{"id":10667,"date":"2021-07-06T04:11:40","date_gmt":"2021-07-06T02:11:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=10667"},"modified":"2021-07-28T00:03:09","modified_gmt":"2021-07-27T22:03:09","slug":"das-geheimrezept-fuer-den-erfolg-des-chinesischen-kommunismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=10667","title":{"rendered":"Das Geheimrezept f\u00fcr den Erfolg des chinesischen Kommunismus"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Kommunistische Partei Chinas feierte am Donnerstag, den 1. Juli 2021 ihren 100. Geburtstag. Viele westliche Beobachter dachten nach dem Ende der UdSSR, dass China einen \u00e4hnlichen Weg wie die Sowjetunion gehen w\u00fcrde \u2013 ein gro\u00dfer Fehler. China eilt heute von einem Erfolg zum n\u00e4chsten. Wie ist der Erfolg der KP zu erkl\u00e4ren? <\/strong><\/p>\n<p><em>von <strong>Dennis Simon<\/strong><\/em><\/p>\n<hr \/>\n<h4>Teil 1<\/h4>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\">Erstver\u00f6ffentlichung am 01.07.2021 auf <a href=\"https:\/\/de.rt.com\/meinung\/120057-geheimrezept-fur-erfolg-chinesischen-kommunismus\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">RT DE<\/a><\/span><\/p>\n<p>Am 1. Juli feiert die Kommunistische Partei Chinas ihren 100. Jahrestag. Anfang der 1990er Jahre gab es viele Beobachter im Westen, die gedacht und gew\u00fcnscht haben, dass die Partei dieses Jubil\u00e4um nicht erleben w\u00fcrde. Die regierenden kommunistischen Parteien in Osteuropa waren entweder zusammengebrochen oder verwandelten sich in sozialdemokratische Parteien. Auch einige ehemals starke kommunistische Parteien im Westen konnten sich dem Sog nicht entziehen, so etwa in Italien. Die Geschichte schien sich eindeutig gegen den Kommunismus gestellt zu haben. Manche westliche Denker stellten die These auf, dass nun ein neues goldenes Zeitalter f\u00fcr den Liberalismus und die westliche Demokratie beginne und dass in diesem Sinne die Geschichte ein Ende erreicht habe.<\/p>\n<div class=\"ReadMore-root Section-root Section-is1to3-xs_is1to1\" data-widgets=\"ReadMore\">\n<div class=\"Section-container Section-isRow-isTop-isWrap\">\n<article class=\"Card-root Card-is1to1 \">\n<div class=\"Card-imageWrap\">Wiederholte Prognosen von &#8222;China-Experten&#8220;, dass die KP Chinas schwach und unbeliebt sei und daher Chinas Regierungssystem kollabieren werde, bewahrheiteten sich jedoch nicht. Dennoch \u00fcbertragen westliche Beobachter viele negative Klischees und Vorurteile, die sich um die Sowjetunion und die anderen osteurop\u00e4ischen sozialistischen Staaten gebildet hatten, einfach auf China, ohne sich genau mit den Details zu befassen.<\/div>\n<\/article>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>Inzwischen zeigen jedoch westliche Studien, dass Chinas Regierungspartei fest im Sattel sitzt und eine sehr gro\u00dfe Unterst\u00fctzung seitens der Bev\u00f6lkerung genie\u00dft. Ein Institut der US-amerikanischen Harvard-Universit\u00e4t f\u00fchrte zwischen 2003 und 2016 j\u00e4hrlich unter tausenden Chinesen Umfragen zu ihrer Zufriedenheit mit den staatlichen Strukturen auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene durch. Im letzten Jahr antworteten 95,5 Prozent der Teilnehmer, dass sie &#8222;relativ zufrieden&#8220; oder &#8222;sehr zufrieden&#8220; mit der Politik der chinesischen Zentralregierung seien. Berichte von Reisenden aus China, die sich vorurteilsfrei mit normalen Chinesen unterhalten, ergeben ein \u00e4hnliches Bild: Die meisten haben angesichts der stetigen Verbesserung der Lebensverh\u00e4ltnisse in den letzten vier Jahrzehnten gro\u00dfes Vertrauen in die Partei.<\/p>\n<p>Wie ist dieser Erfolg der Kommunistischen Partei Chinas, der scheinbar den bisherigen Erfahrungen des traditionellen osteurop\u00e4ischen Sozialismus widerspricht, zu erkl\u00e4ren? Offenkundig haben die chinesischen Kommunisten einen Arbeitsstil und eine theoretische Perspektive entwickelt, die es ihnen erlaubten, die Fehler und Vers\u00e4umnisse anderer sozialistischer Staaten zu vermeiden. Um das zu verstehen, muss man sich mit der Geschichte der KP Chinas befassen.<\/p>\n<p>Im ersten Teil des Beitrages geht es um die bitteren Erfahrungen der chinesischen Kommunisten mit der Bevormundung Chinas durch die Zentrale der kommunistischen Weltbewegung in China in den 1920er und 1930er Jahren. Um die KP Chinas zu verstehen, ist es unerl\u00e4sslich, sich mit diesen historischen Wurzeln zu befassen, denn die grundlegenden Elemente f\u00fcr den erfolgreichen Kurs der Partei wurden in diesem Zeitraum erarbeitet.<\/p>\n<p>In einem zweiten Teil des Beitrages sollen dann die Strategien der KP Chinas nach der Machtergreifung betrachtet werden. Basierend auf dem innovativen und flexiblen Umgang mit dem Marxismus, den sich Chinas Kommunisten angeeignet hatten, gelang es der KP, mit dem Konzept der &#8222;Neuen Demokratie&#8220; einen eigenen chinesischen Pfad zum Sozialismus zu entwickeln und, nachdem in den 1970er Jahren die Probleme der Planwirtschaft sowjetischen Stils immer offenkundiger wurden, mutige wirtschaftliche Reformen vorzunehmen.<\/p>\n<p>Als in China die Kommunistische Partei gegr\u00fcndet wurde, war die internationale kommunistische Bewegung straff organisiert. Es gab ein Zentrum in Moskau, das gegen\u00fcber den einzelnen Sektionen der Kommunistischen Internationale (Komintern) weisungsbefugt war. Diese Organisationsform entsprach der damaligen Erwartung einer baldigen Weltrevolution. Angesichts der Oktoberrevolution sowie weiterer Revolutionsversuche in Deutschland, \u00d6sterreich, Ungarn sowie weiteren Staaten war das keine unrealistische Perspektive, auch wenn wir heute wissen, dass dieses Szenario letztendlich nicht eingetreten ist.<\/p>\n<p>Die Kommunistische Partei Chinas, die bei ihrer Gr\u00fcndung nur einige Dutzend Mitglieder hatte, wuchs aufgrund der gewaltigen sozialen und politischen Widerspr\u00fcche im Land sehr schnell. Einerseits befand sich das Land auf dem Serviertablett f\u00fcr die kolonialen Interessen diverser imperialistischer Staaten. Es gab keine starke Zentralregierung, sondern in verschiedenen Regionen herrschten verschiedene Warlords, die auf dem R\u00fccken der armen Landbev\u00f6lkerung Privatarmeen und einen Anhang von korrupten Beamten und Lakaien unterhielten. Dieser Umstand emp\u00f6rte patriotisch gesinnte Chinesen. Zudem war die Situation f\u00fcr die meisten Bauern und armen Stadtbewohner unertr\u00e4glich. Reiche Gro\u00dfgrundbesitzer f\u00fchrten ein komfortables Leben, w\u00e4hrend die Lebensverh\u00e4ltnisse der meisten Chinesen auf einem erb\u00e4rmlichen, vormodernen Niveau waren, vergleichbar mit dem oder m\u00f6glicherweise noch schlechter als jenes ihrer Vorfahren vor 200 bis 300 Jahren.