{"id":12327,"date":"2022-02-26T03:36:58","date_gmt":"2022-02-26T02:36:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=12327"},"modified":"2022-04-10T23:59:27","modified_gmt":"2022-04-10T21:59:27","slug":"wer-hat-das-minsker-abkommen-beerdigt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=12327","title":{"rendered":"Wer hat das Minsker Abkommen beerdigt?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Im Spiegel ist ein Artikel erschienen, der f\u00fcr sich in Anspruch nimmt, das Minsker Abkommen zu erkl\u00e4ren. Was der Spiegel seinen Lesern in dem Artikel alles verheimlicht, ist wirklich bemerkenswert.<\/strong><\/p>\n<p><em>von\u00a0<strong>Anti-Spiegel\u00a0<\/strong>(d.i.<strong>\u00a0Thomas R\u00f6per<\/strong>)<\/em><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\">Erstver\u00f6ffentlichung am 15.02.2022 unter dem Titel &#8222;<em>Der Spiegel \u201eerkl\u00e4rt\u201c das Minsker Abkommen: Was Spiegel-Leser dabei alles nicht erfahren<\/em>&#8220; auf <a href=\"https:\/\/www.anti-spiegel.ru\/2022\/der-spiegel-erklaert-das-minsker-abkommen-was-spiegel-leser-dabei-alles-nicht-erfahren\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">anti-spiegel.ru<\/a><\/span><\/p>\n<p>Als im Spiegel ein Artikel erschienen ist, der das Minsker Abkommen erkl\u00e4ren soll, da wusste ich, dass ich viel Arbeit haben w\u00fcrde, zumal der Artikel von Christina Hebel, der L\u00fcgenbaronin des Moskauer Spiegel-B\u00fcros, geschrieben wurde. Frau Hebel ist Lesern des Anti-Spiegel wohlbekannt, weil sie ein ganz eigenes Verh\u00e4ltnis zur Wahrheit hat. Der bisher dreisteste Fall war, als sie in einem Artikel so plump gelogen hat, dass der Spiegel den Artikel einige Stunden, nachdem ich die L\u00fcgen aufgedeckt hatte, still und heimlich (und nat\u00fcrlich ohne seine Leser dar\u00fcber zu informieren) umschreiben musste, die Details <a href=\"https:\/\/www.anti-spiegel.ru\/2019\/dreiste-luege-bei-spon-aufgezeigt-reaktion-der-spiegel-vertuscht-das-durch-heimliche-aenderung-im-artikel\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">finden Sie hier<\/a>. Wenn Sie den Namen von Christina Hebel in die Suchfunktion des Anti-Spiegel eingeben, finden Sie viele Artikel, in denen ich im Detail aufgezeigt habe, wie diese Dame Informationen wegl\u00e4sst, verdreht oder sogar frei erfindet, nur um anti-russische Propaganda zu verbreiten.<\/p>\n<p>Am 10. Februar ist im Spiegel der Artikel mit der \u00dcberschrift \u201e<a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/ausland\/putins-truppenaufmarsch-was-ist-das-minsker-abkommen-und-bietet-es-einen-weg-aus-dem-konflikt-a-4eae38d6-b9e3-440f-bfb8-f1f3252d8a7e\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Bedrohung der Ukraine \u2013 Was das Minsker Abkommen ist \u2013 und welche Chancen es bietet<\/a>\u201c von Christina Hebel erschienen, den wir uns nun genau anschauen werden, denn der Artikel ist ein Meisterst\u00fcck der Desinformation. Er ist lang, wirkt sehr sachlich und enth\u00e4lt viele detaillierte Informationen. Der Spiegel-Leser f\u00fchlt sich danach umfassend informiert, weil er nicht wissen kann, was Frau Hebel alles wegl\u00e4sst oder verdreht.<\/p>\n<p>Da der Artikel von Frau Hebel schon lang ist, wird mein Artikel, in dem ich erkl\u00e4ren und belegen muss, bei welchen Themen sie mit welchen Mitteln Desinformation betreibt, noch l\u00e4nger. Allerdings kann ich versprechen, dass sich die Lekt\u00fcre f\u00fcr alle lohnen wird, die sich f\u00fcr die Themen Minsker Abkommen und Stilmittel der Propaganda interessieren.