{"id":11667,"date":"2021-11-24T00:15:17","date_gmt":"2021-11-23T23:15:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=11667"},"modified":"2021-12-08T00:02:25","modified_gmt":"2021-12-07T23:02:25","slug":"zivile-opfer-der-us-kriegsmaschine-teil-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=11667","title":{"rendered":"Zivile Opfer der US-Kriegsmaschine (Teil 3)"},"content":{"rendered":"<p><em>von <strong>Rainer Rupp<\/strong><\/em><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\">Erstver\u00f6ffentlichung am 20.11.2021 <\/span><span style=\"font-size: 10pt;\">auf <a href=\"https:\/\/de.rt.com\/meinung\/127395-zivile-opfer-us-kriegsmaschine-teil-iii\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">RT DE<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\">siehe auch: <a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=11636#Teil1\">Teil 1<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=11636#Teil2\">Teil 2<\/a><\/span><\/p>\n<hr \/>\n<h4 class=\"HeadLine-root HeadLine-type_2 \">Teil 3: Von den Philippinen \u00fcber Korea nach Vietnam<\/h4>\n<p><strong>Die endlosen Gr\u00e4ueltaten gegen die Zivilbev\u00f6lkerung durch das US-Milit\u00e4r im B\u00fcrgerkrieg und den Ausrottungskriegen gegen die Ureinwohner setzten sich in den imperialistischen US-Kriegen fort. Und die Massenm\u00f6rder werden noch heute im US-Milit\u00e4r als Helden geehrt. <\/strong><\/p>\n<p>Sowohl in den zahllosen &#8222;Indianerkriegen&#8220;, die dem Amerikanischen B\u00fcrgerkrieg (1861\u20131865) folgten, als auch in den ersten imperialistischen Eroberungskriegen der USA auf der anderen Seite des Erdballs fand der &#8222;Lieber Code&#8220; (siehe Teil 2 dieser Serie) als juristischer Leitfaden f\u00fcr milit\u00e4risches Handeln seinen Widerhall in der Grausamkeit der US-Kriegf\u00fchrung gegen die Zivilbev\u00f6lkerung der besetzten Territorien und L\u00e4nder. 35 Jahre nach dem Ende des B\u00fcrgerkriegs und wenige Jahre nach dem letzten &#8222;Indianerkrieg&#8220; befreiten die USA in einem Akt selbstloser Hilfe die Philippinen vom Joch der spanischen Kolonialherrschaft, um dann dort selbst die Herrschaft zu \u00fcbernehmen. Und dabei ging es nicht besser zu als bei den &#8222;Indianerkriegen&#8220;.<\/p>\n<p>Der US-Kriegsheld General Philip Henry Sheridan hatte mit seinem Ausspruch unsterblichen Ruhm erlangt, als er einer der Protagonisten der Ausrottung der amerikanischen Ureinwohner sagte: &#8222;Die einzig guten Indianer, die ich jemals sah, waren tot.&#8220; In Abwandlung wurde diese Aussage sp\u00e4ter auch auf Philippinos angewandt.<\/p>\n<p>Nach dem US-B\u00fcrgerkrieg geh\u00f6rte zu den Heldentaten Sheridans, wie vom &#8222;Lieber Code&#8220; empfohlen und von seinem Nordstaaten-Waffenbruder General Sherman w\u00e4hrend des B\u00fcrgerkriegs in den besetzten S\u00fcdstaaten vorgemacht, die Existenzgrundlage der St\u00e4mme der Ureinwohner in den westlichen Territorien Nordamerikas zu vernichten. General Sheridan lie\u00df z. B. systematisch die B\u00fcffelherden vernichten und die D\u00f6rfer der Ureinwohner niederbrennen. Unter anderem war er verantwortlich f\u00fcr den \u00dcberfall auf das Dorf am Washita am 27. November 1868, bei dem die schlafenden Ureinwohner \u00fcberfallen und 100 Cheyenne zusammen mit Frauen und Kindern massakriert wurden.