<\/p>\n<figure class=\"RTImage-root\"><\/figure>\n<p>Neben den Kommunisten gab es noch eine weitere chinesische Partei, die vorgab, gegen diese doppelte, innen- wie au\u00dfenpolitische Schande anzuk\u00e4mpfen: Die Nationalisten der Kuomintang. Die Komintern orientierte die chinesische Sektion darauf, der gr\u00f6\u00dferen Kuomintang beizutreten und in dieser zu arbeiten, um ihre Ziele zu verwirklichen. Sowjetische Berater spielten eine wichtige Rolle beim Aufbau der Kuomintang. Nachdem im Jahr 1925 jedoch der sowjetfreundliche Gr\u00fcnder der Kuomintang, Sun Yat-sen, starb und an seine Stelle der rechtsgerichtete Milit\u00e4rmachthaber Chiang Kai-shek trat, wurde die Situation f\u00fcr die Kommunisten immer schwieriger.<\/p>\n<div class=\"ReadMore-root Section-root Section-is1to3-xs_is1to1\" data-widgets=\"ReadMore\">\n<div class=\"Section-container Section-isRow-isTop-isWrap\">\n<article class=\"Card-root Card-is1to1 \">\n<div class=\"Card-imageWrap\">Die KP Chinas verfolgte damals eine Strategie, die auf die Eroberung der Macht zuerst in den St\u00e4dten abzielte. Angesichts des Vormarschs der Kuomintang organisierten die Kommunisten im M\u00e4rz 1927 einen erfolgreichen Aufstand in Schanghai gegen den lokalen Warlord. Dieser Aufstand erschreckte die rechten Kr\u00e4fte in der Kuomintang sowie die westlichen Staaten. Die Kommunisten organisierten Proteste gegen die kolonialen Enklaven der westlichen Staaten in Schanghai.<\/div>\n<\/article>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>Im April verriet Chiang seine kommunistischen Verb\u00fcndeten und veranstaltete ein Massaker in der Stadt und in den anderen Gebieten, welche die Kuomintang kontrollierte, bei dem Tausende von Kommunisten ermordet wurden. In dieser Zeit verlor die Kommunistische Partei etwa 15.000 ihrer 25.000 Mitglieder. Es folgte ein B\u00fcrgerkrieg zwischen der Kuomintang, die ab 1928 fast das gesamte chinesische Staatsgebiet kontrollierte, und der Kommunistischen Partei, der bis zum Angriff Japans im Jahr 1936 w\u00fctete.<\/p>\n<p>Das Scheitern dieser Einheitsfront mit der Kuomintang und der anschlie\u00dfende Verlust von Tausenden ihrer Genossen wirkten tief auf die chinesischen Kommunisten. Sie mussten erkennen, dass die Komintern-F\u00fchrung nicht unbedingt immer den besten Einblick in die konkrete Lage im Inneren der verschiedenen L\u00e4nder hatte. Eine Gruppe von Marxisten um Mao Zedong begann, basierend auf den Realit\u00e4ten Chinas, den Marxismus zu &#8222;sinisieren&#8220;. Es dauerte jedoch noch einige Jahre, bis sich diese Linie in der Partei gegen\u00fcber anderen Str\u00f6mungen, die f\u00fcr eine einfache \u00dcbernahme des sowjetischen Marxismus standen, durchsetzen konnte.<\/p>\n<p>Zwar musste nach dem Debakel in Shanghai der damalige Vorsitzende der Partei zur\u00fccktreten, aber es kam nicht zu einer grundlegenden \u00c4nderung der Strategie. W\u00e4hrend sich die Parteif\u00fchrung auf die St\u00e4dte konzentrierte, organisierten andere Kommunisten die Bauernschaft. Es gelang ihnen, die Bauernschaft zum Aufstand zu bringen und eine Reihe von &#8222;Sowjetgebieten&#8220; zu organisieren. Mao Zedong leitete in der Provinz Jiangxi das gr\u00f6\u00dfte Sowjetgebiet. Dem sp\u00e4teren chinesischen Parteichef gelang es Anfang der 1930er Jahre, drei Einkreisungsversuche der Kuomintang abzuwehren und erfolgreiche Gegenkampagnen zu starten, obwohl seine kommunistischen Milizen gegen\u00fcber den Kuomintang-Truppen bis zu eins zu zehn in der Unterzahl waren.<\/p>\n<p>Obwohl es anfangs Maos Kurs und dessen eigenst\u00e4ndige Aktionen kritisierte, zog das Zentralkomitee der KP Chinas in sein Gebiet um, da es dies als sicheres Gebiet betrachtete. Dadurch wurde allerdings Maos Einfluss verringert. Nach Maos dritter erfolgreicher Abwehrkampagne gegen die Angriffe der nationalistischen Truppen wurde er paradoxerweise auf einer Parteikonferenz im Oktober 1932 sogar von den meisten seiner F\u00fchrungsposten enthoben. Das wirkte sich negativ auf die Leitung der kommunistischen Truppen aus. W\u00e4hrend es der KP noch gelang, den vierten Einkreisungsversuch abzuwehren, musste die Partei beim f\u00fcnften Angriff der Kuomintang auf Jiangxi ihre Stellungen r\u00e4umen.<\/p>\n<div class=\"ReadMore-root Section-root Section-is1to3-xs_is1to1\" data-widgets=\"ReadMore\">\n<div class=\"Section-container Section-isRow-isTop-isWrap\">\n<article class=\"Card-root Card-is1to1 \">\n<div class=\"Card-imageWrap\">Der entscheidende Faktor f\u00fcr die Niederlage der Kommunisten war, dass die Parteif\u00fchrung, die \u00fcberwiegend aus jungen Intellektuellen bestand, die in der Sowjetunion ausgebildet worden waren, und ein von der Komintern entsandter Milit\u00e4rberater, der Deutsche Otto Braun, Maos erfolgreiche Guerillataktiken verwarfen und stattdessen auf konventionellere Milit\u00e4rtaktiken setzten, die die sowjetische Rote Armee im russischen B\u00fcrgerkrieg angewandt hatte.<\/div>\n<\/article>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>Zudem hatte Mao die Widerspr\u00fcche zwischen Chiang Kai-shek und den anderen nationalistischen Gener\u00e4len erfolgreich ausgenutzt, was zu einer Reduzierung der Mobilisierungsf\u00e4higkeit auf der Seite der Nationalisten f\u00fchrte. Die F\u00fchrung der KP hingegen betrachtete alle Kuomintang-Kr\u00e4fte gleicherma\u00dfen als Feinde, was die Anzahl der Truppen erh\u00f6hte, die Chiang Kai-shek f\u00fcr seine Kampagne gegen das Sowjetgebiet in Jiangxi zur Verf\u00fcgung hatte.<\/p>\n<p>Die f\u00fcnfte Kuomintang-Kampagne endete mit einem Desaster f\u00fcr die Kommunisten. Zehntausende ihrer besten K\u00e4mpfer starben. Die Partei musste das Sowjetgebiet aufgeben und sich zur\u00fcckziehen. Dieser R\u00fcckzug markiert den Start des &#8222;Langen Marsches&#8220;. Einige Monate nach R\u00fcckzugsbeginn fand die Konferenz von Zunyi statt. Die Kommunistische Partei analysierte hier die vergangenen K\u00e4mpfe und versuchte, die Gr\u00fcnde f\u00fcr den Misserfolg zu benennen.