<\/p>\n<h5>Zwei Minsker Abkommen<\/h5>\n<p>Frau Hebel erweckt in ihrem Artikel den Eindruck, umfassend zu informieren und daher beginnt sie damit, dass vor dem aktuellen Minsker Abkommen, das auch Minsk II genannt wird, bereits ein erstes Minsker Abkommen gab. Diese Information ist jedoch unwichtig, denn das Abkommen gilt nicht mehr und war auch nie umsetzbar. Das lag einfach daran, dass das erste Abkommen so schwammig formuliert war, dass selbst bei gutem Willem der Beteiligten nicht klar war, wer was wann umsetzen sollte. Ich habe in meinem <a href=\"https:\/\/www.anti-spiegel.ru\/2019\/in-eigener-sache-mein-buch-ueber-die-ukraine-ist-in-zwei-wochen-lieferbar\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Buch \u00fcber die Ukraine-Krise 2014<\/a> dar\u00fcber ausf\u00fchrlich geschrieben.<\/p>\n<p>Danach wurde im Februar 2015 das zweite Minsker Abkommen beschlossen. Und ab hier beginnt die geschickte Desinformation von Frau Hebel. Sie schreibt \u00fcber Minsk II:<\/p>\n<p>\u201e<em>Die Vereinbarung besteht aus 13 Punkten, die wichtigsten:<\/em><\/p>\n<ul>\n<li><em>sofortiger Waffenstillstand<\/em><\/li>\n<li><em>Abzug schwerer Waffen durch beide Seiten, um Sicherheitszonen zu schaffen<\/em><\/li>\n<li><em>Dialog \u00fcber Lokalwahlen in den von prorussischen K\u00e4mpfern kontrollierten Gebieten<\/em><\/li>\n<li><em>Begnadigung und Amnestie f\u00fcr prorussische K\u00e4mpfer<\/em><\/li>\n<li><em>Wiederherstellen der Kontrolle der ukrainischen Regierung \u00fcber die Grenze zu Russland bis Ende 2015<\/em><\/li>\n<li><em>Abzug aller ausl\u00e4ndischen Truppen und S\u00f6ldner aus der Ostukraine<\/em><\/li>\n<li><em>Verfassungsreform der Ukraine bis Ende 2015, die jenen Regionen im Donbass, die nicht mehr unter Kontrolle der Regierung stehen, eine gewisse Autonomie einr\u00e4umen<\/em><\/li>\n<li><em>Wahlen in den von prorussischen K\u00e4mpfern kontrollierten Gebieten Donezk und Luhansk<\/em>\u201e<\/li>\n<\/ul>\n<h5>Was tats\u00e4chlich in Minsk II vereinbart wurde<\/h5>\n<p>Frau Hebel schreibt selbst, dass das die \u2013 in ihren Augen \u2013 wichtigsten Punkte sind. Sie berichtet ihren Lesern also unvollst\u00e4ndig und macht auch keinen Hehl daraus. Was aber noch wichtiger ist: Entscheidend in dem Abkommen sind nicht die Punkte, sondern die Reihenfolge ihrer Umsetzung, denn die Punkte bauen so aufeinander auf, dass das Abkommen umsetzbar ist. Das verschweigt Frau Hebel, also schauen wir uns das zun\u00e4chst einmal an. Den kompletten Text des Minsker Abkommens hat der Spiegel \u00fcbrigens nie ver\u00f6ffentlicht, bei Interesse <a href=\"https:\/\/www.anti-spiegel.ru\/2018\/russland-muss-das-abkommen-von-minsk-erfullen-eine-analyse-des-abkommens\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">finden Sie das komplette Abkommen hier<\/a>.<\/p>\n<p>Im Minsker Abkommen ist folgende Reihenfolge festgelegt:<\/p>\n<ol>\n<li>Die Ukraine setzt bis Mitte M\u00e4rz 2015 ein Gesetz in Kraft, das den Gebieten im Osten Selbstverwaltung garantiert.<\/li>\n<li>Kiew verhandelt mit den Gebieten im Osten die Richtlinien f\u00fcr Kommunalwahlen, die unter Aufsicht der OSZE Ende 2015 stattfinden sollen.<\/li>\n<li>Kiew setzt bis zu den Kommunalwahlen eine Verfassungsreform um, die den Gebieten im Osten ihre Rechte und einen Sonderstatus garantiert.