<\/p>\n<p>Diese Heldentaten Sheridans sind noch heute in den US-Streitkr\u00e4ften lebendig. Genau wie das Andenken General Shermans damit geehrt wurde, dass der ber\u00fchmteste US-Panzer des Zweiten Weltkriegs nach ihm benannt wurde, so wurde 25 Jahre sp\u00e4ter zu Zeiten des Kalten Krieges ein neuer lufttransportf\u00e4higer Aufkl\u00e4rungspanzer, der auch im US-Krieg in Vietnam zum Einsatz kam, nach dem Ureinwohnerschl\u00e4chter Sheridan benannt.<\/p>\n<p>Nach der &#8222;Befriedung&#8220; des amerikanischen Westens durch den Genozid an der indigenen Bev\u00f6lkerung gewannen imperiale Gel\u00fcste in Washington die Oberhand. So r\u00fcckten die Philippinen in den Fokus der US-Begehrlichkeiten. Die spanischen Kolonialherren sollten vertrieben und die Philippinos mit US-Demokratie begl\u00fcckt und ausgebeutet werden.<\/p>\n<p>Nach einer kurzen \u00dcbergangsphase, in der die philippinischen Eliten durchaus bereit schienen, zum eigenen Vorteil Vasallen der neuen Herren aus den USA zu werden, wendete sich das Blatt jedoch rapide. Denn die US-Besatzer hatten nicht nur keine Ahnung von asiatischer Mentalit\u00e4t und Kultur, sondern sie behandelten die Philippinos, die sie wegen ihrer dunklen Haut &#8222;Nigger&#8220; nannten, nicht anders, als sie das zu Hause in den USA mit den Ureinwohnern und den schwarzen Sklaven getan hatten. Es war kein Wunder, dass die Philippinos schon bald keinen Gefallen mehr an dem US-Demokratie-Geschenk fanden und es zu bewaffneten Aufst\u00e4nden gegen die US-&#8222;Befreier&#8220; kam.<\/p>\n<p>Die Art der Kriegf\u00fchrung der US-Besatzer auf den Philippinen wurde damals als &#8222;Injun-Kriegf\u00fchrung&#8220; bezeichnet. Welche Schrecken f\u00fcr die lokale Zivilbev\u00f6lkerung hinter diesem Begriff stecken, legte der renommierte US-Professor Samuel Moyn, der an der Yale University Geschichte und Jura lehrt, unter Berufung auf zeitgen\u00f6ssische Dokumente und Briefe von US-Besatzungssoldaten nach Hause in seinem neuen Buch mit dem Titel &#8222;Human: Wie die Vereinigten Staaten den Frieden aufgaben und den Krieg neu erfanden&#8220; (<a href=\"https:\/\/www.amazon.com\/Humane-United-States-Abandoned-Reinvented\/dp\/0374173702#:~:text=Humane%20is%20the%20story%20of,they%20have%20also%20become%20endless.\">Humane: How the United States Abandoned Peace and Reinvented War<\/a>) dar. <a id=\"note1\"><\/a><a href=\"#verweis1\">I<\/a><\/p>\n<p>Laut Moyn bedeutete &#8222;&#8218;Injun-Kriegf\u00fchrung&#8216;, also die US-Kriegf\u00fchrung auf den Philippinen&#8220;, dass &#8222;nicht selten in den D\u00f6rfern die Ernten verbrannt und die Tiere get\u00f6tet wurden, um nichts \u2013 auch keine Menschen \u2013 zur\u00fcckzulassen&#8220;. Laut Moyn gab es keine Milit\u00e4rgesetze, die die Philippinos vor der US-Gewalt gesch\u00fctzt h\u00e4tten, zumal der Lieber Code Repressalien gegen die Zivilbev\u00f6lkerung explizit nicht verboten habe. Tats\u00e4chlich empfahl dieser dem US-Milit\u00e4r sogar, auch in der Zivilbev\u00f6lkerung den Feind zu sehen. So machte denn auch auf den Philippinen das US-Milit\u00e4r keinen Unterschied zwischen Nichtkombattanten und aufst\u00e4ndischen K\u00e4mpfern. Dazu bringt Professor Moyn als Beispiel den Befehl des US- Kommandeurs Jacob Smith an seine Streitkr\u00e4fte und zitiert diesen: &#8222;Ich m\u00f6chte, dass alle Menschen get\u00f6tet werden, die in der Lage sind, bei tats\u00e4chlichen Kampfhandlungen Waffen zu tragen.