<\/p>\n<div class=\"ReadMore-root Section-root Section-is1to3-xs_is1to1\" data-widgets=\"ReadMore\">\n<div class=\"Section-container Section-isRow-isTop-isWrap\">\n<article class=\"Card-root Card-is1to1 \">\n<div class=\"Card-imageWrap\">Die dogmatischen Kr\u00e4fte, die auf ein Kopieren des sowjetischen Modells pochten, wurden abgel\u00f6st. Mao wurde wieder in die Parteif\u00fchrung geholt. Er und seine Weggef\u00e4hrten setzten eine politische und milit\u00e4rische Strategie um, die trotz der hohen Verluste beim Langen Marsch die Partei stabilisierte und ihr erm\u00f6glichte, im Laufe der Jahre die entscheidende Landbev\u00f6lkerung zunehmend f\u00fcr sich zu gewinnen. Im zweiten chinesischen B\u00fcrgerkrieg von 1945 bis 1949 \u2013 nach dem Intermezzo des japanischen Angriffs auf China, der Chiang Kai-shek zu einem Zweckb\u00fcndnis mit den Kommunisten zwang \u2013 gelang es Mao Zedong schlie\u00dflich, den verhassten Feind, Chiang Kai-shek, zu besiegen und ein &#8222;Neues China&#8220; zu gr\u00fcnden, das die doppelte Schmach der ausl\u00e4ndischen imperialistischen Unterdr\u00fcckung und der sozialen R\u00fcckst\u00e4ndigkeit beenden sollte.<\/div>\n<\/article>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>Die Realit\u00e4t hatte gezeigt, dass der Pfad der Dogmatiker, die eine Theaterauff\u00fchrung der Oktoberrevolution mit chinesischen Untertiteln anstrebten, nicht zum Erfolg f\u00fchren w\u00fcrde. Die Kommunistische Partei Chinas bewies die F\u00e4higkeit, flexibel zu sein, ohne ihre urspr\u00fcngliche Mission aus den Augen zu verlieren, sowie Fehler aufzudecken, aus ihnen zu lernen und ihren Kurs zu korrigieren.<\/p>\n<p>Zudem erk\u00e4mpfte sie ihre politische wie theoretische Unabh\u00e4ngigkeit gegen \u00e4u\u00dfere Einfl\u00fcsse, insbesondere gegen den sowjetischen Hegemonismus. Ab 1935 agierte die Kommunistische Partei Chinas zunehmend praktisch unabh\u00e4ngig von der Komintern. Diese F\u00e4higkeiten erlaubten es den chinesischen Kommunisten sp\u00e4ter, weitere bedeutende Herausforderungen zu meistern \u2013 etwa der Bruch mit der Sowjetunion sowie die zunehmenden Probleme mit der Planwirtschaft sowjetischen Stils in den 70er Jahren \u2013 und \u00fcber die letzten vierzig Jahre Hunderte von Millionen Chinesen aus der Armut zu befreien.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\">Link zur Erstver\u00f6ffentlichung auf RT DE: <a href=\"https:\/\/de.rt.com\/meinung\/120057-geheimrezept-fur-erfolg-chinesischen-kommunismus\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/de.rt.com\/meinung\/120057-geheimrezept-fur-erfolg-chinesischen-kommunismus\/<\/a><\/span><\/p>\n<hr \/>\n<h4>Teil 2<\/h4>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\">Erstver\u00f6ffentlichung am 02.07.2021 auf <a href=\"https:\/\/de.rt.com\/meinung\/120115-das-geheimrezept-fuer-den-erfolg-des-chinesischen-kommunismus-teil-2\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">RT DE<\/a><\/span><\/p>\n<p>Mit Eroberung der Macht im Jahr 1949 \u2013 die weitgehend ohne sowjetische Unterst\u00fctzung erfolgte \u2013 kamen auf die Kommunistische Partei Chinas neue Herausforderungen zu. Das Land war noch r\u00fcckst\u00e4ndiger als Russland, als die Bolschewiki dort die Macht ergriffen hatten. Entgegen den urspr\u00fcnglichen Erwartungen der Begr\u00fcnder des Kommunismus, Karl Marx und Friedrich Engels, brachen die Revolutionen nicht in hochentwickelten kapitalistischen Staaten mit einem entwickelten Proletariat aus, sondern in r\u00fcckst\u00e4ndigen, halbkolonialen, halbfeudalen Staaten, in denen es neben dem Widerspruch zwischen Arbeit und Kapital noch eine ganze Reihe weiterer, &#8222;vormoderner&#8220; Probleme gab.<\/p>\n<div class=\"ReadMore-root Section-root Section-is1to3-xs_is1to1\" data-widgets=\"ReadMore\">\n<div class=\"Section-container Section-isRow-isTop-isWrap\">\n<article class=\"Card-root Card-is1to1 \">\n<div class=\"Card-imageWrap\">Um diese Herausforderung zu meistern, entwickelte Mao Zedong das Konzept der &#8222;Neuen Demokratie&#8220;. Seine Grundgedanke war, dass die Demokratie sich in den unterentwickelten Staaten anders entwickeln m\u00fcsse als im Westen, wo die parlamentarische Demokratie letztendlich zur Festigung der Kapitalmacht gef\u00fchrt habe. Aufgrund der Besonderheit der materiellen und sozialen Verh\u00e4ltnisse in China gebe es die M\u00f6glichkeit, die revolution\u00e4ren Klassen \u2013 f\u00fcr ihn waren das in der damaligen Lage die Arbeiterklasse, die Bauernschaft, das Kleinb\u00fcrgertum sowie die nationale Bourgeoisie, also im Prinzip fast die gesamte chinesische Bev\u00f6lkerung au\u00dfer einer Handvoll Kollaborateure und Kompradoren \u2013 zum Sozialismus zu f\u00fchren unter Umgehung einer klassischen b\u00fcrgerlichen Revolution. Diese von der Arbeiterklasse gef\u00fchrte revolution\u00e4re Klassenkoalition \u2013 die auf der chinesischen Fahne durch die vier kleinen Sterne dargestellt werden, die um den gro\u00dfen Stern, die Kommunistische Partei, kreisen \u2013 k\u00f6nne im ersten Schritt die Reste des Feudalismus und der kolonialen Abh\u00e4ngigkeit besiegen und anschlie\u00dfend auch den Aufbau des Sozialismus in Angriff nehmen. Mao sprach sich daf\u00fcr aus, die Rolle der nationalen Bourgeoisie genau zu studieren, statt sie in einen Topf mit den Kompradoren zu packen:<\/div>\n<\/article>\n<\/div>\n<\/div>\n<blockquote><p><em>&#8222;Da China ein koloniales und halbkoloniales Land ist, das unter den von anderen Staaten ver\u00fcbten Aggressionen zu leiden hat, besitzt die chinesische nationale Bourgeoisie zu bestimmten Zeiten und in einem bestimmten Grade noch revolution\u00e4re Eigenschaften. Hier darf das Proletariat die revolution\u00e4ren Eigenschaften der nationalen Bourgeoisie nicht ignorieren, es hat vielmehr die Aufgabe, mit ihr eine Einheitsfront gegen den Imperialismus und gegen die Regierungen der hohen B\u00fcrokratie und der Milit\u00e4rmachthaber zu bilden.&#8220;<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Mao pl\u00e4dierte zudem daf\u00fcr, aufgrund der enormen R\u00fcckst\u00e4ndigkeit Chinas dem Privatkapital gewisse Freir\u00e4ume zu lassen:<\/p>\n<blockquote><p><em>&#8222;Die staatliche Wirtschaft einer vom Proletariat geleiteten neudemokratischen Republik tr\u00e4gt sozialistischen Charakter, sie ist die f\u00fchrende Kraft der gesamten Volkswirtschaft, doch wird diese Republik das \u00fcbrige kapitalistische Privateigentum nicht beschlagnahmen, und sie wird auch eine Entwicklung der kapitalistischen Produktion nicht untersagen, soweit diese &#8217;nicht die Lebenshaltung der Nation kontrolliert&#8216;, denn die Wirtschaft in China ist noch au\u00dferordentlich r\u00fcckst\u00e4ndig.