<\/li>\n<li>Am Tag, nachdem die Wahlen von der OSZE als g\u00fcltig befunden sind, bekommt Kiew die volle Kontrolle \u00fcber den Osten des Landes und auch die Grenzen zu Russland von den Rebellen \u00fcbertragen<\/li>\n<\/ol>\n<p>Au\u00dferdem sollte Kiew, damit die Rebellen die Waffen ohne Furcht vor Vergeltung niederlegen k\u00f6nnen, eine Generalamnestie f\u00fcr die Soldaten auf beiden Seiten erkl\u00e4ren, und es sollte ein Gefangenenaustausch \u201ealle gegen alle\u201c stattfinden. All das sollte auch vor den Wahlen geschehen.<\/p>\n<p>Was Frau Hebel komplett verschweigt, sind die sozialen Probleme. Kiew hat im Sommer 2014 alle Auszahlungen von Sozialleistungen (Renten, etc.) an die Menschen im Donbass gestoppt, im Januar 2015 ein faktische Hungerblockade \u00fcber den Donbass verh\u00e4ngt und den Donbass vom Zahlungsverkehr abgeklemmt. Im Minsker Abkommen hat Kiew sich verpflichtet, die Zahlungen wieder aufzunehmen, den Bankenverkehr wieder zuzulassen, die Hungerblockade aufzuheben und humanit\u00e4re Hilfe ungehindert in den Donbass zu lassen.<\/p>\n<p>W\u00e4ren all diese Punkte 2015 umgesetzt worden, w\u00e4re der B\u00fcrgerkrieg Ende 2015 vorbei gewesen. Aber Kiew hat nicht einen einzigen der Punkte umgesetzt und weigert sich strikt, direkt mit den Rebellen zu verhandeln, was aber die Grundlage f\u00fcr die Umsetzung all der Punkte ist.<\/p>\n<p>Davon jedoch erfahren die Leser von Frau Hebel kein Wort, sie beschr\u00e4nkt sich auf die Auflistung einiger der Punkte, ohne die Wichtigkeit der Reihenfolge ihrer Umsetzung zu erkl\u00e4ren, und sie verschweigt ihren Lesern die von Kiew verh\u00e4ngte Hungerblockade. Daher kann kein Spiegel-Leser verstehen, worum es in dem Abkommen tats\u00e4chlich geht.<\/p>\n<h5>Desinformation \u00fcber die Ereignisse nach der Unterzeichnung von Minsk II<\/h5>\n<p>Zu dem Zeitpunkt, als Minsk II unterzeichnet wurde, tobte im Donbass eine Kesselschlacht um die Stadt Debalzewe, in der ukrainische Einheiten eingeschlossen waren. Laut Minsker Abkommen sollten alle schweren Waffen kilometerweit hinter die Frontlinie abgezogen werden, was in dem Kessel gar nicht m\u00f6glich war, denn er war zu klein. Diese Forderung bedeutete daher im Klartext die R\u00e4umung des Kessels, was Kiew aber ablehnte. Also wurde die Kesselschlacht im Februar 2015 ausgefochten und viele Soldaten sind vollkommen sinnlos gestorben, weil Kiew nicht bereit war, ihnen den von den Rebellen genehmigten Abzug zu gestatten.<\/p>\n<p>Auch davon erfahren Leser von Frau Hebel nichts, bei ihr klingt das so:<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p>\u201eBereits wenige Tage nach Unterzeichnung von Minsk II r\u00fcckten prorussische Separatisten unterst\u00fctzt von russischen Soldaten in die Stadt Debalzewe im Osten der Ukraine vor und eroberten den wichtigen Verkehrsknotenpunkt. Kurze Zeit sp\u00e4ter war klar, dass vereinbarte Punkte des Minsker Abkommens wie Wahlen, der Sonderstatus des Donbass und die \u00dcbergabe der Kontrolle der Grenze im Osten an die Ukraine nicht wie vereinbart 2015 umgesetzt werden w\u00fcrden.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Erstens waren da keine \u201erussischen Soldaten\u201c und zweitens verschweigt Frau Hebel, dass Debalzewe eingekesselt war und h\u00e4tte ger\u00e4umt werden m\u00fcssen, wenn man den Abzug schwerer Waffen h\u00e4tte umsetzen wollen. Zweitens desinformiert sie ihre Leser, indem sie von Debalzewe eine Linie dazu zieht, dass der Rest des Abkommens daher nicht umsetzbar gewesen sein soll, denn diesen Zusammenhang gibt es gar nicht.<\/p>\n<p>Mehr noch: Liebe Frau Hebel, seit der Unterzeichnung von Minsk II haben Sie jahrelang geschrieben, Russland versto\u00dfe gegen das Abkommen und daher k\u00f6nnten die Sanktionen nicht aufgehoben werden. Sie haben Ihren Lesern aber nie erz\u00e4hlt, dass Kiew all die anderen Forderungen, die sie nun nennen, nicht umsetzen wollte. Woher der pl\u00f6tzliche Sinneswandel und warum haben Sie Ihren Lesern das so lange verschwiegen?