&#8220; Dann spezifizierte der US-Offizier Smith, dass er damit alle m\u00e4nnliche Einwohner &#8222;ab zehn Jahren&#8220; meint. <a id=\"note2\"><\/a><a href=\"#verweis2\">II<\/a><\/p>\n<p>Das Buch von Michael Krenn von der University of Miami gibt einen gut dokumentierten Einblick in die Sichtweise der einfachen US-Soldaten im Krieg auf den Philippinen, von denen etliche Altgediente noch an der Vernichtung der Ureinwohner teilgenommen hatten. Hier folgen einige Ausz\u00fcge aus seinem Buch &#8222;Race and US Foreign Policy from 1900 to World War II (Rasse und US-Au\u00dfenpolitik von 1900 bis zum Zweiten Weltkrieg&#8220;) <a id=\"note3\"><\/a><a href=\"#verweis3\">III<\/a>:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">&#8222;Ein amerikanischer Soldat erkl\u00e4rte gegen\u00fcber einem Reporter: &#8218;Das Land wird erst Frieden finden, wenn wir den letzten Nigger gekillt haben, genau wie mit den Indianern.&#8216; Ein anderer Soldat sagte: &#8218;Der einzig gute Philippino ist ein toter Philippino. Wir nehmen keine Gefangenen.'&#8220;<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">&#8222;Tats\u00e4chlich gab es generell eine Politik des &#8217;no quarter&#8216;. (Erkl\u00e4rung: Das hei\u00dft, dass keine Gefangenen gemacht werden. Auch wer sich ergibt, wird umgebracht.) Diese Strategie wurde mit der angeblich extremen Grausamkeiten der philippinischen Aufst\u00e4ndischen rechtfertigt.&#8220;<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">&#8222;&#8218;Deshalb killen wir auch alle Verwundeten. Alle von ihnen&#8216;, erkl\u00e4rte ein anderer US-Soldat und f\u00fchrte weiter aus: &#8218;Die Altgedienten unter uns sagen, dass es keine Grausamkeit gibt, die schlimm genug ist f\u00fcr diese hirnlosen Affen, die kein Gesp\u00fcr f\u00fcr Ehre, Freundlichkeit und Gerechtigkeit haben. Bei einem solchen Feind \u00fcberrascht es nicht, wenn unsere Jungs nach dem Motto des &#8217;no quarter&#8216; handeln und sie mit Blei vollpumpen, bevor sie \u00fcberhaupt wissen wollen, ob es sich um Freund oder Feind handelt.'&#8220;<\/p>\n<p>Als General Arthur MacArthur als Kommandeur der philippinischen US-Expeditionsarmee von einem Kongressausschuss gefragt wurde, warum auf Seiten des philippinischen Gegners das Verh\u00e4ltnis zwischen Toten und Verwundeten bei 15 zu 1 lag, wobei es doch sonst in Kriegen immer viel mehr Verwundete als Tote gibt, erkl\u00e4rte McArthur das mit der rassistischen Minderwertigkeit der Philippinos, weshalb diese schneller an ihren Wunden sterben w\u00fcrden als die \u00fcberlegenen Angelsachsen.<\/p>\n<p>Als Adna Chaffee im Juli 1901 Arthur MacArthur als milit\u00e4rischer Prokonsul des neuen US-Imperiums auf den Philippinen nachfolgte, setzte er laut Professor Moyn treu den Ansatz fort, der im geltenden US-Handbuch zur Kriegf\u00fchrung stand, n\u00e4mlich im Lieber Code, wonach intensive bzw. totale Kriege unter Einbeziehung der Zivilbev\u00f6lkerung auf lange Sicht am besten seien, da sie den Gegner am schnellsten davon \u00fcberzeugten, sich zu unterwerfen und den Konflikt schneller zu beenden. Dementsprechend eskalierte Chaffee in der Tradition der &#8222;Injun-Kriegf\u00fchrung&#8220; den Konflikt weiter,ohne jemals von Washington zur\u00fcckgepfiffen zu werden.