&#8220;<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Mao\u00a0warnte jedoch davor, ein klassisches b\u00fcrgerliches Regime zu errichten. Das sei angesichts der innen- wie au\u00dfenpolitischen Lage Wahnsinn, denn es w\u00fcrde China wieder direkt zum Objekt kolonialer Ausbeutung machen \u2013 prophetische Worte, wenn man an die Situation in Russland und den anderen postsowjetischen L\u00e4ndern in den Jahren nach 1991 denkt.<\/p>\n<div class=\"ReadMore-root Section-root Section-is1to3-xs_is1to1\" data-widgets=\"ReadMore\">\n<div class=\"Section-container Section-isRow-isTop-isWrap\">\n<article class=\"Card-root Card-is1to1 \">\n<div class=\"Card-imageWrap\">In diesen Zeilen, die um die Jahreswende 1939\/1940 geschrieben wurden, ist eindeutig das Modell zu erkennen, an das sich Deng Xiaoping \u2013 neben den Erfahrungen der Sowjetunion mit der Neuen \u00d6konomischen Politik \u2013 orientierte, als er Ende der 1970er-Jahre einen Reformprozess einleitete.<\/div>\n<\/article>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>Die KP beschloss eine Reihe von landwirtschaftlichen Reformen, bei der Gro\u00dfgrundbesitzer und reiche Bauern enteignet wurden und ihr Land an landlose Bauern verteilt wurde. Zugleich startete er mit sowjetischer Unterst\u00fctzung eine staatliche Industrialisierungskampagne, die den Grundstein f\u00fcr die moderne chinesische Wirtschaft legte. Diese Schritte erwiesen sich als erfolgreich, da sie dem damaligen Entwicklungsniveau des Landes entsprachen. Die landwirtschaftliche Produktion stieg. Die industrielle Produktion stieg sogar noch schneller. Zwischen 1953 und 1957 vervierfachte sich etwa die Stahlproduktion von j\u00e4hrlich 1,3 Millionen Tonnen auf 5,2 Tonnen. In dieser Zeit wurden die ersten modernen Fabriken in China errichtet. Bereits im Jahr 1956 baute China sein erstes eigenes Fahrzeug.<\/p>\n<p>Mao war aber mit dem Tempo der Entwicklung nicht zufrieden.\u00a0Er studierte auch das sowjetische Entwicklungsmodell, dem China bisher folgte, und kam zu dem Schluss, das die KPdSU die Schwerindustrie \u00fcberbetont, die Produktion von Konsumg\u00fctern hingegen vernachl\u00e4ssigt habe. Basierend auf diesen Analysen startete Mao im Jahr 1958 den sogenannten &#8222;Gro\u00dfen Sprung nach vorn&#8220;, bei dem die Bauern, von denen viele erst vor wenigen Jahren in den Besitz von Land gekommen waren, zu riesigen Volkskommunen zusammengeschlossen wurden. Zudem wurde von den Bauern erwartet, mit einfachsten Mitteln industrielle Erzeugnisse zu produzieren.<\/p>\n<p>Die Kampagne endete in einem Desaster. Die wirtschaftliche Leistung Chinas sank dramatisch. Da die fehlgeleitete wirtschaftliche Politik durch Missernten und den R\u00fcckzug s\u00e4mtlicher sowjetischer Berater aus dem Land im Jahr 1960 verst\u00e4rkt wurde, kam es zu einer gro\u00dfen Hungersnot. Eine Resolution der KP Chinas zur Geschichte aus dem Jahr 1981 spricht daher von &#8222;bedeutenden Verlusten&#8220;, die China in diesen Jahren erlitten habe.<\/p>\n<p>Der Partei gelang es jedoch, den falschen Kurs zu beenden. Im Jahr 1962 fand eine gro\u00dfe Konferenz statt, an der \u00fcber 7.000 Parteikader aus dem gesamten\u00a0Land teilnahmen. Ein f\u00fchrendes Parteimitglied gestand, dass die Hungersnot zu 70 Prozent auf von Menschen gemachte Fehler zur\u00fcckzuf\u00fchren sei. Im Laufe der Konferenz beklagten sich viele Teilnehmer, dass die F\u00fchrung die Bek\u00e4mpfung von B\u00fcrokratismus und die St\u00e4rkung der innerparteilichen Demokratie nicht gen\u00fcgend beachte. Sie verlangten, sprechen zu k\u00f6nnen. Die Parteif\u00fchrung entsprach diesem Wunsch. Der linksextreme Kurs der letzten Jahre wurde kritisiert. Es wurde betont, dass es wichtig sei, die Wahrheit in den Fakten zu suchen und sich stets nach den Massen zu richten. Mao trat von einigen \u00c4mtern zur\u00fcck und \u00fcberlie\u00df die F\u00fchrung der t\u00e4glichen Regierungsgesch\u00e4fte moderaten Kr\u00e4ften, die eine nach dem Grundmuster der &#8222;Neuen Demokratie&#8220; orientierte Wirtschaftspolitik einleiteten.<\/p>\n<p>Mao hatte jedoch die Grundfehler seiner linken Orientierung ab Mitte der 1950er-Jahre immer noch nicht verstanden, sodass er im Jahr 1966 mit der &#8222;Kulturrevolution&#8220; eine erneute linksextreme Phase einleitete. Mao rief junge Aktivisten auf, sich gegen die etablierte Parteigremien zu positionieren. Als Losung f\u00fcr diese Rebellion w\u00e4hlte er den Spruch &#8222;Bombardiert das Hauptquartier&#8220;. Er warf den moderaten Kr\u00e4ften, etwa dem chinesischen Pr\u00e4sidenten Liu Shaoqi und Deng Xiaoping, ohne sie beim Namen zu nennen, vor, eine &#8222;b\u00fcrgerliche Diktatur&#8220; errichtet zu haben, und sprach sogar von &#8222;wei\u00dfem Terror&#8220;.<\/p>\n<p>Maos Kampagne st\u00fcrzte das Land ins Chaos. Offizielle Parteigremien wurden von Rotgardisten durch sogenannte Revolution\u00e4re Komitees ersetzt. Erfahrene Parteikader wurden von Mobs drangsaliert, was zu vielen Todesopfern f\u00fchrte. Liu etwa wurde verhaftet und starb kurz darauf. Deng wurde mehrmals &#8222;ges\u00e4ubert&#8220;.<\/p>\n<figure class=\"RTImage-root\"><\/figure>\n<p>Es kam auch zu K\u00e4mpfen zwischen einzelnen Fraktionen innerhalb der Roten Garden. Um das Absinken des Landes in einen B\u00fcrgerkrieg zu verhindern, musste vielerorts die chinesische Volksbefreiungsarmee einschreiten und die Kontrolle \u00fcbernehmen. Mao erkl\u00e4rte im Jahr 1969 die Kulturrevolution f\u00fcr beendet, doch linke Kr\u00e4fte behielten bis nach Maos Tod im Jahr 1976 die Oberhand. Aber kurz vor seinem Tod rehabilitierte Mao\u00a0Deng\u00a0und holte ihn in die Regierung. Nach Maos Tod gelang es den moderaten Kr\u00e4ften, die linksradikalen Kr\u00e4fte um Maos Ehefrau, die sogenannte Viererbande, zu verhaften.