<\/p>\n<h5>Die Opfer der Krieges<\/h5>\n<p>Frau Hebel kommt dann auf die Opfer des Krieges zu sprechen:<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p>\u201eMehr als 14.000 Menschen sind nach Angaben der Uno seit Beginn der K\u00e4mpfe 2014 get\u00f6tet worden, darunter Zivilisten. Zahlreiche weitere Menschen wurden durch Artilleriebeschuss und Minen verletzt. Nach Angaben der OSZE, die mit 515 Beobachtern in der Ostukraine unterwegs ist, wird der vereinbarte Waffenstillstand wieder und wieder gebrochen.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Das stimmt, aber Frau Hebel verschweigt wieder das Entscheidende: Laut eben diesen OSZE-Beobachtern gehen <a href=\"https:\/\/www.anti-spiegel.ru\/2020\/osze-bericht-75-der-zivilen-opfer-des-krieges-in-der-ukraine-sind-opfer-der-regierungstruppen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">75 Prozent aller zivilen Opfer des Krieges<\/a> auf das Konto der ukrainischen Armee. Das jedoch passt nicht in das von Frau Hebel gewollte Bild, das die Rebellen als die B\u00f6sen und Kiew als die Guten darstellen soll. Also l\u00e4sst sie diese Information einfach weg, ihre Leser m\u00fcssen ja nicht alles wissen.<\/p>\n<h5>Noch mehr L\u00fcgen von Frau Hebel<\/h5>\n<p>In dem Artikel von Frau Hebel geht es danach um die Frage, warum das Abkommen so schwer umsetzbar sein soll. Dabei nimmt sie die neue Linie Kiews auf und verbreitet sie:<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p>\u201eDas Abkommen ist nach Meinung seiner Kritiker nicht zu Ende gedacht und zu unklar formuliert. Das ist auch aus der Lage im Februar 2015 zu erkl\u00e4ren, als die Vermittler versuchten, die heftigen K\u00e4mpfe schnell zu stoppen.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Dass das Abkommen nicht zu Ende gedacht ist, m\u00fcsste Frau Hebel mal begr\u00fcnden, denn das stimmt schlicht nicht. Das Abkommen ist sehr detailliert und listet die n\u00f6tigen Schritte auf, die umgesetzt werden m\u00fcssen, damit Kiew die Kontrolle \u00fcber den Donbass bis Ende 2015 zur\u00fcckbekommt. Auch sind die Schritte alle logisch, denn Frieden und Vers\u00f6hnung kann es nur im Dialog und mit einer Generalamnestie geben, nicht jedoch mit Diktaten und Gewaltandrohungen.<\/p>\n<p>Davon jedoch lenkt Kiew ab, indem es neuerdings verk\u00fcndet, das Abkommen sei ein Kind seiner Zeit und es sie Kiew aufgezwungen worden, weil Kiew damals schwach gewesen sei. Frau Hebel \u00fcbernimmt diese neue Linie Kiews, erkl\u00e4rt ihren Lesern aber nicht, was genau denn an dem Abkommen \u201e<em>nicht zu Ende gedacht<\/em>\u201c sein soll.<\/p>\n<p>Und dann l\u00fcgt sie dreist \u00fcber das Abkommen:<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p>\u201eUnklar bleibt auch, wer welchen der Punkte der Vereinbarung in welcher Reihenfolge erf\u00fcllen soll, denn auch das wurde nicht festgelegt. Kiew und Moskau interpretieren den Zeitplan unterschiedlich und streiten vor allem \u00fcber die Frage, was zuerst kommen soll: die Wahlen in den umk\u00e4mpften Gebieten oder der Sonderstatus.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Daran gibt es nichts zu interpretieren, denn alles ist klar und eindeutig in dem Abkommen formuliert, wie jeder Anti-Spiegel nachlesen kann, weil ich es in Artikeln zu dem Thema immer verlinke. Der Spiegel-Leser wei\u00df das jedoch nicht, denn der Spiegel verschweigt seinen Lesern den genauen Inhalt des Abkommens seit 2015 und er hat seinen Lesern den Text nie gezeigt. Darum k\u00f6nnen Spiegel-Schreiberlinge auch so dreist \u00fcber den Inhalt des Abkommens l\u00fcgen, denn Spiegel-Leser kennen es gar nicht.