<\/p>\n<p>Bei der Recherche \u00fcber die &#8222;Injun-Kriegf\u00fchrung&#8220; auf den Philippinen st\u00f6\u00dft man auch zwangsl\u00e4ufig auf eine schon damals von US-Besatzern beim Verh\u00f6r von Gefangenen weit verbreitete Foltermethode, die auch 100 Jahre sp\u00e4ter noch im Irak gegen hochrangige Gefangene angewandt wurde. Als bekannt wurde, dass im irakischen US-Milit\u00e4rgef\u00e4ngnis Abu Ghraib regelm\u00e4\u00dfige die Waterboarding-Folter eingesetzt wurde, sorgte das weltweit f\u00fcr Entsetzen und Abscheu. Im Wertewesten dauerte die Betroffenheit jedoch nur kurz, und schon dominierten wieder die Medienberichte von den USA als Leuchtturm von Freiheit, Demokratie und Menschenrechten.<\/p>\n<p>Beim US-Milit\u00e4r selbst wurde die Aufregung ums Waterboarding eher mit Unverst\u00e4ndnis aufgenommen, nach dem Motto &#8222;Viel L\u00e4rm um Nichts&#8220;. Denn die Methode des Waterboardings, mit der damals auf den Philippinen Verd\u00e4chtige verh\u00f6rt wurden, sei viel brutaler gewesen als im Irak. Damals hie\u00df die Methode auch noch nicht Waterboarding, sondern zynisch &#8222;Wasserkur&#8220;. Ein Offizier der US-Armee rechtfertigte seinerzeit diese Methode sogar als &#8222;milde&#8220; Form der Folter, da nur etwa ein Viertel der Menschen, die ihr ausgesetzt waren, dabei starben, worauf Stuart Creighton Miller Professor an der San Francisco State University im Jahre 1982 in seinem Buch &#8222;The American Conquest of the Philippines, 1899\u20131903&#8220; hingewiesen hat. <a id=\"note4\"><\/a><a href=\"#verweis4\">IV<\/a><\/p>\n<p>Die Kontinuit\u00e4t dieser Verbrechen, die Leichtigkeit, mit der sie begangen wurden und immer noch werden, und die Art, wie noch heute im US-Milit\u00e4r die T\u00e4ter in der Regel straffrei davonkommen, zieht sich wie ein roter Faden durch die unz\u00e4hligen Kriege, die das aufsteigende US-Imperium im Lauf der letzten 120 Jahre rund um die Welt f\u00fchrte.<\/p>\n<p>So setzte sich das kriegsverbrecherische Erbe der Strategie der &#8222;Verbrannten Erde&#8220; aus dem Amerikanischen B\u00fcrgerkrieg fort: \u00fcber die Ausrottungskriege gegen die Ureinwohner, die ersten Kolonialkriege auf den Philippinen, \u00fcber die Kriege in Korea und Vietnam bis zu Afghanistan, dem Irak, Syrien und vielen anderen aktuellen Schaupl\u00e4tzen.<\/p>\n<p>Unter den \u00e4lteren US-Offizieren des US-Expeditionskorps auf den Philippinen, die schon in den Ausrottungskriegen gegen die Ureinwohner gek\u00e4mpft hatten, stand der kommandierende General Arthur MacArthur an erster Stelle. Er war der Vater von General Douglas MacArthur, des sp\u00e4teren Oberkommandierenden aller US-Streitkr\u00e4fte im Pazifik w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs. Das stellt mehr als eine symbolische Verkn\u00fcpfung zwischen den Indianerkriegen, dem Krieg in den Philippinen und dem gegen Japan und sp\u00e4ter in Korea und Vietnam dar. Allen gemeinsam ist die brutale Behandlung der Zivilbev\u00f6lkerung in der abscheulichen Tradition des Lieber Codes.