<\/p>\n<p>Die &#8222;Kulturrevolution&#8220; wurde danach als &#8222;verantwortlich f\u00fcr den gravierendsten R\u00fcckfall und die schlimmsten Verluste der Partei, des Landes und des Volkes seit der Gr\u00fcndung der Volksrepublik&#8220; verurteilt. Deng leitete eine Zeit des intensiven Studiums der Geschichte der letzten Jahrzehnte ein, um die Fehler der Partei sowie ihre Errungenschaften richtig einsch\u00e4tzen zu k\u00f6nnen, mit dem Ziel, eine richtige Praxis zu entwickeln. Die kollektive Parteif\u00fchrung und innerparteiliche Demokratie sollten gest\u00e4rkt werden. Statt jedoch, wie es in der Sowjetunion und in vielen anderen sozialistischen Staaten \u00fcblich war, die vorherige Parteif\u00fchrung komplett zu negieren und zu verleumden, versuchte die Kommunistische Partei Chinas, positive und negative Aspekte von Maos F\u00fchrung klar herauszuarbeiten.<\/p>\n<p>Parallel zu dieser Aufarbeitung der eigenen Geschichte leitete Deng, basierend auf der wirtschaftlichen Erfahrung der letzten Jahrzehnte, eine Reihe von marktwirtschaftlichen Reformen ein. Ziel der Reformen war es, die wirtschaftliche Entwicklung zu beschleunigen und die strukturellen Probleme der Planwirtschaft sowjetischen Stils zu \u00fcberwinden. Die Planwirtschaft leistete zwar in der Anfangsphase des wirtschaftlichen Aufbaus, in der die Entwicklung der schwerindustriellen Grundlagen im Vordergrund stand, gute Dienste. Mit der zunehmenden Ausdifferenzierung der Wirtschaft jedoch zeigte sich, dass die Planwirtschaft hier nicht in der Lage war, eine nachhaltige Entwicklung zu sichern.<\/p>\n<p>Deng betonte zudem, dass geteilte Armut nicht Sozialismus sei.\u00a0Er sprach sich gegen die dogmatische Sicht aus, die die Planwirtschaft zu einer Art Fetisch machte und sie trotz der sichtbaren M\u00e4ngel erhalten wollte. Die Partei m\u00fcsse dem Volk eine langfristige Entwicklungsperspektive und eine zunehmende Verbesserung der Lebensverh\u00e4ltnisse bieten, um ihre historische Mission erf\u00fcllen zu k\u00f6nnen. Es sei egal, ob eine Katze schwarz sei oder wei\u00df, solange sie dem Endziel diene, M\u00e4use zu fangen. Im Jahr 1981 erkl\u00e4rte der Parteitag der KP Chinas, dass der Hauptwiderspruch in der chinesischen Gesellschaft jener zwischen den st\u00e4ndig wachsenden materiellen sowie kulturellen Bed\u00fcrfnissen der Bev\u00f6lkerung und der r\u00fcckst\u00e4ndigen Wirtschaft sei.<\/p>\n<p>Entgegen des Vorurteils vieler westlicher Beobachter jedoch, wonach Deng in China den Kapitalismus restauriert habe, betonte die Partei von Beginn der Reformen an, dass diese dem Zweck dienen, den Sozialismus in China zu st\u00e4rken. Rein wirtschaftlich betrachtet waren die Reformen ein voller Erfolg bei der Entwicklung der Produktivkr\u00e4fte. Zwischen 1978 und 2018 wuchs die chinesische Wirtschaftlich laut \u00f6ffentlich zug\u00e4nglichen Statistiken j\u00e4hrlich um durchschnittlich \u00fcber neun Prozent. Im Jahr 2018 war die chinesische Wirtschaft 37-mal gr\u00f6\u00dfer als 1978. Betrug das BIP pro Kopf im Jahr 1978 umgerechnet 156 Dollar, stieg dieser Wert bis zum Jahr 2017 auf 8.830 Dollar. W\u00e4hrend China vor Beginn der Reformen im Wesentlichen ein Agrarland mit einigen schwerindustriellen Anlagen gewesen war, stieg es durch die Reformen zun\u00e4chst zum Status der Werkbank der Welt auf, um in den letzten 15 Jahren dann zunehmend auch auf dem Gebiet der Hochtechnologie und der Dienstleistungen den Anschluss zu finden. Das Klischee von billigem, minderwertigem Plastikspielzeug aus China ist l\u00e4ngst \u00fcberholt. Heute werden in China die modernsten und komplexesten technischen Erzeugnisse produziert. Dieser rasante Aufstieg so eines gro\u00dfen Landes ist ein in der Geschichte einmaliger Vorgang.<\/p>\n<p>Freilich entwickelten sich nicht alle Regionen und alle sozialen Schichten gleichm\u00e4\u00dfig. Das war der F\u00fchrung der KP Chinas auch von Anfang an klar. Deng hatte schon fr\u00fch die Parole ausgegeben, dass zun\u00e4chst einige Bereiche reich werden m\u00fcssen, damit der Aufschwung anschlie\u00dfend die Gesamtgesellschaft erfassen kann.<\/p>\n<p>Im Westen sprach man absch\u00e4tzig von den chinesischen Wanderarbeitern und von &#8222;chinesischen L\u00f6hnen&#8220;. Tats\u00e4chlich waren die Lebensbedingungen der Wanderarbeiter nicht beneidenswert. Jedoch muss jede Entwicklung in ihrem historischen und sozialen Kontext erfasst werden, um zu einem richtigen Urteil zu kommen: Die Arbeiter kamen aus extrem \u00e4rmlichen Verh\u00e4ltnissen und die Arbeit in der Stadt bedeute f\u00fcr sie einen, wenn auch bescheidenen, sozialen Aufstieg, den sie auch massenhaft nutzten. Das ist ein entscheidender Unterschied zur kapitalistischen Entwicklung in westlichen Staaten sowie zur Restaurierung des Kapitalismus in Osteuropa. Dort war die Einf\u00fchrung der industriellen Produktion beziehungsweise Wiederherstellung b\u00fcrgerlicher Verh\u00e4ltnisse begleitet von einem Abrutschen breiter Bev\u00f6lkerungsma\u00dfen ins absolute Elend. In China sehen wir eine <em>gegenteilige <\/em>Entwicklung.<\/p>\n<p>Es ist nat\u00fcrlich einfach f\u00fcr westliche Kritiker, die keine Verantwortung f\u00fcr reale Menschen haben, die Missst\u00e4nde in einem r\u00fcckst\u00e4ndigen Land, das\u00a0\u00fcber 100\u00a0Jahre unter westlicher Ausbeutung und der aktiven Behinderung seiner Entwicklung litt, oberfl\u00e4chlich zu kritisieren. Die geschichtliche Entwicklung ist jedoch keine Folge von &#8222;W\u00fcnsch Dir was&#8220;. Dass Gleichmacherei und\u00a0Linksradikalismus\u00a0nicht in der Lage waren, die Lebensverh\u00e4ltnisse der Bev\u00f6lkerung zu verbessern, konnten die chinesischen Kommunisten aufgrund ihrer eigenen Erfahrung sehen.<\/p>\n<p>Neben der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung ist kennzeichnend f\u00fcr die Erfolge der Reformpolitik, dass es gelang, Hunderte Millionen B\u00fcrger aus der Armut zu befreien. In den letzten zehn Jahren wuchsen die L\u00f6hne durchschnittlich <em>j\u00e4hrlich <\/em>um zehn Prozent. Auch inflationsbereinigt steigen die chinesischen L\u00f6hne eindeutig. In den 2000er-Jahren waren die relativen Lohnsteigerungen sogar noch gr\u00f6\u00dfer. So betrugen die <em>inflationsbereinigten<\/em> j\u00e4hrlichen Lohnsteigerungen in der Industrie 10,5 Prozent, im Baugewerbe fast zehn Prozent und f\u00fcr Wanderarbeiter \u00fcber zehn Prozent. Im landwirtschaftlichen Sektor waren die Steigerungen teilweise noch rasanter. Landarbeiter konnten, je nach ihrer Branche, Lohnsteigerungen zwischen 11,7 Prozent (Baumwolle) und 21,4 Prozent (Schweinezucht) erwarten. W\u00e4hrend der globale Zuwachs der L\u00f6hne zwischen 2008 und 2017 ohne China nur 13 Prozent betrug, betrug er mit China 22 Prozent, wie die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) berichtete. Sogar im Pandemie-Jahr 2020 betrug die reale Lohnsteigerung f\u00fcr st\u00e4dtische Arbeiter \u00fcber f\u00fcnf Prozent.