<\/p>\n<h5>Und noch mehr Desinformation<\/h5>\n<p>Wir erinnern uns daran, dass westliche Medien und Politiker Russland seit der Unterzeichnung des Abkommens vorwerfen, das Abkommen nicht umzusetzen und daher k\u00f6nnten die Russland-Sanktionen auch nicht aufgehoben werden. Ich habe \u2013 mit Verweis auf das Abkommen \u2013 immer darauf hingewiesen, dass das Unsinn ist, denn Russland wird in dem Abkommen nicht erw\u00e4hnt und ist auch nicht als Konfliktpartei aufgef\u00fchrt. Wie aber soll jemand ein Abkommen umsetzen, in dem er nicht erw\u00e4hnt ist und in dem keine Forderungen an einen gestellt werden?<\/p>\n<p>Frau Hebel best\u00e4tigt das nun, baut es aber sehr geschickt in ihr L\u00fcgengeb\u00e4ude ein:<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p>\u201eZudem ist die Rolle Russlands problematisch: Kremlchef Wladimir Putin sieht sich nur als Vermittler, das Wort \u00bbRussland\u00ab taucht im Text von Minsk I und Minsk II nicht auf.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>In diesem Zusammenhang vermeidet Frau Hebel nun das, was sie fr\u00fcher immer getan hat: Sie weist nicht mehr darauf hin, dass Russland das Abkommen nicht umsetzt, denn wenn Russland \u2013 wie der Spiegel-Leser nun \u00fcberraschend erf\u00e4hrt \u2013 in dem Abkommen gar nicht erw\u00e4hnt wird, wie soll es dann irgendwas umsetzen? Die Frage k\u00f6nnte sich ein aufmerksamer Spiegel-Leser nun stellen, aber das vermeidet Frau Hebel, indem das nicht mehr thematisiert.<\/p>\n<p>Russlands Rolle in dem Abkommen ist die gleiche Rolle, wie die von Frankreich und Deutschland: Diese Staaten sind Garantiem\u00e4chte des Abkommens und Russlands Rolle ist es, daf\u00fcr zu sorgen, dass die Rebellen das Abkommen umsetzen, was sie auch tun. Die Rolle Deutschlands und Frankreichs ist es, daf\u00fcr zu sorgen, dass Kiew das Abkommen umsetzt, das allerdings tut Kiew seit der Unterzeichnung im Februar 2015 nicht.<\/p>\n<h5>Die M\u00e4r von russischen Soldaten<\/h5>\n<p>Kiew und der Westen behaupten seit 2014, im Donbass w\u00fcrden russische Soldaten k\u00e4mpfen. Das ist nicht wahr, denn die OSZE-Beobachter ver\u00f6ffentlichen jeden Tag <a href=\"https:\/\/www.osce.org\/special-monitoring-mission-to-ukraine\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">ihre Berichte<\/a> und eines haben sie in den fast acht Jahren des Konfliktes noch nie gesehen oder gemeldet: Russische Soldaten.<\/p>\n<p>Davon lenkt Frau Hebel geschickt ab, indem schreibt:<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p>\u201ePutin tut bis heute so, als sei er an dem Krieg im Donbass nicht beteiligt, als h\u00e4tten dort nur russische Freiwillige gek\u00e4mpft, aber nie regul\u00e4re Soldaten mit Panzern die Grenze in die Ukraine \u00fcberquert. Dabei haben unabh\u00e4ngige Medien immer wieder dar\u00fcber berichtet, dass dort auch russische Soldaten im Einsatz waren, was westliche Sicherheitsbeh\u00f6rden best\u00e4tigen.