<\/p>\n<p>Den \u00e4lteren Lesern ist der US-Vernichtungskrieg in Vietnam mit seinen unendlichen Gr\u00e4ueltaten gegen die Zivilbev\u00f6lkerung sicherlich noch viel gegenw\u00e4rtiger als der US-Krieg in Korea. Leser in meinem Alter erinnern sich sicherlich noch, wie damals die US-Kriegf\u00fchrung in den t\u00e4glichen Stellungnahmen als Ma\u00dfstab ihrer Erfolge den sogenannten &#8222;Body Count&#8220; eingef\u00fchrt hatte. Das bedeutete: Je gr\u00f6\u00dfer die gemeldete Zahl der Leichen des Gegners, desto bedeutender war der milit\u00e4rische Erfolg. Die Tatsache, dass man bei den get\u00f6teten, zerfetzten oder verbrannten Vietnamesen weder zwischen K\u00e4mpfern und Zivilisten noch zwischen Kindern und Erwachsenen unterscheiden konnte, spielte dabei keine Rolle, denn laut Lieber Code war auch die Zivilbev\u00f6lkerung der Feind.<\/p>\n<p>Beim Body Count war nur eines wichtig: eine m\u00f6glichst gro\u00dfe Zahl an Toten. Diese Zahl wurde zus\u00e4tzlich erh\u00f6ht durch die &#8222;Strategie der Verbrannten Erde&#8220; in Form von &#8222;Freien Feuerzonen&#8220;, in denen auf alles geschossen wurde, was sich bewegte, durch den massenhaften Einsatz von Napalm und der Chemiewaffe &#8222;Agent Orange&#8220; und durch Massaker wie das von M\u1ef9 Lai, bei denen ganze D\u00f6rfer mit allen Einwohnern gro\u00df und klein ausgel\u00f6scht wurden. Und dennoch behauptet der bereits oben erw\u00e4hnte Historiker Moyn in seinem Buch, dass der Koreakrieg im Vergleich zum US-Krieg in Vietnam, so schlimm der auch gewesen sei, noch viel schlimmer war.<\/p>\n<p>&#8222;Korea war der brutalste Krieg des 20. Jahrhunderts, gemessen an der Intensit\u00e4t der Gewalt und den Pro-Kopf-Todesf\u00e4llen von Zivilisten. In drei Jahren starben vier Millionen, und die H\u00e4lfte von ihnen waren Zivilisten \u2013 ein h\u00f6herer Anteil der Bev\u00f6lkerung als in jedem modernen Krieg, einschlie\u00dflich des Zweiten Weltkriegs und des Vietnamkonflikts&#8220;, schreibt Moyn auf Seite 135 seines Buches.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich hatte der Autor dieser Zeilen im Oktober 1999 in US-Medien einen ersten Hinweis gefunden, dass die bereits traditionell m\u00f6rderische R\u00fccksichtslosigkeit der US-Milit\u00e4rf\u00fchrung gegen die lokale Zivilbev\u00f6lkerung in Kriegsgebieten sich auch in Korea fortgesetzt hatte. Ein von US-Soldaten ver\u00fcbtes Massaker an koreanischen Zivilisten, das fast 50 Jahre erfolgreich vertuscht worden war, war durch eine Reihe von Zuf\u00e4llen, verbunden mit einer einzigartigen Beharrlichkeit einiger Betroffener, doch noch ans Licht gekommen.<\/p>\n<p>Demnach hatten in den ersten Wochen des Koreakrieges US-Soldaten in einem einzigen Massaker Hunderte von zivilen Fl\u00fcchtlingen mit Vorsatz ermordet. Etwa 300 M\u00e4nner, Frauen und Kinder, die bei Nogeun-ri, einem kleinen Dorf etwa 160 Kilometer s\u00fcd\u00f6stlich von Seoul, unter einer Eisenbahnbr\u00fccke unweit der US-Linien vor den Angriffen der US-Bomber Zuflucht gesucht hatten, waren dort von US-Maschinengewehrfeuer absichtlich niedergem\u00e4ht worden.