<\/p>\n<p>Das j\u00e4hrliche Pro-Kopf-Einkommen st\u00e4dtischer chinesischer Haushalte stieg von 1.510 Yuan im Jahr 1990 auf 43.000 Yuan im Jahr 2020. Im Jahr 2019 betrug das durchschnittliche Monatsgehalt laut einem Regierungsbericht in 37 bedeutenden chinesischen St\u00e4dten knapp \u00fcber 1.200 Dollar. Somit erhalten Dutzende Millionen Chinesen L\u00f6hne, die h\u00f6her sind als jene, die Arbeiter in weiten Teilen Osteuropas erwarten k\u00f6nnen. So betrug etwa das monatliche Durchschnittsgehalt in der Ukraine im Jahr 2019 nur knapp 390 US-Dollar, im EU-Mitgliedsstaat Bulgarien 690 Euro.\u00a0Wenn die aktuelle Entwicklung anh\u00e4lt, d\u00fcrften Chinas St\u00e4dte in Bezug auf die H\u00f6he der L\u00f6hne bald s\u00fcdliche EU-Staaten wie Griechenland und Portugal \u00fcberholen. Westliche Kommentator sollten also demn\u00e4chst lieber noch mal \u00fcberlegen, ehe sie sich abf\u00e4llig \u00fcber &#8222;chinesische L\u00f6hne&#8220; \u00e4u\u00dfern.<\/p>\n<p>Doch der Aufschwung beschr\u00e4nkte sich nicht auf die St\u00e4dte. Auch in den D\u00f6rfern ist eine deutliche Verbesserung der Einkommenssituation zu verzeichnen. Betrug das j\u00e4hrliche Einkommen von Chinas B\u00fcrgern auf dem Land im Jahr 1990 nur knapp 690 Yuan, stieg dieser Wert im Jahr 2020 auf 17.130 Yuan. Dieser Anstieg des gesamtgesellschaftlichen Reichtums l\u00e4sst sich in der Verringerung der Anzahl der armen Landbev\u00f6lkerung nachvollziehen. Lebten im Jahr 1978 noch 770 Millionen Menschen auf dem Land in absoluter Armut (t\u00e4gliches Einkommen von umgerechnet weniger als 2,3 Dollar), gelang es der KP, diesen Wert bis zum Ende des letzten Jahrs auf null zu senken. China hat die extreme Armut erfolgreich besiegt.<\/p>\n<p>In den letzten 20 Jahren wurde zudem ein umfassendes Sozialversicherungssystem aufgebaut, das seit 2014 auch die schon unter Mao aufgrund des extrem niedrigen Entwicklungsniveaus eher benachteiligte l\u00e4ndliche Bev\u00f6lkerung erfasst. Das Versicherungssystem umfasst f\u00fcnf S\u00e4ulen: Alters-, Kranken-, Arbeitslosen-, Arbeitsunf\u00e4higkeits- und Mutterschaftsversicherung. Die Besch\u00e4ftigten selbst m\u00fcssen nur f\u00fcr drei Versicherungen Beitr\u00e4ge leisten, n\u00e4mlich f\u00fcr die Renten-, Arbeitslosen- und Krankenversicherung. Die anderen Versicherungen tr\u00e4gt allein die Unternehmerseite. Auch sind die Beitragss\u00e4tze f\u00fcr die einzelnen Versicherungen nicht parit\u00e4tisch oder gar zulasten der Besch\u00e4ftigten wie in Deutschland, sondern Besch\u00e4ftigte zahlen allgemein weitaus geringere S\u00e4tze als die Unternehmerseite.<\/p>\n<p>Im Vergleich zu hochentwickelten Staaten weist Chinas Sozialversicherung noch viele M\u00e4ngel auf. Jedoch w\u00e4re das eben ein sinnloser Vergleich; man k\u00f6nnte auch die Kompetenz von Erstkl\u00e4sslern und Universit\u00e4tsabsolventen zur Beantwortung hochkomplexer gesellschaftlicher Fragen &#8222;vergleichen&#8220;. Im chinesischen Kontext stellen die Meilensteine der letzten Jahre enorme Verbesserungen dar. Zu Beginn der Volksrepublik, als China eines der \u00e4rmsten L\u00e4nder der Welt war, bestand die Hauptaufgabe der chinesischen Sozialpolitik noch darin, sicherzustellen, dass alle Chinesen gen\u00fcgend Nahrungsmittel zur Verf\u00fcgung hatten.<\/p>\n<p>Im Zuge des wirtschaftlichen Aufschwungs haben sich auch die Bed\u00fcrfnisse und W\u00fcnsche der chinesischen Bev\u00f6lkerung entwickelt. Im Unterschied zu den oftmals dogmatischen Kr\u00e4ften, die die osteurop\u00e4ischen sozialistischen Staaten anf\u00fchrten, sp\u00fcrt die KP Chinas den Puls der Bev\u00f6lkerung und ist in der Lage, die Regierungspolitik entsprechend anzupassen. So erkl\u00e4rte die Partei etwa im Jahr 2017, dass der Hauptwiderspruch in China mittlerweile jener zwischen der ungleichm\u00e4\u00dfigen sowie ungen\u00fcgenden Entwicklung und den st\u00e4ndig wachsenden Bed\u00fcrfnis der Bev\u00f6lkerung nach einem besseren Leben sei. Damit wurde eine Trendwende der chinesischen Politik kodifiziert, die bereits Mitte der 2000er-Jahre einzusetzen begonnen hatte, als die Regierung das alleinige Ziel der wirtschaftlichen Entwicklung zunehmend durch einen die wirtschaftliche und soziale Entwicklung vermittelnden Entwicklungsansatz ersetzt hatte, der in den letzten zehn Jahren sogar zunehmend \u00f6kologische Probleme adressiert. Zudem wurde Ende der 2000er-Jahre ein neues, f\u00fcr Entwicklungsstaaten sehr fortschrittliches Arbeitsrecht verfasst. Der Staat begn\u00fcgte sich jedoch nicht damit, es bei der Verk\u00fcndung zu belassen, sondern leitete Massenkampagnen ein, um die Arbeiter \u00fcber ihre neuen Rechte zu informieren und sie aufzufordern, diese bei Bedarf auch in Anspruch zu nehmen.<\/p>\n<p>Gewiss: In China gibt es auch heute noch (relative) Armut, sowohl in den St\u00e4dten als auch auf dem Land. Und nat\u00fcrlich gibt es auch einige sehr reiche Menschen. Diese relative Armut ist in China auch kein Geheimnis, sondern wird in Regierungsberichten als im weiteren Verlauf der Entwicklung zu l\u00f6sendes Problem thematisiert und von chinesischen Forschern wissenschaftlich untersucht. Jedoch muss man eben die Entwicklungstendenz betrachten, und die ist f\u00fcr die <em>gesamte<\/em> Bev\u00f6lkerung eindeutig positiv. Armut kann nicht einfach durch Wunschdenken und &#8222;linke&#8220; Parolen beseitigt werden.<\/p>\n<p>Es gibt\u00a0einige westliche Beobachter, die wegen der Rolle des Marktes und des Privatkapitals anzweifeln, ob Chinas System tats\u00e4chlich noch sozialistisch ist.