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Super, oder? Anstatt sich auf die OSZE und ihre \u00fcber 500 Beobachter zu berufen, spricht Frau Hebel von \u201e<em>unabh\u00e4ngigen Medien<\/em>\u201e, die irgendwas berichten. Liebe Frau Hebel: Nennen Sie doch mal so einen Medienbericht, der von jemandem geschrieben wurde, der auch tats\u00e4chlich im Gebiet der Rebellen unterwegs war und solche Soldaten gesehen hat. Stattdessen berichten die \u201e<em>unabh\u00e4ngigen Medien<\/em>\u201e, auf die Frau Hebel sich beruft, aus dem von Kiew kontrollierten Teil der Ukraine und plappern nach, was Kiew ihnen erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Und die Best\u00e4tigung durch \u201e<em>westliche Sicherheitsbeh\u00f6rden<\/em>\u201c ist wertlos, denn der Westen ist parteiisch, und was wir von der Glaubw\u00fcrdigkeit \u201ewestlichen Sicherheitsbeh\u00f6rden\u201c zu halten haben, wissen wir sp\u00e4testens, seit die CIA die Massenvernichtungswaffen im Irak gemeldet hat. Man sollte sich bei seinen Quellen besser nicht auf die \u201e<em>Sicherheitsbeh\u00f6rden<\/em>\u201c einer Konfliktpartei (oder von Sympathisanten einer Konfliktpartei) verlassen, sondern neutrale Quellen suchen.<\/p>\n<p>Die haben wir ja: Die OSZE-Beobachter, aber weil die nie einen russischen Soldaten im Donbass gesehen haben, zitiert Frau Hebel die lieber nicht.<\/p>\n<h5>Kiew verweigert die Umsetzung des Abkommens<\/h5>\n<p>Dann findet sich in dem Artikel endlich ein entscheidender Satz, dessen Gewicht der Spiegel-Leser aber nicht erkennen kann:<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p>\u201eDie F\u00fchrung in Kiew weigert sich, direkt mit den prorussischen Separatisten zu sprechen, die sie nicht anerkennt.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Stimmt, und damit ist alles gesagt: Kiew hat das Abkommen im Februar 2015 unterschrieben und wenige Tage sp\u00e4ter bereits mitgeteilt, dass es direkte Gespr\u00e4che mit den Rebellen verweigert. Da direkte Gespr\u00e4che aber der Schl\u00fcssel zur Umsetzung des Abkommens sind (was der Spiegel-Leser nicht wei\u00df), bedeutet das, dass Kiew die Umsetzung des Abkommens seit 2015 verweigert.<\/p>\n<p>Das hat Frau Hebel aber nie geschrieben, sie hat all die Jahre behauptet, Russland setze das Abkommen nicht um.<\/p>\n<h5>Einer geht noch: Noch mehr Desinformation<\/h5>\n<p>Frau Hebel schreibt dann:<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p>\u201eIn Kiew zweifelt man an der Minsker Vereinbarung, da sie nicht mehr die Realit\u00e4t widerspiegle, wie es hei\u00dft. Tats\u00e4chlich treibt der Kreml die Integration der Gebiete Donezk und Luhansk immer weiter voran. Moskau hat inzwischen mehr als 600.000 Bewohnerinnen und Bewohnern der von moskautreuen K\u00e4mpfern kontrollierten Regionen Donezk und Luhansk russische P\u00e4sse ausstellen lassen. Hinzukommt neben der milit\u00e4rischen auch die finanzielle Hilfe des Kreml f\u00fcr die Gebiete. Allein f\u00fcr die Geh\u00e4lter der Mitarbeiter der Separatisten-Beh\u00f6rden in der Region soll Moskau \u00fcber eine Milliarde Dollar im Jahr bezahlen.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Erinnern Sie sich an den Anfang dieses Artikels? Das Problem ist, dass Kiew die Gebiete aushungern m\u00f6chte. Moskau \u00fcberweist Gelder an den Donbass, damit zum Beispiel Rentner wieder eine Rente bekommen. Dass Moskau Geh\u00e4lter der Donbass-Beh\u00f6rden bezahlt, ist durch nichts belegt, Frau Hebel stellt es aber als Tatsache dar.