<\/p>\n<p>&#8222;Es war eine Massenschl\u00e4chterei&#8220;, zitiert die US-Nachrichtagentur <em>A<\/em><em>ssociated <\/em><em>P<\/em><em>ress <\/em>(<em>AP<\/em>) im Oktober 1999 den ehemaligen US-Soldaten Herman Patterson in einem Interview. &#8222;Wir haben sie einfach ausgel\u00f6scht&#8220;, erinnert sich Norman Tinkler, ein anderer GI, der damals auf amerikanischer Seite an diesem Kriegsverbrechen beteiligt war.<\/p>\n<p>Obwohl die 25 \u00dcberlebenden des Massakers und Angeh\u00f6rige der Ermordeten im Laufe der letzten 50 Jahre auf ihrer Suche nach Gerechtigkeit sich immer wieder an die s\u00fcdkoreanischen und US-amerikanischen Beh\u00f6rden gewandt hatten, waren sie stets schroff zur\u00fcckgewiesen worden. Nach dem Motto, dass nicht sein kann, was nicht sein darf, schenkte ihnen niemand Glauben. Nicht einmal eine grobe Untersuchung der Vorw\u00fcrfe wurde von US-Stellen angeordnet. Erst nachdem <em>AP<\/em> im Jahr 1999 \u00fcber viele Monate hinweg die noch lebenden US-Kriegsveteranen aufgesp\u00fcrt hatte, die damals an Ort und Stelle dabei gewesen waren, horchten die USA auf. Als dann auch noch etwa ein Dutzend der ehemaligen Soldaten die Gr\u00e4ueltat best\u00e4tigten, befahl der 1999 amtierende US-Kriegsminister Cohen, die Pentagon-Archive nach weiteren Hinweisen f\u00fcr die Untat zu durchforsten.<\/p>\n<p>Den damaligen Berichten von US-Medien zufolge hatten die Erinnerungen der US-Kriegsveteranen die Erz\u00e4hlungen der \u00dcberlebenden und Angeh\u00f6rigen der Ende Juli 1950 bei Nogeun-ri ermordeten koreanischen Opfer best\u00e4tigt. Nachdem bereits 100 koreanische Kriegsfl\u00fcchtlinge bei den Bombenangriffen amerikanischer Flugzeuge umgekommen waren, hatten etwa 300 weitere Fl\u00fcchtlinge unter der Br\u00fccke Schutz gesucht. Die in der N\u00e4he positionierten US-Soldaten f\u00fchlten sich dadurch bedr\u00e4ngt und begannen auf Befehl ihrer Offiziere, in die unbewaffnete Menge zu schie\u00dfen.<\/p>\n<p><em>AP<\/em> zitierte einen US-Veteranen, Eugene Heselman von Fort Mitchell in Kentucky, der sich daran erinnerte, wie sein Hauptmann gesagt hatte: &#8222;Zur H\u00f6lle mit all den Leuten. Macht sie fertig.&#8220; Und Norman Glasco, ein Maschinengewehrsch\u00fctze aus Kansas, sagte: &#8222;Wie haben sie alle vernichtet.&#8220; Sechs Veteranen der 1. Kavalleriedivision gestanden, dass sie selbst auf die Gruppe der Fl\u00fcchtlinge bei Nogeun-ri gefeuert hatten. Sechs weitere sagten, dass sie Augenzeugen der Erschie\u00dfungen gewesen waren.<\/p>\n<p>Andere Veteranen erinnerten sich, dass es unabh\u00e4ngig von Nogeun-ri seinerzeit ausdr\u00fcckliche Befehle der US-Offiziere gab, auf zivile Fl\u00fcchtlinge zu schie\u00dfen, wenn diese sich ihren Linien n\u00e4herten, um sich so gegen vermeintlich feindliche Soldaten in deren Reihen zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>In monatelangen Recherchen in US-Milit\u00e4rarchiven fand <em>AP<\/em> Dokumente, die diese verbrecherischen Befehle best\u00e4tigen. Daher liegt bis heute der Verdacht nahe, dass es sich bei Nogeun-ri nicht um einen Einzelfall handelt.<\/p>\n<p>Das Pentagon hatte damals sofort gegengesteuert, und der damalige Pressesprecher Kenneth Bacon erkl\u00e4rte flugs, seine Beh\u00f6rde bleibe bei der Feststellung, dass Historiker der US-Streitkr\u00e4fte nach eingehender Durchsuchung der Milit\u00e4rarchive &#8222;keinerlei Hinweise gefunden haben, dass Soldaten der US-Armee an einem Massaker an s\u00fcdkoreanischen Zivilisten beteiligt waren&#8220;.