\u00a0Werfen wir einen Blick auf die Struktur der chinesischen Wirtschaft. Im Jahr 2020 erwirtschafteten chinesische Staatsbetriebe 40 Prozent des Bruttoinlandsproduktes und machten 60 Prozent der Marktkapitalisierung aus. Dabei gibt es verschiedene Formen von Staatseigentum: von riesigen Unternehmen, die direkt einer Kommission der Zentralregierung unterstehen, \u00fcber mittlere Unternehmen, die von Provinzregierungen kontrolliert werden, bis hin zu Kleinstunternehmen, die von Gemeinden verwaltet werden. Neben diesem direkten staatlichen Sektor gibt es noch einen nicht zu vernachl\u00e4ssigenden genossenschaftlichen Bereich. Die Staatsunternehmen spielen insbesondere bei der Rohstoffgewinnung, in der Schwerindustrie, in der Energiebranche sowie in bestimmten Konsumg\u00fctersektoren (etwa bei der Autoproduktion) eine\u00a0bestimmende\u00a0Rolle. Zudem ist auch der ganze Finanzsektor fest in staatlicher Hand, der wiederum eine enorme Kontrollm\u00f6glichkeit \u00fcber andere Wirtschaftszweige bietet. Von den 119 chinesischen Unternehmen, die von der Zeitschrift <em>Fortune Magazine<\/em> auf die Liste der 500 weltweit umsatzst\u00e4rksten Unternehmen aufgenommen wurden, sind \u00fcber 80 Prozent Staatsfirmen.<\/p>\n<p>Neben der direkten wirtschaftlichen Kontrolle einzelner Unternehmen \u00fcbt der Staat auch durch weitere Kan\u00e4le Einfluss auf die Wirtschaft aus. Zwar wurde im Zuge der Reformen ab 1978 die Kommandowirtschaft aufgegeben, jedoch hielt die\u00a0KP daran fest, die wirtschaftliche Entwicklung planm\u00e4\u00dfig zu gestalten und sie nicht dem blinden Zufall der unsichtbaren Hand zu \u00fcberlassen. Es werden immer noch makro\u00f6konomische F\u00fcnfjahrespl\u00e4ne mit\u00a0konkreten Zielen aufgestellt, deren Einhaltung\u00a0der Ma\u00dfstab ist, an dem der Erfolg der Regierungspolitik gemessen wird.<\/p>\n<p>Diese Ziele werden nicht im dunklen K\u00e4mmerlein diktiert, sondern unter Ber\u00fccksichtigung wissenschaftlicher Erkenntnisse von den zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden vorgestellt und erst nach mehrmaligen intensiven Diskussionsrunden auf verschiedenen Ebenen beschlossen. So werden Jahre, manchmal Jahrzehnte im Voraus bestimmte Entwicklungsziele gesetzt, und der Staat mobilisiert anschlie\u00dfend alle zur Verf\u00fcgung stehenden Kr\u00e4fte, um diese Ziele zu verwirklichen. Dabei handelt es sich meist um Projekte zur Hebung des Lebensstandards der Bev\u00f6lkerung, etwa die Verbesserung der Verkehrsanbindung entlegener Provinzen.<\/p>\n<p>Beispielhaft ist zudem die staatliche Armutsbek\u00e4mpfungskampagne ab dem Jahr 2013. Zu diesem Zweck b\u00fcndelte der Saat\u00a0riesige Ressourcen. Die Zentralregierung\u00a0reservierte allein im Jahr 2019 ungef\u00e4hr 13 Milliarden US-Dollar f\u00fcr Projekte im Rahmen der Armutsbek\u00e4mpfung. Zudem mobilisierte die staatliche Entwicklungsbank Chinas 57 Milliarden US-Dollar f\u00fcr die Kampagne. \u00dcber 500.000 Mitglieder der KP Chinas wurden damit beauftragt, erstmals als Sekret\u00e4r in einem Dorf zu dienen. Drei Millionen Kader wurden in unterentwickelte Gebiete geschickt. Im Westen wenig bekannt ist, dass im Zuge der Kampagne 1.800 Menschen ihr Leben opferten. Auch die planm\u00e4\u00dfige Unterordnung\u00a0aller Privatinteressen\u00a0unter die Bek\u00e4mpfung der COVID-19-Pandemie im letzten Jahr, die sehr niedrige Todeszahlen sowie eine rasche Wiederherstellung des normalen Lebens erm\u00f6glichte, und die anschlie\u00dfende schnelle wirtschaftliche Erholung belegen, dass in China nicht Kapitalinteressen regieren, sondern der Staat systematisch zum Wohle der breiten Massen arbeitet.<\/p>\n<p>Allein anhand rein \u00f6konomischer Kriterien l\u00e4sst sich also ein derart gro\u00dfer quantitativer Unterschied des staatlichen Einflusses in wirtschaftliche Aktivit\u00e4ten feststellen, dass dieser einen grundlegenden qualitativen Unterschied zum westlichen, kapitalistischen Modell bewirkt. K\u00fcndigte jemand an, in Westeuropa oder den USA die Wirtschaftsstruktur nach chinesischem Vorbild umzustrukturieren, gingen Unternehmerkreise und konservative Kr\u00e4fte sofort auf die Barrikaden, um \u2013 aus ihrer Sicht zu Recht \u2013 gegen die drohende Einf\u00fchrung des Sozialismus zu protestieren.<\/p>\n<p>Doch es gibt noch weitere Faktoren, die dazu beitragen, dass in China ein Sozialismus \u2013 wenn auch in einem fr\u00fchen Entwicklungsstadium \u2013 herrscht und kein Kapitalismus oder gar &#8222;Turbokapitalismus&#8220;. In China wird dem Kapital ein gewisser Freiraum geboten, aber\u00a0diesem sind \u2013 im Kontrast zu den westlichen Staaten \u2013\u00a0klare Grenzen gesetzt. Abgesehen davon, dass die bestimmenden Kommandoh\u00f6hen der Wirtschaft vom Staat und nicht von Privatmonopolisten gelenkt werden,\u00a0hat die KP viele indirekte Mittel der Kontrolle \u00fcber den privatwirtschaftlichen Bereich. Seit einigen Jahren etwa\u00a0m\u00fcssen\u00a0Parteizellen in allen Unternehmen gegr\u00fcndet werden, in denen mindestens drei Parteimitglieder sind. Diese k\u00f6nnen sich zwar nicht direkt in die wirtschaftlichen Belange einmischen, aber die Aktivit\u00e4ten des Unternehmens \u00fcberwachen und bei Problemen diese an h\u00f6here Ebenen weiterleiten. Die Parteizellen spielen eine Rolle etwa bei der Sozialhilfe sowie zunehmend bei den, wie es im Jargon des Business English hei\u00dft, Human Resources und im Management.<\/p>\n<p>Auch\u00a0befinden sich die wichtigen Bastionen des, wie es in der marxistischen Fachsprache hei\u00dft, &#8222;\u00dcberbaus&#8220; fest in der Hand der Partei: die staatlichen Institutionen, die Armee, die Sicherheitskr\u00e4fte, die Medien, die Massenorganisationen. Dar\u00fcber hinaus \u00fcbt die Partei aufgrund ihres hohen Ansehens in der chinesischen Gesellschaft einen moralischen Druck auf alle Privatunternehmer aus. So wurde etwa auch das Privatkapital f\u00fcr die Armutsbek\u00e4mpfungskampagne mobilisiert. Beispielhaft f\u00fcr die St\u00e4rke des Staates, der die Interessen der Volksmassen vertritt, ist, dass die staatlichen Aufsichtsbeh\u00f6rden im November letzten Jahres den geplanten B\u00f6rsengang der Ant Group (einer Finanzplattform, die zur Alibaba-Gruppe des chinesischen Milliard\u00e4rs Jack Ma geh\u00f6rt) verhinderten. Anschlie\u00dfend wurde eine Richtlinie verk\u00fcndet, die den Aufsichtsbeh\u00f6rden gr\u00f6\u00dfere Eingriffsm\u00f6glichkeiten in gro\u00dfe Privatunternehmen im Technologiebereich erm\u00f6glicht. Im Dezember starten die Aufsichtsbeh\u00f6rden ein Kartellverfahren gegen die Alibaba-Gruppe, das in einer Strafe in H\u00f6he von vier Prozent des Firmenumsatzes des Jahres 2019 (umgerechnet etwa 2,3 Milliarden Euro) resultierte. Die Partei l\u00e4sst privatwirtschaftlichen Initiativen zwar gewisse Freir\u00e4ume, verhindert aber aufgrund ihres enormen politisch-gesellschaftlichen \u00dcbergewichts, dass sich diese Einzelpersonen organisieren, gemeinsame Interessen vertreten und so als Klasse politisch handeln k\u00f6nnen. Der Trend in China weist eindeutig in die Richtung, dass das private Kapital geb\u00e4ndigt und in den Dienst der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung gestellt und so, wie man philosophisch sagen w\u00fcrde, &#8222;aufgehoben&#8220; wird. Das ist freilich ein langer, teils widerspr\u00fcchlicher Prozess.