<\/p>\n<p>Ein weiteres Problem ist, dass Kiew sich geweigert hat, den Menschen im Donbass Dokumente auszustellen. Was aber tun, wenn Ausweispapiere ablaufen und man keine neuen mehr bekommen kann? Die von den selbst ernannten Rebellen-Republiken ausgestellten Ausweise erkennt praktisch niemand \u2013 und Kiew erst recht nicht \u2013 an. Diese Situation brachte die russische Regierung unter Druck und so hat die sich schlie\u00dflich nach langem Z\u00f6gern dazu entschieden, den Menschen im Donbass anzubieten, ihnen russische P\u00e4sse auszustellen, was sie automatisch zu russischen Staatsb\u00fcrgern macht. Ich habe damals ausf\u00fchrlich \u00fcber das Problem berichtet, mehr Details <a href=\"https:\/\/www.anti-spiegel.ru\/2019\/russische-paesse-fuer-ukrainer-welche-hintergruende-die-deutschen-medien-verschweigen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">finden Sie hier<\/a>.<\/p>\n<p>Die Diskriminierung der ethnisch nicht-ukrainischen Staatsb\u00fcrger der Ukraine betrifft \u2013 auch wenn die westlichen Medien und Politiker das kaum erw\u00e4hnen \u2013 nicht nur die Einwohner des Donbass. Auch Rum\u00e4nien, Polen und Ungarn kritisieren Kiew laufend wegen dessen Umgang mit ihren Minderheiten im Westen der Ukraine. In der Ukraine gelten heute ein Sprach- und sogar ein waschechtes <a href=\"https:\/\/www.anti-spiegel.ru\/2021\/das-sprachengesetz-und-die-zwangsweise-ukrainisierung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Rassengesetz<\/a>, in denen die Ukrainer nach ethnischen (um nicht \u201erassischen\u201c zu sagen) Kriterien in drei Kategorien mit unterschiedlichen Rechten eingeteilt werden.<\/p>\n<p>Auch davon erf\u00e4hrt der Spiegel-Leser nichts, Frau Hebel stellt die humanit\u00e4re Hilfe, die Russland dem Donbass leistet, und die Ausgabe von P\u00e4ssen, stattdessen als \u201eIntegration\u201c der Gebiete in das russische Staatsgebiet dar, was nun wirklich grober Unfug ist. Aber Frau Hebel kann diesen Unfug problemlos verbreiten, denn ihre Leser kennen all die Hintergrundinformationen ja nicht.<\/p>\n<h5>Die 180-Grad-Wende des Spiegel<\/h5>\n<p>Ich muss nochmal daran erinnern: Seit 2015 erz\u00e4hlen uns westliche Medien, dass das Minsker Abkommen super ist und dass das b\u00f6se Russland es nicht umsetzt. Wie gesehen, war das all die Jahre gelogen. Kiew hat das Abkommen all die Jahre nicht umgesetzt, aber sich zumindest verbal irgendwie zu dem Abkommen bekannt.<\/p>\n<p>Das ist nun anders und in Kiew wird inzwischen offen gesagt, dass man nicht vorhat, das Abkommen umzusetzen. Also m\u00fcssen die westlichen Medien darauf irgendwie reagieren. Und das tun sie, indem sie das Abkommen nun pl\u00f6tzlich als eine Art russisches Diktat darstellen, das nicht umsetzbar ist.<\/p>\n<p>Das ist eine 180-Grad-Wender der Medien, denn nun ist das Abkommen pl\u00f6tzlich b\u00f6se und es ist Russland, das die Umsetzung des Abkommens fordert. Und das Minsker Abkommen umzusetzen, ist nun pl\u00f6tzlich schlecht. Bei Frau Hebel klingt das so:<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p>\u201ePutin geht es inzwischen um viel mehr: Er will nicht nur Minsk II durchsetzen, sondern verlangt von den USA und der Nato auch weitreichende Sicherheitsgarantien f\u00fcr sein Land. Diese sollen ihm unter anderem schriftlich zusichern, dass die Ukraine k\u00fcnftig nicht als Nato-Mitglied aufgenommen wird. Damit h\u00e4tte Russland ein De-facto-Vetorecht, dem Kiew in dieser Form nie zustimmen wird.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Sie wirft einfach mehrere Themen, die nichts miteinander zu tun haben, in einen Topf und verwirrt ihre Leser auf diese Weise. Die Umsetzung des Minsker Abkommens und die gegenseitigen Sicherheitsgarantien, die Russland von den USA und der NATO fordert, haben nichts miteinander zu tun. Aber indem Frau Hebel diese Dinge miteinander verbindet, verschleiert sie, dass sie gerade eine 180-Grad-Wende vollzogen hat und ihren Lesern zum Minsker Abkommen pl\u00f6tzlich das exakte Gegenteil dessen erz\u00e4hlt, was sie ihnen in den letzten acht Jahren erz\u00e4hlt hat.