https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Linder_Rotfuchs._800x450jpg.jpg?fit=800%2C450&ssl=1&resize=700%2C400 2x"},"classes":[]},{"id":3244,"url":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=3244","url_meta":{"origin":13538,"position":2},"title":"Mit Ernst Th\u00e4lmann verteidigen wir den Antifaschismus","author":"Webredaktion","date":"19. 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Mai 2021: Befreiung von Faschismus und Krieg","author":"Webredaktion","date":"2. Mai 2021","format":false,"excerpt":"Erfreulicherweise werden die Tage der Befreiung und des Sieges in immer gr\u00f6\u00dferem B\u00fcndnisrahmen zur Kenntnis genommen und durch Aktionen gew\u00fcrdigt. Weniger erfreulich, dass Aktionen in diesem Jahr hier und da mit der Begr\u00fcndung \"des Infektionsgeschehens\" storniert werden. 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