<\/p>\n<p>Dieser Rahmen, in dem sich die chinesischen &#8222;Kapitalisten&#8220; bewegen, bedeutet letztendlich, dass sie gar nicht vergleichbar sind mit ihren Kollegen im Westen. Wenn man eine Sache analysieren will, darf man sie n\u00e4mlich nicht vereinzelt, herausgel\u00f6st aus ihrem Kontext untersuchen, sondern man muss sie so betrachten, wie sie in der Realit\u00e4t existiert, also mit allen ihren komplexen gesellschaftlichen Verbindungen. Daher ist es nicht zul\u00e4ssig, aufgrund der Tatsache, dass einige Chinesen \u00fcber privates Kapital verf\u00fcgen und sich bereichert haben, zur Schlussfolgerung zu gelangen, dass China ein kapitalistisches Land ist, denn dann vernachl\u00e4ssigt man den Kontext, in dem dieses Ph\u00e4nomen existiert, und der deutet eindeutig darauf hin, dass in China ein sich in der Entwicklung befindendes sozialistisches System vorliegt, das dem Wohle des Volkes dient.<\/p>\n<p>Nach dieser Betrachtung der Geschichte der Kommunistischen Partei Chinas und der aktuellen Lage k\u00f6nnen wir die eingangs aufgeworfene Frage beantworten, wodurch ihr Erfolg und die nachhaltige Unterst\u00fctzung, die sie in der Bev\u00f6lkerung genie\u00dft, zu erkl\u00e4ren ist. Folgende Merkmale sind zentral, um dieses Mysterium zu entziffern: Die Partei hat\u00a0Mechanismen etabliert, um begangene Fehler zu identifizieren und zu beheben, statt auf einem falschen Kurs zu bestehen, nur um das Gesicht zu wahren, was oftmals in den L\u00e4ndern des traditionellen Sozialismus geschah. Zudem ist die Partei in der Lage, negative Entwicklungen m\u00f6glichst fr\u00fchzeitig zu beheben, noch bevor sie ernste Probleme erzeugen. Wesentlich f\u00fcr Begr\u00fcndung dieses problemorientierten Arbeitsstils war das Aufgeben\u00a0eines engen ideologischen Ansatzes, der die Beibehaltung gewisser Glaubenss\u00e4tze \u00fcber die politische Praxis stellt. Das ist jedoch nicht gleichbedeutend mit der Aufgabe des Marxismus als theoretisches Leitsystem, wie die Kommunistische Partei Chinas unerm\u00fcdlich betont. Stattdessen entwickelt die Partei den Marxismus immer weiter und konkretisiert ihn unter Ber\u00fccksichtigung der realen Verh\u00e4ltnisse in China. Im Mittelpunkt der politischen Praxis der Partei stehen die Bed\u00fcrfnisse der einfachen Chinesen. Indem die KP Chinas ihre Lebenssituation von Jahr zu Jahr, von Tag zu Tag verbessert und eine Perspektive f\u00fcr die Errichtung einer modernen, sozialen und umfassend entwickelten Gesellschaft bietet, kann sie sich ihre Unterst\u00fctzung sichern, wie die im ersten Teil des Beitrags zitierte Studie der Harvard University belegt.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\">Link zur Erstver\u00f6ffentlichung auf RT DE: <a href=\"https:\/\/de.rt.com\/meinung\/120115-das-geheimrezept-fuer-den-erfolg-des-chinesischen-kommunismus-teil-2\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/de.rt.com\/meinung\/120115-das-geheimrezept-fuer-den-erfolg-des-chinesischen-kommunismus-teil-2\/<\/a><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Dennis Simon ist Mitglied des Deutschen Freidenker-Verbandes, Landesverband Berlin<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\">Bild: <span class=\"RTImage-caption\"><span class=\"RTImage-captionItem\">Feierlichkeiten anl\u00e4sslich des 100. Jahrestages der Gr\u00fcndung der KP Chinas in Peking<br \/>\n<\/span><\/span><span class=\"RTImage-caption\"><span class=\"RTImage-captionItem\">Foto: <\/span><\/span><span class=\"RTImage-source\"><span class=\"RTImage-captionItem\">Li Xiang\/XinHua<br \/>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.xinhuanet.com\/english\/2021-07\/01\/1310037436_16251207886201n.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.xinhuanet.com<\/a><\/span><\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Beitrag von Dennis Simon<\/b><br \/>\nAm 1. Juli feiert die Kommunistische Partei Chinas ihren 100. Jahrestag. Anfang der 1990er Jahre gab es viele Beobachter im Westen, die gedacht und gew\u00fcnscht haben, dass die Partei dieses Jubil\u00e4um nicht erleben w\u00fcrde. &#8230;.<br \/>\nWiederholte Prognosen von &#8222;China-Experten&#8220;, dass die KP Chinas schwach und unbeliebt sei und daher Chinas Regierungssystem kollabieren werde, bewahrheiteten sich jedoch nicht. Dennoch \u00fcbertragen westliche Beobachter viele negative Klischees und Vorurteile, die sich um die Sowjetunion und die anderen osteurop\u00e4ischen sozialistischen Staaten gebildet hatten, einfach auf China, ohne sich genau mit den Details zu befassen.<br \/>\nInzwischen zeigen jedoch westliche Studien, dass Chinas Regierungspartei fest im Sattel sitzt und eine sehr gro\u00dfe Unterst\u00fctzung seitens der Bev\u00f6lkerung genie\u00dft.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":10670,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","advanced_seo_description":"","jetpack_seo_html_title":"","jetpack_seo_noindex":false,"jetpack_post_was_ever_published":false,"footnotes":""},"categories":[12,1162],"tags":[413,491,1402,565,592,138,564,122],"class_list":["post-10667","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-demokratie-medien-aufklaerung","category-geschichte","tag-china","tag-geschichte","tag-industrialisierung","tag-kommunismus","tag-kpch","tag-revolution","tag-sozialismus","tag-wirtschaft"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/www.freidenker.org\/fw17\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/china_kp_100Jahre_800x450.jpg?fit=800%2C450&ssl=1","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p9stpK-2M3","jetpack-related-posts":[{"id":10838,"url":"https:\/\/www.freidenker.org\/?p=10838","url_meta":{"origin":10667,"position":0},"title":"100 Jahre Roter Stern \u00fcber China","author":"Webredaktion","date":"14. 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