<\/p>\n<p>Da stellt sich mir eine Frage: F\u00fcr wie bl\u00f6d h\u00e4lt Frau Hebel ihre Leser eigentlich?<\/p>\n<p>Und weil tats\u00e4chlich wohl die meisten Spiegel-Leser gar nicht merken, dass ihnen gerade das Gegenteil von dem erz\u00e4hlt wird, was bisher die politische Linie war, stellt sich mir noch eine Frage: Hat sie vielleicht recht, wenn sie ihre Leser f\u00fcr so bl\u00f6d h\u00e4lt?<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Thomas R\u00f6per, geboren 1971, lebt seit \u00fcber 15 Jahren in Russland. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.<\/em><\/p>\n<p>Wir danken dem Betreiber der Website\u00a0<a href=\"https:\/\/www.anti-spiegel.ru\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">anti-spiegel.ru<\/a> &#8211; Thomas R\u00f6per &#8211; f\u00fcr die Genehmigung zur Ver\u00f6ffentlichung des Textes auf unserer Webseite.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\">Link zur Erstver\u00f6ffentlichung: <a href=\"https:\/\/www.anti-spiegel.ru\/2022\/der-spiegel-erklaert-das-minsker-abkommen-was-spiegel-leser-dabei-alles-nicht-erfahren\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.anti-spiegel.ru\/2022\/der-spiegel-erklaert-das-minsker-abkommen-was-spiegel-leser-dabei-alles-nicht-erfahren\/<\/a><\/span><\/p>\n<hr \/>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\">Bild oben: <a href=\"https:\/\/pixabay.com\/de\/photos\/hamburg-spiegel-verlag-zeitung-6021324\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">pixabay.com<\/a> \/ <a class=\"hover_opacity\" href=\"https:\/\/pixabay.com\/de\/users\/hermann-130146\/\">Hermann<\/a> \/ <a href=\"https:\/\/pixabay.com\/de\/service\/license\/\">Pixabay License<\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Beitrag von\u00a0Anti-Spiegel\u00a0(d.i.\u00a0Thomas R\u00f6per)<\/b><br \/>\nAls im Spiegel ein Artikel erschienen ist, der das Minsker Abkommen erkl\u00e4ren soll, da wusste ich, dass ich viel Arbeit haben w\u00fcrde, zumal der Artikel von Christina Hebel, der L\u00fcgenbaronin des Moskauer Spiegel-B\u00fcros, geschrieben wurde. Frau Hebel ist Lesern des Anti-Spiegel wohlbekannt, weil sie ein ganz eigenes Verh\u00e4ltnis zur Wahrheit hat. Der bisher dreisteste Fall war, als sie in einem Artikel so plump gelogen hat, dass der Spiegel den Artikel einige Stunden, nachdem ich die L\u00fcgen aufgedeckt hatte, still und heimlich (und nat\u00fcrlich ohne seine Leser dar\u00fcber zu informieren) umschreiben musste, &#8230; <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":12329,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","advanced_seo_description":"","jetpack_seo_html_title":"","jetpack_seo_noindex":false,"jetpack_post_was_ever_published":false,"footnotes":""},"categories":[12],"tags":[1500,605,222,639],"class_list":["post-12327","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-demokratie-medien-aufklaerung","tag-der-spiegel","tag-desinformation","tag-russland","tag-ukraine-konflikt"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/spiegel_hamburg-6021324_800x450.jpg?fit=800%2C450&ssl=1","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p9stpK-3cP","jetpack-related-posts":[{"id":20625,"url":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=20625","url_meta":{"origin":12327,"position":0},"title":"Wenn der Spiegel aus Moskau berichtet\u2026","author":"Webredaktion","date":"31. 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