<\/p>\n<p>Er h\u00e4tte auch sagen k\u00f6nnen: &#8222;Vertraut uns. Wir sind von der Regierung!&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Anmerkungen:<\/strong><\/p>\n<p><a id=\"verweis1\"><\/a><a href=\"#note1\">I<\/a> &#8222;Humane: How the United States Abandoned Peace and Reinvented War&#8220;, Ausgabe \u2013 7. September 2021, von Samuel Moyn (Author)<\/p>\n<p><a id=\"verweis2\"><\/a><a href=\"#note2\">II<\/a> Mehr dazu kann man in dem Buch des preisgekr\u00f6nten, kritischen US-Historikers Alfred W. McCoy lesen: &#8222;Policing America&#8217;s Empire: The United States, the Philippines, and the Rise of the Surveillance State&#8220; (New Perspectives in SE Asian Studies) Taschenbuch \u2013 Illustriert, 15. Oktober 2009<\/p>\n<p><a id=\"verweis3\"><\/a><a href=\"#note3\">III<\/a> &#8222;Race and US Foreign Policy from 1900 to World War II &#8211; By Michael L. Krenn, University of Miami, Garland Publishing Inc New York and London 1998 ISBN 0-8153 \u2013 2957<\/p>\n<p><a id=\"verweis4\"><\/a><a href=\"#note4\">IV<\/a> Benevolent Assimilation: The American Conquest of the Philippines, 1899-1903 | Miller, Stuart Creighton | Yale University Press, ISBN: 9780300030815 |<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Rainer Rupp ist Mitglied des Beirats des Deutschen Freidenker-Verbandes<\/em><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\">Link zur Erstver\u00f6ffentlichung: <a href=\"https:\/\/de.rt.com\/meinung\/127395-zivile-opfer-us-kriegsmaschine-teil-iii\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/de.rt.com\/meinung\/127395-zivile-opfer-us-kriegsmaschine-teil-iii\/<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\">siehe auch: <a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=11636#Teil1\">Teil 1<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=11636#Teil2\">Teil 2<\/a><\/span><\/p>\n<hr \/>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\">Bild oben: <span class=\"mw-mmv-title\">Mordopfer von My Lai, <span class=\"mw-mmv-datetime\">16. M\u00e4rz 1968<\/span><\/span><br \/>\nFoto: Ronald L. Haeberle, Gemeinfrei<br \/>\nQuelle: <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=883801\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=883801<\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Beitrag von Rainer Rupp<\/b><br \/>\nSowohl in den zahllosen &#8222;Indianerkriegen&#8220;, die dem Amerikanischen B\u00fcrgerkrieg (1861\u20131865) folgten, als auch in den ersten imperialistischen Eroberungskriegen der USA auf der anderen Seite des Erdballs fand der &#8222;Lieber Code&#8220; als juristischer Leitfaden f\u00fcr milit\u00e4risches Handeln seinen Widerhall in der Grausamkeit der US-Kriegf\u00fchrung gegen die Zivilbev\u00f6lkerung der besetzten Territorien und L\u00e4nder. 35 Jahre nach dem Ende des B\u00fcrgerkriegs und wenige Jahre nach dem letzten &#8222;Indianerkrieg&#8220; befreiten die USA in einem Akt selbstloser Hilfe die Philippinen vom Joch der spanischen Kolonialherrschaft, um dann dort selbst die Herrschaft zu \u00fcbernehmen. 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